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Thema: Medienberichte Jul-Dez 2016


STIFTUNG GEGEN FLUGLÄRM

Gockhausen, 22.08. 2016
Präsident: Adolf Spörri Pressesprecher: Klaus J. Stöhlker

Stiftung gegen Fluglärm lehnt Leuthard-Plan ab: Der Süden will keine Südstarts

Gockhausen/ZH, 22.8.2016 – Der Zürcher Süden ist seit bald dreizehn Jahren mit Südanflügen belastet, die fast täglich morgens zwischen 6 und 7 Uhr, an Wochenenden zwischen 6 und 9 Uhr und vielfach auch abends bis 23 Uhr und länger geflogen werden. Er lehnt die zusätzlichen tausend Südstarts ab, die künftig nach dem Plan von Bundesrätin Doris Leuthard das am dichtesten besiedelte Gebiet der Schweiz jährlich überfliegen sollen. Adolf Spörri, Präsident der Stiftung gegen Fluglärm, sagt: „Südlandungen sind umwelt- und gesundheitsschädlich. Südstarts sind eine Katastrophe für 300‘000 Menschen, die im Süden der Stadt Zürich und in den Gemeinden rund um den Zürichsee wohnen.“

Die Stiftung gegen Fluglärm verlangt vom Gesamtbundesrat eine grund-sätzliche Neubeurteilung der Luftverkehrslage in der Schweiz. Kloten sei zu einem Heimatflughafen der Deutschen Lufthansa geworden, welche dieses für sie hoch rentable Drehkreuz benutze, um ihre katastrophale Gewinnlage zu optimieren. Gleichzeitig habe sich die Swiss, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa, aus Basel zurückgezogen und plane auch den Rückzug vom Standort Genf. Spörri: „Die Swiss ist keine Schweizer Gesellschaft, wie sie behauptet, sondern die Tochter eines deutschen Konzerns, der im Niedergang ist.“ Dieser wolle in unserem Land nicht nur weniger investieren, als geplant, sondern tue alles, um gemeinsam mit dem Flughafen Zürich die Selbstbestimmungsrechte des Schweizer Volkes und sogar des Zürcher Kantonsrats zu schwächen.

Die Stiftung gegen Fluglärm setzt sich im Namen hunderttausender Betroffener dagegen zur Wehr, dass im nationalen Planungsentwurf „SIL 2“ der Flughafen Zürich-Kloten künftig auch „bei Nebel und Bise“ Südstarts als Option enthalte. Die Erfahrung in der Vergangenheit zeigt, dass diese Wetterphänomene immer öfter als Vorwand für Südanflüge dienen und sie wohl auch zur Stillung der Kapazitätswünsche der Swiss höchst geeignet wären.

Tatsache ist auf jeden Fall, dass die vor 13 Jahren per Notrecht eingeführten Südanflüge nur für die frühen Morgenstunden vorgesehen waren und nur in absoluten Ausnahmefällen auch des Nachts bewilligt wurden. Mittlerweile wird die Bevölkerung im am dichtesten besiedelten Gebiet der Schweiz, im Süden des Flughafens mit bis zu 85 Dezibel praktisch jede Nacht am Einschlafen gehindert.

Der Vorwand „sicherer Betrieb“ sei von der Swiss längst fallen gelassen worden zugunsten des Arguments „Abbau der Verspätungen“. Angesichts der Tatsache, dass die Swiss in Kloten möglichst eng plane, um viele Starts und Landungen und hohe Gewinne zu erzielen, protestiert die Stiftung gegen Fluglärm gegen eine bundesrätliche Politik des Nachvollzugs deutscher Wünsche. Die Deutsche Lufthansa, die auch die Swiss von Frankfurt aus leite, kämpfe um einen rentablen Hub Zürich-Kloten angesichts vieler weniger rentabler Geschäfte. Es sei nicht am Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) und Skyguide, einseitig deutschen Wünschen zu entsprechen. Als Gegenleistung müssten mindestens die Aufhebung der DVO oder als Kompromiss die Einführung des GNA gefordert werden. Andernfalls müsse man der Deutschen Lufthansa mitteilen, eine solche Funktion werde aus dem SIL 2 gestrichen.

Die Stiftung gegen Fluglärm ist für einen Flughafen, der den Bedürfnissen der Schweizer Wirtschaft und Bevölkerung angepasst ist. Als Lufthansa-Hub diene Kloten mehr der Deutschen Lufthansa als der Schweiz. Dies sei auch der Grund, weshalb die zu diesem deutschen Konzern gehörende Swiss sich in ihrer neuen Imagekampagne als „Made of Switzerland“ ausgebe. Adolf Spörri: „Das ist eine Irreführung und Herausforderung für die ganze Schweiz. Wer heute und künftig eine Schweizer Firma übernimmt, kann sich als schweizerisch ausgeben, ohne es zu sein.“

Stiftung gegen Fluglärm

Adolf Spörri
Präsident
spoerri@spoerrilaw.ch



Fluglärmforum Süd

Der Südabflug geradeaus bleibt inakzeptabel

Fluglärmforum Süd reagiert auf vorab publiziertes Objektblatt zum SIL 2:

Das Fluglärmforum Süd, die Plattform der Städte und Gemeinden im Süden des Flughafens Zürich, zeigt sich erstaunt darüber, dass durch eine Indiskretion das Objektblatt zum SIL 2 heute von einer Tageszeitung publiziert worden ist. „Wir schätzen diese Art der Kommunikation des Bundes nicht“, erklärt Lothar Ziörjen, Präsident des Fluglärmforums Süd und Stadtpräsident von Dübendorf. Sollte der Zeitungsbericht richtig sein, sei der Widerstand der Bevölkerung sowie der Städte und Gemeinden im Süden des Flughafens vorprogrammiert. Südanflüge geradeaus sind für das Fluglärmforum Süd inakzeptabel, auch wenn es „nur“ 1’000 Bewegungen im Jahr seien, wie der Zeitungsbericht aus dem SIL 2-Bericht zitiert. „Sobald das System für Südstarts geradeaus eingerichtet ist, werden aus 1’000 Bewegungen schnell mehr. Das Vorgehen des Bundes ist unter diesem Aspekt praktisch identisch mit dem der Einführung der Südanflüge.“

Auch wenn die Festlegung einer Bewegungszahl auf der Stufe des Objektblatts im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) rechts- und damit behördenverbindlich sei, eine Garantie für deren Einhaltung gebe es in der Flughafenpolitik leider nicht, gibt Lothar Ziörjen seinen Befürchtungen Ausdruck. „Sobald das Objektblatt aufgelegt wird, werden wir dieses im Detail studieren und im Rahmen der Anhörung Stellung beziehen“, erklärt Lothar Ziörjen, Präsident des Fluglärmforums Süd und Stadtpräsident von Dübendorf.

Gemäss einem Zeitungsbericht von heute plant das Uvek unter der Federführung von Bundesrätin Doris Leuthard unter anderem, den Süden bei Bise und Nebel vermeintlich aus Sicherheitsgründen für Starts geradeaus zu nutzen. 1’000 Bewegungen seien im Jahr vorgesehen, soll es im entsprechenden Dokuments des Bundes heissen.

Fluglärmforum Süd erwartet Reaktion des Zürcher Regierungsrats

Unabhängig von der Frage, ob Südstarts geradeaus über eines der dichtest besiedelten Gebiete der Schweiz tatsächlich sicherer wären, würden diese den Zürcher Fluglärmindex (ZFI) definitiv zur Makulatur machen. „Wir erwarten vom Regierungsrat des Kantons Zürich, dass er die Bevölkerung im Süden des Flughafens im Kampf gegen den Südabflug geradeaus weiterhin unterstützt“, erklärt Lothar Ziörjen. Denn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger des Kantons Zürich haben den ZFI gutgeheissen, damit der Richtwert eingehalten wird. Mit Südstarts geradeaus würde dies unerreichbar.

Parallelen zur Einführung der Südanflüge

Die Südanflüge, so das Fluglärmforum Süd, seien aus Not entstanden, um den Betrieb des Flughafens frühmorgens aufrecht zu halten, nachdem Deutschland die Sperre des Luftraums in dieser Zeit verfügt hatte. Die Realität heute zeigt, dass die Schweiz weiterhin unfähig ist, mit Deutschland eine tragfähige Lösung zu finden, damit die belastenden Südanflüge aufgehoben werden können. Zudem werden heute Südanflüge regelmässig in den ebenso sensiblen Abendstunden geflogen, zum Teil mit nicht nachvollziehbarer Begründung. Und der Gekröpfte Nordanflug, der seit Jahren erwiesenermassen technisch problemlos zur Entlastung des Südens geflogen werden könnte, verkommt zur Planungsleiche. Auch im aktuellen Objekt SIL 2, so scheint es, ist seine Einführung mit so vielen Bedingungen verknüpft, dass eine rasche Einführung leider als unrealistisch erscheint.



«16 straight»

Riesen-Ärger: Neue Fluglärmpläne provozieren Kritik aus allen Himmelsrichtungen

von Heinz Zürcher — az Limmattaler Zeitung

23.8.2016 um 11:54 Uhr

http://www.limmattalerzeitung.ch/limmattal/zuerich/riesen-aerger-neue-fluglaermplaene-provozieren-kritik-aus-allen-himmelsrichtungen-130510148

Zwei längere Pisten sowie Südstarts geradeaus bei Bise und Nebel: Diese umstrittenen Vorhaben gehen aus dem Entwurf des Sachplans für den Flughafen Zürich hervor. Aus allen Himmelsrichtungen rund um den Airport hagelt es nun Kritik.

Ende September gibt Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP) die Grundlagen für den künftigen Betrieb am Flughafen Zürich bekannt. Dass in diesem zweiten Teil des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL2) viel Diskussionsstoff steckt, war klar. Nun hat die NZZ die Inhalte des Objektblatt-Entwurfs bereits enthüllt. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) ist ob der Indiskretion wenig erfreut: «Wir äussern uns nicht dazu und halten an unserem Fahrplan fest», sagt eine Sprecherin auf Anfrage und betont, dass es sich um einen Entwurf handle, der noch von den involvierten Bundesämtern konsultiert werde. Auch die Flughafen Zürich AG schweigt sich vorerst über die publik gewordenen Inhalte aus und verweist auf Ende September.

Späte Starts verhindern

Beim sogenannten «16 straight» werden die Stadt Zürich sowie Gemeinden rund um den Zürichsee und im Zürcher Oberland überflogen. Heute müssen die Piloten nach Starts Richtung Süden links abdrehen und teilweise in einer 270-Grad-Kurve den Flughafen überfliegen. Diese Extraschlaufe verzögert den Betrieb und generiert Kreuzungspunkte, die aus Sicherheitsgründen eigentlich zu vermeiden sind. Lotsen, Piloten und Sicherheitsexperten fordern deshalb die Einführung des «16 straight» – nicht nur bei Bise und Nebel, sondern auch über Mittag.

Letzteres wünschen sich auch die Fluglärmgegner im Norden. Osten und Westen des Flughafens. «Dass die Variante nicht im SIL2 enhalten sein soll, begreife ich nicht», sagt Hanspeter Lienhart, SP-Stadtrat von Bülach und Präsident der IG Nord. Südstarts geradeaus würden helfen, die Flugzeuge über Mittag pünktlich auf die Reise zu schicken. Das aktuelle Regime generiert in der Mittagsspitze regelmässig Verspätungen, die sich bis zum Abend kumulieren. Die Folge sind Starts für den Verspätungsabbau zwischen 23 und 23.30 Uhr. «Und dann ist der Fluglärm am unangenehmsten», sagt Lienhart.

«Die Südstarts geradeaus über Mittag sind eine faire und vor allem sicherheitsrelevante Lösung», finden die Fluglärmgegner der Region Ost. Dass sie im SIL2-Entwurf fehlt, enttäuscht auch Priska Seiler Graf, Präsidentin des Dachverbands Fluglärmschutz und SP-Nationalrätin aus Kloten. «Wenigstens im Planungsinstrument sollte diese Option enthalten sein.»

Ebenso ärgern sich die Vertreter im Osten, Norden und Westen über die geplanten Verlängerungen der Pisten 10/28 und 14/32, die insbesondere zu mehr Anflügen über die Gemeinden im Osten führen dürften. Der Kantonsrat hat sich in der Richtplandebatte gegen die Ausbauten ausgesprochen, worauf der Bund ein Machtwort sprach. «Im Osten erhält man den Eindruck, dass der Bund die Bevölkerung im Süden bevorteilt», sagt Seiler Graf. Die Gemeinden südlich des Flughafens sehen sich dagegen ihrerseits benachteiligt. Sie fühlen sich durch Südanflüge schon genug belärmt und lehnen deshalb Südstarts geradeaus kategorisch ab, also auch bei Bise und Nebel, was aufgrund von Schätzungen in etwa 1000 zusätzliche Überflüge pro Jahr ausmachen würde. «Sobald das System für Südstarts geradeaus eingerichtet ist, werden es schnell mehr», befürchtet Lothar Ziörjen (BDP), Präsident des Fluglärmforums Süd und Stadtpräsident von Dübendorf.

SP-Nationalrat Thomas Hardegger, Präsident des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (sbfz) und Gemeindepräsident von Rümlang plädiert für eine Versachlichung des Themas. «Dazu brauchen wir endlich Daten, die zeigen: Wie laut ist es in den Gemeinden beim aktuellen Abflugregime mit 270-Grad-Kurve – und wie laut nach einem Südstart geradeaus, bei dem das Flugzeug viel schneller steigen kann.»



High noon in der Flughafenfrage

http://www.zuonline.ch/front/high-noon-in-der-flughafenfrage/story/22491580

Im Kantonsrat geht es am Montag mit dem Thema Pistenverlängerungen in die nächste Phase. Ende September wird der Bund dann seine Pläne für den Flughafen vorstellen, in denen die Pistenverlängerungen auch eine zentrale Rolle spielen werden.

Am Montag geht es im Kantonsrat um die Flughafen-Pistenverlängerungen.

Der zweite Teil des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL 2) für den Flughafen Zürich soll Ende September der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Mit diesem Papier legt der Bund seine Strategie für die zivile Luftfahrt in Kloten fest. Das Objektblatt wurde 2013 unterteilt, weil Unklarheit über den Staatsvertrag mit Deutschland herrschte und um vertiefte Sicherheitsberichte abzuwarten. Mittlerweile ist klar, dass der Staatsvertrag im nördlichen Nachbarland auf Grundeis liegt.

Nun folgt der zweite Teil des SIL-Objektblatts für den Flughafen Zürich also ohne den Staatsvertrag, dafür mit aktualisierter Sicherheitsbericht. Die NZZ hat bereits Details aus einem Entwurf des Objektblatts veröffentlicht, Quelle unbekannt. Darin soll der Bundesrat nicht unerwartet auf die Pistenverlängerungen setzen, welche sich auch der Flughafen wünscht. Ob diese gebaut werden, entscheidet wohl letztlich das Zürcher Stimmvolk. Diesbezüglich steht nächsten Montag eine erste Entscheidung an. Dann wird im Kantonsrat über die Pisten-Initiative befunden, bei der den Stimmberechtigten immer das letzte Wort in Pistenveränderungsfragen zugesprochen werden soll.

Initiative ist nach verlorener Abstimmung entstanden

Heute könnte der Kantonsrat eine Pistenverlängerung noch per Mehrheitsentscheid ablehnen und diese damit endgütlig versenken. So geschehen im März 2014, bei der Festsetzung der Pistenverlängerungen im Richtplan. Die Bürgerlichen verloren die Kantonsratsabstimmung überraschend, weil die meisten Unterländer SVP- und FDP-Kantonsräte gegen den Willen ihrer Partei und im Sinne ihrer Wähler stimmten. Das goutierte die IG Pro Flughafen nicht, welche für ihre Pisten-Initiative erfolgreich Unterschriften sammelte.

Am Montag wird diese im Rat wohl angenommen, denn nur Grüne, GLP und AL sind gegen die Initiative «Pistenveränderungen vors Volk», die grosse Mehrheit, inklusive SP, wird das Ansinnen gutheissen. Danach könnte es schnell gehen, denn der Flughafen hat die Pläne für die Pistenverlängerungen in der Schublade bereit.

Daneben plant der Flughafen andere Infrastrukturausbauten, etwa die Umrollung der Piste 28, welche gemäss dem durchgesickerten Entwurf ebenfalls in den Plänen des Bundesrats enthalten ist. Insgesamt will der Flughafen damit die derzeitige Spitzenkapazität von 66 Flugbewegungen pro Stunde auf mindestens 70 ausbauen, zur Mittagszeit sogar auf 80. Wie das erreicht werden kann, ist umstritten, denn Südstarts geradeaus in dieser Spitzenzeit am Mittag soll der Bundesrat trotz allseitigen Forderungen nicht anstreben. (Zürcher Unterländer)

(Erstellt: 02.09.2016, 17:07 Uhr)



Fluglärm: Keine zusätzlich Auflagen bezüglich Nachtflugsperre

http://www.moneycab.com/2016/09/05/fluglaerm-keine-zusaetzlich-auflagen-bezueglich-nachtflugsperre/

Von moneycab - 5. September 2016 15:50

Zürich – Der Zürcher Kantonsrat verlangt keine striktere Einhaltung der Nachtflugsperre am Flughafen. Zudem lehnt er es ab, dass für Flüge nach 22 Uhr markant höhere Gebühren erhoben werden. Er hat am Montag zwei Postulate von Grünen und SP mit 103 zu 69 beziehungsweise 102 zu 69 Stimmen abgelehnt.

Eines der Postulate wollte erreichen, dass die Nachtflugsperre von 23 bis 6 Uhr strikt eingehalten wird. Die Möglichkeit, dass zum Verspätungsabbau zwischen 23.00 und 23.30 Uhr ohne besondere Bewilligung gestartet oder gelandet werden kann, solle gestrichen werden. De facto sei diese halbe Stunde nach 23 Uhr für den Flugbetrieb im Flugplan bereits eingeplant, kritisierte Postulantin Regula Käser-Stöckli (Grüne, Kloten). So grosszügig dürfe nicht mit der Nachtflugsperrzeit umgegangen werden. Die Nachtruhe dürfe „nicht nur Papiertiger sein“. Nur in wirklich begründeten Fällen seien Ausnahmen zuzulassen.

Das zweite Postulat verlangte eine drastische Erhöhung der Flughafengebühren für Flüge nach 22 Uhr. Diese Massnahme habe eine lenkende Wirkung. Die seit 2010 geltende siebenstündige Nachtruhe sei die grösste Errungenschaft für die lärmgeplagte Bevölkerung um den Flughafen. Das Allerwichtigste sei nun aber die Einhaltung der Sperrzeit, sagte Michèle Dünki (SP, Glattfelden). Die ständige Verletzung verärgere die Bevölkerung und sei inakzeptabel.

Zusätzliche Auflagen schaden Swiss

Es dürfe nicht sein, dass „mit immer mehr zusätzlichen Auflagen dem Homecarrier Swiss geschadet wird“, fand Christian Lucek (SVP, Dänikon). Zur Sicherung der Hub-Funktion seien Langstreckenflüge in den Randstunden unverzichtbar. Auch Yvonne Bürgin (CVP, Rüti) glaubt, dass es mit weiteren Einschränkungen für den Flughafen schwierig sein wird, sich wirtschaftlich zu behaupten. Und die Erhöhung der Gebühren falle gar nicht in die Kompetenz des Kantons Zürich.

Aufs Notwendigste beschränken

Eine strikte zeitliche Begrenzung des Flugbetriebs würde nach Ansicht von Volkswirschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) zu einer Ausdehnung der Nachtflugsperre führen. Trotzdem verlangt sie, dass die Flugbewegungen zwischen 23.00 und 23.30 Uhr „aufs notwendigste beschränkt“ werden. (awp/mc/pg)



Kantonsrat für «Pistenverlängerungen vors Volk»

http://www.zuonline.ch/buelach/kantonsrat-fuer-pistenverlaengerungen-vors-volk/story/23459778

Das Zürcher Volk soll sich künftig auch dann zu einem Pistenausbau äussern, wenn der Kantonsrat diesen ablehnt. Der Kantonsrat hat die Volksinitiative «Pistenverlängerungen vors Volk» deutlich angenommen.

Das Zürcher Volk soll künftig auch dann über Pistenverlängerungen am Flughafen abstimmen können, wenn der Kantonsrat einen entsprechenden Antrag des Regierungsrates ablehnt. Der Kantonsrat hat am Montag die Volksinitiative «Pistenveränderungen vors Volk!» deutlich mit 123 zu 48 Stimmen angenommen.

Für die Initiative stimmten FDP, SP, CVP, BDP, ein Grossteil der SVP und die Mehrheit der EDU, dagegen sprachen sich Grüne, Grünliberale, AL und EVP aus. Eine Volksabstimmung zur Initiative gibt es nur, wenn das Referendum gegen den Kantonsratsbeschluss ergriffen wird.

Das Volk hat das letzte Wort

Die Vertreter des Kantons Zürich im Verwaltungsrat der Flughafen AG haben zu lärmrelevanten Fragen wie Pistenverlängerungen ein Vetorecht, wenn der Verwaltungsrat Gesuche an den Bund stellt. Der Regierungsrat kann ihnen verbindliche Weisungen erteilen. Bisher konnten diese jedoch vom Kantonsrat abgelehnt werden. Es war dann keine Volksabstimmung möglich. Dies will der Kantonsrat nun ändern.

Geregelt wird das Anliegen im Flughafengesetz. Danach können die Stimmberechtigten bei Projekten zur Veränderung des Pistensystems am Flughafen Zürich in jedem Fall das letzte Wort haben, unabhängig davon, ob der Kantonsrat eine entsprechende Vorlage des Regierungsrates genehmigt oder ablehnt.

Volks-Votum hat mehr Gewicht

Die Befürworter der vom Komitee Pro Flughafen eingereichten Volksinitiative betonten, in diesem Fall sei ein «negatives Referendum» zulässig, weil jeweils klar sei, was der Kantonsrat abgelehnt habe und das Volk zu entscheiden habe.

Der Flughafen sei für den Wirtschaftsraum Zürich von zentraler Bedeutung und generiere direkt und indirekt Arbeitsplätze, hiess es von bürgerlicher Seite. Die Bevölkerung müsse deshalb in wichtige Entscheide zum Flughafen einbezogen werden.

Wenn das Volk das letzte Wort habe, sei das Gewicht des Entscheids auch grösser gegenüber dem Bund. «Wir haben keine Angst vor den Stimmbürgern», sagte ein SP-Sprecher. Mit einem Votum des Zürcher Volks sinke die Gefahr, dass der Bund den Kanton bevormunde.

Fremdkörper in Gesetzgebung

Die Gegner kritisieren das negative Referendum als «grundsätzlichen Fremdkörper in der Gesetzgebung». Der Regierungsrat habe die staatsrechtlichen Bedenken «mit etwas gar leichter Hand vom Tisch gewischt». Es dürfe keine Sonderregelung geschaffen werden, um einen «ungebremsten Ausbau» des Flughafens zu ermöglichen.

«Die Demokratie vorzuschicken für rein ökonomische Interessen darf nicht Schule machen», sagte eine AL-Sprecherin. Es würden nicht die Volksrechte erweitert, sondern die Rechte des Regierungsrates, fügte ein Grüner an. (far/sda)

(Erstellt: 05.09.2016, 10:48 Uhr)



Stiftung gegen den Fluglärm

WESTANFLUG MIT ENTLASTUNG FÜR DEN OSTEN, SÜDEN UND DIE STADT ZÜRICH

Recherchen der Stiftung gegen den Fluglärm belegen, dass durch Westanflüge auf den Flughafen Zürich die Zahl stark lärmgestörter Personen wieder unter den durch den Volksentscheid festgelegten Maximalwert fiele.

Studie Download

In einem Atemzug könnte die Implementierung eines Westanflug-Konzepts nicht nur die grössten innerkantonalen Fluglärmprobleme entschärfen, sondern auch die durch Notrecht strapazierte Rechtssicherheit im Süden und Osten wieder herstellen.
Bereits 2002 erstellte eine Arbeits- und Koordinationsgruppe (bestehend aus der Bau- und Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, Unique, Swiss und Skyguide) einen Bericht über die verschiedenen eingereichten Anflug-Varianten. Darin wurde festgestellt, dass alle Varianten Veränderungen am Pistensystem bedingten. Doch die Aviatikspezialisten dieser Gruppe übersahen die physikalischen Auswirkungen der ansteigenden Piste 10 (Westanflug), die einer markanten Pistenverlängerung bei der Landung entsprechen. Wäre dies damals erkannt worden, müssten die Durchführungsverordnung (DVO)-bedingten Anflüge am Morgen und am Abend bei Bisenlage nicht über die neue, den Richtplan verletzende Südanflugroute mit über 200 000 Betroffenen abgewickelt werden.

Vorteile des Westanfluges (Piste 10):

• die Westanflugroute ist weniger stark besiedelt als die Ostanflugroute, dadurch wären weniger Menschen vom Fluglärm betroffen
• besonders der errechnete Absturzsektor der Westanflugroute ist weniger dicht besiedelt als jener der Ostanflugroute
• Die Westanflüge kämen direkt vor ihren Abstellplätzen zum Stehen, wodurch die Umsteigezeiten verkürzt würden
• Südstarts „16-straight“ würden sich erübrigen
• Die aus Westen ideale Anflugrichtung auf den Flughafen Zürich gegen den Wind bei Bise macht einen Pistenwechsel am Abend überflüssig. Damit wird die Sicherheit im Flugverkehr gesteigert

Die Stiftung gegen den Fluglärm setzt sich für die Umsetzung der Westanflüge ein und strebt somit eine Win-Win-Situation für Bevölkerung, Flughafen und Zürcher Regierung an.

Details zum Projekt „Westanflug“ finden Sie hier.



Stiftung gegen den Fluglärm

Medienmitteilung, 8.9.2016

Vertrauen in Skyguide gestört

Neutrale Untersuchungskommission soll die Tätigkeit der Skyguide prüfen

Eine neutrale Untersuchungskommission soll die Tätigkeit der dem UVEK unterstellten Skyguide prüfen, verlangt die Stiftung gegen Fluglärm, Gockhausen/ZH. Es bestünden grosse Zweifel, ob Skyguide im zivilen wie im militärischen Teil ihrer Tätigkeit den Anforderungen nachkomme, wie sie im Auftrag des Bundesrates formuliert sind.

Die im europäischen Vergleich ungewöhnlich hohe Zahl von Flugzeugabstürzen, die auf Fehlverhalten von Mitarbeitern von Skyguide zurückzuführen sind, sei ebenso Anlass für diese Forderung wie die unglückliche Form der Kommunikation des Unternehmens, das sich für Fehler nicht entschuldigt, sondern dem es nur „unendlich leid“ tut, wenn es grosse Schäden an Mensch wie Material hervorruft.



14.09.2016 - 08:00 Uhr

Zumikon misst an zwei Orten den Fluglärm

http://www.lokalinfo.ch/news/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=8632&cHash=25ef1ffe71b12c43ff74726e0ef63857

Einige Gemeinden in der Südanflugschneise des Flughafens Zürich haben konkrete Zahlen zur Fluglärmbelastung. So laut eines Berichts der SRF-Radiosendung «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» auch Gockhausen. In der Nachbargemeinde Zumikon wird die Lärmbelastung jedoch nur durch eine Modellrechnung der EMPA erhoben. «Die gesetzlichen Schutzbestimmungen gehen von Mittelwerten aus, welche im Einzelfall wenig über die tatsächliche Störung eines einzelnen Anflugs frühmorgens oder spätabends aussagen», erklärt der Zumiker Gemeinderat in einer Mitteilung. Auf dieser Basis habe er entschieden, das Zepter selbst in die Hand zu nehmen. In den nächsten Monaten werden deshalb Fluglärmmessungen durchgeführt. Die Daten sollen als Grundlage für die laufenden Diskussionen dienen und das Argumentarium der Gemeinde in der Fluglärmdiskussion stärken.

Kostenpunkt: 18 000 Franken

«Die Messungen sollen an zwei Standorten in der Gemeinde, jeweils während eines Monats stattfinden», heisst es in der Mitteilung weiter. Der zeitliche Rahmen dazu dauere von Herbst 2016 bis Sommer 2017. Mit den Messungen hat Zumikon die Sinus Engineering AG aus Tägerwilen beauftragt. Der Gemeinderat hat für den Auftrag einen Totalkredit von 18 000 Franken bewilligt.



«Wir werden angelogen und über den Tisch gezogen»

http://www.zsz.ch/meilen/wir-werden-angelogen-und-ueber-den-tisch-gezogen/story/13043829

Die Auflage der neuesten Pläne des Bundes für den Flughafen stehen unmittelbar bevor. In Küsnacht wappneten sich die Fluglärmgegner bereits für den Fall, dass Südstarts geradeaus eingeführt werden.

Der Unmut über den Fluglärm war förmlich greifbar: Gut 180 Interessierte besuchten den Informationsabend über die Südstarts am Dienstag in Küsnacht. Der Gastgeber, das Bürgerforum Küsnacht, musste im reformierten Kirchgemeindehaus sogar nachstuhlen.

[...]

So präsentierte Dutli etwa als Lösung für die Lärmprobleme den gekröpften Nordanflug. Bern verweigere diesen aber, weil er Deutschland zu nahe käme. Die Enttäuschung und das Misstrauen sowohl von Markus Ernst als auch von Matthias Dutli gegenüber der Politik von Bundesrätin Doris Leuthard, war deutlich spürbar. «Wir werden immer wieder angelogen und über den Tisch gezogen», monierte Dutli etwa. Dass der Wille zum Widerstand da ist, verdeutlichte Markus Ernst. Der Küsnachter Gemeindepräsident rief die Anwesenden dazu auf, Eingaben während der Vernehmlassung des SIL II einzubringen. «Die Mehrheit der Bevölkerung scheint den Ernst der Lage nicht zu verstehen», warnte er.

Zürichsee-Zeitung
(Erstellt: 21.09.2016, 16:40 Uhr)



Medieninformation: Der Südabflug geradeaus untergräbt die Glaubwürdigkeit des Flughafens
http://fluglaermforum.ch/j/
27. September 2016
Stellungnahme des Fluglärmforums Süd zum heute publizierten SIL 2-Objektblatt:
Das Fluglärmforum Süd, die Plattform der Städte und Gemeinden im Süden des Flughafens Zürich, nimmt zur Kenntnis, dass das Uvek (Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation) sich mit der geplanten Einführung der Südstart geradeaus-Route erneut gegen die Interessen der Bevölkerung im Süden des Flughafens stellt. Damit entsteht ein weiterer Konflikt in der Flughafenpolitik, welche tragfähige Lösungen für Jahre blockieren wird. Dies untergräbt nicht nur der Glaubwürdigkeit des Flughafens, sondern schadet auch der Entwicklung des Flughafens als unbestritten wichtiger Standortfaktor für die ganze Schweiz.

„Leider überrascht uns das heute von Bundesrätin Doris Leuthard präsentierte SIL 2- Objektblatt mit der neuen Abflugvariante Südstarts geradeaus nicht“, erklärt Lothar Ziörjen, Präsident des Fluglärmforums Süd und Stadtpräsident von Dübendorf. Denn bereits im August wurden die Pläne über eine Indiskretion bekannt.

Das Fluglärmforum Süd lehnt Südabflüge geradeaus ab. Sollte ein zusätzlicher Bedarf bei Bise und Nebel ausgewiesen sein, müssen zuerst verschiedene, ebenfalls kreuzungsfreie Lösungen wie der gekröpfte Nordanflug oder der Westanflug ausgearbeitet, auf die Wirkung im Gesamtsystem geprüft und öffentlich dargelegt werden.

Nicht entscheidend ist, wieviele derartige Abflüge über eines der dichtest besiedelten Gebiete der Schweiz stattfinden würden. Tatsache ist, dass der Abflugkorridor technisch eingerichtet wäre und entsprechend im Verlauf der Zeit genügend neue „Gründe“ auftauchen würden, um diese Variante zu benutzen. „Wenn wir die Entwicklung der Südanflug-Route in den letzten Jahren zum Vergleich nehmen, würden die Ausnahmen auch bei den Südabflügen geradeaus schnell zur Normalität werden. Skyguide handelt autonom und scheint politisch nicht kontrollierbar. Entsprechend hoch bleibt unser Misstrauen“, kommentiert Lothar Ziörjen die heutige Situation.

Das Fluglärmforum Süd behält sich vor, nach Prüfung des publizierten SIL 2-Objektblatts entsprechend politische und juristische Massnahmen zu ergreifen, sollte dies möglich sein. Über diese Schritte und allenfalls weitere Einschätzungen zum Vorschlag des Bundes wird das Fluglärmforum Süd entsprechend kommunizieren.

Kommentar: Sehr gut, das FFS bringt zum ersten mal in einer offiziellen Stellungnahme den Anflug von Westen ins Spiel. Dieser wird bisher von Skyguide als nicht praktikabel dargestellt wegen der Lägernhöhe als angeblicher topographischer Konfliktpunkt. Dabei könnte man das Problem lösen mit einem Gleitwinkel von 3.3 Grad statt 3.2 wie bei Süd- und Ostanflügen. Heutige Linienflugzeuge können standardmässig gar 3.5 Grad bewältigen, einige sogar Winkel bis 6 Grad, z.B. die neuen CS100 der Swiss.


Zuletzt bearbeitet: 27.09.16 12:25 von Thomas


Flughafen Zürich

27. September 2016 10:11; Akt: 27.09.2016 11:22

«Südstarts geradeaus» nur bei Nebel und Bise

http://www.20min.ch/schweiz/zuerich/story/-Suedstarts-geradeaus--nur-bei-Nebel-und-Bise-15255385

Um die Sicherheit des Flugbetriebs zu erhöhen, schlägt der Bund am Flughafen Zürich mehrere Massnahmen vor – darunter «Südstarts geradeaus» und verlängerte Pisten.

Der Direktor des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl), Christian Hegner, stellte am Dienstag vor den Medien in Bern die vorgeschlagenen Anpassungen im Rahmen des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL) vor. Mit diesem sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Sicherheit des Betriebs des wichtigsten Schweizer Flughafens weiter zu verbessern. Er bildet den Rahmen für den Betrieb und für die Bauten des Flughafens.

Die grösste Herausforderung für den Flugbetrieb stelle heute vor allem der Betrieb bei Bise oder bei Nebel dar, hält das Bazl fest. Werde bei solchen Wetterlagen mit Südabflügen geradeaus gestartet, könne die Sicherheitsmarge deutlich verbessert werden.

Mit dieser Vorgabe kommt der Bund den Anwohnern der betroffenen Zürcher Gebiete gleichzeitig etwas entgegen: Bei der Ausarbeitung war auch die Variante erwogen worden, Südabflüge geradeaus während der Spitzenzeiten oder «über den ganzen Tag hinweg» zuzulassen. Davon sieht das Bazl nun «aufgrund der zu erwartenden deutlichen Zunahme der Lärmbelastung» ab.

Komplexität verringern

Weiter legt der Bund dem Flughafen nahe, den Flugbetrieb auf verlängerten Pisten zu ermöglichen. So lasse sich die Komplexität des Flugbetriebs reduzieren. Die Raumsicherung für die Verlängerungen der Pisten 28 und 32 wurde bereits angegangen. Mit der Verlängerung der Piste 28 von heute 2500 Meter auf 2900 Meter könnten sämtliche Flugzeugtypen auch bei schlechteren Bedingungen wie bei Nässe oder zu starkem Rückenwind auf dieser Piste landen.

Heute wichen Langstreckenflugzeuge häufig auf den Südanflug aus, was die Komplexität des Betriebes erhöhe. Mit der Pistenverlängerung 32 von 3300 auf bis zu 3700 Meter könnten auch schwere Langstreckenflugzeuge von dieser Piste starten, was zu weniger Kreuzungspunkten am Boden führen würde.

Im Sommer 2013 hatte der Bundesrat das SIL-Objektblatt für den Flughafen Zürich verabschiedet (SIL1). Dieses basierte weitgehend auf der bestehenden Infrastruktur und dem aktuellen Betrieb. Mit der nun vorliegenden Anpassungen (SIL2) sollen die Grundlagen für wichtige Entwicklungsschritte des Flughafens gelegt werden.

«Kein Rezept für die Zukunft»

Der Flughafen Zürich zeigt sich gegenüber den neuesten Vorschlägen des BAZL zur Verbesserung der Sicherheit im Flugbetrieb zweigeteilt. Der überarbeitete Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL2) löse zwar wichtige bestehende Probleme, er gebe jedoch keine Antworten für die Zukunft.

(sda)



Anpassung des SIL-Objektblattes für den Flughafen Zürich aufgelegt

https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-63927.html

Bern, 27.09.2016 - Das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL legt ab heute die Anpassung des SIL-Objektblattes für den Flughafen Zürich (SIL2) öffentlich auf. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, um die Sicherheit des Betriebs des wichtigsten Schweizer Flughafens weiter zu verbessern. Im Objektblatt sind unter anderem Südstarts geradeaus bei speziellen Wetterbedingungen sowie die Anpassung einzelner Flugrouten enthalten.

Der Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL), bzw. das jeweilige SIL-Objektblatt bildet die Grundlage für die Infrastruktur und den Betrieb eines Flughafens. Im Sommer 2013 hatte der Bundesrat das SIL-Objektblatt für den Flughafen Zürich verabschiedet (SIL1). Dieses basierte weitgehend auf der bestehenden Infrastruktur und dem aktuellen Betrieb. Mit der nun vorliegenden Anpassung des Objektblattes (SIL2) sollen die Grundlagen für wichtige Entwicklungsschritte des Flughafens gelegt werden. Im Zentrum steht die Erhöhung der Sicherheitsmarge. Dabei werden zusätzliche Erkenntnisse aus der Sicherheitsüberprüfung in den SIL aufgenommen, die im Nachgang an einen schweren Vorfall zwischen zwei startenden Flugzeugen eingeleitet worden war. Der 2013 publizierte Bericht zur Sicherheitsüberprüfung zeigte, dass der Flughafen Zürich zwar sicher betrieben wird. Bedingt durch die geographische Lage, die sich kreuzenden Pisten und Flugrouten sowie aus lärmpolitischen Gründen ist der Betrieb aber sehr komplex, was sich negativ auf die Sicherheitsmarge auswirkt.

Komplexer Betrieb bei Bise oder Nebel

Die grösste Herausforderung für den Flugbetrieb stellt heute vor allem der Betrieb bei Bise oder bei Nebel dar. Wird bei solchen Wetterlagen mit Südabflügen geradeaus gestartet, kann die Sicherheitsmarge deutlich verbessert werden. Mit diesem Konzept, das auch bei schlechter Sicht ermöglicht werden soll, wäre bei den prognostizierten Bewegungszahlen bis 2030 mit rund 13‘000 Südstarts geradeaus zu rechnen. Dies entspricht rund 7% der jährlichen Abflüge. Im Rahmen der nun vorliegenden Anpassung des SIL-Objektblatts wurden auch Varianten geprüft, um Südabflüge geradeaus während der Spitzenzeiten oder über den ganzen Tag hinweg zuzulassen. Aufgrund der zu erwartenden deutlichen Zunahme der Lärmbelastung sieht der Bund jedoch von weiteren Varianten für Südabflüge geradeaus ab.

Betrieb auf verlängerten Pisten ermöglichen

Bereits im Objektblatt von 2013 wurde die Raumsicherung für die Verlängerungen der Pisten 28 und 32 vorgenommen. Nun soll auch der Betrieb auf verlängerten Pisten ermöglicht werden. Mit der Verlängerung der Piste 28 von heute 2500 Meter auf 2900 Meter könnten sämtliche Flugzeugtypen auch bei schlechteren Bedingungen wie bei Nässe oder zu starkem Rückenwind auf dieser Piste landen. Heute weichen Langstreckenflugzeuge häufig auf den Südanflug aus, was die Komplexität des Betriebes erhöht. Mit der Pistenverlängerung 32 von 3300 auf bis zu 3700 Meter könnten auch schwere Langstreckenflugzeuge von dieser Piste starten, was zu weniger Kreuzungspunkten am Boden führen würde. Beide Massnahmen tragen damit nach Ansicht des Bundes zur Reduktion der Komplexität bei.

Im SIL 2 sind ausserdem zwei Routenoptimierungen enthalten, die einen sichereren und leistungsfähigeren Betrieb ermöglichen. Eine Routenanpassung betrifft Starts in Richtung Westen, bei der anderen Anpassung geht es um eine Ausdehnung der jetzigen Linkskurve bei Starts in Richtung Süden.

Insgesamt führen all diese Massnahmen zu einer deutlichen Reduktion der Komplexität des Flughafenbetriebs, was die Sicherheitsreserven entsprechend erhöht. Neben dem Sicherheitsgewinn lassen sich damit auch Kapazitätseinbussen, welche in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen eingetreten waren, wieder kompensieren. Eine Steigerung der Kapazität und damit eine Ausdehnung des Flugbetriebes ist aufgrund der Massnahmen aber nur in sehr beschränktem Umfang möglich.

Gebiet mit Lärmauswirkung festgelegt

Im Rahmen des SIL 2 wird zudem das Gebiet mit Lärmauswirkungen, das die Entwicklung des Flugbetriebes begrenzt, definitiv festgelegt. Diese Festlegung ist auch die Grundlage für die Erweiterung des Schallschutzprogramms. Neue Prognosen zeigen, dass in der Nacht grössere Gebiete belastet sind, als dies vor 2013 noch angenommen worden war. Diese Entwicklung, welche auf eine vermehrte Nachfrage von Langstreckenflügen spätabends zurückzuführen ist, hat sich bereits eingestellt. Für eine weitere Bewegungszunahme nach 22 Uhr bietet die nun festgelegte Lärmkurve indessen keinen Raum mehr.

Die öffentliche Auflage des SIL-Objektblattes und der dazugehörenden Berichte dient dazu, dass sich Behörden und Bevölkerung im Rahmen eines Anhörungs- und Mitwirkungsprozesses zum SIL-Objektblatt äussern können. Nach Auswertung der Eingaben sowie nach der allfälligen Bereinigung von Differenzen mit dem kantonalen Richtplan wird der Bundesrat das SIL-Objektblatt genehmigen. Sobald der Flughafen die nächsten Planungsschritte einleitet, sei es mit dem Gesuch für ein neues Betriebsreglement oder für Bauvorhaben, sind Einsprachen möglich.



Fragen und Antworten

zur zweiten Etappe des SIL-Objektblattes Flughafen Zürich

https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/45506.pdf

Was kommt neu in der zweiten Etappe hinzu?

Ursprünglich war die Idee der Etappierung, dass nach Ratifizierung des Staatsvertrages durch Deutschland die entsprechenden Anpassungen der Infrastruktur im SIL vorgenommen werden könnten. Momentan gibt es aber keine Anzeichen dafür, dass Deutschland den Vertrag ratifizieren wird. Aus diesem Grund hat sich der Bundesrat entschlossen, die zweite Phase des SIL -Prozesses unabhängig vom Staatsvertrag einzuleiten. Dabei werden vor allem Massnahmen aus der Sicherheitsüberprüfung von 2012 aufgeführt. Die wesentlichen Punkte des SIL2 sind:

  • Neues Bisen- und Nebelkonzept mit Südstart geradeaus

  • Perimeter-Anpassung für die Umrollung der Piste 28

  • Voraussetzung für den Betrieb der verlängerten Pisten 28 und 32

  • Verschiedene Routenoptimierungen, die wichtigsten sind:
    - Die Linksdrehung bei Abflügen nach Süden (wie heute praktiziert) wird weiter nach Osten gezogen -> «enhanced left turn»;
    - Abflug nach Westen wird früh gegabelt, dadurch bessere Separation und kürzere Abflugverfahren, was der Sicherheit und der Kapazität zuträglich ist;

  • Festlegung der Lärmkurven und der Abgrenzungslinie



  • Anpassung SIL-Objektblatt

    Flughafen Zürich (SIL 2)

    https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/45507.pdf

    Medienkonferenz
    Christian Hegner, Direktor
    27. September 2016



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