FLUCHT und AUSREISE Diskussionsforum
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Thema: BERGER: '... zwei Jahre die gleichen Albträume'


„Der Tagesspiegel“ v. 15.3.2009

"DIE STASI SAGTE: DER KOPF MUSS WEG!"

Zwei seiner besten Freunde haben ihn bespitzelt. Seine Frau hielt ihn für paranoid. Jörg BERGER lebt nach der Maxime: Verdränge und mache den nächsten Schritt.


Herr BERGER, in den 70ern waren Sie in der DDR ein erfolgreicher Fußballtrainer – Sie hatten ein Auto, eine große Wohnung, konnten reisen. Wieso wollten Sie weg?

Das kann nur jemand verstehen, der mich gut kennt. Meine Mutter hat oft meine Gedanken gelesen: „Junge, glaub nicht, die im Westen warten auf dich!“, sagte sie dann. Ich war privilegiert, hätte Nationaltrainer werden können. Aber in meinen Entscheidungen war ich immer gebunden, ich durfte nicht leben, wo ich wollte, meinen Job nicht frei wählen. Der endgültige Bruch kam dann, als die Funktionäre auf mein Privatleben Einfluss nehmen wollten.

Was haben die von Ihnen verlangt?

Ich war geschieden, seitdem durfte ich nicht mehr zu Spielen im Westen reisen. Man gab mir klar zu verstehen: Heirate, dann ändert sich das. Ich habe mich einfach nicht mehr frei gefühlt.

Wie stark wurden Sie von der Stasi überwacht?

Wenn ich alles gewusst hätte, was in meiner Akte steht – vielleicht hätte ich mich nicht getraut zu flüchten. Ich hatte zum Beispiel nach der Scheidung eine Freundin in Berlin, die Stasi fuhr mir nach, in der Akte gibt es eine detaillierte Skizze von Leipzig bis zu ihrer Wohnung. Und kleine Dinge: In unserem Haus gab eine Frau weiter, dass ich nur 20 Pfennig für die deutsch-sowjetische Freundschaft gespendet hatte. Gott sei Dank habe ich mich aber nicht sehr verdächtig gemacht.

Aus Instinkt?

Ich wollte niemanden belasten, also habe ich keinem erzählt, was mir durch den Kopf ging, die ganzen drei Jahre lang, in denen ich an die Flucht dachte. Nur am letzten Tag habe ich es meiner Mutter gesagt.

Hand aufs Herz, Herr BERGER: Spielte bei Ihrer Flucht nicht auch eine Rolle, dass die ganz große Trainerkarriere nur im Westen möglich war?

Meine Wünsche waren bescheidener: Wenn ich die Spiele vom FC Bayern oder Mönchengladbach im Fernsehen sah, dann wünschte ich mir: einmal da im Stadion sein! Aber als ich im Westen war, wollte ich natürlich meine Chance nutzen.

Im März 1979 flüchteten Sie nachts, vor einem Spiel, aus einem Hotel im jugoslawischen Sobotica. In welchem Moment war Ihre Angst am größten?

Als der Zug nach Belgrad in Sobotica einrollte und ich wusste: Es gibt kein Zurück. Und an der österreichischen Grenze, bei der Passkontrolle. Die bundesdeutsche Botschaft in Belgrad hatte mir einen gefälschten Pass ausgestellt. Der Grenzer erkannte mich zwar, es stand schon in den Zeitungen, dass ein Fußballtrainer abgehauen war. Aber er ließ mich gehen.

Ihren neunjährigen Sohn ließen Sie bei Ihrer Exfrau zurück.

Ohne einen gewissen Egoismus hätte ich diesen Weg nicht gehen können. Ich dachte, dass ich meinen Sohn nie wiedersehen würde. Natürlich habe ich versucht, Kontakt zu halten. Das Schlimmste war, dass ich mich ihm nicht erklären konnte.

Hatte Ihr Sohn Nachteile durch Ihre Flucht?

Ja, das war für mich sehr belastend. Nur ein Beispiel: Ron spielte Fußball, ziemlich gut sogar, und bei einem wichtigen Spiel hieß es: Du spielst nicht, Berger, der Name eines Verräters, soll nicht auf der Anzeigetafel stehen.

Wann haben Sie Ihren Sohn wiedergesehen?

Im Sommer 1989 in Prag. Ich bin da sehr naiv hingefahren und dachte: Jetzt nimmst du deinen Sohn in den Arm und zehn Jahre sind vergessen. Mit welchen Gefühlen er nach Prag fährt – daran habe ich gar nicht gedacht.

Ihr Sohn sagte später: „Ich habe in Prag nicht drei Tage mit meinem Vater verbracht, sondern es war wie ein Hauptgewinn in einem Preisausschreiben: drei Tage mit einem Bundesliga-Trainer.“

Das tat weh. Sehr. Ein Vater sieht seinen Sohn nach zehn Jahren, will ihm eigentlich viel näher sein, mehr Liebe geben und Gefühle zeigen. Aber da kommt ein Junge, der seit neun Jahren seinen Vater nur samstags in der Sportschau gesehen hat, für den der Vater eben der Bundesliga- Trainer ist. Nach der Wende lebte mein Sohn bei mir, meiner zweiten Frau und unseren Zwillingstöchtern in Frankfurt, wir haben viel zusammen unternommen. Irgendwann kam das Vertrauen zurück, es brauchte einfach viel länger, als ich gedacht hatte. Heute haben wir ein tolles Verhältnis.

Als Sie im Westen waren, haben Sie da von Ihrer Flucht geträumt?

Ich habe bestimmt zwei Jahre die gleichen Albträume gehabt: Ich war wieder in der DDR, war entführt worden oder mit dem Sport hingefahren und konnte nicht mehr zurück. Ich bin jedes Mal schweißgebadet aufgewacht, das war so intensiv, im ersten Moment wusste ich nicht: Ist das wahr?

Eine Woche vor Ihnen war der Fußballer Lutz EIGENDORF geflohen. 1983 starb er bei einem Autounfall. Die Vermutung, dass die Stasi Schuld an dem Unfall hatte, wurde nie ausgeräumt.

Als ich es erfuhr, habe ich sofort eine Gänsehaut gekriegt und Angst gehabt. Ich war ja in ähnlichen Situationen, wo mir ein Rad abgegangen ist auf der Autobahn. Oder als man mich nach Schweden locken wollte, zu einem angeblichen Treffen mit meiner Mutter. Ich habe meiner jetzigen Frau immer gesagt: Wenn mir was passiert, lass das genau untersuchen, glaub nicht an einen Unfall oder dass ich einfach weg bin.

Hielt Ihre Frau Sie nicht für paranoid?

Sie sagte: „Du hast Verfolgungswahn, glaubst du, dass du denen so wichtig bist?“ Wenn ich mal was erzählt habe, hielt sie das für eine Räuberpistole.

1986 ging es Ihnen gesundheitlich schlecht. Sie vermuteten, die Stasi habe Sie vergiftet.

Ich hatte Fieber, mir war oft übel, schließlich kamen Lähmungserscheinungen dazu, ich konnte mich kaum noch bewegen. Es gab ja Vergiftungsfälle ...

... wie den des Fluchthelfers Wolfgang WELSCH, der 1981 mit einer Bulette vergiftet wurde.

Meine Krankheit fiel genau in einen Zeitraum, wo in meiner Akte steht: „aggressives Vorgehen“.

Wann haben Sie Ihre Akte eingesehen?

Schon 1993. Dieter KÜRTEN hatte das angeschoben, ein Team vom ZDF-Sportstudio war dabei. Ich saß also in der Normannenstraße vor all diesen Ordnern. Und dann begriff ich: Unter den Dutzenden von Spitzeln sind zwei meiner besten Freunde. Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet gewesen. Mir wurde schlecht, ich musste mich übergeben.

Einer der beiden Freunde war Bernd STANGE.

...

Das vollständige Interview hier!



Helden und Verräter
Fluchtweg Fußball
Von news.de-Redakteur Michael Heinrich

Fußball öffnete in der DDR Türen, manchmal aber auch das Tor in den Westen. Ein Dutzend namhafter Spieler - von Falko Götz bis Jürgen Sparwasser - nutzte Auslandsreisen zur Republikflucht. News.de erinnert 20 Jahre nach dem Mauerfall an dieses heikle Kapitel deutscher Geschichte.

Als Verrat und sportfeindliche Abwerbung wurden Fluchten von Seiten der DDR-Regierung gebrandmarkt. Wer als Trainer oder Mitspieler mit solchen «Verrätern» zu tun gehabt hatte, wurde genötigt, sich von den Flüchtlingen in öffentlichen Erklärungen zu distanzieren. Das Andenken der Betroffenen wurde so gut es ging aus den Sportanalen getilgt. Deshalb sind einige der talentiertesten Spieler, die die DDR je hatte, heutzutage oft nicht mehr im Bewusstsein der ostdeutschen Öffentlichkeit.

Auch im Westen versuchte die Staatssicherheit der DDR (Stasi) noch Einfluss zu nehmen. Unbequeme Kritiker brachte sie zum Schweigen. Wie weit der Arm der Stasi reichte, kann nicht einwandfrei festgestellt werden. Zahlreiche Indizien deuten aber beispielsweise darauf hin, dass Lutz Eigendorf Opfer der Stasi wurde.

Weil er ursprünglich für den Berliner BFC Dynamo spielte, den Lieblingsklub von Stasi-Chef Erich Mielke, und damit privilegierter war als andere Fußballer, wurde seine Flucht bei einem Länderspiel der DDR gegen Ungarn in Budapest 1979 als besonders schwerer Verrat und von Mielke als persönliche Kränkung aufgefasst. Im März 1983 starb Eigendorf bei einem Verkehrsunfall. Es wurde ein nicht erklärbarer Wert von 2,2 Promille Blutakohol festgestellt.

«Im Westen waren mehr IMs in meiner unmittelbaren Nähe als im Osten. Welche Ausmaße das hatte, habe ich später erst durch den Einblick in meine Stasi-Unterlagen erfahren. Ich kann heute sagen: Ich habe Glück gehabt, dass ich noch am Leben bin», berichtete Jörg Berger im Gespräch mit news.de. Der bekannte Bundesligatrainer war wie Eigendorf 1979 in den Westen geflüchtet und überlebte unter anderem einen Giftanschlag.

Drastische Sanktionen konnten auch jede Spieler treffen, die von Fluchtplänen ihrer Kameraden wussten. Stürmer Peter Kotte wurde die Kenntnis über die Absichten von Gerd Weber zum Verhängnis. Von einem Tag auf den anderen war die verheißungsvolle Karriere des damals 21-fachen Nationalspielers vorbei. Er wurde für die Oberliga, die höchste Spielklasse der DDR, lebenslänglich gesperrt und zudem mit Stadionverbot belegt.

Um imageschädliche Republikfluchten zu verhindern, wurden alle, die in den Westen reisen durften, ab 1980 systematisch durchleuchtet. Kabinen wurden verwanzt, und es reichte sogar schon, Westverwandschaft zu haben, um ausgeschlossen zu werden. Falko Götz, Stürmer beim BFC Dynamo, wurde als «politisch bedenklicher» Spieler wenig gefördert und floh deshalb 1983. «Ich muss drüben im Westen Fußball spielen, weil ich im Osten sowieso nichts werden kann», begründete Götz seinen Entschluss.

Dass besonders viele Spieler von den beiden Vorzeigeklubs SG Dynamo Dresden und BFC Dynamo flohen – oft übrigens nahezu ganze Mannschaften – hatte einfach damit zu tun, dass diese Vereine aufgrund ihres Erfolges besonders oft in internationalen Wettbewerben standen und die Spieler entsprechend mehr Gelegenheit hatten. «Willst du in den Westen türmen, musst du für Dynamo stürmen», spotteten die ostdeutschen Fußballfans.

*) News.de



RP online, 30.10.2011

Gastspiele in der damaligen DDR

BAYERN STAND UNTER STASI-BEOBACHTUNG


München (RPO). Der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München hat bei Gastspielen in der damaligen DDR unter permanenter Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gestanden.

©Bundesarchiv
Szene aus dem Hinspiel im Münchner Olympiastadion, das die Bayern nach einem 0:2-Pausenrückstand noch 3:2 gewannen. Auch im Rückspiel behielten die Münchner mit 2:1 die Oberhand.


Das berichtet das Nachrichtenmagazin Focus unter Berufung auf Akten der Stasi-Unterlagen-Behörde Magdeburg. Die Dokumente beziehen sich auf das Europapokal-Duell zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Magdeburg im Herbst 1974. Die Operation "Vorstoß II" stand unter Leitung von Generalmajor Rudi MITTIG, dem späteren Stellvertreter von Stasi-Chef Erich MIELKE.

Laut Focus hatte die Stasi im Mannschaftshotel in Magdeburg Dutzende Geheimdienstmitarbeiter platziert. Ein streng vertraulicher Plan sah den "zielgerichteten Einsatz" von Spitzeln in den "Schwerpunktetagen, an der Rezeption und an anderen Konzentrationspunkten" vor. Auf diese Weise wollte man "feindlich negative Kontakttätigkeit" verhindern.

Banale Beobachtungen

In den Einsatzberichten der Magdeburger Polizei, die eng mit der Stasi kooperierte, finden sich laut Focus eher banale Beobachtungen: Trainer Udo LATTEK habe "20 Bildautogramme an wartende DDR-Bürger" verteilt. Kurz darauf seien "die Spieler Meier und Hönes" (Sepp MAIER und Uli HOENEß) mit Autogrammkarten erschienen.

Aus Angst vor politisch brisanten Zwischenfällen steuerte die Stasi auch die Ticketvergabe, insbesondere für das Rückspiel in München am 23. Oktober 1974. Kandidaten, "die nicht den Kaderprinzipien entsprechen", seien "bereits auf Kreisebene abzulehnen". Wer es in die engere Wahl schaffe, müsse bis zur Abreise "mit allen verfügbaren Mitteln" beschattet werden.

DDR-Touristen ließen sich nicht provozieren

Nach Rückkehr in die DDR zogen die Stasi-Mitarbeiter nach den vorliegenden Unterlagen eine positive Bilanz. "Die DDR-Touristen ließen sich nicht provozieren", heißt es in einem Aktenvermerk - trotz mehrerer Störversuche des Klassenfeindes.

Als schlimmste Provokation empfanden Mielkes Stasi-Mitarbeiter "die Leuchtreklame im Stadion", mit der Arbeitskräfte für den Olympiapark gesucht wurden, insbesondere Rundfunkmechaniker, Elektriker und Gärtner. "Von den Touristen wurde das als gezielte Abwerbung angesehen", konstatierte das MfS.

Quelle
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Siehe hierzu auch news.de: Fluchtweg Fußball



18.11.2011

Fußball im Osten

20 PFEIFEN VOM KLASSENFEIND

Der ostdeutsche Fußball leidet gerade in Krisen darunter, dass seine Spitzenfunktionäre überfordert sind, ihn angemessen zu repräsentieren. Und die Vergangenheit ist auch noch lange nicht aufgearbeitet.


©imago
Versuch einer Vereinigung: MOLDENHAUER (l.) 1990 mit DFB-Boss NEUBERGER


Es war ein kurzes Comeback im Rampenlicht. Als Daniel BAUER, der frühere Kapitän des Regionalligisten 1. FC Magdeburg, von einer Bedrohung durch Vermummte berichtete, drängte Hans-Georg MOLDENHAUER, 69, zurück in die Öffentlichkeit. Der bekannteste Funktionär des ostdeutschen Fußballs sitzt im Sportbeirat des Klubs. Er wertete den Vorfall als bedauerlichen Rückschritt und verwies auf die grundsätzlich positive Zusammenarbeit zwischen Verein und Fans.

Alte Phrasen, SED-Kader und willfährige Opportunisten

Es klang wie die alten Phrasen, und erklärt in diesen Tagen symbolisch, warum der Osten sich gerade so miserabel repräsentiert sehen muss. Wenn sich zuletzt Vorfälle häuften mit randalierenden Dresdner Fans oder dem BAUER-Zwischenfall, der dazu führt, dass der Spieler gestern seinen Abschied aus Magdeburg bekannt gab, vervollständigen die wichtigsten ostdeutschen Fußballfunktionäre das traurige Bild. Erstaunlich scheint das allerdings kaum. Unter denen, die im Nordostdeutschen Fußballverband NOFV Verantwortung tragen bzw. trugen, finden sich zahlreiche einstige SED-Kader, willfährige Opportunisten und Stasi-Leute.

Als neuer mächtiger Mann kommt etwa Rainer MILKOREIT daher, der MOLDENHAUER im Dezember 2010 als NOFV-Präsident ablöste. Auch er ist eine DDR-Kader-Altlast. MILKOREIT war zuständiger Leiter für Körperkultur und Sport im Rat des Bezirks Erfurt. Zeitzeugen erinnern sich nur zu gut an den einstigen Apparatschik. In den Neunzigerjahren übernahm er als Chef die Sportschule des Thüringer Landessportbundes und wurde 1994 zum Boss des freistaatlichen Fußballverbandes gewählt.

Keine Lust die Vergangenheit zu reflektieren

MILKOREIT, 67, verspürt − ähnlich wie der Rest der Altkameradentruppe − keine Lust, die eigene sowie die Vergangenheit belasteter Kollegen zu reflektieren. „Ich verschwende keine Zeit, mich mit solchen Dingen zu beschäftigen“, sagt er, scheint aber auch keine freie Minute für sein Amt übrig zu haben. Als der Kontrollausschuss des DFB nach den Krawallen in Dortmund forderte, Dynamo Dresden vom Pokal auszuschließen, da befand MILKOREIT bloß: „Der ostdeutsche Fußball darf nicht in eine Ecke gestellt werden, in die er nicht gehört.“

Um den Fußball im Osten vor dem Hintergrund seiner speziellen Vergangenheit in der Gegenwart gebührend zu repräsentieren, dafür reichen solche Gemeinplätze allerdings nicht aus. Aber woher soll es auch kommen? MILKOREIT steht in einer Ahnenreihe von historisch (und moralisch) bedenklichen Personen. Zum Beispiel MOLDENHAUER: Der Nachwende-Chef des NOFV (1990 bis 2010) sowie einstige DFB-Vizepräsident wurde als Gesellschaftlicher Mitarbeiter für Sicherheit von Magdeburgs Stasi-Bezirksverwaltung geführt, Deckname „Kurt Straube“. Laut Aktenlage war der frühere Fußballtorwart des 1. FCM in der DDR ein treuer SED-Genosse, der 1984 mündlich seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Stasi erklärte. Laut Akte lieferte MOLDENHAUER bis Ende 1986 mehrfach Informationen über Personen − auch über einen Kollegen, der einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik gestellt hatte.

In einem Reisebericht an den DTSB forderte er 1984, dass „internationale Fußballvergleiche“ exakt geplant werden sollen „und keine ungenutzten Stunden bestehen, um damit eventuelle Einflussnahmen Außenstehender zu ermöglichen“. MOLDENHAUER sagt: „Ich habe damals nicht gewusst, dass mich die Stasi als Mitarbeiter geführt hat.“ Er sei eher ein Widerstandskämpfer gewesen. „Die Stasi war damals für mich ein verhasstes Instrument.“

Als er 1994 erfahren habe, dass eine Stasi-Akte existiere, habe er sich unter anderen dem damaligen DFB-Boss Egidius BRAUN anvertraut. Weiterhin erklärte MOLDENHAUER, die SED-Parteischule habe er in der DDR besucht, „weil ich damals als Ingenieur und Abteilungsleiter 40 Leute geführt habe“, deswegen kam er angeblich nicht umhin. Bis heute ist er als Vorsitzender des Trägervereins des Bundesleistungszentrums in Kienbaum aktiv.

Die Geschichte des DDR-Fußballs ist immer noch nicht aufgearbeitet

Zahlreiche Stasi-Fälle wurden in den vergangenen Jahren von Verantwortlichen um MOLDENHAUER im NOFV klein gehalten und gedeckelt. Brandenburgs Fußballchef Siegfried KIRSCHEN aus Bad Saarow etwa ist Präsidiumsmitglied des NOFV und Chef des Schiedsrichter-Ausschusses. KIRSCHEN war als Schiedsrichter bei den Weltmeisterschaften 1986 und 1990 aktiv und hatte laut Akte über 20 Jahre als Informant mit dem Decknamen „Friedrich“ gearbeitet. Der DDR-Oberliga-Referee Bernd STUMPF wiederum war bis 2010 Mitglied des NOFV-Sicherheitsausschusses. STUMPF, der wegen seiner eklatanten Fehlleistungen als Unparteiischer sogar vom DDR-Fußballverband gesperrt wurde, hatte sich noch 1989 der Stasi unter dem Decknamen „Peter Richter“ verpflichtet. Bereits 1975 hatte STUMPF einen Schiedsrichterkollegen übel denunziert, weil dieser 20 Pfeifen von westdeutschen Sportfreunden erhalten hatte.

Der einstige WM-Schiedsrichter Adolf PROKOP, der in der DDR der Stasi als Offizier im besonderen Einsatz diente, steht schließlich Pate für die noch immer nicht abgewickelte und aufgearbeitete Geschichte des DDR-Fußballs und einem Teil ehemals systemtreuer Funktionäre. PROKOP wurde vom NOFV im Herbst 2009 ehrenvoll als Schiedsrichterbeobachter verabschiedet − nicht etwa wegen seiner Stasi-Vergangenheit, sondern aus Altersgründen.

Quelle



Nach der Wende standen Sie bei Carl Zeiss Jena vor der Galerie der Mannschaftsfotos. Auf einem waren Sie zu sehen – aber mit einem fremden Gesicht.

(Berger): Nur meine Krawatte war noch da. Da sieht man, wie viel Angst dieses System hatte. Der Mann, der das Fotokabinett pflegte, sagte: „Jörg, du weißt doch, wie das war, was hätte ich denn machen sollen?“ Die Stasi sagte eben: Der Kopf muss weg! Und dann hat er ein retuschiertes Bild bekommen. Heute hängt aber wieder mein Kopf da.


Im Galopprennsport der DDR blieben einige Spitzenjockeys bei Privatbesuchen im Westen: U. a. Martin Rölke, Alex Mierus, Klaus Neuhaus. Im Formenteil des "Rennkuriers" waren deren Namen bei den Pferden, die von ihnen geritten worden waren, getilgt. Diese Pferde waren also reiterlos galoppiert...



31.10.2013

Flucht in den Westen

MIT MIELKES FLUGZEUG REISTE GÖTZ RICHTUNG FREIHEIT

Vor 30 Jahren nutzte Falko GÖTZ ein Europacupspiel des BFC Dynamo, um sich in den Westen abzusetzen. Erstmals spricht er ausführlich über diesen Tag:
"Solche Freude habe ich nie wieder erlebt."

Von Lars GARTENSCHLÄGER

Den Satz seines Trainers hat Falko GÖTZ noch heute genau in den Ohren. "Also Männer", hört er Jürgen BOGS sagen, "in einer halben Stunde sehen wir uns wieder hier am Bus." Es ist der 2. November 1983, als GÖTZ den Worten lauscht und in diesem Moment ganz genau weiß: "Ich werde nicht zurückkommen."

GÖTZ ist damals Spieler des BFC Dynamo, des Klubs, der unter der Regentschaft von Erich MIELKE steht, dem Chef des DDR-Geheimdienstes Staatssicherheit. MIELKEs Klub muss an diesem Mittwochabend im Europapokal bei Partizan Belgrad antreten. Am Vormittag genehmigt der Coach noch einen Einkaufsbummel im Zentrum. Und den nutzt GÖTZ zur Flucht in den Westen. "Es war die Gelegenheit für mich, endlich in Freiheit leben zu können", sagt GÖTZ, damals 21 Jahre alt.

30 Jahre ist das her. Mittlerweile ist Deutschland wiedervereint und die DDR Geschichte. Deshalb arbeitet Falko GÖTZ heute in Aue, seit dem Frühjahr ist er Trainer des dortigen Zweitliga-Klubs FC Erzgebirge. Er wollte lange nicht über seine Flucht sprechen, jetzt tut er es. Manchmal wirkt der 51-Jährige etwas aufgewühlt beim Erzählen.

Mit neun Jahren zum BFC Dynamo

GÖTZ wächst im ehemaligen Ost-Berlin auf. Er ist neun Jahre alt, als er 1971 zum BFC Dynamo kommt. Mit 14 nimmt er an einem Lehrgang teil. Den 80 Spielern wird versprochen, dass die zehn Besten auf die Sportschule dürfen. GÖTZ wird Drittbester und dennoch abgelehnt, eine Begründung gibt es nicht. "Ich bin auf eine Art und Weise abserviert worden, die ich als pubertierender Fußballer nicht verstehen konnte", sagt GÖTZ.

So spürt er früh, dass er in einem Land lebt, in dem es nicht nach Leistung geht. "In einem Land, in dem ich nicht tun konnte, was ich wollte. In dem es Schranken gab", sagt GÖTZ. Seine Familie hat durch Verwandtschaft Westkontakte. Damit gilt sie als nicht linientreu und ist den Oberen ein Dorn im Auge.

Doch Falko GÖTZ steckt nicht auf. Auch ohne die Förderung an der Sportschule behauptet er sich beim BFC. Er ist so gut, dass er mit 19 in die DDR-Juniorenauswahl berufen wird. Bei einem Spiel in Schweden wird er von einem Scout aus dem Westen angesprochen. Er findet Gefallen an der Vorstellung, mal in der Bundesliga zu spielen. Zurück zu Hause bespricht er sich mit seinem Vater. Doch der rät ihm, sich erst einmal einen Namen in der DDR-Oberliga zu machen. Rund drei Jahre später – GÖTZ hat knapp 40 Spiele absolviert und zwölf Tore erzielt – fasst er den Entschluss abzuhauen. "Der BFC hatte sich für den Europapokal qualifiziert, und auf einer der Reisen sollte es passieren."

©Frank Leonhardt
Der zweifache Torschütze Falko Götz wird 1986
von seinen Leverkusener Mannschaftskameraden
Christian Schreier und Alois Reinhard
(v.l.) gefeiert


Tränenreicher Abschied

Im Sommer 1983 trifft er sich mit einem Freund, der kurz vor der Ausreise in den Westen steht. Er weiht ihn in seinen Plan ein, den er zusammen mit seinem Freund und Mitspieler Dirk SCHLEGEL geschmiedet hat. Der möchte auch weg aus der DDR. Im September tritt der BFC Dynamo in der ersten Runde des Europapokals beim luxemburgischen Meister Jeunesse Esch an. GÖTZ ruft seinen Freund im Westen an. Doch der sagt ihm, dass er noch keine gültigen Papiere hat und deshalb nicht kommen kann. GÖTZ und SCHLEGEL sind enttäuscht. Sie beschließen, es bei der nächsten Gelegenheit auf eigene Faust zu versuchen.

Das nächste Mal ist Belgrad. Vor der Abreise verabschiedet sich GÖTZ von den Eltern und seinen zwei Schwestern. Ein tränenreicher Abschied, denn niemand weiß, ob die Flucht gelingt. Was, wenn er geschnappt wird? Wie lange käme er dann wegen versuchter Republikflucht wohl ins Gefängnis? Doch Falko GÖTZ ist fest entschlossen. Er weiß, dass er seine Familie lange Zeit nicht mehr sehen wird.

"Meine Eltern haben mir zum Abschied gesagt, dass sie wissen, was auf sie zukommt. Aber sie sagten auch: Junge, wenn du rübergehst, dann nimm die Sache ernst. Du hast gesagt, dass es dein Ziel ist, Bundesligaspieler zu werden. Die größte Freude, die du uns machen kannst, ist, wenn wir dich jeden Samstag in der ,Sportschau' sehen."

In der Maschine von Stasi-Chef MIELKE

Es ist schon kurios, mit der Dienstmaschine von Stasi-Chef MIELKE fliegt der BFC-Tross am 1. November nach Belgrad. GÖTZ möchte gleich nach dem Abschlusstraining noch am Abend flüchten. Daraus wird nichts. Sein Kumpel SCHLEGEL hat Balldienst, er muss also nach dem Training die Bälle einsammeln und später am Abend aufpumpen und mit Lederfett polieren, und das wird überwacht.

Am kommenden Morgen, gleich nach dem Frühstück, geht es mit dem Bus in die Innenstadt. Mannschaft und Betreuer werden von mehreren Stasi-Mitarbeitern begleitet. Das war üblich auf Reisen der DDR-Vereine. "Wir waren Diplomaten in Trainingsanzügen und standen unter ständiger Beobachtung", sagt GÖTZ. Dass er und SCHLEGEL sich gleich absetzen würden, ahnt niemand dieser Stasi-Leute. "Ich hatte das Gefühl, dass die noch viel mehr Lust aufs Shoppen hatten als wir. Jedenfalls waren sie nicht besonders wachsam", beobachtet GÖTZ.

Er und SCHLEGEL steuern einen Plattenladen an. Sie gehen durch die Regale, werfen sich einen Blick zu und verlassen dann das Kaufhaus durch einen kleinen Seiteneingang. Jetzt rennen sie. Nur nicht umdrehen. Rennen. Ein Taxi, sie halten es an und springen hinein. GÖTZ sagt dem Fahrer, dass er sie bitte ganz schnell zur Botschaft der Bundesrepublik Deutschland bringen soll.

Während der Fahrt reißen die beiden Spieler das BFC-Emblem von den Anoraks. Nach wenigen Minuten erreichen sie die Botschaft. Dem Pförtner sagen sie, dass sie DDR-Fußballer seien und um Asyl in der Bundesrepublik bitten. Nach einem Gespräch mit dem Botschafter entscheidet der, sie nach Zagreb zu bringen.



Von Bodyguards begleitet, geht es zum deutschen Generalkonsultat, dort erhalten GÖTZ und SCHLEGEL Pässe mit falschen Namen und das Angebot, zehn Tage später mit einem Diplomatentransport in die Bundesrepublik zu kommen. So lange wollen sie nicht warten. Sie beschließen deshalb, auf eigene Faust mit dem Nachtzug Richtung München zu fahren.

Erster Weg ins Kaufhaus

Zunächst geht es mit dem Auto nach Ljubljana. Um kurz vor Mitternacht rollt dort der Zug los. Eine Stunde dauert die Fahrt bis zur Grenze zu Österreich. In Jesenice wirft ein Polizist kurz einen Blick auf die gefälschten Pässe. Er hat nichts zu beanstanden. Jetzt ist es geschafft. Der Druck, die Anspannung, die Angst – alles fällt auf einmal ab. GÖTZ und SCHLEGEL liegen sich in den Armen. "Das war ein Moment der Freude, den ich so in dieser Form nie wieder erlebt habe", sagt GÖTZ heute.

Am Donnerstagmorgen erreichen die beiden München. GÖTZ und SCHLEGEL gehen direkt in ein Kaufhaus, um sich neu einzukleiden. Die graue Hose, das weiße Hemd und den blauen Pullover vom BFC werfen sie weg. D-Mark zum Einkaufen haben sie dabei. Sie hatten das Geld noch in der DDR zum Kurs von 1:8 getauscht, manches von der Verwandtschaft bekommen. Auf dem Weg zum Kaufhaus passieren sie einen Kiosk. In der "Bild" lesen sie die Schlagzeile: "DDR-Fußballer geflüchtet". Im neuen Outfit lösen die Flüchtlinge ein Bahnticket und fahren nach Gießen in ein Aufnahmelager.

Während Falko GÖTZ die ersten Stunden in Freiheit genießt, greifen parallel in Ost-Berlin die Mechanismen des DDR-Regimes. Nachdem die Stasi-Mitarbeiter in Belgrad vergeblich nach ihm und SCHLEGEL gesucht hatten, klingeln Beamte bei den Eltern und seiner damaligen Freundin. Um die Beziehung der beiden stand es vor der Flucht nicht mehr gut, ihr Kontakt wird ein halbes Jahr später abreißen. Zweimal je 16 Stunden werden die Freundin und die Mutter von GÖTZ in einem Hotel in Berlin-Hohenschönhausen getrennt voneinander verhört. Wie das abläuft, dürfen wir gerade in der erfolgreichen ARD-Serie "Weißensee" sehr realitätsnah erfahren.

Dem Vater von GÖTZ bleibt das Martyrium damals erspart. "Noch bevor er gefragt wurde, hat er denen gesagt, dass sie doch selbst schuld seien und sich nicht wundern müssten. Ich hätte keine Wohnung bekommen und auch nicht die Zulassung zur Sportschule", sagt GÖTZ.

"Hier sind wir richtig"

Im Aufnahmelager in Gießen angekommen, bitten GÖTZ und SCHLEGEL darum, ihnen einen Kontakt zu Jörg BERGER herzustellen. Der inzwischen verstorbene Trainer arbeitete damals bei Hessen Kassel und war zwei Jahre zuvor ebenfalls über Jugoslawien in den Westen geflüchtet. Nachdem sie die bürokratischen Angelegenheiten erledigt haben, fahren sie nach Frankfurt und schauen sich das Bundesligaspiel der Eintracht gegen den FC Bayern an. "Unabhängig davon, dass es 0:0 ausgegangen ist, haben wir uns gesagt: Hier sind wir richtig", sagt GÖTZ.

Am Tag danach, es ist Sonntag, treffen sie Jörg BERGER. Über einen DFB-Vertreter, der sich telefonisch bei ihnen in Gießen meldet, erfahren sie, dass elf Bundesligaklubs Interesse an ihnen zeigen. BERGER soll vermitteln. Die beiden ehemaligen DDR-Fußballer entscheiden sich für Bayer Leverkusen. GÖTZ erhält dort 5000 Mark Grundgehalt und 2500 für einen Job an der Kasse im Bayer-Kaufhaus. Den macht er zusätzlich, weil er nach seiner Flucht ein Jahr gesperrt ist und nur trainieren darf.

Am 3. November 1984 ist es so weit. Ein Jahr nach dem ersten Tag in der Freiheit erfüllt sich für Falko GÖTZ der Traum von der Bundesliga. Bayer tritt bei Arminia Bielefeld an. SCHLEGEL spielt von Beginn an, GÖTZ wird eingewechselt. Am Abend sitzen die stolzen Eltern in der DDR vor dem Fernseher und sehen ihren Sohn erstmals in der "Sportschau". Für Falko GÖTZ ist es der Startschuss für eine große Karriere. 1988 gewinnt er mit Bayer den Uefa-Pokal, er spielt danach mit dem 1. FC Köln unter Christoph DAUM um die Meisterschaft und gewinnt 1993 und 1994 mit Galatasaray Istanbul den türkischen Titel. Als Trainer arbeitet er später in der Bundesliga unter anderem bei Hertha BSC und 1860 München. Jetzt in Aue.

"Ich bin ein glücklicher Mensch", sagt GÖTZ rückblickend: "Ich habe die Entscheidung zu flüchten nie bereut." Als er 1992 Einsicht in seine Stasi-Akte erhielt, sah er sich in seinem Schritt in die Freiheit nur bestätigt. Vier Abende saß er damals über einem Berg von Akten und musste erfahren, wie sehr er bespitzelt wurde. Selbst in seinen ersten Jahren im Westen hatte die Stasi noch Agenten auf ihn angesetzt. "Ich wusste, ich hatte vor 30 Jahren alles richtig gemacht."
©dpa
Seit dem Frühjahr 2013 arbeitet Falko
Götz als Trainer bei Erzgebirge Aue


Quelle





From: Ellen Thiemann
To: Gerald Praschl/SUPERillu
Cc: mail@stefankobus.de
Sent: Monday, April 17, 2017 5:47 PM
Subject: JUBEL-ARIE

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Lieber Gerald,

anbei meine Gedanken zu der zweifelhaften Jubel-Arie in der letzten Ausgabe. Wenn solche Beiträge erscheinen, ärgert man sich über jeden Cent, den man dafür hingelegt hat. In Jörg Bergers Buch und auch in "Der Feind an meiner Seite" und vielen anderen ist die unrühmliche Rolle von Stange/IMB "Kurt Wegener" hinreichend dokumentiert.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Du die Entscheidung für solch eine Wischi-Waschi-Story mit getragen hast.

Viele Grüße
Ellen

Peinlich, peinlich...

Werte Kollegen,

als Journalist hat man normalerweise die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, seriös und wahrheitsgetreu zu berichten. Dazu gehört auch, dass man dunkle Stellen in der Vita nicht verharmlost oder sogar weglässt. Genau das ist Ihnen aber in Ihrer letzten Ausgabe vortrefflich gelungen. Wie ist es möglich, dass bei einem so hochgradig stasi-belasteten Fußballtrainer die Überschrift lediglich aus dem bürgerlichen Namen besteht? Kein Sterbenswörtchen auf der ganzen Seite, dass Bernd Stange alias IMB „Kurt Wegener“ seit dem 5. November 1973 bis zum Mauerfall - also rund 16 Jahre lang (!) - zahlreiche Freunde und Kollegen fürs Ministerium für Staatssicherheit beschattete und in unzähligen Spitzelberichten anschwärzte!

So wie den überaus beliebten und erfolgreichen Fußball-Trainer Jörg Berger, der 1979 in den Westen geflohen war (gest. 2010). In persönlichen Gesprächen erklärte mir Jörg Berger mehrmals, wie sehr er darunter litt, ausgerechnet von einem engen Freund observiert und verraten worden zu sein. In seinem 2009 erschienenen Buch „Meine zwei Halbzeiten“ schreibt Berger:
Stange hatte nicht Informationen geliefert, weil er als junger Mensch unter Druck geraten war... Nein. Stange hatte denunziert und verraten, Menschen, die ihm nahestanden, möglicherweise in Gefahr gebracht, um daraus persönliche Vorteile zu ziehen. Dadurch war er wohl auch Nationaltrainer geworden.“

Als Jörg Berger den ehemaligen Kumpel Stange per Telefon zur Rede stellte wegen dessen hinterhältiger Spitzelattacken, säuselte der, dass er nur das getan habe, was „alle hätten tun müssen“. Berger reagierte wütend:
„Weil du karrieregeil bist, weil du geldgeil bist, weil du keinen Charakter hast. Deshalb hast du auch in das System gepasst.“

Besonders entlarvend sind Bergers Aussagen dazu, dass Stange ihn 1982 von Kassel aus in die DDR zurückbringen sollte:
Stange hatte gegen mich gearbeitet, obwohl ich längst im Westen war... Er war auch bereit gewesen, einen Auftrag anzunehmen, der die Vernichtung meiner Existenz zur Folge haben sollte – nichts anderes hätte eine `Rücküberführung` in die DDR bedeutet!“

Ähnliches war im Juni 1979 in Ostrava geplant gewesen, von wo aus DDR-Sportredakteur Klaus Thiemann alias IM „Mathias“ in einem „operativen Einsatz“ offenbar den „Fußballverräter“ Jörg Berger entführen sollte! In weiser Voraussicht war der damals aber nicht in die CSSR gereist.

Und als Stange ausgerechnet 2002 bei der Nationalmannschaft des Diktators Saddam Hussein gleich einen Vier-Jahres-Vertrag abgeschlossen hatte, kritisierte Berger:
Stange ist skrupellos, und er geht über Leichen. Stange hat sich in all den Jahren nicht geändert. Geld verdienen ohne jede Moral – er ist käuflich wie früher.“

Trainer-Kollege Peter Neururer meinte damals über Stange, dass er „für kein Geld der Welt den Job im Irak angenommen hätte.“

In SuperIllu wird IM „Kurt Wegener“ als „Weltenbummler“ verharmlost, der seine herrliche Terrasse hoch über Jena genießt. Der stolz ist, wenn im fernen Australien ein Buch über ihn erscheint, aber früher nicht einmal wusste, welche Schulklassen seine Kinder gerade besuchten! Das alles ist empörend, andererseits bezeichnend für diese Spezies oberflächlicher Ehrgeizling. Objektive Berichterstattung sieht anders aus. Die Kollegen von SuperIllu scheinen darauf zu hoffen, dass die Leserschaft ein allzu kurzes Gedächtnis hat. Aber solch eine Jubel-Arie für einen ehemaligen Stasi-Spitzel, der selbst engste Freunde ans Messer lieferte, ist allemal fehl am Platze.

Mit gemischten Grüßen
Ellen Thiemann



    Bernd Stange


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