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Thema: Original-Beitrag von sarek I


Den folgenden Beitrag hat sarek mit viel Mühe und Engagement zusammen gestellt und geschrieben. Wir möchten ihn den Lesern nicht vorenthalten. (webmaster)

Anfang Beitrag:
Von Ende November 2001 befuhren wir, vom dem Etosha-Wildreservat kommend, die N1 Straße zwischen Tsumeb in Richtung Otjiwarongo und mein Sohn, der mit mir diese Strecke befuhr , drehte am Programmsucher des Autoradios. Es ertönte eine weibliche Stimme und wir hatten die deutschsprachige Sendung der deutschen Dienstes des NBC (Namibia Broadcasting Corporation) und es war wieder eine Call-In Sendung, die immer sehr interessant ist. Bevor wir so richtig wußten um was es ging, war ein Hörer aus Tsumeb am Telefon und sagte der Moderatorin der Sendung, das Bild, was heute wieder in der "Allgemeinen Zeitung" gedruckt ist, sei doch mal wieder eine typische Verzerrung der Geschichte des Landes. Dann erzählte er, daß dieses Bild eine Gruppe von Herero zeige, die nach der Flucht in die Omaheke, von dort wieder zurückgekommen sind und nahe dem Tode seien."Dieses Bild mit dieser Unterschrift sei falsch, den sein Großvater habe dieses Bild persönlich aufgenommen und er habe sogar noch das Negativ dieses Bildes. Es gibt sogar ein weiteres Foto, daß diese Gruppe ein halbes Jahr später zeigte, doch alle bei bester Gesundheit und einige Kilo mehr am Körper. Die Moderatorin, erstaunt über diese Tatsache, sie kannte das Bild in der Zeitung auch, hinterfragte dann noch bei dem Anrufer und er sagte weiter, es handelte sich um eine Gruppe von Freiwilligen für den Bau der Eisenbahnstrecke nach Tsumeb, die von Angola kommend, Richtung Tsumeb unterwegs waren, aber durch mangelnde Nahrung und Wasser sie es gerade bis zu einer Rheinischen Mission vor Tsumeb geschafft hatten. Sie waren über 3 Monate unterwegs gewesen und total abgemagert. Er wolle neue Abzüge von den Bildern machen und diese dann nach Windhoek zum NBC schicken.

Während der Sendung sagte ich schon meinem Sohn, ich kenne das Bild, von dem gesprochen wird und wir lauschten dann der weiteren Diskussion über die Ausgabe der " Allgemeinen Zeitung", die sich in einem Artikel zu der Schlacht am Waterberg 1904 geäußert hat.

Als ich 1985 in Lüderitz dort im Museum war, kam ich mit einem alten Herrn ins Gespräch und dort hing auch dieses Foto an der Wand und er sagte mir auch die Geschichte von dem Foto, so wie der Herr aus Tsumeb sich in seinem Telefonanruf geäußert hatte. Damals in Lüderitz hat mir der alte Herr auch noch viel über die Kriege in Südwestafrika erzählt und ich wollte mich schon immer mal mit der Schacht am Waterberg befassen, denn diese Propaganda , die kurz nach 1900 in England begann, auf kleinerer Flamme bis zum Weltkrieg köchelte und dann während des Krieges voll zur Geltung kam, ist immer noch bzw. in Teilen Allgemeingut.Über den Sinn der Kolonie will ich hier auch nicht schreiben, es war damals ein Bestreben der Industrieländer, die Welt unter sich aufzuteilen , so haben es auch die Deutschen gehalten, die zuerst widerwillig, aber dann doch konsequent sich ihre Kolonien aufbauten. Letztlich waren ja die Besitztümer in Afrika der Grund, die durch die Bündnispolitik einiger Länder neue Allianzen schufen, die dann direkt in den 1. Weltkrieg führten.

Im südlichen Afrika hat es kaum friedliche Zeiten gegeben, nach den großen Schlachten der Buren und der Zulus, der Zulus unter Shaka mit anderen Stämmen, die innerhalb von 10 Jahren 1/3 der damaligen Einwohner ca.3 Millionen der Region das Leben kostete und auch die Schlachten der Engländer mit den Zulus, wo z.B. bei Islandswhana 1888 an einem Tag 1200 Engländern getötet wurden. Der erste Buren-Anglokrieg führte auch zu keiner Stabilität und dann im zweiten Anglo-Burenkrieg 1900-1902 beteiligten sich auch Tausende Freiwillige aus den europäischen Ländern an diesem Krieg, auf der Seite der Buren und Deutschland stellte die Mehrzahl der Freiwilligen. Es gab Aufrufe zur Spende in Deutschland und der Reichstag debattierte auch lange über das Thema und die öffentliche Meinung in Deutschland erwartete mehr Unterstützung der Buren durch Deutschland.England kämpfte mit einem enormen Aufgebot von Soldaten und der Sherlock Holmes Autor, Sir Arthur Conan Doyle, sagte: "Die Buren sind die gewaltigsten Gegner, die dem britischen Weltreich je im Wege standen." Winston Churchill erklärte: "Es gibt nur einen Weg, den Widerstand der Buren zu brechen, nämlich durch die härteste Unterdrückung. Mit anderen Worten, wir müssen die Eltern töten, damit die Kinder lernen können, uns zu respektieren."Der Präsident der Burenrepubliken Paul Krüger war damals auch in Europa um für Hilfe für sein Land zu bitten.

Doch der Kaiser wollte keine Mißstimmung mit England aufkommen lassen und so blieb es mehr bei einer moralischen Unterstützung der Buren, aber in England hatte die Presse sich schon auf Deutschland eingeschossen und so wurde alles, was aus den Kolonien berichtet wurde, sehr kritisch betrachtet und auch die Konflikte der Schutztruppe in Südwestafrika wurden sehr wohlwollend betrachtet.Im Süden von Südwestafrika gab es immer wieder kleine Konflikte der Nama mit der Schutztruppe, da die Nama ein sehr kriegerisches Volk waren und andere Stämme sehr unter ihnen gelitten hatten, wollten sie auch weiterhin mit Überfällen und besonders Viehraub in der sicher nicht freundlichen landschaftlichen Umgebung , sich am Leben erhalten. Hatten doch die Herero den Freundschaftspakt mit den Deutschen aus diesem Grunde geschlossen, damit die Schutztruppe, die Herero vor den Angriffen der Nama (Hottentotten) schützt. Doch die Schutztruppe war zahlenmäßig dazu nicht in der Lage und in den Jahren vor 1904 gab es laufend Gefechte. Das Verhältnis der Regierung in Windhoek mit den Hereros war im Laufe der Jahre immer schlechter geworden, da Samuel Maharero, ein großer Trinker, immer wieder große Teile seines Landes verkaufte um seine Trinksucht zu finanzieren und auch viele andere Hereros waren in die Schuldenfalle gewissenloser Händler gekommen. Die Regierung versuchte zwar mit Gesetzen die Hereros zu schützen, doch es gelang nicht, so daß ein Großteil der Hereros bei den Händlern verschuldet waren und diese auch öfter die Viehherden der Schuldner pfändeten. Es war absehbar, daß es zum Konflikt kommen würde, doch das Kolonialamt in Berlin ignorierte die Anzeichen und die Schutztruppe im Lande erhielt kaum Unterstützung und auch die Ausrüstung und Verpflegung war nicht vergleichbar, die andere Kolonialländer wie England, Belgien oder Frankreich ihren Kolonialtruppen gewährten. Diese hatten sogar vollausgerüstete Einheiten, die jederzeit abrufbar waren.





Teil II

Die Schutztruppe wurden in Deutschland durch Freiwillige aufgebaut, hier achtete man darauf, das bei den Mannschaften hauptsächlich Handwerker anzutreffen waren und die Offiziere mußten eine mind. 3 jährige Dienstzeit nachweisen. Aber sie Alle, waren neu im Land und verstanden es überhaupt nicht.
Reiten lernten die meisten erst nach der Ankunft in Swakopmund und die Pferde aus Deutschland, vertrugen nicht das Klima und gingen Großteils ein. Es wurden dann Pferde aus Australien, Argentinien und der Kapprovinz gekauft, die dann besser im Einsatz waren.Die Herero hatten sich im Sommer 1903 entschlossen, gegen die Deutschen vorzugehen. Sie wollten das Land von ihnen befreien, jedoch sollten die Händler aus der Kapprovinz und auch die Missionare geschont werden.Sie bereiteten sich langsam auf diesen Aufstand vor, besorgten sich Waffen, besonders viele Henry-Martini Gewehre und auch andere Gewehre, die das Niveau der deutschen Gewehre hatten. Bei der Schutztruppe war das Gewehr M 88 im Einsatz, das als Vorläufer des 98 k in der Truppe sehr beliebt war. Durch Überfälle im restlichen Land (nicht durch die Herero) wurden auch viele Waffen der Schutztruppe erbeutet, ebenfalls auch Uniformen. Geliefert wurden die Waffen
über Händler aus Angola, Britisch-Betschuanaland (Botswana) und auch in der Kapkolonie konnten die Waffen über den Oranje geschmuggelt (besser geliefert) werden, denn in Südafrika war der Ruheraum mancher Banden der Nama, die sogar Waffen an ihre Feinde, die Herero verkauften.

Die Absprache bezüglich des Aufstandes blieb geheim und dann am 12.1.1904 schlugen die Herero los und der Kern des Aufstandes war Okahandja. Die Missionare, Händler und auch die Schutztruppe waren total überrascht und dadurch
waren die Verluste in den ersten Tagen bei der weißen Bevölkerung auch sehr hoch.Obwohl aufgerufen wurde, Frauen und Kinder und Missionare zu schonen, kamen doch auch einige von ihnen ums Leben und nach einigen Tagen war die Zahl der Toten auf ca. 150 gestiegen. Waren doch damals nur 1500 Deutsche im Hereroland, so daß es prozentual schon ein großer Verlust war. Ca. 6000 Deutsche waren inzwischen im gesamten SWA-Raum angesiedelt.Die Schutztruppe selbst konnte darauf nicht reagieren, es waren zu diesem Zeitpunkt nur 800 Soldaten im Land, 500 vielleicht davon militärisch einsetzbar und wenn man die Größe des Landes berücksichtigt und auch die Tatsache, daß im Süden ja der Kleinkrieg mit den Namas (Hottentotten) noch andauerte, standen direkt im Norden von Windhoek nicht genügend Truppen zur Verfügung. Dazu kamen noch ca. 900 Reservisten und Freiwillige, auch Buren, jedoch waren diese nicht auf dem militärischen Niveau der Schutztruppe und das war auch nicht besonders hoch.

Die Hilferufe aus dem Hereroland waren via Telegraf schnell auch in Windhoek und
damit auch in Deutschland. Zwei deutsche Kriegsschiffe, die in der Nähe waren, konnten auch einige Tage später in Swakopmund Marinesoldaten landen und auch von
Deutschland , ging Ende Januar 1904 ein großer Truppentransport auf die Reise.Die Herero hatten zwar den Plan, die Deutschen zu verjagen, machten sich aber keine Gedanken, was so in Deutschland geschehe. Sie lieferten sich in den folgenden Monate Gefechte mit den Schutztruppen, die aber immer stärker wurde. Bei den Gefechten stellte es sich heraus, daß die Herero gut bewaffnet waren, tapfer kämpften und auch taktisch mit der Schutztruppe gleich waren. Es war jetzt im Schutzgebiet ein anderer Krieg geworden, nicht mehr Kämpfe mit Räuberbanden, sondern mit Truppen der Herero, die zwar nicht in einer Uniform steckten, aber sonst wie Soldaten kämpften. Leider gingen die Herero mit Gefangenen und Verwundeten nicht entsprechend dem Kriegsvölkerrecht um, sie verstümmelten und quälten ihre Opfer erst, bevor sie diese dann durch Halsdurchschneiden oder mit den Kirris durch Schädeleinschlagen, töteten. Das führte zu einer Erbitterung bei den Schutztrupplern, die ja oft in den Gefechten
schwere Verluste hatten.Die größeren Gefechte waren in: Owikokorero mit Verlust von 7 Offizieren, 19 Reitern gefallen und 3 Offiziere und 3 Reiter verwundet Es waren 70 % der eingesetzten Truppen von 11 Offizieren und 38 Reitern Onjati gefallen 1 Offizier und 31 Reiter tot, 2 Offiziere und 15 Reiter verwundet Onganjira gefallen 2 Offiziere und 2 Reiter, inklusive des Bruders von Major von
Esdorf, der Leutnant Otto Esdorf.Oviumbo gefallen 2 Offiziere und 7 Reiter, 1 Offizier und 14 Reiter verwundet Wurden am Anfang von den Hereros besonders die Offiziere erschossen, die durch ihre Uniform erkennbar waren, so kämpften dann später auch die Offiziere in normalen Uniformen und trugen auch Gewehre. Doch die Verluste der Offiziere waren prozentual sehr hoch, da die Herero auch so die Führer der Einheiten erkannten.

Bis zum August 1904, also bis zur Schlacht am Waterberg, waren bei den Schutztruppen einige Hundert Soldaten gefallen oder verwundet oder auch an Krankheiten(hauptsächlich Typhus) gestorben. Die Wasserknappheit im gesamten Gebiet ließ auch lange Gefechte nicht zu und auch die Nachschubwege für die Schutztruppe waren lang und beschwerlich.Die Herero konnten sich im Lande, wie der Fisch im Wasser bewegen. Sie kannten das Land, die Klimaverhältnisse und wußten auch, wo es Wasserstellen gab. Die Kolonialverwaltung in Berlin war enttäuscht, daß sich der Aufstand nicht schneller in Griff bekommen ließ und so wurde der bisherige Kommandant und Gouverneur Leutwein, durch den Generalleutnant von Trotha ersetzt, der auch bei der Niederwerfung des Boxeraufstandes 1900 in China sich einen Namen gemacht hatte.Er traf dann am 11.6. 1904 in SWA ein und die ersten Wochen vergingen mit Ausbildung und Komplettierung der Ausrüstung. In der Zwischenzeit hatten sich die Herero in den Bereich des Waterberges zurückgezogen und erwarteten den Angriff der Schutztruppe. Sie waren immer über das unterrichtet, was sich im restlichen Lande abspielte und in den neuen Truppen, die mit v.Trotha gekommen waren, sahen sie keine große Bedrohung, waren die meisten von ihnen doch Neulinge im Land und somit keine Gefahr für sie. Einige Hererogroßleute konstatierten: Die alten deutschen Soldaten fürchten wir, die neuen aber nicht, die kommen direkt von der Mutter.





Teil III

Das Gebiet am Waterberg war ihr ureigenes Gebiet, sie kannten die Gegend und sie
hatten hier genügend Wasserstellen und auch Futter fürs Vieh, was sie ja
mitsichführten. So versammelten sich jetzt um die 20 000 Herero mit 30 000
Rindern in diesem Gebiet, davon waren 6000- 7000 Krieger, die mit mindestens
5000-6000 modernen Gewehren ausgerüstet waren. Durch Anlegen von Hindernissen
und besonders durch Dornenbuschsperren konnten sie die voraussichtlichen
Angriffszonen der Schutztruppe steuern und da sie hier, wie auch die Deutschen,
auf eine Entscheidungsschlacht aus waren, sahen sie hier für sich viele
Vorteile.
Die Schutztruppe hatte den großen Nachteil der Logistik. Der nächste Ort,
Okahandja war 200 Kilometer entfernt und die Ochsengespanne brauchten dafür
mind. 10 bis 14 Tage. Die Truppe konnte auch nicht genügend Wasser mitführen,
sowas hatte das Kolonialamt bei der Ausrüstung nicht vorgesehen, so waren die
eigenen Rationen und Wasserflaschen der Truppe nicht ausreichend und die Tiere
(Pferde und auch Ochsen), konnten nicht gut versorgt werden, es sollte Hunderten
von ihnen das Leben kosten.
Durch Patrouillen der Schutztruppe, die Kontakt hielten, war auch von Trotha
von der Versammlung der Herero am Waterberg informiert und so wurden 4
Abteilungen gebildet, die großräumig zum Waterberg vorrücken sollte. Die
inzwischen insgesamt 1500 Schutztruppler und 100 Offiziere, waren somit jetzt
als einzelne Abteilung nicht in der Lage, gegen die weit überlegenen Herero zu
kämpfen. Doch die wollten keine vorzeitige Angriffe, sie waren sich ihrer Sache
ziemlich sicher und glaubten die Schutztruppe komplett am Waterberg schlagen zu
können. Waren sie bisher taktisch den Deutschen gleich gewesen, so machten sie
jetzt Fehler.
1. Die angreifenden 4 Abteilungen wurden nicht genügend beobachtet und auch
nicht in den Ruhepausen angegriffen.
2. Der Waterberg selbst wurde nicht besetzt und als Aussichtspunkt genutzt
3. Die Nachschubkolonnen der Schutztruppe wurden nicht angegriffen
4. Es gab keine rückwärtige Stellung
5. Die Wasserstellen in die Omaheke waren nicht überprüft ob auch genügend
Wasser dort vorhanden ist.
6. Es gab keinen Plan, sollte das Gefecht verloren werden
Die Deutschen hatten folgende Abteilungen am 5.8.1904 um den Waterberg
gruppiert:
Abteilung von Esdorf bei Otjahewita, am 10.8. dann bei Okomiparum
Abteilung von der Heyde bei Omutjatjewa am 10.8. 15 km nordöstlich Hamakari
Abteilung Müller bei Erindi Ongoahere am 10.8. bei Ombuatjipiro
Abteilung Deimling (2.Feldregiment) bei Okateitei am 10.8. bei Okateitei
Abteilung Fiedler bei Orupenparora am 10.8. bei Osondjacheberge
Abteilung Volkmann bei Otjenga am 10.8. bei Otjenga
Diese Abteilungen hatten den Befehl bis auf die Hererostellungen am 10.8.
vorzurücken und der einheitliche Angriff sollte am 11.8.1904 6 Uhr stattfinden.
Die 30 Geschütze, die die Truppe mitführte, sollte das Feuer eröffnen.
In der Zwischenzeit hatten 30 Schutztruppler mit dem Leutnant Auer die
Hochfläche des Waterberg erreicht und da diese nicht von den Herero besetzt war,
bauten sie eine Heliografenstation auf und konnten alle Bewegungen der Herero an
die unten stehende Schutztruppe melden. Die Gruppe sollte dann später
angegriffen werden, aber sie konnten den Angriff abschlagen und so war
Generalleutnant von Trotha während des Gefechtes gut über die Bewegungen der
Herero unterrichten, doch die Weitergabe der Informationen am Boden war durch
das dichte Dornengebüsch sehr behindert. Eine klare Befehlsgebung war nicht
möglich.
Am 11.8.1904 6 Uhr wurden die Kampfhandlungen mit dem Kanonenbeschuß eröffnet,
doch bei der geringen Sichtweite (bedingt durch das dichte Dornengebüsch)
brachte dies keinen sofortigen Nutzen. Die einzelnen Abteilungen gingen dann
vor, waren aber weit voneinander getrennt, sie konnten sich nur hören. Besonders
um die Wasserstelle Hamakari gab es schwere Verluste, alle Offiziere waren
gefallen und als Hamakari erobert war, führte ein Unteroffizier die Reste der
11. Kompanie. Die Herero versuchten dann die Wasserstelle wieder
zurückzuerobern, scheiterten jedoch.
Die Abteilungen Deimling und Volkmann hatten keine so schwere Kämpfe zu
bestehen, sie blieben in Fühlung und sicherten die Flanke. Von Esdorf war
vorgerückt und hatte Erfolge laut Plan und schickte sich an die Station
Waterberg zu erobern. Die Abteilung von der Heyde hatte schwere Verluste, sie
wurden von weit überlegenen Hererokräften angegriffen und mußten zurückgehen,
als dann noch die Herero, im Rückzug von Hamakari sich auch in den Kampf
einschalteten, sah es für die Abteilung von der Heyde nicht gut aus, aber der
Abend des 11.8.1904 brachte dann das Ende der Kampfhandlungen.
Das Gefecht am Waterberg war zu Ende. Beide Seiten hatten nicht den erwünschten
Erfolg gehabt. Die Schutztruppe wollte in einer Entscheidungsschlacht die
Hereros ein für allemal von künftigen Angriffsplänen abhalten und zugleich die
Stammesstruktur verändern, damit ein starkes Hererovolk nie mehr in der Lage
war, die Schutztruppe an den Rand einer Niederlage zu führen. Jetzt aber was das
Ziel die Hereros zu verfolgen und sie bei einer weiteren Schlacht, endgültig zu
schlagen.
Doch jetzt am Abend des 11.8.1904 waren die deutschen Truppen dezimiert und
verblieben weitgehend auf ihren Positionen. Die Verluste waren so hoch, wie noch
nie in SWA. Fünf Offiziere und 21 Schutztruppler waren gefallen und 7 Offiziere
und 53 Soldaten waren verwundet.
Die Hereros selber, waren von der Kampfkraft der Schutztruppe überrascht, auch
die neu ins Land gekommenen Soldaten, kämpften wie die Alten und die Kommandeure
hatten es verstanden, den neuen Truppen, Alte an das Klima und Land gewöhnte
Truppen beizugeben, die wiederum die weitere Ausbildung machten. Die
Schutztruppe hatte ja genügend Lehrgeld zahlen müssen, wenn es zu Gefechten mit
den Hereros gekommen war. Es muß am Abend des 11.8. im Lager der Hereros zum
Streit zwischen den Alten und den jungen Häuptlingen gekommen sein und während
der Nacht sind dann alle Krieger, teilweise unter Zurücklassung von Vieh und
auch Ausrüstungsgegenständen durch eine Lücke der Schutztruppe geschlüpft, die
zu diesem Zeitpunkt auch nicht in der Lage war, diese geschlossen zu halten.




Teil IV

Zurück blieben große Teile des Viehs, Verwundete und Kranke und alte Hereros.
Die Hauptrückzugsrichtung war Richtung Osten, direkt in die Omaheke hinein, eine
Sandebene, die nur mit wenig Wasserstellen und geringen Bewuchs versehen war.
Warum diese Richtung genommen wurde, ließ sich nie so richtig klären, sicher
hatten die Hereros auch die Lücke zwischen den Abteilungen bemerkt und die
Hererohäuptlinge hatten angenommen, genügend Wasser dort vorzufinden und von
dort aus , weiter die Schutztruppe zu bekämpfen. Eine größere Gruppe Hereros
spaltete sich ab und zog dann nach Norden in Richtung Kaokofeld und dies sollte
eine glückliche Entscheidung gewesen sein.
Generalleutnant von Trotha hatte vor am 12.8. weiter anzugreifen und den Ring um
die Herero zu schließen. Dies gelang jedoch nicht, Abteilung von der Heyde
konnte nicht mehr vorrücken, die Verluste waren zu hoch.
Die insgesamt bei der Schutztruppe mitgeführten 11 Maschinengewehre waren zwar
normalerweise sehr wirkungsvoll, doch auch sie konnten bei dem dichten
Dornenbusch keine große Wirkung erzielen, so daß letztlich der ganz normale
Schutztruppler bei dem Vorgehen in Linie auf sich allein gestellt war, kaum
Kontakt zu den Kameraden links und rechts und vor sich, irgendwo hinter den
Büschen, die an Zahl weit überlegenen Herero.
Also rückte jetzt am Morgen des 12.8. die Schutztruppe Richtung Hamakari vor und
ihren Augen bot sich ein schrecklicher Anblick, die Kanonen hatten durch
direkten Beschuß auf der Ebene auch die dahinterliegenden Unterkünfte der
Hereros zerstört, getötetes Vieh lag umher und auch die Hereros hatten keine
Zeit gefunden, ihre Toten zu begraben. Diese langen noch so, wie sie gefallen
waren.
Eine weitere Aufklärung über die Abteilung Auer beim Heliografen, die weit ins
Land hineinsehen konnten, brachte die Erkenntnis, die Hereros sind weg und eine
große Staubwolke zeigte den Weg.
Es wurde eine Abteilung hinterher geschickt um Kontakt zu halten, aber diese
mußte bald umkehren, da sie nicht genügend Wasser dabei hatte und so wurde der
13.8. ein Tag der Rast im Hamakari und man konnte genügend Tiere auch schlachten
um sich zu verpflegen.
Am 13.8. ging es dann weiter mit der Verfolgung und an den Wasserstellen auf dem
Fluchtweg der Hereros bot sich ein schreckliches Bild. Die Wasserstellen lagen
voller toter Tiere und waren somit nicht mehr brauchbar. Die Deutschen gingen
davon aus, daß diese Wasserstellen mit Absicht vergiftet wurden und in der
Literatur wurde dies auch entsprechend immer geschrieben, Tatsache könnte aber
die Situation so gewesen sein, daß niemand der Hereros die durstigen Rinder
zurückhalten konnte, die halb wahnsinnig vor Durst, das Wasser gewittert hatten
und dorthin losstürmten. Auch hier gab es Auflösungserscheinungen der Hereros,
die Führer derselben, dachten nur noch an ihre Familie innerhalb der Hereros und
so muß es an jeder Wasserstelle ein Chaos gegeben haben. Jede Großfamilie machte
jetzt die eigene Flucht, es war kein Zusammenhalt zwischen den Hereros mehr da.
Nach einigen Tagen haben dann die Deutschen die Verfolgung abgebrochen, waren
sie nicht mehr in der Lage, den Hereros zu folgen, Krankheiten tauchten auf und
die Truppe war zu weiterem Handeln zu schwach.
Von Esdorf schildert in seinen Erinnerungen, daß seine Abteilung, weitgehend
aus alten südwesterfahrenen Schutztrupplern bestehend, auch diese Probleme bei
der Verfolgung hatte und diese somit auch nicht auftragsgemäß ausführen konnte.
Er selbst stand ja im Widerspruch zu der Anordnung von Trotha, die gesamte
Region abzuriegeln. Es sah in von Trotha auch einen nicht guten Soldaten und
schlechten Afrikaner. Von Esdorf war von einem sehr humanitären und christlichen
Bild geprägt, er hatte sich ja 18 Monate vorher von seinem Kommando in SWA
schon einmal aus diesem Grunde abberufen lassen, war jedoch nach Ausbruch des
Krieges gleich wieder zurückgekehrt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich von Esdorf
schon sehr lange in der Wildnis aufgehalten und dort Sturm, Sand, Hunger und
vor allem Wasserknappheit ertragen müssen. Sicher war er über das Geschehen im
Lande per Heliograf immer informiert, doch nur von Trotha hatte den Überblick,
als Gouveneur und Kommandeur der Schutztruppe. Es war die Aufgabe des
Gouverneurs, die Befehle aus dem Reich entsprechend umzusetzen und diese
lauteten, diesen Aufstand niederzuschlagen und dem Volk der Herero die
Möglichkeit zu nehmen, wieder sich zu erheben. Die Abriegelung sollte dafür
sorgen, das sich die Hereros in einer überwachbaren Gegend aufhielten, eventuell
nochmals eine Entscheidungsschlacht führten und auch die Farmen der weiteren
Umgebung von marodierenden Herero-Kriegern oder Banden zu sichern.

Von Esdorf, dessen Abteilung jetzt durch die Abteilung von Heyde verstärkt
worden war, hatte dann noch ein größeres Gefecht am 15.8. bei Omatupa, wobei 5
Schutztruppler fielen und weitere 7 verwundet wurden. Davon einige schwer und
von Esdorf setzte nicht mehr weiter nach, zumal auch die Herero nicht mehr
weiter angreifen konnten und 1200 Rinder am Ort des Geschehens zurückließen, die
natürlich von den Deutschen in Beschlag genommen wurden. Am 29.8. wollte von
Trotha bei Epata die dort versammelten Herero mit 7 Kompanien angreifen, die
jedoch alle nicht in voller Gefechtsstärke waren. Es kam zu einigen
Schußwechseln und die Herero zogen sich weiter in die Omaheke zurück. Jetzt also
3 Wochen nach der Schlacht am Waterberg waren die Hereros immer noch in der Lage
den Deutschen ein Gefecht zu liefern und von Trotha mußte den Eindruck haben,
diese Truppen sind noch lange nicht geschlagen. Hatten doch die Deutschen in
den letzten 3 Wochen auch viele Gefangene gemacht, die überwiegende Mehrzahl der
Hereros vom Waterberg war noch flüchtig.




Teil V

Doch die Spuren an den Wasserlöchern, die von den deutschen Truppen aufgesucht
wurden, sprachen da oft eine ganz andere Sprache. Viele tote und verweste Tiere
langen um die Wasserstellen oder auch darin. Tote Hereros waren auch zu finden,
oder auch Gräber von ihnen. Ab und zu wurden alte Hereros angetroffen, die von
dort aber nicht mitgenommen werden konnten, da die Truppe sehr schnell war und
sich ja im Gefecht befand. Dann wurden Lebensmittel hinterlassen, etwas Wasser,
mehr war nicht zu machen. Ein Volk das seine Alten so aufgegeben hatte, hatte
sich sicher auch schon aufgegeben. Die Hauptleute, unter ihnen auch Samuel
Maharero waren auf der Flucht in das Britisch Betschuanaland und Samuel Maharero
fand dort auch Asyl und kehrte nie mehr nach Südwestafrika zurück und als er
1923 dort starb, wurde er nach SWA überführt und paradoxerweise mit deutschen
Kommandos und von Hereros in deutschen Uniformen , begraben. Der Hererotag,
eigentlich Maharerotag, wird seit 1924 alljährlich am Wochenende nach dem 23.
August gefeiert. Die Hereros gedenken somit ihres Chiefs und Oberhäuptling,
ebenso werden auch die Gräber der gefallenen Schutztruppler aufgesucht, die dort
auf dem Friedhof in Okahandja begraben liegen.
Im Sommer 1905 waren dann noch die letzten Gefechte im Norden zu führen, als
eine Abteilung unter dem Kommando von Major von Mühlenfels 40 Dörfer von
Hereros angriff, bei denen 260 getötet wurden und 810 Hereros gefangen genommen
wurden. Vorher waren laufend größere Viehdiebstähle vorgekommen und die
Schutztruppe wurde zu der Säuberungsaktion gerufen.
Inzwischen hatte das Kommando in SWA gewechselt, von Trotha war abberufen
worden und sein Nachfolger war der Gouverneur Friedrich von Lindequist der auch
gleich einen Rundruf an die Hereros ausschickte, der ein Friedensangebot war und
auch Hilfe für die Hereros bedeutete.
Dieses Angebot wurde auch von den versprengten Hereros genutzt und der
Kriegszustand wurde dann am 31.3.1907 für beendet erklärt. Bis zu diesem
Zeitpunkt waren 12500 Hereros dem Aufruf gefolgt (Missionsgesellschaften gaben
ihnen Unterkunft und Nahrung) und wurden dann mit den inzwischen ca. 8900
kriegsgefangenen Hereros vereinigt . Es waren somit nun ca. 22 000 Hereros auf
dem Gebiet von SWA vorzufinden und dazu kommen noch die Hereros, die nach
Britisch-Betschuanaland geflohen waren (dort meldete der britische Kommissar ca.
1200 Hereros). Weiterhin waren einige Familien an den Atlantik (200 Personen
Walvis Bay, später Südafrika) , und 400 Personen ins Ovamboland, ins Kaokofeld
und auch nach Angola geflohen.
Der Missionar Bernsmann hatte vor dem Ausbruch des Krieges 1904 die Zahl der
Hereros auf ca. 35 000 Hereros geschätzt (davon waren bereits ca.5000
missioniert), so daß in der Konsequenz ca. 12 000 Hereros in dem Krieg mit der
Schutztruppe ihr Leben gelassen hatten.
Geht man davon aus, daß bei den Gefechten vor der Waterbergschlacht ca. 500
deutsche Soldaten getötet oder verwundet wurden und man von einem Verhältnis
1:4 ausgehen muß, so sind bis zur Waterbergschlacht auch mindestens 2000 Hereros
ums Leben gekommen, bzw. wurden verwundet.
Bei der Waterbergschlacht starben oder wurden verwundet auf der Seite der
Schutztruppe im direkten Kampf 86 Soldaten und auch dieser Tag hat sicher den
Hereros über 500 Opfer ( Hererokrieger) gekostet. Die zivilen Opfer in den
Hütten und Pontoks, die durch das Feuer der Kanonen ums Leben kamen, können nur
geschätzt werden. Bei dem was die deutschen Truppen am 12.8. vorfanden, waren es
sicher einige Hundert. Verhängnisvoll war es auch sicher für viele Hererofrauen,
die nahe bei ihren Kriegern sich aufhielten und diese mit Gesängen und Zurufen
immer wieder anfeuerten. Dies war Brauch bei den Hereros und sicher in einer
Schlacht dieses Ausmaßes nicht vernünftig.
Diese Zahl ( 500 bis 1500 ) muß auch angenommen werden, die in den ersten Tagen
der Flucht in die Omaheke dort ihr Leben ließen. Die Schutztruppler, die ihnen
ja nur wenige Kilometer folgten, fanden dann die Toten dort vor.
Zwischen 7000 und 8000 tote Herero muß es dann bei der weiteren Flucht in die
Omaheke gegeben haben, da die ausgetrockneten Wasserstellen nicht zur Verfügung
standen.



Teil VI

Während des Hererokrieges und auch in den Gefechten mit den Namas im Süden, die
ihren Aufstand im September 1904 begannen, sind 553 Soldaten von der
Schutztruppe gefallen oder gelten als vermißt oder sind an Krankheiten
gestorben. Weitere 358 wurden verwundet.
Die Zahl der eingesetzten deutschen Soldaten war nie mehr als 4000-4500 gewesen
und diese Anzahl ist auf das gesamte Land aufgeteilt, so standen im Süden weit
über 800 Soldaten und in den verschiedenen Stützpunkten im Lande mindestens
auch diese Anzahl. So standen im direkten Einsatz gegen die Hereros und die
Namas nicht mehr als 2000-2500 Schutztruppler zur Verfügung.

Dieses Geschehen wurde ja auch im Reich mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und
auch hier hat man der engl. Presse oft mehr geglaubt, als den Zahlen des
Kolonialamtes. Damals kam auch die Legende auf, am Waterberg haben mehr als 10
000 deutsche Soldaten, mit Maschinengewehren ausgerüstet, dort die Hereros in
großer Zahl getötet. Aus Südafrika und auch aus Britisch-Betschuanaland wurden
die Hereros, aber noch mehr die Namas immer unterstützt und auch mit Waffen
versorgt. Gleichzeitig hat man ihnen Asyl bei einem Rückzug aus dem deutschen
Schutzgebiet in diesen Ländern angeboten. Es herrschte Arbeitskräftemangel
damals in der Kolonie und einige Projekte konnten auch nicht so rasch gebaut
werden, wie es die Kolonialregierung sich vorstellte. Das was die Deutschen
bisher in SWA geleistet hatten, ließ auch den Neid der Engländer aufkommen und
führte zu einer einseitigen Betrachtung der Vorgänge. Später als die
Südafrikaner wieder mit den Zulus Schwierigkeiten und auch Angst vor einer
Ausweitung des Aufstandes hatten, stellten sie die Unterstützung der Namas ein.
Die Hereros waren zu diesem Zeitpunkt als Volk nicht mehr existent und konnten
erst im 1. Weltkrieg wieder zu einem Volk zusammenkommen und bekamen später dann
ihr eigenes Siedlungsgebiet in ihrem Stammland vor 1904.
Sehr ausführlich hat sich Herr Horst Drexler, von der Universität in Potsdam mit
diesem Aufstand befaßt und dies in seinem Buch dokumentiert. Dieses wurde
geschrieben zu einer Zeit, als die Sowjetunion sich in Afrika engagierte und
dort fingen auch die ersten Bürgerkriege mit der Hilfe der Sowjetunion und ihrer
Satelliten an. Unter diesem Gesichtspunkt wurde auch das Buch von Drexler
geschrieben. Er kam dann zu dem Schluß, daß es über 80 000 Herero vor 1904
gegeben hatte und bis auf 15 000 Hereros diesen Krieg nicht überlebt hatten.
Also 65 000 Hereros seien durch die Jagd in die Omaheke umgekommen.
Die Hereros, die in den Lagern der Rheinischen Mission Aufnahme fanden (diese
wurden damals Konzentrationslager genannt, ein Begriff, den die Engländer im
Anglo-Burenkrieg eingeführt und gebraucht hatten) führte auch Drexler zu der
Aussage, in diesen Konzentrationslagern seien Tausende ums Leben gekommen. Er
hatte den Begriff Konzentrationslager, mit dem Begriff gleichgesetzt, was wir
seit 1945 darunter verstehen. Aber es paßte alles gut in diese Aussage von
Drexler , es gab ja auch die Abteilung X "Desinformation" bei der Stasi (MfS)
und dort haben einige Personen an dem Buch von Drexler mitgewirkt. War es doch
das Ziel, das imperiale Deutschland von 1904 mit der Bundesrepublik Deutschland
zum Zeitpunkt des Kalten Krieges in Verbindung zu bringen. Drexler selbst war
nie in Namibia gewesen, er hatte aber Zugang zu den Akten des
"Reichskolonialamtes" in Potsdam und hat so durch Verschweigen oder Änderung von
Tatsachen, sowie Fälschung erheblich zur Desinformation und wahrheitswidriger
Darstellung der Kolonialgeschichte in SWA beigetragen und viele Autoren, die
in Reiseführern oder anderen Büchern, dies nur so übernommen haben, taten der
Wahrheit keinen Gefallen.
Die namibische Historikerin Brigitte Lau, hatte bereits die Zahlen von Drexler
als unglaubwürdig bezeichnet. Leider konnte sie ihre Forschungen nicht beenden,
sie starb 1996 bei einem Autounfall. Sie hatte die Zahl der Hereros mit 35000
bis 50 000 ermittelt, jedoch ging sie davon aus, daß am Waterberg viel weniger
sich versammelt hatten.
Bereits im Jahr 1916, also nach der Besetzung SWA durch südafrikanische Truppen,
hat man ein sogenanntes "Blaubuch" herausgebracht und das sollte nachweisen, wie
unfähig die deutschen Kolonialbeamten das Land regierten und wie brutal auch die
deutschen Offiziere der Schutztruppen mit den Eingeborenen umgingen. Doch die
Wirklichkeit war ja anders, aber das Blaubuch wurde herangezogen, dem deutschen
Reich die Kolonien wegzunehmen und im Falle von SWA, diese der Verwaltung von
Südafrika zu unterstellen. Immerhin gab es ja 1908 durch die Diamantenfunde
durch Strauch in Kolmannskuppe einen Grund für Südafrika, jetzt sich um das Land
zu bemühen. Die Infrastruktur war jetzt vorhanden und von den 12 000 Deutschen,
die 1914 im Lande waren, waren die Hälfte ausgewiesen worden und durch neue
Eigentümer aus Südafrika ersetzt worden.
1919 wurden die Hererohäuptlinge gefragt, vor dem Vertrag von Versailles, ob sie
mit einer Wiederkehr der Deutschen einverstanden wären, sie sagten zu dem
Erstauen der südafrikanischen Beamten ja, sie hatten die neuen Herren aus
Südafrika jetzt schon 3 Jahre kennengelernt, die Volksabstimmung bei den Hereros
wurde nicht durchgeführt, denn man wollte sich ja keine Niederlage erlauben.
Das "Blaubuch" wurde in der offiziellen englischen Version 1926 zurückgezogen
und für ungültig erklärt. Die Besetzung des Landes zuerst im Auftrage des
Völkerbundes und später der UNO sollte noch durch Südafrika bis 1990 andauern.
Jetzt ist noch der Begriff "Vernichtungsbefehl" des Generalleutnant von Trotha
zu klären, der seit seiner Veröffentlichung 1905 in den Windhoeker Nachrichten
(ohne Quellennachweis) immer wieder für Diskussionen gesorgt hatte.



Teil VII

Ein Original davon ist nie mehr aufgetaucht, man muß jedoch von diesem Text
ausgehen, da der sozialdemokratische Abgeordnete August Bebel diesen Text in der
131. Reichstagssitzung am 1.12.1906 vorgelesen hat. Der Text war:
"Otjisombongwe, den 2.Oktober 1904
Ich, der große General der deutschen Soldaten, sende diesen Brief an das Volk
der Herero. Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet,
gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile
abgeschnitten und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage der
Volke, jeder, der einen der Kapitäne an einer meiner Stationen als Gefangenen
abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero bringt, 5000 Mark. Das Volk der
Herero muß jetzt das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich
mit dem großen Rohr es dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder
Herero, mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh, erschossen.
Ich nehme keine Weiber und keine Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk
zurück oder lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Herero
von Trotha".
Dieser Text war für seine Zeit nichts außergewöhnliches, gab es doch derartige
Proklamationen laufend. Auch die Drohung zu "Schießen" war damals durchaus
üblich. Jedoch gab es noch sehr strenge Richtlinien in der Armee für den
Gebrach der Waffen und da wurden Verstöße dagegen sehr streng bestraft.
Zu diesem Aufruf erging auch noch ein Truppenbefehl, der den Hereros nicht
zugänglich gemacht wurde, da es sich ja bei dem Aufruf um einen Propagandabrief
handelte. Dieser sogenannte "Vernichtungsbefehl" wurde weltweit veröffentlicht,
der folgende Truppenbefehl jedoch nicht.
" Dieser Erlaß ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen mit dem
Hinzufügen, daß auch der Truppe, die einen Kapitän fängt, die entsprechende
Belohnung zuteil wird, und das Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen
ist, daß über sie hinweggeschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen.
Ich nehme mit Bestimmtheit an, daß dieser Erlaß dazu führen wird, keine
männlichen Gefangenen mehr zu machen, aber nicht zu Greueltaten gegen Weiber und
Kinder ausartet. Diese werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie
hinweggeschossen wird. Die Truppe wird sich des guten Rufes der deutschen
Soldaten bewußt bleiben. Das Kommando. gez. Von Trotha, Generalleutnant."
In der Zwischenzeit hatte die Rheinische Mission sich direkt an den
Reichskanzler gewandt und um Unterstützung gebeten, ihnen bei dem Sammeln und
Unterbringung der weit versprengten Hereros zu helfen und obwohl dies von
Trotha nicht wollte, wurde er angewiesen, sich mit der Rheinischen Mission
dahingehend zu einigen. Gleichzeitig mußte er den Aufruf vom 2.10.1904
zurückziehen.
Die Hereros die den Zeitraum bis zum Dezember 1904 überlebt hatten, konnten
jetzt auf gut gefüllte Wasserlöcher zurückgreifen und auch die Weiden der Rinder
standen wieder zur Verfügung. Jedoch die Versorgungslage war für sie sehr
schlecht und die Rheinische Mission rettete viele von ihnen, da die Entbehrungen
der letzten Monate sich in Krankheiten und schlechter Konstitution auswirkten.
Diese Krankheiten bei den Hereros waren ja auch ein Grund von von Trotha
gewesen, diesen Erlaß herauszugeben, denn auch bei der Truppe grassierten
Krankheiten besonders Typhus und so sollte der Kontakt Truppe und Herero total
vermieden werden.
Drexler erging sich hier soweit in die Behauptung, daß die deutschen Truppen
Massenerschießungen vornahmen und ganze Familien niedergemetzelt wurden. Egal ob
Mann, Frau oder Kind aber da hat er sich wohl mehr an die Phantasie als an die
Wahrheit gehalten. Jeder Soldat der dies gemacht hätte, wäre sofort vor ein
Gericht gekommen und streng bestraft worden.
Heute sind die Hereros in Namibia in der Minderheit (8 %), die Ovambos (51%)
bestimmen seit 1990 durch die Regierungspartei der SWAPO über alle Geschehnisse
im Lande und bei der Wahl 1989 stimmten die Hereros zusammen mit den Weißen im
Lande für die DTA(Turnhallenallianz) deren Führer einmal ihr Großhäuptling
Clemens Kapuuo war, der aber in Katutura 1978 ermordet wurde. Er war
Antikommunist gewesen und die SWAPO war zu diesem Zeitpunkt eine
"Befreiungsarmee" die durch die Sowjetunion und Angola unterstützt wurde. Leider
hat die UNO nur die Resolution 435 unterstützt, die Ovambos und somit die SWAPO
waren bei der DTA nicht vertreten. Die Ovambos haben diese Stimmabgabe nie
vergessen und werden die Hereros auch sicher nicht in der Zukunft besonders
bevorzugen. Es sollten noch weitere 11 Jahre vergehen, bis dann auch in Namibia
Frieden war und die letzte Kolonie in Afrika ein eigener Staat wurde.
Der jetzige Häuptling der Herero, Chief Kuaima Riruako versuchte in den
letzten Jahren Wiedergutmachungszahlungen von der ehemaligen Kolonialmacht
Deutschland, als Rechtsnachfolgerin des "Deutschen Reiches" zu bekommen. In Bonn
lehnte man diese Forderung ab, gab man doch jedes Jahr einige Hundert Millionen
DM für Entwicklungshilfe in Namibia aus, bloß zum Schaden der Herero blieben die
meisten Gelder in Windhoek bei der Regierung hängen. Er sprach dann auch den
Bundespräsident Herzog, während eines Besuches in Namibia, auf diese
Wiedergutmachung an, leider auch für ihn erfolglos.
Eine Eingabe beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag, wegen dem "Genozid"
am Waterberg wurde von dort nicht angenommen und jetzt befassen sich einige
amerikanische Anwälte mit der Klage über 3 Milliarden US $ wegen dem "Genozid"
gegen die Bundesrepublik Deutschland.
Um die Version Völkermord noch zu unterstützen, ist man jetzt schon soweit, eine
Verbindung Waterberg 1904 zu den Konzentrationslager 1941-1945 zu schaffen,
weil seinerzeit ein deutscher Wissenschaftler Eugen Fischer in SWA war und auch
ein Buch geschrieben haben soll, dies wiederum hätte Hitler gelesen. Als Kanzler
der Universität in Berlin soll er seinen Studenten viel über die Rassenlehre
gelehrt haben und auch Josef Mengele, der spätere KZ-Arzt von Buchenwald, soll
einer seiner Studenten gewesen sein. Diesen Phantasien möchte ich hier aber
nicht weiter Raum geben.







Teil VIII

War es nun ein Genozid? Die Tatsachen heute sagen, daß es keiner war. Es gab im
Laufe der Jahre viele Bücher und Untersuchungen zu diesem Thema, doch viele
haben nur abgeschrieben und somit die bereits gängige Meinung zu diesem Thema
erneut wiederholt. Der tragische Dursttod in der Omaheke war kein "Genozid" oder
"Völkermord", es war die Folge einer falschen Einschätzung der Lager, vor der
Schlacht am Waterberg durch die Hereros, sie glaubten bis zum 11.8.1904 an ihren
Sieg und dann die falsche Entscheidung der Häuptlinge, gerade in dieses Gebiet
zu flüchten, das ihnen keine Rettung brachte.

Der Jahrestag der Schlacht am Waterberg wird sich am 11.8.2004 zum 100ersten Mal
jähren. Es werden bis dahin sicher viele Publikationen erscheinen, die Frage
wird sein, schreiben sie wieder bei Drexler ab oder gibt es eigenständige
Untersuchungen. Der Leser meiner Zeilen wird jedoch dazu dann eine
differenzierte Meinungsbildung haben.
sarek

Quellenverzeichnis:
Horst Drexler Südwestafrika unter deutscher Kolonialherrschaft .Der Kampf der
Herero und Nama gegen den deutschen Imperialismus (1884-1915), Akademie Verlag
Berlin (1966)
Ludwig von Estorff Wanderungen und Kämpfe in Südwestafrika, Ostafrika und
Südafrika - 1894-1910
SWA Wissenschaftlichen Gesellschaft, Windhoek
Curt v. Francois Deutsch-Südwest-Afrika Geschichte der Kolonisation bis zum
Ausbruch des Krieges mit den Witbooi -Nachdruck von 1000 Exemplaren durch
Peter's Antiques, Swakopmund 1993
Brigitte Lau Ungewisse Gewissheiten. Der Herero-Deutsche Krieg von 1904-Heft
1/2000- Befunde und Berichte zur deutschen Kolonialgeschichte - Internationaler
Arbeitskreis für Kolonialwissenschaftliche Forschung, Postfach 230104, D 42391
Wuppertal
Klaus M.A. Lorenz Waterberg und Omaheke 1904 - Heft 1/2001 Befunde zur
deutschen Kolonialgeschichte Internationaler Arbeitskreis für
Kolonialwissenschaftliche Forschung, Postfach 230104, D 42391 Wuppertal
Claus Nordbruch Der Hereroaufstand 1904 Kurt Vowinckel Verlag KG, Stegen am
Ammersee
ISBN 3-934531-08-3 Neu 2002 erschienen und sehr zu empfehlen
Otto von Weber Geschichte des Schutzgebietes Deutsch-Südwest-Afrika - 4.Auflage
Windhoek 1985 - SWA Wissenschaftlichen Gesellschaft, Windhoek





Hier die Bilder zum Beitrag:

1. Das am Anfang des Beitrages erwähnte Bild:
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/foto1.jpg

2. Alte Karte von Deustch-Südwest-Afrika, dem heutigen Namibia
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/DSWA.jpg

3. Namibia heute
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/Namibia1.jpg

4. Waterberg in alter Ansicht
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/kantealt.jpg

5. Waterberg heute
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/waterberg1.jpg

6. Blick vom Waterberg
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/waterberg2.jpg

7. von Trotha
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/trotha.jpg

8. Samuel
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/samuel.jpg

9. Skizze der Schlacht am Waterberg
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/schlacht.jpg

10. Alte Schlachtszene
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/soldiers.jpg

11. Soldatenfriedhof
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/friedhof4.jpg

12. Grabsteine
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/grabstein1.jpg
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/grabstein2.jpg

13. Denkmal
http://www.newsatelier.de/bilder/waterberg/denkmal1.jpg

Eine Fortsetzung zu diesem Beitrag finden Sie hier im Forum [Link eingefügt von Walter]


Zuletzt bearbeitet: 09.05.04 22:12 von melahath




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