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Thema: Titus


Ich empfinde es als die folgenschwerste Entscheidung von dem damaligen römischen Kaiser Titus im Jahre 70 nach Christus, den jüdischen Tempel in Jerusalem zu zerstören, die Juden aus Judäa zu vertreiben und in die damals bekannte Welt zu zersträuen.
Gruß Sippi



aha und warum?



?

Hmm was soll man dazu jetzt auch schreiben..

???

Schiesse immer auf den Mond.. sollte das daneben gehen...landest du immer noch in den Sternen.. *Sprichwort aus Amerika*


Um da zuzustimmen zu können, hätte ich gerne eine tabellarische Aufstellung aller Entscheidungen von Titus mit den Auswirkungen auf die Bevölkerung, die Umwelt und auf nachfolgende Generationen sowie eventuell auch Beeinflussungen anderer Regierungen.





nicht nur TITUS sondern auch viele andere Kaiser, Prediger u. Wissenschaftler haben in ihrem Leben folgenschwere Entscheidungen getroffen.

Betrachten wir einmal das letzte Jahrhundert, aber da darf man nicht nur die 1 Person (den Kaiser/Präsidenten/Kanzler...) bewerten, sondern muss auch seine Berater und Helfer in die Bewertung einbeziehen.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 02.07.06 08:26 von blumi


Hallo Sippi,
schön, mal wieder etwas zu lesen

Sippi:
Ich empfinde es als die folgenschwerste Entscheidung von dem damaligen römischen Kaiser Titus im Jahre 70 nach Christus, den jüdischen Tempel in Jerusalem zu zerstören, die Juden aus Judäa zu vertreiben und in die damals bekannte Welt zu zersträuen.
Gruß Sippi


Als folgenschwerste persönliche Entscheidung des Titus, oder als folgenschwerste Entscheidung für die weitere Weltgeschichte?

Obwohl es zunächst naheliegt, die blutige und symbolträchtige Zerstörung des Tempels im Jahre 70 als äußerst folgenschwere Entscheidung einzustufen, stellt sich die Frage, ob die Geschichte nicht auch ohne Titus einen ähnlichen Verlauf genommen hätte.

Titus war zu dieser Zeit noch nicht Kaiser, das wurde er erst im Jahre 79.

Judäa stand unter römischer Herrschaft. Im Jahr 65 begann unter Führung der Zeloten ein Aufstand der Juden gegen die römischen Besatzer, die durch ihre hohen Tributforderungen das Klima für die Eskalation bereitet hatten. Zur Niederschlagung dieses Aufstandes entsandte der römische Kaiser Nero seinen Heerführer Vespasian, der von seinem Sohn Titus begleitet wurde. Dieser befehligte eine der drei Legionen Vespasians.
Im Jahre 70 – inzwischen war Vespasian römischer Kaiser geworden – belagerte Titus Jerusalem, und eroberte die Stadt nach vier Wochen. Seine Truppen brannten den Tempel nieder und töteten alle, die sich nicht ergeben hatten, soweit sie nicht vorher aus Nahrungsmangel oder durch Selbstmord umgekommen waren.

Die Niederschlagung des Aufstandes mit militärischen Mitteln entsprach dem römischen Selbstverständnis. Insofern war die Belagerung und der Angriff auf Jerusalem keine überraschende Entscheidung, sondern die logische Konsequenz aus dem militärischen Auftrag und dem Verlauf der vorhergehenden Jahre. Eine diplomatische Lösung wäre aufgrund der bereits eskalierten Gesamtsituation unwahrscheinlich gewesen. Vermutlich hätte Titus dieser auch nicht zugestimmt, da ihm die Eroberung Jerusalems zur eigenen Profilierung und zur Machfestigung seines Vaters diente.
Ob sich an der Situation der Juden nach der Niederschlagung des Aufstandes etwas geändert hätte, wenn sie nicht so blutig und mit der Zerstörung des Tempels erfolgt wäre, bleibt offen. Ich nehme aber an, dass auch dann viele der Überlebenden ihr Heil in der Auswanderung gesucht hätten, um der römischen Herrschaft zu entkommen.
In den Jahren 132 – 135 erfolgte ein neuer jüdischer Aufstand, in dessen Verlauf Judäa zunächst zurückerobert, dann jedoch wieder verloren wurde.

Innerhalb von Titus’ Biografie nimmt diese Entscheidung sicher eine bedeutende Stellung ein. Weitere bedeutende Entscheidungen hatte er anlässlich der tatkräftigen Hilfsmaßnahmen nach dem Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79, sowie im Jahre 80 bei einem Brand in der Stadt Rom zu treffen. Auch die Vollendung des Kolosseums fiel in seine Regierungszeit.

In der Zeit nach der Zerstörung des Tempels hatte Titus den zweifelhaften Ruf eines „Schlächters“, wegen seiner erbarmungslosen Urteile gegen Aufrührer und Verbrecher. Gegen politische Gegner griff er rücksichtslos durch.
Als er nach dem Tod seines Vaters Vespasian Kaiser wurde, befürchtete man deshalb einen zweiten Nero. Doch Titus wandelte sich, gab sich als Kaiser milde und großzügig und suchte ein gutes Verhältnis zu Senat und Volk. Durch populäre soziale Wohltaten und Verbesserung der Infrastruktur erreichte er einen Ruf als respektierter wohltätiger Landesvater, der bereits zu Lebzeiten wegen seiner Milde gerühmt wurde.

Aus römischer Sicht war das wohltätige Wirken des Titus als Kaiser weitaus bedeutender als sein hartes und erbarmungsloses Verhalten in der Zeit vorher.
Für die Betroffenen des erfolglosen Aufstands war es die folgenschwerste, die man sich vorstellen kann.

Die Frage nach Ursache und Wirkung bleibt wie so häufig unbeantwortet: War die Entscheidung zur blutigen Niederschlagung des Aufstandes die folgenschwerste, oder war es die Entscheidung zum Aufstand, die das Nachfolgende erst möglich machte?

Walter

Quellen und weiterführende Informationen (wikipedia):
Titus, römischer Kaiser
Judäa
Der jüdische Krieg




Lieber Walter,
ich dachte nicht daran eine solche audführliche Darstellung der damaligen politischen Lage zu erhalten. Auch die Links sind hochinteressant.Danke !
Man könnte sich aber fragen, wie wohl in späterer Zeit manches anders verlaufen wäre, wenn damals anders gehandelt worden wäre.Dies trifft wohl auch für andere politischen Entscheidungen zu. Im Nachhinein ist man immer klüger.
Gruß Sippi



Sippi, du hast immer noch nicht erklärt, warum das so eine folgenschwere Entscheidung war damals mit dem Tempel. Das läßt vermuten, dass du dich nicht traust zu sagen, was du denkst. Man kann nur vermuten, du findest es furchtbar, dass die Juden in die damals "bekannte Welt" zerstreut wurden. Wenn dem so ist, dann ist klar, warum du angst hast deine Meinung zu sagen.



Hallo,
schau nach langer Zeit mal wieder rein und treffe alte Bekannte, wie schön. :-)

Sippi, beim Stichwort Titus dachte ich zunächst an unseren gemeinsamen Bekannten aus längst vergangenen SC Zeiten - aber da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens.

Walter hat den Sachverhalt großartig geschildert.
Es war halt eine andere, mit den heutigen Gefühlen nicht zu verstehende Zeit. Ich habe vor Jahren tatsächlich die Geschichte des Jüdischen Krieges gelesen. Wirklich unvorstellbar die Borniertheit, die brutale Grausamkeit der jüdischen Führung, der Zeloten. Wer auch nur irgendwie Schwäche zeigte und über Kapitulation redete, wurde hingerichtet. In der Stadt gab es zum Beispiel nichts mehr zu essen (galt allerdings nicht für die Führungsriege), der Hunger trieb Leute zum Wahnsinn, lt. Josephus Flavius tötete und verspeiste eine Mutter ihren Säugling …

Wenn ich es Recht in Erinnerung habe, war Titus zunächst den Juden eigentlich recht wohl gesonnen, er schätzte ihre Kultur, ihr Wissen. In der ersten Zeit der Belagerung stellte er für die damalige Zeit sehr milde Bedingen. Da er jedoch von den Juden verhöhnt wurde und diese ihrerseits den Römern größte Verluste beibrachten, steigerte sich der Zorn des Feldherrn, zumal die Belagerung langwierig und kein Ende abzusehen war. Als Jerusalem dann endlich fiel, war die Zerstörung und das Gemetzel für die Belagerer das Selbstverständlichste der Welt.

Ja, was wäre wenn. Die Juden wurden über die ganze Welt verstreut – ein Wunder, daß sie ihre Identität bewahrt haben. Wenn ich das richtig sehe, sind andere versprengte Völker schon nach kurzer Zeit in die jeweilige Bevölkerung integriert worden.

Gruß
Meini



Sippi:
Ich empfinde es als die folgenschwerste Entscheidung von dem damaligen römischen Kaiser Titus im Jahre 70 nach Christus, den jüdischen Tempel in Jerusalem zu zerstören, die Juden aus Judäa zu vertreiben und in die damals bekannte Welt zu zersträuen.
Gruß Sippi


??? Ich setze zu dem Beitrag mal einige Fragezeichen voran, weil ich ihn schlichtweg nicht verstehe und was damit ausgedrückt werden soll.

Geht es um die Geschichte von Titus, über die Sippi sich als Spezialgebiet schlau gemacht hat? Oder was soll uns der Beitrag sagen? Bzw. welche Fragen oder Schlüsse sollen daraus folgen?

ein irritierter
banana




Hallo Sippi,

ich weiß nicht ob es die folgenschwerste Entscheidung war, aber es war sicherlich eine der Entscheidungen, die zu den folgenreichsten gehört.



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Dieser Beitrag besteht aus 100% recycelten Elektronen!



(Satiremodus ein) Das schlimmste Ereignis der gesamten Erdgeschichte war vermutlich die Entstehung des Homo Erectus und später des Homo Sapiens. Aber die Natur berichtigt über kurz oder lang ihre Irrtümer. Ich bin da hoffnungsvoll, auch wenn noch möglicherweise einige Millionen Jahre bis dahin vergehen werden. (Satiremodus aus)

banana




Zuletzt bearbeitet: 20.07.06 23:10 von banana


Banana, eigentlich wundert es mich, dass Du nicht verstehst was ich damit sagen will. Wären die Juden damals nicht vertrieben worden, hätten wir das jetzige "Schlamassel" wohl nicht. Sie wären im Land geblieben, hätten sich gegen Ihre Nachbarn verteidigt und hätten sich mit Sicherheit behauptet.
Sie hätten nicht auf die Idee kommen müssen nach nahezu 2000 Jahren dorthin zurückkehren zu wollen, wo sich zwischenzeitlich andere Völker niedergelassen haben.
Sippi



Sippi,
ich glaube nicht daran, dass die Entscheidung von Titus ursächlich für den "heutigen Schlamassel*" ist. Dazu sind zuviele andere geschichtliche Ereignisse in der Zwischenzeit geschehen. Und selbst diese kann man kaum in eine Kausalkette fassen. Ich vermute aber, dass eher die im Mittelalter beginnenden Judenprogrome der Beginn der bösen Entwicklung war. Trotz aller Assimilations- und Integrationsversuche der Juden wurden sie seit dieser Zeit verfolgt. Die kath. Kirche hat einen ganz erheblichen Anteil daran. Der Höhepunkt fand dann unter Hitler statt.

banana

*hübsches jiddisches Wort





banana:

..... Ich vermute aber, dass eher die im Mittelalter beginnenden Judenprogrome der Beginn der bösen Entwicklung war. Trotz aller Assimilations- und Integrationsversuche der Juden wurden sie seit dieser Zeit verfolgt. Die kath. Kirche hat einen ganz erheblichen Anteil daran. Der Höhepunkt fand dann unter Hitler statt.

banana

*hübsches jiddisches Wort



Banana, diesmal muß ich Dir schon wieder zustimmen.
Ich sehe es ähnlich. Die Verfolgung der Juden durch die Kirche (damals gab es zunächst nur eine, nämlich die katholische) war unbarmherzig. Wenn ich es recht sehe, lag es halt daran, daß das jüdische Volk Jesus getötet hat. Für uns ist heute eine solche Inhaftnahme des ganzen Volkes unvorstellbar, zumal Jesus selbst Jude war und Barmherzigkeit und Verzeihung predigte, bis hin zu „Liebe Deine Feinde“ und wenn einer auf die rechte Wange schlägt, halte ihm auch die Linke hin“ oder so ähnlich.

Ja, die Kirche zeigte damals so fundamentalistische Züge wie es sie heute bei den Moslems gibt. Unerbittlich mit Folter und Mord gegen die Feinde, egal ob Juden, Hexen oder Andersgläubige etc. Übrigens meine ich, daß Luther zunächst auch so ähnlich dachte. Zumindest gab es bei den Protestanten die gleichen Hexenprozesse bzw. Verbrennungen.

Die Abneigung bzw. Verachtung der Juden hat sich bis in das 20. Jahrhundert gehalten. Jude wurde bei den „normalen“ Bürgern gleichgesetzt mit „verschlagen und durchtrieben“. Wurde einer übers „Ohr gehauen“, so wurde der Andere grundsätzlich als Jude bezeichnet. Eine Bezeichnung, die auf dem Dorf (fast) grundsätzlich für jeden Viehhändler gebräuchlich war.

Ich persönlich glaube, daß ohne diese negative Grundeinstellung die Ausrottung der Juden in dieser unvorstellbaren Größenordnung nicht möglich gewesen wäre.



Zuletzt bearbeitet: 05.09.06 18:38 von Meini
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