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Thema: Der "mediale" Aufschwung


banana
fette Kapitalerhöhung
- sehr gut !

und den Vorstand (wegen der juristischen Fehler) austauschen, damit die Großaktionäre die Kapitalerhöhung auch entsprechend nachfragen !!

z.Zt. sieht es ja so aus, daß die abhängigen Bundesländer (der Steuerzahler) das fehlende Kapital zuschiessen will, indem man die Aktien von DAIMLER kauft - smile.

blumi


blumi:
banana
fette Kapitalerhöhung
- sehr gut !

und den Vorstand (wegen der juristischen Fehler) austauschen, damit die Großaktionäre die Kapitalerhöhung auch entsprechend nachfragen !!

z.Zt. sieht es ja so aus, daß die abhängigen Bundesländer (der Steuerzahler) das fehlende Kapital zuschiessen will, indem man die Aktien von DAIMLER kauft - smile.


Nee, nee, blumi! Durch den Kauf der Aktien von Daimler wird lediglich ein totaler Kursverfall verhindert. Schließlich ist ja nicht zuletzt die öffentliche Hand (in D und F) Großaktionär bei EADS und speziell diese "Unternehmer" haben die Pfeifen auf die Vorstandssessel gebracht, um noch ein paar Pöstchen zu verteilen. Neues Geld kommt nur durch eine Kapitalerhöhung, sprich neue Aktien, ins Unternehmen. Insgesamt heißt das aber, dass Daimler wieder einmal Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert. So einfach geht "Unternehmer sein, ohne unternehmerisches Risiko zu tragen".

banana

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Für jedes Problem gibt es eine Lösung, die klar, einleuchtend und plausibel ist - und falsch. - Henry Mencken

Zuletzt bearbeitet: 21.02.07 19:30 von banana


Als Ergänzung:
Darstellung der EADS-Aktionärsstruktur bei spiegel.de



Hm, ich möchte an dieser Stelle nochmal an Hajo´s Eingangsbeitrag anknüpfen, der ja besagte, dass dem Volk gute Stimmung und falsche Zahlen vorgegaukelt, bzw. diese geschönt präsentiert würden.

Nun, Missstände anzuprangern ist das gute Recht eines Jeden, aber wo liegt die mündige Selbstverantwortung für eben diesen Zustand? Mich würde interessieren, zu was der Einzelne in der Lage, willens und imstande ist, seine persönliche Situation zu verändern?

Ist es wirklich immer nur der Staat (der zweifelsohne die Richtlinien für eine wirksame Wirtschaftspolitik geben sollte) oder sind es die Unternehmen, welche die Sündenböcke sind?

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Wie konnte der Mensch im Mittelalter überleben? Welche Fähigkeiten hat er sich aus der damaligen Zeit in die heutige hinüber retten können?

Bin gespannt auf Eure Antworten.




Zuletzt bearbeitet: 21.02.07 23:24 von nieke


blumi:
z.Zt. sieht es ja so aus, daß die abhängigen Bundesländer (der Steuerzahler) das fehlende Kapital zuschiessen will, indem man die Aktien von DAIMLER kauft - smile.

Ich bitte Dich, Blumi: Mach Dich endlich schlau darüber, worin der Unterschied zwischen Aktienhandel und Ausgabe (Emission) von Aktien besteht.

nieke:
Nun, Missstände anzuprangern ist das gute Recht eines Jeden, aber wo liegt die mündige Selbstverantwortung für eben diesen Zustand? Mich würde interessieren, zu was der Einzelne in der Lage, willens und imstande ist, seine persönliche Situation zu verändern?

Mich erstaunt diese Fragestellung, offenbart sie doch die Unkenntnis darüber, dass es Lebenslagen gibt, aus denen man nicht mehr so einfach herauskommt. In diesen nützt dann auch der beste Wille und die beste Befähigung nichts mehr. Wenn man einmal auf der "Hartz4-Ebene" angekommen ist, hat man keinen Spielraum mehr, Risiken einzugehen, um in angeblich "mündiger Selbstverantwortung" die eigene Situation zu verbessern. Wenn man allerdings noch mehrere Zehntausend Euro als Ersparnis irgendwo auf einem Konto zu liegen hat, sieht die Welt ganz anders aus.
Hat man dies nicht, ist man darauf angewiesen, dass man irgendwo seine Arbeitskraft zu Bedingungen verkauft, die man selbst nicht mehr beeinflussen kann. Man hat dann nur die Wahl, einen Job anzunehmen, bei dem man auch nur über den Tisch gezogen wird, oder sich weiterhin der entwürdigenden Behandlung durch die Hartz4-Gesetze zu unterwerfen. Unter diesen Bedingungen ist die angeblich "mündige Selbstverantwortung" nichts anderes als eine Phrase, die nur jemand in den Mund nimmt, der diese Situation nicht kennt.

nieke:
Ist es wirklich immer nur der Staat (der zweifelsohne die Richtlinien für eine wirksame Wirtschaftspolitik geben sollte) oder sind es die Unternehmen, welche die Sündenböcke sind?

Die Fragestellung ist falsch. Diese Alternative existiert derzeit nicht.
Die gegenwärtig herrschende Politik verkündet das Motto, man müsse nur die Bedingungen für die Unternehmen verbessern und automatisch würden dann auch Arbeitsplätze entstehen. Es nützt aber die beste angebotsorientierte Wirtschaftspolitik nichts, wenn keine Nachfrage vorhanden ist.
Das Resultat ist offensichtlich, wenn man es nur wirklich sehen will: Wenn Deutschland "Exportweltmeister" ist, kann es um die internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Unternehmen wohl nicht so schlecht bestellt sein. Die DAX-Unternehmen feiern Rekordgewinne, aber immer mehr Menschen kriechen hierzulande finanziell auf dem Zahnfleisch. Dies sind die zwei Seiten derselben Medaille.
Und je schlechter es den Menschen hierzulande geht, umso größer wird der Antrieb für die international agierenden Unternehmen, ihren Absatz noch mehr ins Ausland zu verlagern. Man hat eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, deren Antrieb das Profitstreben ist. Dass dabei auch die Unternehmen den Bach runtergehen, deren Kunden die hier lebenden Menschen sind, wird billigend in Kauf genommen.
Bei dieser gesamten Entwicklung hat sich die Politik zum Erfüllungsgehilfen der einflussreichen Wirtschaftskreise gemacht und in autistischer Verkennung der Lage ist sie auch noch der Ansicht, das Richtige für die Bevölkerung zu tun. Flankiert wird das Ganze durch die Berichterstattung in den Medien, die entweder politisch (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) oder wirtschaftlich (Privatfernsehen, "Bild", "Die Welt", "Focus" etc.) dominiert sind und der Bevölkerung notorisch eintrichtern, dass es keine Alternative zu dieser Entwicklung gäbe.

»Soziale Marktwirtschaft« bedeutete einstmals das Primat der Politik über die Wirtschaft. Unter dieser Bedingung entstand der Wohlstand in der alten Bundesrepublik Deutschland - auch vor dem Hintergrund, dass gleich "nebenan" ein gesellschaftliches Gegenmodell existierte.
Nachdem dies weggefallen ist, erfolgt jetzt ein »Roll back« des Kapitalismus alter Art im Gewand des 21. Jahrhunderts unter der irreführenden Bezeichnung »Neue Soziale Marktwirtschaft«. Bezeichnend dafür ist, dass mit der "Globalisierung" als Begründung die Wirtschaft zum Primat über die Politik wird. - Oder werden heutzutage nicht alle möglichen politischen Maßnahmen mit wirtschaftlichen "Sachzwängen" begründet?

Zwirni



Nun ein grundlegender Unterschied zum Mittelalter - wobei ich hier ausdrücklich nur das Hochmittelalter mit seiner Blütezeit meine - ist wohl der Wandel der Arbeit von der erfüllenden Einzelleistung, die meistens von der eigenen Motivation getragen wurde hin zu einer abhängigskeitsorientierten Massenproduktion, die überwiegend sinnentleert eher mechanistischen Regeln unterliegt. Hier hat die Industrialisierung und die Automatisierung der selbstbestimmten Arbeit den Garaus gemacht.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, die an wirklich bedeutenden neuen Erfindungen sehr arm ist. Das hat zur Folge, dass keine nennenswerten Innovationsschübe die Wirtschaft wirklich beleben (Ende eines Kondradiew*, einem *Wirtschafts-Langzeitzyklus von 40 bis 60 Jahren) und dem Wachstum neue Impulse geben.
Wachstumsgläubigkeit ohne Innovation ist ein Irrglaube insbesondere der "Neoliberalen", die gern einen Wirtschaftsdarwinusmus verkünden.
Auf soziale Gemeinschaften ist dieser Darwinismus aber nicht anwendbar, weder nach ethischer Philosphie, noch nach humanistischen oder gar sozialistischen Weltbildern. Doch das wird gerade praktiziert.
Die Verantwortung des Staates liegt eindeutig darin, durch seine Gesetzgebung eben diese soziale Komponente abzuschaffen und damit unterstützt er umfassend die Bestrebung des herrschenden Kapitals.
Selbst wenn der Einzelne kreativ ist und versucht seine Verantwortung für sich selbst wahrzunehmen, bekommt er spätestens durch eine völlig verwilderte Verwaltung seine Grenzen aufgezeigt.

Leider ist heute auch die Familienhaftung und -bindung gegenüber dem Mittelalter fast völlig aufgelöst worden. Selbst wenn der Wunsch nach Familienschutz vorhanden ist, wird er durch dubiose, schizophrene Gesetze zerschlagen (z.B. "eheähnliche Gemeinschaft"). Eine unabhängige soziale "Zelle" wäre auch nicht so gut manipulierbar und schon deshalb ist sie in Wirklichkeit nicht erwünscht.

Die Eigenverantwortung konzentriert sich also in den Kreisen, in denen wirtschaftliche Unabhängigkeit noch gewährleistet ist.
Die abhängig Beschäftigten haben da kaum eine Chance.



banana
Nee, nee, blumi! Durch den Kauf der Aktien von Daimler wird lediglich ein totaler Kursverfall verhindert. Schließlich ist ja nicht zuletzt die öffentliche Hand (in D und F) Großaktionär bei EADS


egal was die Bundesländer machen, sie verlieren, weil der Vorstand v. EADS juristische Fehler gemacht hat ! richtig ??

kann es sein, daß EADS zu den Verträgen (im Wettbewerb mit der USA-Flugzeugindustrie) "fast gezwungen" wurde ?

blumi

Zuletzt bearbeitet: 22.02.07 11:11 von blumi


HajoDF:
... - wobei ich hier ausdrücklich nur das Hochmittelalter mit seiner Blütezeit meine - ist wohl der Wandel der Arbeit von der erfüllenden Einzelleistung, die meistens von der eigenen Motivation getragen wurde hin zu einer abhängigskeitsorientierten Massenproduktion, die überwiegend sinnentleert eher mechanistischen Regeln unterliegt.


Es war eigentlich schon durch die schwammige Fragestellung von nieke bedingt, zu erwarten, dass sich hier sehr schnell Irrtümer einschleichen. "DAS" Mittelalter als solches ist ohnehin keine konsistente Periode, sondern dauerte immerhin ca. 1.000 Jahre gemäß der europäischen Definition des MA. Mit dem Hochmittelalter war allerdings schon um 1250 Schluss. Die Bildung von Manufakturen (was HajoDF hier vermutlich meint) vollzog sich allerdings erst viel später, etwa zu Aufgang des 17. Jahrhunderts beginnend, also am Anfang der Neuzeit.

Abhängige Arbeit gab es allerdings natürlich schon lange, lange vorher, eigentlich fast solange, wie wir Geschichte schreiben v.a. in der Landwirtschaft.

Niekes Frage kann man (zumindest sehe ich mich nicht dazu in der Lage) aber ohnehin nicht beantworten, da sie keine konkrete definierte Fragestellung enthält, auf die man sich in einer Antwort beziehen könnte.

banana

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Für jedes Problem gibt es eine Lösung, die klar, einleuchtend und plausibel ist - und falsch. - Henry Mencken


HI banana,
ich meine die Zeit des aufblühenden Handwerks und Handels, z.B.
der Zünfte und das Erwachen eines neuen Selbstwertgefühls bei den Bauern.
Natürlich gab es auch in dieser Zeit "entlohnte Arbeit", allerdings arbeiteten die Menchen eher selbstbestimmt. Der Tüchtige hatte bessere Chancen.
Viele Handwerker arbeiteten nur vier Tage in der Woche und hatten dann genug verdient. Der Wert der Arbeit wurde anders ermittelt.
Entscheidend war auch, dass in dieser Zeit die Bildung nicht mehr ein Adelsprivileg war, sondern zunehmend von der Bürgerschaft wahrgenommen und gefördert wurde.
Die Familie und die Sippe, im erweiterten Sinn dann auch die Dorf- oder Stadtgemeinschaft boten soziale Sicherheit.




Vielen Dank zwirni und Hajo, für Eure ausführlichen Antworten.

@ banana: Du hast Recht, meine Frage war unpräzise. Umso mehr freue ich mich, dass Hajo dennoch verstanden hat was gemeint war und darauf eingegangen ist.

Grüße
nieke



HajoDF:
HI banana,
ich meine die Zeit des aufblühenden Handwerks und Handels, z.B.
der Zünfte und das Erwachen eines neuen Selbstwertgefühls bei den Bauern.
Natürlich gab es auch in dieser Zeit "entlohnte Arbeit", allerdings arbeiteten die Menchen eher selbstbestimmt. Der Tüchtige hatte bessere Chancen.
Viele Handwerker arbeiteten nur vier Tage in der Woche und hatten dann genug verdient. Der Wert der Arbeit wurde anders ermittelt.
Entscheidend war auch, dass in dieser Zeit die Bildung nicht mehr ein Adelsprivileg war, sondern zunehmend von der Bürgerschaft wahrgenommen und gefördert wurde.
Die Familie und die Sippe, im erweiterten Sinn dann auch die Dorf- oder Stadtgemeinschaft boten soziale Sicherheit.


lieber hajo, die Zünfte waren der Versuch "eine Ordnung in Handwerk und Handel der Städte" zu schaffen. Ob es besser als heute gelang - ich bin mir da nicht sicher ! Es sind auch damals zu viele Menschen vom wirtschaftl. Erfolg ausgeschlossen worden; seit wir Geld haben, ging es immer um "Vermehrung von Geld = Vermehrung von Macht" - nicht um Vollbeschäftigung zu bequemen Bedingungen (4 Tage Arbeit / Woche) ! Die Fugger haben z.B. dem Kaiser Geld geliehen, damit dieser Kaiser einen Krieg führen konnte.

Wenn wir den "Flickenteppich Deutschland (deutsche Sprache) mit 100 Fürstentümern um 1400 / 1700" betrachten, dann kann man sich ausmalen wie damals gelebt wurde und wer gehungert hat. 1789 hatte wir die französische Revolution - warum wohl ? Die Kartoffel aus Amerika hat in EUROPA "gegen Hunger" große Dienste leisten müssen. Heute werden wir in EUROPA und in USA mit Nahrung überhäuft. Fettleibigkeit ist in Europa für zu viele ein großes Lebensrisiko (mit Kosten im Gesundheitswesen - sprich KK) geworden.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 23.02.07 09:32 von blumi


Ich wusste es! Einmal "schnips" und schon sind wir in der Zeit angekommen, die mit dem sprichwörtlich "goldenen Mittelater" nichts mehr zu tun hat.
Fugger und die "wundersame Vermehrung des Geldes", die plötzlich auch ohne vernutzte Arbeitsleistung funktionierte.

Hier geht es eher um die Darstellung des medialen Aufschwungs, der zur Zeit fröhlich überall verkündet wird: die Staatsverschuldung sinkt drastisch. Hurra! Die Gewinne der Unternehmen sind in 2006 exorbitant gestiegen. Hurra! Die Aktienbesitzer der Allianz strahlen über alle vier Backen. Hurra!

Und daneben liest sich die Alert-Übersicht eines Tages wie ein ketzerisches Pamphlet, dass all diesen Hurra-Schreiern nur den Tag verderben soll.

Google News-Alert für: Stellenabbau

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Die Allianz speckt auch tüchtig ab, Signal-Iduna mietet eine Fussballarena für 25 Mio Euro, entlässt aber Menschen in einem permanenten "Umsetzungs- und Umstrukturierungsprozess".
Die arbeitenden Menschen leben seit langem in einem Dauerschock dieser täglichen Nachrichten. Die Angst geht um und der Wohlstand fließt nur noch Wenigen zu.
Aber der Dax schreit: Hurra, hurra, hurra.

Heute schreibt Michael Glos im Handelsblatt: "sozial ist was Arbeit schafft. Was Arbeitsplätze vernichtet, ist unsozial."
Weiter: im letzten Jahr hat es fast eine halbe Millionen neuer versicherungspflichtiger Arbeitsplätze* gegeben! sagt Glos. Na, da freuen sich aber diese Menschen, die mit dem *MINI- oder MIDI-Zweitjob versuchen, ihre nackte Existenz zu sichern.
Denn genau um diese Arbeitsplätze handelt es sich bei der Zunahme, die Glos so vollmundig verkündet. Denn im gleichen Atemzug schreibt er mächtig gegen den Niedriglohn, weil der dem Lohndumping Grenzen setzen würde!

Der Aufschwung kommt eben nicht dort an, wo er entsteht, nämlich bei vernutzter Arbeit.
Es ist auch nicht gewollt.




Zuletzt bearbeitet: 23.02.07 15:31 von HajoDF


hajo
Die Allianz speckt auch tüchtig ab, Signal-Iduna mietet eine Fussballarena für 25 Mio Euro, entlässt aber Menschen in einem permanenten "Umsetzungs- und Umstrukturierungsprozess".
Die arbeitenden Menschen leben seit langem in einem Dauerschock dieser täglichen Nachrichten. Die Angst geht um und der Wohlstand fließt nur noch Wenigen zu.


Gestern habe ich Gysi gehört; er will mit seiner Partei dafür sorgen, daß wieder die "kleinen Leute ohne Aktien" mehr verdienen; er glaubt an den Weg mit höheren Steuern für erfolgreiche Unternehmen (+ mehr Arbeitslosen-Unterstützung) : ob das dann beim kleinen Angestellten zu wirklichem Wohlstand führt - ich weiß nicht. Wohlstand (nach meinem Verständnis) war früher und ist heute "etwas für eine Minderheit". Ich bin sehr gespannt, ob DIE LINKE bei der nächsten Wahl wirklich die eigenen Pläne (in einer Regierung) so umsetzen kann, daß die Mehrheit der heute Arbeitslosen in der BRD zu wirklichem Wohlstand gelangen kann.

Eben war bei PHOENIX ein Bericht, warum es in Rußland und dem ganzen Ostblock (bis zur Wiedervereinigung in Deutschland) mit dem Kommunismus nicht funktioniert hat. In China funktioniert der Kommunismus noch heute - aber geht es dort der Mehrheit so gut, wie bei uns (auch inkl. z.B. der freigesetzten von ALLIANZ ohne richtigen Wohlstand) ?

Ich befürchte, wir werden uns noch auf andere Veränderungen (außer Umstrukturierung bei Allianz usw.) in den nächsten 20 Jahren einstellen müssen. Die Resourcen-Vergeudung mit dem daraus resultierenden Klima-Wandel führt ganz sicherlich zu Unwetterkatastrophen, die auch vor den "Wohlhabenden (mit Villa und Park sowie großem Auto)" nicht halt machen.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 23.02.07 21:07 von blumi


HajoDF:
HI banana,
ich meine die Zeit des aufblühenden Handwerks und Handels, z.B.
der Zünfte und das Erwachen eines neuen Selbstwertgefühls bei den Bauern.
Natürlich gab es auch in dieser Zeit "entlohnte Arbeit", allerdings arbeiteten die Menchen eher selbstbestimmt. Der Tüchtige hatte bessere Chancen.
Viele Handwerker arbeiteten nur vier Tage in der Woche und hatten dann genug verdient. Der Wert der Arbeit wurde anders ermittelt.
Entscheidend war auch, dass in dieser Zeit die Bildung nicht mehr ein Adelsprivileg war, sondern zunehmend von der Bürgerschaft wahrgenommen und gefördert wurde.
Die Familie und die Sippe, im erweiterten Sinn dann auch die Dorf- oder Stadtgemeinschaft boten soziale Sicherheit.


Naja, Hajo.

Leider liegst du mit all diesen Aussagen komplett falsch. Tut mir ja leid.

Bedenke, dass mehr als 95% der Bevölkerung seinerzeit auf dem Land in Leibeigenschaft unter üblen Bedingungen lebte. Die Zünfte waren nichts anderes als Kartelle, die sich in den Städten bildeten, um Konkurrenz von außen fernzuhalten und die eigenen satten Pfründe zu schützen. Handelstreibende gehörten ebenso zu den Gewinnern dieser Zeiten. Diese beiden Gruppen bildeten dannn auch oft die Stadträte, die zu gewissen Zeiten sehr mächtig waren. Wenn man es also wagt, zu schreiben, dass die Menschen damals selbstbestimmter lebten als heute so kann sich das auf max. ein bis zwei Prozent der Gesamtbevölkerung beziehen. Dem Rest ging es saumäßig schlecht. Und selbstverständlich existierte ein stringent geregelter Zugang zur Bildung für nur sehr, sehr wenige.

Keineswegs sollte man vom "goldenen Mittelalter" reden sondern eher vom "finsteren Mittelalter".

Ich könnte jetzt noch viele, viele weitere Aspekte aufzählen, aber vielleicht sollten wir doch beim Thema bleiben und das Mittelalter hier mal außen vorlassen.

banana

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Für jedes Problem gibt es eine Lösung, die klar, einleuchtend und plausibel ist - und falsch. - Henry Mencken


Hallo Blumi,
ich habe die Reden zum politischen Aschermittwoch auch gehört und gesehen. (Ich nehme mal an, dass Du das meinst.) Wenn ich lese, wie Du das interpretierst, glaube ich, dass da etwas klargestellt werden muss:

blumi:
Gestern habe ich Gysi gehört; er will mit seiner Partei dafür sorgen, daß wieder die "kleinen Leute ohne Aktien" mehr verdienen; er glaubt an den Weg mit höheren Steuern für erfolgreiche Unternehmen (+ mehr Arbeitslosen-Unterstützung) : ob das dann beim kleinen Angestellten zu wirklichem Wohlstand führt - ich weiß nicht.

Der Ausgangspunkt für Überlegungen, was wirtschafts- und sozialpolitisch getan werden sollte, darf nicht nur die gegenwärtige Situation sondern muss die Entwicklung in der zumindest jüngeren Vergangenheit sein.
Was ist denn tatsächlich passiert? In den letzten Jahren wurden der Spitzensteuersatz und die Unternehmenssteuern gesenkt. Die Unternehmen wurden ständig entlastet und gleichzeitig wurde diese Entlastung dem normalen Arbeitnehmer durch Zusatzabgaben aufs Auge gedrückt. Gesetzgeberische Maßnahmen erleichterten die Ausweitung des Niedriglohnsektors. Weiterhin wurde erfolgreich Politik gegen die Gewerkschaften gemacht, wodurch es keine Real-Lohnerhöhungen gab. Der letzte "Höhepunkt" dieser Politik war die Mehrwertsteuererhöhung.

Dies alles in der Gesamtheit führte dazu, dass "Geiz ist geil" zu einem wirksamen Schlagwort wurde und die Binnennachfrage stagnierte, was wiederum zu Arbeitsplatzverlusten führte.
Andererseits hatte man dadurch weniger Steuereinnahmen als man eigentlich hätte haben können, was wiederum zu Kürzungen in allen sozialen Bereichen führte.
Weiterhin hatte die Stagnation bei den Arbeitnehmerentgelten zur Folge, dass alle angeschlossenen Sozialsicherungssysteme wie Renten- und Krankenversicherung bei steigenden Kosten keine erhöhten Einnahmen hatten und der Fehlbetrag wiederum beim "kleinen Mann" abkassiert wurde.

Dies alles geschah mit der "offiziellen" Begründung, es wäre notwendig zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Was aber tatsächlich passiert ist, ist das, was ich hier bei den früheren Beiträgen in Form des Diagramms bereits dargestellt habe, und worauf Gysi und Lafontaine auch immer wieder hinweisen: Die Veränderung der verschiedenen Einkommensarten zeigt eine fatale Ungleichentwicklung. Die politischen Maßnahmen haben insgesamt nicht zur Schaffung neuer oder gleichwertiger Arbeitsplätze geführt. Sie haben dazu geführt, dass die einen immer ärmer und die anderen immer reicher werden. Was Gysi fordert, ist daher zuerst einmal eine Umkehr von der Fehlentwicklung der letzten Jahre.
Wenn Du, Blumi, also bezweifelst, dass eine Steuerhöhung für erfolgreiche Unternehmen dem kleinen Angestellten nutzt, dann musst du zuerst widerlegen, dass die Wirtschaftspolitik der letzten Jahre dem kleinen Angestellten geschadet hat. (!!!)

blumi:
Wohlstand (nach meinem Verständnis) war früher und ist heute "etwas für eine Minderheit".

Blumi, willst Du damit etwa sagen, dass für Dich das Fehlen von Wohlstand für eine Mehrheit der Gesellschaft akzeptabel ist? Was ist das denn für ein Verständnis von einer menschlichen und gerechten Gesellschaft?

blumi:
Ich bin sehr gespannt, ob DIE LINKE bei der nächsten Wahl wirklich die eigenen Pläne (in einer Regierung) so umsetzen kann, daß die Mehrheit der heute Arbeitslosen in der BRD zu wirklichem Wohlstand gelangen kann.

Das wird wohl nicht so schnell passieren. "Die Linke" ist weit davon entfernt, bei Wahlen Ergebnisse zu erreichen, die sie in die Lage versetzen würde, effektive Gesetzesänderungen zu bewirken. Wenn "Die Linke" 50% und mehr erreicht, dann kannst Du, Blumi, diese Frage noch einmal stellen.
Solange aber hierzulande Arbeitnehmer Parteien wählen, die dafür sorgen, dass ihr Realeinkommen sinkt, oder Rentner Parteien wählen, die für Rentenkürzungen sorgen, obwohl insgesamt der Reichtum hierzulande steigt, aber er letztendlich nur auf den Konten einiger weniger landet, wird sich nichts ändern.

Und da sind wir wieder beim Ausgangsthema vom "medialen Aufschwung": Was zur Zeit stattfindet, ist Propaganda. Den leichtgläubigen Vertretern unserer Gesellschaft soll eingeredet werden, dass gerade etwas zu ihrem Gunsten stattfindet. Leider können diese Leute nicht die Zahlen vom statistischen Bundesamt interpretieren. Es ist auch gar nicht erwünscht und leider wollen sie es auch nicht.

Nur zwei Beispiele, wie das mit der Propaganda läuft: In den letzten Monaten wurde in den Nachrichtensendungen immer groß verkündet, wenn der Ifo-Geschäftsklimaindex gestiegen war, gestern ist er gesunken. Hat das jemand mitbekommen?
Vor kurzem wurden bereits angeblich seriöse Ergebnisse verkündet, wonach die Mehrwertsteuererhöhung keine Auswirkungen auf die Konjunktur hat. Das lässt sich aber frühestens erst in ein paar Monaten feststellen.
Zur Zeit wird von medialer Seite alles getan, um die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Monate als Ergebnis der Politik der derzeitigen Regierung darzustellen, damit auch in Zukunft Arbeitnehmer Parteien wählen, die ihre Rechte beschneiden, oder Rentner ihre Stimme Rentenkürzungsparteien geben.

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