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Thema: BERND MÜLLER-KALLER über Fragen des KONSERVATISMUS


"Freiheitsglocke" v. Mai 2011, S. 14f

GESCHICKT MIT DEM ZEITGEIST DER GESCHICHTE TARNEN

Fragen nach dem Konservatismus unserer Zeit, die sich mit der Rolle der Erfahrung und der Deutung von Erfahrungen in der Geschichte sowie den Wahrheiten der Geschichtswissenschaft auseinandersetzen


Von Bernd MÜLLER-KALLER

Konservatismus gründet sich sehr stark auf Erfahrungen und versucht, das, was sich bewährt hat, zu bewahren. Im Gegensatz zu den radikalen Revolutionären und Erneuerern in der Gesellschaft ist das konservative Denken und Verhalten von Menschen richtiger und logischer. Denn was man hat, weiß man. Einer der bekanntesten konservativen Sprüche heißt daher auch "Keine Experimente!" (Konrad ADENAUER).

Mit Blick auf die ganze Gesellschaft kann man sagen, es gehört zur Gesundheit eines Menschen genauso wie zur Gesundheit einer Gesellschaft, dass man versucht, ein inneres Gleichgewicht herzustellen. Das gibt dem Einzelnen selbst, genauso wie der ganzen Gesellschaft inneren Halt und Zufriedenheit. Wo das der Einzelne nicht hat und am linken, rechten oder am religiösen Rand fanatisiert ist, wird das Denken abgeschaltet. Wo es der Gesellschaft nicht gelingt, wie wir das jetzt in den arabischen Ländern sehen, oder wie es uns am 19. Februar in Dresden, oder noch öfter in Berlin-Kreuzberg immer wieder vorgeführt wird, herrschen rohe Gewalt und Chaos.

Eine Gesellschaft ist eine Gemeinschaft. Die deutsche Gesellschaft ist eine deutsche Gemeinschaft mit deutscher Kultur, auch wenn das manche nicht wollen und auch wenn sie heute zerrissen ist und christliche, humanitäre Werte genauso aushalten muss wie linke und kommunistische Ideologien in den Köpfen und zusätzlich fremdländische Einwanderung.

Aushalten bedeutet aber nicht, dass wir unseren Politikern alles erlauben dürfen. Man kann nicht alle Wurzeln abschneiden und einfach ein neues Programm erfinden und auf ein leeres Blatt Papier schreiben. Das ist menschenfeindlich! Wer verändern will, muss beweisen, dass das, was er vorhat funktioniert. Der Veränderer, der Experimentierer hat die Beweislast. Wenn Politiker heute nicht sachlich überzeugend argumentieren, sondern sich unklar ausdrücken oder demagogisch Behauptungen aufstellen, fällt das auf. Die geringste Reaktion darauf ist noch der Boykott von Wahlen.

Die Wurzeln werden m. E. nicht nur in der Finanz- und Währungspolitik gekappt, sondern auch in anderen Bereichen: Viele große deutsche Aktiengesellschaften und Konzerne verlagern die Produktion nach China und in andere "Billigländer". Natürlich nimmt auch die von der Politik z. T. verantwortungslos gelenkte kulturelle Unterwanderung Ausmaße an, die nicht erst seit SARRAZINs Buch bedenklich sind.

"Wir brauchen Einwanderung, weil wir ausländische Fachkräfte brauchen!", tönt es von allen Seiten der Politik. Es ist schon allein Unsinn und völlig falsch, die Einwanderungspolitik nur allein nach ökonomischen Gesichtspunkten auszurichten. Denn wie sieht es mit den seelischen Gesichtspunkten aus, wie mit den kulturellen usw.? Hat dafür ein Politiker, eine Regierung etwa keine Verantwortung? Umso weiter weg z. B. der Einwanderer gegenüber unserer Kultur ist, je fremder seine kulturellen Werte gegenüber unseren deutschen sind, umso schlechter und umso schwieriger ist es, ihn zu integrieren. Und umso schwieriger ist das für uns Deutsche, das auszuhalten.

Es scheint, dass die Politiker das nicht unbedingt begreifen oder nicht begreifen wollen! Sie arbeiten offenbar darauf hin, dass die Gesellschaft immer mehr auseinanderfällt, kulturell, sozial, politisch etc.

Das Konservative ist in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland immer mehr an den Rand gedrängt und verleumdet worden. Der Begriff Konservativ wurde auch mit Hilfe der Medien immer mehr in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt. Doch die Fehler Einzelner aus der Geschichte auf ein für die Gesellschaft notwendiges Korrektiv auszudehnen, ist grundfalsch. Die CDU/CSU und auch die SPD verleugnen heute fast vollständig eine konservative Haltung. Dabei hätten diese Parteien doch in den Gründungsvätern der Bundesrepublik Deutschland, Konrad ADENAUER und Kurt SCHUMACHER, ihre großen Vorbilder. Wäre es nicht gut für unser Land und unser Volk, wenn heute immer jemand da wäre, der politisch die Bremse anziehen würde, der einmal mehr oder weniger ins Speichenrad der Politik greifen würde, wenn allzu eifrige Vorwärts-Stürmer in Brüssel mehr und mehr überzentralisieren wollen, wenn finanzpolitisch immer unüberblickbarer deutsche Steuergelder in alle Welt fließen, wenn der Fokus immer mehr auf Zuwanderung aus der islamischen Welt gelegt wird?

Die fehlende konservative Haltung im Lande scheint es übrigens auch zu sein, dass linker Extremismus nicht beim Namen genannt wird und wenn, dann nur verschämt am Rande. Die Tarnung dieses "Ismus" mit "antifa" schreckt offenbar jeden Politiker ab. Man muss sich eben nur geschickt mit dem Zeitgeist tarnen, dann kann man sich heute in Deutschland alles erlauben, sogar Polizisten töten. Aber das kennen wir ja schon von Erich Mielke …

Nicht unerwähnt soll zuletzt unser großer deutscher Philosoph Imanuel KANT sein, der ebenfalls ein Konservativer war. Die Russen bzw. Sowjets präsentierten ihn uns fälschlicherweise als den Vordenker von MARX. Unseren Politikern gibt er mahnend auf den Weg: „Durch Klarheit und ungekünstelte Überzeugung die Vernunft in eine Ordnung der Zwecke zu bringen.“

KANT mahnt, dass es notwendig ist, die Grenzen unserer Vernunft zu bestimmen- und zwar "nach sicheren Grundsätzen. Die Fahrt unserer Vernunft sollte nur so weit gehen, als die stetig fortlaufenden Küsten der Erfahrung reichen, ohne uns auf den Ozean zu wagen, der uns unter immer trügerischen Aussichten am Ende nötigt, alle beschwerliche und langwierige Bemühung als hoffnungslos aufzugeben."

Es scheint jedoch, als wagten sich unsere Politiker immer weiter auf den Ozean hinaus und dies unter "immer trügerischen Aussichten".

Wo ist da der "Konservatismus" im Lande, der sich an den Grenzen der Erfahrung orientiert, der den Mut aufbringt, gegen einen von Vordenkern gemachten und in die falsche Richtung galoppierenden Zeitgeist zu opponieren?