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Thema: SC: ist das Unterhaltsrecht heute Schutz der Ehe ?


SC-chat:
bine
Guten Abend Herr Geis! Was soll die ganze Gesetzesänderung, wenn sie sowieso leicht zu umgehen sind. Es ist einfach zu sagen, das alles für das Wohl der Kinder getan wird, andererseits jedem aber die Möglichkeit gegeben wird, mit der Privatinsolvenz sogar aus den rückständigen Unterhalt rauszukommen. Es bringt nichts ständig Gesetze zu erlassen, die sich aber durch andere wieder aufheben!


bei den Scheidungsfolgen geht es m.E. "um die Verwaltung von Mangel" - das Wohl der Kinder wird als Argument verwendet - in der Praxis geht es aber nur um das Wohl der Rechtsanwälte.

Wenn es den Rechts-Anwälten und Gerichten (sprich dem Gesetzgeber) wirklich um das Wohl der Kinder ginge, dürfte man das Scheidungsverfahren nicht so kostenaufwendig gestalten. Ausserdem dürfte der Steuersatz nach der Trennung / Scheidung nicht erhöht werden, weil es dadurch für Mann und Frau (als Geldbeschaffer) noch schwerer wird, Exfrau bzw Exmann und Kinder angemessen zu unterstützen.

Der Gesetzgeber jammert, daß Frauen mit beruflichem Erfolg keine Kinder wollen. Eben weil Ehe mit Kindern für den Erwerbstätigen (mit gutem Gehalt) das größte finanzielle Risiko im Leben darstellen. Es gibt keine Garantie für eine lebenslange EHE IN HARMONIE.

Eine zerrüttete Ehe ist keine Erleichterung für Erfolg im Beruf und ist keine gute Basis für heranwachsende Kinder. Darüber war man sich bei S.C. einig. Nach der Schuld der Zerrüttung zu fragen ist keine Lösung "zur Behebung des o.a. Mangels". Deshalb sollte m.E. die Ehe mit Kindern dahingehend geschützt sein, daß sich die Rechtsanwälte mit einem Pauschbetrag von z.B. 100 Euro für den Scheidungsfolgenvertrag zufrieden geben müssten. Nach dem STREITWERT bei einer Scheidung zu fragen ist kein Schutz für die Ehe und auch kein Schutz für die Kinder aus einer Ehe.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 19.03.07 10:41 von blumi


Andrea Kiewel in 3. Ehe lebend.

In diesem Zusammenhang macht die ehemalige Lehrerin auch keinen Hehl daraus, in der ehemaligen DDR aufgewachsen zu sein. Berufstätige Mütter, Kinder mit wenigen Wochen in Krippen betreut, schnelle und preisgünstige Scheidungen – dem Selbstbewusstsein der Frauen habe das nicht geschadet und den Kindern auch nicht.


zwirni, war es für Kinder und Ehe in der DDR besser ?

Frau Heeremann:
Die Schule müsse etwas für die Ehefähigkeit tun und in der „Sexualerziehung nicht nur auf die biologischen und technischen Details achten, sondern auch Werte vermitteln“! Junge Menschen machten viel zu früh sexuelle Erfahrungen. „Dabei wissen wir, je größer die Anzahl der Partnerschaften, desto schneller schwindet die Hoffnung auf eine lebenslange Beziehung.“


blumi

Zuletzt bearbeitet: 20.03.07 09:34 von blumi


Blumi:
zwirni, war es für Kinder und Ehe in der DDR besser ?

Hallo Blumi! Die Frage lässt sich nicht pauschal mit »besser« oder »schlechter« beantworten, weil die Beantwortung dieser Frage davon abhängig ist, welche eigenen Wertvorstellungen man über Ehe, Familie und Kinder hat.
Aus meiner persönlichen Sicht heraus sage ich, 'Ja, es war besser.', aber das wird jemand, der in der alten Bundesrepublik aufgewachsen ist, vielleicht nicht verstehen. Manch einer wird es aus ideologischen Gründen auch nicht verstehen wollen.

Als ich 1986 mein erstes Studium begann, war es nichts Ungewöhnliches, im Alter von 19 Jahren zu heiraten und mit 20 Jahren die ersten Kinder zu bekommen. Die damalige Sozialpolitik unterstützte junge Familien massiv. Kinder zu haben, beinhaltete im Vergleich zu heute kein materielles Risiko. Aber dazu gehört auch mehr als nur die Zahlung eines Elterngeldes oder das Vorhandensein von Kinderbetreuungsplätzen, was jetzt breit und oberflächlich diskutiert wird. Es ist eine Frage, wie man gesellschaftlich die Rollen von Mann und Frau in der Ehe oder außerhalb davon betrachtet und wie sich dieses Rollenverständnis in Gesetzen manifestiert.

Nach meiner Ansicht sind gerade die konservativen Vorstellungen von Ehe und Familie, die immer wieder gern als "Wertmaßstab" herangezogen werden, nicht nur Ausdruck von altmodischer Moral, sondern vor allem Ausdruck der Lebensweise einer Schicht der Bevölkerung, in der es eben funktioniert, dass der Mann ein Einkommen erhält, das zur Ernährung einer ganzen Familie ausreicht. Daraus resultiert dann auch ein kompliziertes Scheidungsrecht, das grundsätzlich davon ausgeht, dass der bei einer Scheidung einkommenslos verbleibende Ex-Partner mit den Kindern per Unterhaltszahlungen zu versorgen sei.
Diese gesetzgeberische Herangehensweise mag für ein Familienmodell zutreffend sein, wo der Mann als Alleinverdiener die "dicke Knete" verdient und die Frau neben der Kinderbetreuung ansonsten die Grünpflanzen im Haus entstaubt und vor dem Mittagessen keine Folge von "Reich und schön" verpasst. Sie ist aber nicht passend für Familien, bei denen beide Ehepartner berufstätig sein müssen, um für ihre Kinder einen Mindeststandard an materieller Versorgung zu gewährleisten.
(Man denke an dieser Stelle einmal darüber nach, ob Kinderbekleidung, Spielzeug und ordentliche Utensilien für die Schule wirklich so teuer sein müssen, oder ob die Marktwirtschaft hier nicht schamlos menschliche Grundbedürfnisse ausnutzt.)

In der DDR war das eben anders. Auch wenn die politisch propagierte Gleichberechtigung von Mann und Frau bei weitem nicht so fortgeschritten war, wie verkündet wurde, so war sie doch weiter, als es heute von der gegenwärtigen Situation in der Bundesrepublik behauptet wird.
Die heutige Aufteilung in angeblich typische Männer- und Frauenberufe ist extremer als damals in der DDR. Genauso sind auch die Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen wieder größer. Als Resultat davon haben wir heute eine Vielzahl von Frauen, die zwar berufstätig sind, deren Einkommen allein aber nicht existenzsichernd ist. Daraus ergibt sich eine Abhängigkeitssituation, die so in der DDR nicht bestand. So war es für eine Frau in der DDR weitaus leichter, sich von einem Ehepartner zu trennen, ohne für eine künftige Existenzsicherung einen langwierigen Scheidungsprozess führen zu müssen.

Manchmal wird in der politischen Diskussion gerne angeführt, dass die Scheidungsrate in der DDR sehr hoch war, um zu begründen, dass die DDR-Familienpolitik angeblich doch nicht so gut war. Das kann man auch umgekehrt sehen: Gerade weil die materielle Versorgung der Frauen und die Betreuung der Kinder gesichert war, waren für das Eingehen einer Ehe und auch für eine Scheidung eher persönliche Motive entscheidend als materielle.
Menschen verändern sich im Laufe ihres Lebens. In dem "verflixten 7. Jahr" ist der Traumpartner manchmal eben nicht mehr so toll, wie man ursprünglich dachte. Unter materiellen Zwängen kann aus dem romantischen "...bis dass der Tod euch scheidet" eine blutige Familientragödie werden.
Als ich nach der Wende bei der Bundeswehr mit vielen Soldaten aus der alten Bundesrepublik zusammentraf, war ich sehr erstaunt darüber, wie weitaus selbstverständlicher bei den verheirateten Männern aus dem Westen das Thema »Fremdgehen« behandelt wurde. Für viele dort war das nur ein "Kavaliersdelikt".
Das ist sehr bezeichnend für die gesellschaftliche Stellung der angeblich so "emanzipierten" Frau von heute. In der DDR war ein derartiges Selbstverständnis unter Männern nicht möglich, weil die Frauen in der Gesamtheit sich so etwas nicht gefallen lassen hätten. Besser gesagt: Sie hatten die passenderen gesellschaftlichen Begleitumstände, um sich so etwas nicht gefallen lassen zu müssen!

Ich rede hier auch nicht nur von den Frauen, die jetzt vielleicht 40 Jahre alt sind. Während meines letzten Studiums konnte ich unter den 20jährigen jungen Frauen von heute auch eine Art von Unterwürfigkeit im Geschlechterverhältnis entdecken, wie sie mir als 20jähriger in der DDR unbekannt war. Die jungen Frauen von heute haben zwar keine Hemmungen darin, ihre weiblichen Reize offen zu präsentieren, aber wenn es darum geht, einem miesen Typen offen die Meinung zu sagen, sind sie weit hinter dem zurück, was ich zu DDR-Zeiten erlebt habe. Zu DDR-Zeiten waren die Frauen, absolut betrachtet, vielleicht nicht so selbstbewusst wie heute, aber sie waren es weitaus mehr im geschlechterspezifischen Verhältnis zu den Männern.

Wenn heutzutage gern davon gesprochen wird, dass die Frauen aufgrund ihrer "Emanzipation" Karriere machen und keine Kinder mehr bekommen wollen, dann ist dies kein Ausdruck von Emanzipation. Es ist Ausdruck dafür, dass sich die Frauen karriere-mäßig wie Männer verhalten müssen, um beruflich erfolgreich zu sein. Es ist also keine Emanzipation sondern eine Anpassung, oder besser gesagt, eine Unterwerfung unter gesellschaftliche Verhältnisse!
Würde wirklich eine Emanzipation existieren, dürfte keinerlei gesellschaftliches Hemmnis bestehen, mit dem eine Frau beruflich, finanziell oder in sonstiger Weise davon abgehalten wird, Kinder zu bekommen.

Insofern ist unsere Familienministerin auch kein Beispiel für erfolgreiche Emanzipation. Auch wenn sich die "Super-Mutti" der Nation als Frauen-Vorbild gebärdet, sie ist es nicht. Man braucht dazu nur einmal die Frage zu stellen, was aus dieser Frau wohl geworden wäre, wenn sie nicht in einer einflussreichen Familie geboren wäre, wenn ihre Eltern sie nicht bei ihrer Ausbildung hätten unterstützen können, wenn sie ihre vielen Kinder wirklich hätte allein aufziehen müssen ohne die Unterstützung eines Hausmädchens. Man stelle sich Frau von der Leyen einmal als Kassiererin beim Aldi vor. Ob sie dann wohl immer noch so schön lächeln würde?

Zwirni


Zuletzt bearbeitet: 21.03.07 04:31 von zwirni


Insofern ist unsere Familienministerin auch kein Beispiel für erfolgreiche Emanzipation. Auch wenn sich die "Super-Mutti" der Nation als Frauen-Vorbild gebärdet, sie ist es nicht. Man braucht dazu nur einmal die Frage zu stellen, was aus dieser Frau wohl geworden wäre, wenn sie nicht in einer einflussreichen Familie geboren wäre, wenn ihre Eltern sie nicht bei ihrer Ausbildung hätten unterstützen können, wenn sie ihre vielen Kinder wirklich hätte allein aufziehen müssen ohne die Unterstützung eines Hausmädchens. Man stelle sich Frau von der Leyen einmal als Kassiererin beim Aldi vor. Ob sie dann wohl immer noch so schön lächeln würde?

Zwirni


danke für die ausführliche Antwort.

Wenn man bei S.C. die Kommentare zur Sendung nachliest, dann erkennt man deutlich, was mancher mit dem heutigen Scheidungsrecht bereits erlebt hat. Was der Gesetzgeber in den 70ger Jahren (Aufhebung des Schuldprinzips) gemacht hat, führte nicht zu mehr Kindern in gesicherten Verhältnissen. Es ist traurig, daß der Gesetzgeber (z.B. Frau v. d. Leyen) es erst heute merkt. Immer mehr Intelligenz entzieht sich den "Zwängen der Gesetze" , indem die Erfahrungen vieler "gehörnter Ehemänner bzw Frauen mit GELD" zum Verzicht auf Kinder verleiten. Mann/Frau mit guten Einkommen können auch als Singel mit wechselnden Partnerschaften ganz gut klarkommen. Die Steuervorteile in der Ehe sind kein wirklicher Schutz der Ehe (als lebenslange Partnerschaft).

Insofern sollten m.E. in der Sexualerziehung der Jugendlichen in der Schule "Probleme in der Ehe und Verantwortung für Kinder" einen breiteren Raum einnehmen. Die Schule allein auf mögliche Berufs-Karrieren auszurichten ist zu kurz gesprungen; der Beruf ist ein Teil des Lebens - die gut funktionierende Familie mit Kindern ist mindestens genauso wichtig wie der Erfolg im Beruf.

Andrea Kiewel will den Vertrag vor der Ehe, auf den die Partner bereits in Schule / im Studium vorbereitet werden sollten. Ich stimme hier zu und vermute, dann bekommen wir eine andere Gesellschaft mit weniger Streit in der Ehe u.a. auch beim Erziehen der Kinder und mit weniger Scheidungsprozessen. Das führt dann auch zu mehr Kindern mit ausreichender Unterstützung von den ELTERN (in gut bezahltem JOB), die sich Kinder leisten können. Die Stitistik zeigt, dass HEUTE gerade in den unteren Gehaltsgruppen viele Kinder geboren werden - warum wohl ?

Ich sehe in Frau v.d. Leyen insofern ein Beispiel für die Gesellschaft, als sie es mit ihrem Mann verstanden hat, lange Jahre mit vielen Kindern in einer guten Partnerschaft zu leben. Ob das einer Frau an der ALDI-Kasse immer so gelingt, ist m.E. nicht nur eine Frage des Gehaltes - sondern es müssen die passenden Partner erst einmal zusammenfinden.

Auch dabei helfen die Eltern - aber die Schule kann Nachhilfe leisten. Kinder bekommen ist leicht - Kinder in eine lebenswerte Zukunft zu führen ist viel schwieriger; das sollte jedem jungen Menschen möglichst früh klar gemacht werden.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 21.03.07 10:10 von blumi
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