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Thema: Nobel-Preis Wirtschaft


spiegel-online

Phelps habe "unser Verständnis über die Zusammenhänge zwischen kurzfristiger und langfristiger Wirtschaftspolitik vertieft", hieß es in der Begründung der Verleihung. So habe er unter anderem untersucht, wie sich Ziele wie schnelles Wachstum, niedrige Inflation und Vollbeschäftigung miteinander vereinbaren lassen.


zwirni, können wir beide von PHELPS etwas lernen.

Dein Konzept (fairer Lohn / weniger Gewinnstreben) zielt doch in die selbe Richtung.

blumi


Lieber Blumi, das finde ich jetzt wirklich niedlich.
Kannst Du Dich daran erinnern, als ich irgendwann mal hier im Forum schrieb, es wäre doch gut, wenn Du Dich etwas mehr mit den Grundlagen der VWL beschäftigen würdest?
Jetzt hat ein Vertreter dieser "Zunft" den Nobelpreis bekommen und Du fragst, was man von ihm lernen könne. *g*

Mir ist der Name Phelps nicht unbekannt, aber das, womit er sich befasst, kann man nur verstehen, wenn man sich mit mehr als nur ein paar Grundlagen der VWL beschäftigt.
Er hat im Laufe seiner Karriere ein paar sehr wichtige Erkenntnisse in die wirtschaftspolitische Diskussion eingebracht. Leider erfährt man jetzt nicht genau, was die aktuellsten seiner Aussagen sind und wofür nun genau er diesen (Quasi-)Nobelpreis erhalten hat. Die Meldungen in den Nachrichten (wie von Dir zitiert) sind sehr allgemeine Inhaltsangaben.

blumi:
Dein Konzept (fairer Lohn / weniger Gewinnstreben) zielt doch in die selbe Richtung.

Nein Blumi, da muss ich Dir widersprechen. Die Diskussion um Wachstum, Inflation und Vollbeschäftigung als drei von vier "Eckpunkten" des sogenannten "magischen Quadrats" in der VWL (Als vierter Eckpunkt wäre das außenwirtschaftliche Gleichgewicht zu ergänzen.) bewegt sich auf einer anderen Ebene als mein Ansatz.
Nach meiner Denkweise macht es überhaupt erst Sinn, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, wenn man vorher die Problematik einer gerechten Einkommensverteilung betrachtet ('gerecht' im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Betrachtung). Leider ignorieren die derzeit dominierenden Wirtschaftswissenschaftler diese Frage fast vollständig. Und deshalb gehen nach meiner Ansicht ihre Konzepte im Endeffekt auch nicht auf. (In Anlehnung an eine Metapher, die ich hier schon einmal früher dargestellt habe: Sie diskutieren über die Konstruktion des Obergeschosses eines Gebäudes in dem Irrglauben, man bräuchte dabei nicht die Tragfähigkeit des Fundaments zu berücksichtigen.)

Zwirni


Zuletzt bearbeitet: 11.10.06 02:58 von zwirni


zwirni:
(In Anlehnung an eine Metapher, die ich hier schon einmal früher dargestellt habe: Sie diskutieren über die Konstruktion des Obergeschosses eines Gebäudes in dem Irrglauben, man bräuchte dabei nicht die Tragfähigkeit des Fundaments zu berücksichtigen.)

Zwirni


*grins*
Wenn sie das tun, machen sie es richtig! Auch ein Statiker fängt mit dem Dach bei seinen Berechnungen an, sonst wüsste er nämlich nicht, was als Last bei den Fundamenten ankommt und was diese tragen müssen.

Die Metapher ist also völlig falsch, zumindest auf das Bauwesen bezogen.

Man könnte philosophisch allerdings anders an die Frage heran gehen. Bevor ich baue, überprüfe ich die Tragfähigkeit des Baugrundes. Je weniger tragfähig dieser ist, umso teurer werden die Fundamente, was ein (definiertes) Bauvorhaben unwirtschaftlich machen könnte. Die Konsequenz daraus ist oft, dass ein anderes Grundstück ausgewählt wird, womit wir fast schon beim Thema Globalisierung wären. Der Schritt, die Gebäudeparameter umzuplanen ist psychologisch für die meisten Entscheider psychologisch und vor allem intellektuell zu schwierig. Im Bauwesen, wie in der Wirtschaft. Man kann auch durch flachere Bauten (bzw. Hierarchien) die Lasten viel besser verteilen, auch wenn man vielleicht etwas mehr Grund (bzw. Arbeitnehmer) braucht.

banana



banana:
Die Metapher ist also völlig falsch, zumindest auf das Bauwesen bezogen.

Lieber Banana, bitte lies nochmal in Ruhe nach. Da liegt irgendein Mißverständnis vor.

Zwirni



zwirni
Kannst Du Dich daran erinnern, als ich irgendwann mal hier im Forum schrieb, es wäre doch gut, wenn Du Dich etwas mehr mit den Grundlagen der VWL beschäftigen würdest?


ich erinnere mich, deshalb kam meine Frage, ob sich mit Phelps etwas (in Deinem Sinn) bewegen läßt. Ich vermute, NEIN !

Vielleicht finden wir in Kürze etwas mehr von Phelps im Internet.

blumi


blumi:
...deshalb kam meine Frage, ob sich mit Phelps etwas (in Deinem Sinn) bewegen läßt. Ich vermute, NEIN !

Vielleicht finden wir in Kürze etwas mehr von Phelps im Internet.

Blumi, ich will mich da nicht festlegen. Ich kenne nur einen Teil seiner Aussagen, die jüngsten überhaupt nicht. Ich kann nur sagen, dass das, was ich von ihm kenne, schon bemerkenswert ist. Man findet in Verbindung mit der jetzigen Verleihung des Nobelpreises auch nur wenig Konkretes im Internet.
Aber aus dem, was ich über ihn weiß und dem, was jetzt über seine Arbeiten als grobe Inhaltsangabe bekannt gemacht wurde, schließe ich, dass er sich primär mit anderen Fragestellungen befasst, als ich sie diskutiere.
Das bedeutet aber nicht, dass ich es als nicht notwendig erachte, sich damit zu befassen. Ich denke schon, dass man sich mit seinen Aussagen befassen sollte. Es könnte durchaus sein, dass sie nicht im Widerspruch zu meinen Auffassungen stehen (mindestens teilweise).

Zwirni



zwirni
Es könnte durchaus sein, dass sie nicht im Widerspruch zu meinen Auffassungen stehen (mindestens teilweise).



das wäre doch dann endlich der erste Schritt in die RICHTUNG, die DU gern "für eine gerechtere Welt" anstreben wolltest.

Gratulation - mach weiter so und schreibe Deine Idee so auf, damit die Welt (Nobel-Kommite) darüber richtig nachdenken kann.

blumi


Bei Spiegel-online fand ich folgende Ergänzung, die meine Vermutungen bestätigt.
Allerdings ist auch das noch reichlich unkonkret.

Zwirni



Ich habe noch etwas bei der Online-Ausgabe der "Zeit" gefunden:

- Artikel

- Interview

Allerdings muss man etwas unbedingt ergänzen:
Phelps wird als Protagonist eines Kombilohn-Modells dargestellt. (Zum Glück hat er das in dem Interview selbst etwas relativiert.) Dazu muss man wissen, dass er sich als US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler primär mit der Problematik in seinem eigenen Land befasst hat, und die bestand und besteht im Gegensatz zu Deutschland nicht in Langzeitarbeitslosigkeit sondern Langzeitarmut. Außerdem ist unbedingt zu berücksichtigen, dass seine Vorschläge unter der Bedingung eines existierenden gesetzlichen Mindestlohns zu verstehen sind, den es in Deutschland nicht gibt.
Nach meiner Ansicht ist es sogar so, dass ein Kombilohn-Modell in Deutschland unter den derzeitigen Bedingungen hierzulande zu solchen Zuständen führt, die Phelps in den USA eigentlich bekämpfen will. Das Ganze ist also nicht so einfach.
Sollte also jemand in der näheren Zukunft seinen Namen benutzen, um das hierzulande diskutierte Kombilohn-Modell zu rechtfertigen, dann ist das eine unzulässige Verkürzung. (Ich könnte schon jetzt Wetten darauf abschließen, dass dies irgendwann demnächst bei "Sabine Christiansen" oder "Berlin Mitte" geschehen wird.)

Ansonsten bin ich grundsätzlich ein Gegner jeder Art von Kombilohn-Modellen, weil sie nur zu Mitnahme-Effekten führen. Es gäbe für mich nur eine akzeptable Ausnahme: Die Steuergelder, die zur Finanzierung eines solchen Modells verwendet werden, müssten ausschließlich aus Unternehmenssteuern bestehen. Alles andere führt letztendlich nur zu einer Umverteilung von unten nach oben.

Zwirni



zwirni
Nach meiner Ansicht ist es sogar so, dass ein Kombilohn-Modell in Deutschland unter den derzeitigen Bedingungen hierzulande zu solchen Zuständen führt, die Phelps in den USA eigentlich bekämpfen will. Das Ganze ist also nicht so einfach.


danke zwirni,

und weil es nicht einfach ist - einerseits GERECHTIGKEIT und andererseit "Arbeitslosigkeit und Inflation niedrig zu halten"
findet die WELT keine Lösungen - oder ?

blumi
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