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Thema: Bücherverbrennung 10. Mai 1933


Im Mai 1933 wurden von den Nationalsozialisten in zwanzig deutschen Städten Bücher von sog. "undeutsch denkenden" Autoren verbrannt.

Hass und Verachtung - Angst vor dem geschriebenen Wort!!
Welch ein erbärmliches Gesicht zeigte diese Bande mit dieser Aktion !
Grenzenlose Dummheit und Arroganz an der Macht.

<... Was einmal gedruckt ist, gehört der ganzen Welt auf ewige Zeiten. Niemand hat das Recht , es zu vertilgen.
Wenn er es tut, beleidigt er die Welt unendlich mehr, als sie der Verfasser des vertilgten Buches, von welcher Art es auch immer sei, kann beleidigt haben. > (G.E.Lessing ).

Ich bedanke mich bei unserem Newsatelier-Autor HN, der uns mit seinem außergewöhnlichen, denk-würdigen Artikel daran erinnert hat.

Der humanistische Geist kann niemals mit Flammen vernichtet werden.
Er entsteht immer wieder neu, solange es Menschen gibt.
Lasst uns das nie vergessen.

Renie




Zuletzt bearbeitet: 09.05.03 22:35 von Renie


Bücher sind, für mich zumindest, der Ausdruck von Menschen, die anderen etwas zu sagen haben.

Wer Bücher verbrennt, verbrennt somit ihre Gedanken. Da sich der Mensch,für mich, durch seine Gerdanken definiert (ich meine hier das Menschsein nicht in biologischer Form, sondern das Menschsein ansich), wird mit seinem Buch auch der Mensch selber verbrannt.

Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen. Und das sie das tun, haben sie mit Auschwitz, das nach der Bücherverbrennung folgte, bewiesen!



Bücher kann man verbrennen, Gedanken nicht.
Bücher kann man verbieten, Gedanken nicht.

Was man kann, ist durch den Entzug der Möglichkeit, die Gedanken anderer zu lesen und zu erfahren, ganze Generationen von diesen Gedanken fern zu halten. Das ist nichts Neues und nichts Altes.

1933 hatten Bücher einen wesentlich höheren Stellenwert bei der Informationsbeschaffung als heute. Das Nazi-Regime war das erste, dass begriffen hatte, dass Desinformation und Gleichschaltung einer Bevölkerung am besten durch Massenmedien (damals Rundfunk) durchzuführen ist.

Die heutigen Parallelen dazu kennt jeder.

Mich hat es bei dem Artikel von HN genauso gefröstelt wie Renie. Er ist auch deshalb hervorragend, weil er implizit den heutigen Umgang mit Gedanken beschreibt.

Die Methoden Gedanken zu "verbrennen" sind subtiler geworden.

Die Gedanken Andersdenkender werden zugeschüttet durch Flutwellen von "Blöd"-sinn in den Massenmedien.

Eine Hoffnung von mir ganz persönlich ist, dass das Massenmedium Internet weiter an Bedeutung gewinnt und die kritischen Seiten zumindest bei uns nicht auch der Zensur unterliegen werden.





Wilhelm von Humboldt schrieb einst: "Bildung bedeutet, soviel Welt als möglich an sich heran zu ziehen und mit sich selbst zu verbinden."

Nach diesem Gedanken entwickelten deutsche Universitäten fortan die humanistische Idee und es entstand die weltweit berühmte Form der "Deutschen Universität". Lange kamen ausländische Studierende nach Deutschland, um an dieser Forschung und Lehre teilzuhaben. Und auch heute noch genießen diese Institute weltweite Anerkennung.

Um so unverständlicher ist es und ich wage in diesem Zusammenhang eine doppelte Analogie zur Bücherverbrennung, daß heutzutage dieses System mit Füßen getreten wird und sich Schritt für Schritt hin zur vermeintlich besseren angelsächsischen Alternative konvertiert mit der Begründung, dieses brächte mehr Nobelpreisträger hervor und locke mehr ausländische Studenten an.

Dabei erzeugt es meiner Meinung nach nur um so mehr sog. "Fachidioten", die der komplexen Welt erfolgreicher begegnen, da sie ohne Erkenntnis diese ausbeuten, jedoch letztlich viel "Fehl" haben und viel "Tadel" verdienen.

Die kurze Sicht der Dinge verbaut so die Zukunft.

Volkswirt



Was die Nazis angerichtet haben, ist ohne Frage furchtbar. Jedoch hat noch keine Bücherverbrennung wirklich bewirken können, das ein Buch für immer verschwunden ist. Die Verbrennung sollte (und hat auch sicherlich) der Menge vermitteln, das die Bücher „kein anständiger Bürger“ liest. So haben die Nazis nicht wirklich Kulturschätze vernichten können(!), sondern nur die breite Masse davon abhalten, die Bücher zu lesen, die sie als führ ihre Sache nicht dienlich erachteten.
Ich bin nicht der Meinung, das jedes Buch das einmal geschrieben wurde, jedem ohne Beschränkung zugänglich gemacht werden soll. Genau so wie gewaltverherrlichende Pornofilme gibt es auch ebensolche Bücher, die Menschen dazu anstiften, schändliche Dinge zu tun.
So sehr ich die Philosophie, die die Nazis mit der Bücherverbrennung zu schützen versuchten, missbillige, so ist eine Zensur, die BREITE Öffentlichkeit vor Werken schützt, die darauf abzielen, das allgemeine Anstandsgefühl zu untergraben, positiv zu bewerten.
Weiters möchte ich anmerken, das es so gut wie unmöglich ist, die Werke eines Mensche wirklich zu vernichten (damals nicht und schon gar nicht heute), jedoch sollte es einfach ganz klar sein, was OK ist und was nicht.



Mein Gott, gmf, es ging am 10.03.33 nicht um irgendwelche Bücher irgendwelcher Wald- und Wiesenschreiberlinge.
Es war Barbarei, die sich nicht nur auf Bücher beschränkte. Den Nazis waren auch Werke der bildenden Kunst ein Dorn im Auge, was dazu führte, dass im März 1939 1004 Ölgemälde und 3825 Grafiken als sogenannte "entartete Kunst" verbrannt wurden.
Das, was die Nazis erreichen wollten, war die völlige ideologische Gleichschaltung der Gesellschaft. Es war ein gezielter Schlag gegen humanistisches Gedankengut und es hat Kulturgüter vernichtet.
Es ging auch nicht um Zensur irgendwelcher schlimmer Machwerke.
Nach den Büchern waren Menschen dran, eine leider nur allzu logische Konsequenz faschistischer Ideologie, die die körperliche Vernichtung des Andersdenkenden und des Andersseienden letzlich zur Staatsdoktrin erhob.
Das Ergebnis ist bekannt. Unmittelbar nach dem 8. Mai sollte man auch daran denken.




Zuletzt bearbeitet: 11.05.03 00:30 von schachi


>So sehr ich die Philosophie, die die Nazis mit der Bücherverbrennung zu schützen versuchten, missbillige, so ist eine Zensur, die BREITE Öffentlichkeit vor Werken schützt, die darauf abzielen, das allgemeine Anstandsgefühl zu untergraben, positiv zu bewerten.

bist du im richtigen film? die indizierung von pornografie ist KEINE zensur. das bedeutet nicht, dass niemand mehr dran käme. deshalb heißt der laden ja auch prüfstelle für JUGENDgefährdende schriften. mit der bücherverbrennung vor 70 jahren hat das schon gar nichts zu tun. oder was ist an tucholsky oder freuds analyse feuchter träume anstößig?

außerdem war die indizierung in meiner jugend so was, wie ein "qualitätssiegel". wenn was auf dem index gelandet ist, konnte man wenigstens sicher sein, dass es da zur sache ging. also verbiet mal schön. die jugend braucht orientierung



Das wirft doch überhaupt mal die Frage auf, wer was mit "allgemeinem Anstandsgefühl" meint...

M.E. ein genial allgemeiner Schwamm-Ausdruck. Da kann man alles reinstecken, weil keiner genau weiß, was "allgemein" bedeutet. Oder "Anstand".
Also wunderbar geeignet, um allerhand manipulativen Schabernack mit der ehrlich erzürnten (und u.U. noch am Stammtisch in der Kneipe aufgeheizten) Volksmeinung zu treiben...

Ich habe jedenfalls den Eindruck, daß nicht nur die Allgemeinheit vor dem Unanständigen geschützt gehört, sondern auch die "Unanständigen" vor der Allgemeinheit. Damit meine ich nicht unbedingt die von Sebastian angesprochenen Pornos *g* --- aber das "Unanständige" fängt ja für viele Leute der "Allgemeinheit" schon an bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, in der Öffentlichkeit stillenden Müttern, ja selbst auffällig gefärbten Haaren...

Wie wäre es mit dem Bemühen, Dinge einfach zu akzeptieren, selbst wenn man sie nicht mag? Gerade so ein Jahrestag bietet den Anlaß, darüber nachzudenken.

mel-deralskleinbürgerdieallgemeinheitwohlnichtselbstsehrfürchtenmußabertrotzdem!!-ahath



Ich will mal einen Augenblick von den Pornos a la de Sade weg!
Wer kann und will schon die viele Dummheit verbieten, die auch heute immer wieder per Buch dokumentiert wird? Oder die Frage stellen nach der Qualität? Bücher, die die Welt nicht braucht?
Ob nun Hannelore Kohl noch ein Kochbuch schreibt (wo doch Schachi die viel genialeren Rezepte weiß), oder ob Herr Bohlen uns mitteilt, wie er sich durch's Leben liebt und "Stinkefinger Effe" uns erzählt, wie er den Besoffenen in seiner Garageneinfahrt mit Füßen tritt, wir werden wohl immer wieder wählen müssen. Eine Zensur oder gar ein Verbot würde uns zwar der Qual der Wahl entheben, aber auch die Freiheit des denkens einschränken.
Was wir über die Bücherverbrennungen heute denken, ist sicher wichtig, aber ich fände es genauso wichtig, einmal darüber zu hören, was die "Kunstjünger" und "Bücherstürmer" damals im Dritten Reich gedacht haben, als sie es taten.



> Wer kann und will schon die viele Dummheit verbieten, die auch heute immer wieder per Buch dokumentiert wird?

eben! außer ein paar wild geworden feuilletonisten wirst du niemanden finden, der solche altpapier-sammlungen verbieten will. im gegenteil, jede minute, die jemand mit bohlens "buch" verplämpert, hat man die arme seele vor kurt tucholsky, heinrich heine oder erich mühsam bewahrt.

quasi zensur durch vorbeugende verblödung.



Blicken wir ruhig auch über den Tellerrand: nicht nur die Nazis haben Bücher verbrannt, verboten und weggeschlossen! Diese Art der Indoktrination finden wir immer wieder, wenn auch nicht immer so "heroisch" inszeniert. Die russischen Archive aus der Stalinzeit öffnen sich jetzt langsam und hervor quillt eine Fülle von beachtenswerter Literatur verbotener Dissidenten. Und die subtilere Spielart erleben wir gerade in den USA, wo Andersdenkende auf Listen zu finden sind und in ihrer Lebensweise massiv behindert werden.



Die erste überlieferte große Bücherverbrennung fand 213 v. Chr., angeorndet durch den ersten chinesischen Kaiser Qiun Shuang, in China statt. 3 Jahre später übernahm sein Sohn die Krone. Dieser wiederum nahm sich 207 v. Chr. nach diversen Aufständen und der Schlacht von Xian, die 2 Millionen Tote gefordert haben soll, das Leben.

Die Bibliothek von Alexandria wurde mehrmals ganz oder teilweise zerstört. So verbrannten z. B. 47 v. Chr. während des römischen Bürgerkrieges etwa 40 000 Bände, als Julius Caesar von den Anhängern des Pompeius in Alexandria belagert wurde und ein Feuer, das die ägyptische Flotte zerstörte, auf einige Bücherlager übergriff. Auch die Bibliothek selbst wurde offensichtlich dreimal durch Feuer zerstört, u. a. 272 n. Chr. auf Anweisung des römischen Kaisers Lucius Domitius Aurelian und ein weiteres Mal 391, als der christliche Kaiser Theodosius I. im Zusammenhang mit seinem erbitterten Kampf gegen den heidnischen Glauben die Bibliothek und andere Gebäude zerstören ließ.



Ja, es gab immer wieder solche "Aktionen". Bücher wurden und werden verbannt, verbrannt, verboten und geächtet besonders aus politischen oder kirchlichen Gründen.
Im Mittelalter gab es besonders die religiös begründeten Verbrennungen, in Italien Boccacio und Petrarca, in Deutschland wurden an verschiedenen Stellen Schriften von Martin Luther verbrannt, 1817 verbrannten Burschenschafter auf der Wartburg reaktionäre Schriften.
Eiferer, moralisch, religiös oder politisch Verblendete machten sich jeweils an das Werk der Vernichtung: im Dritten Reich waren es nat.-sozialistische Studenten, die insbesondere in "heroischen" Veranstaltungen marxistische, pazifistische und vor allem jüdische Literatur der "heiligen reinigenden Flamme" anheimgaben.



Hajo, Du hast es mit Recht angedeutet, dass die Bücherverbrennung von Studenten in einigen Universitätsstädten (nicht in allen, in Erlangen erst am 12.5.1933 ) angezettelt wurde. Das ist es, was mich so betrübt und nachdenklich macht.
Gruß Sippi



Und es gab -neben vielen anderen- die Geschwister Scholl, auch Studenten, die mit dem Leben dafür bezahlen mussten, dass sie sich mit Schriften gegen das Naziregime gestellt haben.

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