FLUCHT und AUSREISE Diskussionsforum
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Thema: ZWANGSARBEIT im ZUCHTHAUS


1977 musste ich im "Karl-Marx-Städter" Zuchthaus im Betonwerk schuften, später dann bei EIO. Die Entlohnung war 15 Mark (von den wunderschönen Knastgeld). Nach der Haft wurden mir 120 Mark der DDR ausgezahlt. 1979 bekam in im Zuchthaus Cottbus, für die Arbeit (3 Schichtsystem) bei Pentacon gar nichts ausgezahlt. Wir wissen doch, dass wir Zwangsarbeit geleistet haben. Wie stehen denn eigentlich die "Nachfolge-Betriebe" dazu? In der Firmenchronik von Pentacon habe ich gar keine wesentliche Aussage zu diesem dunklen Kapitel ihrer Firmengeschichte gefunden. So kann man auch Vergangenheit bewältigen



Zwangsarbeit:
Vier Jahre schuften bis die Schwarte knackt.
In Mielkes Privatknast Bautzen-II, im Schichtbetrieb, plus Sonderschichten, Zwangsarbeit und bis zu 300% überhöhte Arbeitsnormen. Der VEB Schaltgerätewerk Oppach hat sich durch unsere Leistung dumm und dämlich verdient. Wer die Norm nicht schaffte wurde zu Hausstrafen verurteilt.
Sprechverbot, Einkaufsverbot, Arrest, Arrest im Tigerkäfig, Verbot ein Paket zu empfangen, u.s.w..
Nach der Wende strengte ich einen Prozess gegen den Betrieb an, vor dem Arbeitsgericht Bautzen. Ich verlor den Prozess mit Kostenfolge.
Habe eine umfassende Dokumentation zum Thema Haftarbeit zusammengestellt. Sogar mit geheimen Dokumenten, erhalten von einen ängstlichen Wendehals, angestellt bei MDI. All das habe ich dem Hannah Arendt Institut Dresden, auf deren Bitte, geliehen. Nie wieder etwas davon gehört und keiner weiss wo die ca. 300 Seiten geblieben sind.
Nach vier Jahren,anlässlich meines Freikaufs 1965, hatte ich ganze M 16.50 auf meinem Konto.
Zwangsarbeiter under der Naziherrschaft wurden entschädigt. Politische Gefangenen des SED Terrors nicht. Eine Schande ist das !!

Klaus, Kapstadt - ex 208 Bautzen-II



Ich mußte als Raßnitz-Gefangener 1974-75 in BUNA ( Elektrolyse ) arbeiten. Auch 12-Stunden Schicht. Bei uns kursierte die Allgemeine Meinung, daß die Betriebe
für jeden Gefangenen an die Haftanstalt vollen Facharbeiterlohn ( oder auch Hilfsarbeiter ) zahlen mußten und es der jeweiligen Haftanstalt überlassen war, wieviel dem Gefangenen zugute kam. Es war auf jeden Fall immer zu wenig.



Ich muss eine Korrektur anbringen. Der Betrieb in "Karl-Marx-Stadt" hieß nicht EIO, sondern EIA (Elektroinstallation Annaberg). Dort mussten wir Relais zusammenbauen. Bei den Wärtern galten wir als "Krüppelbrigade". Ein Grossteil der dort Schuftenden war vorher im Betonwerk (dort wurden die Platten und die kompletten Sanitärzellen für die Wohnsilos des "Ernst-Heckert-Wohngebietes" gefertigt) durch die Schinderei regelrecht körperlich kaputt gemacht. Ich selbst war zwei Tage auf der Krankenstation. Wurde aber nach zwei Tagen wieder rausgeschmissen, weil ich mich weigerte, mir von einem "Sanitäter" Spritzen an der Wirbelsäule geben zu lassen.



Es stimmt. Die Betriebe zahlten an die Haftanstalten
den Tariflohn.
Es stimmt nicht, dass es den Haftanstalten überlassen war zu entscheiden wie hoch die Entlohnung des Gefangenen ist. Das war zentral geregelt mit Vorschriften erlassen vom MDI (Ministerium des Inneren).
Politische Gefangene waren in die niedrigste "Vergütungsgruppe" eingestuft.

Klaus, Kapstadt



Auszug aus der Projektbeschreibung eines Bekannten von mir für einen Film über die Haftarbeit in der DDR, der aber nie gefördert wurde.

Arbeit in den Haftanstalten der DDR war gesetzlich vorgeschrieben. Was in den strafgesetzlichen Vorgaben als "Erziehung zur Arbeit" definiert wurde, erwies sich in der Praxis als verharmlosende, geradezu zynische Umschreibung der Realität.

Wer in der DDR verurteilt und inhaftiert wurde, erlebte das Dasein und vor allem die Arbeit innerhalb der Strafvollzugseinrichtungen und Haftarbeitslager als brutalste und äußerste Konsequenz sozialistischer Gerichtsbarkeit.

Unter den Inhaftierten waren bis 1989 200.000 bis 250.000 politisch Verfolgte inhaftiert. Die meisten erlitten gesundheitliche Schäden und leiden bis heute auf Grund der Haft- und Arbeitsbedingungen an schwerwiegenden physischen und psychischen Nachwirkungen.

Die vermeintlich progressive Strafvollzugsgesetzgebung der DDR lässt kaum Schlüsse zu auf die Misshandlungen und Quälereien, den Hunger, die schlechte medizinische Versorgung und vor allem auf die inhumanen Arbeitsbedingungen im alltäglichen Strafvollzug. Hinter der Anonymität der Zahlen aber verbergen sich konkrete Schicksale.

Bis zu 40.000 Strafgefangene - jährlich unterschiedlich - arbeiteten in den wichtigsten Volkswirtschaftsbereichen und für den Eigenbedarf der Strafvollzugseinrichtungen. Die zu erbringenden Arbeitsleistungen waren von gesellschaftlicher Relevanz: Strafgefangene verrichteten vor allem körperlich schwere und gesundheitlich extrem schädigende Arbeiten, beispielsweise in Braunkohlegruben, im Kupferbergbau, im Schwermaschinenbau, im Schiffbau, in der Metallurgie, in der Leichtindustrie, der Möbelindustrie und in der chemischen Industrie.

Die chronisch defizitäre Haushaltslage der DDR- Wirtschaft und der ständige Mangel an Devisen ließ die Zwangsarbeit in den Gefängnissen zum staatserhaltenden und darüber hinaus zum exportsichernden Faktor werden.

Welche Bedeutung der Zwangsarbeit der Strafgefangenen in der volkswirtschaftlichen Planung zukam, verdeutlicht ein Beispiel:
Nach der letzten großen Amnestie 1987 wurden ca. 27.000 Häftlinge entlassen, die in der Produktion eingesetzt waren. Um nach der Umsetzung der Amnestie ab 7. Oktober 1987 die Produktion der lebenswichtigsten Industriebereiche aufrechtzuerhalten, mußte ein Teil der freigewordenen Arbeitsplätze (Kohle und Energie, Metallindustrie, Schiffbau) zeitweilig mit abkommandierten Spatensoldaten und Bereitschaftspolizisten besetzt werden.

Bedingt durch den Arbeitskräftemangel und die Arbeitsgesetzgebung war die DDR nicht in der Lage, dieses plötzliche "Arbeitskräfte-Defizit" zu beheben. Das Politbüro ließ sich - in großer Sorge vor dem wirtschaftlichen Kollaps - regelmäßig Bericht über die Schließung der Lücken erstatten. Statt nun aus anderen Bereichen mit Minderarbeit Beschäftigte in ausreichender Anzahl abzustellen, hoffte man, auf Grund früherer Erfahrungen mit Amnestien, auf Altbewährtes: Wie erwartet und im Nachhinein vom Generalstaatsanwalt bestätigt, der jährlich Statistiken zum Arbeitseinsatz von Häftlingen vorzulegen hatte, löste sich das Problem quasi "von selbst". Innerhalb weniger Monate waren die Gefängnisse wieder aufgefüllt. Nach einem halben Jahr war die Zahl der Inhaftierten nahezu auf altem Stand. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser erwarteten "Planerfüllung" leisteten die Untersuchungsabteilungen des MfS.

Die Arbeitsbedingungen während der Haft waren zum größten Teil von einem unnachgiebigen Leistungssystem gekennzeichnet. Wurde die "Norm" nicht geschafft, gab es rigide Formen des Entzugs von Hafterleichterungen, wie Postverbot, Besuchsverbot, Zeitungs- und Fernsehverbot und die Verweigerung der ohnehin dürftigen Einkaufsmöglichkeiten. Bei Arbeitsverweigerung drohte verschärfter Arrest, Essensentzug und nicht selten die Anwendung körperliche Gewalt. Für die politischen Häftlinge kam erschwerend hinzu, dass sehr häufig kriminelle Häftlinge als Funktionshäftlinge in der Produktion eingesetzt wurden.

Die Haftbedingungen waren weiterhin von permanenter Überbelegung der Zellen, qualitativ und quantitativ unzureichender Ernährung und oft von katastrophalen hygienischen Verhältnissen gekennzeichnet.

Geradezu als Verhöhnung stellte sich die "Entlohnung" der Haftarbeit dar: Obwohl die Betriebe, in denen Häftlinge arbeiteten, den in der zivilen Produktion üblichen Lohn an die Strafvollzugseinrichtungen überwiesen, verblieben den Häftlingen am Monatsende sprichwörtlich nur Pfennige, ein "Lohn", der in keinem Verhältnis zur geleisteten Arbeit stand.




Interessieren würde mich mal, wieviele Gefangene durch den miserablen Arbeitsschutz in den Arbeitsstätten dieser mittelalterlichen SED Zuchthäuser



ihr ganzes Leben lang zu leiden haben.
In Cottbus kam es schon ab und an vor, dass ein Finger in einer dieser Uraltstanzen eingeklemmt war, oder sogar abgeschert wurde.



Ich denke da zB. auch an die Häftlinge, die in der Triwäsche Stanzteile von Oel - und Fettresten befreiten.

Trichlorethen ist gesundheitsschädlich und stark narkotisierend: Das Einatmen von Luft mit 200 ppm führt zu Müdigkeit. Es wurde von der MAK-Kommission als krebserzeugend (Kategorie 2[1][3]) und keimzellmutagen (Kategorie 3B) eingestuft. Es ist als "Giftig" zu kennzeichnen.
wikipedia




Die Elektrolyse in Buna war ein Betriebsteil für sich, mit Knastmauer, Scheinwerfer und Kamera. Dort war vieles bereits marode, es trat ständig Natronlauge, Chlorgas und Quecksilber aus. Jede Woche gab es mindestens einen Chlor-Unfall durch marode Elektrolysezellen. Wir waren alle mit Gasmasken ausgerüstet weil es auch hin und wieder Chloralarm gößeren Ausmaßes gab. Dann mußten alle in den Speisesaal, dort war eine starke Druckluftleitung installiert. Die wurde sofort aufgedreht damit der Innendruck im Saal stärker war als der Außendruck und das Chlorgas nicht eindringen konnte. Sowas kann man schlecht schildern, das muß man erlebt haben.



Hallo Allerseits!
Ich bin von Ende 1982 bis Januar 1984 in Cottbus gewesen und versuchte dortmeistens in der Sprela - B- Schicht die "Norm" zu schaffen. Dreimal bat ich den Zivilmeister, Uri anzurufen, um im Arrest von dieser menschenverachtetenden Schinderei für ein paar Tage loszukommen. Das gelang mir auch und so war ich dreimal im Arrest. Toll war daran, daß ich den obersten Flur wischen und bohnern mußte, was auch ordentlich in die Knochen ging, aber immer noch zehnmal besser war, als die Schinderei bei Sprela.
Sonst fristete ich mein Dasein auf "EB 10, mein Vater war in der Kasse, also auf "EB" 11, meine Mutter in Hoheneck
Grüße an Alle hier von
Sylvio
PS.:
Ich hörte mal, daß die damaligen ddr-Betriebe nicht mehr haftbar gemacht werden können, weil erstens keiner mehr greifbar ist und zweizens zu ddr-Zeiten das MdI so vorgeschoben wurde, damit eben keiner mehr juristisch mehr greifbar ist, falls diese "grüßte ddr der Welt" doch mal in sich zusammenfällt... !
Grüße an Alle hier von
Sylvio Fischer




bernd:
Interessieren würde mich mal, wieviele Gefangene durch den miserablen Arbeitsschutz in den Arbeitsstätten dieser mittelalterlichen SED Zuchthäuser ihr ganzes Leben lang zu leiden haben.
In Cottbus kam es schon ab und an vor, dass ein Finger in einer dieser Uraltstanzen eingeklemmt war, oder sogar abgeschert wurde.


Das könnteste mal den bis 1990 gewesenen Arbeitsschützer bei der DDR-Bezirks-Hygieneinspektion Cottbus fragen.
Er ist heute ehemaliger DDR-Oppositioneller und Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung.

Gute Nacht

Dein Bodo Walther


Zuletzt bearbeitet: 14.02.2010 23:03 von BoWa


BoWa:
bernd:
Interessieren würde mich mal, wieviele Gefangene durch den miserablen Arbeitsschutz in den Arbeitsstätten dieser mittelalterlichen SED Zuchthäuser ihr ganzes Leben lang zu leiden haben.
In Cottbus kam es schon ab und an vor, dass ein Finger in einer dieser Uraltstanzen eingeklemmt war, oder sogar abgeschert wurde.


Das könnteste mal den bis 1990 gewesenen Arbeitsschützer bei der DDR-Bezirks-Hygieneinspektion Cottbus fragen.
Er ist heute ehemaliger DDR-Oppositioneller und Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung.

Gute Nacht

Dein Bodo Walther


Die Frage werde ich stellen. Mal schauen, ob wir eine Antwort (gleich welcher Form) erhalten.

Matthias Knobloch



Zum Thema Zwangsarbeit im Zuchthaus habe ich die Geheime Verschlußsache B 2 - 277/73 des Ministerrates der DDR gefunden. Aus dieser wird deutlich, wie das kommunistische Regime die "Erziehung durch Arbeit im sozialistisch-humanistischen Strafvollzug" verstand. Hier der Text.



„Der Stacheldraht“ Nr. 8/2011, S. 18

ZWANGSARBEIT IM STRAFVOLLZUG DES SED-STAATES

Spät aber nicht zu spät hat sich Karin SCHMIDT aus Rostock fast 22 Jahre nach dem Sturz der Diktatur eines Themas von hoher Relevanz für ehemalige politische Häftlinge angenommen.


In Ihrer Dissertation an der Universität Trier über die Zwangsarbeit im Strafvollzug der DDR, die kürzlich als Buch erschien, analysiert sie diesen Teil der Zwangsmaßnahmen des sozialistischen Strafvollzugs in beeindruckender Breite, zumal sich der Kreis der anfangs erschienenen Literaturquellen zu diesem Thema deutlich verengt hat. Auch hat bislang keine wissenschaftliche Untersuchung die Unterscheidung zwischen Zwangs- und Haftzwangsarbeit erwähnt. Insofern, konstatiert die Autorin, besteht ein erheblicher Aufarbeitungsbedarf.

In dem seit 1993 geltenden und mehrfach novellierten SED-Unrechtsbereinigungsgesetz ist der Tatbestand der DDR-(Haft-)Zwangsarbeit ehemaliger politischer Gefangener bis heute nicht berücksichtigt worden, obwohl er bekannt ist und den Normen des Grundgesetzes widerspricht, wonach lt. Art. 12, Ziffer 2 GG Zwangsarbeit untersagt ist. In diesem Zusammenhang wäre für den wissenschaftlich Forschenden sicher auch die Erwähnung der Klage eines Betroffenen (SCHMIDT-POHL) zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Sachen Haftzwangsarbeit und deren Ergebnis von Interesse gewesen, was dann doch unterblieb.

Das übersichtlich und gut strukturierte Buch umfaßt einen Zeitraum von 40 Jahren, in denen unzählige Menschen in der DDR zu Unrecht inhaftiert waren. Verstöße gegen grundlegendes Recht und rechtsstaatliche Prinzipien auch auf völkerrechtlicher Ebene kennzeichneten das „Recht“ der DDR. In den verschiedenen dazu bereits vorliegenden Quellen wurde jedoch kein Bezug zur Zwangsarbeitsfrage hergestellt. Sie wurde und wird bislang ausgeblendet. Dadurch wird ein weiteres Staatsverbrechen der ehemaligen DDR nicht nur bagatellisiert, sondern en passant legitimiert. Hier greift die Autorin ein und zollt der näheren Bestimmung des Begriffes „Zwangsarbeit“ ihre Aufmerksamkeit ebenso, wie der Rolle der Arbeit in der „sozialistischen Gesellschaft“ der DDR in Korrelation zum „sozialistischen Grundrecht auf Arbeit“, das unter dem Einfluß der Sowjetunion stand. Sie macht deutlich, daß die andauernde Leugnung von Haftzwangsarbeit ehemaliger politischer Gefangener im gesamten Gesetzeswerk des SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes durch den Gesetzgeber nicht nur aus Sicht der Betroffenen eine sich stets reproduzierende Re-Traumatisierung darstellt. Dies bedeutet außerdem einen andauernden materiellen Verlust aus der im DDR-Strafvollzug abgepreßten Zwangsarbeit.

Die zuständigen Stellen der DDR haben sich sehr massiv und akribisch mit dem Arbeitseinsatz im Strafvollzug befaßt, stellt Karin SCHMIDT fest und auch, daß nicht jede gegen den Willen einer Person hoheitlich geforderte Tätigkeit eine erzwungene Arbeit im Sinne eines Verstoßes gegen das Gebot der Zwangsarbeit ist. Haben wir es jedoch mit einer Verurteilung durch rechtsstaatswidrige Gesetze zu tun, die ein faires Verfahren und eine rechtmäßige Verurteilung ausschlossen, muß die dem folgende Pflicht zur Arbeit im Strafvollzug der DDR als (Haft-)Zwangsarbeit beurteilt werden. Zwei von vier Parametern, die die Ziele der Zwangsarbeit im NS-Staat kennzeichneten, treffen auch auf die DDR-Haftzwangsarbeit zu: Einsparungen der Staatsfirmen, weil Zwangsarbeiter günstiger als reguläre Arbeiter waren, und die Erhöhung der Staatseinnahmen. Die Vernichtung durch Arbeit war zwar kein erklärtes Ziel, doch unübersehbar groß sind die gesundheitlichen Folgeschäden ehemaliger Haftzwangsarbeiter durch fehlenden Arbeitsschutz, rücksichtslose Akkordarbeit in Verbindung mit einer äußerst mangelhaften Ernährungssituation und völlig unzureichender medizinischer Versorgung.

Das Buch gewinnt zusätzlich an Authentizität durch die empirische Methode der Einbeziehung und Befragung ehemaliger politischer Häftlinge als Zeitzeugen. Für diese außerordentlich wichtige Arbeit, die ein bis dato vergessenes, ja geradezu ausgeblendetes Kapitel der DDR-Repression beleuchtet gebühren der Autorin Dank und Anerkennung.

Wolfgang WELSCH
________________

Karin SCHMIDT: Zur Frage der Zwangsarbeit im Strafvollzug der DDR. DiePflicht zur Arbeitim Arbeiter- und Bauernstaat, Bd. 7 der Reihe „Sklaverei – Knechtschaft – Zwangsarbeit“, Georg Olms Verlag Hildesheim 2011, 529 Seiten, 78,- Euro

Der viel zu hohe Preis dürfte wohl die entscheidende Hürde betr. Anschaffung des Werkes sein /wm.





Hey, ich habe auch diese furchtbaren Arbeiten im VEB Buna Chemiewerk in der Chlorelektrolyse 1974 bis 1975, in Raßnitz bei Halle mitgemacht. Kann die Zustände dort nur bestätigen. Ein Tag 12 Stunden von früh 6 bis abends 18, nächsten Tag von 18 bis 6 Uhr. Halb 4 glaube ich wecken im Knast. Frühstück, Betten bauen, ab auf dem Hof, Zählappell in braunem Anzug mit gelben Streifen, danach ab im Knastbus in die Buna Quecksilbergas-Kammer. Die Chlorelektrolysezellen, an welchen wir arbeiteten, standen unter Spannung. 20.000 Volt, 700 Ampere. Arbeiten in stromgeschützten Gummistiefeln. 60 Grad Hitze. Permanenten Quecksilberdämpfen ausgesetzt. Ständig 2 Gasmasken wegen Chloraustritt am Mann (Chlor-Kampfgas Gelbkreuz 1. Weltkrieg). Eine Schnellmaske bei der Hand zur Abwendung plötzlich austretender Chlorgase, eine Vollmaske am Gürtel für von Sirenen ausgerufenen Chloralarm.

2 Wochen vor Haftentlassung kamen alle ins Baukommando, weil alle in dieser Abteilung bleich aussahen wie wandelnde Leichen. Ich auch. Aber im Baukommando an der frischen Luft konnte man sich ja dann bei schwerer Arbeit soweit erholen, dass nach der Entlassung keiner auf die Idee kam, man hätte in ostdeutschen Gefängnissen gelitten.

Wo bleibt die Entschädigung für diese verbrecherische Drecksarbeit?!

Bitte um Kontaktaufnahme von ähnlich dort tätigen Strafgefangenen. Gesessen hab ich wegen R-Flucht, nur so nebenbei mal kurz ein Jahr.

Wolfram Jenke
wolfram.jenke@googlemail.com


Zuletzt bearbeitet: 19.02.2014 18:19 von Administrator


Hallo Matthias Katze!
Hallo Ihr hier im Forum!

Hat hier Irgendjemand den Einigungsvertrag zur Hand? In Ebay konnte ich ihn mal als Gesetzblatt der DDR ersteigern - für einen einzigen Euro. Aber es war ein ziemlich dickes Gesetzesblatt.

Ich denke in Bezug auf die beiden Betriebe in Cottbus, die beiden VEB`s Sprela und Pentacon, daß die als VEB abgewickelt wurden und die sicher keine Rechtsanachfolge angetreten haben.

Ich habe mehrfach bei der jetzigen Sprela GmbH angerufen, um in Erfahrung zu bringen, was das damals für Preßtoffbuchsen waren, die ich selbst in Cottbus zu zigausenden an diversen Drehmaschinen bearbeiten "durfte".
Ich will hier nicht übertreiben, aber es war echt `ne Schinderei, die Norm zu schaffen.

Aber irgendwann kam das, was kommen mußte - ich war nicht nur nicht mehr gewillt, diese Norm überhaupt zu schaffen, vielmehr war ich nicht mehr gewillt, überhaupt noch weiter zu "arbeiten"! Das Resultat war das Hafthaus gegenüber Sprela mit den Tigerkäfigen, in das ich dann einzog.
Und genau das ist der Knackpunkt: Denn genau hier zeigte diese Arbeit bei Sprela ihr wahres Gesicht - das Gesicht der Haftzwangsarbeit!

Ich will mich nicht unbedingt mit KZ-Häftlingen vergleichen, die unter viel unmenschlicheren Bedingungen leben und arbeiten mußten, denn ich saß ja "nur" im Zuchthaus Cottbus, in dem das DDR-Machtregime seine politisch Andersdenkenden und Andershandelnden konzentrierte. Bekannt ist, daß es viel zu viel physische Gewalt gegen Häftlinge in Cottbus gab, aber ich fand mich von 1982 bis 1984 ziemlich arg unter Druck gesetzt und war mehr als heilfroh, als ich am 25.Januar 1984 im Bus nach Gießen saß - nein, sitzen durfte!

Aufgrund der Haftbedingungen zu meiner Zeit möchte ich meine Arbeit, die ich als echte Schinderei ansah, nicht ganz mit der zigtausendfachen Zwangsarbeit im Dritten Reich vergleichen, obwohl es mir oft schwerfällt, objektiv zu bleiben.

Seid mir gegrüßt!

Sylvio Fischer



Zuletzt bearbeitet: 20.02.2014 08:55 von Administrator
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