FLUCHT und AUSREISE Diskussionsforum
Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: DIETMAR RIEMANN: Geschichte einer Verweigerung


Unser Freund, der in München lebende Fotograf Dietmar RIEMANN:
"Ich wollte nicht mehr mitmachen. Geschichte einer Verweigerung"

in:














Ein sehr guter glaubwürdiger Bericht.



Ich glaube aber, daß bei vielen von uns kein konspiratives Treffen nötig war, um über die DDR-Gesellschaft nachzudenken. Aber lieber spät als garnicht nachdenken.



Dem kann man nur beipflichten, lieber Herr Koch.

Man wünscht sich, daß Literatur wie diese auch bei Politikwissenschaftlern und promovierten Philosophen wie bspw. Ehrhart NEUBERT ankommt. Dessen aktuelles, von der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung geförderte Werk "Opposition in der DDR" blendet Inhalte wie die von Dietmar RIEMANN dokumentierten nahezu völlig aus! Mit Weglassungen und Unterdrückung bestimmter Inhalte wird jedoch die Geschichte geklittert.

Diese Art von Geschichtsklitterung dürfen wir keinesfalls länger zulassen!

LESEPROBE
___________

Eine weitere für die SED unwillkommene Entwicklung ging von einem der Vordenker der späteren Opposition aus, dem Erfurter Propst Heino Falcke. Dieser hielt auf der Synode der BEK vom 30. Juni bis 4. Juli 1972 in Dresden den Hauptvortrag "Christus befreit - darum Kirche für andere". Das Referat wurde zu einem energischen Plädoyer für politische Freiheit und gesellschaftliche Mündigkeit. Er sagte: "Unter der Verheißung Christi werden wir unsere Gesellschaft nicht loslassen mit der engagierten Hoffnung eines verbesserlichen Sozialismus." ...
Mit Falckes Konzept zeigte sich ein Oppositionstyp nun auch in der Kirche, der auf eine Demokratisierung des politischen Systems hinarbeitete, ohne den Sozialismus prinzipiell infrage zu stellen. Das aber schien der SED hochgefährlich.

NEUBERT, Ehrhart: Opposition in der DDR; LZT 2009, Seite 44
ISBN: 978-3-937967-52-3



Zuletzt bearbeitet: 20.07.2017 09:36 von Administrator


Wenn ich das mal auf
einen Nenner bringen darf :

Die Landesbeauftragte für
die Stasiunterlagen aus dem
Bratwurstland finanziert eine
Broschüre, in der ihr Ehegatte
Ehrhard ihren Papa Heino als
Vordenker der Opposition preist.


Eine solche Variante in der
Widerstandsforschung über
die DDR ist neu.

(Wenn das nicht korrekt ist,
was ich schreibe,
dann schreibt mir bitte.
Ich entschuldige mich dann
bestimmt , wenn das nicht
korrekt ist, was ich schreibe.(

Freundlichst

Euer
Chr. Hellström



Lieber Kamerad Hellstroem, da ich ja nun keiner Verbandsdisziplin mehr unterliege und meine freie Meinungsäußerung auch keinem Opferverband mehr finanzielle Nachteile bringen kann möchte ich Dir beipflichten. Persönlich habe ich im Laufe der Jahre die Überzeugung gewonnen, daß man auch mit den politischen " Kuriositäten ", die mit dem Namen Neubert verbunden sind ( wenn Se wissen, wat ick meine ) bequem eine Broschüre ausfüllen könnte.



Bekannte und unbekannte Autoren schildern ihren DDR-Alltag zwischen Anpassen und Widerstehen

Warum kam ich an die Grenze?

Musste man ein Held sein, um in der DDR zumindest passiv Widerstand zu leisten? Der Autor Roman Grafe sucht in einer Anthologie Antworten darauf und lässt Zeitzeugen selbstkritisch zu Wort kommen.

HENRIK WILHELM

"Es ist schon bitter zu sehen, wie die kleinen und großen SED-Funktionäre, die Propagandisten und andere Schmarotzer nach dem Mauerfall abtauchen und später wieder auftauchen konnten". Es ist der 1935 geborene, heute in Berlin lebende Rentner Horst Schmidt, der dies sagt. Und es sind sicher nicht wenige Menschen, welchen er aus dem Herzen spricht. Hüben wie drüben. Schmidt ist einer von 21 Autoren, die der 1968 im Nordosten der DDR geborene Autor und Filmemacher Roman Grafe für sein neues Buch "Die Schuld der Mitläufer. Anpassen und Widerstehen in der DDR" hat gewinnen können. Die Anthologie vereint ein Dutzend bekannte Menschen wie Wolf Biermann, Erich Loest oder Freya Klier mit zehn nahezu unbekannten "kleinen Leuten", die von Anpassung und Verweigerung in der DDR erzählen. Es sind kurze Geschichten, Alltagsepisoden, die vom Leben in einer Diktatur handeln. Und vom Sterben. Dem gewaltsamen. Vom Staat sanktioniert. Von Ostalgikern, die seit dem Fall der Mauer das Bild einer DDR zeichnen, in der es doch ganz gemütlich war, verdrängt oder (bewusst) vergessen.

Horst Schmidt ist Vater eines Maueropfers. Sein Sohn Michael wurde am 1. Dezember 1984 erschossen. Als er versuchte, über die Mauer nach West-Berlin zu flüchten. Geradezu lakonisch erzählt Schmidt vom Alltag in der DDR, von Drangsalierungen, von Versuchen, sich nicht zu verbiegen. Und von der Erschießung seines Sohnes. "Man musste sich anpassen, um nicht ständig anzuecken. Ich dachte an die Familie", sagt Schmidt. Ein oft vorgebrachtes Argument, mit dem eine Mehrheit der DDR-Bevölkerung Mitläufertum und Kadavergehorsam rechtfertigt.

Dass es durchaus auch anders ging, oder aus Überzeugung und Standhaftigkeit auch gehen musste, berichten weitere Zeitzeugen. Teils mit für sie brutalen Konsequenzen wie jahrelanger Haft oder Zwangsausbürgerung, teils ohne weitere Sanktionen. So erzählt Dietmar Riemann, wie er sich trotz ständigen Drucks eines Stasi-Mitarbeiters durch ein einfaches Manöver davon befreien konnte, zwangsweise als Informant des Staatssicherheitsdienstes rekrutiert zu werden. Die Position des Stasi-Mannes war im Betrieb, in dem Riemann als Fotograf arbeitete, bekannt. Bei einem konspirativen Treffen mit ihm ließ sich Riemann von einem Kollegen, den er eingeweiht hatte, "erwischen". Der Kollege spielte den Verwunderten und reagierte mit einem: "Ah, jetzt weiß ich also, mit wem sie hier verkehren." Riemann war von diesem Zeitpunkt an verbrannt und musste sich keiner weiteren Rekrutierungsversuche mehr erwehren.

Hat Riemanns Erlebnis fast schon leicht ostalgisch anmutende Züge, lässt die Geschichte des Schriftstellers Lutz Rathenow den Leser schaudern. "Warum kam ich an die Grenze?", fragt Rathenow und liefert die Antwort gleich mit: "Weil ich dort hin wollte". Freimütig erzählt er seine Gründe: "Weil ich überzeugter Antipazifist und für revolutionären Terror war. Außerdem wollte ich studieren, um nicht Arbeiter oder Soldat werden zu müssen. Meine Grenzdienstbereitschaft war Feigheit gepaart mit Unlust an militärischer Ausbildung." Rathenow, Jahrgang 1952, der sich später in der DDR-Bürgerrechtsbewegung engagierte und nach der Veröffentlichung eines Buches in einem West-Verlag kurzfristig in Haft saß, ist nicht nur ehrlich bezüglich seines ursprünglichen Mitläufertums in DDR-Zeiten. Er räumt auch auf mit der Legende, dass man zum Wachdienst an der Mauer gezwungen wurde. Der Satz "Ich kann nicht auf Menschen schießen" genügte, um anderswo eingesetzt zu werden. Doch gab es für Grenzsoldaten Privilegien, etwa bevorzugte Studienplatzvergabe, mit welchen die DDR-Führung ihnen den Dienst an der Mauer schmackhaft machte.

Auch Roman Grafe meldet sich in seinem Buch zu Wort. Im "Lügenmärchen vom guten Stasi-Mann" setzt er sich kritisch und argumentativ schlüssig mit dem preisgekrönten Spielfilm "Das Leben der anderen" auseinander. Wohlfühldichtung für Mitläufer nennt Grafe das Werk und erinnert eindringlich daran, was die Stasi anrichtete: Angst, Misstrauen, Hass, zerstörte Lebensläufe, eine viertel Million politische Gefangene, Folter, Entführungen, Auftragsmorde. Grafe verweist darauf, dass die meisten Stasi-Männer im vereinten Deutschland ungehindert durchmarschiert sind - als Anwälte, Unternehmer oder als Politiker. Ganz schön bitter, um bei Horst Schmidt zu bleiben.

Roman Grafe: Die Schuld der Mitläufer. Anpassen und Widerstehen in der DDR. Pantheon Verlag München.

204 Seiten. 14.95 Euro.

*) Schwäbisches Tagblatt





DIETMAR RIEMANN mit neuem Bildband ...


Das Archiv des sächsischen Fotografen Karl SPIEß (1891–1945) sollte 1986 auf einer Müllhalde entsorgt werden. Doch das Fotografenehepaar RIEMANN konnte einen Teil davon retten und schmuggelte die Glasplattennegative in den Westen Deutschlands.

Im vorliegenden Band werden über 100 Bilder vorgestellt. Nur wenige davon stammen aus dem Atelier, die meisten zeigen die Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld, mit dem Fahrrad oder mit ihrem zu schlachtenden Vieh, auf dem Postwagen oder auf einem Fabrikschornstein – aus heutiger Sicht Fotografien wie aus einer fremden Welt.







Zurück zur Übersicht