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Thema: Medienberichte Jan-Jun 2017


Südstarts zerstören unseren Lebensraum

http://www.vfsn.ch/index.php?option=content&task=view&id=3384&Itemid=1

Stiftung gegen Fluglärm und Verein Flugschneise Süd-NEIN verurteilen Entscheid des Bundesrats

Mit grosser Empörung nehmen die Stiftung gegen Fluglärm, Zürich, und der Verein Flugschneise Süd – NEIN, Fällanden, zur Kenntnis, dass gegen alle Bedenken, die vorgebracht wurden, der Bundesrat die Einführung der Südstarts vom Zürcher Flughafen Kloten aus beschlossen hat. Dies bedeutet erhebliche Mehrbelastungen für die Bevölkerung in den nördlichen Quartieren der Stadt Zürich südlich des Flughafens wie auch in den Gemeinden im Süden und zerstört die während Jahrhunderten gewachsene Kulturlandschaft an beiden Ufern des Zürichsees. Hunderttausende von Menschen – Alte, Kinder, Werktätige und Schüler –, die ohnehin schon Landungen über den Süden ausgesetzt sind, müssen nun zusätzlich über 13 000 Starts jährlich ertragen. Dies entspricht an den rund 20 bis 28 Tagen mit Bise und bei einer unbestimmten Anzahl Nebeltage täglich ca. 180 bis 250 Südstarts mit einem Lärmpegel von bis zu 95 Dezibel. „Das ist ein Totalversagen der Schweizer Politik und ein Verrat an der Bevölkerung“, kommentiert Adolf Spörri, Präsident der Stiftung gegen Fluglärm, den Entscheid des Bundesrats.

Der Bundesrat hat mit dem Ja zum SIL II einen Entscheid gefällt, der sowohl die Forderungen und Ansprüche des Zürcher Regierungsrats wie auch von grossen Teilen der Zürcher Bevölkerung ausser Acht lässt. Matthias Dutli, Präsident des Vereins Flugschneise Süd – NEIN: „Es ist unverständlich, dass der Bundesrat den Tiefflug über die Dächer Zürichs und vieler Gemeinden zulässt und Alternativen dazu nicht gewürdigt hat.“ Dutli verlangt eine öffentliche Diskussion über mögliche Alternativen zu den Südstarts.

Beide Süd-Präsidenten sind mit ihren über 6 000 Vereinsmitgliedern der Auffassung, dass alleine die Politik der Gewinnmaximierung des Deutschen Lufthansa-Konzerns mit seinen Schweizer Tochtergesellschaften, darunter die Swiss, zu diesem unheilvollen Zustand geführt hat. Auch die Flughafen Zürich AG habe sich dem deutschen Diktat gebeugt. 70% des Passagieraufkommens entstammt dem Lufthansakonzern. Adolf Spörri: „Diese kurzsichtige Politik bedroht die Menschen, zerstört die Umwelt und führt zu Gesundheitsschäden von Tausenden, wie mehrere Studien beweisen.“ „Ich befürchte einen Aufstand der Zürcher Bevölkerung, wenn die Südstarts tatsächlich eingeführt werden“, sagt auch Matthias Dutli, Präsident des Vereins Flugschneise Süd – NEIN. Er fordert ein engmaschiges Monitoring durch den Kanton, damit das neue Konzept ausschliesslich bei den präzise definierten, messbaren und nachvollziehbaren Bise- und Nebelwerten zur Anwendung kommt. Zudem sind Übertretungen umgehend mit nachhaltigen Massnahmen zu ahnden.

Adolf Spörri, Präsident der Stiftung gegen Fluglärm, will ein Exempel statuieren: „Wir haben alle juristischen Voraussetzungen geprüft, um gegen die Einführung der Südstarts ab Kloten Einspruch zu erheben. In ganz Europa mehren sich die Proteste gegen die einseitige Bevorzugung der Billigflüge. Wir müssen deutlich machen, dass wir Schweizer den Flugverkehr für den Massenbetrieb ablehnen.“

Beide Präsidenten sind sich einig, dass im Rahmen des nun folgenden Antrages für ein neues Betriebskonzept des Flughafens alle legalen Massnahmen auszuschöpfen sind.


Weitere Auskünfte:

Stiftung gegen Fluglärm
Adolf Spörri
Präsident
spoerri@spoerrilaw.ch

Verein Flugschneise Süd - NEIN
Matthias Dutli
Präsident
praesident@vfsn.ch



Bundesrat genehmigt Anpassung des SIL-Objektblatts für den Flughafen Zürich

https://rr.zh.ch/internet/regierungsrat/de/aktuell.newsextern.-internet-de-aktuell-news-medienmitteilungen-2017-bundesrat_45_genehmigt_45_anpassung_45_des_45__45_sil_45_objektblatts_45_fuer_45_den_45_flu.html

23.08.2017 - Medienmitteilung

Heute hat der Bundesrat die Anpassung des SIL-Objektblatts für den Flughafen Zürich genehmigt. Der Regierungsrat anerkennt, dass die darin vorgesehenen Massnahmen einen positiven Beitrag zur Erhöhung der Sicherheitsmarge des Flugbetriebs leisten können. Wegen der steigenden Zahl von Fluglärmbelästigten, hatte er in der Vernehmlassung aber Massnahmen zum besseren Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm gefordert. Verschiedene dieser Anliegen hat der Bundesrat in seinem Entscheid nun berücksichtigt.

Im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) werden die Rahmenbedingungen für die langfristige Entwicklung des Flughafens Zürich festgelegt. Im Zentrum der heute vom Bundesrat verabschiedeten SIL-Anpassungen steht die Erhöhung der flugbetrieblichen Sicherheit am Flughafen Zürich. Wesentliche Elemente sind der Betrieb auf verlängerten Pisten 28 und 32, Südabflüge geradeaus bei Bise und bei Nebel sowie Anpassungen einzelner Flugrouten.

Der Regierungsrat anerkennt, dass verschiedene Anpassungen einen positiven Beitrag zur Erhöhung der Sicherheitsmarge des Flugbetriebs und gleichzeitig zur Verbesserung der Pünktlichkeit leisten. Insbesondere die Südstarts über dicht besiedeltes Gebiet führen jedoch zu einer deutlich grösseren Zahl durch Fluglärm belästigter Personen gemäss Zürcher Fluglärm-Index (ZFI). Deshalb hatte der Regierungsrat in seiner Stellungnahme zum Entwurf des SIL-Objektblatts (siehe Medienmitteilung vom 14. Februar 2017) gefordert, die zusätzliche Fluglärmbelastung für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.

Keine Flugroute über das Zentrum der Stadt Zürich

Auf Antrag des Kantons Zürich verzichtet der Bundesrat auf eine ursprünglich geplante Flugroute direkt über das Stadtzentrum von Zürich. Damit kann eine weitere Belastung der durch die vorgesehenen Südstarts geradeaus ohnehin schon erheblich belasteten Stadt Zürich vermieden werden. Ebenfalls auf Antrag des Kantons hat der Bundesrat ein neues Ziel formuliert, wonach Massnahmen zum Abbau der Verspätungen nach 23.00 Uhr zu treffen sind. Dadurch erhofft sich der Regierungsrat auch eine verbesserte Einhaltung der im Zürcher Flughafengesetz postulierten siebenstündigen Nachtruhe. Bereits im Vernehmlassungsentwurf des Bundes waren die in den SIL2-Grundlagendokumenten noch erwähnten Südstarts im Regelbetrieb nicht mehr enthalten.

Nach wie vor unzulänglich begründet bleibt die Notwendigkeit von Südstarts geradeaus bei Nebel. Der Regierungsrat bedauert ausserdem, dass seinem Antrag, den Einsatz des neuen Bisen- und Nebelkonzepts jährlich in einem Monitoring auszuweisen, nicht Folge geleistet wurde.

SIL-Anpassung bedingt Änderung des kantonalen Richtplans

Die Änderungen im SIL-Objektblatt bedingen eine Anpassung des kantonalen Richtplans. Der Regierungsrat wird in einem nächsten Schritt die gesetzlich geforderten Mitwirkungsverfahren zur Anpassung des kantonalen Richtplans durchführen und dem Kantonsrat anschliessend dessen Anpassung beantragen.

Gestützt auf das angepasste SIL-Objektblatt kann die Flughafen Zürich AG (FZAG) nun ein entsprechendes Betriebsreglement ausarbeiten und dieses nach Zustimmung des Zürcher Regierungsrats beim Bund zur Genehmigung vorlegen. Die im SIL2 vorgesehenen Verlängerungen der Pisten 28 und 32 können nur mit Zustimmung des Kantons Zürich umgesetzt werden. Bis zum Zeitpunkt der Festsetzung des kantonalen Richtplans durch den Kantonsrat gilt bei der Beurteilung von Betriebsreglementsgesuchen der FZAG der geltende kantonale Richtplan vom 18. September 2015.

Information für Gemeinden und Interessensvereinigungen

Der Volkswirtschaftsdirektion liegt viel daran, die betroffenen Gemeinden und Interessensverbände über die Auswirkungen der vom Bundesrat beschlossenen SIL-Anpassungen ins Bild zu setzen. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh hat deshalb auf September 2017 die Konsultative Konferenz Flughafen Zürich einberufen. In den darauffolgenden Tagen werden zudem die Bürgerorganisationen und Interessenverbände zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Vertreter des Bundesamts für Zivilluftfahrt werden an diesen Veranstaltungen den bundesrätlichen Entscheid zum SIL2 erläutern und gemeinsam mit Vertretern des Kantons über das weitere Vorgehen informieren.



SRF Tagesschau

Video

https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/fluege-ab-zuerich-duerfen-richtung-sueden-starten?id=e2a71766-44cd-4415-9710-e854642c6c69





Bei Bise soll es künftig drei Varianten von Südstarts ab dem Flughafen Zürich geben. SRF



Region Zumikon - Pfannenstiel

Vor allem in der Region Zumikon wird es wegen den Südstarts besonders laut werden! Der Grund dafür ist, weil dort einerseits die Flugzeuge links abdrehen (left turn) und am selben Ort andererseits die schweren und entsprechend weniger steigfähigen Flugzeuge geradeaus fliegen (straight).

Einige Zumiker werden da noch auf die Welt kommen!



NZZ, Dienstag 29. Aug 2017

TRIBÜNE

Wetteifern mit Dubai Airport?

Gastkommentar

von HANS GÖSCHKE

Neue Studien zu Gesundheitsschäden infolge des Fluglärms mahnen zur Vorsicht: Herzinfarkte sind anderthalbmal und Diabetes doppelt so häufig in der Nähe unserer Landesflughäfen als anderswo. Aber am meisten schadet der Fluglärm den Kindern. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt und die Flugwirtschaft zeigen sich von alldem ungerührt und planen weiterhin den grosszügigen Ausbau des Flugverkehrs.

Der Zürcher Flughafen befördert 27 Millionen Passagiere pro Jahr, Dubai 80 Millionen. In seinem Bericht zur Luftfahrtpolitik (Lupo) von 2016 beklagt der Bundesrat die Benachteiligung von Zürich: Dubai operiert angeblich mit günstigeren ökonomischen Bedingungen. Der Bundesrat befürchtet, dass der Hub in Zürich schon bald nicht mehr rentabel zu betreiben ist. Deshalb fordert er längere Betriebszeiten, den Ausbau der Pisten und tiefere Gebühren. Ist dies die einzig mögliche Antwort auf die Expansion des Mega-Hubs in Dubai?

Der bundesrätliche Vergleich mit Dubai hinkt. Die Schweiz ist für einen Mega-Hub zu dicht besiedelt und zu kleinräumig. Die Wirtschaft kennt nicht nur das unbegrenzte Wachstum, sondern auch die optimale Betriebsgrösse. Und diese könnte beim Flughafen Zürich bald erreicht sein. Denn laut dem Lupo stösst er an seine Kapazitätsgrenzen. Ohne Pistenausbau und längere Betriebszeiten ist ein grösseres Wachstum kaum mehr möglich. Aber beide Forderungen stossen bekanntlich auf erbitterten Widerstand. Am meisten Ablehnung erfährt jedoch die Absicht des Bundesrates, den Kantonen die Entscheidungsbefugnis beim Ausbau des Flugverkehrs weitgehend aus der Hand zu nehmen.

Welchen Flughafen braucht unser Land? Zürich soll wie bisher die internationale Anbindung der Schweiz sicherstellen, mehr nicht. Die Forcierung des Hub-Verkehrs bringt der Schweizer Wirtschaft wenig. Die Umsteigepassagiere besuchen weder unsere Läden noch unsere Ferienorte. Aber sie belasten die Umwelt. Für 2030 sind in Zürich 336 000 Flüge geplant, 30 Prozent mehr als heute. Die Lärmgrenzwerte werden schon jetzt um Kloten herum grossflächig überschritten, an einigen Orten sogar die Alarmwerte. In Oberglatt etwa betrug 2015 der Durchschnittslärm von 23 bis 24 Uhr 63 Dezibel, deutlich mehr als der Alarmwert von 60 Dezibeln – aber wo bleibt der Alarm? Wir haben eine Familie in Oberglatt besucht in einer alten Villa inmitten eines grossen Gartens mit altem Baumbestand. Diese Familie geht nur noch zum Rasenmähen in den Garten, der Fluglärm sei draussen zu allen Zeiten unerträglich.

Tödliche Herzinfarkte sind um die Flughäfen Basel, Genf und Zürich bis zu 48 Prozent häufiger als anderswo in der Schweiz, dies ist seit 2010 bekannt.


Auch dort, wo die Lärmgrenzwerte eingehalten werden, gewähren sie keinen Schutz der Gesundheit und der Lebensqualität. Das Bundesgericht hat deshalb schon 2010 ihre Revision verlangt, bisher erfolglos. Eine neue Studie der Universitäten Basel und Zürich mit dem passenden Namen «Sirene» hat gezeigt, dass die Häufigkeit tödlicher Herzinfarkte schon ab einem durchschnittlichen Fluglärm von 40 Dezibeln ansteigt. Tödliche Herzinfarkte sind in der Nähe der Flughäfen Basel, Genf und Zürich bis zu 48 Prozent häufiger als anderswo in der Schweiz, dies ist seit 2010 bekannt. Die 2017 publizierte Studie «Sapaldia» hat gezeigt, dass Diabetes in der Nähe unserer Landesflughäfen doppelt so häufig vorkommt wie anderswo. Über Fluglärmschäden bei Kindern haben wir früher berichtet.

Auch wer sich subjektiv vom Fluglärm nicht gestört fühlt, erfährt dieselben Schlafstörungen, denselben Blutdruckanstieg und das gleiche Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie subjektiv gestörte Personen.
Gemäss einer Absichtserklärung des Bundesrates im Lupo «sollen die Lärmbelastungen weiter reduziert werden». Doch weiter hinten liest man: «Eine Zunahme des Lärms ist aufgrund der steigenden Bewegungszahlen nicht zu verhindern.

Hans Göschke befasst sich als Arzt mit den Folgen des Fluglärms.

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Lärm-Beschwerden: laerm@zurich-airport.com Tel 043 816 21 31  

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