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Thema: SC Kinder-Erziehung


Jetzt zu dem Herrn Prückner:
„Heute zählt nur noch das Geld. Alles ist zur Ware geworden, die Jugend wird zum Konsumvieh erzogen, weil Wirtschaftswachstum, das heißt mehr Konsum und das finde ich ein barbarisches System.“
Sehr richtig. Herr Prückner war prinzipiell der einzige in der ganzen Runde, der auf die Wurzeln der gesellschaftlichen Probleme eingegangen ist. Es ist nun einmal eine Tatsache, dass der Mensch mittlerweile der Wirtschaft dient - und nicht umgekehrt. An diesen Problemen muss etwas geändert werden. Es muss wieder eine sozial engangierte, kritische Jugend geben, aber genau das wollen die Wirtschaft und die Politik nicht haben…

Kommentar von Andi G. Schütze 04.15.07 @ 9:38 pm


das passt zu unserem Thema "wer beutet wen aus ?".

ich kann dem oben Gesagten nicht so ganz folgen. Menschen und Wirtschaft kann man m.E. nicht von einander trennen und man kann nicht beide isoliert betrachten. Politik und Wirtschaft sind das Ergebnis von Menschen-Arbeit ; und solange Menschen nach ARBEIT im Wirtschaftsprozess rufen, dient Arbeit (Politik ist auch Arbeit) den Menschen.

Aber es gibt solche und andere Menschen, die erfolgreicher und weniger erfolgreich im Wirtschaftsprozess bzw in der Politik agieren. Dazu gehört auch, wie junge Menschen auf den Wirtschaftsprozess und die Politik vorbereitet werden, ob sie später nur reagieren oder agieren dürfen.

Wie schaffen wir es, daß alle selbstbestimmt arbeiten können ?
Wie schaffen wir es, die Resourcen-Vergeudung zu beenden ?
Was muss in der Werbung verändert werden, damit die neu heranwachsenden Generationen (in 50 Jahren) zum erträglichen Klima und zum Gleichgewicht zwischen Pflanzen - Tieren - Menschen zurückfinden ?

Jedes Jahr 2 % Wirtschaftswachstum kann nicht die Lösung sein; da hatte Herr Prückner m.E. völlig Recht.
z.B. Rauchverbot zum Schutz der Gesundheit zielt in die richtige Richtung, trotz der Umsatzeinbuße in der Tabakindustrie und in der Gastronomie.

Aber wo ist die Alternative zur Vollbeschäftigung durch Wirtschaftswachstum ? Diese Frage hatten wir hier früher (mit VOWI: beim Nutzen des Bürgergeld) auch schon einmal diskutiert.


blumi

Zuletzt bearbeitet: 18.04.07 09:01 von blumi


Hallo Blumi, Du stellst ja durchaus berechtigte Fragen, aber die Perspektive Deiner Betrachtungsweise ist nicht hilfreich für eine Beantwortung:

Blumi:
ich kann dem oben Gesagten nicht so ganz folgen. Menschen und Wirtschaft kann man m.E. nicht von einander trennen und man kann nicht beide isoliert betrachten. Politik und Wirtschaft sind das Ergebnis von Menschen-Arbeit ; und solange Menschen nach ARBEIT im Wirtschaftsprozess rufen, dient Arbeit (Politik ist auch Arbeit) den Menschen.

Aber es gibt solche und andere Menschen, die erfolgreicher und weniger erfolgreich im Wirtschaftsprozess bzw in der Politik agieren. Dazu gehört auch, wie junge Menschen auf den Wirtschaftsprozess und die Politik vorbereitet werden, ob sie später nur reagieren oder agieren dürfen.

In dem von Dir zitierten Ausgangstext werden Menschen und Wirtschaft nicht isoliert betrachtet, vielmehr machst Du dies in dem von mir zitierten zweiten Absatz von Dir. Und mit Deiner Betrachtungsweise bestätigst Du den von Dir selbst zitierten Satz: "Es ist nun einmal eine Tatsache, dass der Mensch mittlerweile der Wirtschaft dient - und nicht umgekehrt.

Dass der Mensch heute der Wirtschaft dient und nicht umgekehrt, kann man bei genauerer Betrachtung selbst feststellen:

Auf der Produktionsseite der Unternehmen im Wirtschaftskreislauf ist man am Menschen nur noch als Träger seiner möglichst billigen Arbeitskraft interessiert. Du schreibst selbst: "Dazu gehört auch, wie junge Menschen auf den Wirtschaftsprozess und die Politik vorbereitet werden...". Sicherlich gibt es mittlerweile auf diesem Gebiet Defizite in unserem Bildungs- und Erziehungssystem, aber das kann und darf nicht die einzige Priorität sein. Denn wenn man dieses Ziel als das wichtigste ansieht, dann degradiert man die heranwachsende Generation zum willigen Arbeitssklaven. Der junge Mensch lernt nicht nur deswegen Lesen, Schreiben und Rechnen, um dann später im Beruf möglichst gut zu funktionieren. Das ist eine Zielstellung unter anderen, aber viel wichtiger sind diese Fähigkeiten, damit der Mensch sich artikulieren, seine Umwelt begreifen und an der gesellschaftlichen Kommunikation teilnehmen kann - damit er kreativ werden kann.
Damit die Wirtschaft wieder dem Menschen dient, muss die Forderung also nicht lauten, die heranwachsende Generation möglichst passend für die Wirtschaft auszubilden, sondern allen Kindern eine Bildung angedeihen zu lassen, die zum Ziel hat, wirklich jedem einzelnen Kind eine bestmöglichste Förderung zuteil werden zu lassen. Wir lassen in Deutschland mit seinem rückständigen Bildungssystem, in dem der Geldbeutel der Eltern eine zu große Bedeutung hat, viel zu viele Chancen ungenutzt. Die Kinder von Studienräten, Vorstandsmitgliedern oder Beamten mögen aufgrund der Sozialisation ihrer Eltern vielleicht "wohl erzogener" oder belesener sein, aber deshalb sind sie noch lange nicht intelligenter.
Aber man ist auf politisch herrschender Ebene nicht wirklich daran interessiert, dass auch Kinder aus sozial unterprivilegierten Familien in berufliche Positionen gelangen könnten, wo sie Entscheidung zugunsten von Arbeitnehmern und nicht zum Vorteil von Aktionären treffen könnten.

Auf der Konsumseite der Unternehmen ist der Mensch nur noch als »Kunde« gefragt. Wer aufgrund fehlenden Einkommens nicht »Kunde« sein kann, dessen Bedürfnisse werden politisch auch nicht wirksam zur Kenntnis genommen. Im Gegenteil - man schränkt die Möglichkeiten zur Befriedigung wirklich wesentlicher Bedürfnisse bei dieser Menschengruppe durch eine reaktionäre Sozialgesetzgebung immer weiter ein.
Andererseits unternimmt man keine wirksamen Schritte, um unternehmerische Tätigkeit zu unterbinden, die zwar "legal" aber gesellschaftlich nicht nützlich ist. Wenn Prückner von "Konsumvieh" spricht, ist genau das damit gemeint. Solange Jugendliche meinen, sich über Marken-Klamotten oder Handy-Klingeltöne definieren zu müssen, dienen sie als Mensch dem Profit der Wirtschaft. Und solange man ihnen nicht die Bildung gibt, die sie als Menschen eigentlich verdient hätten, werden sie auch nicht erkennen, dass sie sich zum "Konsumvieh" machen lassen!

Das Ganze hat etwas mit den gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen und insbesondere mit den Eigentumsverhältnissen zu tun. Wir können uns noch jahrelang über den desolaten Zustand der Jugend beklagen. Auch eine ARD-Themenwoche für Kinder wird nichts bewirken, solange man nicht erkennt, dass die Kinderfeindlichkeit in Deutschland ihre Wurzeln in den gesellschaftlichen Verhältnissen hat, unter denen die Erwachsenen leben können oder müssen (je nach gesellschaftlicher Stellung).

Wir brauchen uns nicht über die "richtige" Kindererziehung zu unterhalten, solange es dieses gesellschaftliche System zulässt, dass einerseits Eltern ungebraucht und ungebildet sich selbst überlassen bleiben und andererseits Kinder nur dann nicht als Störfaktor angesehen werden, wenn sich mit ihnen Profit machen lässt. Gerade bei dieser Thematik zeigt sich wieder deutlich, wie dumm es ist, alles immer nur betriebswirtschaftlich zu betrachten.

Zwirni



zwirni
Aber man ist auf politisch herrschender Ebene nicht wirklich daran interessiert, dass auch Kinder aus sozial unterprivilegierten Familien in berufliche Positionen gelangen könnten, wo sie Entscheidung zugunsten von Arbeitnehmern und nicht zum Vorteil von Aktionären treffen könnten.


dieser Satz oben zeigt deutlich den Unterschied unserer Denkansätze. Es gibt viele Beispiele: wo man gerade aus "kleinen Verhältnissen" in Entscheidungspositionen gekommen ist (s. Kanzler Schröder ...) und viele Kinder aus dem gehobenen Bürgertum haben sich nicht in der Lage gesehen, die Arbeit der Eltern erfolgreich fortzusetzen.

In der Demokratie "herrscht" (wie Du es ausdrückst) - ich sage : bestimmt die Mehrheit der Wähler , wie eine Regierungsbildung zustande kommt. Aktionäre sind m.E. in der Minderheit, weil der Normal-Verdiener das Risiko des Aktionärs nicht tragen will/kann. Aktionäre können also nur indirekt (mit Kauf und Verkauf von Aktien) auf Unternehmensentscheidungen Einfluß ausüben. Der Aktionär weiss, daß er nur dann Erfolg haben kann, wenn die Leistung seines Unternehmens sich am Markt behauptet. Die Kunden entscheiden also "letztlich" über den Erfolg des Aktionärs.
Wenn die Kunden (in der Mehrheit abhängig beschäftigt) zu schlecht bezahlt werden (wie Du vermutest) und die Leistungen der AG nicht nachgefragt werden, kann der Aktionär keinen Erfolg haben.

Du hast uns Deine BERECHNUNGEN bei der Finanzierung des Bürgergeldes sehr deutlich vorgeführt, die ein Aktionär vor dem Kauf/Verkauf von Aktien (gibt der Markt etwas her und rechnet sich der Kauf einer Aktie ??) abschätzen muß.

Und ich frage:
1) "beutet" der Aktionär (er investiert ohne dingliche Sicherheiten - im Unterschied zum Bank-Kredit für das Haus, das als Sicherheit dient) den abhängig Beschäftigten aus ?
2) oder "beutet" der Arbeitnehmer einer AG den Aktionär aus ?

Aktien kaufen / verkaufen ist m.E. auch Arbeit !

Hoffentlich können wir uns darauf einigen, daß keiner den anderen ausbeutet sondern über Verträge Leistung und Lohn so geregelt werden, daß der Aktionär weiter Interesse an der Aktie behält. Ohne Aktien kann m.E. nicht in neue Arbeitsplätze investiert werden.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 19.04.07 11:00 von blumi


zwirni
Andererseits unternimmt man keine wirksamen Schritte, um unternehmerische Tätigkeit zu unterbinden, die zwar "legal" aber gesellschaftlich nicht nützlich ist. Wenn Prückner von "Konsumvieh" spricht, ist genau das damit gemeint. Solange Jugendliche meinen, sich über Marken-Klamotten oder Handy-Klingeltöne definieren zu müssen, dienen sie als Mensch >>>>> dem Profit der Wirtschaft ?? <<<<. Und solange man ihnen nicht die Bildung gibt, die sie als Menschen eigentlich verdient hätten, werden sie auch nicht erkennen, dass sie sich zum "Konsumvieh" machen lassen!


nein zwirni, es wird keiner zum Konsumvieh gemacht - aber andererseit hängen vom Konsum viele Arbeitsplätze ab. Wenn jeder - im berufsfähigen Alter - Arbeit haben will, dann brauchen wir reichlich viel (auch angeblich nutzlosen) Konsum.

Profit ist nötig - da waren wir uns schon mal einig !
Profit ist das Ziel jeder Geschäftsidee - und es sind Menschen, die Profit machen - es ist nicht "die Wirtschaft".

Menschen bekommen die Bildung, die sie mit Eigeninitiative einfordern; das sieht man an den vielen Studenten, die ihr Studium erfolgreich bzw nicht erfolgreich abschliessen. Andererseits sieht man z.B. an der Entwicklungsgeschichte des PC "aus den kleinen Anfängen bis zum WINDOWS-xp" ein Beispiel, was Eigeninitiative bewirken kann. Menschen haben aus der Idee PC etwas gemacht ! Wirtschaft nennt man m.E. den funktionierenden Geldfluss - vom Aktionär bis zum Steuerzahler, mit dessen Geldern der Staat sich finanzieren muß, um Gesetze zu machen und die Einhaltung der Gesetze mit Staatsgewalt zu überwachen.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 19.04.07 14:25 von blumi


Blumi, ich könnte zu jedem Absatz, den Du oben geschrieben hast, einen seitenlangen Widerspruch formulieren. Das wäre einfach zu viel. Wir kommen da zu keinem Konsens. Außerdem ist das mal wieder nicht das Ausgangsthema.

Nur soviel:

1.) Ich halte den Handel mit Aktien in keinster Weise für Arbeit sondern im Gegenteil für einen parasitären Prozess im Wirtschaftskreislauf, der den in Geld verkörperten Gegenwert von geleisteter Arbeit Personen oder Unternehmen zukommen lässt, die keinen Anteil an dieser Arbeit haben.

2.) Jeder Aktionär, der nicht in dem Unternehmen arbeitet, von dem er Aktien besitzt, und der seine Aktien nicht bei der Emission dieser Wertpapiere sondern über den freien Handel erworben hat, beutet die normalen Arbeitnehmer dieses Unternehmens aus. Dies bedeutet nicht, dass diese Aussage nicht für die Aktionäre gilt, die nicht dieser Einschränkung unterliegen. Für diese Personengruppe lässt sie sich nur nicht generell konstatieren.

3.) Der juristische Umstand, dass Arbeitsverträge abgeschlossen werden, sagt nichts darüber aus, dass keine Ausbeutung stattfindet. Ein Arbeitsvertrag kann sowohl eine juristische Festlegung von Ausbeutung als auch von ungerechtfertigter Überbezahlung sein. (Je nachdem ob es sich beispielsweise um einen Arbeiter oder um ein Vorstandsmitglied einer AG handelt.)

4.) Wie die Kursverläufe an den Börsen zeigen, haben Aktionäre kein wirkliches Interesse an der Schaffung von Arbeitsplätzen sondern an deren Abbau.
Neuerdings wird jede unternehmerische Tätigkeit nur im Sinne der Schaffung von Arbeitsplätzen interpretiert. Das ist absoluter Quatsch. Selbst ein Adam Smith war da schon weiter, und der lebte vor mehr als zweihundert Jahren.

Blumi, Du hast vor einiger Zeit selbst einmal den Link zum Begriff »Arbeit« bei Wikipedia hier im Forum angebracht. Unter diesem Eintrag und allen weiterführenden Links bei Wikipedia kann man sehr viel über diese Thematik erfahren. Das ist dann aber eine andere Betrachtungsweise als Du sie gewohnt bist. Ich bitte Dich, Dich damit etwas mehr vertraut zu machen, damit wir uns besser verständigen können.

Zwirni



zwirni
Der juristische Umstand, dass Arbeitsverträge abgeschlossen werden, sagt nichts darüber aus, dass keine Ausbeutung stattfindet.


wenn es ein fairer Arbeitsvertrag ist, dann sollte man m.E. nicht von Ausbeutung reden. Dann wäre jeder Auftrag an einen Handwerker auch "Ausbeutung" - aber es ist nur Arbeitsteilung.

4.) Wie die Kursverläufe an den Börsen zeigen, haben Aktionäre kein wirkliches Interesse an der Schaffung von Arbeitsplätzen


doch : und zwar an profitablen Arbeitsplätzen - denn ohne profitable Arbeitsplätze könnte sich das in Aktien angelegte Geld nicht verzinsen.

Wohin nicht profitable Arbeitsplätze führen, das haben wir in der DDR gesehen.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 22.04.07 16:18 von blumi
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