HOME
Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Der grüne Hügel


Heute ist die Eröffnung der diesjährigen Bayreuther Festspiele.
Das Festspielhaus war ursprünglich nur als Übergangshalle gedacht, bis das richtige pompöse Festspielhaus gebaut werde. König Ludwig, der das ganze finanziert hätte, is wohl vorher gestorben, vielleicht is ihm och einfach das Geld ausgegangen, so mußte es beim Bayreuther Provisorium bleiben.
Immer noch ist Richards Enkel Wolfgang Festspielleiter, er will es aber an seiner Tochter Nieke iirc vorbei an seine Enkelin weitergeben.
Jeder Deutsche, so hatte Wagner selbst in der Satzung des Wagnervereins Bayreuth verfaßt, hat das Recht, einmal im Leben den Ring des Nibelungen in Bayreuth erleben zu dürfen. Dies ist das einzige Argument, eher Karten für die Festspiele erhalten zu können. Ansonsten sind die Wartezeiten zur Zeit ca. 10 Jahre. Einzig die Stadt Bayreuth, die heute wesentlicher Träger der Festspiele ist, hat das Recht, Ehrengäste einzuladen. Diese kann jeder heute in den Nachrichten sehen, wie sie Einzug zur Festspieleröffnung halten.
Ich selbst habe dieses Jahr nach 1996 wieder Karten erhalten für zwei Vorstellungen. Wer unbedingt hin will, kann sich Karten im Internet kaufen. Eine Vorstellung kostet da pauschal unabhängig vom Platz 1250,- Euro einschließlich Übernachtung. Wolfgang Wagner ärgert das sehr. Seit Jahrzehnten hält er die Kartenpreise auf sehr niedrigem Niveau. So ist der Platz ohne Sicht auf die Bühne für immerhin schon 12,- Euro zu erhalten. Die teuerste Karte ist für unter 300,- Euro zu erhalten, jedoch ist das Festspielhaus nach Wagners Vorstellungen wie ein griechisches Amphitheater gebaut, d.h., von jedem Platz aus besitzt man diegleiche Hör- und Sichtqualität.
Im Orchestergraben, der so gebaut ist, daß er möglichst wenig zu sehen ist, sitzen die besten Orchestermusiker aus den Symphonieorchestern Deutschlands, die mit Freude hier ihre Spielfreie Zeit verbringen; denn Bayreuth ist ein Erlebnis ohne gleichen, auch für die Musiker. Bis letztes Jahr im Orchestervorstand des Bayreuther Festspielorchesters und zugleich 1. Solotrompeter war der 1. Solotrompeter der Radiophilharmonie Hannover und Professor für Trompete an der Hochschule für Musik und Theater Hannover Siegfried Göthel, der vor kurzem verstorben ist.
Weil Wagner die Insezierung als den Mittelpunkt besonders in den Vordergrund stellt, setzte er den Orchestergraben schräg abwärts unter die Bühne. So "fließt" die Orchestermusik von unten kommend wie eine unsichtbare Wand vor die Sänger. Ein Wagnersänger muß deshalb in der Lage sein, seine Stimme auch aus der Tiefe der großen Bühne durch diese Wand ans Publikum zu tragen. Solche "tragenden" Stimmen sind nur von sehr guten Sängern zu bekommen, was Bayreuth zu einem whoiswho der weltbesten Opernsänger besonderer Qualität macht. Einer der außergewöhnlichsten Sänger der jüngeren Vergangenheit war Peter Hoffmann, der leider an der Parkinsonschen Krankheit leidet und so der Darstellung großer Wagnerscher Helden verloren ging.



Zuletzt bearbeitet: 25.07.06 20:26 von Volkswirt


Vorab gebe ich gerne zu, dass Wagner nicht gerade zu meinen Lieblingskomponisten zählt. Aber das ist wohl auch eher eine Frage des persönlichen Empfindens und Musikgeschmacks.

Aus dem Event der Wagner-Festspiele könnte man doch wunderbar eine große Charity-Veranstaltung machen. Will sagen, die Promis kriegen die Karten nicht geschenkt sondern müssen richtig tief in die Tasche greifen. So 5.000 Euronen/Ticket können die doch alle leicht verschmerzen. Ein Teil der restlichen Karten für das Fußvolk könnte von den Veranstaltern über ebay versteigert werden. Dann käme noch mehr Geld zusammen, dass man einem, wie auch immer gearteten "guten Zweck" zuführen könnte. Beispielsweise zur Unterstützung von begabten Musikstudenten und Musikhochschulen. Der Rest der Tickets wird dann einfach verlost.

just my 2 cents
banana



Richard Wagner wollte, daß die Festspiele jederman kostenlos zugänglich seien. Wolfgang Wagner war es dann, der das Haus aus seinem Privatbesitz in die öffentliche Hand gab, da er der bundesrepublikanischen Sozialordnung sehr zugetan ist; er behielt sich in den Verhandlungen mit Stadt und Land nur vor, daß die Festspieleleitung auf immer in der Hand der Familie Wagner bleibt.
Das die öffentliche Hand z.B. in diesem Jahr 1,7 Millionen Euro zugibt, trägt dem Wunsch Wolfgangs Rechnung, der die Eintrittspreise möglichst moderat halten will. So kostet die teuerste Karte 208,- Euro pro Vorstellung. Abgesehen davon, daß das immer noch viel Geld ist, muß man sich mal vorstellen, was man dafür erhält: Ein Kunstwerk, in dem hunderte der besten Experten der Welt in nur wenige Wochen im Jahr pro Vorstellung über bis zu 4,5 Stunden den nur ca. 1.500 Besuchern exklusiv ihre Leistung erbringen in einem Haus, daß selbst Kunst ist und sehr wertvoll. Würde man all dies kosten- und leistungsentsprechend in Euro umrechnen, käme sicherlich mehr als 5.000,- Euro pro Platz zusammen ganz zu schweigen vom Marktpreis.
Es ist nun einmal das Prinzip der Festspiele, dem deutschen Volk ein Singspiel zu bieten. Und das bedeutet, daß die Wagners das ganze den Menschen, unabhängig von Macht und Geld, bieten wollen - ein Kunstwerk, daß dem Volk gehört, soll nicht vom Geld des einzelnen abhängen. So sind die meisten Veranstaltungen dem normalen Bürger zu moderaten Preisen zugänglich, es gibt Ausnahmen für Behinderte und sicher auch für sozial schwache. Und für einige Institutionen (z.B. SPD) gibt es eine geschlossene Vorstellung für deren Mitglieder.
I.d.R. zählt einzig die Wartezeit, die für alle gleich ist und in Bayreuth nur in sehr sozial begründeten Fällen im Zusammenhang mit den Statuten des Wagnervereins Ausnahmen zuläßt. Diejehnigen Prominenten, die dort eingeladen werden, werden von der Stadt Bayreuth eingeladen, darauf haben auch die Wagners keinen Einfluß. Und sicherlich selbstverständlich sollen auch die sehr reichen Spender (Menschen oder Firmen) in angemessenem Umfang Karten erhalten, durch deren Spenden die öffentlichen Zuschüsse und die Eintrittspreise gering gehalten werden können.
Das darüber hinaus im gewöhnlichen Publikum auch oft Prominente und Reiche sitzen, hängt mit dem von Wolfgang Wagner strengstens bekämpften Schwarzmarkt für die Karten zusammen. Für manche Menschen, die Karten bekommen, ist es nunmal eine notgedrungende Güterabwägung, selbst zu den Festspielen zu fahren oder die Karten zum 20fachen Preis an diese Klientel der "Reichen und Schönen" schwarz weiter zu verkaufen; in diesem Sinne kommt das 19fache des Kartenpreises immerhin denjehnigen "sozialschwachen" zugute, der ja auch 10 Jahre lang dafür Jahr für Jahr neu Karten bestellte, bis es dann endlich mal klappte - hätte er es im neunten Jahr vergessen, hätte die Wartezeit von vorne begonnen.
Es sei erwähnt, daß jeder Gast, der erwiesenermaßen auf dem Schwarzmarkt eine Karte erworben hat, der Festspiele verwiesen wird. Trotzdem die Karten aber personenbenannt vergeben werden, läßt sich hier bis heute nicht effizient diesem Vorgehen entgegenwirken. Immerhin ist auch dieser "illegale" Kartenerwerb jedem zugänglich und mancher spart jahrelang, um hier mithalten zu können, auch wenn er es sich eigentlich nicht leisten kann.
Eine weitere Möglichkeit, die Festspiele zu erleben, ist, eine Karte für die Generalprobe zu bekommen; diese Karten werden kostenlos an die teilnehmenden Künstler für deren Freunde und Familienangehörigen und wohl auch an die Einwohner Bayreuths vergeben. Da die Künstler aus ganz Deutschland kommen, ist es durchaus möglich, denjehnigen der eigenen Heimatstadt darum anzufragen; mir gelang es so schon, das Rheingold zu erleben. Einen Anspruch haben aber die Generalprobenbesucher nicht. Wolfgang Wagner ist durchaus in der Lage, wenn sich jemand über z.B. einen indisponierten Sänger lustig macht, das ganze Haus zu räumen.


Zuletzt bearbeitet: 26.07.06 17:33 von Volkswirt


Kalt, lapidar und kurz:

Wenn die Erben von Richard Wagner sein Vermächtnis erfüllen wollen, sollen sie selbst sehen, woher die Knete dafür kommt. Steuergelder dafür zu verschwenden, ist schlichtweg unmoralisch! Die Wagner-Family streicht sich Millionen und Abermillionen ein (auch über die DVD- und CD-Rechte) und der Steuerzahler muss das dulden, dafür zahlen und damit die Tickets für Stoiber, Dieter Bohlen und die roten Teppiche nebst Polizeischutz für die Promis löhnen. Ob das Richard Wagner's Absicht war? Ich bezweifle es sehr stark!

banana



banana:
Kalt, lapidar und kurz:

Wenn die Erben von Richard Wagner sein Vermächtnis erfüllen wollen, sollen sie selbst sehen, woher die Knete dafür kommt. Steuergelder dafür zu verschwenden, ist schlichtweg unmoralisch! Die Wagner-Family streicht sich Millionen und Abermillionen ein (auch über die DVD- und CD-Rechte) und der Steuerzahler muss das dulden, dafür zahlen und damit die Tickets für Stoiber, Dieter Bohlen und die roten Teppiche nebst Polizeischutz für die Promis löhnen. Ob das Richard Wagner's Absicht war? Ich bezweifle es sehr stark!

banana


Vorfahrt für Arbeit - sagt der Bundespräsident. Die Festspiele sind ein Wirtschaftsfaktor, da werden Steuergelder aufgewendet und auf anderer Seite wieder eingenommen.

blumi


blumi:

Vorfahrt für Arbeit - sagt der Bundespräsident. Die Festspiele sind ein Wirtschaftsfaktor, da werden Steuergelder aufgewendet und auf anderer Seite wieder eingenommen.


*lol*
Irgendwie hast du es richtig formuliert, blumi. Das Geld ist nicht weg sondern nur woanders, genauer gesagt auf den Konten der Wagner-Familie.

Es ist doch völlig realitätsfern, zu argumentieren, dass:
a) die Wagner-Familie die Kosten nicht alleine aufbringen könnte und
b) auch nur ein einziger Zuschauer weniger kommen würde oder auch nur einen Euro weniger ausgeben würde, wenn die Subventionen ausblieben.

*koppschüttel*

banana



Leider wird hier sehr viel über Geld gesprochen, genauer, die gesellschaftlichen Kosten. Dabei wird leicht übersehen, daß wir es hier mit einem Teil deutscher Identität zutun haben. Das mag der eine oder andere in Zeiten von Comedy, Sport und dem sog. "armen Deutschland" anders sehen, jedoch geht es hier um etwas, was als einziges in einer säkularen Welt Bestand haben wird, um unsere Kultur. Und deshalb wird dies alles von den Politikern, die hier vielleicht als einzigen Bereich zugeben, daß sie keine Ahnung davon haben, grundsätzlich wenig in Frage gestellt. Sogar die ach so arme DDR leistete sich in Dresden zwei große A-Orchester. Es ist einfach an der Realität vorbei gedacht, die BRD als hierzu unfähig oder unnötig zu deklarieren. Wenn ich sagte, daß die öffentliche Hand zu den Festspielen 1,7 Millionen Euro zugibt, dann tut sie das deshalb, weil das im öffentlichen Interesse liegt. 1,7 Millionen, davon könnte man maximal 2 Meter Viersprurige Autobahn bauen, das muß man sich klar machen. Hierbei handelt es sich um den ca. 0,00000068ten Teil von allem, was die bundesdeutsche Bevölkerung im Jahr produziert; ein Staatsbesuch kostet mehr. Aber darum geht es eben nicht. Es geht um das, wofür die Administration der BRD unmittelbar zuständig ist, um den Erhalt und die Förderung Deutschlands in der Welt.



Volkswirt:
Leider wird hier sehr viel über Geld gesprochen, genauer, die gesellschaftlichen Kosten. Dabei wird leicht übersehen, daß wir es hier mit einem Teil deutscher Identität zutun haben. Das mag der eine oder andere in Zeiten von Comedy, Sport und dem sog. "armen Deutschland" anders sehen, jedoch geht es hier um etwas, was als einziges in einer säkularen Welt Bestand haben wird, um unsere Kultur. Und deshalb wird dies alles von den Politikern, die hier vielleicht als einzigen Bereich zugeben, daß sie keine Ahnung davon haben, grundsätzlich wenig in Frage gestellt. Sogar die ach so arme DDR leistete sich in Dresden zwei große A-Orchester. Es ist einfach an der Realität vorbei gedacht, die BRD als hierzu unfähig oder unnötig zu deklarieren. Wenn ich sagte, daß die öffentliche Hand zu den Festspielen 1,7 Millionen Euro zugibt, dann tut sie das deshalb, weil das im öffentlichen Interesse liegt. 1,7 Millionen, davon könnte man maximal 2 Meter Viersprurige Autobahn bauen, das muß man sich klar machen. Hierbei handelt es sich um den ca. 0,00000068ten Teil von allem, was die bundesdeutsche Bevölkerung im Jahr produziert; ein Staatsbesuch kostet mehr. Aber darum geht es eben nicht. Es geht um das, wofür die Administration der BRD unmittelbar zuständig ist, um den Erhalt und die Förderung Deutschlands in der Welt.


Ziemlich durchgequirlte Aussagen, die an jeder Realität vorbei gehen. Der letzte Satz lässt mich aus Gründen, die ich hier nicht näher erläutern möchte, aber auch jedem begeisterten Wagnerianer bekannt sein dürften, nur noch eiskalt erschaudern.

banana

Zurück zur Übersicht


HOME