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Thema: Anschlag auf die Würde des Menschen


WESER KURIER S.17 2. Juni 2007: Oskar Negt über die Bedeutung von Arbeit........
Zitat einiger Fragen und Antworten, die auch Götz Werner bewegt haben.

............

Frage: Bleiben noch die Arbeitslosen ?

Antwort von O.N. : Sie stellen die wachsende Armee der dauerhaft Überflüssigen. Sie werden im Grunde in der heutigen modernen Warenproduktion nicht mehr gebraucht.

Frage: Das heißt, aussortiert für immer ?

Antwort von O.N. : Ja, sie sind für den Produktionsprozess einfach nicht mehr nützlich. Und das hat fatale Folgen für die Betroffenen......

In dieser Arbeitsgesellschaft ist Arbeit nun mal ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Identität. Sie ist wesentliches Mittel der Anerkennung, des sozialen Status und des Selbstwertgefühls.......

Frage: Und was soll der Staat tun, wenn er sich nicht darauf verlassen kann, dass es der Markt schon richten wird ?

Antwort von O.N.: Der Staat muss Arbeitsplätze schaffen......

Frage: Und woher soll das Geld dafür kommen ?

Antwort von O.N.: Das ist eine Frage, wie die Mittel, die kollektiv erarbeitet werden, in der Gesellschaft verteilt werden.

GELD ist genug da....

Frage: Das sind Forderungen, wie sie im Augenblick nur die LINKEN erheben.

Antwort von O.N.: stimmt, die SPD traut sich nicht....

Jeremy Rifkin hat einmal gesagt: Es ist schlimm, wenn Menschen ausgebeutet werden, aber viel schlimmer ist es, wenn sie selbst dafür nicht mehr benötigt werden.

Blumi: lieber Herr Oskar Negt, wir haben im letzten Jahrhundert (leider nur in EUROPA) gegen die "Ausbeutung von Menschen" gekämpft. Wir müssen uns fragen: wann ist Arbeit keine Ausbeutung ? Das Ergebnis von Arbeit ist heute angesammeltes Kapital (in Europa, China und USA) auf der einen Seite und die hier thematisierte wachsende Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite.

Ich frage weiter: beutet heute der Unternehmer die Arbeiter aus, oder beuten die Arbeiter den Unternehmer aus oder beuten sich die Unternehmer bzw Arbeitnehmer gegenseitig aus ? Sind Arbeitsteilung und Ausbeutung voneinander nicht zu unterscheiden ?

Sind die Staaten mit ihrem heutigen Einkommensteuersystem, das die gute Arbeit für andere teurer macht als die Arbeit für sich selbst wegen der guten Entlohnung (+ Straf-STEUER auf Lohn), schuld an der Entwicklung ?


blumi

Zuletzt bearbeitet: 02.06.07 10:25 von blumi


Blumi:
... wir haben im letzten Jahrhundert (leider nur in EUROPA) gegen die "Ausbeutung von Menschen" gekämpft. Wir müssen uns fragen: wann ist Arbeit keine Ausbeutung ?...

Ich frage weiter: beutet heute der Unternehmer die Arbeiter aus, oder beuten die Arbeiter den Unternehmer aus oder beuten sich die Unternehmer bzw Arbeitnehmer gegenseitig aus ? Sind Arbeitsteilung und Ausbeutung voneinander nicht zu unterscheiden ?

Blumi, die Frage: "Wann ist Arbeit keine Ausbeutung ?", ist sehr gut gestellt. Darüber lohnt es sich wirklich nachzudenken.

Der Begriff der »Ausbeutung« ist oftmals mit der Vorstellung von schwer schuftenden Arbeitern verbunden, die unter niedriger Entlohnung und schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen zu leiden haben, während der Unternehmer den fetten Profit kassiert und im Überfluss lebt. Diese Vorstellung orientiert sich aber nur an Äußerlichkeiten. Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung der alten Bundesrepublik und des zunehmenden Wohlstands großer Teile der Bevölkerung kam man sogar zu dem Schluss, dass es so etwas wie Ausbeutung in der modernen westlichen Welt nicht mehr geben würde. Diese Schlussfolgerung orientiert sich aber nur an der Äußerlichkeit der Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen und berücksichtigt nicht, was tatsächlich ökonomisch passiert.

Ohne Ausbeutung funktioniert Kapitalismus nicht. Man kann zwar ihren Grad unterschiedlich stark gestalten, aber es bleibt Ausbeutung. Das privatwirtschaftliche Interesse ist primär auf Gewinnerzielung orientiert. Die Bedürfnisbefriedigung von Kunden ist dabei nur Mittel zum Zweck.
Wir konnten das in den letzten Tagen gut in den Medien beobachten, als es darum ging, dass der Spargel auf den Feldern nicht rechtzeitig geerntet werden kann, weil es an "willigen" Erntearbeitern aus Osteuropa mangelt. Das ökonomische System des Kapitalismus hat zur Folge, dass, wenn sich kein Gewinn machen lässt, d.h. wenn sich in der Summe Arbeit nicht ausbeuten lässt, die Ernte auf den Feldern verrottet. Dies ist einmal ein reales Beispiel für Ressourcenvergeudung.
Nun liegt in diesem Beispiel die Schuld nicht nur bei den Bauern, die den Spargel anbauen. Es hat auch etwas mit dem Preisdiktat von Handelsketten und der Lage des Geldbeutels der Konsumenten zu tun. Aber letztere sind zum größten Teil auch nur anhängig beschäftigte Lohnempfänger.
Interessant war nun aber die Forderung, die manche dieser Spargel-Bauern aufgestellt haben und die in den Medien zu hören war: Man solle doch von politischer Seite dafür sorgen, dass Erntehelfer aus der Ukraine und noch weiteren östlichen Staaten erleichtert angeheuert werden könnten. Warum wurde diese Forderung wohl erhoben? Weil diese Leute noch eher dazu bereit wären, für den geringen Lohn zu arbeiten und aufgrund der Entfernung dann wohl nicht so schnell auf die Idee kämen, nach Großbritannien oder in die Niederlande weiterzuziehen, wo man bessere Löhne zahlt.
Daran wird etwas deutlich, was das Wesen der Ausbeutung ausmacht: Der Arbeiter wird nicht ausschließlich dafür bezahlt, was den Wert seiner Arbeit ausmacht, sondern dafür, was er selbst zum Bestreiten seines Lebensunterhalts benötigt und was er dafür einfordert. (Aus der Differenz zwischen diesen beiden Komponenten ergibt sich der Profit und der Grad der Ausbeutung.)
Warum wohl bleiben die polnischen Erntehelfer aus? Weil in Polen die Preise in den letzten Jahren auch gestiegen sind. Die Aushilfsarbeit in Deutschland lohnt sich für sie nicht mehr.
Es ist nur seltsam, dass dies jetzt so geschieht, heißt es doch sonst immer, das Lohnniveau wäre in Deutschland zu hoch. Wenn die Erntearbeiter aus Polen jetzt lieber westlich von Deutschland ihr Einkommen bestreiten, obwohl dort das Preisniveau insgesamt nicht so hoch ist, dann lässt das nur eine Schlussfolgerung zu: Der Grad der Ausbeutung ist in Deutschland höher. Es muss nicht unbedingt der einzelne Spargelbauer hierzulande schuld daran sein, man muss da die Strukturen des Großhandels im Vergleich zu anderen Staaten vergleichen. Der Umstand, dass in anderen Staaten auch ein Mindestlohn existiert, dürfte auch nicht unerheblich sein.

Das Wesen der Ausbeutung besteht darin, dass innerhalb der Wertschöpfungskette, jeweils zwischen den einzelnen Wertschöpfungsvorgängen, aus dem erzielten Preis der Ware oder des Zwischenprodukts ein Teil davon als Unternehmensgewinn oder als Dividende abgezweigt wird und als Einkommen für andere Personen oder Unternehmen dient, die nichts mit dem eigentlichen Wertschöpfungsvorgang zu tun haben. Dieser Teil müsste aber denjenigen zustehen, die die dafür erforderliche Arbeit auch wirklich getan haben. Wenn es in der alten Bundesrepublik möglich war, als kleiner Arbeiter oder Angestellter zu einem gewissen Wohlstand zu gelangen, bedeutet das nicht, dass er nicht ausgebeutet wurde. Wenn auf die reichsten 10% der Deutschen 50% des gesamten Vermögens entfallen, aber auf die untere Hälfte nicht einmal 5% des Vermögens dann ist gerade dies Resultat der Ausbeutung in der Bundesrepublik, denn Vermögen ist nichtkonsumiertes Einkommen.

Daran ändert auch nichts, dass diese Asozialität des Kapitalismus durch das Rechtssystem "gedeckt" wird. Man kann sich nicht darauf berufen, dass Kaufverträge und Arbeitsverhältnisse auf Verträge nach bürgerlichem Recht beruhen. Dass bürgerliche Recht ist schließlich die Legitimation der Ausbeutung. Das klingt drastisch, es ist aber so! Genauso verschleiert die juristische Einteilung in Arbeitnehmer und Arbeitgeber die realen Verhältnisse.

Die Verhältnisse von heute sind nicht so einfach wie zu Zeiten von Karl Marx. Wir haben heute einen global institutionalisierten Kapitalismus. In dem verwirrenden Geflecht von Konzernen, Unternehmensbeteiligungen, Investment-, Aktien-, Hedge- und anderen Fonds sieht keiner mehr durch. Man kann nicht mehr erkennen, wer wirklich davon profitiert, außer diese Personen treffen sich in Monaco. *fg* Und wenn es dann ein paar Kleinaktionäre gibt, die vielleicht ein paar hundert Euro an Dividendenausschüttung im Jahr erhalten, dann sind diese Leute nichts anderes als das Feigenblatt für die wirklichen »Global Players«. Sie können, wie letztens bei der Telekom-Hauptversammlung geschehen, dort zwar lautstark protestieren, aber es wird nichts ändern, da sie nicht die Anteilsmehrheit haben. Was dort stattfindet, ist Scheindemokratie: Tausende von Kleinaktionären werden ausgestochen von ein paar Großaktionären, die über die erforderlichen 51% der Aktienanteile verfügen.



Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: "Wann ist Arbeit keine Ausbeutung ?"

Arbeit ist dann keine Ausbeutung, ...
  • 1.) wenn alle Personen, die an dem eigentlichen Wertschöpfungsvorgang beteiligt sind, auch den erwirtschafteten Mehrwert erhalten.
    (Das Umschichten von Aktien oder anderen Wertpapieren und das Kassieren der Dividende zählt für mich nicht dazu. Sogenannte Gewinnbeteiligungen auch nicht, so wie sie derzeit konstruiert sind.)
  • 2.) wenn alle an der Produktion Beteiligten demokratisch darüber entscheiden können, was und wie es produziert und wie es vermarktet wird. (Wenn z.B. nicht die Chefs einer Supermarktkette über die Öffnungszeiten bestimmen sondern die Mitarbeiter. Voraussetzung dafür ist 1.)
Solange es möglich ist, dass ein Vorstandsmitglied das Tausendfache dessen erhält, was ein einfacher Mitarbeiter im gleichen Unternehmen erhält, findet Ausbeutung statt, denn keine Arbeit kann das Tausendfache dessen Wert sein, was eine Putzfrau macht, denn auch ein Herr Ackermann muss irgendwann mal aufs Klo!!!

Ich bin kein Gegner von privatwirtschaftlicher Initiative. Ich habe Respekt vor jedem Unternehmer, der wirklich im Interesse seiner Mitarbeiter und Kunden tätig ist. Ich habe aber etwas gegen die "oberen Herrschaften" von VW, Siemens, Daimler, Telekom, E.ON & Co., und deren Hintermänner in Aufsichtsräten sowie die Mehrheits-Anteilseigner, die in schönen Sonntagsreden immer nur behaupten, sie würden etwas im Interesse der Menschen tun, aber tatsächlich nur ihren eigenen Gewinn im Hinterkopf haben. (Und ich habe auch etwas gegen kleine schmierige Besitzer von Friseursalons, die ihre Friseurinnen für sich arbeiten lassen und nebenbei irgendwelche Immobiliengeschäfte tätigen, aber ansonsten laut über Mindestlohnforderungen jammern. Die gibt es neben wirklich anständig arbeitenden Friseuren auch und auch das muss einmal gesagt werden.)

Zwirni

P.S. An Vowi:
War das jetzt gerade "unermeßlich arrogantes bankergesabbel"? Ich habe zwar an einem Bank-BWL-Studium teilgenommen, aber ich habe nicht alles geglaubt, was man mir da erzählt hat. Das hat etwas damit zu tun, dass ich schon zu DDR-Zeiten "politische Ökonomie" als Studienfach hatte. So habe ich für mich persönlich die besondere Situation, dass ich verschiedene Aussagen aus unterschiedlichen politischen Systemen jeweils auf ihre Gültigkeit überprüfen muss. Das regt zum intensiven Nachdenken an. So habe ich mit der Wende nicht alles "über Bord geworfen", was man mir einmal beigebracht hat und glaube jetzt nicht alles, was jetzt angeblich richtig ist.
Als allgemeingültiges Resultat dieses erlebten Systemwechsels kann ich nur sagen: Man soll nicht alles glauben, was einem erzählt wird, auch wenn es eine "Mehrheitsmeinung" ist. Mehrheits- sowie Autoritätsbeweise sind Unsinn.


Zuletzt bearbeitet: 04.06.07 07:15 von zwirni


zwirni
.......diese Leute nichts anderes als das Feigenblatt für die wirklichen »Global Players«. Sie können, wie letztens bei der Telekom-Hauptversammlung geschehen, dort zwar lautstark protestieren, aber es wird nichts ändern, da sie nicht die Anteilsmehrheit haben. Was dort stattfindet, ist Scheindemokratie: Tausende von Kleinaktionären werden ausgestochen von ein paar Großaktionären, die über die erforderlichen 51% der Aktienanteile verfügen.


ja zwirni, mit den Mehrheiten in der DEMOKRATIE habe ich auch noch aus anderen Gründen meine Probleme. Wenn "die Mehrheit der Doofen" Entscheidungen fällt, muss es für "die Doofen" - siehe manche Wahlergebnisse - nicht GUT ausgehen.

zwirni
Wenn auf die reichsten 10% der Deutschen 50% des gesamten Vermögens entfallen, aber auf die untere Hälfte nicht einmal 5% des Vermögens dann ist gerade dies Resultat der Ausbeutung in der Bundesrepublik, denn Vermögen ist nichtkonsumiertes Einkommen.


liegt es am Unternehmen-Steuersystem, das letztlich alle Einkommensteuern auf den kleinen Verbraucher (als Kosten) durchreicht ?

zwirni
Als allgemeingültiges Resultat dieses erlebten Systemwechsels kann ich nur sagen: Man soll nicht alles glauben, was einem erzählt wird, auch wenn es eine "Mehrheitsmeinung" ist. Mehrheits- sowie Autoritätsbeweise sind Unsinn.


hier oben hinterfragst Du die DEMOKRATIE (wie ich) mit anderen Worten !!

zwirni
Solange es möglich ist, dass ein Vorstandsmitglied das Tausendfache dessen erhält, was ein einfacher Mitarbeiter im gleichen Unternehmen erhält, findet Ausbeutung statt, denn keine Arbeit kann das Tausendfache dessen Wert sein, was eine Putzfrau macht, denn auch ein Herr Ackermann muss irgendwann mal aufs Klo!!!


Der Ackermann braucht für wohnen, essen + trinken auch nicht mehr als wir. Was macht er mit dem REST ??? Wir sind in einer Zwickmühle: soll der Staat oder soll das große PRIVAT-Kapital in der Wirtschaft RISIKO übernehmen ?


blumi

Zuletzt bearbeitet: 04.06.07 11:23 von blumi


Blumi:
Der Ackermann braucht für wohnen, essen + trinken auch nicht mehr als wir. Was macht er mit dem REST ??? Wir sind in einer Zwickmühle: soll der Staat oder soll das große PRIVAT-Kapital in der Wirtschaft RISIKO übernehmen ?

Blumi, ich weiß nicht ob es Dir aufgefallen ist, dass Risikovermeidungsstrategien mittlerweile ein für Kunden und Arbeitnehmer unerträgliches Maß angenommen haben. Das beste Beispiel dafür ist der seit einigen Jahren in Mode gekommene Handel mit Kreditderivaten im Bankensektor.
Die meisten Investoren sind mittlerweile so gerissen, dass sie ihre Investitionen juristisch und geschäftlich so gestalten, dass sie dabei den größten Teil des Risikos auf andere abwälzen. Die Leidtragenden sind entweder die Unwissenden, die wirtschaftlich Abhängigen oder die Steuerzahler, wenn Politiker ihren fatalen Anteil dazu leisten.
Um einen Herrn Ackermann braucht man sich in dieser Hinsicht also keine Sorgen zu machen. Er hat seine Leute dazu und kann sie sich auch leisten, damit das Einkommen, was er nicht verkonsumieren kann, auch weiterhin genügend Profit abwirft.

Ansonsten und einmal grundsätzlich gefragt: Worin besteht denn das Risiko? Das Risiko besteht doch darin, dass das investierte Kapital nicht die erhoffte Rendite abwirft oder "irgendwie" verloren geht. Das bedeutet aber doch nicht, dass es einfach weg ist. Es hat dann nur ein anderer!
Wenn dieser andere ein Betrüger ist, dann ist es wirklich ein Verlust, wenn die Rendite aber deshalb nicht so reichlich fließt wie erhofft, weil sich Arbeitnehmer nicht in dem Maße ausbeuten lassen wie gedacht, dann kann ich nur sagen, dass es eine derartige "Investition" verdient hat, dass sie zum Verlustgeschäft wurde.
Es ist an dieser Stelle genau das Gleiche wie mit dem ständigen Gerede der Politiker, dass man doch alles dafür tun wolle, Arbeitsplätze zu schaffen. Nicht alles, was sich gut anhört, ist auch gut in der Umsetzung, und oft verbergen sich hinter wohlklingenden Absichtserklärungen nichts anderes als egoistische Interessen.

Zwirni




"Der Ackermann kann gar nicht über seine Verhältnisse leben. Er hat es versucht - es klappt nicht."
Volker Pispers (Kabarettist);-)



zwirni
Die meisten Investoren sind mittlerweile so gerissen, dass sie ihre Investitionen juristisch und geschäftlich so gestalten, dass sie dabei den größten Teil des Risikos auf andere abwälzen. Die Leidtragenden sind entweder die Unwissenden, die wirtschaftlich Abhängigen oder die Steuerzahler, wenn Politiker ihren fatalen Anteil dazu leisten


ja zwirni, das Risiko auf den Steuerzahler abwälzen gelingt, weil unser Einkommensteuersystem den Gewinn bzw den Arbeitslohn versteuert. Und die wirtschaftlich abhängigen Arbeitnehmer verlieren ihren Arbeitsplatz, wenn angeblich nicht genug Gewinn gemacht wird.

Ist das nicht ein GRUND "unsere Staatsfinanzierung zu verändern" - wie GÖTZ WERNER es angedacht hat ??? Sag jetzt nicht "es ist nicht finanzierbar" - es muss eben finanzierbar gemacht werden, dass nur der VERBRAUCH von Gütern und Diensten versteuert wird ! Dann kann ein Unternehmen seine gemachten Schulden nicht auf den Staat (sprich kleinen Steuerzahler) abwälzen, sondern der INVESTOR bleibt eben nur auf "seinen WAREN" / "seinem DIENSTANGEBOT" sitzen, wenn der Preis nicht stimmt. Und ganz wichtig : die Verbrauchssteuer wird sofort fällig, bevor der Unternehmer errechnet hat, was möglicherweise am Jahresende als Gewinn übrig bleibt.

zwirni
Worin besteht denn das Risiko? Das Risiko besteht doch darin, dass das investierte Kapital nicht die erhoffte Rendite abwirft oder "irgendwie" verloren geht. Das bedeutet aber doch nicht, dass es einfach weg ist. Es hat dann nur ein anderer!


Du sagst es: das Risiko trägt heute allein der abhängige Arbeitnehmer und Steuerzahler, der erst einmal seinen Job verliert, bevor der Investor nicht genug Gewinn macht, um seine Steuern und die anderen Verbindlichkeiten bezahlen zu können.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 07.06.07 09:32 von blumi


Blumi:
ja zwirni, das Risiko auf den Steuerzahler abwälzen gelingt, weil unser Einkommensteuersystem den Gewinn bzw den Arbeitslohn versteuert. ...

Lieber Blumi, kannst Du mir erklären, wie Du das gemeint hast? Ich weiß nicht, was das eine mit dem anderen zu tun haben soll.
(Meine Bemerkung, dass der Steuerzahler der Leidtragende sei, bezog sich auf etliche Fälle in der Vergangenheit, bei denen durch das systematische "Versagen" der Politik Subventionen viel zu leicht an Unternehmen vergeben und in den Sand gesetzt wurden.)

Aus dem Bürgergeld-Thread (31.05.07):
Blumi:

Zwirni:
Blumi, ich weiß, was Du ursprünglich ausdrücken wolltest. Aber wenn die Einkommenssteuer einmal 30% und dann 35% beträgt, ändern sich damit nicht automatisch die Arbeitskosten. Dadurch ändert sich nur das Verhältnis zwischen erhobener Einkommenssteuer und verbleibendem Nettolohn. Die Arbeitskosten werden erst dann höher, wenn die Arbeitnehmer über Tarifkämpfe einen Ausgleich für eine erhöhte Steuerbelastung bewirken. Aber auch dann ergibt sich daraus nicht automatisch ein höherer Kaufpreis für den Kunden. Dazwischen liegt immer noch der Unternehmensgewinn. Nur wenn die Unternehmensführung weiterhin ihre Rendite konstant halten will, führt dies bei konstanten Rahmenbedingungen zu höheren Produktpreisen.

zwirni, Du hast es genauso dargestellt, wie ich es meine.

Ich hoffe, wir sind uns auch einig, daß der Bauarbeiter einen angemessenen Lohn braucht. Ich als Rentner muss heute von den Sozialabgaben u. Steuern der Bauhandwerker "unterhalten" werden.

Ja, Blumi, da sind wir uns einig.
Aber: Dieser Mechanismus der Steuerüberwälzung findet auch bei einer Erhöhung der Mehrwertsteuer statt. Für die Lage des »Konsumenten« (nicht des Kapitalanlegers!!!) ist es letztendlich doch unerheblich, ob die Höhe seines Einkommens nun durch eine Einkommens- oder eine Konsumsteuer geschmälert wird.

Zwirni



Blumi:
ja zwirni, das Risiko auf den Steuerzahler abwälzen gelingt, weil unser Einkommensteuersystem den Gewinn bzw den Arbeitslohn versteuert. ...

Lieber Blumi, kannst Du mir erklären, wie Du das gemeint hast? Ich weiß nicht, was das eine mit dem anderen zu tun haben soll.
(Meine Bemerkung, dass der Steuerzahler der Leidtragende sei, bezog sich auf etliche Fälle in der Vergangenheit, bei denen durch das systematische "Versagen" der Politik Subventionen viel zu leicht an Unternehmen vergeben und in den Sand gesetzt wurden.)


zwirni
ist es letztendlich doch unerheblich, ob die Höhe seines Einkommens nun durch eine Einkommens- oder eine Konsumsteuer geschmälert wird.


wegen der hohen Staatsquote auf alle Produkte und Dienstleistungen ist m.E. der Unterschied erheblich, weil bei der Konsumsteuer die nicht verkaufbaren Produkte dann nicht gegen MWST aufgerechnet werden.

ich meine: heute wird mit Steuersparanreizen versucht den Konsum zu fördern, wer viel verdient wird mehr gefördert. Dein Gedanke :"Mehr Kontrolle bei Subventionen" kostet mehr als es dem kleinen Steuerzahler erspart. Das selbe gilt für AA, die mehr kostet als es Nutzen für den Geringverdiener bringt.

Mit der reinen Konsumsteuer (gestaffelt nach Grundbedürfnissen und Luxus) sieht die Welt anders aus. Denn die UNTERNEHMER-VERLUSTE werden mit der Konsumsteuer nicht auf die Staatskasse (den kleinen Steuerzahler ohne Subventionen) abgewälzt.

blumi

Zuletzt bearbeitet: 08.06.07 08:59 von blumi
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