FLUCHT und AUSREISE Diskussionsforum
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Thema: IKEA - von DDR-Zwangsarbeit profitiert?


30.4.2012

IKEA SOLL VON DDR-ZWANGSARBEIT PROFITIERT HABEN

Politische Gefangene sollen in der ehemaligen DDR als Zwangsarbeiter in der Produktion für den schwedischen Möbelgiganten Ikea eingesetzt worden sein


Reporter des Investigativ-Programms "Uppdrag granskning" (Auftrag Untersuchung) fanden in den Archiven der ostdeutschen Geheimpolizei Stasi laut Vorausmeldung des Schwedischen Fernsehens (SVT) entsprechende Hinweise, dass Ikea und andere Industriebetriebe in den 1970er und 80er Jahren auf diese Weise in den Genuss billiger Arbeitskräfte gelangten.

Die Sendung soll am kommenden Mittwoch (2. Mai) ausgestrahlt werden. Bereits am Wochenende reagierte Ikea auf die bekannt gegebenen Informationen. Gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT sagte eine Repräsentantin der internationalen Möbelkette, ihr Unternehmen habe die fraglichen Dokumente nun ebenfalls aus dem Stasi-Archiv angefordert und wolle diese prüfen. Derzeit gebe es jedoch keine Anhaltspunkte, dass Ikea den Einsatz von Zwangsarbeit in seiner Produktion förderte oder auch nur davon Kenntnis gehabt habe.

©Wikipedia
Ingvar Kamprad (rechts), 1965


Ikea-Gründer Ingvar KAMPRAD (86) wurde in der Vergangenheit immer wieder zur Last gelegt, dass er als junger Mann mit dem deutschen Nationalsozialismus sympathisierte und auch noch später über bestimmte einschlägige Kontakte verfügte. Erst am Samstag hatten in mehreren schwedischen Städten Umweltschützer im Zusammenhang mit der Rodung von Urwäldern in Russland gegen die Geschäftspraktiken von Ikea produziert. Auch diese Information war über die Sendung "Uppdrag granskning" an die Öffentlichkeit gelangt. (APA)

Quelle
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Siehe auch Forum Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.



ORF eins, 30.4.2012

IKEA: Hinweise, aber keine Beweise ...





Politische Häftlinge in der DDR:
IKEA sagt Aufklärung über Zwangsarbeit zu


Berlin, 3.04.2012/cw – In einem Schreiben an die Vereinigung 17. Juni in Berlin hat der schwedische Möbelkonzern IKEA zugesagt, den Sachverhalt, „dass politische Gefangene (in der DDR) für die Produktion herangezogen wurden … lückenlos aufzuklären“. Dies liege im “Interesse von IKEA“.
Die Vereinigung hatte sich an IKEA-Deutschland gewandt, nachdem im Herbst vergangenen Jahres in den Medien Berichte über die Verwicklung von IKEA in die oft brutale Ausnutzung von aus politischen Gründen verurteilter Häftlinge in der ehemaligen DDR berichtet hatten. Der Vorstand hatte in diesem Zusammenhang angefragt, in welcher Form sich der Konzern eine Wiedergutmachung vorstelle.
Nachdem sich IKEA zunächst positiv im Sinne einer Erforschung der Nutzung der Zwangsarbeit geäußert hatte, hat sich der Vorstand unmittelbar an den Leiter der BStU Roland Jahn gewandt und diesen gebeten, eingehende Forschungsanträge von IKEA zügig zu bearbeiten und nachdrücklich zu unterstützen. Diese Unterstützung wurde inzwischen zugesagt.
Über zwischenzeitliche Bemühungen des Konzerns liegen der Vereinigung noch keine Erkenntnisse vor. Man wolle sich demnächst „erneut an IKEA wenden, um den aktuellen Sachstand zu erkunden“, erklärte der Vorstand heute in Berlin. Man sei sich aber bewusst, das „Ermittlungsarbeiten in der Vergangenheit einen längeren Zeitrahmen benötigen, als der Zugriff auf eine vorhandene Personalakte“. Auf der anderen Seite werde man IKEA sicherlich nicht „aus der Pflicht zur Aufklärung entlassen, die man dankenswerterweise zugesagt habe.“

Quelle: www.17juni1953.de
V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953






Respekt!

Spätestens an dieser Stelle ist den Kameraden Tatjana STERNEBERG und Carl-Wolfgang HOLZAPFEL für ihr jahrelanges, schier unermüdliches Engagement im Sinne der SED-Opfer zu danken.

Wolfgang Mayer






"Ohne die Häftlingsarbeit hätte der Plan nicht erfüllt werden können"

Siehe auch HIER!


Zuletzt bearbeitet: 29.08.2017 12:38 von Administrator


3.5.2012

Ausbeutung von DDR-Häftlingen

WESTFIRMEN FRAGTEN NICHT NACH

Für Steffen ALISCH ist die Sache klar: Einerseits sei der Fall Ikea nicht wirklich neu, sagt der Mann vom Forschungsverbund SED-Staat. Andererseits müsse man noch viel stärker thematisieren, wie stark Häftlinge in der DDR ausgebeutet wurden.


BERLIN – Viele westliche Konzerne haben in der DDR fertigen lassen – auch in Knästen, in denen politische Gefangene saßen. ALISCH nennt die Namen Neckermann, Quelle, Salamander und fügt hinzu: „Ich glaube nicht, dass das alle sind.“ Viele Westbetriebe hätten in der DDR eine billige Produktionsstätte gefunden, ohne sich jedoch für die Arbeitsbedingungen zu interessieren.

Der Fall Ikea zeigt auch, wie viel Unklarheit über die Geschäftsbeziehungen zwischen West und Ost noch immer herrscht. Man müsse genau prüfen inwieweit der Produktionsablauf von außen überblickt werden konnte, heißt es jetzt bei der Stasiunterlagen-Behörde.

„Ikea hat nicht entschieden, wer konkret für das Unternehmen arbeitet“, sagt Unionsfraktionsvize Arnold VAATZ, der selbst in Haft saß. „Das hat die DDR entschieden.“ Die für den Außenhandel zuständigen Stellen hätten den Kontakt zu den Produktionsbetrieben hergestellt, unter anderem Gefängnisse.

Ob die Konzernzentralen über die Details Bescheid wussten, ist unklar. Vielmehr ist zu vermuten, dass sie es gar nicht so genau wissen wollten. Der Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus KNABE, hat nun Entschädigungszahlungen ins Spiel gebracht.

Die Wissenslücken sind groß. Martin BURKHARDT von der Universität Hohenheim und Spezialist für Salamander, sagt, dass DDR-Strafgefangene für den Schuh-Fabrikanten tätig waren, sei nicht bekannt. Allerdings habe Salamander sehr gute Beziehungen in den Ostblock gehabt. Die Unternehmenssprecherin Birgit FINK verweist auf die wechselnden Eigentümer und betont: „Es gibt keine Initiativen, noch zu recherchieren.“

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte hat derweil schon 1982 einen Brief von Quelle erhalten. Darin erklärte sich der Versandhändler bereit, bei künftigen Verhandlungen mit seinen Vertragspartnern darauf hinzuwirken, dass bei der Herstellung von Waren, die an Quelle gehen, keine politischen Häftlinge tätig werden. Spätestens ab Oktober 1982 war also zumindest Quelle über die Hintergründe informiert.

Der Fall Ikea lüftet eines jener offenen Geheimnisse. Nur: Heute, 22 Jahre nach dem Ende der DDR, nimmt man sie noch einmal anders wahr. Das ist das Neue.

Quelle


3.5.2012

AUCH QUELLE PROFITIERTE VON ZWANGSARBEIT POLITISCHER HÄFTLINGE

Gefangene im Frauenknast Hoheneck und im Stasi-Sondergefängnis Bautzen mussten für den

Konzern nähen / Hubertus KNABE fordert Entschädigung


Von Volkmar KLEIN

POTSDAM - Ikea war nicht das einzige westliche Unternehmen, das die DDR als verlängerte Werkbank nutzte und dabei von der Zwangsarbeit politischer Gefangener profitierte. Es habe eine ganze Reihe von Firmen aus der Bundesrepublik und dem Ausland gegeben, mit denen Produktionsverträge abgeschlossen waren, sagte gestern die Sprecherin der Stasiunterlagen-Behörde, Dagmar HOVESTÄDT. Die Stasi sei jeweils im Bilde gewesen, weil es um Devisen ging. Schuhe für Salamander kamen aus Erfurt, Schiesser-Unterwäsche aus Sachsen. Billige Kameras, Küchengeräte und Kinderwagen waren Made in GDR.

Auch politische Häftlinge schufteten für den Profit. Gefangene des Stasi-Sondergefängnisses Bautzen II mussten Frottee-Handtücher für den Versandhauskonzern Quelle nähen, sagte die Sprecherin der Gedenkstätte Bautzen, Susanne HATTIG, gestern der MAZ. Bereits 1990 wiesen Reporter des WDR nach, dass Insassen des berüchtigten Frauengefängnisses Hoheneck Esda-Strumpfhosen für den Westexport verpacken und für Quelle im VEB Planet Bettwäsche nähen mussten. Karin FUNKE, in den 1970er Jahren wegen versuchter Republikflucht eingesperrt, fand nach ihrem Freikauf die von ihr genähten Bezüge bei Quelle in Berlin. Brigitte BIELKE, ebenfalls Ex-Häftling in Hoheneck, hatte den Versandhändler 1989 darauf aufmerksam gemacht, dass seine Katalogware unter Androhung von Einzelarrest gefertigt war. Quelle habe die Mitwisserschaft abgestritten. Tatsächlich war der Konzern nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte lange informiert. Sie verweist auf einen Brief vom Oktober 1982, mit dem Quelle zusicherte, in künftigen Verträgen Zwangsproduktion durch Häftlinge auszuschließen. Quelle ist heute nur noch Internethändler.

In seiner Reportage zur Zwangsarbeit für Ikea ließ der schwedische Rundfunk SVT gestern Wolfgang WELSCH zu Wort kommen. Der hatte bis 1971 unter anderem im Zuchthaus Brandenburg gesessen, weil er bei der Defa einen SED-kritischen Film drehen wollte. Er berichtet von der Möbelfertigung: „Wir wussten nur, dass ein Teil davon nach Schweden verschifft wird.“ Manchmal seien Dokumente in Schwedisch aufgetaucht. Er habe drei Schichten nacheinander arbeiten müssen, ständig habe es an Essen gefehlt, sagt Welsch.

Hubertus KNABE, Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, sagte der MAZ gestern, er fordere die Bundesregierung auf, eine Kommission aus Experten und Opfern einzusetzen, um Vorschläge für Entschädigungen zu machen.

Quelle



Im HKH Waldheim mußten wir für Florena arbeiten, z. B. Desordorantstifte verpacken.



Da sind wir wieder bei dem Thema, dass wir u.a. schon 2010 diskutierten. Ob die Forderung von Herrn Knabe durchkommt wage ich zu bezweifeln. Sollte IKEA doch irgendwann sich zu einer Entschädigung entschließen, dann flammt die Diskussion intensiver auf. Dessen bin ich mir sicher.

Matthias Katze



3.5.2012

Ausbeutung in DDR-Gefängnissen

ZWEI VON DREI HÄFTLINGEN LEIDEN AN SPÄTFOLGEN


Von Andreas FÖRSTER

Viele politische DDR-Häftlinge mussten nach ihrem Freikauf durch die Bundesregierung eine Entdeckung machen, die sie schockierte: Nicht selten stießen sie bei ihrem ersten Einkaufsbummel durch westdeutsche Kaufhäuser auf DDR-Waren, die sie selbst produzieren mussten.

Und das noch wenige Tage zuvor in den sogenannten Arbeitseinsatzbetrieben ihrer ostdeutschen Gefängnisse. Über solche Erlebnisse wussten etwa die Insassinnen des berüchtigten Frauengefängnisses Hoheneck zu berichten, die Bettwäsche für den Westexport nähen mussten, aber auch Cottbuser und Brandenburger Häftlinge, die Pentacon-Kameras und Küchenmöbel für das In- und Ausland herstellten.

Zusammengetragen haben diese Geschichten die DDR-Bürgerrechtler Uwe BASTIAN und Hildigund NEUBERT vom Berliner Verein Bürgerbüro, die im Jahr 2003 eine Studie mit dem Titel „Schamlos ausgebeutet – Das System der Haftzwangsarbeit politischer Gefangener des SED-Staates“* vorlegten. Die Studie beruhte auf der Befragung von 361 ehemaligen politischen Häftlingen. Ihr Fazit: Was den rechtlichen Hintergrund und die Arbeitsbedingungen betrifft, sei die in DDR-Haft verrichtete Gefangenenarbeit der 1957 von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verbotenen Zwangsarbeit zuzurechnen – die DDR hatte das entsprechende Abkommen nicht unterzeichnet.

Der Lohn: 40 Mark im Monat

Für die marode DDR-Wirtschaft war die Arbeit der Häftlinge kein unbedeutender Produktionsfaktor. Der Studie zufolge existierten Ende der Achtzigerjahre weit mehr als 20.000 Arbeitsplätze in nahezu allen Produktionszweigen. Die Häftlinge, von denen die „Politischen“ meist innerhalb der Vollzugsanstalten, die „Kriminellen“ in besonders gesicherten Produktionsbereichen der Betriebe arbeiten mussten, erwirtschafteten einen Anteil zwischen 0,2 und einem Prozent an der DDR-Gesamtproduktion. Zwar war für viele Häftlinge die Arbeit eine willkommene Abwechslung, da die Zeit im Gefängnis dadurch schneller verging. Allerdings waren die Bedingungen, unter denen sie diese Arbeiten verrichten mussten, und die Entlohnung menschenrechtswidrig. So weisen Neubert – die heute Stasi-Landesbeauftragte in Thüringen ist – und Bastian in ihrer Studie nach, dass der Arbeitslohn durch gesetzliche Regelungen immer weiter gesenkt wurde. Zwar zahlten die DDR-Betriebe, die in den Gefängnissen produzieren ließen, an den Strafvollzug den gesetzlichen Bruttolohn. Der Häftling erhielt davon jedoch nur einen Bruchteil: Laut Studie behielt die Strafanstalt bis zu 90 Prozent ein.

Hinzu kommt, dass die Normen und Arbeitszeiten in den Häftlingsbetrieben deutlich höher lagen als in der DDR-Wirtschaft. Die Näherinnen in Hoheneck etwa, die Bettwäsche für westdeutsche Kaufhäuser herstellten, mussten sechs Tage pro Woche im Drei-Schicht-System arbeiten und eine zusätzliche Sonntagsschicht im Monat einlegen. Der auftraggebende DDR-Betrieb zahlte dafür an die Anstalt einen Monatslohn von 383 Mark, wie er für Ungelernte üblich war. Den Frauen blieben davon nur rund 40 Mark.

Bei den Häftlingen, die in Chemiebetrieben eingesetzt waren, kamen zur schlechten Entlohnung noch die katastrophalen Arbeitsbedingungen hinzu. So mussten viele der in Bitterfeld und Buna eingesetzten Gefangenen ohne ausreichende Schutzkleidung wie Schürzen, Arbeitshandschuhen und Atemmasken an den veralteten Anlagen arbeiten. Im Chemiekombinat Bitterfeld etwa starben 1980 und 1981 zwei Häftlinge an einer Quecksilbervergiftung.

Eine mangelhafte Ernährung und die schlechte ärztliche Versorgung in den Haftanstalten verstärkten die gesundheitlichen Probleme der Insassen. Der Studie zufolge litten die Häftlinge vor allem an Erkrankungen des Verdauungsapparates, Rheuma, dauerhaften Kopfschmerzen und Herzbeschwerden. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie noch heute unter physischen und psychischen Folgeschäden der Zwangsarbeit litten.

Quelle
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*) Preis: 20,- Euro



1.5.2012

Politische Häftlinge in DDR

IKEA SOLLTE ZAHLEN


Von Markus DECKER

HALLE (Saale). Dass der Möbel-Gigant Ikea in der DDR hat fertigen lassen, ist nicht neu. Relativ neu ist hingegen, dass offenbar auch politische Häftlinge schuften mussten, um Regale der Marke "Billy" herzustellen. Jedenfalls hat die Stasi-Unterlagen-Behörde dieser Darstellung am Dienstag nicht widersprochen. Die Konsequenz daraus ist einigermaßen klar.

Es reicht in der Tat nicht, dass der schwedische Konzern jetzt selbst Aufklärung betreibt. Tatsächlich sollte dies auch die Stasi-Unterlagen-Behörde tun - kraft eigener Autorität. Und wenn die Fakten dann hinlänglich bestätigt sind, dann sollte natürlich über Schadenersatz gesprochen werden - unabhängig davon, ob Ikea von den Umständen der Produktion wusste.

Das ist nicht bloß eine Frage der politisch-ökonomischen Hygiene. Es ist - welch Glück - auch finanziell möglich. Denn ohne das Unternehmen auf die Anklagebank setzen zu wollen: Ikea hat mit "Billy" und vergleichbaren Artikeln Milliarden erwirtschaftet. Es hat in der westlichen Welt eine Monopol-Stellung, die äußerst selten ist. Ikea kann tatsächlich aus der sprichwörtlichen Portokasse zahlen. Und es sollte zahlen. Vielleicht tut es das ja sogar aus freien Stücken. Schön wär's.

Quelle


KOMMENTAR

„Relativ neu“ …? „Offenbar“ …??
Bereits vor zwei Jahrzehnten wies das Landgericht Berlin eine Klage des einstigen Fluchthelfers und Mitarbeiters der chinesischen Botschaft in Ostberlin, Xing-Hu KUO, „im Namen des Volkes“ ab. Allerdings hatte der den SED-Nachfolger, die PDS, für seine zu leisten gewesene Zwangsarbeit in Bautzen verantwortlich gemacht und zu Ersatz von Verdienstausfall und Schmerzensgeld verklagt.

Dem späteren Verleger des Anita-Tykve-Verlages waren 10.782 DM Kosten entstanden, die an die SED/PDS zu zahlen waren. Der damalige Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Kurt BIEDENKOPF, soll schließlich für diesen Betrag aufgekommen sein.

Fest steht:
Würde heute der multinationale Einrichtungskonzern IKEA Schadensersatz leisten, käme dies einem Durchbruch gleich. Sämtliche deutsche Firmen, die zu SED-Zeiten politische Häftlinge als Zwangsarbeiter beschäftigt haben, wären nicht bloß beschämt, sondern auch im Zugzwang!

Dr. Wolfgang Mayer
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Siehe hierzu auch
„Chinesischer Kuli“ - Der Spiegel, 13.7.1992
„URTEIL – Xing-hu Kuo“ - Der Spiegel, 19.10.1992
„ENTSCHÄDIGUNG: Die zweite Strafe des Xing-Hu Kuo“ - Focus, 29.5.1993
„DDR-UNRECHT: Musterprozesse gegen PDS“ - Focus, 22.11.1993
„Namen und Nachrichten“ - Berliner Zeitung, 7.1.1994
„Zahltag für Spitzel: Stasi-Opfer wollen ihre Denunzianten auf Schadensersatz verklagen“ - Der Spiegel, 20.5.1996

Weitere Quellen ...



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Mehr zum Thema „Zwangsarbeit in der DDR... hier!



Nachrichtenmagazin „Exakt“

am 9.5.2012, 20.15 Uhr

SCHUFTEN FÜR DEN KLASSENFEIND

IKEA, Neckermann, Salamander – all diese Unternehmen stehen jetzt in der Kritik, weil einen Teil ihrer Waren Zwangsarbeiter in der ehemaligen DDR produziert haben sollen. Für die Westfirmen war das äußerst preiswert. Und für die DDR ein gutes Geschäft - haben die Häftlinge doch dringend benötigte Devisen für die marode Republik beschafft. Die Arbeitsbedingungen aber waren äußerst hart.

Viele der kritisierten Firmen zeigen wenig Interesse an diesem Thema. Denn sie befürchten horrende Entschädigungszahlungen an die ehemaligen Zwangsarbeiter. Außerdem sind einige der Unternehmen mittlerweile pleite – wer trägt heute die Verantwortung für die Geschäfte aus den 70er- und 80er-Jahren? Positiv wird die Reaktion des schwedischen Möbelriesen IKEA bewertet. Nach massiver Kritik kündigte der Konzern jetzt an, die Akten in der Berliner Stasi-Unterlagen-Behörde sichten zu lassen. Behördenleiter Roland Jahn hofft nun, dass andere Unternehmen diesem Beispiel folgen und ebenfalls für Transparenz sorgen.

Exakt-Reporter begeben sich auf Spurensuche, treffen Zeitzeugen und gehen den Fragen nach: Wer hat für welchen Konzern gearbeitet? Welche Firmen sind heute um Aufarbeitung bemüht und wer leugnet seine fragwürdigen Geschäftsverbindungen in die ehemalige DDR?

Verschwiegene Schuld - das Schicksal von Zwangsarbeitern
- das und mehr sehen Sie am Mittwoch, um 20:15 Uhr, im MDR-Nachrichtenmagazin „Exakt“.



6.5.2012

DDR ALS BILLIGLOHNLAND FÜR DEN WESTEN

Bis zum Mauerfall 1989 nutzten viele West-Firmen das niedrige Lohnniveau in der DDR und erzielten dadurch große Gewinne. Aus Profitinteresse wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt.


Die Vorwürfe gegen den Möbelhersteller Ikea, DDR-Zwangsarbeiter hätten jahrelang für den schwedischen Konzern geschuftet, brachten den Stein ins Rollen. Anfang Mai … hatte der schwedische Fernsehsender SVT einen Bericht ausgestrahlt, in dem auch ehemalige DDR-Häftlinge zu Wort kamen. Demnach sollen bis zum Mauerfall 1989 in ostdeutschen Gefängnissen Ikea-Möbel hergestellt worden sein, auch von politischen Gefangenen. Zwangsarbeit in Ostdeutschland für einen westlichen Konzern. Kein Einzelfall, sondern gängige Praxis, von der auch viele deutsche Firmen profitierten. Denn in der DDR waren alle Gefangenen zur Arbeit verpflichtet.

"Die schwierigsten und schmutzigsten Arbeiten ließ man von Häftlingen machen, die Arbeiten, die niemand anders machen wollte unter schlechtesten Bedingungen", sagt Steffen ALISCH vom Forschungsverbund SED-Staat. Seiner Kenntnis nach hatte es wegen der Zwangsarbeit für Ikea bereits 1984 Drohbriefe gegen den West-Konzern gegeben. Ob die Vorwürfe berechtigt sind, will Ikea nun durch eine Untersuchung von Material bei der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin herausfinden. Ein Fernsehbericht des Westdeutschen Rundfunks aus dem Jahr 2011 hatte darauf hingewiesen, dass für Ikea an 65 Produktionsstandorten in der DDR gearbeitet wurde, eine umfangreiche Handelsbeziehung. Der Anteil der Zwangsarbeit an der Produktion für den Möbelhersteller liegt allerdings im Dunkeln.

Zwangsarbeit war eingeplant

Bekannt ist jedoch, dass Zwangsarbeit eine feste Größe im Wirtschaftsplan der DDR war. Mitte der 1980er Jahre rechnete man mit rund 20.000 Plätzen in den Gefängnissen. Die Gefangenen erarbeiteten zwar "nur" ein Prozent der Industrieproduktion, aber "darauf wollte man nicht verzichten", sagte die Stasi-Beauftragte Thüringens, Hildigund NEUBERT, im Gespräch mit der DW. "Wenn zu runden Jahrestagen der DDR Amnestien ausgesprochen wurden, gab es Beschwerden aus den Ministerien. Man hatte Angst, dass ohne diese Arbeitskräfte der Wirtschaftsplan nicht erfüllt werden kann". Für ihre Arbeit erhielten die Gefangenen nur einen Hungerlohn. Die Verantwortlichkeiten einzelner westlicher Firmen sind nach Neubert jedoch schwer festzustellen. Deshalb wäre es zu begrüßen, wenn die Firmen, die von dem schmutzigen Geschäft mit den Zwangsarbeitern profitierten, durch Spenden an Stiftungen bei der Wiedergutmachung helfen würden.

Nicht geheim, aber wenig bekannt

Dass grundsätzlich westliche Waren in der DDR produziert wurden, war durchaus üblich und gewollt. Die Bevölkerung in beiden deutschen Staaten wusste aber nur zum Teil davon. Die West-Unternehmen profitierten von den niedrigen Löhnen in der DDR, für die Bundesrepublik kam hinzu, dass sie auf "Wandel durch Annäherung" setzte und somit auch politisches Interesse an den Handelsbeziehungen besaß. Für die DDR war der Export in den Westen eine Möglichkeit, sich die zunehmend benötigten Devisen zu beschaffen. Mit Schweden und Japan gab es Kooperationsverträge. "Mit Deutschland wäre so etwas unmöglich gewesen", sagt Maria HAENDCKE-HOPPE-ARNDT, Wirtschaftswissenschaftlerin und ehemalige Mitarbeiterin der Stasi-Unterlagenbehörde. Denn offiziell wollte man ja jede Verbindung mit der Bundesrepublik vermeiden.

Deshalb lief der "Austausch" über ein kompliziertes indirektes Verfahren, erläutert HAENDCKE-HOPPE-ARNDT: "Wenn zum Beispiel das Versandhaus Quelle 10.000 Waschmaschinen haben wollte, wurde das in der Zentralen Planungskommission erfasst, ging weiter zum zuständigen Ministerium und von dort zum Außenhandelsbetrieb, der nicht produzierte, sondern ausschließlich für den Absatz zuständig war. Dort landeten im Exportplan '10.000 Waschmaschinen', ohne dass der Name 'Quelle' auftauchte."

Von Benzin bis zum Haushaltskittel

"Absprachen, wer was wie liefern sollte, gab es aber dennoch", betont die Journalistin Anne WORST, die über das Thema "Ostprodukte für den Westen" eine umfangreiche Fernsehdokumentation für den Mitteldeutschen Rundfunk gedreht hat. "Ein wichtiger Treffpunkt war die Leipziger Messe. Da gab es einen regen Verkehr von Handlungsreisenden." 6000 bundesdeutsche Firmen haben nach WORSTs Recherchen mit der DDR Geschäfte gemacht. Unter ihnen Konzerne wie Quelle, Neckermann, Salamander und Beiersdorf, aber auch Unternehmen wie Varta und Underberg.

Solange die Sowjetunion dem Bruderland billiges Erdöl lieferte, exportierte die DDR reichlich Mineralölprodukte, aber auch Chemikalien, Maschinen und Textilien. Die Gewinnmarge war groß. Anne WORST hat besonders ein Beispiel aus den 1970er Jahren beeindruckt. Die DDR löste einen großen Lagerbestand auf und lieferte zehn Millionen Kittelschürzen in den Westen: "Das Versandhaus Quelle hat diese Kittel für einen Pfennigbetrag gekauft, anschließend Dreier-Pakete geschnürt und sie für 9,99 DM im Katalog angeboten." Innerhalb weniger Wochen war alles verkauft, ein Umsatz von 30 Millionen D-Mark.

Gestattete Produktion

Textilien waren zwar das bekannteste Handelsgut der DDR, keineswegs aber das häufigste, wie Anne WORST betont: "Die DDR hat unglaublich viele Lebensmittel in den Westen geliefert. Ganze Schweinehälften, Obst, Gemüse, was zum Teil auch Mangelware in der DDR war. Ganz West-Berlin hing, was frische Lebensmittel betraf, am Tropf der DDR."

Möglich wurde der Export von Waren durch die so genannte "Gestattungsproduktion". Grundmaterial, Maschinen und Pläne wurden in die DDR geliefert. Von dort kamen die fertigen oder weiter verarbeiteten Waren zurück. Ein Teil der Erzeugnisse blieb im Land und ergänzte das Angebot in den "Intershops". Hier konnten DDR-Bürger mit Westgeld zu hohen Preisen Konsumgüter kaufen. Eine weitere Maßnahme, um an Devisen zu kommen.

Geheime Geschäfte durch die Kommerzielle Koordinierung

Neben diesen hoch bürokratisch abgewickelten Geschäften gab es einen zusätzlichen Bereich von Handelsbeziehungen, der weitgehend im Dunkeln liegt. 1966 wurde im Ministerium für Außenhandel eine spezielle Abteilung für "Kommerzielle Koordinierung" eingerichtet. Ihr Leiter: Alexander SCHALCK-GOLODKOWSKI, ab 1975 Staatsekretär für Außenhandel. Bekannt wurde er durch einen Milliardenkredit für die DDR, den er 1983 mit dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef STRAUß aushandelte. Seine Abteilung, kurz Koko genannt ...

Der Rest hier!



Gestern hatte ich Besuch von Journalisten der Sächsischen Zeitung, die ein Interiew betreffs der Zwangsarbeit für Pentacon Dresden im Zuchthaus Cottbus führten. Auf die Frage, ob Pentacon, bzw. die verantwortliche Firma für den Vertrieb der Fotoapparate in der (Alt)BRD von den Zuständen und Bedingungen der Zwangsarbeit wussten, konnte ich nur mit Ja beantworten. Erstens wussten die Verantwortlichen Genossen in Pentacon davon, zweitens die eingesetzten sogenannten "Zivilmeister" und drittens spätesteten seit dem 21.5.1988 die Vertriebsfirma Beroflex (Sitz: Westberlin, da eine Häftlingsinitiative Beroflex in einem Schreiben vom 20.5.88 über die Zustände im Zuchthaus Cottbus berichtete. Die Reaktion von Beroflex: In einen Schreiben vom 31.5.88 an die Jenoptik Jena GmbH (Pentacon gehörte damals zu diesem Kombinat), dem eine Kopie des Häftlingsschreiben beigelegt war, wird festgestellt, ZITAT: Wir von Beroflex aus haben nicht die Absicht, darauf zu reagieren." ZITATENDE
Soviel zum Thema.
Dann noch ein interessanter Film.
Matthias Katze



makno:
Gestern hatte ich Besuch von Journalisten der Sächsischen Zeitung, die ein Interiew betreffs der Zwangsarbeit für Pentacon Dresden im Zuchthaus Cottbus führten. Auf die Frage, ob Pentacon, bzw. die verantwortliche Firma für den Vertrieb der Fotoapparate in der (Alt)BRD von den Zuständen und Bedingungen der Zwangsarbeit wussten, konnte ich nur mit Ja beantworten.
Matthias Katze


Lieber Matthias,

unser gemeinsamer Bekannter Andreas Schmidt berichtet auf seiner Webseite, dass er 1988 den westdeutschen Vertreiber der Kameras diesbezüglich angeschrieben habe.
Dieser, so hat Andreas dann in seinen Stasi-Akten lesen können, gab das Schreiben umgehend an Jenoptik Jena weiter.
Diese gab es umgehend an die Stasi, Bezirksverwaltung Gera weiter, die es umgehend an die Hauptverwaltung Berlin, den Genossen Niebling weitergab.
Niebling ist der hier.

Weil Andreas auch in der Zentralen Koordinierungsgruppe der Stasi erfasst war, ging sein "Hetzschreiben" auch dorthin.

Am 29.11.1988 startete die "Junge Welt" einen wüsten , DDR-weit verbreiteten Hetztartikel über Andreas, zu dem die Stasi Vollzug meldete.

Andreas hatte den Artikel der Jungen Welt früher auf seiner Webseite.
Dreck.
Schmutz.
Er hat ihn richtigerweise rausgenommen. Denn irgendwas bleibt ja kleben, wenn man den Kakau auch noch trinkt, durch den man da gezogen wurde.

Den Artikel organisierte damals mit Suggestivfragen an über Andreas empörte FDJ-ler der wackere Journalist Andreas Richter. Das dürfte möglicherweise dieser liebe Mitbürger ausgerechnet meiner Heimatstadt und Chef der Lokalredaktion sein.
( Die Mitteldeutsche Zeitung, MZ hat keinen überprüft).

Dein

BoWa




Zuletzt bearbeitet: 09.05.2012 20:27 von BoWa


makno:
Gestern hatte ich Besuch von Journalisten der Sächsischen Zeitung, die ...


BoWa:
Den Artikel organisierte damals mit Suggestivfragen an über Andreas empörte FDJ-ler der wackere Journalist Andreas Richter. Das dürfte möglicherweise dieser ... Chef der Lokalredaktion (der Mitteldeutschen Zeitung) sein.


P.S.:

Lieber Matthias,

die "Sächsische Zeitung" ist das bis 1989 gewesen Organ der SED-Bezirksleitung Dresden, welche nach 1990 von der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr aufgekauft wurde.
Aufgekauft mit allen Mitarbeitern.
Alle übernommen.


Die, "Mitteldeutsche Zeitung" benannte sich am 17. März 1990, einen Tag vor den ersten freien Wahlen in der DDR so. Tags zuvor hieß sie noch "Die Freiheit" und war bis 1989 Organ der SED-Bezirksleitung Halle, welche dann von Alfred Neven DuMont aufgekauft wurde.Die letzte Ausgabe der "Freiheit" vom 16. März 1990 habe ich noch.
(Andreas Richter arbeitete damals noch in der Freiheit-Lokalredaktion in Halle-Neustadt.)
Aufgekauft mit allen Mitarbeitern.
Alle übernommen.


Organe der SED-Bezirksleitungen hießen nicht nur so. Sie waren Blätter der Partei und alle ihre Mitarbeiter waren in derselben Mitglied.
Der Weg eines Journalisten in einem Organ der SED-Bezirksleitung führte ständig zum 1. Sekretär der Bezirksleitung bzw. seinen Kreissekretären und zurück. Der 1. Sekretär der Bezirksleitung bzw. seine Kreissekretäre waren die Arbeitgeber des Journalisten in einem Organ der SED-Bezirksleitung. Ihnen diente er. Von ihnen empfing er seine Anweisung.
Und der (zeitweilige) Wechsel aus der Redaktion der "Freiheit" oder der "Sächsischen Zeitung" ins Vorzimmer des Genossen Bezirks- oder Kreissekretärs als dessen persönlicher Referent und Schreiberling war in der Laufbahn dieser Journalisten eher die Regel als die Ausnahme.

Wollte sagen:

Wenn ich diese Ost-Blätter und ihr Erstaunen darüber lese, dass es in der DDR tatsächlich einen SED-Unterdrückungsapparat gegeben habe.

Nee, Matthias, also ich wollte sagen, es gibt unter den Aufarbeitern des SED-Unrechts noch eine Steigerung zu meiner Lieblingsfreundin.

Dein

BoWa


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