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Thema: Politisch Verfolgte der DDR leiden weiter


Studie
Politisch Verfolgte der DDR leiden weiter
Ehemalige politische Gefangene der DDR leiden einer Studie zufolge teilweise bis heute körperlich und psychisch unter den Folgen der Haft. Das geht aus einer am Mittwoch von der Universität Leipzig veröffentlichten Befragung von 1288 Betroffenen hervor.

Danach haben die Betroffenen auch häufiger als andere Menschen finanzielle Probleme, weil durch die politische Verfolgung durch das SED-Regime meist Karrieren gestoppt oder vernichtet wurden.

Besonders die heute 50- bis 59-Jährigen sind laut der Studie von den Folgewirkungen der Haftzeit betroffen. Insgesamt sei die Lebensqualität der ehemals politisch Gefangenen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich niedriger. Die Betroffenen gaben an, körperlich weniger leistungsfähig zu sein und häufiger unter chronischen Krankheiten, Übelkeit, Schmerzen und Kurzatmigkeit sowie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit zu leiden. Auch die Familien seien durch diese Folgen der Haftzeit häufig indirekt betroffen.

Nach Angaben von Sozialwissenschaftlern der Fachhochschule Mittweida-Roßwein, die an der Studie beteiligt waren, leiden die ehemaligen politischen Gefangenen auch unter dem fehlendem Respekt der Öffentlichkeit, während die Täter aus ihrer Sicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden und nicht zur Verantwortung gezogen würden. Das sei das zentrale Ergebnis der Langzeitinterviews. Die Studie wurde von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

afp

Hannoversche Allgemeine Zeitung



FAZ.net, 25.3.2009

DDR-Aufarbeitung

STAATLICHES MOBBING


Von Frank PERGANDE, Schwerin

Findet das Gespräch über die DDR zwei Jahrzehnte nach ihrem Ende vor allem in den psychotherapeutischen Praxen statt? Zumindest haben die Psychotherapeuten Zulauf. Viele ihrer Patienten sind überhaupt erst nach so langer Zeit in der Lage, sich mit der DDR-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Das betrifft nicht nur jene, die unter der DDR gelitten haben, im Gefängnis saßen oder durch die Staatssicherheit einer psychischen „Zersetzung“ unterworfen waren, also die Opfer, sondern auch jene, die den Staat stützten und mit seinem Zusammenbruch an der Seele krank wurden, Täter also.

Mitunter sitzen Opfer und Täter in der Therapie nebeneinander, denn die Art der Behandlung ist durchaus gleich. Jochen-Friedrich BUHRMANN, der Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in der Schweriner Helios-Klinik, meint: „Dass so etwas passieren konnte, war für uns zunächst ein Schock. Es kann glücken, muss gut vorbereitet sein. Bei den geglückten Versuchen ist es erstaunlich, wie feinfühlig die Annäherung passiert, auch wenn es unmöglich ist, die Täter-Opfer-Beziehung als solche in den Gesprächen zum Thema zu machen.“

Kongress: Warum so wenig Diskussion über DDR?

BUHRMANN stammt aus Westfalen. Seine Erfahrungen in der Klinik veranlassten ihn, ein Symposion über die Frage „Warum ist die DDR-Geschichte so wenig Thema?“ anzuregen. Sein Ziel war es, das Gespräch darüber wieder mehr in die Öffentlichkeit zu bringen. Der öffentliche Raum war der Festsaal des Schweriner Schlosses, der Zulauf war erheblich. Dabei hatte sich gerade die Helios-Klinik gegen das Thema lange gesperrt.

Jedenfalls sieht das Jörn MOTHES so, der bis 2008 der Landesbeauftragte für die Unterlagen der DDR-Staatssicherheit war. Nicht mit Schwerin, sondern mit der Greifswalder Universität zusammen hatte er in den zurückliegenden Jahren Material sammeln lassen, das den Bundestag bei der Vorbereitung des dritten „SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes“ unterstützen sollte. MOTHES ging es vor allem um die Opfer „staatlichen Mobbings“, die Opfer der „Richtlinie 1/76“ des Ministeriums für Staatssicherheit. Sie ist ein umfangreicher Katalog psychischer Methoden zur „Zersetzung“ einer Persönlichkeit.

Offene und versteckte Repression

Neben die offene Repression trat die hinterhältige. Viele Opfer erfuhren erst nach dem Ende der DDR aus ihren Akten, dass ihr Versagen, ihre berufliche Hoffnungslosigkeit, der Knick in der Karriere gar nicht ihre Schuld war, sondern Teil der staatlichen „Zersetzung“. Das paranoide System schaffte es, aus seelisch gesunden Menschen paranoide zu machen. Die Folgen sind bis heute zu merken. Als der Bundestag 2007 über das Gesetz entschied, wurden die Opfer mit psychischen Folgen wieder einmal nicht berücksichtigt.

Zum einen sind solche Folgen tatsächlich schwer zu fassen. Mancher Patient kommt mit Beschwerden wie Angststörungen in die psychotherapeutische Praxis und ahnt zunächst gar nicht, dass die Ursachen in der DDR-Zeit wurzeln. Zum anderen sind es gerade diese Opfer, die kaum eine Lobby haben. Zumal ihr Misstrauen gegen Bürokratie, Gerichte, Ärzte, ja sogar die Kirchen mitunter unüberwindbar ist.

Zehntausende an Leib und Seele Geschädigte

Immerhin hat sich der Landesbeauftragte als Anlaufstelle etabliert. Etwa 400 Betroffene kommen allein in Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr in die Beratungsstelle. Die hohe Zahl muss nicht verwundern, wenn man bedenkt, dass nach Ende des Krieges allein im sowjetischen Speziallager Fünfeichen in Neubrandenburg 15.000 Menschen inhaftiert waren. Praktisch jede mecklenburgische Familie ist von diesem Schicksal betroffen. Sechstausend Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern wurden in die Sowjetunion gebracht.

Es gab 20.000 Inhaftierte in der DDR-Zeit in den drei politischen Gefängnissen des Landes. Fünftausend Menschen waren vom Befehl „1/76“ betroffen. „Die Entscheidung des Bundestages damals hat bestimmt den Erfolg von sieben Therapiestunden vorher in Nichts aufgelöst“, meinte Karl-Heinz BOMBERG sarkastisch, der selbst im DDR-Gefängnis saß und seine Erfahrungen auf doppelte Weise verarbeitet hat - als Arzt, der nach dem Ende der DDR noch eine psychoanalytische Ausbildung machte, und als Liedersänger.

Geschätzt 100.000 therapiebedürftige Stasi-Opfer

BOMBERG sprach auf dem Symposion vor allem über die Opfer aus der Haft. 300.000 Inhaftierte gab es in der DDR, ein Drittel davon, so wird geschätzt, hat eine psychotherapeutische Betreuung nötig. Unter seinen 1500 Patienten in den zurückliegenden fünfzehn Jahren seien 150 mit politischen Traumatisierungen gewesen. Auch die Berechnungen in der Schweriner Helios-Klinik ergeben, dass bei etwa zehn Prozent der Patienten die seelischen Störungen ihre Wurzeln in der DDR-Repression oder umgekehrt im Zusammenbruch des Systems haben.

Sowohl BOMBERG als auch der namhafteste Gast des Symposions, der durch sein Buch „Der Fremde ins uns“ bekannt gewordene Züricher Psychoanalytiker Arno GRUEN, sprachen darüber, wie aus Opfern auch Täter werden konnten. BOMBERG berichtete über einen ehemaligen KZ-Häftling, der als DDR-Offizier maßgeblich den Repressionsapparat leitete. MOTHES machte darauf aufmerksam, dass die Opfer vor allem jene sind, die in der DDR für Freiheit und Demokratie eingetreten waren und nun von der Bundesrepublik enttäuscht seien.

„Richtiges Leben im falschen System“?

Das habe Konsequenzen für die demokratische Kultur im Land. Es fehle im Osten die Bereitschaft, sich in den Parteien, Organisationen, Vereinen und in politischen Funktionen für das Gemeinwohl einzusetzen. BUHRMANN sagte, die Arbeit in der Klinik helfe nicht nur den Patienten, sondern habe auch unter den Kollegen mehr Offenheit im Gespräch über die DDR-Vergangenheit erreicht.

Bemerkenswert offen und lebhaft wurde nicht nur über die Spätfolgen der DDR gesprochen und über ein „richtiges Leben im falschen System“, sondern auch über das schwierige Verhältnis zwischen West- und Ostdeutschen, doch auch darüber, dass ein offenes Gespräch über die DDR-Vergangenheit bis heute an den Ost-Familientischen kaum möglich ist. „Im Westen gibt es für unser Thema überhaupt kein Interesse“, sagte BUHRMANN.

*) Frankfurter Allgemeine Zeitung



"während die Täter aus ihrer Sicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden"

So richtig verschwinden die Täter (Töter) ja nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung, denn sie werden von den Medien hofiert und dürfen ihre Verbrechen ungehindert publizieren. Aber im Prinzip ist dieser Artikel richtig und die reale Situation der Opfer ist viel schlimmer, als es der Artikel andeutet. Hier besteht seitens der Politik dringender Handlungsbedarf. Aber dafür braucht man erstmal Politiker, die auch handeln wollen.

EIN GANZ SPEZIELLES PROBLEM

Seit August 2008 habe ich nun meinen Wohnsitz an der Nordsee und damit haben sich auch die Möglichkeiten der ärztlichen Betreuung und Versorgung geändert, nach 33 Jahren in Berlin-West.

Wenn man nun von Ärzten behandelt wird, die von der DDR praktisch Null Ahnung haben, kann es gewisse Probleme geben. Vor diesem Hintergrund habe ich mir schon kurz nach meinem Einzug hier nach dem zweiten Besuch einen anderen Hausarzt suchen müssen. Dabei hatte ich unverschämtes Glück: Ich fand 7 Km weiter eine Ärztin mit sächsischen Wurzeln, die sich ebenfalls aus der DDR herausgekämpft hatte. Die war hocherfreut, in dieser ländlichen Gegend endlich einen „Fachmann“ und kundigen Gesprächspartner gefunden zu haben. Die Frau hilft mir, wo sie kann.

Um mein allgemein bekanntes Herzproblem weiterhin zu behandeln, bedarf es aber nicht nur organischer, sondern auch psychischer Betreuung; und hier liegt das Problem. Ein Krankenhaus-Arzt sagte mir, daß ich mir einen Psychotherapeuten suchen solle. Dieser Arzt hatte zumindest erkannt - nachdem ich ihn über meine Posttraumatische Belastungsstörung informiert hatte - daß hier ein Zusammenhang zwischen Psyche und Organen besteht. Ich wagte jedoch nicht, ihm die Wahrheit zu sagen, denn die wäre für westdeutsche Psychotherapeuten ein Unfähigkeitszeugnis gewesen. Das heißt, daß unsere Kameradinnen und Kameraden, die sich in den alten Bundesländern niedergelassen haben, bezüglich psychotherapeutischer Betreuung quasi „angeschissen“ sind.

Im Internet werben einige Spezialkliniken mit ihrer besonderen Ausrichtung auf Psychokardiologie und preisen sich geradezu als Experten für die Wechselwirkung von Psyche und Herz-Kreislauf an. Ich habe vor über zwei Wochen drei dieser Spezialkliniken angeschrieben und angefragt, ob sie denn auch mit unserer Problemlage vertraut sind. Habe jedoch bis heute keine Antwort erhalten. Ich sehe in dieser Sachlage nicht nur ärztliche Unfähigkeit, sondern auch das Resultat jahrzehntelanger mangelnder Information - besonders im Schulbereich - durch den Staat an sich.

Bernd Stichler



dpa, 4.3.2009

DDR-UNRECHT MACHT 20 JAHRE DANACH KRANK

Über DDR-Unrecht wird Psychologen zufolge so wenig gesprochen, dass viele Betroffene darüber krank werden. Opfer, aber auch Täter fänden in ihrem persönlichen Umfeld fast 20 Jahre nach der Wende niemanden, dem sie sich mitteilen könnten und vereinsamten mit ihren Problemen, sagte der Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Helios Kliniken Schwerin, Jochen-Friedrich BUHRMANN, gestern. "Es gibt eine ausgeprägte Verschwiegenheit zu dem Thema." Versuchten die Betroffenen, das Geschehene aufzuarbeiten, erführen sie oft neue Kränkungen, da an offiziellen Stellen häufig das Verständnis fehle. BUHRMANN ist Initiator eines Symposiums mit dem Titel "Warum ist die DDR-Geschichte so wenig Thema?" ...

Es gebe schätzungsweise 100.000 behandlungsbedürftige Menschen, deren Erkrankung aus dem Erlebten in der DDR resultiere, sagte BUHRMANN unter Berufung auf den Berliner Psychoanalytiker Karl-Heinz BOMBERG. In der Schweriner Klinik gehörten knapp zehn Prozent der Patienten zu diesem Personenkreis. Dabei zeige die Erfahrung, dass es "weniger schwierig als angenommen" sei, Opfer und Täter gemeinsam in den Therapien zu behandeln.

Die größere Patientengruppe sind Opfer des DDR-Regimes oder der unmittelbaren Nachkriegszeit, wie BUHRMANN sagte. Mancher Täter leide unter Schuld- und Schamgefühlen, aber auch der Verlust der Position spiele oft eine Rolle.

*) Schweriner Volkszeitung
Interessant: die Leserkommentare unter dem Artikel!



„Gerbergasse 18“, Nr. 1/2009, S. 30f

ZUR SOZIALEN LAGE DER OPFER DES SED-REGIMES IN THÜRINGEN*

Eine Studie zu den sozialen Folgen der Repression unangepassten Verhaltens


Als ich kurz nach Neujahr die Zeitung aufschlug, las ich in der Leipziger Volkszeitung die Meldung, dass die Partei „Die Linke“ im Jahr 2009 mindestens 27% der Stimmen bei den Leipziger Kommunalwahlen erringen möchte. Mit einiger Neugier, wie sie das denn schaffen wolle, las ich daraufhin das Interview mit Frau LAUTER, einer lokalen Parteiaktivistin. Hier konnte man nun wenig Neues erfahren. Kurz: die übliche ideologisch verbrämte Rhetorik der Sorge um Arbeitslose und Arme und das Schüren von Zukunftsängsten. (Dieser Rhetorik liegen freilich Tatsachen zugrunde, die auch meiner Meinung nach in anderen Parteien eine stärkere Beachtung erlangen sollten.)

Neu hingegen schien mir zu sein, dass sich die Partei „Die Linke“ nicht länger mit ihrer geringen Bedeutung hinsichtlich der Bewertung der jüngeren und jüngsten Vergangenheit in der gesamtdeutschen Öffentlichkeit abfinden möchte. Diese neue Qualität, meine ich, wurde in der Äußerung der interviewten Parteiaktivistin transparent, derzufolge sie im Jahr 2009 „einen Kampf um die Deutungshoheit der Friedlichen Revolution von 1989“ erwartet (ankündigt?), eine Revolution, mit der die Partei „Die Linke“ wohl - hier aber vor allem eher rhetorisch - den Sinn verbindet, dass die „Menschen von hier […] etwas Neues schaffen wollten, besser als die alte DDR, aber auch besser als die alte BRD.“ Nun ist es schon problematisch, wenn eine Partei, deren Mitglieder und Sympathisanten 1989/90 in weiten Teilen eben nicht die „Triebkräfte“ der Revolution waren, den Anspruch auf ebendiese Revolution erhebt. Bedenklicher ist es allerdings noch, wenn (nachzulesen ein paar Zeilen später) eine wie auch immer geartete und nicht hinnehmbare Relativierung des DDR-Unrechts erfolgt. Hier heißt es: „Wer die DDR nur auf Stasi und Unfreiheit reduziert, verbaut den Blick auf die Lebensleistungen von Millionen Menschen.“ So, so. Lebensleistungen also. Einigen Genossen von Frau LAUTER kommt dieses Argument (ist es überhaupt eines?) sicher gelegen, nämlich gar nicht über Stasi und Unfreiheit zu reden. Wenn das die neue historische Aufarbeitung der Partei „Die Linke“ ist, bräuchte man sich sicher nicht weiter über DDR-Unrecht und Stasi unterhalten.

Der Schlüssel zu weiteren Fragestellungen

Doch man muss! Als ich im vorvergangenen Jahr die Möglichkeit erhielt, an einer Forschungsarbeit zur sozialen Situation der Verfolgten des SED-Regimes mitzuarbeiten, sagte ich spontan „Ja“. Seit einiger Zeit beschäftigte ich mich wissenschaftlich mit den Karrieren des Führungspersonals in Betrieben und Verwaltungen der DDR (z.B. welchen Grad an Loyalität mussten Kader aufweisen, welche Qualifikationen mussten sie mitbringen, um in das mittlere und höhere „Management“ der DDR aufzusteigen?). Obwohl mich diese Fragen inhaltlich sehr interessieren (liefern sie doch auch den Schlüssel zu weiteren wissenschaftlichen Fragen, etwa: Wie modern war die DDR? oder: Welchen Stand hatte die Gleichstellung von Männern und Frauen in der DDR erreicht?), freute ich mich über die Gelegenheit, endlich einmal auch über die Personen, in der DDR zu forschen, die eindeutig im Schatten des politischen Systems standen. Motiviert wurde ich hierfür sicher auch dadurch, dass ich schon einige Zeit vor den 1989er Ereignissen Mitglied einer Jungen Gemeinde und mit der Kehrseite der DDR-Jubelpropaganda bestens vertraut war, obwohl ich zweifellos das Glück hatte, kein DDR-Gefängnis von innen kennengelernt zu haben (außer einem Tag in einem bulgarischen Gefängnis, der mir völlig ausreichte, um zu ahnen, was hinter solchen Mauern vorging, blieb mir diese Erfahrung Gottseidank erspart. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Frau HERZ, die in der Andreasstraße in Erfurt meinen Kollegen und mir wesentlich später das Innenleben eines DDR-Stasigefängnisses sehr eindrücklich präsentierte.)

Die Untersuchung war von Anfang an als multidisziplinäre Forschungsarbeit geplant. So arbeitete ich mit Kollegen und Kolleginnen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Fachgebieten zusammen: Soziologen, Historiker, Juristen und Politikwissenschaftler. Wie meine Kollegen und ich schnell bemerkten, liegen viele Felder der Erforschung des Leidens in und an der SED-Diktatur jedoch noch brach. Zunächst nahmen wir die Vorarbeiten in Betracht. Hier ist viel publiziert worden, vor allem wertvolle, aber wissenschaftlich noch wenig aufbereitete Augen- und Zeitzeugenberichte. Wenn die Thematik auch einige Aufmerksamkeit von Historikern auf sich gezogen hat, in anderen wissenschaftlichen Fachgebieten herrscht weitgehend Fehlanzeige: Abgesehen von ein paar (wertvollen) psychologischen und juristischen Abhandlungen - soziologische, sozialpsychologische und anthropologische Betrachtungen fehlen, von ein paar Ausnahmen abgesehen, fast vollständig. Dabei sollte es doch ganz selbstverständlich sein, dass den sozialen und gesundheitlichen Folgen der Diktatur in einer demokratischen Gesellschaft auch wissenschaftlich die Anerkennung gezollt wird, die ihnen zukommt.

Wissenschaftlich erprobte Konzepte für die Erforschung

Was den historischen und soziologischen Teil der Untersuchung anbelangt, stehen zudem wissenschaftlich erprobte Konzepte zur Verfügung, die für eine solche Erforschung der heutigen sozialen Situation der in der DDR politisch Verfolgten, mit der gebotenen Berücksichtigung von Besonderheiten, verwendet werden können. Geplant und später auch durchgeführt wurde, neben einer schriftlichen Befragung von Antragstellern auf Rehabilitierung und finanziellen bzw. materiellen Entschädigungsleistungen (insgesamt 1200 Antragsteller wurden angeschrieben, 330 der an uns zurückgesendeten Fragebogen waren auswertbar), auch eine mündliche (qualitative) Befragung von politisch Verfolgten. Hierbei wurden ganz unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt: In der schriftlichen Befragung wurden Fragen zum Prozess der Antragstellung, zur persönlichen Betroffenheit sowie zur Selbsteinschätzung und zum Selbstverständnis als Opfer und zum Opferbegriff, Fragen zur sozialen Lage/sozialen Situation, zur Wahrnehmung des Engagements des Freistaats Thüringens für Opfer/Betroffene und schließlich allgemeine soziodemographische Fragen gestellt. Die Vis-a-vis-lnterviews hingegen gingen über das Frageprogramm der schriftlichen Befragung hinaus. Die hier geführten Interviews mit Betroffenen waren sowohl lebensgeschichtlich als auch qualitativ angelegt.



Lebensgeschichtlich bedeutet, dass nicht nur die Umstände erfragt wurden, die zur Verhaftung oder zu anderen Konflikten in der DDR führten und damit auch einen Einfluss auf gegenwärtige soziale Situation besitzen, sondern es wurde unseren lnterviewpartnern genügend Raum bzw. Zeit für die Erzählung ihrer Sozialisation, ihren Prägungen und anderen Entwicklungen gegeben. Mit einem vorher erstellten Katalog wurden offene Fragen zum konkreten Untersuchungsgegenstand abgedeckt.

In der Darstellung der Ergebnisse versuchten wir einen Brückenschlag zwischen soziologischer und historischer Forschung. Relativ schnell wurde in den lebensgeschichtlich angelegten Vis-a-vis-lnterviews klar, dass viele politisch Verfolgte schon in jungen Lebensjahren in das Visier des staatlichen Repressionsapparates gerieten, eine Erkenntnis, die vielen politisch Verfolgten sicher bekannt ist, aber selten stärker wissenschaftlich oder in der Öffentlichkeit kommuniziert wurde. Durch diese im Lebenslauf häufig sehr zeitige Kollision mit der staatlichen Ordnungsmacht und der von dieser unter weitgehender Missachtung der sozialen Freiheitsrechte verhängten, z.T. völlig unverhältnismäßigen Strafen, gerieten die so Drangsalierten in ihrer weiteren persönlichen, schulischen und beruflichen Entwicklung auf das gesellschaftliche und persönliche Abstellgleis, eine Situation, die ohne Repression in vielen, wenn nicht den meisten Fällen nicht eingetreten wäre.

Mit viel Mühe gelang es vielen politisch Verfolgten, nach ihrer Haft trotzdem wieder Fuß zu fassen, sei es in der Bundesrepublik (wo die Bedingungen für eine gesellschaftliche Integration natürlich besser waren) oder in der DDR, wo sie, wenn vorhanden, durch Familie und Freunde gestützt, sich eine neue Existenz in meist einfachen Berufen aufbauten.

Die sozialen Folgen des DDR-Unrechts treten jedoch zwei Dekaden nach dem Scheitern des „sozialistischen“ Großexperiments offener zu Tage als je zuvor. Durch den Vergleich mit Bevölkerungsdaten (Sozio-oekonomisches Panel) konnte unsere Studie belegen, dass insbesondere die jüngeren Verfolgten heute, materiell gesehen, die Folgen des ihnen angetanen Unrechts tragen müssen. Ihre (Haushalts-)Einkommen sind häufig unterdurchschnittlich. Für die älteren Verfolgten ist hier die Situation in vielen Fällen etwas entspannter. Wahrscheinlich bedingt durch einen größeren Prozentsatz an Westemigration gelingt es vielen von ihnen zum durchschnittlichen Einkommensniveau der Thüringer Bevölkerung aufzuschließen.

Wenn sich die materielle Situation also nicht für alle Altersgruppen gleichermaßen bescheiden darstellt - die gesundheitliche Situation ist sowohl für die jüngeren wie für die älteren Betroffenen besorgniserregend. Schon die Erwerbsminderungsquote ist unter den bis 60-jährigen befragten Antragstellern gegenüber der Thüringer Bevölkerung deutlich erhöht. 28% der jüngeren Teilnehmer an der schriftlichen Befragung gaben an, erwerbsgemindert zu sein, und zwar amtlich bestätigt. Das sind fast dreimal so viele wie unter der gleichaltrigen Thüringer Bevölkerung (hier waren es 10%). Aber auch sonst klagen viele damals politisch Verfolgte über einen schlechten Gesundheitszustand. Das trifft auch auf die psychischen Folgen der politischen Verfolgung zu. Dennoch geben die so Bedrängten nicht auf. Im Gegenteil, die Befragten können heute über ihr Schicksal reden. Ihre Mitarbeit in Kirchen, Vereinen und Organisationen ist beispielhaft. Fast 60% der Befragten engagieren sich in Vereinen, über 30% in Kirchen und immerhin 16% in Opferverbänden.

Fazit

Angesichts der gebotenen Kürze der Darstellung konnte ich hier nicht alle Aspekte der Untersuchung präsentieren. Der Bericht ist jedoch im Internet unter der Adresse für jeden frei einsehbar. Was bleibt, ist ein kurzes Resümee: Die Arbeit an der Studie stellte für alle daran Beteiligten eine große Herausforderung dar. Die Leistung des Berichts mag nicht für jeden und vielleicht auch nicht auf den ersten Blick einsichtig sein. Ihr Nutzen ist aber abseits von tagespolitischen Erwägungen rasch zu erfassen, und er ist mindestens zweifach: Auf der Seite der politisch Verfolgten schafft der Bericht einen Referenzrahmen, auf den sich die Opfer des DDR-Unrechts jederzeit beziehen können. Sie sind also fortan nicht mehr gezwungen, ihr schmerzvolles Schicksal in Einzelgesprächen privat oder auf Ämtern zu rechtfertigen. Auch auf der Seite der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Diktaturfolgen sind Fehlstellen beseitigt worden. Auf Grundlage der erhobenen Daten wird eine weitere notwendige Bearbeitung der Thematik erst ermöglicht.

Dass die Diskussion um die Diktaturfolgen ebenfalls notwendig ist, wird auch noch einmal deutlich, wenn man sich nun erneut der Rhetorik der Partei „Die Linke“ zuwendet. Um es noch einmal in Erinnerung zu rufen, das Argument der interviewten Leipziger Parteiaktivistin bestand darin, dass durch eine Reduktion der DDR auf Unrecht und Stasi die Lebensleistungen von DDR-Bürgern geschmälert werden. Wenn man sich nun den Menschen auf der Schattenseite der realsozialistischen Existenz, auch unter dem Eindruck der Ergebnisse der eben vorgestellten Studie, erneut zuwendet, dann verfängt das Argument der Partei „Die Linke“ auf keinen Fall, denn die Lebensleistungen der politisch Inhaftierten wurden ja gerade durch die SED-Machthaber reduziert, indem sie bewusst und willkürlich von besseren Lebenschancen abgeschnitten wurden, die sich ihnen andernfalls geboten hätten. Politischen Stellungnahmen dieser Art ist also die „Rote Karte“ zu zeigen.

Lebensleistungen und Lebenschancen wurden aber auch in vielen Fällen beeinträchtigt bei denjenigen, die nicht in größerem Umfang durch den SED-Repressionsapparat drangsaliert wurden. Auch ihnen entgingen Lebenschancen, die sich nach dem Ende der DDR nicht in jedem Fall wieder wettmachen ließen. Einer Aneignung der Friedlichen Revolution von 1989 durch die Partei „Die Linke“ ist aus den genannten Gründen unbedingt Paroli zu bieten.

Dr. Ronald GEBAUER
Institut für Soziologie
FSU Jena

* Zur Sozialen Lage der Opfer des SED-Regimes in Thüringen. Forschungsbericht für das Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit des Freistaats Thüringen. Erstellt vom Jenaer Zentrum für empirische Sozial- und Kulturforschung. Der Forschungsbericht setzt sich aus drei Teilen zusammen: zur rechtlichen Situation der SED-Opfer, zur Akzeptanz des Wiedergutmachungsprozesses in Thüringen (Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung), zur sozialen Lage der SED-Opfer.

Der Autor hat an der Erstellung des dritten Teils des Forschungsberichts mitgewirkt (gemeinsam mit Agnès ARP, Jeanette van LAAK und Marcel FISCHER). Abruf unter:
www.thueringen.de/de/tmsfg/soziales/soziale_entschaedigung



Mit der zweiten Überschrift des Beitrags meint der Autor offensichtlich die sozialen Folgen der Repression bei unangepasstem Verhalten.

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Zuletzt bearbeitet: 27.07.2015 21:27 von Administrator


ZDF-Mediathek / Video:

Das späte Gift – Folgen der Stasi-Methoden

Ein Trauma, das nie vergeht



Zuletzt bearbeitet: 27.07.2015 21:39 von Administrator


Die unsichtbaren Wunden der Stasi-Opfer

Symposium will Ärzte und Therapeuten für psychosomatische Spätfolgen von Repressalien in der SED-Diktatur sensibilisieren

von Gisela Schütte

Die Beschwerden sind unspezifisch: Schlafstörungen und Albträume, gedrückte Stimmung und fehlende Zukunftsperspektiven, Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, Misstrauen und alle möglichen körperlichen Beschwerden von Magen- bis Rückenschmerzen. Die Ursachen sind deshalb von Ärzten nur schwierig zu diagnostizieren.
Deshalb findet am 8. September in der Schön Klinik Hamburg-Eilbek ein Symposium statt, bei dem Ärzte und Therapeuten für ein Thema sensibilisiert werden sollen, das jedenfalls bei den Opfern nicht vergessen ist: Unter dem Titel "Stasi-Opfer - Unsichtbare Wunden" bittet Professor Bernd Löwe von der Universitären Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Schön Klinik Hamburg-Eilbek zu einem Treffen, das sich mit den gesundheitlichen Spätfolgen politischer Repression in der DDR befasst.
Obwohl der Oscar-prämierte Film ,Das Leben der Anderen' von einer breiten Öffentlichkeit mit großem Interesse aufgenommen worden ist, werden die Spätfolgen politischer Verfolgung, die unsichtbaren Wunden, auch 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung im öffentlichen, politischen und medizinischen Diskurs kaum beachtet", sagt Privatdozent Dr. Carsten Spitzer. "Für die Betroffenen, die bis heute unter vielfältigen psychischen, psychosomatischen und körperlichen Beschwerden leiden, hat jedoch die Anerkennung des erlittenen Unrechts eine hohe Bedeutung und ist für ihre Genesung eine unabdingbare Voraussetzung." Er hat sich mit dem Thema eingehend beschäftigt.

Spitzer ist Oberarzt (verheiratet, zwei Kinder) und stammt aus Solingen. Er studierte in Aachen und Lübeck, arbeitete zwölf Jahre lang in Greifswald und kam 2008 nach Hamburg. Vor seinem Wechsel in die Hansestadt hat er sich während seiner Tätigkeit am Universitätsklinikum in Greifswald im Rahmen seiner Forschungstätigkeit mit dem Thema Stasi-Opfer befasst. Dabei ging es nicht um die Menschen, die im Gefängnis saßen und gefoltert wurden, sondern um die Opfer, die systematisch bespitzelt, ausgegrenzt, diskreditiert und benachteiligt wurden.

Bislang hatte sich die psychiatrische Forschung vor allem auf die ehemaligen politischen Häftlinge konzentriert. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 1945 und 1989 rund 200 000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert waren und durch Schlaf- und Essensentzug, Dauer- und Nachtverhöre, Isolations- und Dunkelhaft gequält wurden. Knapp zwei Drittel der Betroffenen leiden bis heute unter den Folgen mit psychischen und psychiatrisch relevanten Symptomen, sagt Spitzer. Die vielen Menschen, die durch Freunde, Nachbarn und Familienmitglieder bespitzelt und verraten wurden, blieben lange außen vor.

Im Zeichen einer zeitweiligen Ostalgie gerieten bei vielen die oft perfiden Methoden in Vergessenheit, mit denen das DDR-Regime seine inneren Feinde verfolgte, sagt der Arzt. Dazu gehörten zum Beispiel gezielte Indiskretionen, organisierte gesellschaftliche Misserfolge, die politisch motivierte Benachteiligung in Ausbildung und Beruf, der Eingriff in Persönlichkeitsrechte, etwa durch Post- und Telefonüberwachung.
Bei der Verfolgung überließen die Stasi-Mitarbeiter nichts dem Zufall. Unter der Bezeichnung "Operative Psychologie" waren die Methoden Lehrfach an der Juristischen Hochschule des MfS in Potsdam/Eiche, wo man auch einen Doktorgrad für die Methoden erwerben konnte. Den Kern der Ausbildung fasste die Richtlinie 1/76, die mit bürokratischer Sorgfalt die möglichen Maßnahmen aufzählt, darunter "systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufes, des Ansehens und des Prestiges auf der Grundlage miteinander verbundener wahrer, überprüfbarer und diskreditierender sowie unwahrer, glaubhafter, nicht widerlegbarer und damit ebenfalls diskreditierender Angaben; systematische Organisierung beruflicher und gesellschaftlicher Misserfolge zur Untergrabung des Selbstvertrauens einzelner Personen; Erzeugung von Zweifeln an der persönlichen Perspektive; Erzeugen von Misstrauen und gegenseitigen Verdächtigungen innerhalb von Gruppen" und so weiter. Zielgruppe für die Maßnahmen waren vor allem Antragsteller von Ausreisegenehmigungen. Diese Methoden hätten seit 1976 eine zunehmende Rolle in der DDR gespielt, sagt Spitzer und beschreibt die Perfidie am Beispiel eines Pastors. Man habe den Mann beim (in der DDR weitverbreiteten) Nacktbaden fotografiert und in das Bild eine Dame mit ortsbekannt leichtem Lebenswandel kopiert. Das manipulierte Foto wurde an die Kirchentür gepinnt. Der Mann war erledigt.

Spitzer und sein Team haben nun genau diese Betroffenen untersucht. Insgesamt erklärten sich 74 Menschen bereit, an dem Forschungsprojekt teilzunehmen. Die Studienteilnehmer waren zwischen 35 und 84 Jahre alt. Bei einigen Teilnehmern war die Anwendung der Stasi-Richtlinien zur Verfolgung sogar aktenkundig. Bei 60 Prozent der Studienteilnehmer stellten die Ärzte mindestens eine psychische Erkrankung fest. Am häufigsten waren Ängste und psychosomatische Leiden.

Die untersuchte Gruppe sei zwar zu klein für eine repräsentative Aussage, signifikant sei das Ergebnis allemal. Im Durchschnitt der Bevölkerung sind etwa 30 Prozent von einem psychischen Leiden betroffen.

Besonders bitter für die Opfer dieser sogenannten leisen Verfolgung sei die Tatsache, dass sie bislang nur schwer auch als Opfer anerkannt werden. Niemand hat sich bei ihnen entschuldigt. So schildert Spitzer den Besuch einer ehemals verfolgten Rostockerin bei den Spitzeln, die sie zur Rede stellen wollte. Doch die hätten schlicht abgewiegelt. Man wolle sich mit der Vergangenheit nicht mehr befassen.

Mit der vorliegenden Untersuchung wollten die Wissenschaftler dazu beitragen, auch die Betroffenen von Bespitzelung als Opfer politischer Verfolgung anzuerkennen. Und das Symposium der Schön Klinik soll Ärzte und Therapeuten für das Thema sensibilisieren, um bei ungeklärten Beschwerden auch diese mögliche Ursache abzufragen. Bei dem Forschungsprojekt handelte es sich um eine Zusammenarbeit mit Landesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit Mecklenburg-Vorpommern und der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

Quelle




Unter der Bezeichnung "Operative Psychologie" waren die Methoden Lehrfach an der Juristischen Hochschule des MfS in Potsdam/Eiche, wo man auch einen Doktorgrad für die Methoden erwerben konnte. Den Kern der Ausbildung fasste die Richtlinie 1/76, die mit bürokratischer Sorgfalt die möglichen Maßnahmen aufzählt, darunter "systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufes, des Ansehens und des Prestiges auf der Grundlage miteinander verbundener wahrer, überprüfbarer und diskreditierender sowie unwahrer, glaubhafter, nicht widerlegbarer und damit ebenfalls diskreditierender Angaben; systematische Organisierung beruflicher und gesellschaftlicher Misserfolge zur Untergrabung des Selbstvertrauens einzelner Personen; Erzeugung von Zweifeln an der persönlichen Perspektive; Erzeugen von Misstrauen und gegenseitigen Verdächtigungen innerhalb von Gruppen" und so weiter.


> Die MfS-Richtlinie 1/76



."...Die Ursachen sind deshalb von Ärzten nur schwierig zu diagnostizieren..."

Das ist leider nur die halbe Wahrheit ! Aus eigener Erfahrung weiß ich daß seitens der Ärzte auch eine gewisse Ignoranz und Überheblickeit besteht wenn sie von uns auf die möglichen Ursachen hingewiesen werden.
Das gilt ganz besonders bei organischen Spätfolgen. Neben dieser erschreckenden Unkenntnis und Ignoranz gibt es aber noch die bewußte Falschbeurkundung im Amt
seitens der Versorgungsämter und ihrer " Gutachter ".
Es geht bei dieser Problemlage also nicht allein um medizinische Wissenslücken sondern gleichermaßen um
amtliche Böswilligkeit.



bernd:
Die unsichtbaren Wunden der Stasi-Opfer

Symposium will Ärzte und Therapeuten für psychosomatische Spätfolgen von Repressalien in der SED-Diktatur sensibilisieren

Spaß ist, wenn Betroffene noch die Kraft finden, darüber zu lachen...

Die Beschwerden sind unspezifisch: Schlafstörungen und Albträume, gedrückte Stimmung und fehlende Zukunftsperspektiven, Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, Misstrauen und alle möglichen körperlichen Beschwerden von Magen- bis Rückenschmerzen. Die Ursachen sind deshalb von Ärzten nur schwierig zu diagnostizieren.

So sie es denn WOLLEN!
Ich persönlich bin bei vielen Ärzten infektiöser, als jeder Aids-Kranke. Spätestens in dem Moment, wo klar darliegt, dass meine Probleme primär nicht aus der Haft, sondern aus meinen "Heilbehandlungen" in einem medizinisch-psychologisch-psychiatrischem "Heilklinikum", in der Hölle von Ueckermünde -den heutigen AMEOS-Kliniken- resultieren.
Dieselben hippokratischen Verbrecher sind noch heute heroisch aufopferungsvoll in diesen Kliniken tätig, therapieren gar traumatisierte Opfer.
Spaß ist, wenn man trotzdem lacht...

Zitat aus meiner (leider noch immer unfertigen) Page:
Soll die jüngere deutsche Geschichte etwa von "denen" da oben genau so verklärt und verschleiert werden, wie es die hitlerdeutsche Vergangenheit wurde??? Hat denn NIEMAND etwas gelernt? Sind die TÄTER etwa noch immer unter uns?
Mengele auch???


Bittere bundesdeutsche Realität...
Liebe Grüße
Karsten




6.1.2012

STASI-BEAUFTRAGTER RATHENOW HÄLT "AUFARBEITUNG DER AUFARBEITUNG" FÜR NOTWENDIG

Dresden (epd). Sachsens Stasi-Beauftragter Lutz RATHENOW will die Rechte von in der DDR politisch Verfolgten und Opfern der kommunistischen Diktatur stärken. Es gebe "Sekundarschäden zu den SED-Folgen nach 1990", sagte er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Nötig sei inzwischen eine "Aufarbeitung der Aufarbeitung". Gespräche mit Opfern blieben ein Dauerthema.

Das von Psychologen als posttraumatische Verbitterungsstörung bezeichnete Phänomen sei eine Reaktion auf 20 Jahre, in denen für die jeweils Betroffenen entscheidende Dinge nicht geklärt werden konnten. Bei vielen sei der persönliche Umgang mit der Vergangenheit "nicht gut gelaufen, vor allem leider auch bei denen, die zu DDR-Zeiten benachteiligt wurden".

RATHENOW bezifferte den Anteil von Menschen mit Folgeproblemen auf schätzungsweise etwa zehn Prozent der sächsischen Bevölkerung. "Das ist eine Gruppe von Menschen, die sich ignoriert fühlt von der Öffentlichkeit und der Politik", sagte er. Viele klärten erst beim Eintritt in das Rentenalter ihre Arbeitsbiografie. Dann kämen bei den Opfern die Schikanen wieder hoch.

Daher sei es "ganz unglücklich", dass die Behörden ab 2012 nicht mehr zur Aufbewahrung der DDR-Rentenunterlagen verpflichtet sind. RATHENOW plädierte dafür, "Archiven rasch Lust zu machen, diese Unterlagen zu übernehmen".

Auch müsse eine neue Diskussion um Rehabilitierungsgesetze angestoßen werden und ein Rentenausgleich für mögliche Einkommensverluste in der DDR auf den Weg gebracht werden, forderte der sächsische Landesbeauftragte. Zugleich räumte er ein, dass eine "Beweisführung" schwierig ist. Persönliche Intrige und politisch inspirierte Intrige seien häufig nicht so leicht zu unterscheiden.

In den ersten Monaten seiner Amtszeit habe er viele Gespräche mit Menschen geführt, die Probleme mit der DDR-Vergangenheit haben. Meist dauerten sie mehrere Stunden. Das seien auch keine einfachen Beratungen, betonte RATHENOW. Es handele sich um "schwierige Fälle", die mit "Lücken im Gesetz" konfrontiert würden. Es seien Menschen mit Diskriminierungen, beruflichen Nachteilen und Ausgrenzungen, die sich nun in verminderter Rente nochmals bemerkbar machen.

Diese Opfer seien als "rehabilitierungswürdig" anzuerkennen. Ähnlich wie bei der Diskussion um die Opfer in Kinderheimen müsse es zumindest symbolische niedrigschwellige Hilfsmaßnahmen geben.

Ferner werde er 2012 einen neuen Gesetzentwurf zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur vorlegen, kündigte RATHENOW an. Darin sei unter anderem eine "stärkere Vermittlung psychosozialer Betreuung" festgeschrieben. Die Seite der Opfer und Verfolgten werde gestärkt. Auch eine personelle Aufstockung bei der sächsischen Stasi-Behörde von derzeit drei auf fünf oder sechs Mitarbeiter werde er vorschlagen. RATHENOW hatte sein Amt als neuer Beauftragter der Stasi-Unterlagen in Sachsen am 1. Mai angetreten.

epd-Gespräch: Katharina RÖGNER

Quelle

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