Forum www.Vaskulitis.org

Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Genfer Deklaration überarbeitet


Im Oktober 2017 wurde die von einer internationalen Ärztegruppe (Weltärztebund) überarbeitete Neufassung der Genfer Deklaration beschlossen. Die Neufassung umfaßt radikale Änderungen mit dem Ziel, veränderte Realitäten sowie die Bedürfnisse und Ansprüche von Patienten besser zu berücksichtigen.

Im Mittelpunkt ärztlichen Handelns steht nunmehr das Wohlbefinden und die Würde sowie die Autonomie des Patienten. Danach stehen nicht mehr die mit allen verfügbaren Mitteln betriebenen ärztlichen Handlungen, um den Erhalt und die Wiederherstellung der Gesundheit anzustreben, im Vordergrund. Außerdem kann nun der Respekt vor der Würde des Patienten sowie die Akzeptanz der Autonomie von Medizinern einfordert werden.

siehe unter: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/85808/Neufassung-des-Genfer-Geloebnisses-liegt-auf-eutsch-vor

>> dort Deutsche Fassung

Dies gilt es nun umzusetzen. Der Ärztegruppe gehörte auch der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Montgomery an. Nach dessen Aussage sei das neue Gelöbnis etwas, das man "einmal durchdenken, besprechen und nach dem man dann auch noch handeln muß".
Quelle: Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, 38. Jahrgang, 2018-1, S. 32.

(In der Berufsordnung der LÄK W-L ist die Würde und das Selbstbestimmungsrecht des Patienten übrigens niedergelegt. Das Wohlbefinden bisher in meiner Patientenverfügung...).


Zuletzt bearbeitet: 03.01.18 17:31 von Ingeborg


Hallo Ingeborg,

danke dir für diese Information.
Wohlbefinden und Würde des Patienten, dachte ich, stünden-zumindest auf dem Papier- schon immer an oberster Stelle für den Mediziener. Das Autonomie nun auch mehr in den Fokus gerät, klingt erst mal gut. Was es auch immer im einzelnen bedeutet.

Ich merke, es ist ein gutes Thema, sich damit auseinanderzusetzen.
LG Omega



An der Universität von Minnesota, USA, haben dieses Jahr die angehenden Mediziner eine eigene Deklaration geschrieben, die u.a. auch diesen Abschnitt hat.



"Wir werden versuchen, die ganze Person zu heilen, anstatt nur Krankheiten zu behandeln, wir wollen uns zu einer Partnerschaft mit unseren Patienten verpflichten, die sie befähigt und Empathie und Respekt demonstriert. Wir werden manchmal heilen, oft behandeln und immer trösten. "

Den ganzen Text (englisch) hier:
https://onbeing.org/blog/an-oath-for-new-physicians/



Vielen Dank dafür, Sabine,
der kleine Ausschnitt strahlt so viel Bewußtsein für die eigene menschliche Unzulänglichkeit (im positiven Sinne für Bescheidenheit) und Respekt vor dem Patienten aus, ohne hierarchisches Gehabe, dass man/ich (aus meiner nun mehrjährigen Erfahrung), es kaum glauben mag. Obwohl ich schon auch sehr gute Ärzte, solche, die man sich wünscht, kennengelernt habe. In früheren Jahren hörte man mal: der ist aber unfreundlich und meinte damit überwiegend eine Ausnahme. Heute hört man mal: der ist aber freundlich...und ist überrascht.

@Omega,
in der o.g. Berufsordnung ist vom Wohl des Patienten die Rede. Das kann im gutgemeinten Sinne die Gabe von Zytotatika über Jahre sein, die aber sein Wohlbefinden -ich interpretiere das im Sinne von Lebensqualität- stark beeinträchtigen können.
Bin gespannt, ob sich in den Berufsordnungen etwas ändert. Wobei es dann noch um die tatsächliche Umsetzung geht. Schon heute scheint mir dies zum Teil mindestens fraglich.
LG Ingeborg



"wir werden manchmal heilen,oft behandeln und immer trösten" dazu die Aussage, den ganzen Menschen sehen zu wollen, und nicht NUR Krankheiten zu behandeln, zeugt für mich von einer bewundernswerten Haltung,die gepaart mit Wissen in medizinischer Hinsicht,einen ganz hohen Anspruch an die Ärzte stellt.
Wir wünschen uns , glaube ich alle, in diesem Sinne ausgebildeten Ärzte zu finden. Auch Haltungen, wie Demut, können an Universitäten als wichtige Voraussetzung für diesen Beruf gelehrt, oder besser,thematisiert werden.
In der Palliativmedizin ist, was das betrifft, in den letzten Jahren viel Positives passiert, Aber ich denke, wenn mit dieser Haltung in allen Fachabteilungen der Medizin gearbeitet würde, brauchten wir keine Palliativabteilungen mehr......
Es darf ja ein bischen geträumt werden. Vielen Dank, Ingeborg und Sabine.
Omega

Zurück zur Übersicht


Dieses Forum ist ein Bestandteil von www.vaskulitis.org