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Thema: Prager Frühling 1968


Am 21. August 1968 wurde der Prager Frühling mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes brutal beendet.
Zwei Mitglieder unseres Teams haben aus diesem Anlass einen Artikel hierzu erstellt und die Ereignisse jener Zeit aus ihrer Sichtweise reflektiert.
Der Artikel ist mit einem Klick auf http://www.newsatelier.de/html/prag.html
abrufbar.
Wir freuen uns auf Eure Meinungsaüßerungen.



Zuletzt bearbeitet: 20.08.03 12:44 von schachi


Ich fand die "DDR-Sicht" sehr interessant.

Altersmäßig habe ich den Prager Frühling nicht miterlebt, aber die "Westsicht" aus dem Geschichtsunterricht sowie diverse Geschichtsdokus zu diesem Thema sind mir wohlbekannt. Unbekannt war mir bisher die Sicht eines DDR-Bürgers. Wirklich gelungen.

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1968 war ich sieben Jahre alt, Fernsehen hatten wir damals noch nicht, und wenn, ich hätte von der Politik doch nichts begriffen.
Später fiel mir auf, dass die schönsten Märchen- und Kinderfilme aus der CSSR kamen, von der dortigen Zensur und ihren Einfluss auf die Ausdrucksmöglichkeiten der Regisseure wusste ich natürlich nichts. Prag war für mich zunächst Pan Tau und etwas später dann irgendwann mal Kafka. Meine Mutter mochte Karel Gott, die Oberstufe fuhr nach Prag, weil man dort günstig Noten, Musikinstrumente und Ölfarben-Malkästen kaufen konnte. Die Jungs sagten was von billigem Bier.
Unser Geschichtslehrer hat den Prager Frühling unterschlagen, ich bin sicher.
Oder hatte ich mal wieder die Schule geschwänzt.
Mitte der Achtziger Jahre - der Film "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins", nach dem Roman von Milan Kundera.
Der Film wird vielen in Erinnerung sein, und sei es wegen der ziemlich verwickelten Liebesgeschichten, mit Daniel Day-Lewis und Juliette Binoche.
Der zeitgeschichtliche Hintergrund, wird bei der Lektüre des Romans noch deutlicher als im Film, er zeigt sehr differenziert die Befindlichkeiten der Menschen in der CSSR vor 1968, die Hoffnung während des Prager Frühlings, und die Lethargie und Beklemmung danach. Berufsverbote, Emigration, Bespitzelungen und Schikanen prägen das Leben der Prager Intellektuellen.
Ich möchte das Buch an der Stelle ausdrücklich empfehlen.
Auch Kundera hatte sich für die Reformpolitik im Prager Frühling engagiert, bekam nach der Besetzung Publikationsverbot, verlor seine Dozentur an der Prager Filmakademie und verliess das Land wie viele andere Künstler und Intellektuelle.
1979 veröffentlichte er in Paris den Roman "Das Buch vom Lachen und Vergessen" worauf ihm die tschechische Staatsbürgerschaft entzogen wurde.
Milos Forman wanderte nach Hollywood aus, und drehte den Film "Einer flog übers Kuckucksnest".
Vaclav Havel, der Dramatiker der sechziger Jahre, hatte nach 1968 ebenfalls Publikationsverbot, er betätigte sich zunächst als Bürgerrechtler - was später aus ihm wurde, wissen wir.

An der Stelle ein dickes Lob an die beiden Autoren des newsateliers-Artikels.
Die Informationen sind vom Feinsten, eure Schreibe sehr lebendig und die Gegenüberstellung der Ost-West-Geschichtsauffassung einfach genial.
Macht weiter so.

Gruss Renie




In dem lobenswerten Artikel lese ich: <Alexander Dubcek wurde zum, wenn auch tragischen, Helden gemacht.>
Meine Erinnerung hieran möchte ich hier ergänzen. Die Tragik lag m.E. in der Figur von A. Dubcek und in seiner politischen Herkunft einerseits und seinem Glauben daran, Kommunismus müsse auch demokratisch funktionieren andererseits. Seine Liberalisierung des Staatsapparates und der Gesetze hätte vielleicht noch funktioniert, doch gerade das "Manifest" richtete sich auch gegen die Kommunistische Partei. So wurde dies Manifest besonders von den "Bruderstaaten" als offene Kritik am herrschenden System begriffen und daher fühlten sie sich stark bedroht. Dies war wohl auch der berühmte Tropfen, der das Glas zu Überlaufen brachte, den Einmarsch zur Folge hatte und ebenso die Verschleppung Dubceks nach Moskau. Dubcek unterzeichnete das spätere Abkommen, weil er Angriffe auf die Partei abwenden wollte, halb gezwungen, halb von der Notwendigkeit überzeugt. Seine Vorstellung von der Durchsetzung eines Kommunismus mit "menschlichem Antlitz" "eskalierte" zu einer freiheitlichen Bewegung. Mich erinnert sein Schicksal stark an das von Gorbatschow, der an dem gleichen Problem gescheitert ist.



Zuletzt bearbeitet: 29.08.03 12:36 von HajoDF
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