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Thema: Medienberichte Juli-Sept 2011


Hier die Beiträge.


Zuletzt bearbeitet: 05.07.11 12:50 von Administrator


BAZL bewilligt nächtliche Messflüge am Flughafen Zürich

Bern, 01.07.2011 - Der Flughafen Zürich kann im Sommer zwei Serien von Messflügen ausserhalb der Betriebszeiten durchführen lassen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat ein entsprechendes Gesuch der Flughafen Zürich AG teilweise gutgeheissen. Nicht genehmigt hat das Amt Messflüge in den kommenden Jahren.

Gemäss den internationalen Normen müssen die Funktionalität und Genauigkeit von Navigationsanlagen auf Flughäfen zweimal jährlich überprüft werden. Dazu ist jeweils eine Reihe von Anflügen mit einem speziell ausgerüsteten Messflugzeug erforderlich. Ausgeführt werden die Flüge durch die Flugsicherungsfirma Skyguide. Um den Verkehr am Flughafen nicht zu behindern, liess die Flughafen Zürich AG diese Flüge bisher teilweise ausserhalb der Betriebszeiten durchführen. Abgestützt war diese Praxis auf einen entsprechenden Passus im Betriebsreglement des Flughafens Zürich.

Das neu in Kraft getretene so genannte vorläufige Betriebsreglement enthält diese Möglichkeit nicht mehr. Deshalb hat die Flughafen Zürich AG beim BAZL um eine Ausnahmebewilligung für nächtliche Messflüge nachgesucht. Das BAZL verfügt über die Kompetenz, Messflüge auf den Landesflughäfen Genf und Zürich während der Nacht zu bewilligen. Voraussetzung ist, dass sich diese Flüge nicht ordnungsgemäss während des Tagesbetriebs abwickeln lassen.

Das BAZL hat nun der Flughafen Zürich AG die Bewilligung erteilt, während des laufenden Sommers zwei Serien von Messflügen bei Bedarf ausserhalb der Betriebszeiten vornehmen zu lassen. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens im Sommer ist das Amt zum Schluss gekommen, dass die Messflüge die Stabilität des Betriebsablaufs beeinträchtigen könnten. Weitere vom Flughafen beantragte Flüge für die kommenden Jahre hat das BAZL jedoch vorläufig abgelehnt. Auch bei künftigen Messflügen soll der Bedarf für die Erteilung einer Ausnahme vom Betriebsreglement auf Gesuch hin neu geprüft werden.

Die erste Reihe von Messflügen findet vom 4. bis 8. Juli, die zweite vom 29. August bis 9. September 2011 statt. In dieser Zeit dürfen die Messflüge, die mit einem lärmgünstigen Propellerflugzeug durchgeführt werden, nach Betriebsschluss um 23.30 Uhr stattfinden.

Adresse für Rückfragen:

Für Medienschaffende:
Kommunikation BAZL
Telefon: 031 324 23 35

Warum bewilligt das BAZL solche Messungen mitten in der Nacht?



BFO Newsletter

Zoff bei den Südschneisern

Wie so oft übertreiben die Südschneisen-Vertreter bei ihren Prophezeiungen bezüglich Lärmauswirkungen der künftigen Flugregime. Nun erhalten sie unerwartet Gegenwind aus den eigenen Reihen. Sowohl die politischen Verbände (Fluglärmforum Süd) wie auch die Gemeindevertreter im Süden sehen es weit weniger schlimm, als der VFSN. http://www.zsz.ch/zszmeilen/storys.cfm?vID=16104

Morf und sein Verein VFSN malen seit Jahren den Teufel an die Wand und meinen damit den Mitgliederschwund stoppen zu können. Vor allem im Kampf für einen Pistenausbau und eine Umlagerung der heutigen Südanflüge auf die anderen drei Regionen bedient man sich Schreckensszenarien, um damit einen massiven Pistenausbau zu rechtfertigen. Mit ihrer Haltung stehen sie jedoch völlig alleine. Keine einzige politische Partei, keine andere Bürgerorganisation im Kanton Zürich wird die Behördeninitiative "Stopp Pistenausbau" ablehnen und gleichzeitig den Gegenvorschlag der Südschneiser unterstützen.

Es kann uns nur Recht sein, wenn die vom Südanflug betroffenen Bürger von ihren eigenen Gemeindevertretern lesen und hören, dass alles gar nicht so schlimm kommen wird. Dann wird man am 27.11.2011 auch in der Südschneise JA zu einem Stopp Pistenausbau stimmen und damit unsinnige Ausgaben von Total 2,4 Milliarden Franken verhindern. ...und mit dieser Haltung ist man alles andere als naiv!

BÜRGERPROTEST FLUGLÄRM OST
Email: info@fluglaerm-ost.ch

Kommentar: Rührend, wie sie die Fairteiler aus dem Osten um die Belänge der Südschneiser kümmern. Dabei übersehen sie, dass das Fluglärmforum Süd die Behördeninitiative der Fairteiler ablehnt. Diesbezüglich gibt es gar keinen Konflikt zwischen Bürgerorganisation und Politik.

Admin: Quellenangabe BFO Newsletter ergänzt.


Zuletzt bearbeitet: 03.07.11 23:07 von Administrator


Ui, da kommen einem Ja die Tränli.

http://www.lebenstattlaerm.ch/

Ob man Erfolg hat, wenn man das SVP-Sünneli für so einen Mist kidnapt?



Results for lebenstattlaerm.ch :

http://www.ip-address.org/tracer/ip-whois.php

whois: This information is subject to an Acceptable Use Policy.
See http://www.nic.ch/terms/aup.html

Domain name:
lebenstattlaerm.ch

Holder of domain name:
Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich
Jäggi Dr. Andreas
Dorfstrasse 17
CH-8155 Niederhasli
Switzerland

Contractual Language: German

DNSSEC:N

Name servers:
ns1.cyon.ch [194.126.200.5]
ns2.cyon.ch [82.197.166.234]



Andreas Jäggi Kommunikation

http://www.jaeggiservices.ch/

Portrait

Berufliche Stationen
2003 – 2007: Geschäftsführer Mediapolis Zürich
2000 – 2002: Head Corporate Communications CS FS
1992 – 1999: Leiter Public Relations Swiss Re
1988 – 1991: PR-Berater Vieli Werbe- und Mediaberatung

Netzwerk

Für die Abwicklung komplexer und ressourcenintensiver Projekte garantiert die enge Kooperation mit einer der führenden Schweizer Kommunikationsagenturen, www.farner.ch , für die Andreas Jäggi als Senior Consultant tätig ist.



20 Minuten - Flugzeuge ändern das Wetter am Flughafen

Der Flugverkehr beeinflusst das Wetter in der Nähe von Flughäfen. Die Maschinen pflügen Löcher oder ganze Kanäle in die Wolken und lassen es so regnen oder schneien.

Dass Flugzeuge Löcher und Kanäle in Wolken erzeugen können, wird bereits seit den 1940er-Jahren beobachtet. Das Phänomen tritt an Wolken auf, die sogenanntes unterkühltes Wasser enthalten. Dieses Wasser bleibt bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius flüssig, wenn in der Wolke Kristallisationskeime fehlen, an denen es gefrieren kann.

Genau solche Kristallisationskeime entstünden durch die Flugzeuge, schreiben die Forscher um Andrew Heymsfield vom US- Atmosphärenforschungszentrum NCAR in Boulder (Colorado) im Fachmagazin «Science». Das geschieht so: Hinter einem Propeller und über den Tragflächen eines Flugzeuges dehnt sich die Luft aus, und die Temperaturen sinken rapide um bis zu 30 Grad.

Lawinenartiges Wachstum

Durch diesen Temperatursturz können Tropfen des unterkühlten Wassers in den Wolken spontan zu kleinen Eiskörnern gefrieren. Sind erst einige Eiskörner vorhanden, wachsen diese lawinenartig weiter, der Anteil des unterkühlten Wassers schrumpft, Schnee oder Regen fällt zur Erde. Der Prozess ähnelt dem Impfen von Wolken mit Kondensationskeimen, mit denen Wetterflieger Regen erzeugen.

In Computersimulationen zeigten die Forscher, dass auf diese Weise Löcher in den Wolken entstehen, die schnell wachsen. Dies kommt daher, dass bei dem Vorgang Wärme gebildet wird, die zu einem leichten Auftrieb führt. An den Rändern des Loches entstehen ausgleichende Abwinde, die das Loch zusätzlich wachsen lassen.

Heymsfield und seine Mitarbeiter werteten auch Wolkenbilder aus, die am 29. Januar 2007 in Texas und benachbarten Bundesstaaten von einem Satelliten aufgezeichnet worden waren. Einige von den Löchern, die auf den Bildern zu sehen sind, erreichten im Verlauf der vierstündigen Beobachtungszeit eine Länge von mehr als 100 Kilometern.

Mehr Regen und Schnee

Auswertungen von Flugverkehrsdaten ergaben, dass ganz unterschiedliche Flugzeugtypen die Wolkenlöcher entstehen lassen können, von grossen Passagierjets über Militärmaschinen bis hin zu kleinen Privatflugzeugen. Ob in einer Wolke Löcher oder Kanäle entstehen, hänge von der Flugbahn des Flugzeugs ab, schreiben die Forscher.

Wolken mit unterkühltem Wasser fänden sich im Durchschnitt fünf bis sechs Prozent des Jahres in einem Umkreis von 100 Kilometern um die grossen Flughäfen, berichten die Wissenschaftler weiter. Sie hatten die Wetterbedingung an sieben Flughäfen untersucht, darunter auch Frankfurt, London und Paris.

Sie gehen deshalb davon aus, dass es in der Nähe der Flughäfen vor allem in mittleren Breiten und in kühleren Monaten häufiger regne oder schneie. Das globale Klima werde durch diese Vorgänge vermutlich nicht verändert. (sda)



«Die Zeit der nationalen Alleingänge läuft ab»
Peter Müller, Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, zur Zukunft der Flugsicherung

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/die_zeit_der_nationalen_alleingaenge_laeuft_ab_1.11191639.html

Für Bazl-Direktor Peter Müller ist klar, dass Lufträume grenzüberschreitend aus einer Hand bewirtschaftet werden müssen. Im Zürcher Anflugstreit will er neue Modelle sondieren.

Interview: Hanspeter Mettler und Stefan Hotz



«Eine Blamage für den Bundesrat»
Von Hubert Mooser. Aktualisiert um 10:33 Uhr

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Eine-Blamage-fuer-den-Bundesrat/story/29538274


Bewegung im Steuerstreit mit Italien: Was der Landesregierung nicht gelingt, schafft die Tessiner Kantonsregierung in wenigen Tagen. Mit der Blockierung von 30 Millionen Franken.

Kommentar: Warum nimmt sich der Kanton Zürich nicht ein Beispiel an den Tessinern? Einfach mal Grenze dicht für die tausenden von Frenzgängern mit WT-Kennzeichen, es könnte was bewirken. Leider hat man nicht mal den Mut, das vertraglich bestehende Taxiverbot für die süddeutschen Fuhrhalter durchzusetzen.



FREITAG, 08. JULI 2011

Kloten

Neuer Anlauf nach Bruchlandung

http://www.zuonline.ch/storys/storys.cfm?vID=17747

Die Flughafenstadt will endlich Planungssicherheit. Nachdem die erste Version der revidierten Bau- und Zonenordnung durch den Flughafen gebodigt wurde, liegt nun eine neue Variante vor. Nicht alle haben ihre Freude daran.

Karin Wenger

Die Flughafen Zürich AG hat es ihrer Standortgemeinde nicht leicht gemacht. Der erste Entwurf der revidierte Bau- und Zonenordnung (BZO) wurde durch ihren Rekurs blockiert. Es folgte ein langer Rechtsstreit (siehe kursiv). Nun liegt eine Revision der Revision vor.

Bauvorstand Max Eberhard macht kein Geheimnis daraus, dass er von dieser Kompromisslösung nicht gerade begeistert ist. Obschon im Zentrum teilweise fünfgeschossig gebaut werden könne, dürften kaum mehr Wohnungen erstellt werden, sondern hauptsächlich Büro- und Gewerberäume. «Das ist nicht in unserem Sinn. Nur wenn im Zentrum gewohnt und nicht nur gearbeitet wird, ist es belebt», sagt Eberhard. Dabei gehe es in erster Linie nicht darum, mehr Einwohner zu erhalten. Kloten mit seinen 18 000 Einwohnern brauche rund 50 Wohnungen jährlich, damit die Bevölkerungszahl konstant bleibe, denn der einzelne Einwohner beanspruche heutzutage mehr Wohnraum. Und der Leerwohnungsbestand sei praktisch bei null.

Zwar können auch mit der neuen Version mehr Wohnungen gebaut werden, doch nicht im ursprünglich geplanten Ausmass. Eberhard erlebt selber öfter, dass Arbeitnehmer seines Gartenbauunternehmens krampfhaft eine Wohnung in Kloten suchen und keine finden. Dass auf Verwaltungsgerichtsebene entschieden worden sei, was zumutbarer Wohnraum sei und was nicht, stört ihn. «Die Leute sollen doch selber entscheiden dürfen, ob sie beim Flughafen wohnen möchten oder nicht.»

Das Beste daraus gemacht

Im Unterschied zur ersten BZO-Variante werden in stark von Fluglärm belasteten Gebieten, die dennoch verdichtet werden sollen, die Wohnanteile flächendeckend beschränkt. Die Kernzone Alt-Kloten bleibt teilweise erhalten und wird nicht wie geplant vollständig der Zentrumszone zugeschlagen, in der mehr Ausnutzung möglich ist. Und Sonderbauvorschriften, mit denen die Lärmbeschränkungen hätten gelockert werden können, wurden fallen gelassen. «Wir haben die vorgegebenen Rahmenbedingungen möglichst gut ausgenutzt», sagt Marc Osterwalder, Bereichsleiter Lebensraum und Sicherheit.

Eingeschränkt ist die Stadt vor allem im Gebiet zwischen Stadthaus und Dorfstrasse. Doch gerade im Zentrum hätte der Stadtrat gerne mehr Spielraum gehabt. Die Fluglärm-Abgrenzungslinie, in welcher besonders strenge Bauvorschriften gelten, werde zudem voraussichtlich noch ausgeweitet, sagt Eberhard. Auch deshalb soll die neue BZO möglichst schnell in Kraft gesetzt werden.

Von der Flughafen Zürich AG war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Mit einem erneuten Rekurs rechnet Eberhard jedoch nicht. Diese Variante sei ja im Sinne des Flughafens.

Der lange Weg zur neuen BZO

Vor bald vier Jahren genehmigte der Gemeinderat den ersten Entwurf der revidierten Bau- und Zonenordnung (BZO). Sie setzte vor allem auf eine verdichtete Bauweise, also die bessere Ausnutzung bereits überbauter Gebiete. Alt-Kloten beispielsweise, das zur Kernzone gehört und sehr strengen Bauvorschriften unterliegt, sollte neu der Zentrumszone zugeschlagen werden. Damit hätten dort vier- statt maximal zweigeschossige Häuser entstehen können. Das Zentrum sollte so städtischer werden. Drei Rekurse gingen ein. Und einer wog schwer.

Die Flughafen Zürich AG sperrte sich vor allem gegen die angestrebte Verdichtung, die zusätzlichen Wohnraum generiert hätte. «Die Flughafenbetreiberin möchte verhindern, dass die Wohnbevölkerung in fluglärmbelasteten Gebieten weiter zunimmt», schrieb damals die Flughafen Zürich AG. Der Rekurs wurde vom Kanton weitgehend gutgeheissen, und auch das Verwaltungsgericht entschied nicht im Sinne der Stadt. Dennoch verzichtete der Stadtrat auf einen Weiterzug ans Bundesgericht und überarbeitete die BZO. (wek)



Interview

Schweiz-Deutschland: "Die Stimmung hat sich geändert"

http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/schweiz-deutschland-die-stimmung-hat-sich-geaendert--47232651.html

BZ-INTERVIEW mit der Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey über das Verhältnis zum Nachbarn Deutschland.

BERN. Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Schweiz war in den vergangenen Jahren nicht besonders gut. Dafür verantwortlich war auch der Streit über die Lärmbelastung durch den Flughafen Zürich. Franz Schmider sprach darüber mit der Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey.

BZ: Vor wenigen Jahren noch gab es in Schweizer Zeitungen noch Schlagzeilen wie "Neuer Ärger mit den Deutschen". Solche Sätze lesen wir nicht mehr. Hat sich die Situation entspannt?

Calmy-Rey: Deutschland ist einer unserer wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partner. Berlin hat uns beispielsweise in der Libyenkrise geholfen. Baden-Württemberg ist wirtschaftlich bedeutender für die Schweiz als die USA. Die Nachbarschaft und die Beziehungen sind sehr eng und intensiv. Und da gibt es auch einmal Probleme, zum Beispiel im Steuerbereich. Aber die Schweiz hat 2009 die Standards der OECD übernommen und in zahlreichen Doppelbesteuerungsabkommen umgesetzt, auch mit Deutschland. Jetzt verhandeln wir sehr konstruktiv über ein Abkommen zur Einführung einer Abgeltungssteuer.

BZ: Dieses Abkommen soll regeln, wie in der Schweiz liegende deutsche Vermögen und deren Erträge besteuert werden. Hakt es an einer Art Steueramnesty?

Calmy-Rey: Es geht nicht nur um die Regularisierung von Altgeld, es geht auch um eine Abgeltungssteuer für die Zukunft, um eine Art Quellensteuer mit abgeltendem Charakter auf Kapitaleinkünfte. Ich sitze nicht mit am Verhandlungstisch, aber ich weiß, dass dort sehr konstruktiv gearbeitet wird. Wir wollen eine umfassende Lösung. Wir hoffen, noch in diesem Jahr.

BZ: Noch einmal zurück: Ist das Verhältnis besser oder sind nur die negativen Schlagzeilen verschwunden?

Calmy-Rey: Ich glaube wirklich, dass sich die Stimmung geändert hat.

BZ: Sie haben erwähnt, dass Deutschland ihnen in der Libyenkrise geholfen hat. Damals wurden zwei Schweizer Staatsbürger in Libyen festgehalten als Geiseln. Worin bestand diese Hilfe? Seinerzeit musste man eher den Eindruck haben, Europa lasse die Schweiz allein.

Calmy-Rey: Das war nicht der Fall. Europa hat uns vielmehr sehr unterstützt. Dies auch aus eigenen Interessen, weil die EU Schwierigkeiten hatte mit unserer Strategie der Visarestriktionen gegenüber Libyen. Die EU hat sich für eine Lösung eingesetzt, besonders Deutschland und Spanien. Und am Ende haben wir die beiden Schweizer Bürger frei bekommen. Ich bin sehr dankbar für die Hilfe aus Deutschland, die wir damals erfahren haben.

BZ: Aber es gibt noch immer Ärger um den Flughafen Zürich

Calmy-Rey: Wir haben uns mit Kanzlerin Merkel darauf verständigt, dass wir ein Lärmgutachten erstellen lassen. Auf der Basis der Ergebnisse dieses rein sachlichen Gutachtens soll nun nach Lösungen gesucht werden. Das Gutachten liegt seit 2009 vor und zeigt, dass der größte Teil des Lärms die Schweizer Seite belastet. Das heißt, dass in Zürich und den dicht bebauten Randgebieten die Lärmbelastung erstens höher ist und zweitens sehr viel mehr Menschen vom Lärm des Flughafens betroffen sind als etwa auf deutscher Seite. Wir schlagen vor, dass die faktisch bestehende Lärmbelastung zur Grundlage der weiteren Überlegungen werden sollte und nicht die Zahl der Flugbewegungen. Die Zahl der Überflüge allein sagt noch nichts über die Lärmbelastung aus. Eine vernünftige Lösung müsste darin liegen, dass möglichst wenig Menschen vom Lärm betroffen sind, unabhängig ob Deutsche oder Schweizer.

BZ: Aber wie soll es da eine Verständigung geben? In Deutschland ist die Zahl der Überflüge der Maßstab.

Calmy-Rey: Wir müssen verstehen, dass beide Seiten – auch Deutschland – ein Interesse daran haben, eine Lösung zu finden. Denn der Zürcher Flughafen ist eine wichtige Infrastruktur, die beiden Seiten nutzt, ein Standortfaktor auch für die süddeutsche Wirtschaft. Von hier aus fliegen doch nicht nur Schweizer. Zürich ist doch auch ein Flughafen für viele Baden-Württemberger. Die Entwicklung des Flughafens ist in unserem beidseitigen Interesse. Wenn wir vernünftig sind, denken wir an das Wohl der Menschen beidseits der Grenzen. Es kann aber nicht sein, dass einzelne Einwohner im Raum Waldshut die deutsche Politik und die Entwicklung der Schweiz bestimmen. Wir müssen eine Lösung finden und die heißt: so wenig Lärm wie möglich für so wenige Menschen wie möglich. Das ist eine vernünftige Lösung. Und jetzt müssen wir uns zusammensetzen und reden, wir sprechen schließlich die gleiche Sprache.

BZ: Seit Einführung der Freizügigkeit ist der Zustrom von Arbeitskräften in die Schweiz enorm gestiegen, allein 260 000 Deutsche leben in der Schweiz. Wie viele Zuwanderer kann das Land vertragen?

Calmy-Rey: Die Schweiz ist inzwischen das beliebteste Auswanderungsland der Deutschen, noch vor den USA. Die Deutschen haben den deutlich höchstens Anteil an der jährlichen Zuwanderung in die Schweiz. Es kommen jährlich netto 17 000. Und sie sind zur zweitgrößten Ausländergruppe in der Schweiz angewachsen. Aber man darf die Frage nicht auf die Deutschen reduzieren. Seit Einführung der Personenfreizügigkeit haben wir in der Tat eine starke Zuwanderung, die auch während der Wirtschaftskrise angehalten hat. Und vergessen Sie die 200 000 Grenzgänger nicht, die jeden Tag zur Arbeit in die Schweiz kommen. Aus Deutschland sind es 57 000. Aber ich erinnere daran: Das Schweizer Volk hat 2000 für die Personenfreizügigkeit gestimmt und das Abkommen 2005 und 2009 in weiteren Abstimmungen deutlich bestätigt. Wir sind also ein offenes Land. Wir wissen, dass wir die Arbeitskräfte brauchen. Aber es ist auch klar, dass diese Arbeitskräfte hier zu den gleichen Bedingungen arbeiten sollen, zu denen die Schweizer arbeiten. Wir haben also eine Reihe von Begleitmaßnahmen beschlossen, die das sicherstellen sollen. Nun wurde ein Bericht vorgelegt der zeigt, dass in 40 Prozent der kontrollierten Fälle Verstöße gegen diese Bestimmungen festgestellt wurden, vor allem sind das Fälle von Lohndumping. Wir sagen: So geht es nicht. Wir wollen die Regeln durchsetzen und wenn nötig müssen wir da verstärkt kontrollieren. Das ist ein ernstes Problem, denn es darf auf dem Arbeitsmarkt keine Verdrängungen dadurch geben, dass jemand zum Beispiel unter Tarif beschäftigt wir


Zuletzt bearbeitet: 08.07.11 16:20 von Administrator


[Fortsetzung]

BZ: Das Land ist wirtschaftlich extrem erfolgreich. Wird dieser Erfolg vom Segen zum Fluch?

Calmy-Rey: Der Wohnraum wird knapp und teuer, überall wird es eng und voll, in den Schulen, auf den Straßen, im öffentlichen Nahverkehr. Die Einheimischen beginnen, das eher als Problem zu sehen denn als Chance. Sie vergessen, dass wirtschaftlicher Erfolg und Wachstum in der Schweiz ohne ausländische Arbeitskräfte nicht möglich wären. Da entstehen Spannungen und da müssen wir aufpassen. Unsere Attraktivität ist zwar grundsätzlich positiv, sie kann aber auch Probleme mit sich bringen.

BZ: Woran liegt es?

Calmy-Rey: Ich denke, wir sind ein hervorragend verwaltetes Land. Die Regierung besteht mehrheitlich aus Frauen...(lacht). Nein im Ernst. Ein ganz großer Vorteil ist unser politisches System. Das ist zum einen der starke Föderalismus, dass wir also Maßnahmen dort entscheiden, wo sie hingehören. Das bedeutet klare Verantwortlichkeit. Und dann entscheiden dank der direktdemokratischen Instrumente, dem Referendum und der Initiative, die, die am Ende auch die Folgen der Entscheide zu tragen haben. Das sorgt auch für mehr Verantwortung im politischen Handeln.

BZ: In der Schweiz wird darüber gesprochen, die Hürden für Personenverkehr zu erhöhen, Dänemark will die Schengen-Regeln einschränken. Gibt es in Europa verstärkte Abschottungstendenzen?

Calmy-Rey: Der Eindruck täuscht nicht, es gibt diese Tendenz, auch in der Schweiz. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Menschen verunsichert und viele Menschen zu dem Schluss geführt, dass alles, was von draußen kommt, etwas Schlechtes ist. Und es sind ja auch die Steuerzahler, die für die Rettung der Großbanken und die Stützungspakete für die Wirtschaft bezahlen müssen, die die Krise ausbaden müssen. Darum die Tendenz zu sagen: Bleiben wir lieber unter uns, dann ist es besser. Diese Tendenz gibt es in ganz Europa.

BZ: Was muss man in Europa tun, um dieser Tendenz zu begegnen?

Calmy-Rey: Man muss die Probleme lösen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist noch nicht bewältigt. Und was die Schweiz betrifft: Wir haben 70 Prozent unserer Währungsreserven in Euro, wir sind solidarisch, wir haben ein eigenes Interesse an einem stabilen Wechselkurs und daran, dass zwischen Euro und Franken keine allzu große Differenz entsteht.

BZ: Als der spanische König in Bern zu Besuch war, hat er die Schweiz aufgefordert, sich stärker in Europa einzubringen. Was haben Sie ihm da geantwortet?

Calmy-Rey: Dass wir das schon jetzt machen. Wir haben 120 bilaterale Abkommen mit der EU. Wir haben bisher mehr als 1,2 Milliarden Franken für den Abbau der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in den neuen EU-Mitgliedsländern in Osteuropa aufgebracht, wir helfen den Nicht-EU-Staaten in Osteuropa, wir bauen gerade die Neat, die Neue Eisenbahn-Alpentransversale, durch die Alpen, was uns viele Milliarden kostet. Wir machen das nicht nur für uns, wir bauen für die Verbindung zwischen Nord- und Südeuropa. Wir müssen dazu kein EU-Mitgliedstaat sein.

BZ: Die Schweiz baut die Neat, der Ausbau der Zulaufstrecke in Südbaden hinkt hinter dem Zeitplan her. Könnte der Gotthardtunnel eine Fehlinvestition werden?

Calmy-Rey: Ich glaube, die Deutschen werden ihre Infrastruktur ausbauen. Sie haben ein eigenes Interesse daran, da bin ich sehr zuversichtlich. Das Projekt ist wichtig für ganz Europa, da habe ich keine Sorge.

BZ: Sie haben erwähnt, dass Baden-Württemberg wirtschaftlich der wichtigste Partner ist. Haben Sie einen Wunsch an die neue Landesregierung?

Calmy-Rey: Ja, dass sie konstruktiv mit uns zusammenarbeitet und Lösungen für die gemeinsamen Probleme sucht. Wir haben auch bereits einen Termin für ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten nach der Sommerpause.

BZ: Parteipolitisch sollte es für Sie einfacher werden.

Calmy-Rey: Ja, manchmal erleichtert so etwas die Gespräche. Wenn man die selben Ideen hat, dann geht es schneller voran mit dem gegenseitigen Verständnis.

BZ: Aus der Atomkraft auszusteigen?

Calmy-Rey: Ja, zum Beispiel. Es erleichtert einfach die Diskussion.



10.07.2011 | 17:58 | Von CLAUDIA LAGLER (Die Presse)

Fluglärm in Salzburg: Aufstand der Nachbarn in Bayern

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/676720/Fluglaerm-in-Salzburg_Aufstand-der-Nachbarn-in-Bayern?_vl_backlink=/home/panorama/index.do

Ein Großteil der Starts und Landungen am Flughafen Salzburg erfolgt über Norden und geht somit über bayerisches Gebiet. Nun drohen die Bayern, den Luftraum teilweise zu sperren, um Zahl der Überflüge zu senken.

Salzburg/Freilassing. Horst Clausen braucht keinen Wecker. Wenn am Flughafen Salzburg kurz nach sechs Uhr früh die ersten Maschinen abheben, weiß der emeritierte Professor aus Freilassing, dass es Zeit zum Aufstehen ist. „Der Fluglärm ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen“, klagt der Vorsitzende des Schutzverbands Rupertiwinkel, einer Organisation, die seit 40 Jahren die Interessen der bayerischen Anrainer des Salzburger Flughafens vertritt, im Gespräch mit der „Presse“. Vor allem eines ärgert die deutschen Nachbarn: Da ein Großteil der Flugbewegungen über den Norden Salzburgs erfolgt, sind die angrenzenden Bayern vom Lärm stärker betroffen als so mancher Stadt-Salzburger.

Zur Hochsaison im Winter gibt es an manchen Samstagen rund 200 Flugbewegungen. „Da haben Sie zeitweise alle drei bis vier Minuten einen Überflug“, ärgert sich Clausen, der vehement eine gerechtere Verteilung der Flüge zwischen Norden und Süden verlangt.
Die Bayern verleihen ihrem langjährigen Anliegen nun Nachdruck: Bei einem Gespräch zwischen dem deutschen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und seiner österreichischen Amtskollegin Doris Bures wurde kürzlich eine teilweise Sperre des deutschen Luftraums für Überflüge in den Raum gestellt. Mit einer Durchführungsverordnung, wie sie etwa beim Flughafen Zürich in Kraft ist, könnte die Zahl der Überflüge begrenzt werden.

Diskussion um Flugrouten

Ramsauer kommt übrigens aus Traunstein unweit der Grenze zu Salzburg. Vor einer Beschränkung des Luftraums sollen allerdings Möglichkeiten einer faireren Entlastung durch eine andere Aufteilung der An- und Abflüge geprüft werden, ist man sich einig. Dass Argument, dass Flugrouten im Süden schwierig seien, weil der Untersberg ein natürliches Hindernis darstellt, lassen die bayerischen Anrainer nicht gelten. „Technisch ist das kein Problem, man muss nur wollen“, sagte Clausen.

Alexander Klaus, Sprecher des Flughafens Salzburg, will zur angedrohten Beschränkung der Überflüge über deutsches Staatsgebiet nichts sagen. „Das ist eine bilaterale Angelegenheit“, erklärte er der „Presse“. Der Flughafen bemühe sich um ein Routendesign, das möglichst geringe Belastungen für die Anrainer bringe. So dürften beispielsweise laute Flugzeuge, die sonst in ganz Europa zugelassen sind, den Flughafen Salzburg nicht anfliegen. Denn Anflüge aus dem Süden könnten nur im Sichtflug erfolgen und setzten gutes Wetter voraus, sagte Klaus. Jene Abflüge, die über Norden geführt werden, würden weitgehend auf österreichischem Gebiet bleiben.

Strittig sind zwischen Bayern und Österreich vor allem Zahlen. Jahrelang war argumentiert worden, dass 90 Prozent der Flugbewegungen über Norden und damit auch über Bayern und nur zehn Prozent über den Süden erfolgen. Bei der jüngsten Anrainer-Dialogrunde, an der der Schutzverband Rupertiwinkl seit gut einem Jahr nicht mehr teilnimmt, präsentierte der Salzburg Airport eine andere Aufteilung: 65 Prozent der Flüge nehmen die Routen im Norden, 35 Prozent jene im Süden. Zahlen, die den Bayern sauer aufstoßen, weil sie ihre Argumente schwächen.

Der Grund für die unterschiedlichen Berechnungen: Die Aufteilung 90:10 umfasst nur die Linien- und Charterflüge. In die Aufteilung 65:35 sind alle Flugbewegungen inklusive Businessmaschinen, Schulungs- oder Rundflüge eingeflossen.

Auf Salzburger Seite vertritt Astrid Rössler mit dem Anrainerschutzverband die Interessen der Bewohner rund um den Flughafen. Nach einigen Jahren der Konflikte hat sich das Verhältnis zwischen dem Airport-Management und den Salzburger Anrainern entspannt.

Ärger in Salzburg und Bayern

Für Ärger bei der Anrainersprecherin sorgt aber die Neuplanung von An- und Abflugrouten, um die Bayern zu befrieden. Es gebe keine Information, was geplant sei, so Rössler. Sie befürchtet, dass sich der Lärm stärker nach Salzburg verlagern könnte. Der Flughafen brauche eine maßvolle Entwicklung, die nicht zu Lasten der Anrainer gehe.
Den Ärger der Bayern kann die Salzburgerin nachvollziehen. Die Bewohner dies- und jenseits der Grenze dürften sich keinesfalls gegeneinander ausspielen lassen. Denn die Überflüge über den Norden bedeuten nicht nur Lärm für die Freilassinger, sondern vor allem auch für die Bewohner in den Salzburger Stadtteilen Maxglan und Taxham. Und auch diese werden in der Früh durch die ersten Maschinen geweckt.



12. Juli 2011, Neue Zürcher Zeitung

Baden-Württemberg will weniger Anflüge

http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/stadt_und_region/baden-wuerttemberg_will_weniger_anfluege_1.11329912.html

Forderung an Bundesregierung



Auch im Tagesanzeiger:
http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Fluglaermstreit-Sueddeutschland-verschaerft-den-Ton/story/16752105

Klar, wer den Finger kriegt will die Hand. Dennoch, der Hauptlärm der meist deutschen Flugzeuge mit deutschen Passagieren fällt in der Schweiz an. Der Flughafen steigert permanent den Umsteigeverkehr, da dieser sich rechnet. Er bringt den Schweizer Bürgern aber nichts, ausser Lärm und Dreck.

Wie wärs mit einer zusätzlichen Lärmgebühr für Deutsche?




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Lärm-Beschwerden: laerm@zurich-airport.com Tel 043 816 21 31  

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