Fernschachforum des BdF
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Thema: Regelproblematik zu ZÜs


Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

diese Problematik geht alle etwas an, deshalb wäre eine intensive Diskussion sehr hilfreich. Die Ergebnisse der Diskussion werden im Rahmen der zu treffenden Regelung auf jeden Fall gewürdigt, unabhängig davon, ob sie oder ob sie alle auch tatsächlich in der Regelung umgesetzt werden können. Ihre Meinung ist gefragt!

Es geht um Zeitüberschreitungen, insbesondere auch in der DFMM. In der vergangenen Saison gab es seitens eines Spielers mehrere ZÜs, die das Tabellengefüge beeinflussten. In diesem Einzelfall gab es eine Entscheidung des Spielausschusses, die im Wiki des BdF hier abgebildet ist.

Nun geht es darum, durch möglichst weise Vorkehrungen einem Wiederholen entgegen zu wirken bzw. die Folgen eines solchen Vorgangs abzumildern. Zur neuen Saison werden vor allem die folgenden Möglichkeiten intensiv diskutiert:

1.) Im Startschreiben wird festgelegt, dass ein Spieler alle seine Partien verliert, sollte eine Partie per Zeitüberschreitung verloren gehen. Dies gilt auch für schon beendete Partien. Außerdem werden die Mannschaftsleiter darauf aufmerksam gemacht, ihre Kontrollpflicht gegenüber ihren Mannschaftskollegen streng wahrnehmen zu müssen, um zu verhindern, dass eine Partie durch ZÜ verloren geht. Der Mannschaftsleiter kann ggf. einen Spieler austauschen oder im Fall beispielsweise einer Erkrankung eines Spielers für ihn Sonderurlaub beantragen.

2.) Der Vorstand beschließt die Änderung des § 1.3 der SpO mit folgenden Wortlaut: Der Verlust einer Partie durch Zeitüberschreitung kann als nicht ausreichend begründeter bzw. stillschweigender Rücktritt gewertet werden.
Außerdem wird im Startschreiben festgelegt, dass nach der ersten ZÜ eine Ermahnung erfolgt und nach der 2.ZÜ der Spieler auszutauschen ist.


Wie denken Sie darüber? Wie bewerten Sie die angedachten Alternativen hinsichtlich der (turnier-)rechtlichen Aspekte? Und haben Sie vielleicht bessere Ideen!

Machen Sie mit, helfen Sie mit!

Viele Grüße
Uwe Bekemann

(Geschäftsführer)
Deutscher Fernschachbund e. V.


Liebe Schachfreunde,

um es einmal in dürre Worte zu fassen, würde mein Vorschlag wie folgt aussehen:

Wenn ein Spieler in einer Partie die Zeit überschreitet, wird die betroffene Partie auf "Untersuchung" gesetzt. Ebenso werden alle anderen laufenden Partien gesperrt (und die Zeit angehalten), d. h. der betreffende Spieler erhält keine Möglichkeit, weiterhin Züge zu machen. Sodann erhält der Spieler eine Frist von 2-3 Wochen, sich zur ZÜ zu äußern und der Turnierleiter erhält die Möglichkeit herauszufinden, ob der betroffene Spieler sich z. B. im Krankenhaus befindet. Falls dem so ist, ist nur die betroffene Partie verloren.
Ansonsten bin ich dafür, alle Partien in dem betroffenen Turnier zu nullen (auch die bereits beendeten) und ebenso alle anderen noch laufenden Partien in anderen Turnieren.
Darüber hinaus sollte der betreffende Spieler mit einer Spielsperre (2 Jahre) belegt werden und mindestens für 5 Jahre von repräsentativen Einsätzen (Nationalmannschaften, Einladungsturniere) ausgeschlossen werden.

Es kann nicht sein, dass ein Spieler willkürlich Punkte vergibt, sich die Rosinen herauspickt und nur die aussichtsreichen Partien / Turniere fortsetzt. Die Ahndung dieses Verhaltens sollte erheblich sein.
Natürlich können Spieler dann noch immer "Figureneinsteller" (etc.) passieren, aber zumindest ist dann ein Schlupfloch geschlossen.

Viele Grüße
Uwe Staroske




Liebe Schachfreunde,

das ist zwar alles gut gemeint und nachvollziehbar,
aber ...
Entweder ich bin ein fairer Spieler oder ich bin es eben nicht.
Wenn ich unbedingt eine Partie absichtlich verlieren möchte, dann muss ich nicht so blöd sein, die Zeit zu überschreiten oder eine Figur einzustellen.
Ich spiele einfach ein paar Züge ohne Engineunterstützung und schon ist die Stellung aufgabereif und keiner kann mir ans Leder.
Außerdem - wenn man das konsequent umsetzt, würde das wohl den einen oder anderen Betroffenen zum BdF-Austritt bewegen - muß wohl auch nicht sein.

Liebe Grüße
Uwe


Zuletzt bearbeitet: 21.09.17 12:04 von MehlhornU


Alle Partien als verloen werten auch schon gewonnene, bzw.remis? Das dürfte schon rechtlich nicht gehen?
Auf die Prozessflut bin ich gespannt. Na ja so oft kommt es ja nicht vor.
viele Grüße
R.Sikorsky



Nur eine Frage hierzu:

Soll diese Regelung denn bei allen BdF-Turnieren angewendet werden? Oder nur bei bestimmten Turnieren?

MfG
J.Fuchs



Hallo, hier auch meine Meinung zu dem Thema,

"Ansonsten bin ich dafür, alle Partien in dem betroffenen Turnier zu nullen (auch die bereits beendeten) und ebenso alle anderen noch laufenden Partien in anderen Turnieren. "

Eine solch drakonische Strafe würde ich für komplett Überzogen halten.

Man überlege sich einmal, welche Auswirkungen dies u.U. auf laufende Turniere oder gar Meisterschaften haben könnte.

Im übrigen frage ich mich schon ein wenig, wieso diese Diskussion jetzt plötzlich aufkommt. Vor allem weil die nächste DFMM ja schon in Bälde beginnen soll. Da hätte man vielleicht die Diskussion auch etwas früher starten sollen.
Zeitüberschreitungen kommen doch schon immer vor.
Ich verweise auf die Schachfreunde, die in verlorenen Stellungen schon mal die Lust auf´s weiterspielen verlieren. Wurde da auch schon einmal angedacht, alle laufenden Partien zu nullen?
Gerade, weil ich denke dass soche ZÜ´s durchaus ABSICHTLICH geschehen, wohingegen ich bei dem dieser Diskussion zugrunde liegenden Fall davon nicht ausgehe.

Im übrigen hege ich für den Punkt 2.) im Ausgangspost gewisse Sympathien.

Freundliche Grüße
Hermann Hartl


Zuletzt bearbeitet: 21.09.17 20:59 von Hermann


Ansonsten bin ich dafür, alle Partien in dem betroffenen Turnier zu nullen (auch die bereits beendeten) und ebenso alle anderen noch laufenden Partien in anderen Turnieren.
Wenn die Siege für die eigentlich Verlierer nicht in die Wertung gehen wäre ich auch dafür zu nullen.



"Wenn die Siege für die eigentlich Verlierer nicht in die Wertung gehen wäre ich auch dafür zu nullen."

Die Wertung der Partien ist doch überhaupt nicht das Problem.

Stell Dir mal vor, Du spielt die Endrunde eines wichtigen Turnieres, fast alle Partien sind beendet, der Turnierausgang scheint vorgezeichnet und Du liegst aussichtsreich im Rennen.
Und nun wird einer der Turnierteilnehmer, der womöglich noch eine Partie gegen Deinen Hauptkonkurrenten spielt, plötzlich genullt, weil er in einem anderen Turnier die Zeit überschritten hat. Der Turnierverlauf würde doch komplett über den Haufen geworfen werden, unbeteiligte Spieler würden durch so eine Entscheidung womöglich einen wahrscheinlchen Turniersieg einbüßen. Sowas kann nicht gerecht sein, ich rate von so einer Vorgehensweise dringend ab.


Zuletzt bearbeitet: 21.09.17 22:44 von Hermann


Ich denke auch, dass die Spielordnung (nicht nur für Mannschaftsturniere) in diesem Punkt verändert und verbessert werden sollte. In dem betreffenden Fall wurden bekannterweise vier der acht Partien durch ZÜ entschieden: drei innerhalb der ersten 10 Züge und die vierte in einem besserstehenden, eigentlich "unverlierbarem" Endspiel.

Der Mannschaftsführer konnte im Übrigen nicht eingreifen, da der betreffende Spieler dieses selber war (und in der kommenden Saison wieder ist).

So wurde das Turnier zu einer besseren Lotterie, wobei höchstens überrascht, dass nicht der Titelkampf, sehr wohl aber der Abstieg hierdurch beeinflusst wurde.
Nicht überraschend für mich ist, dass die so ermittelte Abstiegsmannschaft offensichtlich in der kommenden Saison nicht wieder antritt.
Ob nun die geringere Teilnehmerzahl in der 12. DFMM hiermit in Zusammenhang zu bringen ist, bleibt Spekulation.

Als Konsequenz aus diesen Vorfällen bin ich weitgehend mit dem Vorschlag von Uwe Staroske einverstanden. Dies betrifft vor allem die Möglichkeit weitergehender Sanktionen. Mitglieder verlieren kann man auch durch unsportliche Vorfälle.
Kombiniert oder teilweise ersetzt werden könnte dieser Vorschlag mit Punkt 2 von Uwe Bekemann.

Viele Grüße
Gerhard Müller




In der 4.Vorrunde zur 48.DFM und der 11.DFMM-1.Bundesliga hat es 5 Partien gegeben, die in Gewinnstellung oder gleicher Position plötzlich verloren wurden und zwar durch Bedienungsfehler bzw. Zeitüberschreitungen.Die Konsequenzen für einzelne Spieler und Mannschaften waren beträchtlich, die Abschlußtabellen eigentlich wertlos.Es gab Proteste, die alle abgelehnt wurden,lediglich das Verhalten eines Spielers wurde "mißbilligt". Weitere Konsequenzen gab es nicht.Turnierleitung und falls gefordert auch Turnierausschuß und Spielausschuß müssen für einen ordnungsgemäßen Turnierablauf sorgen, falls es, wie in den angesprochenen Turnieren, Probleme gibt, dann sollten auch Maßnahmen möglich sein, die nicht im Regelwerk stehen, die "Bestrafung" von Spielern ist dann völlig unwichtig. Lassen Sie die gebeutelten Bremer auch weiter in der Bundesliga spielen, geben den betroffenen Spielern in 48.DFM/04,die bei Turnierende an dritter oder vierter Stelle liegen, eine
Endrundenchance. Das alles auch jetzt noch machbar.
Es ist zu begrüßen, daß endlich Bewegung in die Debatte über die Regeln kommt.
Henner Hamann




Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

mit meinem Ausgangsposting wollte ich allein die öffentliche Diskussion einleiten und Sie darin einbinden. Ich habe darin nicht meine Auffassung beschrieben, weil ich der Gefahr vorbeugen wollte, die Diskussion ungewollt in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Meine Meinung zu einer denkbaren Regelfassung möchte ich auch weiterhin noch außen vor lassen. Allerdings halte ich es für notwendig, die Spielordnung dafür zu ändern. Nur über das Startschreiben wäre aus meiner Sicht nicht korrekt, da es sich an das beschlossene Regelwerk halten muss.
Auch bin ich der Ansicht, dass eine Änderung zur ZÜ nicht allein die Mannschaftsmeisterschaft betreffen dürfte, sondern für alle Turniere gelten müsste. Dies spräche nicht dagegen, in Details zu unterscheiden.

Viele Grüße
Uwe Bekemann

(Geschäftsführer)
Deutscher Fernschachbund e. V.


Liebe Schachfreunde, lieber Uwe

in der Tat sollte eine Neuregelung nicht nur für die DFMM gelten (sondern für alle BdF Turniere) und fest im Regelwerk verankert werden. Eine reine Änderung des Startschreibens reicht nicht. So habe ich es in meinem ersten Posting auch gemeint, ohne es ausdrücklich zu erwähnen.

Viele Grüße
Uwe Staroske



Die vom Vorstand vorgeschlagene Massnahme erscheint mir - insbesondere, wenn ein Spieler nur eine Partie durch ZÜ verliert - recht hart, wenn man bedenkt, daß andererseits die in keiner Weise begründete und willkürliche Aufgabe einer gewonnenen Partie - so geschehen in Vorrunde zur 48. DFM - als völlig legitim und regelkonform seitens der Turnierleitung interpretiert wird.

Eine ZÜ bei Krankheit, Arbeitsüberlastung im Beruf etc. kann ich mir durchaus vorstellen, eine willkürliche Aufgabe einer gewonnenen Partie hingegen nicht. Wenn überhaupt, dann sollte letzteres Verhalten als stillschweigender Rücktritt gewertet werden.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Roland Even



Lieber Schachfreund Staroske,

ich gebe Ihnen vollkommen recht !

Punkte dürfen nicht willkürlich vergeben werden !

Sehen Sie sich dazu bitte die 48. DFM- Vorrunde an, in der eine gewonnene Partie vom Spieler einfach und ohne erkennbaren Grund aufgegeben wurde.

Die Angelegenheit wurde bereits im Januar 2017 hier im Forum diskutiert, man war hier aber einhellig anderer Meinung. Der Punkt wurde gewertet, er entscheidet mäglicherweise sogar über den Einzug ins Finale der 48. DFM. Sanktionen gegenüber dem betreffenden Spieler bzw. eine Korrektur der Tabelle erfolgten hingegen trotz Protestes mehrerer Spieler nicht.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Dr. Roland Even



Fortsetzung meines Beitrages vom 22.9.
Jede Aktion eines Spielers, die andere Spieler des Turniers benachteiligt, ist ein Verstoß gegen §1 der SPO.
Alle noch laufenden Partien werden gestoppt. Die TL entscheidet über weitere Maßnahmen, um den Schaden für das Turnier und deren Teilnehmer zu minimieren. Zu den Aktionen, die gegen §1 verstoßen, zählen z.B. jede ZÜ
(egal ob Verlust-oder Gewinnstellung, Ausnahme Krankenhaus o.ä.), Aufgabe in Gewinnstellung einfach so oder durch Bedienfehler.
ZÜs und Fehler, die ganze Turniere belasten wird es auch weiterhin geben, aber die "Verursacher auf der Warteliste" sollten besser als bisher über die Konse-
quenzeninformiert werden, und die Verantwortlichen im BdF müssen präzisere "Hilfsmittel" bekommen, um Schäden,
die durch das Fehlverhalten von Spielern entstehen, einigermaßen reparieren zu können.
Hilfreich wäre auch ein Verzicht auf alle Kann-Bestimmungen im Regelwerk.
Henner Hamann


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