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Thema: STASIOPFER: ANGST, ALBTRÄUME, DEPRESSIONEN


Psychosoziale Beratung für SED-Verfolgte als einmaliges Projekt in Sachsen-Anhalt


27.1.2011

Auch Jahrzehnte nach der Haft:
ANGST, ALBTRÄUME, DEPRESSIONEN: STASI-OPFER FINDEN KEINE RUHE


Von Wolfgang SCHULZ

Mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR leiden noch immer viele Menschen unter den Auswirkungen von politischem Unrecht und schweren Menschenrechtsverletzungen, die sie bis 1989 zu spüren bekommen haben. Hilfe verspricht das Projekt "Psychosoziale Beratung für SED-Verfolgte" beim Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

Magdeburg. Rund 180.000 Menschen waren während der 40 Jahre des Bestehens der DDR aus politischen Gründen inhaftiert. Dazu kommen Hunderttausende, die vom Staatssicherheitsdienst verfolgt, drangsaliert, inhaftiert, verhört und gefoltert wurden. Viele von ihnen haben dieses Martyrium bis heute nicht bewältigt, fühlen sich schwer belastet, sind traumatisiert und brauchen Hilfe. "Mindestens 300.000 SED-Opfer haben einen Beratungsbedarf", schätzt Freihart REGNER ein und beruft sich auf die Konferenz der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. In dieser Zahl sei der Beratungsbedarf für die Opfer in der zweiten Generation noch gar nicht berücksichtigt, sagt er weiter und macht damit deutlich, wie wichtig das im vergangenen Jahr begonnene Kooperationsprojekt "Psychosoziale Beratung für SED-Verfolgte" ist.
Diplompsychologe Dr. Freihart REGNER berät jeden Dienstag in Magdeburg SED-Opfer in einer psychosozialen Sprechstunde ©Thomas Meinicke

Das Projekt wurde zwischen dem Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Sachsen-Anhalt und der Universität Magdeburg, Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, vereinbart und läuft vorerst noch bis zum Jahresende. "Bis jetzt werden 25 SED-Verfolgte beraten, teils einmalig, teils regelmäßig wöchentlich in Einzel- oder Gruppengesprächen", so REGNER, der jedoch mit einem starken Zuwachs an Betroffenen in diesem Jahr rechnet.

"Die psychosozialen Gespräche können entlastend und bis zu einem gewissen Grad heilend wirken", sagt der promovierte Diplompsychologe. Die Grundhaltung der Beratung sei "menschenrechtlich" ausgerichtet, d. h. sie nimmt die betroffenen Menschen in erster Linie als politisch Verfolgte ernst. "Das ist sehr, sehr wichtig", weiß REGNER. Das erlittene Unrecht müsse anerkannt werden, die Leute müssten sich verstanden fühlen.

Viele SED-Opfer leiden an Schlafstörungen, Albträumen, Ängsten, Depressionen und allgemeinem Misstrauen. "Durch gewisse gesellschaftspolitische Entwicklungen, welche die repressive DDR-Vergangenheit verleugnen, verharmlosen oder gar verklären wollen, werden ihre Leiden verschlimmert", hat REGNER festgestellt. Der Bedarf an psychosozialer Beratung nehme daher ständig zu.

Wissenschaftlich unterstützt wird REGNER in dieser Erkenntnis durch Studien, die 1995 und 2008 in Dresden durchgeführt wurden. Vor gut 15 Jahren waren 146 Personen befragt worden, die mindestens einen Monat in der DDR in politischer Haft gewesen waren. Ein großer Teil der Studienteilnehmer litt 1995 noch an den Folgen der Haft, obwohl dieses traumatische Ereignis durchschnittlich bereits 24 Jahre zurücklag (6 bis 42 Jahre).

Im Jahre 2008 wurden 93 Personen der ersten Studie erneut befragt. Auch zu diesem Zeitpunkt, durchschnittlich 37 Jahre nach der Entlassung aus der politischen Haft, erfüllte etwa ein Drittel der Studienteilnehmer die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Die PTBS ist neben depressiven Störungen und unterschiedlichsten Angstreaktionen eine häufige Folge von Traumatisierungen, die wiederum durch die politische Haft verursacht wurden. Insgesamt erfüllten mehr als zwei Drittel der Teilnehmer zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens die Kriterien für eine PTBS. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung erkranken etwa 3,2 Prozent im Laufe ihres Lebens an PTBS.

"Bei den meisten Personen treten psychische Probleme kurz nach dem traumatischen Erlebnis auf", stellten die Wissenschaftler in Dresden fest, "jedoch können die Symptome unter Umständen auch erst Jahre oder Jahrzehnte nach dem Trauma erscheinen." Die Studien machten deutlich, dass die politische Haft in der DDR auch Jahrzehnte nach der Haftentlassung noch immer einen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Betroffenen haben und sogar zu neu auftretenden psychischen Erkrankungen führen kann.

Wissenschaftler der Universität Zürich, die die Folgestudie 2008 gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Dresden durchgeführt haben, kommen zu dem Schluss, dass die meisten ehemaligen politisch Inhaftierten der DDR bis heute trotz bestehender psychischer Haftfolgeschäden und einem zum Teil enormen Leidensdruck keine psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen haben. "Gründe dafür können Scham und Angst vor Konfrontation mit den traumatischen Erlebnissen, aber auch ein Mangel an Wissen um entsprechende therapeutische Angebote sein", heißt es in den Schlussfolgerungen. In der DDR sei es entlassenen Häftlingen generell streng verboten gewesen, über ihre Erlebnisse während der Haft zu sprechen.

"Wenn man davon ausgeht", so die Wissenschaftler weiter, "dass zu den Personen, die noch kontinuierlich unter den Folgen der politischen Haft leiden, zusätzlich diejenigen kommen, bei denen sich Trauma-Symptome erst nach Jahrzehnten neu zeigen, kann davon ausgegangen werden, dass die Thematik des Therapiebedarfs traumatisierter Stasi-Inhaftierter auch in Zukunft relevant bleibt."

Hier setzt das Kooperationsprojekt "Psychosoziale Beratung für SED-Verfolgte" ein. Jeden Dienstag von 13.30 bis 16.30 Uhr ist Freihart REGNER im Haus des Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in der Magdeburger Klewitzstraße 4 gesprächsbereit für SED-Verfolgte. An jedem letzten Donnerstag im Monat hält er diese Sprechstunden in Halle ab. "Dabei wird nicht nur auf die Beschwerden und Probleme, sondern vor allem auch auf die Stärken, Chancen und Potenziale des Gesprächspartners eingegangen", sagt REGNER. Hauptangebot sei das beraterische Gespräch als "Brückenfunktion" für eine Behandlung bei einem Psychotherapeuten.


Zuletzt bearbeitet: 13.09.2016 12:21 von Administrator


Hallo Wolfgang,

Freihart Regner ist mir von amnesty international her ein Begriff..

Seine Forderung, Deutschland möge den aus ihrer Heimat geflohenen Opfern politischer Verfolgung aus dem Irak ein rechtssicherer Hafen sein, in dem sie eine neue Heimat finden können, ist gut und richtig.
Seine Aktivitäten gegen die Rückführung irakischer Flüchtlinge nach dort sind lobenswert.


Warum aber nun ausgerechnet einst in der DDR Verfolgten ausgerechnet nach Magdeburg zurückkehren sollten, um sich ausgerechnet dort auf Siegmund Freuds Couch zu legen, die auch noch ausgerechnet vom Magdeburger Stasi-Beauftragte Gerhard Ruden aufgestellt wurde ...

Also das erschließt sich mir noch nicht so richtig.

Gute Nacht

Dein Bodo



"....bis heute trotz bestehender psychischer Haftfolgeschäden und einem zum Teil enormen Leidensdruck keine psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen haben. "Gründe dafür können Scham und Angst vor Konfrontation mit den traumatischen Erlebnissen, aber auch ein Mangel an Wissen um entsprechende therapeutische Angebote sein", ...."

Nach meiner persönlichen Erfahrung ist das nur die halbe Wahrheit. Was nützt ein medizinisch hochgebildeter Therapeut, wenn er keine Ahnung von den wirklichen Verhältnissen in der DDR hat. Das betrifft ebenso die Gutachter. Auch ich habe feststellen müssen daß Therapeuten und Gutachter, aber auch behandelnde Ärzte überhaupt nicht begreifen worum es geht. Und hier spielt auch die öffentliche Ungleigewichtung in der Bewertung beider deutscher Diktaturen eine Rolle. Die deutliche Mehrheit heutiger Mediziner hält die DDR für einen Staat in dem es zwar keine Bananen gab und man nicht nach dem Westen fahren durfte, aber ansonsten war alles in Ordnung. Was nützen also die Angebote wenn die Ausführenden unfähig sind ? Man nimmt einmal so ein Angebot wahr, geht dort hin, stellt fest daß der betreffende Akteur keine Ahnung hat und sagt sich : " Es hat ja doch keinen Zweck ". Und dann resigniert man.



Bernd : Nach meiner persönlichen Erfahrung ist das nur die halbe Wahrheit. Was nützt ein medizinisch hochgebildeter Therapeut, wenn er keine Ahnung von den wirklichen Verhältnissen in der DDR hat. Das betrifft ebenso die Gutachter. Auch ich habe feststellen müssen daß Therapeuten und Gutachter, aber auch behandelnde Ärzte überhaupt nicht begreifen worum es geht


Und wenn nun wirklich ein Fachgutachter/in mit den nötigen geschichtspolitischen Kenntnissen und alles was dazu gehört ein Gutachten erstellen, und es wird anschließend in einer ärztlichen Stellungnahme des med.Dienstes eines Versorgungsamtes von einem nichtfachspezifischen Sozialmediziner runterkorrigiert, dann frage ich mich, welche Hürden müssen SED-Opfer noch nehmen.

Es müssen sich alle Verbände geschlossen dafür einsetzen, dass von der Versorgungsverwaltung erstellten versorgungsärztlichen Stellungnahmen zu Gutachten über psychische Gesundheitsschäden nur von Versorgungsärzten erarbeitet werden, die über besondere Kenntnisse im Hinblick auf diese Problematik verfügen. In Thüringen soll es auf dieser Basis schon geschehen, ich weiß es nicht, aber es wird so behauptet.

Herrn R. seinen ersten Fall habe ich ihm zugeleitet. Er machte für einem Betroffenen einen Widerspruch in Halle. Daraufhin schrieb die Behörde zurück " gekürzt: Hr. R. führt Gesetzestexte aus und zitiert aus "Expertengutachten"....Ich frage mich wirklich, was ist das für eine Versorgungsbehörde, die keinen Fachgutachter akzeptiert, und die Betroffenen in einer Klage drängt.

Ich beobachte zunehmend, dass die Durchsetzung von Entschädigungen immer schwieriger werden, woran liegt das ? Ich glaube es liegt an die Unentschlossenheit aller Opfer-Vereine, sich eine Lobby gemeinsam zu schaffen. Die UOKG hat fast 40 Vereine unter sich. Jeder Verein müsste eine Arbeitsgruppe schaffen,die UOKG und VOS die Logistik der einzelnen Arbeiten übernehmen und dann müsste jede Arbeitsgruppe ein Thema bekommen, wo sie sich stark macht. (Protest gegen Links, Zusammenarbeit mit Ämtern forcieren,Ausstellungen, Zeitzeugenarbeit,Projekte zur Verbessserungen überlegen, mit Politikern reden, mit Fachaufsichtsbehörden Gesprächstermine vereinbaren, Pressearbeit u.v..m.) So könnte man in der Öffentlichkeit sich bemerkbar machen. Sicher gibt es schon die eine oder andere Arbeit, aber es reicht nicht aus. Solange wie es um eine SED-Opfer-Problematik zu ruhig ist, wird sich nichts ändern. Wir können viel diskutieren und unsere Meinungen sagen, aber wir müssen mehr tun, das gilt für alle SED-Opfer in allen Vereinen.

Bruni Grabow
www.sed-opfer-hilfe.de



„Es müssen sich alle Verbände geschlossen dafür einsetzen, dass von der Versorgungsverwaltung erstellten versorgungsärztlichen Stellungnahmen zu Gutachten über psychische Gesundheitsschäden nur von Versorgungsärzten erarbeitet werden, die über besondere Kenntnisse im Hinblick auf diese Problematik verfügen. In Thüringen soll es auf dieser Basis schon geschehen, ich weiß es nicht, aber es wird so behauptet.“


Ja, liebe Frau Grabow, in Thüringen funktioniert das seit anderthalb Jahrzehnten. Zuständig ist die Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Ruth EBBINGHAUS,
Kaiserstraße 8
97070 Würzburg


Telefon 0931/26483
E-Post: ruthebbinghaus@mac.com

Siehe ... hier und hier!

Jemand, der feststellt, „daß der betreffende Akteur keine Ahnung hat“ und sich sagt „es hat ja doch keinen Zweck und dann resigniert“, der hat keine Ahnung, lieber Bernd.
So ist mir ein „Stasiopfer“ aus dem Vogtland bekannt, daß tatsächlich keine Ahnung hat, dennoch einen Grad der Behinderung von GdB 70 anerkannt erhielt (was ausreicht, bei Gericht trotz erwiesener Schuld stets mit einem blauen Auge davon zu kommen).

So verzwickt ist das manchmal ...



Freihart Regner hat eine gute Rezension geschrieben zu:

Opfer und Täter zugleich?

...Revital Ludewig-Kedmi (ist) ein wichtiger, psychologisch gründlich fundierter Beitrag zum Diskurs um die Shoah und um politische Traumatisierung gelungen.

Es (gibt) Erscheinungen, die diese so griffige Einteilung der Lebenswelt in Täter und Opfer, Mächtige und Ohnmächtige. Böse und Gute, mit ihren vielfältigen direkten und indirekten, bewußten und unbewußten Identifikationsmöglichkeiten, empfindlich irritieren. Zu diesen gehören die sog. jüdischen Funktionshäftlinge; das sind diejenigen Verfolgten, die von den Nazis perfiderweise in ihre Vernichtungsmaschinerie eingespannt wurden, um Angehörige ihrer eigenen Gruppe zu verfolgen und zu töten, beispielsweise indem sie in den Ghettos Deportationslisten aufstellten oder in den Konzentrationslagern als sog. Kapos, als Lageraufseher fungierten. Sind diese Menschen »Opfer und Täter zugleich?« Diese Frage stellt die aus Israel stammende Psychologin und Familientherapeutin Revital Ludewig-Kedmi, Mitbegründerin und Mitarbeiterin bei »Tamach«, einer psychosozialen Beratungsstelle fur Holocaust-Überlebende und deren Angehörige in der Schweiz, in einer nun vorliegenden gekürzten Fassung ihrer Dissertation.

... Traumatisch sind derartige Erfahrungen aus der humanistisch geprägten Sicht der Autorin deshalb, weil: »Jeder Mensch strebt danach, sich als moralisch gut zu erleben, und zwar im Sinne seiner eigenen Werte bzw. im Sinne seiner eigenen subjektiven Moralphilosophie.« Entsprechend können die durch extreme Dilemmata herbeigeflihrten Werteverletzungen mit einer weitgehenden Zerstörung des moralischen Selbstbildes der Person einhergehen, was eine intensive psychische Verarbeitung verlangt ... QUELLE


Und so ist es ja auch naheliegend:



P.S. Das Ekelhafteste was dann noch an Dreck über die Opfer ausgekippt wird, ist dann DAS JAHNEN ...



Stefan Trobisch-Lütge, Karl-Heinz Bomberg (Hg.)

Verborgene Wunden

Spätfolgen politischer Traumatisierung in der DDR und ihre transgenerationale Weitergabe




Buchreihe: Forum Psychosozial

Verlag: Psychosozial-Verlag

348 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im März 2015

Mit Vorworten von Andreas Maercker und Anna Kaminsky

ISBN-13: 978-3-8379-2488-6, Bestell-Nr.: 2488 EUR 34,90

Mehr als 25 Jahre nach dem Mauerfall streiten ehemals politisch Verfolgte noch immer um einen angemessenen Umgang mit den Folgeschäden der SED-Diktatur. Mit den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen wurde der erste Schritt zur Aufarbeitung vollzogen. Dennoch üben zahlreiche Opferverbände Kritik an zu geringen Rentenzahlungen, Defiziten in den Anerkennungsverfahren von haft- und verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden und gesellschaftlichen Verharmlosungstendenzen und fordern Nachbesserungen.

Im vorliegenden Buch wird eine umfassende Einordnung der Spätfolgen politischer Traumatisierung in der ehemaligen DDR vorgenommen. Namhafte Expertinnen und Experten äußern sich zu Problemen in der aktuellen Begutachtungspraxis psychischer Traumafolgestörungen sowie zu Besonderheiten der Behandlung im Bereich psychoanalytischer Therapie, Verhaltenstherapie und alternativer Traumatherapiemethodik. Erstmals werden auch die Auswirkungen politischer Verfolgung auf die Familie und die Nachkommen der Opfer in den Fokus der Betrachtung gerückt.

Mit Beiträgen von Karl-Heinz Bomberg, Doris Denis, Ruth Ebbinghaus, Alexandra Evers, Jörg Frommer, Bettina Kielhorn, Stefanie Knorr, Erika Kunz, Frank-Dietrich Müller, Freihart Regner, Carsten Spitzer und Stefan Trobisch-Lütge

Inhalt

Vorwort

Vorworte der Herausgeber

1. Politische Traumatisierung
1.1 Anmerkungen zum Alltag in der DDR
1.2 Eine begriffliche Annäherung: Politische Traumatisierung in DDR/SBZ
1.3 Die Phasen politischer Verfolgung
1.4 Psychotraumatologische Einordnung der DDR-Traumatisierung
Literatur

2. Auswirkungen politischer Verfolgung in der DDR/SBZ
2.1 Seelische Folgen von Zersetzung und politischer Haft in der DDR/SBZ
2.2 Auswirkungen der Verfolgung auf die Familien von politisch Verfolgten
2.3 Empirische Studien über gesundheitliche Auswirkungen politischer Verfolgung in der DDR/SBZ
2.4 Diagnostische Einordnung (Erkrankungsformen nach politischer Haft)
Literatur

3. Behandlungsmöglichkeiten
3.1 Einführung
3.2 Besonderheiten in der psychosozialen Beratung politisch Verfolgter der SED-Diktatur
3.3 Psychoanalytische Traumatherapie
3.4 Die Inhärenz-Methode®
3.5 Der Behandlungsansatz EMDR – Eine Fallgeschichte
3.6 Hundgestützte Interventionen in der therapeutischen Beratungsarbeit der Beratungsstelle »Gegenwind« mit politisch traumatisierten Menschen
3.7 »Was, Euch gibt’s noch?!« – Zur Entwicklung der Spätfolgenberatung in der Beratungsstelle Gegenwind – Ein imaginiertes Interview mit Antworten auf häufig gestellte Fragen
3.8 Eigene Bewältigungsformen
Literatur

4. Fallbeispiele
4.1 OV »Sänger«
4.2 Herr G.
4.3 Frau O.
4.4 Herr D.
4.5 Herr S.
4.6 Herr L.
4.7 Frau U.
4.8 Frau J.
4.9 Herr K.
4.10 Herr V.
4.11 Frau K.
Literatur

5. Überwachte Vergangenheit
Auswirkungen politischer Verfolgung der SED-Diktatur auf die Zweite Generation
5.1 Einleitung
5.2 Forschungsergebnisse zu Auswirkungen politischer Verfolgung der SED-Diktatur auf die zweite Generation
5.3 Fragestellung der Untersuchung
5.4 Methodik
5.5 Ergebnisse
5.6 Diskussion der Ergebnisse
Literatur

6. Realitätsverleugnung als Folge politischer Traumatisierung
Zur Aktualität psychoanalytischer Beiträge
6.1 Einleitung
6.2 Der Traumadiskurs innerhalb der Psychoanalyse
6.3 Der psychoanalytische Realitätsbegriff
6.4 Das Nicht-Überleben des Objekts
6.5 Omniszienz, Omnipotenz und Omnipräsenz als Mechanismen der Traumabwehr
6.6 Klinische Behandlungstechnik bei Traumatisierten
Literatur

7. Psychische Erkrankungen durch politische Verfolgung in der DDR
7.1 Einleitung
7.2 Zeithistorischer Hintergrund
7.3 Psychische Störungen aufgrund von politischer Inhaftierung
7.4 Psychische Folgeschäden bei anderen Gruppen
7.5 Psychische Erkrankungen bei Opfern nicht-strafrechtlicher Repression
7.6 Diskussion und Ausblick
Literatur

8. Anerkennung und Normatives Empowerment bei SED-Verfolgten
8.1 Einleitung
8.2 Entwicklung von Normativem Empowerment
Literatur

9. Kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung psychischer Folgestörungen nach politischer Inhaftierung in der DDR
9.1 Psychische Folgen politischer Inhaftierung in der DDR
9.2 Psychotherapeutische Behandlung traumareaktiver Störungen
9.3 Behandlungsabschluss
9.4 Schlussbemerkung
Literatur

10. Probleme in der aktuellen Begutachtungspraxis psychischer Traumafolgestörungen
Betroffene politischer Verfolgung und ehemalige Heimkinder der DDR
10.1 Einführung
10.2 Probleme in der praktischen Anwendung der Entschädigungsgesetze und durch die Gewährung der sogenannten »Opferrente«
10.3 Qualifikation der Gutacher
10.4 Die Glaubhaftigkeitsprüfung durch Testverfahren oder eine aussagepsychologische Begutachtung
10.5 Äußere Rahmenbedingungen und Förderung der Kommunikations- und Mitteilungsbereitschaft
10.6 Schlussfolgerungen
Literatur

11. Die Arbeitsgruppe »Politische Traumatisierung«

12. Ausblick

Literatur

Danksagung

Inhaltsverzeichnis/Leseprobe als pdf

© psychosozial-verlag.de








Gutachterin Frau Dr. med. Janet Knauß

An alle Haftopfer und -Geschädigte


Im Zusammenhang mit der gutachterlichen Tätigkeit der Frau Dr. med. Knauß (insbesondere im Land Brandenburg tätig) zu Haftopfer-Schäden bitte ich, sich bei mir zu melden.

Es geht mir hierbei um die Arbeitsweise gegenüber dem Haft-Geschädigten; im Besonderen aber geht es darum, die Abhängigkeiten dieser Frau Dr. med. Janet Knauß zu ihrem Auftraggeber, dem Landessozialamt und dem übergeordneten Ministerium, aufzuzeigen.

Kontakt: renten-demo@gmx.de


Zuletzt bearbeitet: 21.10.2016 22:51 von Administrator


Die Praxis sieht anders aus:

SCHAMLOSE IGNORANZ DURCH DAS SOZIALGERICHT NORDHAUSEN


Ja, das scheint eine Weile funktioniert zu haben. Da aber die Erfolgsrate von Frau Ebbinghaus der Behörde zu hoch war, wird sie umgangen, wenn es geht. So hat man mir trotz voriger Zusage dann Frau Ebbinghaus verweigert, weil man ein Gutachen der DRV fand; das hat man sich zusenden lassen und fertig. Das Gericht hat mir Frau Ebbinghaus verweigert, da sie angeblich keine Ärtzin sei. Mehrfache Antworten ans Gericht, dass Frau Ruth Ebbinghaus sehr wohl Ärztin sei, nämlich Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, wurden vom Sozialgericht Nordhausen ignoriert. Mir wurde dann ein Gutachter vom Gericht aufgepresst, der mir jedes Wort im Mund rumgedreht hat, Hafterfahrungen als unwahr abtat, von DDR und Haft überhaupt keine Ahnung hatte und auch keine haben wollte; so seien meine psychischen Schäden "aus der Kindheit" - obwohl er keinen einzigen Beweis dafür hatte.

In meinen Akten steht immer "normale Entwicklung", ca. 100 mal. Das Gericht hat meine riesige Stasi-Akte (Zerstetzungmaßmahmen, Isolationshaft, Kellerhaft in Gittern - also Gitter in der Zelle - sog. Tigerkäfig,) nicht einmal gewürdigt. Das Gericht meinte, das Gutachten sei korrekt und ich würde den Prozess verlieren. Für ein Gutachten nach § 109 SGG soll ich jetzt als Hartz 4-Empfänger das Geld aufbringen, um dann genau die Gutachterin zu erhalten, die mir verweigert wurde. Da das viel zu teuer ist, muss ich einen anderen benennen.

Eine Unterstützungsleistung ist weit und breit nicht in Sicht. Und wenn das Urteil dann gesprochen ist und das Landessozialgericht das dann einfach nur als "gegeben" ansieht, dann war's das. Nach 4,5 Jahren Haft als Jugendlicher, von 15 bis 23 Jahre (drei Haftzeiten); wohin man auch schreibt, keine Antwort, außer von ein paar lieben Ausnahmen. VOS und UOGK kann man voll vergessen, die haben ihrer eigenen internen Querelen.

Der erste Gutachter von der Behörde war seit 1955 ein DDR-Gutachter und hat mich knapp zwei Stunden befragt; hat mich nicht erklären lassen und mich ständig beleidigt. Jeder sei für sein Schiksal selbst verantwortlich. Von der Haft wollte er nichts wissen und von den Verurteilungsgründen übernahm er einfach die DDR-Terminologie. Dass ich gerichtlich rehabilitiert bin, interessierte ihn nicht (da ich kriminalisiert wurde in der DDR, stehen in den Urteilen böse Sachen wie Rowdytum usw. Er meint im Gutachten(!), ich wolle nicht arbeiten gehen und versuche, Entschädigungszahlungen einzuheimsen. Hab ich alles schriftlich.

Da ist nix mit Fachärztin Ruth Ebbinghaus, wenn die Behörde nicht will ... So ist das leider. Die Frauen im Landerverwaltungsamt sind frech und scheinen zu den alten Seilschaften zu gehören. Und das alles bis jetzt 2017; Gerichtsverfahren seit Jahren, es rührt sich kaum etwas! Prozesskostenhilfe-Antrag 13 Monate nicht beantwortet, dann gefunden, dass ich vergessen hätte, eine Zeile auszufüllen ... PKH jetzt abgelehnt. Der Gerichtsgutachter schreibt, meine viele Einzelhaft könne nicht zu den Schädigungsursachen gezählt werden, da ich das alles selber provoziert hätte und die Einzelhaften und Arresthaften somit "mein eigener Wunsch" gewesen sei. Man müsse eben wissen was man will. (Als ob wir mit 19 Jahren gedacht hätten, lieber mal nicht aufmüpfig sein, vielleicht wird mir das 35 Jahre später zum Nachteil ...)

So sieht in Wahrheit die Praxis aus, alles andere steht nur auf dem Papier. Allen, denen es nicht so ergangen ist, glaube ich, sind Ausnahmen.

Peter Schreiber


Zuletzt bearbeitet: 16.01.2017 13:56 von Administrator


Peter:
Die Praxis sieht anders aus:

SCHAMLOSE IGNORANZ DURCH DAS SOZIALGERICHT NORDHAUSEN



Wenn Sie möchten, setzen Sie sich bitte mit der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.

vereinigung.17juni1953@gmail.com

in Verbindung.



Wenn Sie möchten, setzen Sie sich bitte mit der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.

vereinigung.17juni1953@gmail.com


in Verbindung.

Vielen Dank für den Hinweis; aber zwischenzeitlich kümmert sich nun Bruni Grabow von der SED-Opfer-Hilfe um mich. Und habe den Eindruck, ganz gut und mit Engagement.



Lieber Herr Schreiber,

ich gehe davon aus, dass dies Ihre Homepage ist:
https://ddr-justiz.jimdo.com/

Man kann unter "Mein Forum" die Homepage verlinken. Ein
entsprechendes Symbol erscheint dann unter dem eigenen Namen - wie bei "cwh".

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Plätzsch



Klaus_Plaetzsch
» 17.01.2017 17:42 «

Lieber Herr Schreiber,

ich gehe davon aus, dass dies Ihre Homepage ist:
https://ddr-justiz.jimdo.com/

Man kann unter "Mein Forum" die Homepage verlinken.


Ihr könnt ruhig "du" zu mir sagen. Deshalb sage ich auch mal: Hallo Klaus, danke für deine Info.
Ja das ist nur eine Mini-Info Homepage. Die wird weder bearbeitet noch mit aktuellen Dingen ausgefüllt. Wenn ich das machen würde, wäre sie sicher 100 Seiten lang und ich würde einigen Leuten kräftig auf den Schlips treten. Von daher lohnt es sich nicht, die Homepage anzugeben; ich überlegs mir noch.
Ich stehe mit beiden Füßen im Gerichtsverfahren. Die Gerichte sprechen den Opfern in der Regel eine PTBS ab, wenn sie keine "Meidehaltung" zeigen. Und das Betreiben einer Homepage über DDR Haft ist sicher keine Meidehaltung. Ich war einmal, 37 Jahre nach meiner Haft in Naumburg dort, um Fotos der Isolations- und Arrestzellen zu machen. Zu Beweiszwecken. Der Gerichtsgutachter meinte dazu, das sei ja nicht grade ein Beweis für "Meidehaltung". Auf meine Gegenschrift, dann dürfte ich ja garnichts, selbst das Gerichtsverfahren selber ist ja keine Meidehaltung, wird natürlich nicht geantwortet. Ich wusste garnicht, dass Gutachter so böse Menschen sein können und auch offen lügen. Behaupen Dinge, die man nie so gesagt hat. Das haben uns die Häftlingsverbände eingebrockt; denn die Begutachtungen wurden ja eigentlich auf Tonband mitgeschnitten. Mit der Behauptung, dies würde die Betroffenen an Stasi-Verhöre erinnern und damit retraumatisieren, sind sie scharf gegen diese Praxis vorgegangen, sodass keine Tonbandmitschnitte mehr gemacht werden. DANKE ihr Guten, jetzt kann man garnicht mehr beweisen, wie die Gutachter einem das Wort im Mund umdrehen und lügen. Da hätte ich lieber den Mitschnitt hingenommen.



Peter:
Wenn Sie möchten, setzen Sie sich bitte mit der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.


... zwischenzeitlich kümmert sich nun Bruni Grabow von der SED-Opfer-Hilfe um mich.


Lieber Peter, da bist Du tatsächlich in sehr guten Händen.
Bruni Grabow gehört zu den Spitzenleuten der Szene, die sich für unsere Anliegen real einsetzen. Andere setzen an die erste Stelle ihre persönliche EK-Situation und sind so längst zu einem Teil der Aufarbeutungsindustrie verkommen.

An dieser Stelle darum aus diesem Anlass einmal ein herzliches DANKE an Bruni Grabow und ihre im Geiste verbundenen Mitstreiter.

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