Fluglärm-DiskussionsforumHeader Ein | Aus
Seiten: Anfang ... 3 4 5 Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Medienberichte Apr-Jun 2013


SIL-Objektblatt für den Flughafen Zürich verabschiedet

http://www.bazl.admin.ch/aktuell/medieninformation/00024/index.html?lang=de&msg-id=49403

Bern, 26.06.2013 - Der Bundesrat hat heute den ersten Teil des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) für den Flughafen Zürich verabschiedet. Damit sind wichtige raumplanerische Vorgaben festgelegt. In einem zweiten Planungsschritt wird der Bundesrat über die Anpassungen entscheiden, die sich aus der betrieblichen Umsetzung des Staatsvertrages und zwecks weiterer sicherheitstechnischer Optimierungen ergeben.

Der Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) bildet die Grundlage für die Planung, die Bauten und den Betrieb eines Flugplatzes. Heute hat der Bundesrat über das SIL-Objektblatt für den Flughafen Zürich entschieden. Da die Ratifizierung des Staatsvertrages mit Deutschland auf deutscher Seite noch aussteht, hat der Bundesrat eine Etappierung beschlossen: Im ersten Teil, der nun verabschiedet wurde, sind jene raumplanerischen Festlegungen enthalten, die unabhängig vom Staatsvertrag sind. Sie entsprechen weitgehend dem heutigen Betrieb auf dem bestehenden Pistensystem. Im Objektblatt werden unter anderem der Perimeter des Flughafens und die zulässigen Lärmimmissionen festgelegt. Die Anpassungen, die sich aus der betrieblichen Umsetzung des Staatsvertrags und zur Festlegung weiterer Sicherheitsmassnahmen ergeben, werden im Rahmen einer zweiten Etappe verabschiedet. Dazu wird es wiederum eine ordentliche Anhörung der Behörden und ein Mitwirkungsverfahren für die Bevölkerung geben.

Der Bundesrat hat sich für eine Etappierung entschieden, da der SIL-Prozess zum Flughafen Zürich wegen der Verhandlungen mit Deutschland und laufenden Sicherheitsüberprüfungen Verzögerungen erfahren hat. Die Etappierung ermöglicht es, die planerischen Grundlagen für bauliche und betriebliche Anpassungen am Flughafen zu schaffen, die in keinem Zusammenhang mit dem Staatsvertrag stehen. Das ist nötig, weil gemäss Bundesgericht Flughafenbauten und Betriebsänderungen, die erhebliche Auswirkungen auf Raum, Umwelt und Kapazität haben, ohne rechtliche Grundlage im SIL-Objektblatt nicht realisiert werden dürfen.

Mit der Umsetzung des Staatsvertrages wird gemäss heutigen Erkenntnissen die Verlängerung der Piste 28 (Landungen aus dem Osten) und Piste 32 (Starts in Richtung Norden) verbunden sein. Diese Verlängerungen sind im Objektblatt erst als Vororientierung eingetragen und damit noch nicht rechtsverbindlich. Der Flughafen kann so aber die notwendigen Planungsschritte einleiten. Über die Pistenverlängerungen wird letztlich jedoch der Kanton Zürich befinden. Als Vororientierung eingetragen ist auch der gekrümmte Nordanflug als Alternative zu den Südanflügen. Über diese Option, die nur mit einem satellitengestützten Präzisionsanflug möglich ist, wird ebenfalls erst in der zweiten Etappe definitiv entschieden.

Unabhängig vom SIL-Prozess wurde der Flughafenbetrieb in den Jahren 2011 bis 2012 einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung unterzogen. Ein Teil der im Abschlussbericht empfohlenen Massnahmen ist im verabschiedeten Objektblatt enthalten. Andere Massnahmen werden noch geprüft und allenfalls in die zweite Etappe des SIL-Prozesses einfliessen. Der SIL ist ein Planungs- und Koordinationsinstrument des Bundes. Er enthält die Ziele und Vorgaben für die Infrastruktur der Zivilluftfahrt. In den einzelnen Objektblättern gibt er für jeden Flugplatz die Rahmenbedingungen für deren Ausbau und künftigen Betrieb vor. Seit 2002 hat der Bundesrat die Objektblätter für 42 Flugplätze verabschiedet. Mit dem Objektblatt für den Flughafen Zürich wird der Rahmen für Betrieb und Infrastruktur bis 2030 gelegt.



Will der Regierungsrat das Veto einreichen?

http://www.zol.ch/ueberregional/kanton-zuerich/Will-der-Regierungsrat-das-Veto-einreichen/story/13336616

Aktualisiert am 26.06.2013

Weil die Südanflüge eine Anpassung des Betriebsreglements des Flughafens bedingen, behält sich der Regierungsrat vor, von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen.

Der Bundesrat hat heute eine erste Etappe des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL), Objektblatt Flughafen Zürich, verabschiedet (wir berichteten).

Der Regierungsrat unterstützte zuvor im nicht öffentlichen Anhörungsverfahren das schrittweise Vorgehen des Bundes, weil sich auf diesem Weg die bisher angestrebte Planungs- und Rechtssicherheit zumindest teilweise herstellen lässt. Er forderte in seiner Stellungnahme an das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, dass die künftigen Anpassungen aufgrund des Staatsvertrags oder zusätzlicher Sicherheitsanforderungen sehr transparent, aufgrund von gut nachvollziehbaren Unterlagen und mit ausreichend langen Fristen erfolgen, zumal sie teilweise umstrittene politische Fragen betreffen, die einer fundierten politischen Meinungsbildung bedürfen. Ebenso seien die Verfahrensvorschriften des Raumplanungsrechts und des kantonalen Flughafengesetzes einzuhalten.

Im heute vom Bundesrat verabschiedeten Objektblatt ist die Möglichkeit von Südstarts geradeaus für Verspätungsabbau bei Bise und Nebel festgehalten. Die Einführung dieser Möglichkeit würde in jedem Fall eine vorgängige Anpassung des Betriebsreglements des Flughafens Zürich bedingen. Soweit diese Änderung wesentliche Auswirkungen auf die Fluglärmbelastung hat, fällt sie unter das Vetorecht der Staatsvertretung im Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG. (mca)



Flughafen Zürich

Süden wehrt sich gegen neue Starts

http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/sueden-wehrt-sich-gegen-neue-starts-1.18106319

Südstarts bei Nebel und Bise sind neu möglich: Dies hat der Bundesrat am Mittwoch entschieden. Die Stadt Zürich und Organisationen aus dem Süden sind empört. Vertagt ist der Entscheid zum Pistenausbau.

Andreas Schürer

Wie bereits im Vorfeld der Bundesratssitzung durchgesickert ist, sind die Südstarts geradeaus ab der Piste 16 bei Nebel und Bise am Flughafen Zürich neu grundsätzlich zulässig. Der sogenannte «Straight out 16» ist mit den erwähnten Auflagen Teil des ersten Objektblatts des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL), das der Bundesrat am Mittwoch verabschiedet hat. Zu rechnen wäre im Falle einer Umsetzung mit rund 1000 Starts pro Jahr über den Süden.

Noch nicht entschieden hat der Bundesrat über eine weiterführende Nutzung der Südstarts über Teile der Stadt Zürich, des Zürcher Oberlandes und der Zürichseeregion. In einer im Februar veröffentlichten Sicherheitsüberprüfung haben Experten den «Straight out 16» in Kombination mit Nordanflügen als mögliche Massnahme genannt, um den komplizierten Betrieb am Flughafen Zürich zu vereinfachen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verweist darauf, dass es dem Flughafen und der Flugsicherung Skyguide den Auftrag erteilt habe, eine solche Option zu prüfen. Nur wenn sich dieses Verfahren als wirksames und verhältnismässiges Mittel zur Erhöhung der Sicherheit erweise, komme eine Aufnahme in das zweite Objektblatt infrage. Dieses soll erst festgelegt werden, wenn sich im Fluglärmstreit mit Deutschland eine Lösung abzeichnet; derzeit ist die Ratifikation des Staatsvertrags in Berlin blockiert.

Harsche Kritik aus dem Süden

Im Kanton Zürich sorgt bereits die «Light-Variante» mit Südstarts geradeaus bei Nebel und Bise für Wirbel. Die Stadt Zürich spricht sich «vehement und entschieden» gegen diese Option aus, wie sie mitteilte. Dieses Startverfahren betreffe in den nördlichen Stadtquartieren dichtestbesiedelte Gebiete, die schon heute hohe Fluglärmlasten trügen. Positiv würdigt die Stadt Zürich den Entscheid des Flughafens, vorläufig keinen Gebrauch von der neuen Option zu machen (siehe Artikel unten). Sollte doch ein konkreter Antrag des Flughafens folgen, werde vom Kanton erwartet, dass er von seinem Vetorecht Gebrauch mache.

Das Fluglärmforum Süd, die Plattform der Gemeinden im Süden des Flughafens, bezeichnet den Entscheid des Bundesrats als inakzeptabel. Für Präsident Richard Hirt verheisst die grundsätzliche Öffnung des neuen Startverfahrens nichts Gutes, auch wenn derzeit noch Auflagen gälten. Die Gefahr sei gross, dass der «Straight out 16» vermehrt genutzt werde – offiziell aus Sicherheitsgründen, inoffiziell um die Kapazität zu erhöhen. Diese Befürchtung teilt der Verein Flugschneise Süd – Nein (VFSN), der eine geharnischte Mitteilung verschickte. Einmal mehr werde die Bevölkerung rund um den Flughafen betrogen.

Einen anderen Akzent setzt die Vereinigung Bürgerprotest Fluglärm Ost (BFO). Es sei falsch, dass Bundesrätin Doris Leuthard den Südstart geradeaus nicht stärker forciere, obwohl mit diesem Verfahren diverse Risiken im Flugbetrieb eliminiert oder zumindest reduziert werden könnten. Die Losung, die das BFO der Verkehrsministerin Leuthard mit auf den Weg gibt, ist simpel: «Straight forward».

Neben dem Südstart geradeaus bei Nebel und Bise sichert der Bundesrat mit dem ersten Teil des SIL weitgehend den heutigen Betrieb, die im Entwurf als E DVO bezeichnete Variante. Zusätzlich werden dem Flughafen Anträge auf diverse bodenseitige Anpassungen ermöglicht. Raumplanerisch gesichert sind nun etwa Schnellabrollwege für die Pisten 28 und 32 sowie die Umrollung der Piste 28. Letzteres, quasi eine Umfahrung dieser Bahn, soll pistenquerende Manöver verhindern.

Pistenausbau verzögert

Nur als sogenannte Vororientierung enthalten sind im ersten SIL-Objektblatt die Verlängerungen der Pisten 28 und 32. Damit wird laut dem Bazl bekräftigt, dass der Bund hinter diesem Vorhaben steht und der Flughafen Vorabklärungen treffen kann. Allerdings ist er noch nicht befugt, ein Gesuch für einen Pistenausbau zu stellen. Dazu braucht es in einer zweiten Etappe eine Festsetzung im SIL. Letztlich muss einem allfälligen Ausbauvorhaben der Kanton Zürich zustimmen. Das Komitee Pro Flughafen teilte am Mittwoch mit, es werde auf alle Fälle für eine Volksabstimmung sorgen und damit verhindern, dass eingefleischte Flughafengegner im Kantonsrat das Ausbauvorhaben abwürgen könnten. Zu diesem Zweck ist wohl eine Volksinitiative nötig, da ein Nein des Kantonsrats nicht referendumsfähig wäre.

Gekröpfte Anflüge im Visier

Ebenfalls als Vororientierung im ersten Objektblatt enthalten sind gekröpfte Nordanflüge (siehe Artikel unten links). Das Bazl verweist in seiner Mitteilung darauf, dass der Kanton Aargau erklärte habe, diese unter keinen Umständen zu dulden. Trotzdem prüfe gegenwärtig eine Expertengruppe, ob und wie gekröpfte Nordanflüge mit einem satellitengestützten Verfahren möglich seien. Sie würden während der deutschen Sperrzeiten als Alternative zu den Südanflügen eingesetzt. Ein definitiver Entscheid falle dazu erst im zweiten Teil des Sachplans.



[Fortsetzung]

asü. ⋅ Es wirkt, als hätte einer eine Pizza bestellt – und dann sei ihm der Appetit vergangen. Nicht zuletzt auf Wunsch des Flughafens Zürich hat der Bund den Südstart geradeaus bei Nebel und Bise in den ersten Teil des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) aufgenommen. Nun hat der Flughafen aber am Mittwoch erklärt, dass er derzeit nicht beabsichtige, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

Für die Fluggesellschaft Swiss ist dies «nicht nachvollziehbar und unverständlich», wie die Sprecherin Susanne Mühlemann sagt. Grundsätzlich begrüsse die Swiss, dass der Südstart geradeaus bei Nebel und Bise im Objektblatt verankert wurde, da er bei schwierigen Wetterbedingungen die Möglichkeit biete, «die Kapazitäten zu sichern, um einen zuverlässigen Flugbetrieb zu gewährleisten und die Kunden pünktlich an ihr Ziel zu bringen».

Sonja Zöchling, Sprecherin des Flughafens, lässt den Pizza-Service-Vergleich und die Kritik der Swiss nicht gelten. Der Flughafen habe zwar tatsächlich die Aufnahme des Südstarts geradeaus zum Verspätungsabbau bei Nebel und Bise in den SIL beantragt. Dieser regle aber die Langfristplanung. Gegenwärtig gebe es keinen Grund, dieses Startverfahren voranzutreiben. Die Zahl der Lärmbetroffenen würde dadurch aus heutiger Sicht unverhältnismässig stark erhöht. Ändern könne sich diese Beurteilung, wenn zum Beispiel die Südanflüge durch den gekrümmten Nordanflug ersetzt würden. Die Arbeiten für dieses Verfahren würden weiter vorangetrieben, sagt Zöchling.

Weiter geplant wird laut Zöchling auch die Ertüchtigung des Ostkonzepts, das Landungen von Osten und Starts nach Westen vorsieht – und Verlängerungen der Pisten 28 und 32. Falls der Staatsvertrag mit Deutschland wie vorgesehen im Jahr 2020 umgesetzt werden müsse, sei die Zeit für die betriebliche Umsetzung äusserst knapp bemessen, begründet Zöchling.

Klar ist: Auch wenn der Flughafen die Einführung der Südstarts über Teile der Stadt Zürich, das Zürcher Oberland und die Zürichseeregion beantragen würde, wäre der Widerstand gross. Ein Vetorecht hätte bereits die Vertretung der Zürcher Regierung im Verwaltungsrat des Flughafens. Und Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker sagt: «Den Südstart bei Nebel und Bise würden wir nur akzeptieren, wenn die Südanflüge abgeschafft würden.» Diese Position habe die Regierung bereits im Jahr 2010 im Anhörungsverfahren zur Variante E DVO verabschiedet – heute sei sie unverändert. Die Variante E DVO bildet den heutigen Betrieb des Flughafens ab, ergänzt mit der Option Südstart geradeaus bei Nebel und Bise zum Verspätungsabbau. Die vom Bundesrat beschlossene Etappierung des SIL begrüsst die Regierung grundsätzlich, wie Stocker sagt. Auf diesem Weg werde zumindest teilweise Planungs- und Rechtssicherheit geschaffen.

P. S. ⋅ Im Vorfeld der Verabschiedung des ersten Teils des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL) für den Flughafen Zürich hatte der Aargau seine Position gegen den gekröpften Nordanflug über den Ostaargau bekräftigt. Er hat sein Ziel vorläufig insofern erreicht, als der «gekrümmte Nordanflug», wie der Bund diese Option seit einiger Zeit nennt, lediglich im Sinne einer «Vororientierung» in das Objektblatt aufgenommen wurde. Laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt handelt es sich dabei um einen Hinweis auf die Abklärungen, ob sich ein solcher Anflug sicherheitstechnisch und kapazitätsmässig überhaupt in Betracht ziehen lässt.

Der Kanton Aargau wertet das «verhalten positiv», wie der Regierungsrat mitteilt. Die Kantonsregierung hält aber fest, dass sie den gekröpften Nordanflug weiterhin ablehne und gegen dessen Aufnahme in den zweiten Teil des SIL opponieren würde. Rund 10 Prozent der in ihrer Nachtruhe vom Fluglärm um Zürich Kloten gestörten Personen wohnen im Aargau.



Flughafen Zürich

Pistenausbau zu defensiv verkauft

http://www.nzz.ch/meinung/uebersicht/den-pistenausbau-zu-defensiv-verkauft-1.18106464

Andreas Schürer

Der Bundesrat etappiert das Sachplanverfahren für den Flughafen Zürich (SIL). Mit Blick auf die blockierte Ratifikation des Luftverkehrsabkommens in Deutschland und die laufenden Sicherheitsüberprüfungen ist es grundsätzlich sinnvoll, gewisse Projekte in einem vorgezogenen ersten Teil des SIL festzulegen. Wenn man aber das Knäuel an Gründen für die Etappierung sowie den beschlossenen und unterlassenen Massnahmen zu entwirren versucht, will sich kein Glücksgefühl einstellen.

Dies vor allem aus vier Gründen: Erstens ist das grundsätzliche Problem nicht gelöst. Weiterhin besteht keine Rechts- und Planungssicherheit. Zweitens ist unwahrscheinlich, dass Deutschland das Luftverkehrsabkommen in absehbarer Zeit ratifiziert – Anpassungen am Betriebssystem dürfen aus Sicherheitsgründen trotzdem nicht auf die lange Bank geschoben werden. Drittens ist störend, dass die vordringlichste Massnahme nur angedeutet, aber nicht festgesetzt wurde: die Verlängerungen der Pisten 28 und 32. Diese sind unabhängig vom Staatsvertrag mit Deutschland und hätten, mit einer anständigen Portion Mut, vorgezogen gehört. Und viertens wird mit dem Südstart geradeaus bei Nebel und Bise ohne Not ein Nebenschauplatz eröffnet, der überflüssige Verwirrung stiftet.

Handlungsdruck bleibt bestehen

Grundsätzlich ist die von Bundesrätin Doris Leuthard forcierte Etappierung des Sachplanverfahrens ein cleverer Zug. Der Flughafen erhält so einen ersten Katalog, aus dem er dringende Projekte aufgreifen und beantragen kann. Es wäre fatal, wenn wegen der politischen Grosswetterlage die pragmatische Entwicklung im Alltagsgeschäft verunmöglicht würde. Auch wenn nicht alle bodenseitigen Vorhaben unumstritten sind: Es ist wichtig, dass sie vorangetrieben werden können – allen voran die Umrollung der Piste 28, dank der die Zahl der Pisten-Querungen reduziert werden kann, sowie die Schnellabrollwege auf den Pisten 28 und 34.

Richtig an der Etappierung ist auch, dass vor der Lösung des Konflikts mit Deutschland nicht schon alle neu zulässigen An- und Abflugrouten auf Vorrat festgelegt wurden. Dass dabei die Planungssicherheit für den Flughafen, die betroffenen Gemeinden und die Bevölkerung weitgehend auf der Strecke bleibt, ist wohl oder übel in Kauf zu nehmen; ohne nachhaltige Einigung mit Deutschland ist Planungssicherheit ohnehin illusorisch. Auch aus betrieblicher Sicht ist aber mit der Etappierung kein Befreiungsschlag geglückt. Denn es geht auch ohne Lösung im bilateralen Fluglärmstreit nicht an, dass einschneidende Anpassungen am Flugbetrieb um Jahre verzögert werden.

In der im Februar vorgestellten Sicherheitsüberprüfung zum Flughafen Zürich hielten Experten unmissverständlich fest, dass namentlich die vielen Systemwechsel und die Kreuzungen der Flugzeuge in der Luft und am Boden reduziert werden müssten und dass in der Vergangenheit zu viele Kompromisse zulasten der Sicherheit eingegangen worden seien. Mögliche Massnahmen, um den komplizierten heutigen Betrieb zu vereinfachen, sind Verlängerungen der Pisten 28 und 32 und Südstarts geradeaus im Regelbetrieb, in Kombination mit Nordanflügen.

Taktische Winkelzüge

Die Pistenverlängerungen hätten darum Priorität erhalten sollen. Anders, als vom Bundesrat am Mittwoch suggeriert, stehen sie nicht im Zusammenhang mit dem Staatsvertrag mit Deutschland, sondern nur mit Sicherheitsfragen. Heute können Piloten zum Starten und Landen von der Piste 32 beziehungsweise 28 auf die Piste 34 ausweichen, was jedes Mal einen Konzeptwechsel erfordert und die möglichen Fehlerquellen erhöht. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden, und es ist nicht einzusehen, warum dies verschoben werden soll. Taktische Winkelzüge, um den Ausbau unter dem Titel «Staatsvertrag» verkaufen zu können, erträgt es im emotionalen und von Misstrauen geprägtem Flughafen-Dossier nicht. Ein mutiger Entscheid wäre umso legitimer gewesen, als der Pistenausbau vom Zürcher Stimmvolk ohnehin beurteilt werden muss.

Defensiv beim Pistenausbau, offensiv beim Südstart geradeaus über Teile der Stadt Zürich, das Zürcher Oberland und die Zürichseeregion: Doris Leuthard hätte besser umgekehrt gewichtet. Denn anders als der Pistenausbau ist der Südstart geradeaus bei Nebel und Bise nicht dringlich, was verdeutlicht wird durch die diskrete Bemerkung des Flughafens, er gedenke ihn vorläufig gar nicht zu beantragen. Im Zusammenhang mit der Sicherheitsdiskussion dürfen auch die umstrittenen Südstarts kein Tabu sein. Zum jetzigen Zeitpunkt stiftet die Einführung einer «Light-Variante» bei Nebel und Bise aber mehr Verwirrung als Klärung.



Wie Fluglärm krank macht

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Wie-Fluglaerm-krank-macht/story/27179326

Fluglärm kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, das haben Studien belegt. Wie genau es dazu kommt, war bislang unklar. Forscher wollen das Rätsel nun gelöst haben.

Forscher aus Mainz und den USA haben einen biologischen Zusammenhang zwischen nächtlichem Fluglärm und Bluthochdruck nachgewiesen. Eine Studie mit 75 Teilnehmern habe ergeben, dass der Lärm die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin steigert und die Gefässfunktion beeinträchtigt, teilte die Mainzer Universitätsklinik mit.

«Wir wissen, dass Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle auslösen kann», sagte Studienleiter Thomas Münzel. Die genauen Mechanismen, die zu diesen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, seien bislang jedoch nicht bekanntgewesen. Die Wissenschaftler forderten, aus den Ergebnissen der Studie politische Konsequenzen zu ziehen.

Bei der Studie beschallten die Forscher 75 gesunde Männer und Frauen in ihren heimischen Schlafzimmern in der Nacht mit Fluglärm von durchschnittlich 60 Dezibel. Einer Gruppe verpassten die Wissenschaftler 30 Überflüge pro Nacht, einer Zweiten 60 Überflüge. Eine Kontrollgruppe schlief ohne Lärm.

Mehr Lärm, mehr Schäden

Die Forscher filmten die Probanden mit einer Infrarotkamera und ermittelten mit Ultraschallgeräten die Gefässfunktion. Dabei zeigte sich nach Angaben der Wissenschaftler, dass der Lärm unter anderem durch bestimmte Funktionsstörungen des Kreislaufs Bluthochdruck auslösen kann.

Überrascht waren die Forscher, dass sich der Mensch offenbar nicht an nächtlichen Fluglärm gewöhnt. Die Wissenschaftler liessen einer Nacht mit 30 Überflügen eine Nacht mit 60 Überflügen folgen. Die Steigerung der Flugszahl führte zu einer deutlich schlechteren Gefässfunktion, als die von Teilnehmern, die direkt 60 Überflüge über sich ergehen lassen mussten.

«Das bedeutet, dass man sich im Rahmen mehrerer Beschallungen nicht an den Fluglärm gewöhnt, sondern das Ausmass der Gefässschäden eher zunimmt», erklärte Münzel.

Vitamin C kann helfen

In der Studie zeigte sich zudem, dass sich die Gefässschädigung mit Vitamin C therapieren lässt. Vitamin C binde die freien Radikale im Blut, die sich aufgrund des Lärms gebildet hatten. «Das bedeutet freilich nicht, dass sich durch Vitamin C die Folgen von Fluglärm einfach lösen lassen», betonte Erstautor Frank Schmidt von der Universitätsmedizin Mainz.

Weitere Studien laufen noch. So soll die Norah-Studie, an der mehrere Unis und Institute beteiligt sind, bis Sommer 2014 erste Ergebnisse über die längerfristige Auswirkung von Verkehrslärm im Allgemeinen liefern. Auch die Mainzer Universitätsmedizin arbeitet an einer weiteren Studie, die Auswirkungen von Fluglärm bei Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. (fko/sda)

Erstellt: 02.07.2013, 19:28 Uhr



Strittiges Luftverkehrsabkommen

Schwarzbuch gegen FDP-Politiker

http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/schwarzbuch-gegen-fdp-politiker-1.18109123

Der Fluglärmstreit treibt im Schwarzwald bemerkenswerte Blüten: Die Bürgerinitiative Waldshut verfasst gegen einen kompromissbereiten FDP-Politiker ein 75-seitiges Schwarzbuch. Dieser nimmt es gelassen.

Andreas Schürer

Es ist eine Posse, doch sie lässt tief blicken: Die radikalen Akteure im Fluglärmstreit beginnen in Süddeutschland offenbar anzuecken.

Auf den ersten Blick ist allerdings das Gegenteil der Fall. Die Ablehnung des Luftverkehrsabkommens zwischen der Schweiz und Deutschland ist in Süddeutschland parteiübergreifend stark, bis zu den Bundestagswahlen im Herbst ist das Geschäft blockiert, danach wird der Druck auf Nachverhandlungen gross sein. Einer, der gegen diesen Mainstream redet, ist nun richtiggehend an den Pranger gestellt worden: Karsten Jung, Bundestagskandidat der FDP und promovierter Theologe aus Waldshut.

Zuvor hatte sich Jung in der NZZ für das Luftverkehrsabkommen starkgemacht . Es brauche zwar noch Präzisierungen, grundsätzlich sei der Vertrag jedoch ein fairer Kompromiss. Der Flughafen Zürich sei für Südbaden wichtig, die Schweiz trage auch heute die Hauptbelastung, und in Deutschland gebe es keinen Lärm über den Grenzwerten, führte Jung ins Feld.

Dies blieb nicht ohne Widerspruch. In einem 75-seitigen Schwarzbuch wirft die Bürgerinitiative Flugverkehrsbelastung Landkreis Waldshut (BI) Jung vor, dass er mit falschen Behauptungen operiere. Interessant ist, dass die Prangerwirkung ausbleibt; stattdessen scheint sich die Bürgerorganisation zu isolieren.

Mahner in der Wüste

In ihrem Schwarzbuch vergleicht die BI Jung mit Johannes dem Täufer. Er werde ein einsamer und ergebnisloser Mahner in der Wüste bleiben, wird ihm prophezeit. Grundsätzlich spricht aus den 75 Seiten ein grosses Misstrauen gegenüber Entscheidungsträgern aus der Schweizer Politik und dem Flughafen Zürich. Jung übersehe, dass diese den interpretationsbedürftigen Staatsvertrag zu ihren Gunsten ausnützen würden, schreibt die Bürgerinitiative. Sie warnt etwa vor Starts über den Landkreis Waldshut, vor Zusatzbelastungen wegen niedrigerer Flughöhen und vor verminderter Nachtruhe.

Ein Dialogangebot von Jung lehnt die Vereinigung ab, wie das Schwarzbuch zeigt: «Zu einem Gespräch stehen wir erst zur Verfügung, wenn wir voraussetzen können, dass der Gesprächspartner mindestens Grundkenntnisse über die komplexen Zusammenhänge im Flugverkehr erworben hat.»

Der angeprangerte Jung nimmt die Vorwürfe mit Humor. Gegenüber der NZZ sagt er: «Es ist putzig, dass die sich so intensiv mit mir befassen.» Das Schwarzbuch enthalte eine Mischung aus wilden Spekulationen und unbewiesenen Behauptungen in pseudowissenschaftlichem Gewand. Amüsiert zeigt er sich über den Vergleich mit Johannes dem Täufer, habe der doch eine enorm grosse Wirkung entfaltet. Kritik geerntet habe dieser einzig von Pharisäern seiner Zeit, die auf Gesetze und Durchführungsverordnungen gesetzt hätten, statt auf Freiheit und Liebe. «Auch insofern ist der Vergleich also durchaus passend», meint Jung.

Nicht einsam, sondern gestützt

Einsam sei er auch nicht, versichert der FDP-Politiker. Zwar sei er für eine gewisse Sorte Kommunalpolitiker eine Persona non grata. In der Partei werde er auf Kreis- und Landesebene aber gestützt. Auch die aufgrund der Aktualität erhaltenen Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien grossmehrheitlich positiv. Oft werde er dieser Tage angesprochen, sagt Jung, der Tenor sei eindeutig: «Man will mit den Schweizern positiv zusammenleben und -arbeiten, der Fluglärm stört nicht wirklich, die Kritik ist überzogen.» Das Thema sei für ihn ein klassisches Beispiel dafür, dass sich die öffentliche Meinung von der veröffentlichten stark unterscheiden könne: «Der Lautsprecher hat nicht immer die Mehrheit hinter sich.» Mit radikalen Massnahmen wie dem Schwarzbuch gegen ihn isoliere sich die Bürgerorganisation zusehends selber.

Diesen Eindruck hat auch die «Badische Zeitung». Sie schreibt, hinter der Bürgerinitiative stünden nur acht Aktivisten, die es sich «Stück für Stück» mit allen Parteien im Kreis Waldshut verderben würden. So beklagte jüngst Rita Schwarzelühr-Sutter, SPD-Bundestagsabgeordnete, dass die BI die Sozialdemokraten in ihren Wahlempfehlungen hinter die CDU rangiert hatte. Ruth Cremer-Ricken kritisierte im Namen der grünen Kreistagsfraktion, die anonyme Briefkasten-Bürgerinitiative betreibe Wahlwerbung für die CDU.

In der Sache bleiben die FDP und Jung allerdings tatsächlich allein, zumindest vorläufig. Schwarzelühr-Sutter zum Beispiel sagte gegenüber der «Badischen Zeitung»: «Auch in der nächsten Legislaturperiode wird dieser Staatsvertrag noch akut sein. Nachdem ihm die Schweiz zugestimmt hat, ist die Gefahr über den südbadischen Dächern grösser denn je.»



BI Waldshut

Schwarzbuch

http://biwaldshut.org/wp-content/uploads/2013/03/ReplikFinal320130510.pdf

Eine recht wirre Argumentation der acht Waldshuter Schwarzseher!



Acht Aktivisten gegen die etablierten Parteien

http://www.badische-zeitung.de/kreis-waldshut/acht-aktivisten-gegen-die-etablierten-parteien--72737015.html

VERKEHRSPOLITIK II: Wie es sich die Bürgerinitiative Flugverkehrsbelastung Waldshut Stück für Stück mit allen politischen Parteien im Kreis verdirbt.

WALDSHUT-TIENGEN (pk). Viel Feind, viel Ehr: Die Bürgerinitiative Flugverkehrsbelastung Waldshut hat sich jetzt auf 75 (!) Seiten mit der Position des Waldshuter FDP-Bundestagskandidaten Karsten Jung zum Thema Fluglärm auseinandergesetzt. Grundtenor des "Schwarzbuches": Jung habe keine Ahnung von der Materie und stelle falsche Behauptungen auf.

Karsten Jung stellt sich gegen den Mainstream. Als einziger Politiker im Kreis Waldshut verteidigt er den Staatsvertrag. Der Flughafen Zürich sei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Südbaden, die Schweiz trage die Hauptlast des Fluglärms, die Lärmbelastung am Hochrhein liege unter den in Deutschland zulässigen Grenzwerten von 55 Dezibel, argumentiert Jung. "Ohne Staatsgrenze hätte die Region überhaupt keine Chance, irgendwelche Forderungen zu stellen." Wenn das, was im Staatsvertrag geschrieben sei, rechtssicher vereinbart werde, verbessere sich die Situation, glaubt Jung. Dass die Wahlempfehlung der Bürgerinitiative für ihn miserabel ausfällt, stört ihn nicht. "Das ist Teil gelebter Demokratie", sagt der FDP-Kreisvorsitzende.

Was Jung stört, sind Falschbehauptungen und sinnentstellende Zitate. "Das Schwarzbuch enthält eine Mischung aus wilden Spekulationen und unbewiesenen Behauptungen in pseudowissenschaftlichem Gewand."

Die Kontroverse mit Jung ist kein Einzelfall: Die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter beklagte sich jüngst darüber, dass die Bürgerinitiative die Haltung der Bundes-SPD im Fluglärmstreit bezweifele und die Sozialdemokraten bei ihren Wahlempfehlungen hinter der CDU rangiere.

Textarbeit statt Demonstrationen

Ruth Cremer-Ricken bezeichnete im Namen der grünen Kreistagsfraktion die BI gar als anonyme Briefkasten-Bürgerinitiative, die Wahlwerbung für die CDU betreibe. In Schweizer Medien werden die Aktivisten als verbissen und sektiererisch bezeichnet.

Pseudowissenschaft? Fehlende Transparenz? Wolfgang Schuh, Sprecher der Bürgerinitiative, treffen diese Vorwürfe nicht. "Unsere Kurzanalysen sind für Politiker gedacht, die ohnehin keine wissenschaftlichen Texte lesen." Weshalb sagt die Bürgerinitiative nicht, wie viele Mitstreiter sie in ihren Reihen hat? "Wir wirken nicht über die Menge, wir wirken in der Sache", antwortet Schuh. Statt auf Demonstrationen und öffentliche Aktionen setze die Bürgerinitiative auf ihre Kontakte und viele tausend Seiten Papier.

Die inhaltliche Arbeit, soviel verrät Schuh dann doch im Gespräch, werde von acht Aktiven gemacht, die Kontakte zu zwei Dutzend Experten hätten. In der Öffentlichkeit bekannt sind der Vorsitzende Rolf Weckesser, ein pensionierter Pilot, und Sprecher Wolfgang Schuh. Er vertritt die Bürgerinitiative auch im Fluglärmbeirat und war bei den Gesprächen in Berlin, Bonn und Basel dabei.

Den Vorwurf der Parteilichkeit weist die Bürgerinitiative heftig zurück. Jetzt kritisiert sie Bundesregierung. Nach der Bundestagswahl wolle die Koalition den Staatsvertrag erneut dem Parlament vorgelegt. Wenn dann immer noch keine Mehrheit vorhanden sei, könne der Verkehrsminister am Parlament vorbei eine Durchführungsverordnung erlassen, die alle Forderungen der Schweiz erfülle. Als Beleg zitiert Schuh die Schweizer Verkehrsministerin Doris Leuthard: "Der Vertrag ist aus unserer Sicht hinreichend klar, und diese Meinung teilt auch das Bundesverkehrsministerium". Das damit verbundene Schreckensszenario wird von der Bürgerinitiative gleich mitgeliefert: "Unbegrenzte und unkontrollierte Nutzung und Belastung der süddeutschen Region mit Lärm."

Die Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) warnt ebenfalls vor einem Hau-Ruck-Verfahren: "Auch in der nächsten Legislaturperiode wird dieser ausgehandelte und ratifizierte Staatsvertrag noch akut sein. Nachdem die Schweiz dem Staatsvertrag zugestimmt und ratifiziert hat, ist die Gefahr über den südbadischen Dächern größer denn je."

Hintergrund: Der Staatsvertrag fällt im Gegensatz zu parlamentarischen Initiativen nicht der Diskontinuität anheim und ist deshalb auch nach der Bundestagswahl noch gültig. Peter Ramsauer wiege den Hochrhein in falscher Sicherheit, während in der Schweiz bereits Fakten geschaffen wurden, sagt die SPD-Abgeordnete. Mit der Zustimmung des Nationalrats habe die Schweiz Deutschland klar signalisiert, dass Nachverhandlungen nicht in Frage kommen werden.

In der CDU wird dagegen betont, dass der Vertrag im Bundestag keine Mehrheit finden werde.







Flughafen Zürich: Entwicklungsmöglichkeiten wahren
10. Juli 2013

http://pro-flughafen.ch/flughafen-zurich-entwicklungsmoglichkeiten-wahren/

Pro Flughafen fordert einen Volksentscheid über die Verlängerung der Pisten 28 und 32 des Flughafens Zürich. An der Jahresversammlung zum 70-jährigen Bestehen verlangt der Verein, die verbleibenden Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Flughafens im Interesse der Bevölkerung und des Lebensund Wirtschaftsraums Zürich zu wahren.

Max Binder, Nationalrat und Präsident von Pro Flughafen betonte die zentrale Bedeutung des Flughafens für die bisherige und künftige Entwicklung des gesamten Lebens- und Wirtschaftsraums Zürich. Wie sehr die Nähe zum Flughafen nicht nur von Unternehmen, sondern auch von grossen Teilen der Bevölkerung geschätzt wird, zeigt die Entwicklung der Flughafenregion. Sie ist seit Jahren die am stärksten wachsende Region der Schweiz. Dieses starke Wachstum setzt der weiteren Entwicklung des Flughafens enge Grenzen. Es hat ihn innerhalb eines halben Jahrhunderts vom Flughafen «auf der grünen Wiese» zum City-Airport werden lassen.

Den noch verbleibenden Entwicklungsspielraum gelte es zu wahren und zu nutzen, unterstrich Geschäftsführer Christian Bretscher. Mit der Festlegung der ersten Etappe des SIL-Objektblattes habe der Bundesrat die planerischen Grundvoraussetzungen geschaffen, dass wichtige Projekte wie neue Abstellflächen, zusätzliche Schnellabrollwege und die Umrollung der Piste 28 verwirklicht werden können. Zusätzlich sei die Planung des gekrümmten Nordanflugs und der Verlängerung der Pisten 28 und 32 rasch und entschlossen voranzutreiben, so Bretscher. Es könne nicht angehen, dass der Kantonsrat einen Entscheid des Zürcher Volkes über die Pistenverlängerungen verhindere.



11. Juli 2013

Südstarts: Erst Anflüge, nun die Abflüge!

http://www.maurmer-post.ch/xml_3/internet/de/intro.cfm

Der VSFN orientierte im Loorensaal Maur über die geplanten «Südanflüge Straight».



Am letzten Donnerstagabend war der Loorensaal beinahe voll. Erste Frage: Wieso waren Sie nicht da? Das Thema ist so brennend und akut, dass es grundsätzlich die Dreifach-Turnhalle in der Looren füllen sollte. VSFN-Präsident Thomas Morf und Maurs Gemeindepräsident Bruno Sauter orientierten über den neusten Stand der geplanten Südstarts. Sie lesen richtig: Es sind nicht die Anflüge, es sind Starts in Planung.

Sandro Pianzola

Pünktlich um 20 Uhr betritt VSFN-Chef Thomas Morf die Bühne. «Fliegen ist faszinierend, fliegen ist schön, fliegen ist nützlich – aber mit Mass» so seine Eröffnungsworte. Bevor er zu seinem rund einstündigen Vortrag ausholt, stellt Thomas Morf deutlich klar, dass er nichts gegen den Flughafen Zürich hat. Gegen die übertriebenen Expansionsgelüste von Fluggesellschaften und Flughafen-Verantwortlichen hingegen schon.

Ein Kenner spricht und informiert

Ausnahmsweise eine kleine Zusammenfassung zu Beginn: Thomas Morf orientierte über die Auswirkungen der geplanten Südstarts Straight am Flughafen Zürich. Ein Thema, das uns alle angeht. Im Speziellen im Vorfeld, bevor die geplanten Ausbauten definitiv beschlossen sind und nicht mehr bekämpft werden können. Wenn Ihnen in Zukunft die Flieger über Ihr Hausdach donnern, ist es für Reaktionen zu spät, ausser, Sie ziehen aus. Argumente, wie «warum hat man nicht?» oder «da müssen wir nun was unternehmen!» und «wieso informierte uns keiner?» gelten nicht mehr. Die Zeit ist reif, die Stunde schlägt bald, das Thema ist heiss. Für viele ein Muss, nun zu handeln. Möglicherweise auch für Sie!?

Mit zahlreichen und informativen Power-Point-Folien dokumentierte Thomas Morf seine Erläuterungen und liefert ein umfassendes Basiswissen, damit man die Gedanken hinter den kommerziellen Zusammenhängen erkennt und versteht. Die Zahlen und Fakten machen klar, dass sich der Flughafen Zürich nicht mit den europaweiten «Head-Hubs» wie Frankfurt, Paris oder London messen sollte. Denn da ist der Flughafen Zürich längst im Hintertreffen und statistisch gesehen im hinteren und für Europa eher im unbedeutenderen Mittelfeld. Morf gab deutlich zu verstehen, dass ein Flughafen einen wirtschaftlich starken Standort hat, sofern die Wirtschaft selbst stark ist, und nicht etwa umgekehrt, wie dies oft propagiert wird.

Rasante Entwicklung

Aus der Entwicklung des Flughafens Zürich ist deutlich zu erkennen, dass im Jahre 2000 erfolgreiche Zahlen ausgewiesen wurden. Danach erfolgte das Swissair-Grounding, das die Zahlen in der Folge sinken liess. Doch der Anstieg erfolgte in den Jahren danach erneut und zwar so stark, dass die Passagierzahlen Rekordhöhe aufwiesen. Obwohl die Flugbewegungen nicht in dem Ausmass wie die Passagierzahlen zunahmen. Das zeigt, dass die Flugzeuge grösser und besser ausgelastet werden. Thomas Morf spricht heute von einer beinahe erreichten Auslastung. Zieht man nun den Ausbauplan 2030 in Betracht, dann würden zu den heutigen Flugbewegungen nochmals täglich 21 Flugbewegungen zusätzlich zu den heutigen entstehen. Für eine solche Spitzenrealisierung ist dann eben der Ausbau mit Südstarts Straight erfoderlich.

Basis hierfür wären noch zwei weitere Optionen: Die Jet Aviation mit den Kleinfliegern müsste nach Dübendorf und die Messflüge ab Flughafen Zürich zeitlich in die Nacht verlegt werden. Ergo: Der 24-Stunden-Flugverkehr wäre eingeführte Tatsache.

Morf ist gut vorbereitet. Um deutlich zu machen, was startende Flieger für einen zusätzlichen Lärm verursachen, wurde eine Anlage aufgebaut. Zweimal liess er einen Flieger akustisch mit einer Lautstärke von 85 Dezibel ertönen, was den anwesenden Personen im Lororensaal fast den Atem nahm. Morf fügte an, dass zum Beispiel der werberisch klug als leise angepriesene Airbus A380 als Flüster-Jet, heute als der zweitlauteste Flieger gelte.

Was ist nun zu tun, um diesen Plan des Flughafens Zürich, der Aviatik-Industrie und des Bundesrates in Bern nicht bald traurige Wirklichkeit werden zu lassen? Nicht nur Thomas Morf erkennt die Gedanken und Bestrebungen des Bundesrates, die betroffene Bevölkerung schlicht aushebeln und ausschalten zu wollen und dem Sicherheitsgedanken keine Stimme mehr zu geben. Die letzte und bald einzige Möglichkeit, diese Entwicklung aufzuhalten, hat der Zürcher Regierungsrat.

Was ist nun dringend zu tun?

In dieser Hinsicht hat sich der VSFN Gedanken gemacht und eine Petition ins Leben gerufen.

Liebe Maurmer, machen Sie mit. Fordern Sie Unterschriftenbögen an, und reichen Sie dem VSFN mindestens einen ausgefüllten Bogen ein. Mit den mittlerweile 5300 Mitgliedern des VFSN zusammen, würden damit auf einfachste Art über 50'000 Unterschriften zusammen kommen, eine Zahl die dem Anliegen mehr Gewicht verleihen würde. Es ist jetzt höchste Zeit, dass man handelt. Orientieren Sie sich beim VSFN und machen Sie sich Gedanken über Ihre Unterstützung und eine Mitgliedschaft, bevor Ihnen die lauten Jets über das Dach fliegen.

Anschliessend an den Vortrag von Thomas Morf sprach Gemeindepräsident und Chef des Amts für Arbeit des Kantons Zürich Bruno Sauter zu den Anwesenden. In einer brillanten und überzeugenden Rede, die trotz des ernsten Themas auch viele Lacher erntete, stellte sich Sauter klar und deutlich hinter die Überlegungen des Vorredners Thomas Morf. Engagierter als man denkt, setzen sich auch elf weitere Gemeindepräsidenten der Südgemeinden seit Jahren gegen diese Entwicklung ein.

Liebe Maurmer, die Südanflüge sind schlimm genug, obwohl sich einige daran «gewöhnt» haben. Die Abflüge würden gemäss Ausführungen und Vermutungen von Thomas Morf mindestens doppelt so schlimm. Ergo: Jetzt handeln! Dies auch im Wissen, dass diese Südan- wie auch Abflüge keinem geltenden Recht entsprechen, was des souveränen Rechtsstaates Schweiz nicht würdig ist.

Bildlegenden

Der praktisch gefüllte Loorensaal während des Vortrags des VSFN über die Südabflüge Straight.

Seiten: Anfang ... 3 4 5 Zurück zur Übersicht


Lärm-Beschwerden: laerm@zurich-airport.com Tel 043 816 21 31  

Nutzungsbedingungen