FLUCHT und AUSREISE Diskussionsforum
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Thema: LINKSEXTREMISMUS


Guten Tag Herr Walther,

ich habe Ihre interessanten Ausführungen aufmerksam gelesen.

BoWa:
„Was macht eigentlich der Kollege Schamane, wenn einer im Dorf Zahnschmerzen hat ?“

Roland ist ein offener Mensch, deshalb wurde ihm erzählt und so konnte er das schreiben, was er schrieb.

Aber Roland ist kein Schamane und ein Schamane ist nicht Roland.


Aber auch ein Schamane, ist wie Roland ein Mensch, hat einen Namen und seine Fähigkeiten.

Ureinwohner werden oft als primitiv angesehen. Sie haben jedoch die gleiche Intelligenz und dieselben Anlagen wie wir Europäer oder unsere Vorfahren vor 20 000 Jahren. Uns trennt nicht unser Menschsein sondern die Ungleichzeitigkeit. Versetzen Sie ein Baby aus der Steinzeit oder dem Hochland von Peru in unsere Gesellschaft, so wird es von sich aus ohne Schwierigkeiten hier hineinwachsen.

BoWa:
Schwarze aus dem Kongo, ja schon Albaner aus dem Kosovo oder Albanien selbst haben andere Vorstellungen vom Staat und vom Recht, als Sie. Schutz gewährt dort die Sippe, sie allein kann dem sein Recht oder vermeintliches Recht suchenden Schutz gewähren. Der Staat macht das nicht. Kann das nicht. Sozialstaat kann der Staat dort schon gar nicht. Ohne die Katholische Kirche gäbe es auch im heutigen Kongo, also dem Kongo, zu dem sie schrieben ...

Also ohne die Katholische Kirche gäbe es dort auch heute gar nix an Gesundheitswesen.


Die Grenzen der Kolonien, also auch heutiger afrikanischen Staaten, wurden von den europäischen Kolonialmächten willkürlich, ohne Rücksicht auf ethnische oder geschichtliche Zusammenhänge, durch die Landschaft gezogen. Gerade die Menschen des Kongo litten und leiden furchtbar unter dem Kolonialismus. Meine Freunde Befula und Amadeo stammten aus der Hauptstadt Kinshasa und sprachen Französisch, Portugiesisch, Spanisch und Lingala. Sie waren nicht katholisch sondern gehörten der Kimbangu-Kirche an. Es mag für Sie verrückt klingen, diese und andere Kongolesen sahen Deutschlands soziale Marktwirtschaft und Demokratie als Vorbild, das war es, was sie sich auch für ihr Land wünschten. Sie berichteten mir, nach der Unabhängigkeit wollte ihr demokratisch gewählter Ministerpräsident Lumumba den Reichtum des Landes allen Bewohnern des Kongo zu Gute kommen lassen. Er wurde aber im Auftrag internationaler Konzerne und der USA bestialisch ermordet und durch den Diktator Mobutu ersetzt. So rauben bis heute eine kleine einheimische Cli­que, Warlords und Fremde den riesigen Reichtum des Landes, der eigentlich dem Volk zusteht. Die meisten Kongolesen fristen daher ihr Leben in bitterer Armut, Krieg und Dunkelheit.

Meine Kollegen und Freunde waren Gegner des Rassismus, fanden die Bezeichnungen Schwarze oder Weiße nicht zutreffend. Sie hatten recht, denn kein Schwarzer ist wirklich schwarz und kein Weißer ist wirklich weiß. Amadeo zeigte auf einen schwarzen Kuli und stellten fest „das ist schwarz“, dann zeigten er auf seine Haut „das ist nicht schwarz“. Er hatte recht, denn seine Haut war eher dunkelbraun. Er zeigte auf ein Blatt Papier und stellten fest „das ist weiß“, dann zeigte er auf meine Haut: „Das ist nicht weiß.“ Amadeo hatte recht, denn die Farbe meine Haut ist eher eine Mischung aus Rose und Beige.

BoWa:
P.S.: 'n bischen glaube ich zu verstehen, was Sie meinen. Ja, ich war mit 19 in Brandenburg, unter den Mördern. In einer ARCHAISCHEN Welt. Sie hatte ihre Hierarche. Sie wurde ausgekämpft. Im Zweikampf. König war der mit den dicksten Muskeln. Nicht der mit dem pfiffigsten Kopf.


Die Natur - oder Gott - hat dem Menschen grundlegende, gleiche soziale und kognitive Kompetenzen mitgegeben. Ich denke, Mörder und andere Schwerkriminelle sind entgleiste Menschen, die durch negative kulturelle und asoziale Einflüsse geprägt sind. Natürlich gibt es auch krankhaft psychopathisch veranlagte Menschen, diese sind aber im Verhältnis eine kleine Minderheit. Kriege oder Diktaturen können Menschen verrohen und werfen Gesellschaften zurück. Deshalb keine Toleranz gegenüber Gewalt und Extremismus.

BoWa:
ARCHAISCH

Wenn ich heute Schülern davon erzähle, sage ich:

"Wolfsrudel kämpfen ihre Hierarchien so aus,
wilde Schweine,
Hirsche,
Gemsen,
ja sogar die niedlichen kleinen Rehlein."


Wölfe sind meine Lieblingstiere. Ein Wolfsrudel ist ein Familienverband. Der Alpha-Wolf und die Alpha-Wölfin sind die Elterntiere, weiterhin gehören zum Rudel Jungtiere aus dem vorherigen Jahr und der neue Wurf. Die älteren Geschwister kümmern sich meist liebevoll um ihre jüngeren Brüder und Schwestern, bevor sie dann nach ein, zwei Jahren abwandern um neue Territorien zu suchen und eine eigene Familie zu gründen. Natürlich gibt es auch im Wolfsrudel, der „Wolfsgroßfamilie“ eine Rangfolge, aber der soziale Zusammenhalt funktioniert viel entspannter, als Sie sich das vorstellen. Ihre Beschreibung des Verhaltens eines Wolfsrudels können Sie oft bei Wölfen in Gefangenschaft erleben. Weil hier manchmal fremde Tiere zusammenleben müssen, oder die Nachkommen nicht abwandern können. Der Aggressionsdruck ist daher viel größer als in Freiheit. Ein Wolfsrudel kann nur länger überleben, wenn deren Mitglieder untereinander sozial eingestellt sind und gut zusammenarbeiten. Diese soziale Kompetenz machte erst den besten Freund des Menschen, den Hund, möglich.

Männliche Hirsche kämpfen in der Brunftzeit um die Weibchen, aber es kommt dabei nur sehr selten ein Tier zu Tode. Außerhalb der Brunftzeit leben auch die Hirschmänner friedlich in Rudeln zusammen.

Mancher wir sich jetzt fragen: Was hat das alles mit Linksextremismus zu tun? Wie in menschlichen Gesellschaften sind auch in Familienverbänden im Tierreich Extremisten meist nicht gern gesehen.
In diesem Sinne.

Rolf Günther