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Thema: "Die Flucht" Historiendrama???


zwirni
Denn die Flüchtlinge waren keineswegs willkommen. Diese Ablehnung war auch noch nach Jahrzehnten in der DDR zu spüren, wie meine Mutter erzählte: Da wurde von den Einheimischen die Erinnerung an diese Geschehnisse auch schon mal mit den Worten: "Achja, die ollen Flüchtlinge..." kommentiert. Meine Mutter und ihr Bruder mussten sich damals als Kinder auch zeitweilig allein durchkämpfen - ohne Dach über dem Kopf, ohne Verpflegung. (Der ältere Bruder meiner Mutter musste damals zwangsläufig die Nahrung stehlen, damit sie nicht verhungerten.)


Ich war Mitte 1945 4 Jahre alt, als meine Mutter mit mir u. meinem Bruder (3J) von Königsberg nach Danzig mit der Bahn flüchtete, um dann mit dem Flugzeug von Danzig nach Anklamm zu fliegen, statt aufs Schiff zu gehen. Der Gedanke meiner Mutter war "wenn getroffen, dann wenigstens schnell tot sein". In der Nähe von Grevesmühlen in GROSSWALMSDORF wohnten die Eltern des "Pflichtjahrmädchens", das bei den Eltern meiner Mutter in Schreitlaken (30 km von Königsberg - auf dem Weg nach Cranz) arbeitete und meiner Mutter (mit 2 Kindern) auf der Flucht "das 1. Ziel in Richtung Westen" vorgab und ihr geholfen hat. In Grevesmühlen wurde mein 2 Bruder geboren, der dann mit 2 Jahren in Hamburg gestorben ist.

An all das kann ich mich gut erinnern ; mein Langzeitgedächtnis ist besser als die Erinnerung an bestimmte Tage vor 2 Jahren. Deshalb muss ich den FILM auch nicht sehen. Von Mecklenburg ging es dann mit dem Pferdefuhrwerk über die Grenze in Lurup bei Lübeck (sollte in der Nacht geschlossen werden) nach Hamburg, zur Schwägerin meiner Mutter.

Mein Vater (im engl. Kriegsgefangenen-Lager bei Grevesmühlen) hatte erfahren, was in Potsdam beschlossen war - daß Mecklenburg gegen Teile von Berlin zwischen Engländern und Russen getauscht wurden. Für mich ist es HEUTE fast nicht zu glauben, dass damals in diesen koatischen Zeiten (auf der Flucht) die Kommunikation in der Familie so gut funktionierte.

Dort in Hamburg rückten alle zusammen - und als mein Vater kam, suchten meine Eltern (in der Berner Heerstrasse von Haus zu Haus fragend) nach einem Zimmer und wurden aufgenommen.

Man fuhr nach Lüneburg zum "Hamstern"; an Kartoffel und Steckrüben erinnere ich mich gut. In der Nacht (Winter 1945/46) wurde für wenige Studen der nahe liegende Wald zum Holzen von Feuerholz freigegeben. Später konnte man Kohlen kaufen - mein Vater hatte schnell einen JOB im Hafen v. HH, wo er als IMPORT / EXPORT-Makler von einer Hamburger Firma eingestellt wurde.

Es dauerte bis 1953 bis meine Eltern eine vollwertige 3-Zimmerwohnung mit Bad und Küche in Hamburg-Rahlstedt gefunden hatten. Wir haben in Hamburg von "einer Feindlichkeit den Flüchtlingen gegenüber" nichts zu spüren bekommen.

Bis heute gibt es sehr enge Freundschaften zwischen mir als Ostpreusse mit Mecklenburgern sowie Hamburgern und geborenen Niedersachsen, die ich in den letzten 62 Jahren aufbauen u. erleben konnte.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 17.03.07 11:01 von blumi


Ein Bauerndorf in Schwaben in den fünfziger Jahren:
Flüchtlinge aus Ostpreussen waren auf der Suche nach einer neuen Heimat bis in den Südwesten verschlagen worden, sie liessen sich nieder und hatten auch Arbeit. Im Dorf wurden sie freundlich aufgenommen, sogar Familien luden sich gegenseitig zu Geburtstagsfesten ein. Wie alle anderen halfen die Zugezogenen wie selbstverständlich bei der Ernte, wenn Not am Mann war, weil beispielweise ein Gewitter aufzog. Man hätte gesagt, sie gehörten dazu.
Eine schöne Bauerntochter und ein junger Ostpreusse verliebten sich sehr ineinander. Sie wollten heiraten.
Der alte Bauer schätzte diesen jungen Mann sehr, da er sehr zuverlässig und ein fleißiger Arbeiter war und sogar Protestant, wie er selbst. Der Alte wusste, dass er es ehrlich mit seiner Tochter meinte.

Jedoch wollte sich mein Großvater nicht vorstellen, dass seine einzige Tochter einen für ihn so unaussprechlichen und für seine Ohren so polnisch klingenden Nachnamen tragen würde.

Renie




Jedoch wollte sich mein Großvater nicht vorstellen, dass seine einzige Tochter einen für ihn so unaussprechlichen und für seine Ohren so polnisch klingenden Nachnamen tragen würde.

Renie


heute ist man frei "in der Namenswahl".

blumi


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