HOME
Seiten: 1 2 3 ... Ende Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: sogenanntes Prekariat


spiegel
Extreme Sozialausgaben, miese Verhältnisse

Die jüngste Studie des Berliner Think-tank "berlinpolis" und der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung passt in dieses Bild. In kaum einem anderen Land gebe es so viele Arbeitslose mit niedrigem Bildungsstand wie in Deutschland, erklären die Forscher darin. "Die Gefahr, in Deutschland in Armut abzurutschen, ist größer als in anderen europäischen Ländern", erklärt der Autor der Studie, Jeppe Fisker Jörgensen. Die Maschen des sozialen Netzes seien hierzulande schlicht größer als anderswo.

Die Studie offenbart auch eine paradoxe Tatsache: Während der Staat in Deutschland extrem hohe Sozialausgaben hat - sie entsprechen rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - sind die Verhältnisse unterdurchschnittlich schlecht. In einem Sozialranking von 24 Staaten kommt Deutschland so mit Rang 21 extrem schlecht weg.

Auch die bedenklichen politischen Einstellungen in weiten Teilen der Bevölkerung, die die Friedrich-Ebert-Stiftung jetzt feststellte, ist eigentlich keine große Neuigkeit. Immer mehr Menschen seien von der Demokratie enttäuscht, hieß es erst kürzlich bei der Vorstellung des Datenreports 2006, den unter anderem das Statistische Bundesamt und die Bundeszentrale für Politische Bildung gemeinsam erarbeiten. Demnach hielten in den neuen Bundesländern 2005 nur noch 38 Prozent der Menschen die Demokratie für die beste Staatsform in Deutschland.

So sind die Schlussfolgerungen, die Karl nach eineinhalbjähriger Forschungsarbeit zieht, eigentlich erwartbar - wie er auch selbst einräumt. Wirklich entsetzt habe ihn aber das Ausmaß der Resignation innerhalb des sogenannten Prekariats, erklärt der Wissenschaftler. "Diese Menschen fühlen sich als Verlierer, im gesellschaftlichen Abseits", sagt Karl. "Und das Schlimmste ist: Auf die Frage, ob es den Kindern wohl einmal besser ergehen werde, antworten die meisten mit Nein."



Fragen:
1) warum werden die "hohen Sozialausgaben" im Vergleich zu anderen Ländern schlecht verwendet ?
2) wie sieht eine bessere Regierungsform (statt unserer Demokratie) aus ?
3) wie sollen sich die "Verlierer unserer Demokratie" fühlen ?
4) was hat der Wissenschaftler "Karl" bzgl der Gefühle von ARMEN erwartet ?

blumi

Zuletzt bearbeitet: 17.10.06 09:30 von blumi


blumi:
spiegel
Extreme Sozialausgaben, miese Verhältnisse

Die jüngste Studie des Berliner Think-tank "berlinpolis" und der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung passt in dieses Bild.

In kaum einem anderen Land gebe es so viele Arbeitslose mit niedrigem Bildungsstand wie in Deutschland, erklären die
Die Studie offenbart auch eine paradoxe Tatsache: Während der Staat in Deutschland extrem hohe Sozialausgaben hat - sie entsprechen rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - sind die Verhältnisse unterdurchschnittlich schlecht.


Was ich - auch - in dieser Studie sehe ist das Reduzieren des "Bildungsproblems" auf einen offiziell feststellbaren "Bildungsstand", den man mit entsprechenden Geldern dann ändern kann.

Das scheint mir am eigentlichen Problem wie gehabt vorbeizugehen.

Gruß
Hans



Zuletzt bearbeitet: 17.10.06 10:06 von HansTh


Prekariat - Was für eine Wortschöpfung! So etwas kann wahrscheinlich nur "verkopften" Soziologen einfallen. Sie haben Angst vor einer Assoziation: Prolls - Proleten - Proletariat.

Und Herr Müntefering hat Angst vor dem Begriff (Unter-)Schicht, weil man von "Schicht" vielleicht auf "Klasse" kommen könnte, und man die Frage stellen könnte, ob die SPD vielleicht nicht mehr die Interessen derjenigen vertritt, für die sie sich einzusetzen vorgibt.
Gelegentlich erwähnen die SPD-"Genossen" gerne, dass ihre Partei die älteste deutsche Partei ist. Mit welcher Intention sie einstmals gegründet wurde, hat man allerdings vergessen.

Was gerade abläuft, ist ein Paradebeispiel für die Ignoranz bürgerlicher Ideologie:
Da braucht es die Veröffentlichung der Studie einer Stiftung und plötzlich erscheinen die Politiker wie eine Schar aufgeschreckter Hühner, die wild umhergackern. Dabei braucht man nur mit halbwegs offenen Augen die Gesellschafft beobachten, um das zu erkennen, was jetzt offiziell bestätigt wurde. (Habe ich nicht an anderer Stelle schon von politischer Betriebsblindheit gesprochen?)
Und sofort beginnt auch das Spiel der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Ablenkungsmanöver: Der CDU-Generalsekretär beschuldigt die Vorgängerregierung, als vermeintliche Lösung wird eine Verbesserung der Bildungspolitik angemahnt, dabei hat man gerade Wesentliches zu deren Verschlechterung beschlossen.
Dass man insgesamt in den letzten Jahren eine Politik betrieben hat, die zur Verschärfung der Lage geführt hat, will man nicht einsehen. Man will auch nicht einsehen, dass es in den letzten Jahren immer wieder Stimmen gab, die gemahnt haben.
Da verwundert es nicht, dass das Thema heute bei Tagesschau und Tagesthemen weitgehend ausgeblendet wurde. Auf "Phoenix" wurden dazu heute nachmittag recht ausführliche Stellungnahmen der Oppositionsparteien gebracht. Ab 19:00 Uhr war das kein Thema mehr in den Nachrichtensendungen.
In diesem Zusammenhang erscheint es geradezu lächerlich, wenn in der Diskussion um die Medienfreiheit von einer "Schere im Kopf" in Bezug auf die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus gesprochen wird. Die (Zensur-)"Schere im Kopf" in Bezug auf die sozialen Probleme hierzulande ist weitaus ausgeprägter. Nur ist es eigentlich keine Schere, sondern vielmehr sind es ideologisch begründete Scheuklappen bei den Journalisten. Man konnte dies heute gut in Person des B.Z.-Chefredakteurs Gunnar Schupelius in der Sendung "Klipp und Klar" im RBB und in Person vom Spiegel-Mitarbeiter Gabor Steingart in der Berliner Phoenix-Runde beobachten.

Wir brauchen uns nicht darüber zu wundern, wenn in der Politik Fehlentscheidungen getroffen werden, weil die politischen Entscheidungsträger mehrheitlich aufgrund ihres sozialen Hintergrunds und ihrer Bildung die Realität "gefiltert" im Sinne ihrer eigenen Ideologie wahrnehmen.
Z.B. hat Herr Bosbach von der CDU heute bei NTV sehr stark dafür argumentiert, dass man ALG2-Empfängern die Bezüge streichen soll, wenn sie "zumutbare" Arbeitsangebote nicht annehmen würden. Ich möchte Herrn Bosbach mal gerne in dieser Situation erleben. Ich glaube er würde sich ziemlich darüber empören, welche Art von Jobs man für ihn seitens der kommunalen Arbeitsgemeinschaften für ihn als "zumutbar" vorsehen würde, würde er sich selbst in solch einer Situation befinden. Aber in diese Situation wird er nie kommen.
____________

An dieser Diskussion um die Begriffe "Prekariat" oder "Unterschicht" wird deutlich, wie sehr man sich auf politischer Ebene dagegen sträubt, ein paar Realitäten anzuerkennen. Die Gesellschaft der heutigen Bunderepublik Deutschland ist nach wie vor eine Klassengesellschaft. Die wirtschaftliche Entwicklung von den 50er bis 80er Jahren konnte dies vielleicht verschleiern, insbesondere auch deshalb, weil man aufgrund der Existenz eines gesellschaftlichen Gegenmodells in Form des Ostblocks jede Form von sozialistischer Opposition durch Zugeständnisse an die Arbeitnehmer zu unterlaufen versuchte. Kurz gesagt: Solange es damals den westdeutschen Arbeitnehmern materiell besser ging als dem ostdeutschen Kollegen, kam der westdeutsche Arbeitnehmer nicht auf die Idee, nach einer Alternative zu suchen und eine andere Partei als SPD oder CDU/CSU zu wählen.
Jetzt nach Zusammenbruch des Ostblocks braucht man keine Zugeständnisse mehr zu machen. Der Kapitalismus kann wieder uneingeschränkt wirken und man nennt das Ganze dann "Globalisierung".



Die marxistische Definition von gesellschaftlichen Klassen orientiert sich nicht an Äußerlichkeiten oder am Bildungsstand, wie es immer wieder fälschlicherweise dargestellt wird. Entscheidend ist die Beziehung zum Kapital. Auf heutige Verhältnisse angewendet bedeutet das: Aus welcher Quelle bezieht ein Mensch sein Einkommen? Sind es Einkünfte aus Vermögen oder unternehmerischer Betätigung? Muss er dazu hauptsächlich seine Arbeitskraft verkaufen? Oder ist er auf Transferleistungen des Staates angewiesen? Diese Einteilung gilt nach wie vor; das war auch schon vor 150 Jahren so:

Karl Marx aus "Lohnarbeit und Kapital" April 1849:

In demselben Maße also, worin die Arbeit unbefriedigender, ekelhafter wird, in demselben Maße nimmt die Konkurrenz zu und der Arbeitslohn ab. Der Arbeiter sucht die Masse seines Arbeitslohns zu behaupten, indem er mehr arbeitet, sei es, daß er mehr Stunden arbeitet, sei es, daß er mehr in der selben Stunde liefert. Durch die Not getrieben, vermehrt er also noch die unheilvollen Wirkungen der Teilung der Arbeit. Das Resultat ist: Je mehr er arbeitet, um so weniger Lohn erhält er, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil er in demselben Maß seinen Mitarbeitern Konkurrenz macht, sich daher ebensoviel Konkurrenten aus seinen Mitarbeitern macht, die sich zu ebenso schlechten Bedingungen anbieten wie er selbst, weil er also in letzter Instanz sich selbst Konkurrenz macht, sich selbst als Mitglied der Arbeiterklasse.

Die Maschinerie bringt dieselben Wirkungen auf viel größrer Stufenleiter hervor, indem sie geschickte Arbeiter durch ungeschickte, Männer durch Weiber, Erwachsene durch Kinder verdrängt, indem die Maschinerie da, wo sie neu eingeführt wird, die Handarbeiter massenhaft auf das Pflaster wirft, und da, wo sie ausgebildet, verbessert, durch fruchtbarere Maschinen ersetzt wird, Arbeiter in kleinem Haufen abdankt. Wir haben oben in raschen Zügen den industriellen Krieg der Kapitalisten untereinander geschildert; dieser Krieg hat das eigentümliche, daß die Schlachten in ihm gewonnen werden weniger durch Anwerben als durch Abdanken der Arbeiterarmee. Die Feldherren, die Kapitalisten, wetteifern untereinander, wer am meisten Industrie-Soldaten entlassen kann.

Die Ökonomen erzählen uns allerdings, daß die durch Maschinen überflüssig gewordnen Arbeiter neue Beschäftigungszweige finden.

Sie wagen nicht direkt zu behaupten, daß dieselben Arbeiter, die entlassen worden sind, in neuen Arbeitszweigen unterkommen. Die Tatsachen schreien zu laut gegen diese Lüge. Sie behaupten eigentlich nur, daß für andre Bestandteile der Arbeiterklasse, z.B. für den Teil der jungen Arbeitergeneration, der schon bereit stand, um in den untergegangnen Industriezweig einzutreten, sich neue Beschäftigungsmittel auftun werden. Es ist das natürlich eine große Genugtuung für die gefallnen Arbeiter. Es wird den Herren Kapitalisten nicht an frischem exploitablem Fleisch und Blut fehlen, man wird die Toten ihre Toten begraben lassen. Es ist dies mehr ein Trost, den die Bourgeois sich selbst, als den sie den Arbeitern geben. Wenn die ganze Klasse der Lohnarbeiter durch die Maschinerie vernichtet würde, wie schrecklich für das Kapital, das ohne Lohnarbeit aufhört, Kapital zu sein!

Gesetzt aber, daß die durch Maschinerie direkt aus der Arbeit Verdrängten und der ganze Teil der neuen Generation, der schon auf diesen Dienst lauerte, eine neue Beschäftigung finden. Glaubt man, daß dieselbe so hoch bezahlt werden wird wie die verlorengegangne? Es widerspräche dies allen Gesetzen der Ökonomie. Wir haben gesehn, wie die moderne Industrie es mit sich bringt, stets eine einfachere, untergeordnetere Beschäftigung der zusammengesetzten, höheren unterzuschieben.

Wie könnte also eine Arbeitermasse, die durch Maschinerie aus einem Industriezweig herausgeworfen ist, in einem andern eine Zuflucht finden, es sei denn, daß er niedriger, schlechter bezahlt ist?

...

Resümieren wir: Je mehr das produktive Kapital wächst, desto mehr dehnt sich die Teilung der Arbeit und die Anwendung der Maschinerie aus. Je mehr sich die Teilung der Arbeit und die Anwendung der Maschinerie ausdehnt, um so mehr dehnt sich die Konkurrenz unter den Arbeitern aus, je mehr zieht sich ihr Lohn zusammen.

Und zudem rekrutiert sich die Arbeiterklasse noch aus den höhern Schichten der Gesellschaft; es stürzt eine Masse kleiner Industriellen und kleiner Rentiers in sie herab, die nichts Eiligeres zu tun haben, als ihre Arme zu erheben neben den Armen der Arbeiter. So wird der Wald der in die Höhe gestreckten und nach Arbeit verlangenden Arme immer dichter, und die Arme selbst werden immer magrer.

Originaltext

Nach dem zweiten Armutsbericht der Bundesregierung belief sich die Summe der privaten Vermögen in Deutschland im Jahr 2003 auf insgesamt 5 Billionen Euro. Im statistischen Durchschnitt bedeutete dies ein Vermögen von 133.000 Euro pro Haushalt. Ich frage mich, wer meine statistischen 133.000 Euro hat.
In der Statistik der Vermögensverteilung wird allerdings etwas deutlich, worüber man hierzulande nicht so gerne spricht:
Ich bin nicht für Gleichmacherei, aber die derzeitigen Verhältnisse sind bei genauerer Betrachtung nicht das, was ich mir unter einer ausgewogenen Gesellschaft vorstelle:

Im Jahr 2003 gab es folgende Vermögensverteilung:
(aufgeteilt in Zehntel der Bevölkerung von "oben" nach "unten")
 1. 46,8%
 2. 20,7%
 3. 14,2%
 4.  9,3%
 5.  5,3%
 6.  2,6%
 7.  1,2%
 8.  0,5%
 9.  0,1%
10. -0,6%
Wenn man das mal ganz grob in die Stückelung unserer Euro-Währung übersetzt und einmal annimmt, die Summe der privaten Vermögen würde durch einen Betrag von 100 Euro repräsentiert und für die deutsche Bevölkerung stünden 10 Personen:
Dann würden sich diese 100 Euro ganz grob wie folgt aufteilen:

Der Reichste hätte einen 50 Euro-Schein.
Der Zweitreichste hätte einen 20 Euro-Schein.
Die Dritt- und Viertreichsten hätten jeweils einen 10 Euro-Schein.
Der Fünftreichste hätte einen 5 Euro-Schein.
Nr. 6 hat 3 Euro.
Nr. 7 und 8 haben 1 Euro.
Nr. 9 und 10 haben nichts.

Auch wenn das jetzt grob gerundet ist, kann es das sein?
Die oberen 10 Prozent der Gesellschaft haben ca. 50 Prozent des Vermögens, aber die unteren 50 Prozent der Gesellschaft haben nur 5 Prozent des Vermögens.

Ist das im Sinne des sogenannten Leistungsprinzips?

Zwirni



Zwirni, danke für Deine Darstellung,

zusammengefasst heißt es: 30 % der Haushalte haben 80 % des Vermögens - ich vermute: das sind die selben 30 % die auch 80 % der Einkommen-Steuern zu bezahlen haben. Wo ist der Ausweg ? die UNTERNEHMER haben seit 100 Jahren die Automatisierung (den Verzicht auf manuelle Arbeit) mit der Mechanisierung/Elektronik als Fortschritt angesehen. Das Arbeitsplätze schaffen bedeutete : investieren in bessere Produktionstechniken mit mehr Automatisierung und höheren Vorinvestitionen. Der Computer hat Arbeiten überflüssig gemacht, dafür aber neue Produktionsstätten (für allerdings andere Anforderungen an die Mitarbeiter) geschaffen. Unser Problem liegt zwischenzeitlich darin, dass wir bald nicht genug hochqualifizierte Ingenieure in DEUTSCHLAND finden werden, weil sie nicht geboren werden und AUSBILDUNG das Fehlen "intellektueller Anlagen" nicht ersetzen kann.

Daraus folgere ich: die Zahl der Arbeitnehmer, die sich den Anforderungen in den neuen JOBS nicht gewachsen fühlen, wird zunehmen. Heute sind es 5 % bzw 20 % (alte bzw neue Bundesländer) - das bereitet den Unternehmern u. Politikern SORGE, obwohl sie m.E. nicht dafür verantwortlich sind.

Die Frage von Götz Werner ist also berechtigt.

zwirni, gibt es eine Aufstellung, wie sich die 5 Bill. Vermögen, aus denen sich 133.000 Euro (im Durchschnitt) ergeben, auf Barvermögen, Immobilien, Aktien verteilen ?

Wem werden z.B. Vermögen von Banken und Versicherungen (als einzelne Person) angerechnet ?

blumi

Zuletzt bearbeitet: 18.10.06 10:12 von blumi


zwirni:
Im Jahr 2003 gab es folgende Vermögensverteilung:
(aufgeteilt in Zehntel der Bevölkerung von "oben" nach "unten")
 1. 46,8%
 2. 20,7%
 3. 14,2%
 4.  9,3%
 5.  5,3%
 6.  2,6%
 7.  1,2%
 8.  0,5%
 9.  0,1%
10. -0,6%
Wenn man das mal ganz grob in die Stückelung unserer Euro-Währung übersetzt und einmal annimmt, die Summe der privaten Vermögen würde durch einen Betrag von 100 Euro repräsentiert und für die deutsche Bevölkerung stünden 10 Personen:
Dann würden sich diese 100 Euro ganz grob wie folgt aufteilen:

Ist das im Sinne des sogenannten Leistungsprinzips?

Zwirni


Ich habe es mal grob in konkreten Zahlen ausgerechnet.
Ausgangszahl: 38 Mio Haushalte

Wenn die ersten 30% (Platz 3 hat immerhin noch ein Vermögen/Haushalt von rd. 1,86 Mio. Euro) nur 1%* (!!!)direkt und einmalig an die letzten 30% abgeben würden, würden diese rd. 107.000 Euro auf einen Schlag erhalten. Das wäre dann mal eine echte SOZIALHILFE! Außerdem würde die Binnennachfrage wie eine Rakete abgehen!

*bei Zinsgewinnen aufs Vermögen von MINDESTENS 4%!

banana



Anm.: Das Zitat von Karl Marx sollte nicht nur Dekoration sein, es sollte eigentlich zum Denken und Vergleichen anregen.

blumi:
die UNTERNEHMER haben seit 100 Jahren die Automatisierung (den Verzicht auf manuelle Arbeit) mit der Mechanisierung/Elektronik als Fortschritt angesehen. Das Arbeitsplätze schaffen bedeutete : investieren in bessere Produktionstechniken mit mehr Automatisierung und höheren Vorinvestitionen. Der Computer hat Arbeiten überflüssig gemacht, dafür aber neue Produktionsstätten (für allerdings andere Anforderungen an die Mitarbeiter) geschaffen.

Ständige Rationalisierung und Erhöhung der Produktivität ist nicht nur einfach ein Dienst im Interesse des Fortschritts. Vielmehr ist es eine Notwendigkeit für das ökonomische Überleben von Unternehmen unter kapitalistischen Verhältnissen bei funktionierenden Märkten. (Der Unternehmer, der nicht rationalisiert, wird recht bald im Konkurrenzkampf untergehen.) Dabei werden zwangsläufig Mitarbeiter freigesetzt oder ihre Arbeitskraft wird stärker in Anspruch genommen.
Daraus folgt aber nicht automatisch (und hier widerspreche ich Dir), dass der technologische Fortschritt dazu führt, dass die freigesetzten Mitarbeiter zwangsläufig einen neuen Arbeitsplatz erhalten.
Ich habe das bereits in der Vergangenheit erklärt: Wenn eine Wirtschaft nicht wächst, also das BIP nicht steigt, dann führt die unabhängig davon stattfindende Rationalisierung zu einem ständigen Stellenabbau und zunehmender Arbeitslosigkeit. Kompensiert werden kann das nur, wenn der durch die Rationalisierung bewirkte Produktivitätsgewinn sich auch in einer steigenden Entlohnung der verbliebenen Arbeitnehmer wiederfindet, damit diese dann durch ein steigendes Einkommen (was ja dann auch dem gestiegenen Wert ihrer Arbeit entspricht) dafür sorgen können, dass gesamtgesellschaftlich eine höhere Nachfrage entsteht, die dann wiederum überhaupt erst zusätzliche Investitionen sinnvoll macht und für dauerhafte neue Arbeitsplätze sorgt, wodurch die vorher geschaffene Arbeitslosigkeit vielleicht wieder ausgeglichen werden kann.
Solange man dies wirtschaftspolitisch nicht beachtet (und es wird hierzulande seit Jahren nicht mehr beachtet), sind alle politischen Ambitionen zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen zum Scheitern verurteilt, vielmehr verschlimmern sie das Problem nur: Die Begünstigung von Billigjobs, die Einführung der Lohnkostenzuschläge und auch die Praxis der 1-Euro-Jobs haben nur dazu geführt, dass der Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt zunahm, was in der Gesamtheit zu sinkenden Reallöhnen führte und somit zu einer schwächelnden Binnennachfrage, wodurch Investitionen auf diesem Gebiet sinnlos wurden.
Man wird den Teufelskreis nicht verlassen, solange man dies nicht beachtet, auch wenn es zur Zeit eine leichte Belebung zu geben scheint.

blumi:
Unser Problem liegt zwischenzeitlich darin, dass wir bald nicht genug hochqualifizierte Ingenieure in DEUTSCHLAND finden werden, weil sie nicht geboren werden und AUSBILDUNG das Fehlen "intellektueller Anlagen" nicht ersetzen kann.

Blumi, was ist das denn für eine seltsame Aussage? Sind die Deutschen auf einmal, genetisch bedingt, zu dumm?
Aus eigener Erfahrung kann ich übrigens Folgendes berichten: Es wird ja immer gerne vom Mangel an Ingenieuren berichtet. Das ist eine unzulässige Verkürzung des Problems. Es gibt hierzulande genügend Ingenieure. Es gibt nur nicht genügend, die die unverschämten Bedingungen der Unternehmen erfüllen, sei es nun die Frage der Mobilität, der Entlohnung oder der Qualifizierung.
Man kann nun einmal keinen angebotenen Job annehmen, wenn der Arbeitsplatz mehrere hundert Kilometer entfernt liegt, aber die Entlohnung so niedrig ist, dass man sich eine doppelte Haushaltsführung bzw. das Pendeln nicht leisten kann, wenn man gleichzeitig keine Garantie für eine dauerhafte Anstellung erhält, die einen teuren Umzug rechtfertigen würde.
Außerdem wird von Unternehmensseite verlangt, dass man als Arbeitnehmer, was die Qualifikation betrifft, genau passend für den Arbeitsplatz ist. Das ist aber praktisch eine Sache der Unmöglichkeit. Nun fordert man von Unternehmensseite, dass der Staat durch Finanzierung über die Agentur für Arbeit für die notwendige Qualifikation sorgt, damit der Arbeitnehmer irgendein Computerprogramm richtig bedient und hinterher stellt sich manchmal wie jetzt bei Airbus heraus, dass das Management nicht einmal dafür sorgen kann, dass auch das richtige Computerprogramm benutzt wird.
Nein, wenn ein Unternehmen die Arbeitskraft eines Menschen in Anspruch nehmen und dadurch Gewinn machen will, dann ist es nach meiner Meinung auch dazu verpflichtet, für die entsprechende Anpassungsqualifikation zu sorgen. Das ist auch eine Investition, man hat sie hierzulande nur dem Staat aufgebürdet.

Und damit bin ich bei Deiner nächsten Aussage:

blumi:
Daraus folgere ich: die Zahl der Arbeitnehmer, die sich den Anforderungen in den neuen JOBS nicht gewachsen fühlen, wird zunehmen. Heute sind es 5 % bzw 20 % (alte bzw neue Bundesländer) - das bereitet den Unternehmern u. Politikern SORGE, obwohl sie m.E. nicht dafür verantwortlich sind.

Da hast Du etwas mißverstanden: Die Menschen fühlen sich nicht den Anforderungen neuer Jobs nicht gewachsen, sie fühlen sich um ihre Chancen betrogen, weil sie keine mehr erhalten: Die Lebens- und Berufserfahrung eines 40-Jährigen zählt doch heute nichts mehr, was ich für einen schweren Fehler halte. Von Seiten der Unternehmen will man heute doch den gutaussehenden, jungen aber gleichzeitig erfahrenen, unkomplizierten Mitarbeiter. Man will die Arbeitskraft möglichst frisch, unverbraucht und ohne zusätzliche Aufwendungen in Anspruch nehmen. Auf diese Weise wird unsere Gesellschaft gespalten in diejenigen, die den Anforderungen genügen, und denjenigen, denen man eine Chance geben müsste aber nicht gibt. Das Resultat dieser Spaltung hast du in den Prozentzahlen oben erwähnt, und ich denke sehr wohl, dass Unternehmen und Politik dafür hauptverantwortlich sind. Sollten sie Sorge zeigen, ist das entweder Heuchelei oder die von mir schon erwähnte Betriebsblindheit, weil man nicht erkennen will, was man mit dem eigenen politischen oder wirtschaftlichen Handeln eigentlich anrichtet.
Im Interesse unserer gesamten Gesellschaft wäre also ein Umdenken bei der Wirtschafts- und Sozialpolitik und auch innerhalb der Unternehmen sowie bei der Ausbildung der zukünftigen Führungskräfte dringend geboten. Ich kann das aber nicht mal ansatzweise erkennen, und daran ändern auch die wohlklingenden Sonntagsreden von Frau Merkel und Herrn Köhler nichts.


Zuletzt bearbeitet: 19.10.06 06:54 von zwirni


blumi:
Die Frage von Götz Werner ist also berechtigt.

Welche Frage?

blumi:
zwirni, gibt es eine Aufstellung, wie sich die 5 Bill. Vermögen, aus denen sich 133.000 Euro (im Durchschnitt) ergeben, auf Barvermögen, Immobilien, Aktien verteilen ?

Wem werden z.B. Vermögen von Banken und Versicherungen (als einzelne Person) angerechnet ?

Im 2. Armutsbericht der Bundesregierung gibt es teilweise dazu detaillierte Darstellungen. Man muss etwas im Internet suchen, aber auf den Internet-Seiten der Bundesregierung gibt es dazu mehrere PDF-Dateien zum Herunterladen.

Zwirni



zwirni
Daraus folgt aber nicht automatisch (und hier widerspreche ich Dir), dass der technologische Fortschritt dazu führt, dass die freigesetzten Mitarbeiter zwangsläufig einen neuen Arbeitsplatz erhalten.


ich stimme zu, deshalb mein Zusatz
(für allerdings andere Anforderungen an die Mitarbeiter)


welche Konsequenzen ergeben sich daraus ?

Man wird den Teufelskreis nicht verlassen, solange man dies nicht beachtet, auch wenn es zur Zeit eine leichte Belebung zu geben scheint.



auch da stimme ich zu.

Man kann nun einmal keinen angebotenen Job annehmen, wenn der Arbeitsplatz mehrere hundert Kilometer entfernt liegt, aber die Entlohnung so niedrig ist, dass man sich eine doppelte Haushaltsführung bzw. das Pendeln nicht leisten kann, wenn man gleichzeitig keine Garantie für eine dauerhafte Anstellung erhält, die einen teuren Umzug rechtfertigen würde.


deshalb bekommen UNTERNEHMEN keine passenden Leute;
und es passiert das, was von Dir unten beschrieben wird. Die "weniger guten" Ingenieure erkennen zu spät, das die Kabel-Programme nicht passen. Man plant nach dem Motto "es wird schon gut gehen" - "was nicht sein darf wird einfach übersehen" - "schlechte Erkenntnisse werden so lange als möglich unterdrückt, weil der Überbringer einer Warnung Probleme erzeugt und keine Lösung hat"; das ist mir nicht nur einmal passiert - und wir sehen es doch auch hier im FORUM.

Das ist ein Mitarbeiter-Problem u. ein Management-Problem. Es zählt m.E. NUR die Gesamtsicht - nicht die "Unternehmensseite (3 top-Manager) gegen die Mitarbeiter", die man gegeneinander auszuspielen versucht; Management und Mitarbeiter haben nur ein Ziel und das orientiert sich am Kunden.

Außerdem wird von Unternehmensseite verlangt, dass man als Arbeitnehmer, was die Qualifikation betrifft, genau passend für den Arbeitsplatz ist. Das ist aber praktisch eine Sache der Unmöglichkeit.

also sind die Pleiten (s.AIRBUS) vorprogrammiert ?

Nun fordert man von Unternehmensseite, dass der Staat durch Finanzierung über die Agentur für Arbeit für die notwendige Qualifikation sorgt, damit der Arbeitnehmer irgendein Computerprogramm richtig bedient und hinterher stellt sich manchmal wie jetzt bei Airbus heraus, dass das Management nicht einmal dafür sorgen kann, dass auch das richtige Computerprogramm benutzt wird.


Über den Einsatz von Computerprogrammen machen MITARBEITER Vorschläge und untersuchen die Praktikabilität von verschiedenen Lösungen. Da kann der Staat wenig helfen - weil es hier hauptsächlich um LOGIK (angeboren) geht.

Kein Manager darf wagen, gegen Empfehlungen der Mitarbeiter zu entscheiden - es sei denn: man will aus politischen Gründen die Pleite.

Wer ist also Schuld an der "Pleite bei AIRBUS" ?

blumi

Zuletzt bearbeitet: 19.10.06 10:02 von blumi


blumi:
Die Frage von Götz Werner ist also berechtigt.
zwirni:
Welche Frage?



Götz Werner fragte sich: wie sollen die durch Rationalisierung weniger gewordenen Arbeitsplätze verteilt werden ? Heute in "BERLIN MITTE" werden wir ihn wieder einmal sehen.

banana
nur 1%* (!!!)direkt und einmalig an die letzten 30% abgeben würden


ich habe nicht nachgerechnet - hört sich gut an, warum macht es keiner, obwohl es m.E. keinem weh tut, wenn man auf 1 % verzichten muss - oder ?

blumi

Zuletzt bearbeitet: 19.10.06 10:23 von blumi


@zwirni

Sorry, dass ich nicht auf Marx eingegangen bin, aber da ich recht vertraut mit seinen Schriften bin, wollte ich Wiederholungen vermeiden.

Über das Thema Verarmung, deren Ursachen, Folgen und Lösungsmöglichkeiten kann man sicherlich mehr als ein dickes Buch schreiben, was den Rahmen hier sprengen würde. So kann man eigentlich nur einzelne Aspekte oder Beispiele behandeln, die allerdings nur Puzzlesteine des Gesamten wären.

Einige Puzzlesteine will ich hier noch einmal aufzählen.

Bereits Ludwig Erhard hat Mitte der sechziger Jahre vor den Folgen der Veralterung der Gesellschaft gewarnt. Die Politik hat hier zu keinem Zeitpunkt gegengesteuert, z. B. durch eine schrittweise Kapitalfinanzierung des Rentensystems und/oder der schrittweisen Einbeziehung des Beamtums und der Selbständigen in das System.

Die Kosten des Gesundheitssystems steigen keinesfalls, weil die Menschen heute älter werden (und wenn dann nur marginal), sondern weil die medizinische Überversorgung immer mehr Geld frisst. Zwei Beispiele hierfür: Es gibt viel zu viele unsinnige Arzneimittel. Ein Grund dafür: Die Rechte eines Pharmariesen an einem bestimmten Präparat laufen aus und die Genericaproduzenten sitzen in den Startlöchern. Der Pharmariese verändert geringfügig die Dosis und packt noch ein paar mg Vitamin C in die Pille. Schon hat er neuen Schutz und kann das jetzt 5-mal teurere Präparat durch seine Pharmahausierer auf den Markt bringen. Beispiel 2: Ca. 80% der CT- bzw. MRT-Untersuchungen sind sinnlos, weil man zum selben Befund über ein normales Röntgenbild kommen würde. Nur bringt das CT eben ein Vielfaches ein. Hinzu kommen natürlich noch Milliarden von Doppeldiagnostiken, die völlig unnötig wären, wenn man die schon heute vorhandenen technischen Möglichkeiten der Kommunikation zwischen den Ärzten nutzen würde.

Zum Thema Airbus, das allerdings eigentlich nicht direkt in diesen Themenbereich gehört.
Der Fehler, der dort gemacht wurde ist keinesfalls ein technischer Fehler gewesen, sondern beruht auf hanebüchener Dummheit des Managements bei der Vertragsgestaltung mit den Kunden des A 380. Dieser Fehler wäre mir persönlich und mit Sicherheit schon gar keinem Jurastudenten passiert, der sich gerade mit Vertragsrecht herumschlägt. In der Hauptsache wurde in den Vertrag keine Deadline für Änderungswünsche an der Innenausstattung festgelegt! So kann die Gemahlin des Airline-Präsis noch während des Einbaus der Innenausstattung festlegen, welche Stoffe für die Sitze verwendet werden, wo die Leselämpchen hängen sollen und welcher Teppichboden eingebaut werden soll. An solchen Änderungen hängt ein riesengroßer Rattenschwanz an Umplanungen, Genehmigungsverfahren, Dokumentation, Bestellungen, Vergabe, Fertigung beim Zulieferer, Einbau und Abnahme der Änderungen, was zu den entsprechenden Lieferverzögerungen geführt hat.

Soweit dieser Exkurs. Zu der gesamten Problematik der Unterschichten kommen als schwerwiegenden Ursache natürlich noch die irrsinnige Überregulierung (nicht zuletzt durch die EU) und Überverwaltung als Kostenfaktor hinzu.

just my 2 cents
banana

@blumi
Ich hab's nochmal nachgerechnet. Die Rechnung scheint zu stimmen. Warum es keiner macht? Freiwillig wohl kaum.
Da geht es letztendlich um das Thema Vermögenssteuer, die von Kohl ja glorreich abgeschafft wurde und heute traut sich keiner mehr an das Thema heran. Ist doch viel einfacher, das Stimmvieh zu melken als sich mit den Ackermanns rumzuschlagen.

Mein Vorschlag wäre, bei den nächsten Wahlen ungültige Stimmzettel abzugeben! V. a. um den Parteien die sog. Wahlkampferstattung abzuknapsen. Denen laufen die Mitglieder davon und wenn dann nichts mehr über die Wahlen kommt? Dann gehen sie PLEITE! Sie würden dann spüren, was sie als Verursacher den Menschen in diesem Lande angetan haben. Naja, wird wohl auch nichts helfen, weil sie dann blitzartig ihre Wahlkampfgelder auf dem Gesetzesweg wieder erhöhen würden.


Zuletzt bearbeitet: 19.10.06 18:45 von banana


Sorry, wenn ich heute nacht mal nicht auf die vorangegangenn Aspekte eingehe, das wäre momentan zuviel und würde teilweise auch zu weit vom Thema wegführen. Mir ist aber gerade ein anderer Gesichtspunkt eingefallen:

Wir reden hierzulande immer gerne von der Chancengleichheit: Das Prinzip ist, nicht alle gleich zu machen, aber jedem die gleichen Chancen zu geben. Existiert dieses Prinzip überhaupt?

Wovon hängt es tatsächlich ab, ob man einen, seinen Fähigkeiten tatsächlich entsprechenden Arbeitsplatz erhält? Sind es wirklich die tatsächlichen Fähigkeiten, oder ist es nicht viel zu oft die Fähigkeit, die tatsächlichen Fähigkeiten vorzutäuschen? Wird den Menschen nicht ständig beigebracht, sich möglichst gut zu verkaufen, also den anderen was vorzumachen?
Und wie froh ist manch einer, wenn er aufgrund von "Vitamin B" diesen fatalen Zustand umgehen kann. Aber ist das nicht eigentlich auch verkehrt?

Die Stellenanzeigen in der "FAZ" quellen über vor nichtssagenden aber wichtig klingenden Anglizismen. Es kommt im Geschäftleben mehr darauf an, eine effektvolle Powerpoint-Präsentation darzubringen, als wirklich eine neue Idee zu haben.

Im inoffiziellen Wettkampf am Stammtisch oder zwischen Nachbarn wird der als der Größte angesehen, der bei seiner Einkommenssteuererklärung die größte Rückerstattung herausschlagen konnte, und dabei ist es legitim, die sogenannten "legalen" Steuertricks anzuwenden. (Wobei doch eigentlich jeder weiß, dass man dabei nicht ehrlich ist.)

Es findet hierzulande ein kollektiver Selbstbetrug statt. Ein Teil der Menschen hierzulande kann oder will daran nicht teilnehmen. Sie bezahlen dafür mit einer Ausgrenzung vom gesellschaftlichen Leben. Die Frage ist jetzt: Stimmt etwas mit diesen Menschen nicht oder stimmt etwas nicht mit unserem gesellschaftlichen Leben?

Zwirni



das ist interessant, denn das bestärkt mich in meinem gedanken. der versuch, sich ausflüchte z.b. u.a. aus den steuern zu suchen, scheint mir der wunsch zu sein, aus der gesellschafftlichen moral auszubrechen. abgesehen davon, das moral das gesellschafftliche gewissen ist, also immer gesellschaftlich, bringt die anpassung der individuellen ethik an diese moral zwang, d.h. unfreiheit mit sich, die für mich logisch vom individuum durchbrochen werden will, z.b. bei der steuererklärung. deshalb ist neine überzeugung, das wir eine änderung unserer moral brauchen weg vom nachkriegs-"arbeit macht frei" hin zu einer moral der freiheit.



1. Die Steuermoral in D ist wesentlich besser als in den meisten anderen EU-/OECD-Staaten.
2. Das Armuts-/Unterschichtenproblem in einen Konflikt zwischen Normalverdienern und den ganz Armen zu verwandeln, halte ich für zutiefst unmoralisch und folgt fatal den Argumenten der Politik.
Da geraten wohl Einige völlig auf den falschen Dampfer. Ich freue mich über jeden Euro, den ich aufgrund der Steuergesetzgebung vom Finanzamt zurückholen kann. Solange es legal ist, halte ich das sogar für erstrebenswert.
3. Den Begriff Chancengleichheit würde ich zunächst einmal definieren wollen, bevor ich darüber diskutiere.

@vowi
Mit der zeitlichen Einordnung des Begriffes "Arbeit mach frei" hast du dich um glatt tausend Jahre verhauen.

@zwirni
Dein erster Satz war gut!
Während Menschen wie Du und ich Marx als bedeutenden Gesellschafts- und Wirtschaftsphilosophen ansehen, ist er nun einmal für die Mehrheit der UNWISSENDEN ein rotes Tuch und sie werfen Ulbricht und Stalin in den selben Topf wie Marx.

banana


Zuletzt bearbeitet: 20.10.06 15:49 von banana


Die Frage ist jetzt: Stimmt etwas mit diesen Menschen nicht oder stimmt etwas nicht mit unserem gesellschaftlichen Leben?

Zwirni



Götz Werner sagte gestern:
unsere Politiker versuchen mit den falschen Instrumenten, die uns (diese Gesellschaft mit allen Gewinnern und Verlierern ) einen AUSWEG zu finden - was nicht gelingen kann, weil die Instrumente gezeigt haben, dass sie in EUROPA - nach 50 Jahren ohne Krieg - nicht tauglich sind.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 20.10.06 19:23 von blumi
Seiten: 1 2 3 ... Ende Zurück zur Übersicht


HOME