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Thema: „Der auf den Schmutz hinweist ...“


CARL v. OSSIETZKY

In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat.


10.3.2012

Berliner Zeitung

UNIONS PRÄSIDENT, DIE STASI UND DER BÖSE REPORTER

Der Reporter der
Berliner Zeitung, der die Stasi-Verstrickung von FC-Union-Boss Dirk ZINGLER aufgedeckt hatte, geht. Der Druck aus der Redaktion war groß.

Von Reinhard MOHR

Union Berlin ist Kult. Viel mehr als Fußball. Schon zu DDR-Zeiten war „Eisern Union“ der erbitterte Rivale des Stasi-Clubs BFC Dynamo. Wie eine Bombe schlug deshalb im Juli 2011 ein Artikel der „Berliner Zeitung“ ein, in dem der Sportreporter Matthias WOLF enthüllte, dass Vereinschef Dirk ZINGLER in den 80er-Jahren als Unteroffizier im „Wachregiment Feliks Dzierzynski“ gedient hatte, das direkt der Stasi unterstand.

Im Handumdrehen wurde WOLF, der 15 Jahre lang professionell über Union berichtet hatte, nicht nur zur Hassfigur der Fans, sondern auch der Vereinsspitze. Obwohl niemand die Tatsachen bestritt, hagelte es Drohungen. Anzeigenkunden stornierten Aufträge, Abos wurden gekündigt. ZINGLER persönlich drängte bei Chefredakteur Uwe VORKÖTTER auf die Abberufung WOLFs.

Schwere handwerkliche Fehler

VORKÖTTER forcierte den Abzug des Reporters von Union. Nun, da WOLF von sich aus die Zusammenarbeit aufgekündigt hat, spricht VORKÖTTER von „schweren handwerklichen Fehlern“ des erfahrenen Reporters. „Sehr merkwürdig“, meint WOLF zu „Welt Online“. „Eben noch wollte er mich zur Hertha wegloben, weil dort auch kritische Berichterstatter gebraucht würden. Vor der Wachregiment-Berichterstattung habe ich in 15 Jahren Tätigkeit für die ,Berliner Zeitung‘ nicht eine einzige Gegendarstellung bekommen.“

Auch intern wuchs der Druck auf WOLF. Redakteure der „Berliner Zeitung“, einst Vorzeigeblatt der SED, zeigten Verständnis für die empörte Volksseele. Vielleicht kein Zufall. 2008 enttarnte die „Welt“ die frühere IM-Tätigkeit des leitenden Redakteurs Thomas LEINKAUF. Nicht der einzige Journalist dort mit Stasi-Vergangenheit: Von 132 Redakteuren hatten mindestens neun Stasi-Verbindungen. Schon Mitte der 90er-Jahre hatte die „Berliner Zeitung“ zwölf Zuträger der DDR-Geheimpolizei entlassen.

Quelle
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Lies hierzu auch das F.A.Z.-Feuilleton!



Aus dem FAZ-Beitrag, auf den Sie verlinkt hatten:

Heiner Bertram, ehemaliger Präsident von Union, kommentierte den Vorgang in einer E-Mail an Vorkötter so: „Wenn wir so weit sind, dass es einem Fußballpräsidenten gelingt, einen Sportjournalisten wegzumobben - dann gute Nacht zu Ihrem Blatt.“ Weiter schreibt er: „Ich habe mit Herrn Wolf zu meiner aktiven Zeit so manche Schlacht geschlagen - und wahrlich nicht immer zu meiner Begeisterung. Aber auf die Idee, mich darüber bei einem Chefredakteur zu beschweren, wäre ich niemals gekommen. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Gegensatz zu Herrn Zingler schon in jungen Jahren demokratisches Verständnis lernen konnte.“

Wolf lehnt das Angebot ab, für die „Berliner Zeitung“ über andere Themen zu berichten. „Ich würde die Geschichte wieder so schreiben“, sagt er. „Ich habe sie nur der falschen Zeitung angeboten.“ Er hat seine Zusammenarbeit mit dem Blatt beendet.


Ich ergänze: Wenn wir so weit sind, dass ein Bundespräsident bei einem Chefredakteur (oder mehreren) anruft, um einen kritischen Beitrag zu verhindern, dann steht es sehr übel um diesen Bundespräsidenten. Nicht um die Blätter, denen diese Chefredakteure vorstehen / vorstanden, denn sie haben widerstanden.

Aber es ist so, der Fisch fängt am Kopf an zu stinken!

Früher rief der Erste Sekretär der BL der SED bei einer Zeitung an oder ein Kreissekretär, und der Journalist wurde - im günstigsten Falle - in eine andere Redaktion desselben Blattes versetzt.

Und wenn der Journalist standhaft blieb, ging er dann Mehlsäcke schleppen in eine Mühle oder trug / fuhr Pakete aus. Kann ich alles mit Namen untersetzen, mit mehreren Namen.




Es ist zwar ein älterer Beitrag, aber ich habe ihn heute über google alert geschickt bekommen:

DDR-Vergangenheit

Von Uwe Müller | 28.3.2008

"BERLINER ZEITUNG" NACH STASI-FUND IN BEDRÄNGNIS

Die Birthler-Behörde hat die Spionageakte eines leitenden Redakteurs der "Berliner Zeitung" gefunden. Thomas Leinkauf war in seiner Studienzeit als Inoffizieller Mitarbeiter unter dem Decknamen "Gregor" für die Auslandsspionage im Einsatz. Heute schreibt er immer wieder über Stasi-Themen.

Die „Berliner Zeitung“ muss sich mit einer Stasi-Verstrickung in den eigenen Reihen befassen. Thomas Leinkauf, Leitender Redakteur und Ressortleiter der ehemaligen SED-Bezirkszeitung, hat als Student unter dem Decknamen „Gregor“ als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für die Spionageabteilung der DDR-Staatssicherheit gearbeitet. Zu dem Vorgang ist in der Birthler-Behörde jetzt eine Akte entdeckt worden, aus der dieser Zeitung knapp 120 Seiten vorliegen.

Der Dokumentenfund dürfte Leinkauf überraschen – zumal die für ihn zuständige und lange Zeit von Spionagechef Markus Wolf geführte Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) die Unterlagen über ihre Informanten fast vollständig vernichten konnte. Deshalb ist kaum einer der rund 10.000 ostdeutschen IM enttarnt worden, die noch 1989 für diesen Teil der Stasi tätig waren.

Die Neuigkeiten zu Leinkaufs Vergangenheit treffen die „Berliner Zeitung“ in einer heiklen Phase. Die Redaktion rebelliert gegen Chefredakteur und Verlag, denen sie vorwerfen, das Blatt mit maßlosen Renditezielen zu ruinieren. Der Streit ist von öffentlichem Interesse, da die Zeitung eine Sonderstellung hat. Wie in kaum einem anderen Titel wird hier die DDR-Vergangenheit thematisiert. Dabei spielt Leinkauf, Jahrgang 1953 und bereits seit 1979 an Bord, eine exponierte Rolle.

Er verantwortet mit der Wochenendbeilage „Das Magazin“ und der Reportageseite 3 die intellektuellen Schaufenster der Zeitung. Dort werden die Verhältnisse in der zweiten deutschen Diktatur immer wieder nostalgisch verklärt. Auffällig ist die Chuzpe, die Ex-Agent Leinkauf an den Tag legt, wenn er selbst über Stasi-Themen schreibt.

Anlässlich des Ausscheidens des Herausgebers Erich Böhme berichtete er über diesen: „Manchmal schickte er Ressortleitern kleine Zettel, darauf stand dann zum Beispiel: ‚Diese Zeitung sollte sich an die Spitze der Stasi-Aufarbeitung setzen. Kümmern Sie sich darum.’“ Die eigenen Geheimdienstkontakte, die nun für die Zeit von Mai 1975 bis August 1977 belegt sind, verschwieg Leinkauf seinen Lesern.

"Ich war damals jung"

Auf Anfrage sagte Leinkauf: „Ich habe das nicht öffentlich gemacht.“ Er betont, während seiner Zeit als Journalist mit der Stasi nicht kooperiert zu haben. Seine Verbindung zum Geheimdienst habe nur kurz bestanden: „Ich war damals jung, ich war Student.“ Leinkauf hatte an Ostberliner Humboldt-Universität marxistisch-leninistische Philosophie studiert – und als IM „Gregor“ ihm Nahestehende an die Stasi verraten. Freunde und Bekannte wurden so zu Opfern des DDR-Überwachungsstaates. Um sie auszuhorchen, nutzte Leinkauf selbst private Partys, die er bei sich zu Hause veranstaltete.

Laut Akte berichtete Leinkauf über die Freundschaft einer Kommilitonin „zu einem BRD-Bürger“, mit dem sie „ihren Urlaub in Bulgarien verbringen“ wolle - zu DDR-Zeiten ein höchst verdächtiges Zusammengehen mit dem Klassenfeind. Zu den „BRD-Kontakten“ einer Ex-Studentin führte IM „Gregor“ den Unterlagen zufolge aus, es sei „wahrscheinlich, dass sie auf Grund finanzieller Probleme, ihrem Interesse an guter Kleidung derartige Kontakte sucht“. Einen Mitarbeiter des Instituts für Internationale Politik und Wirtschaft der DDR (IPW) wiederum bezichtigte er laut Konvolut, „trotzkistische Theorien“ zu verbreiten. Deswegen sei bereits „ein Parteiverfahren gegen ihn eingeleitet“ worden.

Solche Anschwärzungen finden sich auch in mehreren handschriftlichen Berichten, die Leinkauf mit seinem Decknamen „Gregor“ unterschrieben hat. Leinkauf sagt, er könne sich daran nicht erinnern: „Ich kenne meine Akte nicht.“ Laut dieser notierte er am 15. September 1975 zu den Männerfreundschaften einer jungen Frau, sie müsse es lernen, „nicht immer gleich intimere Beziehungen aufzunehmen, wenn man mal ein paar Schluck getrunken hat“. Der IM diagnostizierte, „dass dieses Problem psychologische Ursachen hat“. Verantwortlich dafür sei „ihr von Zeit zu Zeit gestörtes Verhältnis“ zu ihrem Freund, einem in West-Berlin lebenden Afghanen. Die Preisgabe derart pikanter Details aus der Privatsphäre anderer war selbst für eingefleischte Stasi-Zuträger nicht selbstverständlich.

Leinkauf war "Werber" für die Stasi

> Hier bitte weitergelesen: Er enthält noch viel Interessantes!
Werber für die Stasi waren auch IM "Wallstein"und IM "Ostap".

Im übrigen ist es nicht wahr, dass Külow mit seiner Stasi-Vergangenheit immer offen umgegangen sei. Erst Focus hat sie öffentlich gemacht kurz vor der Landtagswahl. Dass er dann trotzdem gewählt worden ist, ist allerdings wahr. Seine Wähler wussten, wen sie wählten.


Zuletzt bearbeitet: 21.09.2017 00:57 von Administrator


Und auch das bezeichnend:

Der in dem Beitrag als "Konfliktpartner" von Leinkauf erwähnte Alexander Osang hat ein Külow menschlich entlarvendes Interview mit Täve Schur geführt. Fast keinen hat die Schäbigkeit interessiert. Dass er für die HVA als Werber im Westen unterwegs war, wusste damals noch keiner, und schon gar nicht, dass er Studenten bespitzelte. Das Interview hatte den Titel:

Ein brauchbarer Held

Auch bei der Berliner Zeitung erschienen, dann aber verließ Alexander Osang diese Zeitung

Auch Frau Klarsfeld ist so ein brauchbarer Held.



Hall of Fame

Wieder mal Ärger um Täve Schurs - Nominierung @@@


Ein lesenswerter Beitrag aus aktuellem Anlass.



Der ehemalige Straßenrad-Weltmeister und Friedensfahrtsieger Gustav-Adolf "Täve" Schur schreibt im Friedensfahrtmuseum in Kleinmühlingen Autogramme. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)


Zuletzt bearbeitet: 17.04.2017 21:54 von Peterkae


Als Ergänzung zum aktuellen Stand der neu aufgekommenen Debatte des Themas über den Einzug in die "Hall of Fame"

hier ein weiterer Beitrag von WELT/N24 mit div. interessanten Kommentaren.






23.4.2017

Kommentar

WARUM DAS HALL-OF-FAME-PROJEKT AN TÄVE SCHUR SCHEITERT

Straßenrad-Weltmeister, Friedensfahrtsieger - aus rein sportlicher Sicht wäre die DDR-Radsportlegende Gustav-Adolf
"Täve" SCHUR vielleicht ein geeigneter Kandidat für die virtuelle Hall of Fame der Deutschen Sporthilfe. Aber es geht eben um mehr als nur Sport, kommentiert Thomas Purschke.

Von Thomas PURSCHKE

Gegenwärtig kann man das seit langem umstrittene Projekt "Hall of Fame" der Stiftung Deutsche Sporthilfe als gescheitert ansehen. Der Grund: Die Führungskräfte der Sporthilfe mit dem Vorstandsvorsitzenden Michael ILGNER an der Spitze haben versagt. Aber nicht nur die. Bis heute verherrlicht Gustav-Adolf SCHUR den Unrechtsstaat DDR, dessen große Propaganda-Figur er einst selbst war. Erst vor wenigen Tagen behauptete er wieder allen Ernstes, der DDR-Sport sei nicht kriminell gewesen. Und doch wurde SCHUR zum zweiten Mal seit 2011 von der federführenden Sporthilfe als Aufnahmekandidat zur Wahl bestätigt.

DDR-Staatsdoping? Wird ignoriert

Das vor Gericht belegte Staatsdoping in der DDR mit dem besonders perfiden Missbrauch von Minderjährigen ignoriert der einstige einflussreiche DDR-Sportfunktionär sowie Volkskammer-SED-Abgeordnete SCHUR beharrlich bis heute. Und das, obwohl er von 1998 bis 2002 als Abgeordneter der PDS-Linkspartei im Sportausschuss des Deutschen Bundestages saß. Also genau in jener Zeit, in der vor dem Landgericht Berlin die Urteile gegen die Hauptverantwortlichen des DDR-Dopings um Manfred EWALD und Co. fielen.

In der Causa SCHUR versagt haben aber auch die Spitzen aller 16 Landessportbünde in Deutschland. Denn diese haben sich auf Vorschlag des LSB-Präsidenten von Sachsen-Anhalt, Andreas SILBERSACK, einstimmig für die Aufnahme von SCHUR ausgesprochen. Begründung: Schurs sportliche Lebensleistung. Dass SCHUR bis heute DDR-Mauer- und Stasi-Opfer und Dopinggeschädigte verhöhnt, nehmen sie in Kauf.

Damit beschädigen die Sportfunktionäre die Glaubwürdigkeit, den Fairplay-Gedanken und die moralische Integrität des deutschen Sports erheblich. Sie zeigen erneut, dass sie auf der Seite der einstigen Täter stehen. Die Opfer sind ihnen seit jeher lästig.

Reputationsschaden für DOSB und Sporthilfe

Mit der aktuellen Behauptung von Seiten der Sporthilfe, man habe die Vorschläge für die aktuell fünf neuen Aufnahmekandidaten um SCHUR und DRECHSLER mit der nötigen Sorgfalt analysiert und auf Unbedenklichkeit überprüft, wird die Öffentlichkeit zudem massiv getäuscht. Denn die Verstrickung ins DDR-Staatsdopingsystem ist sowohl bei Gustav-Adolf SCHUR als auch bei Heike DRECHSLER aktenkundig längst belegt. Und beide haben laut seit langem bekannten Stasi-Unterlagen auch Informationen über Sportkameraden an die DDR-Geheimpolizei geliefert.

Heike DRECHSLER diffamierte 1992 zudem die Doping-Aufklärerin und Buchautorin Brigitte BERENDONK als Lügnerin, die Angelegenheit wurde vor dem Landgericht Heidelberg verhandelt. Heike DRECHSLER und fünf ihrer Mitstreiter wurden wegen Lügens vor Gericht und damit Prozessbetrugs verurteilt. Unabhängig davon, wie die diesjährige Wahl für die Hall of Fame ausgehen wird, ist der Reputationsschaden für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und insbesondere die Sporthilfe, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern will, längst vorhanden und enorm.

Quelle





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