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Thema: Medienberichte Jan-Jun 2016


Der Traum aller Fluglärmfairteiler:

http://www.endlessrunway-project.eu/

Ob das Satire ist oder ein ernstgemeinter Vorschlag?


Zuletzt bearbeitet: 16.06.16 22:56 von Thomas


Flughafen Zürich

Süden wehrt sich gegen Kapazitätssteigerung

http://www.nzz.ch/zuerich/aktuell/flughafen-zuerich-sueden-wehrt-sich-gegen-kapazitaetssteigerung-ld.88781

von Andreas Schürer 14.6.2016, 11:15 Uhr

Das Fluglärmforum Süd wehrt sich juristisch gegen die geplanten Schnellabrollwege am Flughafen Zürich. Vor Gericht argumentiert der Verbund der Südgemeinden, die Massnahme erhöhe die Sicherheit nicht.

Schon das Vorspiel bietet Juristenfutter: Im ersten Teil des Sachplans für den Flughafen Zürich sah der Bund den Bau von Schnellabrollwegen von den Pisten 28 und 34 vor, damit gelandete Flugzeuge rascher Platz machen können. Gegen die vom Bund im Frühling erteilte Plangenehmigung für das Bauvorhaben reicht das Fluglärmforum Süd nun Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein, wie die Plattform von Gemeinden aus dem Süden des Flughafens am Dienstag mitgeteilt hat. Die wirklich umstrittenen Themen folgen allerdings erst im zweiten Teil des Sachplans, den der Bundesrat wahrscheinlich noch dieses Jahr vorstellen wird: Themen wie Verlängerungen der Pisten 28 und 32 oder der Südstart geradeaus in Spitzenzeiten wie in der Mittagswelle.

Gemeinden fürchten Mehrbelastung

An den Schnellabrollwegen stört das Fluglärmforum, dass diese einzig einer Kapazitätserhöhung dienten. Konkret sei mit rund 150 zusätzlichen Flügen pro Woche zu rechnen, davon 100 am Wochenende, schreibt das Fluglärmforum Süd. Auf das Jahr hochgerechnet erhöhe sich die Kapazität des Flughafens wegen der Schnellabrollwege um über 7800 Flüge. Das Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) wertet die Folgen der Schnellabrollwege anders. Im Zusammenhang mit der Erteilung der Plangenehmigung schrieb es, die Gesamtkapazität des Flughafens werde kaum erhöht, da die Flugzeuge ausserhalb der deutschen Sperrzeiten gemäss Nordkonzept hauptsächlich auf der Piste 14 landen würden.

Laut einem Umweltverträglichkeitsbericht werde auch die Fluglärmbelastung durch die zusätzlichen Landungen nicht verändert. Dank der maximal möglichen zwei Landungen pro Stunde erhalte der Flughafen aber Spielraum, um die aktuelle Verspätungsproblematik zu entschärfen. Diese stellt am Flughafen gegenwärtig ein Topthema dar, das Betreiber, Airlines und Kanton gleichermassen beschäftigt – wegen ärgerlicher Unpünktlichkeit und weil wegen verschleppten Verzögerungen die letzten Flüge oft erst nach 23 Uhr starten.

Projekt verzögert sich

In seiner Beschwerdeschrift rügt das Fluglärmforum Süd auch gravierende Mängel im Verfahren für die Plangenehmigung. So sei das rechtliche Gehör verletzt worden und es fehle eine raumplanerische Interessenabwägung, die das Bundesgericht in einem früheren Entscheid verlangt habe. Darum müsse die Plangenehmigung aufgehoben worden, postuliert der Verbund der Südgemeinden. Vorerst freut er sich, dass sich das Verfahren verzögere und der Flughafen keine Schnellabrollwege bauen dürfe, bis ein Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vorliege.

So schnell dürften Beschwerden den Flughafen indes nicht mehr erschüttern: Dass auch der harmlosere Teil des Sachplans nicht geräuschlos über die Bühne geht, war absehbar. Neben dem Fluglärmforum Süd hat laut Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling auch der Verein Flugschneise Süd-Nein Beschwerde eingereicht. Zöchling rechnet mit einer Verzögerung des Schnellabrollweg-Projekts um rund zwei Jahre.



Auslandsreise

Kretschmann in der Schweiz: Harmonie endet beim Fluglärm

http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/kretschmann-in-der-schweiz-harmonie-endet-beim-fluglaerm--123507620.html

Ministerpräsident Winfried Kretschmann absolviert seine erste Auslandsreise in der zweiten Amtszeit wie selbstverständlich in der Schweiz. Kritisches wird aber nur im engen Kreis besprochen.

Es ist ein Höflichkeitsbesuch unter Nachbarn, vielleicht sogar unter Freunden. Man kennt sich, plaudert miteinander und vergisst dabei ein wenig die Zeit. Man schneidet auch mal strittige Themen an – aber mehr auf keinen Fall.

Konkrete Abmachungen, das sagt man ganz offen, sind "gar nicht vorgesehen". Man habe nur angesprochen, was zwischen den beiden Ländern an Themen und Problemen ansteht, und die liegen hauptsächlich beim Verkehr. Doris Leuthard, die amtierende Verkehrs- und Umweltministerin der Eidgenossen, kennt Kretschmann seit fünf Jahren. Der Grüne und die Schwarze können gut miteinander. Am Donnerstag dauerte ihr Gespräch länger als geplant. Worüber geredet wurde? Über den zögerlichen Bahnausbau in Deutschland, den Flughafenlärm aus der Schweiz, die Lagerung von Atommüll. Da ist zwar manches strittig, aber die deutsche wie die Schweizer Seite legen Wert auf ein weitgehend ungestörtes Miteinander. Zumindest nach außen hin.

Von Teilnehmern an den Gesprächen ist allerdings hinterher zu erfahren, dass es dennoch beim Thema Fluglärm mit der Harmonie nicht weit her ist. Kretschmann habe deutlich gemacht, dass man hinter die Stuttgarter Erklärung aus dem Jahr 2009 nicht zurückfallen werde, die Anflugzeiten und -zahlen über deutschem Boden Richtung Flughafen Zürich genau vorschreibt. Dies gelte auch ungeachtet aller Versuche des Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt, am Land und an Südbaden vorbei Fakten zu schaffen.

Genauso möchte Kretschmann aber auch einseitige Festlegungen wie den Ostanflug oder den gekröpften Nordanflug seitens der Schweizer verhindern – man sucht und sucht nach einem Kompromiss. Der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann schwimmt auf gleicher Wellenlänge, er sollte als Einziger Minister Kretschmann begleiten, sagt die Reise aber kurzfristig wegen des Todes seiner Mutter ab. Gemeinsamkeiten sucht man auch beim Thema Endlager für den Atommüll aus Schweizer Kernkraftwerken. Leuthard sichert zu, deutschen Anliegergemeinden die gleiche Mitsprache zu garantieren wie den Schweizern.

"In ist in und out ist out" in der Europäischen Union, hat Finanzminister Wolfgang Schäuble definiert. Das gilt nicht in ganzer Härte für die Schweiz. Beide Seiten suchen bei Kretschmanns Besuch Kompromisse, vor allem bei der (vom Volk vor zwei Jahren knapp abgesegneten, aber noch nicht umgesetzten) Begrenzung der Zuwanderung.

Keine Einschränkungen für deutsche Berufspendler

Kretschmann warnt vor schwerwiegenden Folgen einer Kündigung bilateraler Verträge, nicht zuletzt dem des Rechts auf die freie Wahl von Arbeit und Wohnsitz, das Schweizer Bürger in der EU genießen – und umgekehrt. Ein Großteil der 56 000 Grenzgänger kommt aus Baden-Württemberg, sie wären als Arbeitspendler betroffen. "Diese Menschen sind keine Einwanderer", warnt Kretschmann, "für die sollte es keine Hürden geben."

Er spricht auch mit einem handverlesenen Kreis deutsch-schweizerischer Unternehmer. Jeweils rund 14 Milliarden Euro wandern als Wirtschaftsleistung in beide Richtungen über die Grenze, einige Milliarden davon sitzen im Salon des "Schweizerhofs" am Zürcher Hauptbahnhof. Doch es ist wenig mehr als ein gegenseitiges Kropfleeren, vor allem der Handwerker über die schwergängige Schweizer Bürokratie. Aber es ist gut, dass man überhaupt darüber gesprochen hat. Gottlieb Keller, Vizepräsident der deutsch-schweizerischen Handelskammer, kennt die erklärende Formel: Bei aller Zuneigung der Nachbarn "entsteht ein bisschen Wärme immer auch durch Reibung".




Deutsche Berufspendler keine Zuwanderer

http://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article156476900/Deutsche-Berufspendler-keine-Zuwanderer.html

Bern (dpa/lsw) - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat vor schwerwiegenden Folgen einer begrenzten Zuwanderung aus der EU in die Schweiz für die Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg gewarnt. Zugleich betonte er am Donnerstag in Bern die Bereitschaft der Landesregierung, die Schweiz zu unterstützen. Dabei geht es um die Verhandlungen mit der EU über einen Kompromiss für die Umsetzung der 2014 knapp angenommenen eidgenössischen Volksinitiative gegen «Masseneinwanderung».

Besonders problematisch sei dabei aus Sicht Stuttgarts, dass von Beschränkungen auch die rund 56 000 deutschen Grenzgänger betroffen sein könnten. Diese pendeln täglich vor allem aus Baden-Württemberg zur Arbeit in die Schweiz. «Diese Menschen sind keine Einwanderer», sagte Kretschmann vor Reportern in Bern. Für Berufspendler «sollte es aus unserer Sicht keine Hürden geben».

Die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Baden-Württemberg basiere auf den bilateralen Verträgen der Eidgenossenschaft mit der EU. Das erklärte Kretschmann zum Auftakt seiner zweitägigen Gespräche mit Regierungspolitikern in Bern sowie mit Wirtschaftsvertretern in Zürich. Die Schweiz gehört zu den wichtigsten Handelspartnern Baden-Württembergs.

Die Initiative der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) gegen «Masseneinwanderung» war 2014 mit 50,3 Prozent der Stimmen angenommen worden. In welcher Form sie konkret umgesetzt wird, ist noch nicht klar. Angedacht ist seitens Bern die Aktivierung einer Schutzklausel im Freizügigkeitsabkommen zwischen der EU und der Schweiz. Es garantiert bislang noch Deutschen und allen anderen EU-Bürgern die freie Wohnsitz- und Arbeitsplatzwahl in der Schweiz sowie für Schweizer in allen EU-Ländern.

Die EU-Kommission in Brüssel hat deutlich gemacht, dass sie eine Verletzung des Abkommens über Personenfreizügigkeit als Verstoß gegen das Gesamtpaket der bilateralen Verträge mit der Schweiz ansehen würde. Dies könnte deren Zugang zum europäischen Binnenmarkt gefährden. Bis Anfang 2017 muss die Regierung in Bern zumindest einen abgestimmten Fahrplan für konkrete Verhandlungen mit der EU über die Umsetzung der Initiative vorlegen. Gespräche dazu lagen seit Monaten auf Eis, weil Brüssel erst das Brexit-Referendum abwarten und sich auf Verhandlungen mit London konzentrieren wollte.

Kretschmann traf Donnerstagnachmittag mit dem Schweizer Bundespräsidenten und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann zusammen. Dabei wollte er nach eigenen Angaben die Sorgen Baden-Württembergs wegen der Initiative gegen «Masseneinwanderung» ansprechen.

Zuvor hatte sich der Ministerpräsident bei einem Gespräch mit der Verkehrsministerin Doris Leuthard Kritik an der schleppenden Umsetzung deutscher Verpflichtungen für den Bau von Zubringerstrecken des Großprojekts Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) anhören müssen. Das sei «blamabel» gewesen, schilderte Kretschmann. Während die Schweiz mit der pünktlichen Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels - des Herzstücks der NEAT - eine Glanzleistung vollbracht habe, werde das deutsche Projekt Modernisierung der Rheintalbahn frühestens 2030 fertig - mit zehnjähriger Verspätung.

Keine Annäherung gab es beim Gespräch mit Leuthard hinsichtlich des seit Jahrzehnten schwelenden Streits über den vom Airport Zürich-Kloten verursachten Fluglärm. Deutschland hat 2014 ein Regierungsabkommen dazu nicht ratifiziert, nachdem die betroffenen Landkreise im Grenzgebiet starke Bedenken erhoben.

Die Schweiz will nun Regeln für Flugkorridore und Flugzeiten festlegen. Baden-Württemberg lehne solche einseitigen Maßnahmen ab und bestehe darauf, weiter gemeinsam nach Kompromissen zu suchen, betonte Kretschmann.
Beim Thema Endlagersuche für den Abfall aus Schweizer Atomkraftwerken sicherte Leuthard nach Angaben des Ministerpräsidenten zu, dass eventuell betroffene deutschen Gemeinden das selbe Mitspracherecht eingeräumt werde wie den schweizerischen.



Drei Landräte wollen über Fluglärm reden

http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/kreis-konstanz/Drei-Landraete-wollen-ueber-Fluglaerm-reden;art372432,8772390

Eine südbadische Delegation will Anfang Juli zu einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Dobrindt nach Berlin reisen. Es geht um die Belastung der Grenzregion durch Flugverkehr und die Sorge, dass ein neues Betriebsreglement des Flughafens Zürich noch mehr Flugverkehr für die deutsche Seite bringen könnte. Ausgerechnet eine deutsche Behörde, das Bundesaufsichtsamt für Flugverkehr, befürwortet das neue Ostanflugkonzept der Flughafenbetreiber.

Der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle und seine Kollegen aus den Landkreisen Waldshut und Schwarzwald-Baar bemühen sich derzeit intensiv um einen Termin bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Nach Lage der Dinge könnte Anfang Juli ein Gespräch zustandekommen, so verlautete aus dem Landratsamt. Die Delegation aus Südbaden will mit dem Regierungsmitglied in Berlin über Fluglärm reden. Denn nach einer Stellungnahme des deutschen Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) befürchten die grenznahen Landkreise, das Bundesverkehrsministerium könnte ein neues, umstrittenes Betriebsreglement für den Flughafen Zürich genehmigen, das der deutschen Seite mehr Flugverkehrsbelastung bringt. Minister Dobrindt soll nun bekräftigen, dass er keiner Mehrbelastung für Südbaden zustimmen werde.

Nervös gemacht hat die Landräte eine Stellungnahme des deutschen Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung vom 10. Juni. Bei einem Treffen mit dem Fluglärmbeirat, dem auch Vertreter der Landkreise angehören, ließ das BAF wissen, dass es aus fachlicher Sicht keine Gründe sehe, die gegen das vom Flughafen Zürich beantragte neue Betriebsreglement sprechen. Die Airport-Betreiber wollen künftig in den Sperrzeiten abends und nachts alle Anflüge auf die Ostpiste über Norden, also über Deutschland, führen. Das Bundesaufsichtsamt ist auf deutscher Seite für die fachliche Bewertung von Flugverfahren zuständig und das Bundesverkehrsministerium muss die Änderungspläne genehmigen. Und das BAF empfiehlt eine solche Genehmigung. Das neue Ostanflugkonzept erhöhe die Sicherheit des Flugbetriebs.

Eine entsprechende Bewertung hat das Amt dem Bundesverkehrsministerium inzwischen zugeleitet. Gleichwohl betonten die BAF-Vertreter bei dem Treffen mit dem Fluglärmbeirat, das in Langen bei Frankfurt stattfand, dass man nicht für eine politische und völkerrechtliche Bewertung des beantragten Betriebsreglements zuständig sei.

"Der Landkreis Konstanz ist von der fachlichen Einschätzung des BAF überrascht", sagte Philipp Gärtner, der Stellvertreter von Landrat Frank Hämmerle, auf Anfrage dieser Zeitung. Man vertraue auf das Wort von Bundesverkehrsminister Dobrindt, dass es beim Flugverkehr zu keiner Mehrbelastung über Südbaden kommen werde. Dobrindt hatte dies im vergangenen Jahr bei einem Besuch in Waldshut so zugesagt.

Der frühere grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann brachte die Stellungnahme des Bundesamts zu Wochenbeginn in der Sitzung des Konstanzer Kreistags zur Sprache. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte er: "Dobrindt darf das nicht genehmigen." Die Landkreise und die Region müssten "Sturm laufen" gegen solche Absichten. Lehmann verwies auch noch einmal auf das Gutachten, das die Landkreise und das Land Baden-Württemberg in Auftrag gegeben hatten. Danach müsse Südbaden mit 10¦000 Anflügen pro Jahr zusätzlich rechnen, wenn das vom Airport Zürich beantragte Ostanflugkonzept genehmigt werde. "Der Landkreis Konstanz wäre in den Sperrzeiten extrem belastet", warnt der Grünen-Politiker. Die Gutachter der Dresdner Gesellschaft für Luftverkehrsforschung hatten auch Alternativen zum Ostanflugkonzept der Flughafenbetreiber aufgezeigt. Nach Angaben von Philipp Gärtner vertritt das BAF allerdings die Ansicht, dass diese Alternativen der Genehmigungsfähigkeit des Schweizer Antrags nicht entgegenstehen.



Der neue Swiss-CEO fordert Kapazitätsausbau in Zürich

«Verspätungen passen nicht zur Schweiz»

http://www.nzz.ch/zuerich/aktuell/der-neue-swiss-ceo-fordert-kapazitaetsausbau-in-zuerich-verspaetungen-passen-nicht-zur-schweiz-ld.91541

Interview von Andreas Schürer, Michael Schäfer 25.6.2016, 06:00 Uhr

Die Swiss führt zwei neue Flugzeugtypen ein, kämpft mit Verspätungen und gegen Konkurrenz vom Golf. In Zürich brauche sie mehr Kapazität in Spitzenzeiten, fordert CEO Thomas Klühr im Interview.

Herr Klühr, am Flughafen Zürich ist viel Positives über Sie zu hören: Sie seien ruhig, kooperativ – ein ganz anderes Temperament als Ihr teilweise draufgängerischer Vorgänger Harry Hohmeister. Sind Sie zu nett?

Das denke ich nicht. Es ist für mich aber selbstverständlich, mit wesentlichen Partnern konstruktive Gespräche zu führen. Wir haben viele ähnliche Ziele – alle wollen den Standort weiterentwickeln. Konstruktiv sein heisst aber nicht, dass man immer nett ist.

Entspannend wirkt vor allem die Beilegung des Streits zwischen Airlines und Flughafen um die Passagiergebühren. Sind Sie zufrieden mit dem Kompromiss, der vor Ihrem Antritt erzielt wurde?

Es ist grundsätzlich gut, dass nach schwierigen Diskussionen ein Kompromiss gefunden wurde. Doch generell sind die Kosten am Flughafen Zürich noch auf einem zu hohen Niveau. Aber da bin ich jetzt tatsächlich nett: Es wäre unangebracht, das Thema wieder aufzureissen, nachdem eine für vier Jahre gültige Lösung festgelegt worden ist. Wenn es darum gehen wird, neue Verträge zu verhandeln, werden wir aber adressieren, dass wir nicht da sind, wo wir hinmüssen. Der Kostendruck darf nicht nur auf den Schultern der Airlines liegen.

Ihnen schlug vor Ihrem Antritt auch Skepsis entgegen. So fürchteten manche, dass Sie als enger Vertrauter des Lufthansa-Konzernchefs Carsten Spohr aus der Swiss eine Art «Lufthansa Schweiz» machen sollen.

Das habe ich wahrgenommen. Einerseits ist es erklärbar. Ich war zuvor 25 Jahre bei der Lufthansa, ich bin Deutscher, kenne Carsten Spohr gut, da kann man von aussen schon auf solche Gedanken kommen. Anderseits war ich überrascht über dieses Misstrauen, weil es unlogisch wäre, aus der Swiss eine «Lufthansa Schweiz» zu machen. Die Swiss war in den letzten Jahren sehr erfolgreich, sie gab hohe Beiträge an den Lufthansa-Konzern ab, und die Marke ist stark. Meine Herausforderung ist, dieses hohe Niveau zu halten.

Was sind denn die wichtigsten Themen, die Ihre Agenda prägen?

Gefordert sind wir zurzeit durch die Einflottung der 30 C-Series von Bombardier auf der Kurz- und Mittelstrecke und der 9 Boeing 777-300ER auf der Langstrecke. Für die Grösse des Unternehmens ist es ungewöhnlich, zwei Flugzeugtypen gleichzeitig einzuführen, die C-Series sogar als Weltpremiere. Geplant war es anders, wegen der verspäteten Lieferung der C-Series ist es nun doch so – und wir flotten innert zweier Jahre 64 Flugzeuge ein und aus. Das müssen wir ordentlich meistern. Ein zweites Schwerpunktthema ist die Pünktlichkeit. Das Ausmass der Verspätungen in Zürich hat mich negativ überrascht. Wichtig ist mir zudem die Mitarbeiterbeziehung. Punkto Wertschätzung können wir uns verbessern.

«Generell sind die Kosten am Flughafen Zürich auf einem zu hohen Niveau.»

Mitte Juli nehmen Sie die C-Series von Bombardier in Betrieb. Sie wollten ursprünglich keinesfalls Erstbetreiber sein, nun sind Sie es doch. Was überwiegt: Sorgen über Pannen oder Freude auf die Premiere?

Die Freude, ganz klar. Es ist schon einzigartig: Nicht viele können erzählen, dass sie in ihrem Berufsleben ein neues Flugzeug eingeführt haben. Dieser Stolz ist bei der ganzen Mannschaft spürbar, aber die Herausforderungen sind gross. Zugeben muss ich, dass ich nach meinem Antritt im Februar in Sorge war, ob genügend andere Airlines das Bombardier-Flugzeug bestellen und ob dieses ein Erfolg wird. Nach Aufträgen wie von Air Canada und Delta Air bin ich nun aber sehr zuversichtlich.

Was gibt es bis zum Erstflug am 15. Juli noch zu tun?

Wir sind auf Kurs, wichtige Zertifizierungen sind in den letzten Wochen eingetroffen. Noch werden mit Hochdruck Mitarbeiter geschult, Piloten, Techniker, Flight-Attendants. Das Flugzeug kommt, wenn alles klappt, am 1. Juli nach Zürich. Ich sehe nichts, was den rechtzeitigen Start verhindern könnte.

Mit den neuen Flugzeugen sind Aufstockungen der Kapazitäten verbunden. Was bedeutet das auf der Personalseite?

Alles in allem, auch mit dem Ersatz von ausscheidenden Mitarbeitern, stellen wir 800 Personen ein. Netto stocken wir um 500 Mitarbeiter auf. Den grössten Rekrutierungsbedarf gibt es bei den Flight-Attendants. Da hatten wir vorübergehend Probleme, in kurzer Zeit so viele zu finden, das hat sich nun aber gut entwickelt. Notabene sind unter den neuen Mitarbeitern auch viele Schweizerinnen und Schweizer.

Kommen die Kapazitätserweiterungen zur richtigen Zeit? Immerhin ist die Auslastungsquote im vergangenen Jahr trotz steigenden Passagierzahlen gesunken.

Wir unternehmen tatsächlich einen grossen Sprung, die Boeing 777 bietet zum Beispiel über 100 Sitze mehr als der Airbus A340. Auf der Langstrecke hatten wir allerdings konstant eine sehr hohe Auslastung erreicht, die Kapazitäten waren zu knapp. Dass wir insgesamt Zeit brauchen werden, um die steigende Kapazität zu füllen, ist normal. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir da hineinwachsen werden, auch wenn wir mit dem schwächelnden Schweizer Markt und dem starken Franken kämpfen. Insgesamt nimmt der Luftverkehr weltweit stark zu – da wollen und müssen wir partizipieren. Wäre der Lufthansa-Konzern nicht vom Potenzial überzeugt, würde er nicht 5 Milliarden Franken in die Swiss investieren.



[Fortsetzung]

Wie stark stellen die Unsicherheiten nach dem Brexit die Planung infrage?

Ich hätte mich gefreut, wenn es anders herausgekommen wäre. Wenn nun der Franken gestärkt wird, ist das schlecht für uns. Die mittelfristigen Auswirkungen auf Währung, Kundenverhalten und Wirtschaft sind allerdings noch offen. Losgelöst davon bin ich enttäuscht, weil es einen verzweifeln lässt ob der Frage, wie es in Europa weitergehen soll. Wir haben schwierige Jahre hinter uns, wenn man als Europäer denkt, der Brexit ist ein weiterer Schlag.

Zum Verzweifeln dürfte auch das Thema Pünktlichkeit sein: Jeder vierte Flug hat beim Abflug in Zürich mehr als 15 Minuten Verspätung. Sicher haben Sie bei Flughafenchef Stephan Widrig schon einen Forderungskatalog deponiert.

Nun, wir haben viele Gespräche geführt. Allen ist klar, dass wir besser werden müssen, die vielen Verspätungen passen auch nicht zur Schweiz. Dies ist aber nicht über Nacht lösbar. Wir können einige Hausaufgaben machen, wir überlegen zum Beispiel, ob wir immer auf Anschlusspassagiere warten sollen. Das wird aber nicht den Durchbruch bringen. Letztlich ist es eine Frage der Kapazität, sowohl am Boden als auch in der Luft. Und nicht zuletzt braucht es auch Wetterglück: Der gewittrige Juni hat in Bezug auf die Pünktlichkeit vielen europäischen Flughäfen zugesetzt.

Immer wieder hört man den Vorwurf, Skyguide habe nach diversen Vorkommnissen die Sicherheitsmarge zu stark ausgeweitet und lotse systemisch statt taktisch.

Das ist ein heikles Thema, das intensiv besprochen wird. Meine Meinung ist klar: Skyguide kann sich im Umgang mit identifizierten Risiken verbessern, auch wenn klar ist, dass die Sicherheit immer höchste Priorität haben muss.

Den Durchbruch wird auch dies nicht bringen. Wie kann die angesprochene Kapazität in Zürich gesteigert werden?

Wichtig ist zunächst einmal, dass alle Stakeholder am Flughafen einheitlich kommunizieren. Es gibt nicht die eine Massnahme, aber grundsätzlich sollten vom Flughafen bis Skyguide alle das Gleiche fordern – etwa Verlängerungen der Pisten 28 und 32, Südstarts geradeaus in bestimmten Wetterlagen und in Spitzenzeiten am Mittag sowie Schnellabrollwege. Wir als Hub-Carrier brauchen vor allem mehr Kapazität in den Spitzenzeiten. Dann können wir auch Flüge nach 23 Uhr abbauen, die heute wegen über den Tag kumulierter Verspätungen erst dann starten können.

Der Bundesrat wird wohl noch im Herbst den zweiten Teil des Sachplans zum Flughafen Zürich vorlegen. Müssen Massnahmen wie Verlängerungen der Pisten 28 und 32 sowie der Südstart geradeaus zu Spitzenzeiten enthalten sein?

Ja, ganz klar. Der Sachplan setzt die Rahmenbedingungen in einem langen Zeitfenster. Er muss so weit greifen, dass alle denkbaren Hebel enthalten sind. Dann kann immer noch diskutiert werden, wie man die Massnahmen im konkreten Betriebsreglement mixt, um eine faire Verteilung der Lärmbetroffenheit hinzubekommen. Aber es wäre fatal, schon jetzt bestimmte Instrumente aus der Hand zu geben.

Wie müsste der Südstart geradeaus eingesetzt werden, damit er etwas bringt?

Zuerst dies: Die ganze Diskussion fokussiert unglaublich stark auf den Südstart geradeaus. Er muss zwar im Sachplan enthalten sein, bei bestimmten Wetterlagen und in der Mittagsspitze zwischen 10 und 14 Uhr. Aber ich halte es für einen Fehler, zu denken, dass alles an diesem Südstart liegt. Andere Themen sind gleichzeitig zu bewegen, zum Beispiel das mühselige Thema der Anflüge aus Deutschland. Da muss sich in den nächsten Jahren eine Lösung herauskristallisieren.

Eine solche Lösung zeichnet sich aber nicht ab: Der Staatsvertrag ist in Berlin blockiert, die vom Flughafen geplante Entflechtung des Ostkonzepts bekämpft Südbaden vehement, obwohl die Flugzeuge dort nie tiefer fliegen würden als 3600 Meter über Meer.

Da muss ich auch als Deutscher den Kopf schütteln. Die Entflechtung des Ostkonzepts würde Gebieten in Südbaden eine Belastung von 20 bis 30 Dezibel bringen – da kann man wirklich nicht von Lärm sprechen. Entsprechend verstehe ich die Verärgerung auf Schweizer Seite. Wir kämpfen auf verschiedensten Ebenen für bessere Lösungen, aber auch da braucht es einen langen Atem.

Die Fühler ausstrecken muss die Swiss auch nach Bundesbern. Dort wird gerade ein Gesuch der Vereinten Arabischen Emirate behandelt, die Zürich als Umsteige-Hub für Flüge von Dubai nach Mexiko nutzen wollen. Wie bedrohlich wäre es für die Swiss, wenn das Gesuch gutgeheissen würde?

Bedrohlich ist nicht das Einzelgesuch, sondern grundsätzlich die Vergabe von solchen Rechten auf Umsteigeflüge, die Vergabe der fünften Freiheit. Wir müssen uns bewusst sein, dass Golfstaaten versuchen, Passagierströme umzulenken – mit staatlich subventionierten Mitteln. Wir stellen uns dem Wettbewerb, aber so ist er vollkommen verzerrt.

Was droht denn konkret?

Die Golf-Carrier bieten heute schon Überkapazitäten Richtung Asien an. Jetzt kommt der nächste Schritt: Sie versuchen, aus Europa, auch aus der Schweiz, Anbindungen Richtung Nordamerika zu bieten. Das Problem dabei ist folgendes: In Zürich können wir mit dem lokalen Aufkommen drei bis fünf Langstreckenziele anbieten, mehr nicht. Wir müssen also aus europäischen Nachbarstaaten Umsteigepassagiere einfliegen können. Wenn nun aber eine Emirates aus Städten wie Genf, Budapest oder Mailand mit subventionierten Mitteln Flüge nach Nordamerika anbietet, fehlen uns diese Gäste in der Zubringung, und dann brechen ganze Netze zusammen.



28.06.2016 - 11:12 Uhr

Swiss-Chef Klühr will bis zu 10 Stunden Fluglärm

http://www.lokalinfo.ch/news/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7703&cHash=5667502fde9aae89dd5d296f917f0d33

"Mit Bestürzung" nimmt die Stiftung gegen Fluglärm zur Kenntnis, dass "der neue Chef der deutschen Fluggesellschaft Swiss mit der Einführung der Südstarts ab Kloten täglich das Zürcher Stadtgebiet im Seefeld und die Naherholungslandschaft im Süden Zürichs und am Zürichsee bis zu zehn Stunden täglich belärmen möchte", hält die Stiftung gegen Fluglärm in einem Statement von heute fest

Thomas Klühr zeige zwar auch kein Verständnis für die Bewohner Südbadens, die sich gegen die Entflechtung des Ostkonzepts in Kloten zur Wehr setzten, da man dort kaum von grösserem Lärm sprechen könne, verlangt aber weiterhin von der Schweiz, 90% der Lärm-, Gesundheits- und Umweltrisiken zu tragen.

Adolf Spörri, Präsident der Stiftung gegen Fluglärm, verlangt von der Regierung des Kantons Zürich, sie müsse stark bleiben im Widerstand gegen die deutschen Forderungen. Mit grosser Befriedigung nimmt die Stiftung zur Kenntnis, dass Regierungsrätin Carmen Walker-Späh bisher die einseitigen Ansprüche der Deutschen Lufthansa in Sachen Swiss zurückgewiesen habe.

„Zum Schutz von rund 300 000 Menschen, die rund um den Flughafen Kloten erheblich gestört und gefährdet und künftig noch stärker belärmt werden sollen, rufe ich alle Bürgerorganisationen auf, gemeinsam Widerstand zu leisten“, fordert Adolf Spörri auf. Kloten werde ohne Schweizer Bürgerwehr zu einem deutschen Flugdrehkreuz (Hub) ausgebaut und dies auf Kosten der Schweizer Bevölkerung. Die Gewinne der hoch rentablen Fluggesellschaft Swiss würden der finanziell angeschlagenen Deutschen Lufthansa zugutekommen.
„Nicht wir sind es, die mit dieser Forderung den Export oder den Schweizer Tourismus gefährden, wie behauptet wird“, sagt Spörri. Wie die Ereignisse in der EU zeigen, liegen dort die eigentlichen Gefahren für die Schweizer Wirtschaft.

Thomas Klühr bestätige, dass mit lokalen Passagieren das Drehkreuz Kloten lediglich 3-5 Langstreckenziele bedienen könne. Es würden daher Umsteigepassagiere aus ganz Europa zu Tiefpreisen nach Zürich geflogen. „Das bringt der Schweiz ausser Risiken für die Bevölkerung nichts“, sagt Spörri. (pd./Foto: A. J. Minor)

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