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Thema: Schmidt schockiert Pflichtversicherte


Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat am Nachmittag des 20. Januar einen neuen Vorschlag zur Kosteneinsparung bei den Krankenkassen gemacht.
Offenbar sollen die Krankenversicherungen Unfälle, die in der Freizeit passieren, nicht mehr abdecken (für Arbeitsunfälle sind sie ohnehin nicht zuständig). Die Argumentation von Schmidt lautete, daß die Versicherten ihre individuellen Risiken, beispielsweise beim Sport, selbst tragen sollten.
Das Risiko für Haushaltsunfälle und Verkehrsunfälle jedoch läßt sich für niemanden in unserer Gesellschaft verringern. Gegen die Folgen von privaten Unfällen muß man sich zusätzlich versichern. Es ist unklar, ob es eine Pflicht für den Abschluß dieser zusätzlichen Versicherungen geben wird und welche Kosten auf die Bürger zukommen werden.
Welche Folgen wird es haben, wenn man schon bald wegen der persönlichen finanziellen Situation auf die Versicherung gegen eine bestimmte Art Unfall verzichtet hat oder wenn in den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Police ein Unfall nicht abgedeckt ist? Geht Deutschland auf ein Zweiklassengesundheistssystem zu? Erste Anzeichen gibt es schon seit langem zu erkennen. Einzelne Krankenhäuser verlangen Sätze, die von den Pflichtversicherungen nicht mehr abgedeckt werden. Die Eigenbeteiligungsrechnungen können eine enorme Belastung für die Patienten darstellen.
Die Umsetzung von Frau Schmidts Vorschlag würde einen weiteren großen Schritt in diese Richtung bedeuten.
Ich bin entsetzt, daß ein Mitglied einer Volkspartei solche Ideen aufgreift und hoffe nach wie vor, daß ich einer Ente aufgesessen bin :-(



Da frage ich mich doch, welchen Zweck diese Übung haben könnte?
Jährlich erleiden 6 bis 8 Millionen Bundesbürger kleine und größere Unfälle. Den größten Teil davon im privaten Bereich.

Nun sollen laut Schmidt die Kosten hierfür nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Niemand glaubt wirklich, dass dadurch die in Deutschland sowieso exorbitanten Verwaltungskosten der Kassen sinken würden. Niemand glaubt auch wirklich an eine Senkung der Krankenkassenbeiträge hierdurch. Bislang hat die Geschichte gezeigt, dass die Leistungen von Jahr zu reduziert und die Beiträge von Jahr zu Jahr erhöht werden. Enorme Zuzahlungen ermöglichen es schon jetzt vielen nicht z.B. notwendige Zahnbehandlungen oder Kur- und Krankenhausaufenthalte zu bezahlen.

Erstaunlicherweise gibt es aber gesetzliche Krankenversicherungen, die minimale Verwaltungskosten haben. Die Großen der Branche hingegen benutzen mehr und mehr Arbeitnehmer und auch Arbeitgeber als Melkkühe für ihre Hochglanzprospekte und übersteigerten Verwaltungsapparate. Ich bekomme jeden Monat von meiner Krankenkasse eine Zeitschrift, die ich gar nicht haben will. Sicher profitieren auch andere übermäßig an den Kosten im Gesundheitswesen. Aber die immerhin gesetzlich vorgeschriebene Solidargemeinschaft wird mehr und mehr ausgehöhlt und macht bald kaum noch Sinn.

Geradezu hybrid ist der jetzige Vorschlag. Leute, die Sport treiben und somit Krankheiten vorbeugen, sollen selbst für Unfälle bezahlen, die ihnen beim Joggen z.B. zustoßen. Allein 1,5 bis 2 Millionen Kinder erleiden jährlich bei uns leichte oder schwere Unfälle.

Wo sollen solche Vorschläge hinführen? Rückkehr zum Feudalstaat?

Eisbär schüttelt sein Fell und springt lieber wieder ins Wasser. Das hat bekanntlich keine Balken.



Wenn mit Freizeitunfälle Unfälle gemeint sind, die sich Bunjee-Springer oder Skifahrer oder Fallschirmspringer zu ziehen, dann könnte man darüber reden; wenn jedoch mit Freizeitunfälle Unfälle gemeint sind, die man sich generell in der Freizeit zu ziehen kann, also beim Einkaufen oder sonstwo im täglichen Leben, dann wäre es ein Skandal. Schließlich sind die Beiträge für Krankenversicherungen schon jetzt exorbitant hoch und wer ins Krankenhaus muss oder Medikamente benötigt muss zusätzlich einen Eigenanteil zuzahlen.
Damit würde das Prinzip der gesetzlichen Krankenversicherungen ad absurdum geführt werden!



Ja Esra, ich stimme Dir zu, bei ausgesprochen unfallträchtigen Sportarten kann und sollte man darüber nachdenken, denn die Solitargemeinschaft sollte nicht herangezogen werden, wenn jemand bewußt das höhere Risiko in kauf nimmt.
Allerdings will ich mir abgewöhnen mich darüber aufzuregen, wenn jede Woche ein unausgereifter Vorschlag auf den Tisch kommt, dem dann sofort von Mitgliedern der eigenen Partei wiedersprochen wird. So ist doch die momentane Lage !



Im gleichen Artikel heißt es in unserer Zeizung als Begründung, die Versicherung koste jeden ca. 20 € im monat. die kasse könnte somit viel sparen usw. usw. und könnte den beitrag für den durchschnittszahler um "...17€/Monat heruntersetzen, die gleiche Einsparung trifft den Arbeitgeber"
Interessante Rechnung
Warum nimmt die Kasse dann nicht die 34€, macht eine Rückversicherung und kassiert 14€ bar Kralle?????
Um die 14 Euro könnte sie dann die Beiträge senken.

Wäre das nicht ein sehr alternativer Vorschlag??????

Man kann über sowas nur noch lachen!
oder



Nach einiger Zeit gibt es ausführlichere Meldungen zu den Vorschlägen der Gesundheitsministerin. Offenbar sind mit "Freizeitunfällen" nicht Unfälle außerhalb der Arbeitszeit gemeint, sondern Unfälle bei gefährlichen Freizeitaktivitäten (siehe zB. www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,231681,00.html).
Es bleibt abzuwarten, wie und ob sich eine eigene Versicherung gegen die Risiken von Drachenfliegen, Skifahren, Motorradfahren etc. realisieren läßt. Wird es beispielsweise eine Pflicht geben, sich zu versichern? Kann man als Freizeitsportler durch eigene Dummheit auf einmal ohne Versicherungsschutz dastehen? Ist man ganzjährig versichert oder schließt man vor jedem Bungeesprung schnell eine Anti-Absturz-Vollkasko ab (ähnlich wie bei dem Mieten eines Autos)?
Über andere Risikogruppen wird bereits seit längerem diskutiert. So könnten z. B. auch Raucher oder Alkoholkonsumenten mit höheren Beiträgen belastet werden, weil sie den Versicherungen mehr Kosten entstehen lassen als abstinente Menschen. Das Problem der Kassen: sie können nicht sicher nachhalten, ob die Angaben der Versicherten bezüglich Nikotin- und Alkoholkonsum stimmen. Sollte man also auch z. B. für Raucher eine Zusatzversicherung einführen? Wie dumm, daß hier der ursächliche Zusammenhang mit einem Leiden nicht so klar nachzuweisen ist wie bei Risikosportarten. Es bleibt hier wohl nur die Möglichkeit, dem Gesundheitssystem Teile der Abgaben auf die Rauschmittel zuzuführen. Sprich: Erhöhung von Alkohol- und Tabaksteuern.
Vielleicht wäre das auch ein Modell für den Freizeitsport: das Bungeeseil wird entsprechend besteuert, ebenso Skier und Motorräder. Neben der Mehrwertsteuer wäre dann eine Risikosportabgabe zu entrichten.
Noch kann ich mir nicht ganz vorstellen, ob das machbar und vernünftig ist. Für die Konjunktur sind erhöhte Abgaben wohl eher schädlich.
Leider scheint auch das "Outsourcing" der Krankenversicherung für Risikosportarten nicht durchsetzungsfähig zu sein: die Versicherer haben bereits angekündigt, daß sie darauf verzichten werden. Sie fürchten sich vor dem Exodus der jungen, gesunden Mitglieder (denn diese sind es ja, die in der Regel Risikosportarten betreiben).



Man kann weder das eine noch das andere pauschalieren. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, daß die Solidargemeinschaft für Unfälle aufkommen soll welche auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten zurück zuführen sind.
Einige Beispiele:
Füßgänger geht bei Rot über die Straße und wird angefahren und verletzt. Das ist eine vorsätzliche Handlung. Die Behandlungskosten soll er selber tragen.
Radfahrer fährt auf Gehweg gegen die Fahrtrichtung und stößt mit einem aus einer Ausfahrt kommenden Fahrzeug zusammen. Auc das ist Vorsatz.
Auch all jene die Unfälle verursachen aufgrund von Drogen- oder Alkoholgenuss sollen die Kosten für eine evtl. med. Behandlung selber tragen.
Also bei Unfällen mit Personenschäden ist es sehr leicht zu klären ob grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz vorliegt leicht zu klären. Es gibt da Gerichtsakten.

Bei Sportunfällen sollte ein Katalog erstellt werden und zwar nach Gefährlichkeit. Entsprechend der Gefährlichkeit könnte die Eigenbeteiligung des Verletzten festgelegt werden. Jeder wüßte dann was auf ihn zu käme.

Noch eine Anmerkung: In Österreicht gab es letztes Jahr 70.000 Skiunfälle, überwiegend mit stationärer Behandlung. In Deutschland dürften es nicht weniger sein.

Haushaltsunfälle würde ich allerding auch nicht mit einbeziehen obwohl man auch hier den Erziehungsefekt nicht unterschätzen sollte.

Nori



Wer bestimmt denn hier, wo grobe Fahrlässigkeit vorliegt?
Beispiele
Diskothek besucht ohne Gehörschutz
Sonnenbad genommen ohne Kleidung
Kette abgesprungen beim Fahrrad
Autoinspektion überzogen
Fahrrad gefahren ohne Helm
Geduscht ohne Sitz und/oder Haltegriff
Leiter ohne GS-Zeichen benutzt
usw.usw.usw.
Wo fängt das an, wo hört das auf, wer überprüft das, wo liegt die Beweislast?

Viele Grüße
selektros





Die Pflicht zur privaten Absicherung besonderer Risiken im Freizeitbereich sollte kein Verwaltungsmonster werden.

Problemfelder:
1. Wenn keine Zusatzversicherung besteht, muss die Krankenkasse in Vorleistung treten und versuchen, die Behandlungskosten danach einzutreiben. Wenn dies nicht gelingt, bleibt wieder die Solidargemeinschaft darauf sitzen.

2. Es wird zu Abgrenzungsproblemen kommen. Was ist, wenn der Skifahrer zu Fuß unterwegs war und stürzte ? Was ist, wenn er von einem anderen unversicherten Skifahrer angefahren wurde ?
Wer soll die Beweise sichern ? Die Probleme sind vorprogrammiert.

Lösung:
Es muss eine einfache Lösung mit geringem Verwaltungsaufwand sein.
Denkbar wäre eine Versicherungsabgabe auf Ausrüstungsgegenstände, die beim Verkauf erhoben wird. Hinzu kommt eine ebensolche Abgabe für Anbieter / Veranstalter gefahrträchtiger Sportarten.

Diese Abgabe, z.B. 1 % des Verkaufspreises, wird vom Händler / Veranstalter erhoben und zusammen mit der Umsatzsteuer an die Finanzbehörden gezahlt. Diese leiten sie pauschal an die Krankenkassen weiter.
Verteilungsschlüssel ist entweder die Anzahl der Versicherten, oder die Gesamtsumme der Beiträge im Vorjahr.


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