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Thema: Marktsackpfeife - ein Primitivinstrument?


Robert:
Die meisten Marktsäcke kann man meiner Meinung nach eben nur mit einer Davul paaren - will man rein akustisch spielen.
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Wenn man rein akustisch spielt muss man immer darauf achten was lautstärkemäßig zusammen passt. In eine schottischen Pipeband geht eine Akustikgitarre auch unter, genauso wie eine Harfe in einer bayrischen Blasmusik. Das ist aber kein Argument gegen den Markstack. Außer Davul gibt es sicher noch unzählige andere Instrumente, die mit dem Marksack in der Lautstärke mithalten können.
(Was mich mindestens genauso nervt, wie schlechte "Haudraufdudelsackgruppen" sind Fanfarenzüge.)



Es ist nun mal Fakt dass solche Instrumente wie Fanfaren und Blechschalmeien bei Umzügen und Volksfesten sehr gern gesehen werden und beliebt sind. Habe sie alle schon live erlebt. Ich will auf keinen Fall Fanfaren- und Blechschalmeispielern irgendetwas vorwerfen aber sie haben nun mal auch Probleme mit der stimmung der Instrumente. Bei einer Fanfaren- und Blechschalmeianzahl von 20 bis 30 ist es schlicht unmöglich dass alle zueinander harmonisch passen. Damit scheint der Durchschnittsbürger aber kein Problem zu haben da er den Klang nicht anders kennt und ihn so mag.

Um so erstanlicher ist dann der Vorwurf des Normalbürgers dass Sackpfeifen an sich schief klingen. Für mich z.B., der rein gestimmte Borduninstrumente gewöhnt ist, klingt so ein Blechschalmeienzug sehr schräg und penetrant. Und im Jahre 2010 musste ich mit eigenen Ohren erkennen dass der Unterschied zwischen Fanfare und einer Vuvuzela sehr gering sein kann.

Aber man merke; Fanfaren und Blechschalmeine SIND anerkannte Musikinstrumente mit einer langen Spieltradition!

PS: Ich habe einige sehr bekannte Kinderlieder, notiert in F-Dur und D-Dur, ins G-Dur transponiert und auf den Marktsack in G übertragen. Es funktioniert prima.


Zuletzt bearbeitet: 01.05.14 11:28 von Vargan


Also als ich den Begriff "Primitivinstrument" las, dachte ich mir `wer hat denn hier seinen Vorstellungshorizont in die Öffentlichkeit gedrückt?´.

Was ist denn bitte ein "Primitivinstrument"? In Instrumentenkunde wurde mir diese Kategorie nirgends näher gebracht. Ein Triangel ist doch auch ein vollwertiges Instrument - bar jeglicher Chromatik, harmonischer Flexibilität und genrespezifischer Universalitätsansprüche!

Ich spiele Zupfinstrumente und finde gerade die minimalisierenden Zwänge der grundlegenden Konstruktions- und Funktionsweise schön. Viele Pianisten haben zwar den Vorteil eines gargantuanischen Tonumfanges, doch das befähigt die wenigsten Tasterozzis sich innerhalb einer Oktave zu Hause zu fühlen. Wenn der Klangschrank dann noch zu Verstimmung neigt, dann fühle ich mich wirbeldrehenderweise einfach mal im Vorteil.

Was mir auffällt/-fiel war jedoch die Länge des ursprünglichen Beitrages, die auf einen gewissen Rechtfertigungsdrang schließen lässt! Wieso nimmst Du Dir das Ganze so zu Herzen? Der gute Musiker zeigt sich nicht in der Wahl des Instrumentes, sondern im Spiel desselben. Was nützt mir zum Beispiel die gleichschwebende Chromatik meines Griffbretts, wenn ich die dazu nötigen Fingersätze nicht beherrsche?

"Vollwertigkeit" und "allgemeines Ansehen" sind sowieso subjektive Begriffe. Für mich sind z.B. Rapper und DJs keine richtigen Musiker, da ich einen handwerklichen Ansatz im meine Musik-Definition implementiert habe, der das Erwerben von Software und Betätigen von Endlosschleifen-Generatoren nicht mit Inspiration verbindet. Auch fehlt mir hier das grundsätzliche Verständnis von Prosodie, Musiktheorie und rhythmischen Abstrusitäten wie ungeraden Taktarten oder Generalpausen - ABER: ich beginne jetzt keinen Diskurs darüber, ob meine Geschmacksurteile irgendeine Form der Allgemeingültigkeit berühren!

Wenn man mich also kritisiert ("das klingt doch scheiße" oder "kauf Dir mal ein besseres Instrument" sind wiederkehrende Anwürfe), dann nehme ich das gerne hin. Meinungen sind wie Popo-Löcher - jeder hat sie.

Für die Situation des Kritisiertwerdens kann ich keine wirklichen Ratschläge geben! Mir scheint aber, dass ich in ähnlicher Situation schon einmal gewesen bin. Ein Dozent hinterfragte meine Ausdrücke und Schlagworte, drehte mir die Worte im Munde herum und brachte mich an den Rand der betretenden Peinlichkeit. Erst später habe ich heraus gefunden, dass ich die Munition lieferte, dass mein Standpunkt starr und damit angreifbar war. Unter praktizierenden Musikern ist das natürlich auch ein emotionalisiertes Phänomen, man fühlt sich schnell auf den Schlips getreten, möchte den Anderen auch heruntersetzen und schlittert auf diese Weise immer tiefer in den Abgrund der eigenen Unzulänglichkeit. Ich kenne das in gewisser Art auch, habe mich aber immer an die musikalischen Fähigkeiten gehalten und nicht an das Instrument (wer zu einem Schlagzeuger sagt "Du kloppst auch nur mit Stöcken herum", der sagt dem Percussionisten nichts Neues).

Zu guter Letzt noch ein paar Gedanken zur Lautstärke. Dynamische Aspekte wurden von den meisten Leuten die mir bisher begegnet sind massiv unterschätzt. Wenn also der Vorwurf kommt "kannst du nicht leiser spielen" (üblicherweise mit "spiel Du doch lauter" gekontert), dann ist meistens schon etwas an der Kritik dran. Sämtliche Blasinstrumente haben dieses Problem und hierin zeigt sich zu guter Letzt der versierte Instrumentalist: ein möglichst großes Feld an dynamischen Niveaus verrät den guten Zuhörer. Dazu zählt nicht nur das sich- oder die-Anderen-hören, sondern auch die Suche nach akustischen Interventionsmöglichkeiten (Dämpfer, Verstärker). Jegliche Musik die sich in einem stetigen Lautstärkeniveau manifestiert verliert einen Großteil ihres Charmes.

Hinweis: obige Ausführungen stellen meine private Meinung dar und sind nicht als Allgemeinplätze zu verstehen.







Zuletzt bearbeitet: 29.06.14 18:12 von Kralle


Was ist denn bitte ein "Primitivinstrument"?
Das ist eine sehr gute Frage... Man möge sie an jene Personen richten, welche andere Sackpfeifen dem Marktsack gegenüber als "überlegen" halten. Ohne diese Leute würde dieser Thread nicht existieren.

Was mir auffällt/-fiel war jedoch die Länge des ursprünglichen Beitrages, die auf einen gewissen Rechtfertigungsdrang schließen lässt! Wieso nimmst Du Dir das Ganze so zu Herzen?
Eigentlich nehme ich die Sache mit der schlechten Reputation des Marktsackes weder persönlich noch habe ich mich rechtfertigen wollen. Bezüglich seiner Stimmung und seiner musikalischen Fähigkleiten gab es bis dahin im ganzen Internet keine einzige Übersicht, keine Auflistung der möglichen Tonarten und keine Tabelle welche die Abstände zwischen rein gestimmten Marktsack-Tönen deutlich macht.
- Tonabstände der reinen Stimmung beim Marktsack, für A und G
- Die verfügbaren Halbtöne
- Die verfügbaren Tonarten
- Die Kompatibilität mit anderen Instrumenten
Der oder die Anfänger/in sind in dieser Sache normalerweise auf sich selbst gestellt und es ist kein Wunder dass die meisten Marktsacker sich kaum über a-Dorisch und Marktstandards hinaus wagen. Der OP (original post) sollte diese Informationslücke beseitigen. Was ich also eher zu Herzen nahm ist das Fehlen dieser Information und die dadurch bestehende Bildungslücke.

Dynamische Aspekte wurden von den meisten Leuten die mir bisher begegnet sind massiv unterschätzt. ...Jegliche Musik die sich in einem stetigen Lautstärkeniveau manifestiert verliert einen Großteil ihres Charmes.
Genau deswegen bin ich kein Freund der reinen Dudelsackbands, welche eine Melodie mit zwei bis vier Sackpfeifen im Unison spielen. Ein Marktsack klingt richtig gut und abwechslungsreich (meiner Meinung und Geschmack nach) wenn er in ein Enselmble mit verschiedenen Instrumenten inkorporiert wird. Ein Beispiel:
https://www.youtube.com/watch?v=uc6z0khGsMA
Hierbei handelt es sich von einem Steffen Fischer - Marktsack, bestückt mit GHB-Reeds. Da ich den Marktsackspieler im Video persönlich kennen lernen dürfte und seinen Marktsack sogar in den Händen hielt, kann ich versichern es ist ein voll-lauter Marktsack der ordentlich Druck braucht.


Zuletzt bearbeitet: 19.11.14 20:11 von Vargan
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