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Thema: sogenanntes Prekariat


P.S.: Da du in France lebst, ist dir evtl. der Name G.W. alias Götz Werner, ein milliardenschwerer Zahnpasta- und Haarspray-Verteter, nicht bekannt. Dieser hatte hier bei uns vor allem im TV kurzfristig etwas Wind aufgewirbelt, als er ein Bürgergeld vorschlug, das mit einem Mehrwertsteuersatz von 50% finanziert werden sollte, wohl ausschließlich zur Mehrung seines Reichstums. Mittlerweile ist er aber mehr oder weniger sang- und klanglos aus den Medien verschwunden.


Hallo banana, G.W. hätte ich nicht einordnen können, ausgeschrieben ist mir der Name schon bekannt. Ich habe mal ein oder zwei Interviews im Radio mit ihm gehört (podcast). Persönlich stehe ich ihm etwas misstrauisch gegenüber. Als er über seine Firmenpolitik sprach, klang es in meinen Ohren ein bisschen wie ein Sektengelaber (wir lieben uns alle blabla). Das ist vorerst nur ein "Gefühlsurteil" meinerseits. Er wird gerne von Gruppen vorgezeigt, die die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens bekannt machen wollen. Ich bin ein Anhänger dieser Idee, habe aber meine Zweifel, ob G.W. der Richtige ist, um für diese Idee zu werben.
Mir persönlich wäre eine ausführliche Durchführbarkeitsanalyse im wissenschaftlichen Stil am liebsten.

Im letzten Presseclub (WDR 5) wurde unter anderem über den "Aufschwung" in Deutschland diskutiert. Ich könnte immer an die Decke gehen, wenn ich jemanden sagen höre, dass man die Transferleistungen zurücknehmen sollte, um mehr "Anreize" zu geben, eine Arbeit anzunehmen. Da muss ich mich echt zusammenreissen, um nicht Rot zu sehen. Da sitzen sie, mit ihrem guten Job, ihrer Karriere, ihrer sozialen Anerkennung, sprechen solche Sachen aus und haben keine Vorstellung davon, was sie sagen. Haben diese Leute schonmal 300 Bewerbungen geschrieben und keine Antwort darauf bekommen? Dieser Satz suggeriert, dass es einen Haufen freie Stellen gibt, die verzweifelt auf Bewerber warten, die aber nicht kommen, weil sie "zu faul" sind, zu arbeiten - weil sie "so viel" Geld vom Staat bekommen. Erstmal kann man nur "anreizen" etwas anzunehmen, wenn es dieses "etwas" auch gibt. Auch wenn es unbesetzte Stellen in Deutschland gibt, so gibt es jedoch keine 5 Millionen freie Stellen, die nur auf Bewerber warten.

(Die 4,8 Millionen Arbeitslose sind auch nur geturkte Zahlen. Die 1-€-Jobber, die Leute, die in Massnahmen rumsitzen, wo sie lernen, ein Bewerbungsschreiben aufzusetzen, die Frühruheständler, die es aufgebeben haben, mit 53 noch eine Stelle zu suchen, weil es für sie keine mehr geben wird, usw - diese und noch andere tauchen in den Zahlen nicht auf.)

Zweitens ist dieser "Anreiz" nichts als eine Armutsfalle. Man soll gezwungen werden, für einen Niedriglohnjob 700km umzuziehen, sein soziales Umfeld verlassen für einen Scheissjob, wo man 4,13 Euro die Stunde verdient. Da kommt mir die Galle hoch. Von den 25 europäischen Ländern haben 23 einen gesetzlichen Mindestlohn. Deutschland nicht.
Es soll halt möglich bleiben, auch mit Arbeit unter der Armutsgrenze bleiben zu können. Ein gesetzlicher Mindestlohn soll angeblich Arbeitsplätze zerstören.
Soll er ja auch. Genau dafür ist er da. Er SOLL diese Jobs zerstören, mit dessen Lohn man nicht leben kann.

Ich hoffe inständigst, dass Sarkozy nicht Präsident wird. Denn dann wird es Frankreich Deutschland nachmachen. Mit Sarkozy haben die Prekären auch eine düstere Zukunft.



Hallo eifel,

ich habe mir erlaubt, dein Einverständnis voraussetzend, deinen Beitrag in den Thread "Das Bürgergeld" zu kopieren, weil ich das Thema lieber dort fortsetzen würde.

banana



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