FLUCHT und AUSREISE Diskussionsforum
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Thema: XING-HU KUO † Aufschrei gegen Lügen und Vergessen


Lieber Klaus,
als langjähriger knast-bruder von dir in bautzen2 ( "ein chinese in bautzen2") danke ich dir auch im namen vieler ehemaliger leidensgefährten für deinen anschaulichen bericht über die zustände in "mielkes privat-kz". damit hast du zum 20.jahrestags des mauerfalls einen wichtigen zeitzeugen-beitrag gebracht, der vor allem von unserer fdj-vorsitzenden und heutigen bundeskanzlerin angie gelesen werden sollte, über die du auch schon einige treffende bemerkungen gemacht hast.
wir brauchen uns nicht zu wundern, dass die alten stasi- und sed-kader in der gesamtdeutschen ddr langsam aber sicher die macht schon längst mit hilfe ihrer willigen genossinnen und genossinnen in allen "demokratischen" parteien wieder zurückerobert haben.
kein wunder, dass hohe stasi-offiziere IM erika alias angie jetzt leibhaftig beschützen, sie ist ja die wertvollste perle der stasi, wie immer zuverlässig, linientreu, klassenkämpferisch,besser russisch als deutsch sprechend, auch wenn sie inzwischen mit josef ackermann,dem oberkapitalisten der deutschen bank, dessen 60.geburtstag auf unsere kosten im bundeskanzleramt feiert,denn auch honecker verschmähte die milliarde von franz josef strauss nicht, geld stinkt eben nicht!
nun haben wir mutti angie wieder für die nächsten jahre als "kanzlerin aller deutschen" und sie wird am sessel kleben bleiben, um zusammen mit schwulen-guido unser land ins milliardenloch zu stürzen . dafür werden ihre genossen im und um das kanzleramt schon sorgen!
da kann man nur seufzen: "armes deutschland" und die frage aufwerfen: wofür haben wir eigentlich jahre unseres lebens geopfert, damit die stützen des sed-regimes wie die fdj-vorsitzende für agit-prop(!) angie honecker ablosen, aber nunmehr als staatsoberhaupt der gesamtdeutschen ddr?
sei froh, klaus, dass du in südafrika wohnst und die lobhudeleien an die adresse von mutti angie alias IM ERIKA dich nicht täglih zum kotzen bringen!



KUO, Xing-Hu: "Ein Chinese in Bautzen II"
Anita Tykve Verlag 1990, ISBN 3-925434-35-6



Zuletzt bearbeitet: 05.05.2015 01:03 von Administrator


Ja, das Buch steht bei mir im Bücherschrank. Hatte es 1992 oder 93 gekauft.
Lieber Kuo, danke für Deine Anteilnahme. Vielleicht melde ich mich noch einmal persönlich. Bis dahin beste Wünsche für Gesundheit und berufliche Erfolge.

Klaus



NACHTRAG
in Absprache mit K. KNOPF







Keine Tränen geweint seit 7285 Tagen.
ZDF 27.10.2009: "Der schönste Irrtum..."

Am 9. November 1989 in Südafrika, ich war gegen 18.00 Uhr von einer zehnstündigen, langen Autoreise nachhause gekommen und todmüde zu Bett gegangen.
Es war gegen 22.00 Uhr. Mit den Worten: "Klaus, Klaus wach auf. In Berlin machen sie die Mauer kaputt", weckte mich meine Frau Shareene. Halb im Schlaf erwiderte ich: "Du spinnst. Lass mich schlafen." Aber dann stand ich doch auf um zu sehen was das südafrikanische Fernsehen zeigte.
Für mich war es unfassbar. Längst bewältigt Geglaubtes, Erinnerungen, Wut-und Hassgefühle kamen wieder hoch. Dann erkannte ich, dass es wahr war. Das SED Terrorsystem am Ende. Die Mauer wurde zerstört und ich sah die Menschen, glückliche Menschen, lachend und vor Freude weinend. Dann weinte ich auch. Tränen der Erlösung, der Freude.
Ich wollte, ich musste dabei sein. Im Juni 1990 war es soweit. Ich war dabei, kurz nach dem Zusammenbruch des verhassten Systems.
Es vergingen nun fast zwanzig Jahre. Eine Zeit ohne Tränen aber voller Hoffnung und später Frustration.
Dann sah ich den Beitrag im ZDF....und wieder weinte ich. Das erste Mal wieder nach 7285 Tagen.

Klaus





XING-HU KUO TOT:

Ein Chinese, der ein Kapitel deutscher Geschichte schrieb


Berlin, 22.07.2016/cw – Eigentlich war er gebürtig ein Indonesier, denn Xing-Hu Kuo wurde 1938 in Jakarta geboren. Aber sein Vater war ein chinesisch-stämmiger Verleger. Und auf diese chinesische Abstammung legte Kuo großen Wert, wie auch der wohl bekannteste Buchtitel „Ein Chinese in Bautzen II“ (Anita Tykve Verlag, 1990, ISBN 3-925434-35-6) belegen sollte.

Xing-Hu Kuo starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am vergangenen Mittwoch in Berlin. Um den in Verfolgtenkreisen der zweiten deutschen Diktatur einst bekannten und geachteten einstigen Fluchthelfer und ehem. politischen Häftling im berüchtigten DDR-Zuchthaus Bautzen II war es in den letzten Jahren stiller geworden. So still, dass die Nachricht von seinem Tod zunächst als Gerücht durch die diversen Vereine kursierte, ehe Nachforschungen der Vereinigung 17. Juni in Berlin traurige Gewissheit brachten.

Siebeneinhalb Jahre Zuchthaus

Kuo hatte zunächst Journalistik in Leipzig studiert und zog, 25jährig, nach Ost-Berlin, wo er in der Presseabteilung der Botschaft der Volksrepublik China arbeitete. Kuo geriet ab 1964 in das Blickfeld der DDR-Staatssicherheit, da er bereits einigen Menschen zur Flucht über den Diplomatenübergang Checkpoint Charlie verholfen hatte. 1965 wurde der am Sozialismus zweifelnde Kuo verhaftet, schwer misshandelt und schließlich in einem Geheimprozess von der DDR-Justiz zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Die zudiktierte Strafe mußte er fast vollständig im berüchtigten Zuchthaus Bautzen II absitzen. 1970 unternahm der in jahrelanger Isolationshaft Eingesperrte einen Selbstmordversuch, ehe er 1972 durch die Bundesrepublik freigekauft wurde. Kuo wurde zu einem der drängendsten und bekanntesten Anklägern der DDR-Diktatur und fundierten Kritiker am Kommunismus.

Kuo war zunächst als politischer Redakteur im Axel-Springer-Verlag (DIE WELT), ab 1979 in Stuttgart tätig. Sein Interessenschwerpunkt wandte sich der Diktatur in Nord-Korea zu, über diese Steinzeit-Diktatur veröffentlichte er mehrere Bücher und Publikationen. In den neunziger Jahren zog er von Sindelfingen zurück nach Berlin, wo er sich u.a. einige Jahre als Presse- und Öffentlichkeitsreferent in der Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus im Nicolai-Viertel für die Interessen der Stalinismus-Opfer engagierte.

1992 erstritt Kuo als einer der ersten ehemaligen politischen Häftlinge der zweiten deutschen Diktatur seine Rehabilitation vor dem Landgericht Berlin. Im seinerzeitigen Urteil hieß es; daß die PDS als Nachfolgepartei der SED politische Häftlinge prinzipiell entschädigen müsse.



Die SED-PDS traktierte ihn nach dieser Rehabilitierung mit einem Zahlungsbefehl wegen entstandener Anwaltskosten in Höhe von über 11.500 DM, da Kuo nicht dezidiert nachweisen konnte, dass die SED seine Verfolgung gesteuert hatte.

Kuo erhielt neben anderen Auszeichnungen für seine Arbeiten 1981 den Journalistenpreis des Bayerischen Raiffeisenverbandes in München.

Ein aufrechter und unbeugsamer Kämpfer

In einer ersten Stellungnahme würdigte die Vereinigung 17. Juni in Berlin den „aufrechten und unbeugsamen Kämpfer gegen die Unmenschlichkeit, der sich jeder Versuchung, sich von diesem Kampf durch verlockende Vorteile abbringen zu lassen, beispielgebend widersetzte.
Mit Kuo haben wir einen streitbaren und mutigen Kameraden verloren,“ sagte der Vorstand. „Kuo wird uns fehlen. Wir werden ihn in ehrender Erinnerung behalten.“

Xing-Hu Kuo, der 78 Jahre alt wurde, hinterlässt einen Sohn, seine Frau starb vor gut einem Jahr. Ein weiterer Sohn kam vor 25 Jahren auf ungeklärte Weise ums Leben. Kuo hat diesen Tod nie überwunden und war überzeugt, dass es sich um eine Warnung von im Untergrund noch tätigen Stasi-Strukturen handelte, die ihm selbst zugedacht war.

Der Beisetzungstermin stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest und wird von der Familie rechtzeitig bekannt gegeben.

Quelle:

https://17juni1953.wordpress.com/2016/07/22/xing-hu-kuo-tot-ein-chinese-der-ein-kapitel-deutscher-geschichte-schrieb/

Der Autor dieses Betrags wurde 1966 in Ost-Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt und saß bis zu seinem Freikauf ebenfalls in Bautzen II ein.


Zuletzt bearbeitet: 24.07.2016 13:18 von Administrator


Mit unserem Kameraden Kuo verstarb einer der Besten , mit ihm verstarb nicht nur ein Mensch sondern eine Institution. Sein Einsatz in der Berliner Landesgeschäftsstelle der VOS war vorbildlich , sein politischer Verstand war scharf , seine allgemeinpolitischen Kenntnisse überdurchschnittlich , seine Kameradschaft und Hilfsbereitschaft lobenswert . Wir waren jahrelang in der Berliner Landesgeschäftsstelle der VOS ein reibungslos funktionierendes Team . Persönlich haben wir mit unserem Kameraden Kuo nicht nur einen Mitstreiter sondern auch einen Freund verloren.

Christina und Bernd Stichler




Danke für den Nachruf, lieber Carl-Wolfgang!

XING-HU KUO †

Ich lernte KUO 1990 kennen, nachdem der mir von Lektor Martin RETHMEIER, damals J.H.W. Dietz Verlag Bonn, empfohlen worden war. Es ging um die Veröffentlichung meines Erstlings „Dänen von Sinnen“. So fuhr ich halt mit einem Schuhkarton samt 600-Seiten-Manuskript nach Sindelfingen, wo KUO damals mit seinem Anita Tykve Verlag ansässig gewesen ist.

Auf seiner Wohnzimmer-Couch, die von einer Menge Papier und Hunderten Büchern umgeben war, blätterte er mißmutig im vorgelegten Seitenkonvolut herum und meinte sofort: „Was, schon wieder Knastliteratur?!“ Wenig später dann: „Sechshundert Seiten – wer soll die denn in den Computer tippen; und wer soll sie drucken und binden? Wer bitte soll sie lesen? Vor allem aber ... wer soll das bezahlen??“

Das Gespräch war schnell beendet. Ich wollte nicht aufdringlich wirken und stand auf, um wieder zu gehen. „Na, lassen Sie den Karton erst mal da auf dem Tisch stehen. Sie haben doch eine Kopie davon gemacht, oder?“ Ja, hatte ich.

Zwei Tage später rief mich Xing-hu KUO in Cochem an der Mosel an, ziemlich aufgeregt: Herr Mayer, wir bringen es!“ Er habe sich zwei Nächte mit meinem Schuhkarton befaßt und nicht aufhören können zu lesen. Ich vollzog einen innerlichen Luftsprung.

Als ich einige Tage danach wieder nach Sindelfingen kam, hatte KUO – um das Buch zu verschlanken – etwa 150 Seiten aussortiert; darunter einige DDR-Dokumente, die ich unbedingt veröffentlicht haben wollte. Nur mühsam gelang es mir, davon 70 Seiten wieder hereinzunehmen, was wohl der Tatsache zu verdanken war, daß ich in der Druckerei/Buchbinderei WIESINGER selbst mitarbeiten konnte. Die befand sich in der Stuttgarter Seidenstraße.


Mit Arco HOFFMANN, einem Mitbesetzer der dänischen Botschaft in Ostberlin 1988, in der Druckerei

Nachdem dann nur noch um den Titel zu ringen war – KUOs Vorschlag „Unter den Linden nachts um halb drei“ bereitete mir beinahe eine Herzattacke! – kam das Buch im Herbst 1990 in die Läden, worüber ich ihm heute noch sehr dankbar bin. Schließlich hatte er nicht nur die gesamte Herstellung finanziert, sondern auch die Verantwortung für den Inhalt übernommen. Und ... plötzlich grüßte man meine Familie und mich in Cochem und Umgebung; ich erhielt eine Menge Einladungen – überwiegend aus CDU-freundlichen Kreisen – und konnte mich vor Anfragen nach Buchlesungen und Vorträgen kaum retten.

Anderthalb Jahre später chauffierte ich Xing-hu KUO nach Prag zu einer Veranstaltung des Freien Deutschen Autorenverbands (FDA), wo ich unseren gemeinsamen Freund Jörg BILKE kennen lernte und Ulrich SCHACHT zum ersten Mal vortragen sah. Auch Siegmar FAUST, Alexander RICHTER und andere Autoren dieses Genres waren mit dabei.

Kurzum, ich blieb seinem Verlag, der insgesamt gut einhundert Bücher edierte, treu, obwohl es freilich auch Haken und Ösen gab. Gerne erinnere ich mich an unsere gemeinsamen Auftritte am Stand der Frankfurter Buchmesse (stets mit Kühlschrank!) und – nicht ohne gemischte Gefühle – freilich auch an seine Geschäftsgebaren: „Wolfgang, denke immer dran: Ich bin ein chinesischer Jude!“ war einer seiner ansonsten spaßigen Kernsätze, die einem schon mal die Stirn runzeln ließen ...

WM
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Bücherwerbung 1992 – sogar imFreien Wort, das damals noch vom Genossen Alzheimer geführt wurde. Sie konnte erscheinen, weil der Vater des damaligen FW-Geschäftsführers (MARTIAN) zusammen mit KUO in Bautzen II politisch gesessen hat.
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    Mit Xing-hu KUO
    ... während des Bautzen-Forums im September 2011





Zuletzt bearbeitet: 29.12.2016 07:47 von Administrator


TRAUER- und GEBURTSTAGSFEIER am 12. Mai 2017

im Kreuzberger China-Restaurant ZHONG HUA




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