Evangelisch in Hof, Diskussionsforum


Schreiben Sie Ihre Meinung in unserem Diskussionsforum! Bitte halten Sie sich an die Netiquette.

Sie müssen sich registrieren, damit Sie Beiträge schreiben und nicht nur mitlesen können. Ihre eigenen Beiträge können Sie jederzeit editieren. Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich an den Webmaster! Die Kontaktdaten und die Regeln (Netiquette) für die Nutzung dieses Forums finden Sie im Impressum.

Hospitalkirche Hof

Impressum

Seiten: 1 2 3 4 Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: vom Lachen der Heiligen und Narren ...


Was sie (meine Großmutter) mir erzählte, waren alles katholische Komödien. Dabei war sie doch Anglikanerin. »Großmutter, warum erzählst du mir keine protestantischen Komödien?«
Dass sie der High Church angehörte, also jenem Flügel der Kirche von England, der es eher mit den katholischen Dingen hält als mit den protestantischen, dies zu erklären, war ihr wohl zu heikel. Schweigend sah sie hinaus ins Schneegestöber über Arosa.
»Weißt du, was der Himmel ist?«
Wie sollte ich kleiner katholischer Bub das wissen?
»Der Himmel ist jener unendlich einsame Ort, wo die unendlich einsame protestantische Seele in unendlicher Einsamkeit mit ihrem unendlich einsamen Gotte ringt.« Und sie erzählte mir die Komödie von Robinson Crusoe. Nicht die gefälschte Komödie, die alle kennen, sondern die echte. Die wahre Komödie von Daniel Defoes protestantischer Einsamkeit.
Dann nichts mehr als das Knacken der Mandeln. Und ein leiser anglikanischer Seufzer: »Es gibt sie, die protestantische Komik. Es gibt sie auch. Es gibt sie schon. Man muss nur sehr sehr sorgfältig danach suchen.«
So entstand die Idee zu diesem Buch. Meiner anglikanischen Großmutter zu Ehren habe ich, zwischen Wittenberg und Genf rastlos hin- und herreisend, nach Spurenelementen protestantischer Komik gesucht. Habe, meiner Großmutter nacheifernd, alle 24 Bände der »Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche« durchforscht. Sehr sehr sorgfältig. Habe auch Helmut Thielicke gelesen. Bin sogar zu Peter Berger nach Boston geflogen. Und es wäre falsch zu behaupten, dass ich nicht fündig geworden wäre. In fünf Jahren habe ich immerhin fünfeinhalb protestantische Komödien gefunden.
Ob das reicht?
Im altehrwürdigen Verlagshaus zu Gütersloh, nach bleiernem Schweigen, eine ökumenische Einsicht: »Wir müssen zur katholischen Kirche zurück.«

(Hans Conrad Zander, Warum waren die Mönche so dick - Wahre Komödien aus der Geschichte der Religion, Güthersloher Verlagshaus, S.9f.)

gefunden und überbracht von Johannes Taig




Ja sehr schön, lieber Johannes, wir hatten ja noch nie viel zu lachen ...

Aber jetzt konnte ich's beim besten protestantischen Vorsatz und Willen nicht mehr unterdrücken. Da verteilen sie, die Landeskirchlichen, bei uns wunderhübsche gelbe und grüne Einladungs- und Geh-Zur-Wahl-Erinnerungskärtchen, gemeint ist die KV-Wahl 2006.
Also, wer eben noch entfernt daran gedacht hatte, diesen Termin tatsächlich wahrzunehmen, wird beim Anblick dieser Karte wahrscheinlich sofort reihernd in irgendeiner Ecke liegen und sich bis März 2006 nicht mehr davon erholen. Was meinst Du?

Es grüßt das Forum eben noch erheitert, doch beim näheren Hinschauen muß ich's mir wohl auch nochmal durch den Kopf gehen lassen, Sisam-Ben

Mit dieser hocheinfallsreichen und ebenso hübschen, landeskirchlichen Werbemaßnahme
locken wir 'den Wähler' bestimmt zur Kirchenvorstandswahl 2006 ...



... und tatsächlich, es waren doch 2 Busse da - Herr und Frau Busse ;-)

Das Nähere regelt 'Sisam-Bens landeskirchlicher Amtskarton'
http://www.sisamben.de


Zuletzt bearbeitet: 20.07.15 12:09 von Administrator


Lieber SisamBen,

es ist schon ein Leiden mit der Kirchenwerbung! Da machen es die Nichtkirchlichen schon besser:

Worauf man,
bei mangelnder Erfahrung,
während des Besuchs eines Weihnachtsgottesdienstes
unbedingt achten sollte, oder:

Robert Gernhardts
RATSCHLÄGE FÜR SELTENGEHER


Am heiligen Abend wird der eine oder andere in die Kirche gehen wollen, und es wird für viele das einzige Mal in diesem Jahr sein, dass sie ein Gotteshaus betreten. Einige hilfreiche Hinweise mögen deshalb nicht schaden. Seltengänger tun zunächst einmal gut daran, sich vor dem Kirchgang die passende Bekleidung herauszulegen. Den Damen sei geraten, weder zu kurz noch schulterfrei zu tragen. Warm, aber unauffällig scheint angemessen. Seltengänger beiderlei Geschlechtes sollten sich sinnvollerweise vor dem Kirchgang mittels einer kleinen Mahlzeit eine gewisse Grundlage verschaffen, da Kirchen in der Regel keine Restaurationsbetrie-be sind und auch kleinere Imbisse nicht gereicht werden. Selbst Süßigkeiten – Eiscreme oder Mon Cherie – stehen nicht zur Disposition. Auch der Verzehr mitgebrachten Knabberwerkes ist in Kirchen eher unerwünscht.

So gestärkt macht sich der Seltengänger auf den Weg. Er erkennt sein Ziel vor allem daran, dass statt der üblichen Reklamebeschriftung ein bis zwei von weitem sichtbare Türme Attraktion signalisieren. Wir schreiten nun durch das Eingangsportal und sind zunächst überrascht von der ungeheuren Höhe des Raumes. Dies hat freilich nichts zu besagen: Dort oben spielt sich auch im weiteren Verlauf des Abends nichts ab. Der irritiert schweifende Blick des Seltengängers wird nun vergeblich nach einer Platzanweiserin suchen – zumal der Besuch der Veranstaltung kostenlos ist und also Eintritts- oder Platzkarten nicht ausgegeben werden. Man wird sich danach – ohne freilich zu rennen oder zu schubsen – einen Platz auf einer der aufgestellten Bänke zu erobern haben.

Nun wird, entgegen den Erwartungen des Seltengängers, weder das Licht verlöschen noch die Werbung beginnen. Vielmehr erheben sich die Versammelten zur Begrüßung eines Mannes, der im Vordergrund die weitere Gestaltung des Abends übernehmen wird. Bei gelegentlichen, gemeinsamen Gesängen sei dem Seltengänger geraten, weder lauthals ihm unbekannte Lieder zu improvisieren, noch bei rhythmischen Stellen in das beliebte Schunkeln zu verfallen, etwa mit Hilfe untergehakter Nachbarn. Im Falle von zu absolvierenden Gebeten empfiehlt sich dem Seltengänger ein gesenkter Blick und das Verschränken der Finger. Und zwar verschränkt man seine Finger nicht in die der Nebenstehenden, sondern in die eigenen. Eine kleine Hilfestellung: In fehlerfreier Haltung betet der Seltengänger, wenn er bei diesem Ritual seine Hände etwa so hält, als ob er einen Wellensittich erwürgen wollte.

Im weiteren Verlauf des Abends wird der Solist im Vordergrund einen erhöhten Platz erklimmen, um von dort eine Rede zu halten. Da darf nun, am heutigen Abend, mit der Weihnachtsgeschichte gerechnet werden. Hier scheint ein kleiner Hinweis für Seltengänger angebracht: Bei dem Kind, das in diesem Zusammenhang Erwähnung finden wird, handelt es sich um die gleiche Person, die wir im Vordergrund des Raumes als einen ans Kreuz genagelten Herrn erkennen können. Dies nur, damit Sie auch das Ende der Geschichte kennen, von dem heute Abend freilich nicht die Rede sein wird. Der Mann auf der Kanzel wird im Übrigen einige mehr oder weniger temperamentvolle Appelle an das allgemeine Wohlverhalten der Anwesenden richten. Solche rhetorischen Höhepunkte sollen schweigend zur Kenntnis genommen und nicht mit Ausrufen wie "Bravo, der Mann!", "Weiter so!" oder "Hört, hört!" kommentiert werden. Von Applaus oder gar Pfiffen ist generell abzusehen. Prinzipiell gilt: Der Selten- verhält sich wie der Ständiggeher passiv, unabhängig von der Dauer der Festrede. Auch musikalische Zuspielungen sollen keineswegs mit Rufe wie "Give it to me!" oder "Lauter!" gestört werden, da es sich hierbei um Live-Musik handelt, welche an der Rückwand des Raumes auf einem ungewöhnlich umfangreichen Instrument namens Orgel hergestellt wird.

Zwischendurch sollte weder geraucht noch gar frühzeitig gegangen werden. Gegen Ende der Veranstaltung bekommen Sie von Ihrem Nachbarn einen Beutel voller Geld überreicht. Überschwänglicher Dank ist unangebracht. Sie sollen lediglich Ihrerseits Geld in diesen Beutel hinein-, auf jeden Fall nicht aus ihm heraustun und das Gerät schweigend weiterreichen. Auch beim letzten gemeinsamen Aufstehen wird dann nicht die Nationalhymne zu Gehör gebracht, sondern ein kleines Abschiedslied geistlicher Natur intoniert, an dessen Ende Sie sich gemessenen Schrittes aus der Kirche zu entfernen haben. Der Rest des heiligen Abends schließlich ist dem Seltengänger wieder zur freien Gestaltung überlassen, wobei ihm das eben Erfahrene Richtschnur sein mag oder auch eher nicht.

gefunden in einem Weihnachtsbrief

Johannes Taig



2025

Dekanin G. aus Heilbronn kehrte am Abend des 14.11.2025 erschöpft von einer Gemeindevisitation zurück. Seit die Kirchenbezirke zum wiederholten Male fusioniert wurden, gehörte nun auch Mainhardt im gleichnamigen Wald zu ihrem Kirchenbezirk Unterland/Franken. Die Visitation war anstrengend gewesen. Alle hatten sich beklagt.

Der KGR war ungehalten darüber, dass man laut neuem Pfarrplan von seiner 75%-Stelle nochmals 25% abgeben müsse. Der bisherige Stelleninhaber beklagte sich darüber, dass 5–6 Beerdigungen pro Woche in seinem Seelsorgebezirk mit 3500 Gemeindegliedern doch ein bisschen viel seien. Die ständige Stellvertretung für Amtsbrüder und –schwestern, die wegen Burn-Out-Syndroms ausfielen belaste ihn doch auch in zunehmendem Maße. Leider konnte Dekanin G. nicht die gesamte Pfarrersfamilie begrüßen, die beiden 15 und 17 Jahre alten Kinder waren beim Jobben. »Irgendwie müssen wir ja die erneute solidarische Gehaltskürzung von 3 % in unserem Familienbudget auffangen«, war die verlegene Entschuldigung der Pfarrfrau, die selbst einen Fulltimejob nach »Hartz XXIX« hatte.

Dekanin G. dachte mit Grauen an die Herbstsynode, die in der kommenden Woche im landeskirchlichen Trainingscenter und Wellnesshotel Bad Boll anstand. Früher war sie auch Synodale im Arbeitskreis »Lebendige Solidarität für morgen« gewesen. Die Kürzung des Weihnachtsgeldes vor 20 Jahren hatte sie noch solidarisch mitgetragen. Doch den vom Finanzreferat regelmäßigen weiter geforderten Gehaltskürzungen konnte sie nicht mehr zustimmen, obwohl die Synodenmehrheit immer alles brav, zwar unter Murren, abnickte. Das Ergebnis war, dass die württembergischen Pfarrhaushalte zu den mit am verschuldetsten Personengruppen gehörten. Gnädigerweise war im vergangenen Jahr wieder der Amtszimmerzuschuss in Höhe von 80 E eingeführt worden.

Schnell vertrieb Dekanin G. diese dunklen Gedanken. Für heute Abend musste sie konzentriert sein. Es stand eine weitere Sitzung des Fundraising-Komitees in der Prälatur Nord (früher noch getrennt in Stuttgart und Heilbronn) an. Auch der Manageing-Bishop K. H. wurde erwartet. Nachdem vor 4 Jahren die Stiftskirche in Stuttgart in Robert-Bosch-Kirche und die Heilbronner Kilianskirche in AUDI-Quattro-Kirche umgetauft worden waren und die »Diakonische Werk AG« den Börsengang hinter sich hatte, war die Einnahmesituation der Landeskirche etwas besser geworden. Nun war geplant, in jedem Gemeindehaus ein kostenpflichtiges Hypernetcafé, gesponsert von Würth-Siemens, zu errichten. Dafür sollte der Computerriese das Recht erhalten, die württembergischen Gemeindehäuser mit seinem Logo auszustatten. Die Einnahmen aus den Hypernetcafés sollten dem »Hilfsfonds für bedürftige Mesnerinnen und Mesner« zufließen. Und was ganz neu war: KiaVolkswagen wollte alle württembergischen Pfarrhaushalte, die meisten mit inzwischen über 10 Jahre altem PKW, werbewirksam mit dem neuesten Modell aus seiner mongolischen Produktion ausstatten, mit dem »Dschingis Khan V4,5«, einem Lowcost-PKW mit 45 PS (Solarantrieb), 4 Sitzplätzen und 120 Litern Kofferraumvolumen. Heute Abend sollte also beschlossen werden, ob man dieses Angebot wahrnehmen sollte, oder doch lieber die »Verwaltungsvorschrift über die Benutzung von Dienstkutschen und Fahrrädern in der Seelsorge« dem OKR empfehlen sollte. Hier hatte sich der württembergische Reiterverband und das Team T-Online als Partner angeboten.

Das einzig Positive, an dem Dekanin G. sich wieder aufrichtete war, dass sie kommenden Sonntag, nach 26 Wochen wieder einen freien Tag hatte. Das Leben als Geistliche konnte eben doch noch schön sein.

Harald Schröder
Linsenbergstr. 6
74189 Weinsberg
(Erschienen im Deutschen Pfarrerblatt, Nr.1/2006, S.32)



Zuletzt bearbeitet: 12.02.06 08:28 von Administrator


Bis dahin übrigens:

Schmachten Nonnen in den Klostern,
ja, dann glaubt mir, ist bald Ostern.



Sisam Ben (http://www.sisamben.de)


Zuletzt bearbeitet: 20.07.15 12:10 von Administrator


Fernsehgottesdienste, wie z.B. die zu Ostern aus Hof übertragenen, bilden auch liturgisch ungemein. Hier ein Beispiel:



mit freundlicher Genehmigung von Dekan Saalfrank, der die Gottesdienste hielt.

Johannes Taig (Webmaster)


Zuletzt bearbeitet: 20.07.15 12:10 von Administrator




Pure Irish Butter

Für zwei Dinge ist Irland unter Christenmenschen bekannt: Für die unvergleichlich goldgelbe Butter und für seine unzähligen Segenssprüche. Die erste schmiert man sich genüsslich aufs Brot. Die zweiten bekommt man als dickes Ende eines Gottesdienstes aufs Brot geschmiert.

Der irische Segensspruch soll, so hört man, demnächst in drei Bänden erscheinen. Nun ist Irland ein ziemlich kleines Land, und da darf man schon Zweifel haben, ob es eine derart gewaltige Zahl von Segenssprüchen überhaupt hervorgebracht haben kann. Kurz: Es darf bezweifelt werden, ob überall, wo irischer Segen draufsteht, auch irischer Segen drin ist (oder Segen überhaupt). Es soll auch eine sich rasch ausbreitende Gabe des Heiligen Geistes geben, durch die Geistliche spontan und aus heiterem Himmel in irischen Segenssprüchen zu sprechen beginnen, also sozusagen eine irische Form des Redens in anderen Zungen, der Glossolalie. Wir suchen diese Form in der Bibel vergeblich.

Untersucht man die irischen Segenssprüche auf ihren Gehalt, so können sie folgendermaßen zusammengefasst werden: „Der Herr segne dich in- und auswendig, gebe dir allerorten gutes Wetter, beste Laune und allzeit gute Fahrt." Rund um diesen harten Kern bleibt jede Menge Freiraum für den Wetterbericht (auch für Verkehr und Landwirtschaft), tiefschürfende Betrachtungen über das Wesen von Raum und Zeit, die Anatomie des Menschen und den Kosmos seiner Gefühlsregungen (Friede, Freude, Eierkuchen).

Auch im Evangelischen Gesangbuch finden sich irische Segenssprüche; z.B. nach dem Lied Nr. 637. Aber nur ganz vereinzelt. Und das ist gut so! Man muss sie wirklich nicht in jedem Gottesdienst hören.

Segen heißt, einem anderen Menschen die reine, sprich pure Gegenwart Gottes zusprechen und nicht den Reichtum oder Mangel der eigenen Phantasie und des eigenen Wünschens – auch nicht „viel Kraft und immer wieder gute Gedanken“.

„Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden." (4. Mose 6, 24-26) Dieser uralte Segensspruch hat das Gottesvolk durch seine lange und wechselvolle Geschichte begleitet und man hat nie die Notwendigkeit gesehen, ihn den Verhältnissen oder dem Geschmack des Publikums anzupassen, denn in ihm steckt alles, was notwendig ist, im wahrsten Sinn des Wortes. Auf diesen Segen kann man von Herzen „Amen" sagen.

Denn in diesem Segen wird nichts als die Gegenwart Gottes zugesprochen. Gnade und Frieden gehören zum Wesen Gottes. Hier geht es um Gott allein und nicht um „Gott und Dies und Das“. Meister Eckhart wird nicht müde unsere spirituelle „Kaufmannschaft“ als Irrweg zu kritisieren. Wer Gott sucht und Dies und Das wird Gott auf gar keinen Fall finden. Denn Gott kann nur um seiner selbst willen gesucht, gefunden und geliebt werden. Gerade unsere besten Wünsche und Absichten stehen uns und IHM dabei am allermeisten im Weg.

Nein, ich bin kein Hochkirchler und neuen Texten und Formen im Gottesdienst nicht abgeneigt. Aber wenn es um den Segen geht, gilt für mich: Weniger ist mehr: Weniger Geschwätz der Geistlichkeit und mehr Angesicht Gottes. Der segne Sie nach dem Reichtum seiner (!) Gnade.

Glosse von Johannes Taig


Zuletzt bearbeitet: 20.07.15 12:11 von Administrator


Der klerikale Sprachgebrauch

Besitzen oder staunen
Kompetenz und Charisma


Eine Kompetenz hat man. Oder hat sie nicht. Dann holt man sie sich. Oder entwickelt das Bisschen, das man hat. Der Ort einer Kompetenz im menschlichen Leib ist meist leicht zu bestimmen. Im Zweifelsfall sind es die Ellenbogen. Denn competere heißt immer schon Mit-Bewerber sein, im Wettbewerb liegen, sich auf dem Markt und also in Konkurrenz behaupten. Es erstaunt nicht, dass ein Wir-auch-Protestantismus, dem das Mithalten über fast alles geht, das Wort schnell aufgenommen hat.

Wo im Leib ein Charisma sitzt, ist schwieriger zu bestimmen. Dabei drängt es, paulinisch verstanden, durchaus zur Leibhaftigkeit. Aber es wohnt nicht inne. Es widerfährt von außen, leuchtet durch Menschen hindurch und wird nie zu eigen. Es lässt sich eher entfalten als entwickeln. Die entfaltende Macht weht von außerhalb. Deshalb benennt, wer von Charismen spricht, das Unverfügbare, Erstaunliche und Dankenswerte samt dem bewirkenden Geist gleich mit und relativiert jede Machbarkeit.

Relativiert, also in Beziehung gesetzt wird durch das Wort Charisma aber auch jeder Kompetenzbesitz. Die Gabe verkommt nicht zur Habe, wird nicht zum Gehabe. Wer, statt Kompetenzen zu behaupten, von Charismen spricht, macht mit der Stärke zugleich die Schwächen zum Thema und bekennt gut biblisch, dass er oder sie der Ergänzung durch die Charismen anderer Menschen bedarf.

Kompetenz – der Begriff hatte seine Epoche. Vor dreißig Jahren gebrauchte man ihn sozusagen von unten, als Befreiungsformel. Frauen kamen ihre Stärken auf die Spur. Eine kritische Pädagogik bestritt, dass Begabungsprofile naturgegeben seien, und postulierte ihre Sozialisierbarkeit durch Bildung. Inzwischen ist aus dem Desiderat der Vermittlung durch Bildung längst ein Wahn der Machbarkeit geworden, aus dem emanzipatorischen Streit „von unten“ die Einforderung „von oben.“

Zeit für einen Wechsel? Es könnte sich lohnen, den paulinischen Leitbegriff „Charisma“ nicht nur denen, die sich nach ihm benennen, und einer der Rechtschreibung nicht ganz kundigen Automobilwerbung zu überlassen.

Hintern oder Augen
Vorgesetzt sein und Dienstaufsicht üben


„Fragen Sie bitte Ihren Vorgesetzten.“ – Wen bitte? Hab ich nicht. Bin Pfarrer. Vorgesetzte kennt das evangelische Pfarrerdienstrecht nicht. Es spricht von Dienstaufsicht. Ein schöner Zug: statt Sitzfleisch ein wenig Aufmerksamkeit. Sehen statt sitzen.

Meint man mit der seit kurzem anhebenden Rede von Vorgesetzten – noch schöner: „Dienstvorgesetzten“ oder „Fachvorgesetzten“! – irgendwelche Ebenen zu stärken? (Was übrigens meint das Sprachungetüm von den „zu stärkenden Ebenen“? Mir hängen am Sonntagvormittag zwei leidlich „gestärkte Ebenen“ weiß zum Hals heraus. In Augsburg soll es eine Mesnerin geben, die sich aufs Stärken erschlaffter mittlerer Ebenen besonders gut versteht.)

„Ich will dich mit meinen Augen leiten“ (Ps. 32,8): Wie angenehm, Führung so zu erfahren. Das spricht das Sehnen an, gesehen zu werden und nicht nur gemanagt. Ein Wunsch, der unter Pfarrerinnen und Pfarrern trotz gut gemeinter Anstrengungen zu oft ins Leere geht. Der Blick macht’s. Wie das geht? Nicht „wertschätzen“, um einen Sollwert an „Wertschätzung“ zu erreichen. Hingucken. Bis man etwas findet, das beeindruckt. Keine Angst: Wer sucht, wird finden. Und auf einmal wird stereotype Wertschätzerei zum wirklich beeindruckten Lob und die nötige Zurechtweisung erträglicher.

Hans Schlumberger, Pfarrer, Neuendettelsau
(erschienen im Korrespondenzblatt des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins der ELKB, Nr 8/9, 2006, S. 128f)

Einen hätte ich noch, lieber Kollege Schlumberger:

Kommunikation des Evangeliums

„Dürfte ich das Unwort des Zeitalters bestimmen, so käme nur eines in Frage: kommunizieren. Ein Autor kommuniziert nicht mit seinem Leser. Er sucht ihn zu verführen, zu amüsieren, zu provozieren, zu beleben. Welch einen Reichtum an (noch lebendigen) inneren Bewegungen und entsprechenden Ausdrücken verschlingt ein solch brutales Müllschluckerwort! Mann und Frau kommunizieren nicht miteinander. Die vielfältigen Rätsel, die sie einander aufgeben, fänden ihre schalste Lösung, sobald dieser nichtige Begriff zwischen sie tritt. Ein Katholik, der meint, er kommuniziere mit Gott, gehört auf der Stelle exkommuniziert. Zu Gott betet man, und man unterhält nicht, sondern man empfängt eine Heilige Kommunion. All unsere glücklichen und vergeblichen Versuche, uns mit der Welt zu verständigen, uns zu berühren und zu beeinflussen, die ganze Artenvielfalt unserer Regungen und Absichten fallen der Ödnis und der Monotonie eines soziotechnischen Kurzbegriffs zum Opfer. Damit leisten wir dem Nichtssagenden Vorschub, das unsere Sprache mit großem Appetit auffrisst.“ (Botho Strauß, "Orpheus aus der Tiefgarage", aus: Der Spiegel Nr. 9, 2004, S. 164)

... nicht nur Katholiken ...

mit Grüßen
Johannes Taig


Zuletzt bearbeitet: 16.08.06 14:33 von Administrator


Regeln für den Gemeindeabbau (Der Hauptgottesdienst)

Sie sind so aktuell, weil über sie nicht nur gesprochen wird wie beim Gemeindeaufbau, sondern weil sie mancherorts schon konsequent angewandt werden. Davon konnte ich mich als Student und Vikar und auch jetzt während unserer Urlaube überzeugen.
Präambel: Das Ziel des Gemeindeabbaus ist die leere Kirche.

1. Am leichtesten reduziert man die Zahl der Gottesdienstbesucher durch das unregelmäßige Weglassen von Gottesdiensten und das Zusammenlegen von Gottesdiensten an zentralen Orten.

2. Wenn Ihnen das nicht möglich ist oder Sie es sich noch nicht trauen, dann ändern Sie öfter die Gottesdienstzeiten. Sonst könnte sich jemand an die Gottesdienstzeit gewöhnen und ohne weiteres Nachforschen zum Gottesdienst kommen.

3. Seien Sie bei der Liturgie »flexibel«. Das ist die Gelegenheit, Teile des Gottesdienstes wegzulassen. Und wenn die Gemeinde sie nicht vermisst, brauchen Sie sie auch beim nächsten Gottesdienst nicht mehr einzubauen, praktisch, nicht? Außerdem bietet eine Liturgie mit vielen Änderungen dem Pfarrer die Gelegenheit, ein paar Worte zu reden. Etwa, dass er denkt, jetzt komme das Lied, das er bei einer Rüstzeit als Jugendlicher gesungen hat, oder dass er heute früh vergessen hat, ein frisches Taschentuch einzustecken. Liturgischer Grundsatz: Je öfter Sie die Liturgie ändern, um so weniger Leute kommen, garantiert!

4. Überzeugen Sie im Gottesdienst durch viele Worte. Es gilt das oft gesprochene Wort. Die freien Worte des Pfarrers dürfen nicht von der Liturgie zugedeckt werden. Die Gemeinde hat ein Recht zu erfahren, was Sie gestern zu Mittag gegessen haben. Gemeindeabbau - Motto: Viel Wort - viel leer.

5. Singen Sie im Gottesdienst moderne Lieder aus Ihrer Jugend. Solche Lieder sind wie guter Wein: Nach 20-30 Jahren Liegezeit haben Sie die beste Reife. Und außerdem besitzen sie die größte Aktualität, besonders unter Jugendlichen.

6. Halten Sie mit Ihrer Meinung und Ihren Gefühlen nicht hinterm Berg! So wirken Sie authentisch. So sind Sie erkennbar. So versteht die Gemeinde Sie. Wenn Jesus Christus in den Mittelpunkt des Gottesdienstes rückt, wird aus dem ganzen Gemeindeabbauprojekt nichts.

7. Nehmen Sie deswegen auch nicht Bezug auf die Bibel. Gottes Wort und Gemeindeabbau sind Gegensätze. Außerdem: Vielleicht verletzen Sie jemanden durch die Worte der Bibel. Und das wollen Sie doch nicht.

8. Reduzieren Sie deshalb auch die biblischen Lesungen im Gottesdienst. Oder ersetzen Sie sie durch eine schöne Geschichte aus Ihrem Urlaub oder ein ansprechendes Märchen.

9. Lassen Sie Ihre Predigt fest gegründet sein auf Ihrer Meinung. Alle sollen erfahren, was Sie zu sagen haben und was Sie wissen: solus pastor!

10. Predigen Sie ihre Glaubenszweifel frei heraus. Sowohl Glaube als auch Zweifel sind ansteckend. Ihr Zweifel ist eine gute Waffe gegen eine volle Kirche.

11. Predigen Sie mit konkreten Beispielen, die sicherlich in Ihrer Gemeinde von Interesse sind: Etwa Prostitution, Asylanten, millionenschwere Managergehälter, Obdachlose, Abholzung des Regenwaldes oder zu häufige Gottesdienste. Sie dürfen dabei ruhig mit dem verbalen Finger auf »diese Menschen« zeigen. Nichts ist besser für den Gemeindeabbau als fehlende Relevanz.

12. Wichtig ist bei der Predigt die ausführliche und anschauliche Darstellung eines Problems. Dessen Lösung durch die Bibel können Sie getrost in einem langen Schachtelsatz zusammenfassen, sonst kommen die Leute am nächsten Sonntag wieder.

13. Lassen Sie die Beichte nicht zu. Wer will das schon, beichten? Überdies setzt ein von Sünden befreiter Mensch ungeahnte Kräfte frei. Er könnte nicht nur wieder zum Gottesdienst kommen, sondern er könnte sogar sonst noch in der Kirchgemeinde aktiv werden - Gift für den Gemeindeabbau!

14. Feiern Sie ja nicht Abendmahl im Gottesdienst. Oder wissen Sie nicht, dass die Gemeinde nicht kaputtgehen kann, wenn sie Jesu Christi Gebote erfüllt?

Pfarrer Sebastian Führer
Dammweg 2, 01877 Bischofswerde GT Grodßre
(Erschienen im Deutschen Pfarrerblatt, Nr. 3/2005)



Der TV-Moderator bei der Regensburger Orgeleinweihung durch Papst Benedikt XVI:

"Diese Orgel besitzt eine großartige Vielfalt an unterschiedlichen Pfeifen, genau, wie es auch im Leben der Kirche ist."

Gefunden im Korrespondenzblatt Nr. 1, 2007, letzte Seite.



Hier sehen wir eine davon: Geht in kürzester Zeit allen schwer auf den Senkel und wird doch in jeder Pfarrstellenausschreibung (und erst recht für höhere Dienstgrade) unbedingt gewünscht:



(Quelle: Ausstellungskatalog "Um Himmels Willen" Kirche in der Karikatur. Sehr empfehlenswert.)

Johannes Taig



Zuletzt bearbeitet: 20.07.15 12:11 von Administrator


Hier eine kleine Kostprobe aus den neuen Stories von Woody Allen. Er erzählt, was einem im Zirkus der Esoterik so alles passieren kann. Auszug aus „Irren ist menschlich, schweben göttlich“ in „Pure Anarchie“, kein&aber, 2007, S.16f:

»Und«, sagte meine Frau mit dem wohlwollenden Verständnis, das man den vorzeitig senil Gewordenen entgegenbringt, »hast du dich jetzt entmaterialisiert und hierher transloziert, oder seh ich da ein United-Airlines-Schlabberlätzchen unter deinem Kragen hängen?«

»Dafür war mein Aufenthalt zu kurz«, konterte ich, wütend über ihre leise Unverschämtheit, »aber diesen kleinen Kraftakt habe ich immerhin mitgenommen.« Und damit hob ich zwanzig Zentimeter vom Boden ab und blieb in der Luft stehen, während sie den Mund aufsperrte wie das Monster in Der weiße Hai.

»Ihr Niedrigfrequenz-Besserwisser habt doch keine Ahnung«, rieb ich ihr mit unverhohlener Genugtuung und dennoch verzeihend unter die Nase. Sie stieß einen durchdringenden Schrei wie zur Warnung vor einem feindlichen Fliegerangriff aus und rief unseren Kindern zu, sie sollten sich vor diesem Voodoo-Alptraum in Sicherheit bringen. In diesem Moment merkte ich irgendwie, dass ich nicht runterkam — so sehr ich mich um eine Aufhebung der Levitation bemühte, es erwies sich als unmöglich. Die Folge war ein Tohuwabohu wie in der Kabinenszene von Die Marx Brothers in der Oper: Die Kinder zitterten und brüllten hysterisch, bis die Nachbarn ins Zimmer stürmten, um uns vor dem Blutbad zu retten, das der Lärm befürchten ließ. Ich versuchte die ganze Zeit nach Kräften herunterzukommen und grimassierte und verrenkte mich wie ein Schmierenkomödiant. Schließlich trat meine bessere Hälfte in Aktion und durchtrennte diesen gordischen Knoten der konventionellen Physik, indem sie sich von den Nachbarn einen Ski besorgte und ihn mir mit Wucht über den Kopf schlug, was mich im Nu zurück auf die Erde brachte.

Von Max Endorphin habe ich zuletzt gehört, dass er sich auf Nimmerwiedersehen entmaterialisiert hat. Was Galaxia Sonnenstich und ihr Zentrum des Himmlischen Aufstiegs betrifft, so soll die Steuerfahndung sich ihrer angenommen und sie reinkarniert haben, oder hieß es vielleicht reinhaftiert? Ich selbst habe es bis heute nicht geschafft, noch einmal in der Luft zu stehen oder auch nur den Namen eines einzigen Pferdes vorherzusagen, das über einen sechsten Platz im Aqueduct hinauskam.

Mein Fazit: Nach 25 Jahren seine besten Stories. Unbedingt empfehlenswert! (Bestellen ...)

meint mit herzlichen Grüßen
Johannes Taig



Immerhin!



Diese Schaukastengestaltung hat im Internet die Runde gemacht, wie in unserem Gästebuch zu lesen war.

mit Grüßen
Johannes Taig


Zuletzt bearbeitet: 20.07.15 12:12 von Administrator


Echt katholisch:

Jesus geht durch Nazareth. Da sieht er eine Menschenmenge,die gerade einen Sündiger steinigen will.
Er stellt sich schützend vor ihn hin und ruft mit Donnerstimme:

"Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!"

Da kommt aus der Menge ein Stein geflogen, der ihn am Kopf trifft.

Jesus blickt die Werferin an und meint: "Also Mutter, misch dich bitte nicht ein!"

gefunden vom Webmaster



Die sieben wichtigsten Gründe, weshalb Männer nicht fürs Pfarramt geeignet sind

  • Es ist für Frauen einfach nicht möglich, Männer in Kleidern bzw. Röcken wie dem Talar zu akzeptieren.
  • Manche Männer sehen so gut aus, dass sie Frauen nur vom Beten ablenken würden.
  • Männer sind zu emotional, um Pastoren zu sein. Ihr Benehmen beim Fußball zeigt das deutlich.
  • Der Platz eines Mannes ist in der Armee.
  • Männer sind zu sehr gefährdet, gewalttätig zu werden. Kein wirklich männlicher Mann will einen Streit ohne einen körperlichen Kampf beenden. Das zeigt schon, dass sie schlechte Rollenvorbilder wären und auch in Leitungspositionen gefährlich unstabil wären.
  • Allein schon der Körperbau eines Mannes zeigt, dass er viel eher zu Aufgaben wie Bäumefällen oder Nahkampf mit Berglöwen geeignet ist. Es wäre einfach unnatürlich für ihn, andere Arbeiten zu verrichten.
  • Im Bericht des Neuen Testaments ist es ein Mann, der Jesus verraten hat. So sind der mangelnde Glaube und die darauf folgende Strafe zu einem Symbol der untergeordneten Rolle des Mannes geworden, die er auch einnehmen sollte.

(Gefunden im Web. Herkunft wahrscheinlich aus Kroatien)

mit Grüßen
Johannes Taig

Seiten: 1 2 3 4 Zurück zur Übersicht


Bitte beachten Sie: Wenn Sie in der Übersicht auf "Neues Thema" klicken, eröffnen Sie eine neue Gesprächsrunde. Um in einer Gesprächsrunde auf einen Beitrag zu antworten, rufen Sie das Thema auf und klicken Sie dort in der ersten Zeile eines Beitrags auf "Antworten". Über den Link "Empfehlen" können Sie Beiträge in Ihr soziales Netzwerk posten. Alle Beiträge stellen die Meinung des Verfassers dar. Mehr zu den Regeln des Forums finden Sie im Impressum.