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Thema: Diakonie Hochfranken in "Schieflage"


Diakonie Hochfranken in finanzieller „Schieflage“

In ungewohnter Offenheit hat die Führungscrew der Diakonie Hochfranken wiederholt von einer „Schieflage“ gesprochen (FP 10.11.2010, 18.06.2011). Die Metapher aus der Schifffahrt lässt einen Havarieschaden und massive Manövrierprobleme vermuten.

Wer aber gehofft hat, vergangene Woche, Dienstag, den 25.10.2011 auf der Mitgliederversammlung des Diakonischen Werkes Hof e.V. Näheres über die tatsächliche Größe des Finanzlecks zu erfahren, wurde enttäuscht. Jahr für Jahr werden horrende Verluste in den Bilanzen ausgewiesen, kritische Rückfragen sind jedoch unerwünscht. Man habe alles im Griff, wird von der Brücke dekretiert. Wer nachfragt ist ein Meuterer. Das Schiff ist unsinkbar. Ende der Diskussion.

Das diakonische Bordpersonal und die zahlende Öffentlichkeit haben ein immer dringlicheres Recht auf schonungslose Aufklärung und Information. Mit ihrer Verschleierungspolitik verstossen Geschäftsführung und Dekan vehement gegen die Auflagen der Transparenzstandards des Bundesverbandes. Die vorherrschende Desinformation ist ein wesentlicher Bestandteil der Krise. Im Interesse der Mitarbeitenden, der Öffentlichkeit und nicht zuletzt im Interesse der Diakonie selber sollen deshalb die Ergebnisse ersatzweise hier veröffentlicht werden. Die Zahlen bieten sicher reichlich Stoff zur Diskussion.

Wir ergänzen die Jahresergebnisse der Diakonie Hochfranken gGmbH (DH) um die Ergebnisse des Hauptgesellschafters Diakonisches Werk Hof e.V. (DW). Das DW trägt mit 79% Gesellschaftsanteilen den allergrössten Anteil an den außer Kontrolle geratenen Risiken. Die Ergebnisse der anderen Gesellschafter liegen uns leider nicht vor. Da es sich aber bei der Stiftung Marienberg (16%) und dem Diakonieverein Rehau (5%) um Minderheitsgesellschafter mit relativ geringen Anteilen handelt, ist das Gesamtbild über den Verbund auch ohne ihre Jahresergebnisse aussagefähig.

7 Mio. € Defizit - Die Bilanzen des Niedergangs

2006 ursprünglicher Jahresabschluss: 562.400 € Gewinn (DH -437.000 € / DW 999.400 €)
2006 nach Bilanzveränderung (Diff. -1,3 Mio.€): -759.300 € Defizit (DH -1.013.100 € / DW 253.800 €)
2007: -1.462.600 € Defizit (DH -1.443.200 € / DW -19.400 €)
2008: -984.700 € Defizit (DH -1.900 € / DW -982.800 €)
2009: -2.824.100 € Defizit (DH -432.600 € / DW -2.391.500 €)
2010: ??? € Defizit (DH, noch nicht veröffentlicht / DW -52.900 €)
Belegtes Gesamtdefizit 2006 – 2010 (ohne DH 2010!): - 6.083.600 €

Die DH Ergebnisse sind jeweils das Saldo aller 6 DH-GmbHs. Durch neue Zahlen ist die Defizitschätzung des Postings vom 3.10.2011 deutlich nach oben zu korrigieren. Quellen: Elektronischer Bundesanzeiger; Rechenschaftsberichte auf DW Mitgliederversammlungen (aktualisiert am 25.10.2011); Aktennotiz zum Jahresabschluss 2006 (31.01.2007).

Legt man die oben erwähnten Bilanzen zu Grunde und schätzt vorsichtig die noch fehlenden Ergebnisse von 2010 und 2011, ist bis Ende des Jahres mit einem Defizit von mindestens 7 Mio. € zu rechnen.



Zuletzt bearbeitet: 15.11.11 08:44 von KLoener


Neues Millionendefizit

Nun ist ja alles klar. Wer den Artikel "Diakonie auf steinigem Weg" von Joachim Dankbar auf der Wirtschaftsseite der Frankenpost vom 18.1.2012 liest, erfährt, dass die finanziellen „Schwierigkeiten“ der Diakonie allein durch „politische Entscheidungen“ des Staates und selbstverständlich durch den „harten Wettbewerb“ verursacht sind, nichts aber mit dem eigenen Aufsichtsrat oder der Geschäftsführung zu tun haben - so sehen es jedenfalls deren Vertreter. Man habe „zügig, zeitnah und effektiv“, ja sogar „schnellstmöglich“ gehandelt, „um Millionenverluste zu verhindern“, so dass die gebeutelte Diakonie nun zwar „noch nicht über den Berg“ aber glücklicherweise doch wieder „auf einem guten Weg“ sei.

Wer seinen kritischen Sachverstand von dieser kirchenamtlichen Heilsprophetie in eigener Sache nicht vernebeln lässt, wird Fragen stellen:
• Wie konnte es 2010 bei so viel selbst beschworener Effektivität und Reaktionsschnelle der Diakonieführung wiederholt zu einem Millionendefizit von diesmal über 2,3 Mio. € kommen?
• Warum werden in einem Bericht des Bayerischen Rundfunks vom 4.1.2012 ganz andere, nicht weniger verwunderliche Erklärungen und Zahlen seitens der Geschäftsführung bemüht? Dort werden wirtschaftliche Fehleinschätzungen im Zusammenhang mit der umstrittenen Schliessung des Bischof-Meiser-Hauses eingeräumt. Das Altenheim im Bahnhofsviertel ist 2010 gegen den Widerstand der Bewohner und vieler Hofer Senioren aufgelöst worden (FP 3.4.2010). Von dieser verblüffenden Defiziterklärung hat man sich zwei Wochen später „schnellstmöglich“ wieder verabschiedet, fällt sie bei genauer Betrachtung doch auf die Diakonieführung selber zurück.
• Wie kommt es, dass Aufsichtsrat Dr. Frisch in eben dieser Radioreportage entgegen der Aussagen von Herrn Saalfrank und Herrn Abt ausdrücklich bestreitet, dass es 2011 zu einem positiven Ergebnis gekommen ist? Wer sagt die Wahrheit?
• Hat der Vorsitzende des Diakonischen Werkes Hof Dr. Frisch etwa Kenntnis darüber, dass man einmal mehr der Tochtergesellschaft Diakonie Hochfranken mit exorbitanten Ausgleichszahlungen aus der Defizitfalle helfen musste? So wie schon 2008 und 2009, als der Mitgliederverein Defizite von zuerst 980 Tausend € und dann sogar 2,4 Mio. € übernahm, um die Bilanzlöcher der Holding zu stopfen, was man sich heute vor der Öffentlichkeit als Erfolg („2008 ein ausgeglichenes Ergebnis“, FP 18.1.2012) anrechnen lassen will.

Diakonisches Werk Hof und Diakonie Hochfranken sind durch die Mehrheitsbeteiligung von 79% sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich ein Verbund. Dadurch, dass Millionenbeträge (aus öffentlichen, jedoch kaum aus kirchlichen Quellen!) durch Zahlenjongleure von einer Kasse in die andere umgebucht werden, ist noch kein Unternehmen saniert worden. Nur eine Ergebniszusammenschau der verbundenen Träger ergibt ein annähernd realistisches Bild. Das Gesamtdefizit der Jahre 2006 bis 2010 beläuft sich auf 8,4 Mio. €, soweit die belastbaren, um die Bilanzen von 2010 ergänzten Zahlen (s. www.ebundesanzeiger.de). Ankündigungen einer wirtschaftlichen „Konsolidierung“ gab es schon viele. Allein an der Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit hapert es, und dies nicht erst seit der unrühmlichen Plagiatsaffäre.
Kaspar Löner


Zuletzt bearbeitet: 20.01.12 14:50 von KLoener


Nun musste sich die Diakonie also den Fragen der Presse zu ihrer wirtschaftlichen Lage stellen.
Ist dies gar der Auftakt für eine journalistische Offensive in Richtung Transparenz kirchlicher und sozialer Dienstleister?
Falls ja, dann freue ich mich bereits darauf, die nächsten Interviews im Teil Regionale Wirtschaft zu lesen. Sicher werden bald dem BRK, der Hospitalstiftung, dem Sozialwerk von Feilitzsch, der Integra, der AWO, allen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, der Caritas, dem SANA-Klinikum, etc. die selben Fragen gestellt. Die Öffentlichkeit wird sich genauso interessieren! Das kann spannend werden! Wie stopft man seine Finanzlöcher, was wird alles "erwirtschaftet"? Das war bezogen auf die Umsätze im Übrigen eine recht unpassende Formulierung. Ansonsten gut nachgefragt.



Sie beziehen sich auf den Artikel in der heutigen Frankenpost: http://www.frankenpost.de/regional/wirtschaft/fp/wirtschaft-fp/Zahlen-sind-kein-Geheimnis;art2448,2026191

Dort wird behauptet, wegen der Gehaltskürzungen im Jahr 2010 habe es keine "Abmahnung" gegeben. Tatsächlich war im Informationsblatt Nr. 1/2011 des Verbandes kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Bayern zu lesen:

Diakonie Hochfranken kürzt Jahressonderzahlung

(vkm) Die Diakonie Hochfranken hat in einer Dienstvereinbarung die Kürzung der Jahressonderzahlung nach § 40 AVR-Bayern für das Jahr 2010 um 17% zur Überwindung der aktuellen wirtschaftlichen Situation beschlossen. Dazu soll es keine Vergütungserhöhung zum 01.01.2011 gemäß der Anlage 3 der AVR-Bayern um geregelte 1,25% geben. Weiterreichende Spar- und Sanierungsmaßnahmen scheinen erforderlich. Nach Aussage der Leitung werde eine solidarische Regelung für alle Mitarbeitenden angestrebt.

„Übersehen“ wurde dabei allerdings, dass die AVR-Bayern eindeutige Vorgaben hinsichtlich der Durchsetzung einer Notfallregelung machen. Diese beinhaltet nach Anlage 7 AVR ein genau definiertes Vorgehen: Die Notlage ist durch einen in Übereinstimmung von Leitung und Mitarbeitervertretung vorgeschlagenen Wirtschaftsprüfer festzustellen, es bedarf unter anderem einer konsequenten Abstimmung zwischen Leitung und Mitarbeitervertretung, eines Konzeptes der Überwindung der wirtschaftlichen Notlage und der Vorlage zur Genehmigung durch die Arbeitsrechtliche Kommission. Damit ist die abgeschlossene Dienstvereinbarung so rechtlich nicht haltbar.

Durch zahlreiche Gespräche und unter Druck des vkm, auch in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Bayern kam es inzwischen zu weiteren Gesprächen, in denen eine Rückkehr in die Legalität vereinbart wurde. Der vkm-Bayern erwartet in den nächsten Wochen konkrete Ergebnisse.

Herr Abt als Geschäftsführer der Diakonie Hochfranken ist inzwischen aus der Arbeitsrechtlichen Kommission Bayern zurückgetreten.

Quelle: http://www.vkm-bayern.de/fileadmin/user_upload/Dateien/4_Informationen/vkm_Nachrichten_Archiv/vkm_Informationen_Nr._01.pdf

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