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Thema: Liebeslügen 20.10.2017 Frankenthal


Aktueller Bericht aus der Rheinpfalz, ich war ja selbst vor Ort und muss sagen dass die Stimmung im Saal sehr gut war. Es gab oft Szenenapplaus und Lacher ließen sich natürlich auch nicht vermeiden :-)

Kultur Regional

Betrogene und Betrügerin
Ildiko von Kürthys Theaterdebüt „Liebeslügen“ im Frankenthaler Congress-Forum spricht vor allem Frauen an

von Frauke Kaesler-Probst


Über Liebe, Lügen und Treue ging es, wie der Name schon versprach, in der Komödie „Liebeslügen – oder Treue ist auch keine Lösung“ am Freitagabend im Congress-Forum. Dabei zeichnete sich Ildiko von Kürthys Theaterdebüt unter der Regie von Andreas Kaufmann durch Wortwitz, Schlüsselsätze und zahlreiche Wiedererkennungseffekte für die weiblichen Theatergäste aus.

Vollbesetzte Stuhlreihen mit rund 90 Prozent weiblichem Publikum auf der einen, drei ganz unterschiedliche Freundinnen in den Dreißigern auf der anderen Seite. So zeigte sich das Congress-Forum beim Gastspiel des Tournee-Theaters Thepiskarren und des Ernst Deutsch Theaters Hamburg.Ort des Geschehens ist dabei eine Szenebar, in der sich die drei Frauen über Probleme des Älterwerdens und – vor allem – mit den Männern und in der Liebe unterhalten. Die Bühne, mit einer großen Couch ausgestattet, erscheint dabei jedoch eher wie ein Wohnzimmer als eine Bar, zumal sich Birgit (Jasmin Wagner), Natalie (Anke Fiedler) und Julia (Sandrine Giuraud) auf dem Sofa fläzen, mit davor stehendem Sandspielzeug hantieren oder mit Julias Sohn, der in der Nachbarwohnung schläft, per Babyphon reden.
Über die Verhältnisse wird der Zuschauer gleich zu Beginn des Stückes anhand eines Whatsapp-Chats informiert, der eins zu eins an einer großen Smartphone-Projektion eingeblendet wird. Natalie hat demnach ein geheimes Verhältnis mit Julias Mann. Nun gibt ein Wort das andere, dabei mutiert fast jeder zweite Satz zum Schlüsselsatz mit Wortwitz, Lebensweisheiten und hohem Wiedererkennungseffekt in der Frauenwelt.

So sagt Natalie über ihre Affäre, diese sei „eine perfekte Mischung aus Waschlappen und Bauarbeiter“ und bemerkt „Sicherheit oder Leidenschaft, Lust oder Liebe. Für das Abenteuer zahlt man immer einen hohen Preis“. Sie sieht sich als die „Böse“ der drei Freundinnen, weil sich ihr Liebesleben durch Abenteuer und wechselnde Affären auszeichnet. Doch eigentlich will auch sie sein wie ihre biedere Freundin Julia: „Kapiert ihr nicht? Ich will die Betrogene sein, nicht die Betrügerin. Ich will den Alltag, der euch auf den Wecker geht!“

Über ihren Sohn beklagt sich Julia, die Treue für das oberste Gut hält und von den Anstrengungen des Ehefrau- und Mutterdaseins berichtet. Dabei ergeben sich zwischen ihr und Natalie, ihrem krassen Gegenteil, immer wieder amüsante Wortgeplänkel, die an den Begriffen Treue und Moral herumreißen wie an einem alten Stück Stoff.

Ausgleichend wirkt dagegen Birgit: „Ich war schon immer die Langweilige, Solide“, sagt sie über sich selbst. Und stellt fest: „Nicht verzeihen ist wie ein Darmverschluss. Da verfaulst du von innen“. Sie würde ihrem Mann einen Fehltritt zugestehen. Doch im Laufe des Stücks entpuppt sich die quirlige Natalie, authentisch gespielt von Anke Fiedler, als ebenso Betrogene. Denn es kommt heraus, dass Birgit ein Kind von Julias Mann erwartet, nachdem ihr eigener Gatte zeugungsunfähig ist.

Der Zuschauer leidet still mit der moralischen Julia, deren Mann mit zwei Freundinnen gleichzeitig fremd geht – wo doch gerade ihr Treue und Ehe so wichtig sind. Am Ende des rund neunzigminütigen Stücks zieht Natalie als ebenso Betrogene die Konsequenzen und trennt sich von Julias Mann.

Diese beschließt die Komödie mit einem Telefongespräch und sorgt dabei für eine letzte, gänzlich unerwartete Wendung, die dem Treuebegriff nun den endgültigen Todesstoß versetzt.

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Frankenthaler Zeitung - Nr. 246
Datum Montag, den 23. Oktober 2017
Seite 24