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Thema: Südanflug Apr-Jun 2013


Von: Katrin.Forrer@bazl.admin.ch
Datum: 22. April 2013 16:57:28 MESZ
An: xxx
Betreff: Fluglärmberechnung

Sehr geehrter Herr Dünner

Wir haben Ihre E-Mail betreffend Fluglärm über Dübendorf und Gockhausen vom Generalsekretariat zur direkten Beantwortung erhalten.

Wie Sie ja bereits wissen, wird Fluglärm nicht gemessen, sondern nach genauen Vorgaben berechnet. Der Fluglärm um die Flugplätze wird mit einem speziellen Computer-Programm ermittelt. Dabei müssen abgesicherte Quelldaten, Bewegungsdaten und effektive Flugspuren eingegeben werden. Am Flughafen Zürich wurde die Lärmbelastung auf Grund der tatsächlich abgewickelten Flugbewegungen und deren mit Radar erfassten Flugwege ermittelt. Die Berechnung erfolgte gemäss der Eidgenössischen Lärmschutzverordnung (LSV). Tagsüber wurden die Lärmwerte über 16 Stunden gemittelt (06.00-22.00 Uhr), zur Nachtzeit wurden drei einzelne Einstundenwerte für die relevanten Stunden 22.00-23.00, 23.00-0.00 sowie 05.00-06.00 Uhr berechnet. Die wenigen Flugbewegungen zwischen Mitternacht und morgens um 5.00 Uhr wurden der zweiten Nachtstunde hinzugerechnet.

Gemäss den Berechnungen der Fluglärmbelastung 2011 (Gebiete mit Grenzwertüberschreitungen, dargestellt als umhüllende Kurven mit Tages- und Nachtlärmbelastungen, für Wohnzonen (ESII), siehe Anhang) gibt es in Dübendorf/Gockhausen durchaus Fluglärm. Dieser liegt über den gemäss der Lärmschutzverordnung vorgeschriebenen Belastungsplanungswerten. Der Flughafen ist in diesen Gebieten allerdings nicht verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Angaben dienlich zu sein.

Freundliche Grüsse,

Katrin Forrer

Fluglaermbelastungskarte_ESII_2011



Ausschnitt von Fluglaermbelastungskarte_ESII_2011



Erklärung
PW: Planungswert
IGW: Immissionsgrenzwert
AW: Alarmwert



Was ist eine Empfindlichkeitsstufe (ES)?

http://www.tba.zh.ch/internet/baudirektion/tba/de/laerm/laermsorgen/grundlagen/recht_gesetz/empfindlichkeitsstufe.html#a-content

Differenzierte Empfindlichkeiten

Die Lärmempfindlichkeit wird zonengerecht abgestuft.

Der Grundsatz leuchtet ein: Je mehr Lärm an einer Lage erzeugt werden darf, desto mehr Lärm ist dort auch zu ertragen. Deshalb werden die Belastungsgrenzwerte Lärm in der Lärmschutzverordnung (LSV) nach vier Empfindlichkeitsstufen (ES) differenziert, die eng mit den Nutzungszonen des Raumplanungsgesetzes (RPG) verbunden sind:

1. ES I:
Zonen mit einem erhöhten Lärmschutzbedürfnis (Erholungszonen)
2. ES II:
Zonen ohne störende Betriebe (Wohnzonen, Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen)
3. ES III:
Zonen mit mässig störenden Betrieben (Wohn- und Gewerbezonen, Landwirtschaftszonen)
4. ES IV:
Zonen mit stark störenden Betrieben (Industriezonen)



Belastungsgrenzwerte für Lärm

http://www.bafu.admin.ch/laerm/10312/10995/?lang=de

Um die Lärmbelastung zu beurteilen und zu begrenzen, legt die Lärmschutzgesetzgebung Planungswerte, Immissionsgrenzwerte und Alarmwerte für verschiedene Lärmarten fest. Diese sind auf die Lärmempfindlichkeit des belasteten Gebiets abgestimmt und liegen während der Nacht jeweils tiefer.

Die Belastungsgrenzwerte sind in der Lärmschutz-Verordnung (LSV) verankert und stützen sich auf das Umweltschutzgesetz:

  • Planungswerte gelten für die Errichtung neuer lärmerzeugender Anlagen und für die Ausscheidung und Erschliessung von Bauzonen für lärmempfindliche Gebäude (Wohnungen).
  • Immissionsgrenzwerte legen die Schwelle fest, ab welcher der Lärm die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden erheblich stört. Sie gelten für bestehende lärmerzeugende Anlagen und für Baubewilligungen von lärmempfindlichen Gebäuden (Wohnungen).
  • Alarmwerte sind ein Kriterium für die Dringlichkeit der Sanierungen und den Einbau von Schallschutzfenstern.

    Die Belastungsgrenzwerte sind für reine Wohngebiete strenger als für Gegenden, in denen auch gewerbliche Aktivitäten erlaubt sind («Empfindlichkeitsstufe» in der Tabelle). In der Regel gelten folgende Grenzwerte:



    Anwendung der Belastungsgrenzwerte

  • Neuanlagen (Art. 7 LSV)
  • Geänderte Anlagen (Art. 8 LSV)
  • Bestehende Anlagen (Art 13 LSV)
  • Einzonung (Art 29 LSV)
  • Erschliessung (Art 30 LSV)
  • Baubewilligung (Art 31 und 32 LSV)

    Lärmschutz-Verordnung (LSV)





  • Quelle: EMPA - Lärmbekämpfung in der Schweiz: Grundzüge und Bilanz



    Entschädigungen

    Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich

    Sitzung vom 24. September 2003 1423.

    Antwort des Regierungsrats auf Anfrage (Finanzierung von Schallschutz- und Entschädigungsmassnahmen aus dem «Airport Zurich Noise Fund» der Unique):

    Die Überschreitung des IGW stellt eine der drei Voraussetzungen für die Zusprechung von Entschädigungen für formelle Enteignungen infolge übermässigen Fluglärms dar: Nur wenn der IGW überschritten ist, die Fluglärmbelastung nicht voraussehbar war und dem betreffenden Liegenschafteneigentümer bzw. der Liegenschafteneigentümerin daraus ein Schaden auf Dauer von gewisser Schwere entstanden ist, können Entschädigungsbegehren erfolgreich geltend gemacht werden.



    Flughafen Zürich

    SIL-Prozess und Staatsvertrag

    Anpassung des Objektblatt-Entwurfs aufgrund des Staatsvertrags mit Deutschland vom 5. Oktober 2012

    Der Entwurf enthält u.a. viele Bilder von allen möglichen An- und Abflugrouten. Unter 5. Entlastungsmöglichkeiten im Osten und Westen des Flughafens, befindet sich der für den Süden wichtige Satz:

    Diese Lärmbelastung könnte durch Starts nach Süden geradeaus vermieden werden. Dabei stünde die zusätzliche Belastung in dicht besiedelten Gebieten aber in einem ungünstigen Verhältnis zu den erzielbaren Entlastungen, wie der Vergleich der verschiedenen Flugbetriebskonzepte zeigt. Es ist indes nicht ausgeschlossen, dass später einmal, wenn eine neue Generation von Flugzeugen bedeutend weniger Lärm erzeugt, dieses Konzept in Erwägung gezogen wird.



    Flughafen Zürich-Kloten

    Südanflug verletzt Empfehlungen zur Sicherheit, Tages Anzeiger vom 2. 4.

    Bazl korrigiert sich.


    Der Südanflug auf den Flughafen Zürich-Kloten widerspricht den Sicherheitsempfehlungen der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (Icao). Dies hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) gegenüber der «SonntagsZeitung » erstmals eingeräumt.

    Als die Zeitung am 31. März aufdeckte, wie das Bazl die sicherheitsrelevante Topografie der Pfannenstielkette beim Südanflug durch Manipulation der für die Sicherheit massgebenden Hindernis-Begrenzungsfläche austrickste, reagierte das Bazl noch mit wilden und unprofessionellen Schutzbehauptungen: Die Sicherheit sei zu hundert Prozent gewährleistet. Icao-Normen würden alle befolgt. Nur «Empfehlungen » würden teilweise nicht eingehalten.

    Namhafte Tageszeitungen übernahmen diese Rechtfertigungsversuche vorbehaltlos.

    Um die Verletzung von Icao-Normen und damit der Betriebskonzession des Flughafens Zürich-Kloten nicht direkt zugeben zu müssen, bezeichnete das Bazl den horizontalen Verlauf des 3. Teilstückes der Hindernis-Begrenzungsfläche als (nicht verbindliche) Icao-Empfehlung und verkaufte seine willkürliche und im wahrsten Sinne des Wortes schräge «Bazl-Norm» als Icao-Standard!

    Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation bestätigte nun explizit, dass die horizontale Begrenzungsfläche Bestandteil des Icao-Standards sei und so angewendet werden müsse. Die Südanflüge stehen also seit zehn Jahren im Widerspruch zu den im Icao-Annex-14-Normenwerk vorgeschriebenen Sicherheitsstandards. Das Gelände penetriert als Hindernisrisiko mit bis zu 215 Metern massiv in den frei zu haltenden Anflugraum.

    Jean-Pierre Schiltknecht, Zollikerberg



    Auf diesen Artikel bezieht sich der obige TA-Leserbrief von J.P. Schiltknecht.

    Der Südanflug verletzt internationale Normen

    http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/artikel-detailseiten/?newsid=247945

    Wie die Luftfahrtbehörde bei der Piste 34 des Flughafens Zürich trickste





    Medieninformation, 14.06.2013

    Safety on Ground

    Safety on Ground darf nicht länger Tabuthema sein. Safety on Ground ist weit mehr als physische Sicherheit für die unbeteiligte Bevölkerung am Boden. Die beabsichtigten Südstarts straight widersprechen in allen Aspekten dem Grundsatz von Safety on Ground und stellen damit das grösstmögliche Risiko für die Bevölkerung dar.

    Die Kampagne des VFSN, „Safety on Ground“ klärt die betroffene Bevölkerung über die Gefahren auf und fordert den Verzicht auf Südstarts straight.





    2. Küsnachter Südstart-Abend – eine Nachlese

    http://kuesnachtblog.ch/WordPress/politik/fluglaerm/kuesnachter-suedstart-abend-in-der-presse/#.UbxzDOUSAg4.email

    Veröffentlicht am 14. Juni 2013



    So nahe liegt die Startbahn 16: Über dem Zollikerberg werden die geradeaus nach Süden startenden Flugzeuge nach Küsnacht und Erlenbach abdrehen und über den See fliegen, um die Anschlusspunkte der internationalen Flugrouten anzupeilen. Die schweren Langstreckenflieger steigen nur langsam; sie machen heute bei Südstarts eine Linkskurve über waldiges Gebiet.



    26. Juni 2013

    Gegen Zusatzbelastung für Zürich-Nord durch «Südstarts geradeaus»

    http://www.stadt-zuerich.ch/content/prd/de/index/ueber_das_departement/medien/medienmitteilungen/2013/juni/130626a0.html

    Die Stadt Zürich spricht sich entschieden und vehement gegen «Südstarts geradeaus» aus, wie sie im SIL-Beschluss des Bundesrats als Möglichkeit vorgesehen sind. «Südstarts geradeaus» betreffen mit den nördlichen Zürcher Stadtquartieren dichtest besiedelte Gebiete der Schweiz, die schon heute hohe Fluglärmlasten tragen. Die Stadt Zürich begrüsst und unterstützt die Haltung des Flughafens, von der Möglichkeit der «Südstarts geradeaus» keinen Gebrauch zu machen. Vom Kanton Zürich erwartet die Stadt, dass er bei konkreten Anträgen für «Südstarts geradeaus» sein Vetorecht ausüben würde.

    Die Stadt Zürich spricht sich entschieden und vehement gegen «Südstarts geradeaus» aus. «Südstarts geradeaus» belasten zuallererst die nördlichen Zürcher Stadtquartiere und damit dichtest besiedelte Gebiete der Schweiz mit über 150 000 Menschen, die dort wohnen, arbeiten und leben. Die Zürcherinnen und Zürcher im unmittelbaren Süden des Flughafens tragen bereits heute bedeutende und konkrete Fluglärmlasten und werden diese auch in Zukunft zu tragen haben: Zwölf Prozent aller Starts führen schon heute über Schwamendingen, und auch ohne «Südstarts geradeaus» belasten vier von zehn Starts Zürcher Stadtgebiet.

    Die Stadt Zürich begrüsst und unterstützt die Haltung des Flughafens, von der Möglichkeit der «Südstarts geradeaus» keinen Gebrauch zu machen. Eine allfällige entsprechende Anpassung des Betriebsreglements braucht zudem die Zustimmung des Kantons Zürich. Die Stadt Zürich erwartet, dass der Kanton bei konkreten Anträgen für «Südstarts geradeaus» sein Vetorecht ausüben würde.

    Ziel der Stadt Zürich ist und bleibt, dass möglichst wenige Menschen und diese mit möglichst wenig Lärm belastet werden. «Südstarts geradeaus» führen zum Gegenteil: zu einer maximalen Belastung von maximal vielen Menschen. Die SIL-Festlegung des Bundesrats beinhaltet Möglichkeiten, die weniger lärmbelastete Personen zur Folge haben (unter anderem durch die Einführung eines gekrümmten Nordanflugs) und damit der Zielsetzung der Stadt Zürich besser entsprechen.



    Tages-Anzeiger, 04.07.2013, Leserforum, Seite 11

    Flugplan als Wettermacher.

    Der Südstart auf dem Flughafen Zürich soll künftig bei Nebel- und Bisenlage neu geradeaus über das dichtest besiedelte Gebiet im Kanton Zürich erfolgen. In dieser Zeit ersetzt er den Südstart «leftturn». Eine zweite Änderung sind Landungen bei Nordostwind, die neu ganztags ebenfalls über das Gebiet mit den meisten Bewohnern im Kanton Zürich von Süden her erfolgen sollen. Aufgrund der bereits gemachten schmerzlichen Erfahrung mit der stetig ansteigenden Anzahl von Abendanflügen über den Süden bei Ostwindlage, wage ich folgende (Wetter)-Prognose: Wir werden in den nächsten Jahren analog zu den plötzlich vermehrt auftretenden Ostwinden am Abend noch zusätzlich eine unvorhersehbare Klima- und Wetterveränderung im Grossraum Zürich erfahren. Nebel- und Bisenlage werden massiv zunehmen, und auch Nordostwind wird ab sofort an der Tagesordnung sein. Sprich: Der Flugplan und die Kapazitätsbedürfnisse werden zum Wettermacher.

    Urs R. Dumermuth, Männedorf



    Tages-Anzeiger, 04.07.2013, Leserforum, Seite 11

    Vetorecht der Zürcher Regierung.

    «Abgeschlossene Sicherheitsabklärungen für Südabflüge geradeaus existieren nicht», heisst es auf Anfrage für Akteneinsicht in einem Antwortschreiben des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). Der Bundesrat hat also die Südabflüge 16 straight im vorgezogenen ersten Teil des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) per Dekret ohne Sicherheitsnachweis verabschiedet. Eine höchst fragliche und verantwortungslose Vorgehensweise.

    Wiederum wertet der Bundesrat die Kapazitätswünsche der Luftfahrt höher ein als die Sicherheitsanliegen der Bevölkerung, wie schon 2003 bei der Notrechteinführung der Südanflüge. Wiederum setzt der Bundesrat bei der Sicherheit für die Bevölkerung fahrlässig auf von Standards der internationalen Zivilluftfahrtorganisation (Icao) abweichende Ausnahme- und Sonderregelungen.

    Der Flughafen erstellt die Wunschliste, und das Bazl sucht nach Schleichwegen, um die in der Flughafenkonzession enthaltenen Auflagen für einen nach Icao-Vorgaben zu gestaltenden Flugbetrieb zu umgehen. Wann setzt der Zürcher Regierungsrat endlich sein Vetorecht ein gegen die unerträglichen Kapazitätswunschlisten des Flughafens und die Sicherheits-Tarnmanöver des Bundesrates?

    Jean-Pierre Schiltknecht, Zollikerberg

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