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Thema: psychische Belastung durch Vaskulitis??


Hallo zusammen,

ich bin der Stefan. Ich leide seid August 2017 unter einer IGA Vaskulitis. Diese Art der Vaskulitis ist im Gegensatz zu anderen Formen ja eher harmlos wenn man das so schreiben/sagen kann. Trotzdem habe ich seid dem psychische Probleme. Erst dachte ich ich hätte Männerbabyblues da ich gute 3 Monate vor der Diagnose Vater geworden war, dazu kam die Hochzeit ein paar Monate vor der Geburt. Ich dachte ok ist halt viel passiert, Speicher voll, das wird schon wieder. Dann ging es ein paar Wochen auch wieder und jetzt kommt das ganze wieder. Ich habe Herzrasen, bin nervös wie vor einer Prüfung, kann mich kaum aus dem Bett aufraffen und heule grundlos wie ein Schlosshund. Dazu mache ich mir dann noch selbst Vorwürfe warum ich denn nun grundlos fertig bin.
Hat einer von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder weiß einer wie ich da wieder raus komme? Oder bin ich einfach nur ein psychisch labiler Kerl der quasi aus dem nichts zusammenbricht?
Medizinische Untersuchungen erbrachten keine Erkenntnis (Langzeit EKG, Blutuntersuchung etc.)



Falls du Cortison nimmst, kann es ganz einfach am Cortison liegen. Das wirkt bei jedem psychisch anders und kann von Depression bis zu Euphorie reichen.

Also guck dir deine Tabletten an und google die Nebenwirkungen als ersten Schritt.

Normalerweise schüttet der Körper bei Ereignissen wie Elternschaft etwas aus, das den Stress abfedert.



Herzlich Willkommen Stefan,

falls es nicht am Cortison liegt: Depression kommt oft bei Vaskulitis vor, da bist du nicht allein.

Mach regelmäßig etwas was dir Spaß macht um auf andere Gedanken zu kommen.

LG Wolke



Von Cortison bin ich seid 3,5 Wochen runter seid dem nehme ich Dapson fatol 3x1 täglich.
Mit dem ablenken und sich was gutes tun ist das im Moment auf Grund des Kindes natürlich schwierig und Sport darf ich im Moment auch noch keinen machen....
Ich danke euch für die Antworten dann muss ich versuchen mir etwas Zeit für mich frei zu schauffeln und etwas zu machen was mir Spaß bereitet.


Zuletzt bearbeitet: 09.02.18 11:09 von Salut


Das kann schon auch am Dapsone liegen

https://www.drugs.com/sfx/dapsone-side-effects.html

Wenn das wirklich eine Depression ist, kommst du mit "etwas tun, was Spaß macht" nicht weit.



Hallo Stefan,
ganz sicher läßt einen eine chronische Erkrankung mit der Zeit nicht unverändert. Das kennen, ich behaupte das mal, alle hier. Auch Cortison, also ein Hormon, kann verschiedene Reaktionen auslösen, von Euphorie bis Depression. Entzündungen können sich ebenfalls durch Botenstoffe auf die Seele legen. Also, es gibt verschiedene Auslöser.
Es sind zudem mit der Vaterschaft, der Hochzeit sowie der Diagnose dieser Erkrankung bei Dir viele tief emotionale Reaktionen hervorgerufen worden. Zusammen nmit Deinen persönlichen Eigenschaften sowie bisherigen Lebenserfahrungen machen diese Ereignisse Dich sicherlich auch dünnhäutiger.
Ich finde Deine Empfindsamkeit auf der einen Seite toll. Was sich aber kontraproduktiv auswirkt ist, wenn Du Dir für Deine Reaktionen Selbstvorwürfe machst. Es paßt das sicherlich nicht in Dein Selbstbild. Hierzu gib mal 'Plädoyer' oben in die SuFu ein -und dann laß Deine Seele erstmal ihren Weg gehen und gib ihr Zeit. Sonst wäre es auch keine Schande, psychologische Hilfe anzunehmen.

Im übrigen möchte ich Dir noch sagen, dass die IgA Vaskulitis (früher Purpura Schönlein Henoch) nicht nur harmlos sein kann. Ich hoffe, dass auch u.a. Niere, Lunge und Darm untersucht wurden und in Ordnung sind und Du in Behandlung eines internistischen Rheumatologen bist, der sich auskennt.
Paß auf Dich auf,
Ingeborg



nachträglich:
wenn Dir noch etwas Spaß macht, hast Du keine Depression.



"kann mich kaum aus dem Bett aufraffen und heule grundlos wie ein Schlosshund"

hört sich nach echter Depression an.

Das ist ziemlich gefährlich, liegt irgendwo in der chemischen Zusammensetzung des Körpers und mit mentalen Tricks, "Zusammenreißen" oder ähnlichem lässt sich da nichts machen.

Vor allem ist man nicht selbst verantwortlich dafür.

Also unbedingt einen kompetenten Arzt aufsuchen, der sich mit so etwas auskennt. Die beste erste Anlaufstelle ist vermutlich der Hausarzt.



Vielen Dank für die Antworten.
Ich bin momentan in der Uni Hautklinik Münster in Behandlung. Wo auch erst der genaue Vaskulitis Typ bestimmt wurde. Vorher war ich stationär im KH und habe dort so ziemlich alle Untersuchungen bekommen die es im normalen KH gibt wie (Ultraschall, Röntgen der Lunge, Darmspiegelung, unzählige Blutuntersuchungen, Urin Untersuchung etc.) Der dortige Rheumatologe hat aufgrund der negativen Rheumawerten mich wieder weg geschickt.
Jetzt in der Uni Klinik wurde ich auf Dapson gesetzt und nochmals der Urin untersucht und ich muss zu regelmäßigen Blutuntersuchungen wegen evtl. Blutarmut durchs Dapson.

Was den Spaß betrifft ist es schwer zusagen das mir etwas Spaß macht oder etwas begeistert. Auch Freude im allgemeinen ist schwierig im Moment. Selbst mein bezaubernder Sohn hat es schwer mich aufzumuntern, dabei ist er ein Paradebeispiel für Fröhlichkeit und Spaß am Leben. Aber irgendwas zieht mich total nach unten und nimmt mir jeden Spaß. Das ganze verläuft Schubweise. Es gibt auch Phasen wo ich gut drauf bin und mich nicht so kraftlos fühle. Wo ich so etwas wie Freude verspüre (nicht so wie es sein sollte, aber schon mehr als sonst).



Dann sprich deinen Gemütszustand in der Uniklinik an, sag ihnen, dass das bei dir nicht normal ist und frag sie, woran das liegt.



So viele emotionale Veränderungen können den stärksten Seemann aus den Socken hauen. Ehemann und Vater zu werden ist extrem emotional, auch wenn beides hoffentlich als gutes Erlebnis empfunden wird. Auch positiver Stress ist Stress. Und etwas schwerer zu erkranken ist dann natürlich mit negativen Emotionen verbunden, das muss man erstmal auf die Reihe bekommen. Vielleicht bist Du emotional einfach überlastet. Unterbewusst kann Dich auch die neue Verantwortung für Dein Kind belasten.

Aber: Selbst wenn es "nur" depressive Verstimmungen" sind und noch keine Depression solltest Du Dich unbedingt beim Arzt beraten lassen und im Zweifelsfall mit Medikamenten und/oder Psychotherapie gegensteuern. Das kann sehr gut helfen und wieder einen glücklichen Menschen aus Dir machen, ich spreche da aus Erfahrung. Es gibt leichte Medikamente wie Baldrian o.ä. bis hin zu sehr starken, da ist das Spektrum sehr breit.

Du schreibst, Du hast wegen des Kindes keine Zeit Dir was Gutes zu tun, das geht auch mit Kind. Geh spazieren, geh ans Licht, das ist stimmungsaufhellend und kümmere Dich um dein Baby. Da ist jede Menge zu tun und wenn Du es nur rumträgst und ihm Nestwärme gibst, da bekommst Du bestimmt viel zurück.



Das versuche ich ja. Gehe jeden Tag nach der Arbeit mit meinem Sohn spazieren. Übernehme das füttern etc.
Seid ein paar Tagen ist mein Tinnitus den ich seid ich denken kann auch am spinnen und wird gerade Abends/Nachts so laut das ich ihn gar nicht ignorieren kann, jedes weitere akustische Signal führt dann zu einem übersteuern oder wie man es nennen soll und ich bekomme leichtes Herzrasen.



Salut, das ist wirklich ganz traurig, wenn du alles versuchst. um im Alltag alles richtig zu machen, vor allem auch für dein Kind, und trotzdem kommt es jetzt mit dem Tinitus noch schlimmer.
Das tut mir ganz leid.
Dies Forum ist ja dazu da, das man auch seine Traurigkeit, Ärger und Wut hier lassen kann. Aber hast du vielleicht,trotz, oderauch wegen deines Kindes, mal an eine Auszeit mit Reha gedacht?
Und dann mit gutem Mut, ohne schlechtes Gewissen in den Alltag.
Ob psychosomatisch, oder internistisch, oder oder....Wenn du es willst, ließe sich vielleicht eine Klinik finden.
Erstmal ein gutes durchstehen des Tages,bei uns scheint ausnahmsweise mal die Sonne,die wünsche ich dir auch, wenn nicht draußen, dann in dir drinnen!
LG Omega



Hallo Salut,
es ist schon vieles gesagt worden, dem ich mich anschließen kann, und deshalb möchte ich Dir auch Mut machen, Dir psychologische Hilfe zu holen. In der Rheumaklinik in Bad Bramstedt wurde immer gesagt „Sie müssen es schaffen, aber Sie müssen es nicht alleine schaffen“. Bei Bad Bramstedt fällt mir der Reha-Tipp von Omega ein, und ich denke, dass wäre sicherlich optimal, wenn Du Dir in so einer Klinik, wie der Schönklinik (Klinik für Psychosomatik) in BB Dir Hilfe holen könntest. Bei Deiner damaligen und heutigen Situation („voller Speicher“, Baby, wenig Schlaf, Arbeit, Krankheit) kann ich mir gut vorstellen, dass Dein Unterbewusstsein „Panik“ signalisiert. Doch dies bleibt bei Laien immer Spekulation. Doch so, wie Du es beschreibst, solltest Du Dir einen Termin bei einem Spezialisten geben lassen, damit es nicht schlimmer wird. Du wirst ohnehin nicht sofort einen Termin bekommen.

Mir haben in Zeiten nervlicher Überlastung auch immer Entspannungsübungen gut getan. Außerdem hatte ich mir mal eine Fangopackung ohne anschließenden Wasserguss geben lassen. Dies hilft wirklich gut, weil es den Körper ohne eigene Konzentration entspannt und man anschließend alles ausweinen kann, die Freude und die Angst.
Ich wünsche Dir alles Gute,
Hope



Du machst wirklich nicht viel falsch glaube ich und trotzdem hat es dich jetzt echt erwischt. Wenn Du schon länger Tinnitus hast, dann würde ich mir wirklich einen Therapeuten suchen, besprich das mit Deinem Hausarzt, der kann bei der Terminvergabe helfen. Adressen von Therapeuten bekommt man bei der Ärztekammer, Anruf genügt. Und der Therapeut sollte auf den ersten Blick nicht unsympathisch sein, sonst nochmal wechseln. Ein Tinnitus weist ja auch auf seelischen Druck hin. Hast Du es beim HNO-Arzt abklären lassen? So wie ich es sehe, bist Du nicht einfach nur ein psychisch labiler Typ, der aus dem Nichts zusammenbricht, wie Du anfangs geschrieben hast, bei dir kommt gerade so Einiges zusammen. Nimm Dir Zeit, Deinen seelischen Druck abzuarbeiten (mit Therapeut!), dann wird es dir hoffentlich mittelfristig besser gehen. Alles Gute!

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