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Thema: DISZIPLINIERUNG durch ARBEIT: Beauftragten-Kongreß |
Der 16. Bundeskongress der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit den Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen morgen, den 11. bis Sonntag den 13. Mai 2012 in Erkner bei Berlin trägt den Titel:
Disziplinierung durch Arbeit

Hier mal zum Flyer ...
Die Teilnahmegebühr für das ganze Wochenende beträgt 25,- Euro, Teilnahmegebühr pro Tag 10,- Euro
Highligt ist
Warum ein Einzelzimmerzuschlag von 40,- Euro erhoben wird, weeßch nich. (Möglicherweise werden bei solchen Kongressen die ehemals unter dem Vorwurf des Asozialen Lebenswandels in der DDR verurteilten politischen Gefangenen aus der UOKG in Massenunterkünften, also Turnhallen und so untergebracht. Immerhin sollen es ja 130.000 sein.)
Disziplinierung durch Arbeit.
Also ich habe auch schon festgestellt, dass Mitbürger, die einer Arbeit nachgehen, auch im persönlichen Umgang, also dem Einhalten von Verabredungen und Terminen disziplinierter sind als Hartz-IV-Empfänger.
Weiß
der
BoWa
Zuletzt bearbeitet: 13.05.2012 09:49 von Administrator
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Das Highligt dieser Veranstaltung ist meiner Meinung nach, die geplante Eröffnungsrede am Freitag, den 11.Mai um 18.15 Uhr durch Matthias Platzeck. Der Motor der Veranstaltung ist das Land Brandenburg in Person von U.Poppe und M.Platzeck.
Das sind ja tolle Konstellationen zu den Opfern und deren Themen. Gerade sie haben es nötig sich hinzustellen und von Menschenverachtung zu reden. Ich kann mich erinnern, dass heute noch im Brandenburger Landtag (und nicht nur dort) die SED-PDS-LINKEn Kader arbeiten, die genau für diese Thematik zur "Disziplinierung,Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen auf der Veranstaltung in Erkner, mitverantwortlich sind.
Ich möchte jetzt schon wetten, dass sie wieder dafür plädieren, dass sich die Opfer doch versöhnen mögen, es gilt aber nicht das persönliches Feind-u.Täterbild eines Einzelnen, sondern die politischen LINKEN wollen integriert werden, endlich die Schlußdebatte voranbringen.
Und dann sind wir beim Thema Dissidenten, die schon wieder Ärger gegen Jahn machen.(z.B. Thierse, Meckel, Mothes) Langsam müssen Opfer mal genauer hinschauen, wer von den Landesbeauftragten und deren Mitarbeitern zu den ehemaligen SED-nahen LINKEN gehörten und wer dafür war, die Wiedervereinigung zu blockieren ? Alles hat seinen Zusammenhang, ansonsten wären wir alle mit den Entschädigungen ein ganzes großes Stück weiter. Nicht der Bund blockiert Verbesserungen, sondern die Länder.
meint
Bruni
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Na ja, also für einen Christenmenschen wie mich ist das wirkliche Highlight natürlich der Sonntag:
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Dass Ausreiseantragsteller Gesindel seien, zu arbeitscheu und zu faul zur Arbeit, war die Hauptargumentationslinie der Stasi im "Zurückdrängen von Ausreiseersuchen".
Das ist auch die Grundaussage des "Junge Welt"-Artikels vom 29.11.1988 über Andreas Schmidt, zu dem die Stasi hier Vollzug meldete. Andreas "verkaufe" an die IGFM und "Hilferufe von Drüben" und die "Welt" und die "Neue Zürcher Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine" Informationen über DDR-Bürger, weil er eben zu faul sei zum Arbeiten schrieb das FDJ-Kampfblatt. Ansatzweise habe ich dazu ja schon hier geschrieben.
Nach 1990 gesellte sich dann noch eine zweite Argumentationslinie dazu: Dass Ausreiseantragsteller zu arbeitscheu und zu faul zur Oppositionsarbeit gegen das SED-Regime gewesen seien. Das ist die Hauptargumentationslinie meiner Lieblings-Bürgerrechtler/Innen.
Ich war einigermaßen entsetzt, als ich mit 20 Jahren nach Brandenburg kam und dort das Gerücht über mich vorfand, ich sei zuvor schon in Rüdersdorf im Arbeitserziehungs - Lager gewesen.
IM "Wärzer", der Erziehungsbereichs-Älteste unter den Gefangenen (der mich im Auftrag seines Führungsoffiziers sogar noch in Weißenfels aufsuchte) hatte es gestreut.
Ich in Rüdersdorf ?
Ich ?
Ich muß zugeben:
Die Idee die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft am Sonntag nach Rüdersdorf zu laden...
Die Idee den Rainer Wagner dort zu einer Gedenkfeier aufzustellen und einen Kranz abwerfen zu lassen ...
Ist schon teuflisch genial und könnte von Niebling selber stammen.
Frage:
Wie kann man der Brandenburger "werktätigen Bevölkerung" einträufeln, dass es sich bei der Veranstaltung am Wochenende um ein Assi-Treffen handele ?
Antwort:
Das kann man zum Beispiel, indem man die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft am Sonntag noch zu einer einstimmig verabschiedeten Resolution verhilft. "Rüdersdorfer Erklärung" könnte die heißen. Oder so.
Weiß
der
BoWa
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Neues am Rande des
Bundeskongresses der Landesbeauftragten 11. - 13. Mai 2012 in Erkner
RATHENOW WILL UNTERSUCHUNGSKOMMISSION ZU DDR-ZWANGSARBEIT
Dresden/Erkner (epd). Der sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Lutz Rathenow, hat sich für eine Untersuchungskommission zur Aufarbeitung der Zwangsarbeit in DDR-Gefängnissen ausgesprochen. Außerdem sollten die betroffenen Häftlinge eine Entschädigung erhalten, sagte Rathenow am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin anlässlich einer bis Sonntag dauernden Tagung der Stasi-Unterlagen-Beauftragten der Länder, der Bundesstiftung Aufarbeitung und von Opferverbänden im brandenburgischen Erkner. Auch wenn bei der Höhe der Entschädigung zwischen politischen und nicht politischen Gefangenen unterschieden werden müsse, so seien alle gleichermaßen von Zwangsarbeit betroffen gewesen. Die Häftlinge hätten keine Gelegenheit gehabt, sich ohne negative Konsequenzen gegen den Arbeitseinsatz zu wehren, sagte Rathenow. Zudem seien die Haftbedingungen in den verschiedenen Gefängnisse sehr unterschiedlich gewesen. Die Bedingungen, unter denen Häftlinge zum Arbeitseinsatz kamen, seien teilweise "äußerst entwürdigend und gesundheitsgefährdend" gewesen.
Rathenow sprach sich in einem ersten Schritt für einen Runden Tisch aus. Schließlich handele es sich bei dem Thema DDR-Zwangsarbeit nur scheinbar um einen "Randsachverhalt", der noch aufgearbeitet werden müsse. Die Zwangsarbeit in der DDR ist auch Thema des Kongresses in Erkner bei Berlin. Die dreitägige Tagung steht unter dem Motto "Disziplinierung durch Arbeit".Mit Blick auf mögliche Verstrickungen von westdeutschen und ausländischen Unternehmen wie etwa IKEA in die Zwangsarbeit in DDR-Gefängnissen sagte Rathenow, die Debatte führe in die Gegenwart. Schließlich müssten sich Unternehmen heute fragen, inwieweit sie von billigen Produktionskosten in Staaten wie China oder Weißrussland profitieren wollten, wo der Einsatz von Zwangsarbeitern nicht ausgeschlossen werden könne. Zur Höhe einer Entschädigung für DDR-Zwangsarbeiter sagte Rathenow, auch wenn diese immer nur symbolisch sein könne, gebe es Vorbilder wie etwa die Entschädigung von Heimkindern oder von NS-Zwangsarbeitern. In seiner Arbeit habe er festgestellt, dass selbst kleine Summen "ganz real helfen", schließlich gehe es auch um Armutsbekämpfung bei Betroffenen, deren Erwerbsbiographie durch die Folgen der Zwangsarbeit beeinträchtigt ist. In der DDR wurden Schätzungen zufolge Zehntausende Strafgefangene zu Arbeiten herangezogen. Genaue Zahlen liegen bislang nicht vor. Unter anderem wurden Strafgefangene bei der Herstellung von Produkten eingesetzt, die in der DDR im Auftrag von ausländischen Unternehmen hergestellt wurden.
epd-Gespräch: Lukas Philippi
Quelle
Meine Meinung
Ich persönlich glaube an eine diesbezügliche Verwirklichung gar nicht, weil es nach 2000 bis zum Stehkragen der Obersten Gerichte gelangt und abgeschmettert wurde. Gerade das Thema "Zwangsarbeit" steht seit Jahren zur Debatte, das aber niemand (Politiker, Landesbeauftragte) aufgriff. Jürgen Schmidt-Pohl hat für viele Betroffene bereits bis zur totalen Erschöpfung um "Zwangsarbeitsentschädigung" gekämpft. Viele haben das hervorragende Gutachten über rechtliche Grundlagen einer Klage zur Entschädigung von DDR-Haftzwangsarbeit seit 2001/02 (z.B. Dr. Werner Mäder - ltd. Senatsrat i.e.R. Bln) finanziell mitgetragen. So auch wir. Ich bin in Besitz der Briefe und der Publikationen von J. Schmidt-Pohl und freue mich natürlich, dass das Thema wieder im Focus steht. Nur fehlt mir der Glaube an der Durchsetzung. Warum gerade jetzt sollte es so einfach sein z.B. durch eine Untersuchungskommission, wie sie Lutz Rathenow (SLStU) hier in der Presse vorschlägt? Ich höre schon den Aufschrei von Politikern in Bund und Ländern.
Die Landesbeauftragten der Länder stellten auf ihrem Kongress auch ihre Vorschläge für eine neue Novellierung der SED-Unrechtsbereinigungsgesetze vor. Demnach lassen sie wissen, dass zum Beispiel das Bundesversorgungsgesetz (Anerkennung von Haftfolgeschäden) als eigenes Gesetz läuft. Die Interpretation ist so nicht richtig. Natürlich geht die "Anerkennung" nach dem BVG, aber in Verbindung mit dem 1. SED-UnBerG, dem § 21 Strafrechtliches Rehabilitierungsgesetz, dem § 4 Häftlingshilfegesetz und dem § 3 VwRehaG. Das "schädigende Ereignis" sind die Bedingungen, die zur Schädigung geführt haben. Kleine, aber feine Unterschiede zur Beweislage gibt es schon.
Auch der § 8 Berufliche Reha (soziale Ausgleichsleistungen) wird als Vorschlag für weitere Verbesserungen genommen. Das Problem an diesen Vorschlägen ist, dass eine wesentliche Forderung fehlt, nämlich die der " Abschaffung der Bedürftigkeit". Alles gut gemeint, nur solange die "Bedürftigkeitsklausel" incl. der Berechnung einer Bedarfsgemeinschaft an das anrechenbare Einkommen gekoppelt ist, hat ein Verfolgter (Schüler, Zwangsausgesiedelte, Opfer von Zersetzungsmaßnahmen und Haftopfer) kaum eine Chance, in den Genuss einer finanziellen Hilfe zu kommen. Zwar soll die Verfolgungszeit von 3 Jahre auf 2 Jahre gekürzt werden, aber fast jeder stolpert über die Bedürftigkeitsanforderung. Die sog. Opferrente soll an die Inflationsrate angepasst und erhöht werden (Vorschlag). Wenn das so einfach gehen würde, gut. Aber meiner Meinung nach ist die "Besondere Zuwendung" keine Rente im Sinne einer Rente (Versorgungssystem - nur durch Mittel von Beitragsleistungen), sondern müsste vom Bund erst dazu umgewandelt werden, wobei auch er alleine für die Opferentschädigung als Rente aus dem "Entschädigungssystem" aufkommen muß.
Viel einfacher wäre, die Kapitalentschädigung auf einen höheren Betrag aufzustocken; davon hätten alle Haftopfer etwas. Die sogenannte Opferrente stufenweise von 250 €, entsprechend der erlittenen Haftzeiten bis 700 € auch anzuheben. Und Verwaltungsopfern eine einmalige Entschädigung anbieten. Das wären Vorschläge, die ich von vielen Betroffenen aufgenommen habe.
Die Novellierungsvorschläge von den Landesbeauftragten, ausgearbeitet von der TLStU Hildigung Neubert für ihre Kollegen und den Kongress, die natürlich erst zur Diskussion stehen, habe ich an W. Mayer per Mail gesandt, weil ich nicht weiß, wie eine PDF hier eingefügt wird. Er wird sie sicher nachtragen.
Bruni Grabow
www.sed-opfer-hilfe.de

Zuletzt bearbeitet: 14.05.2012 14:32 von Administrator
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Von Versöhnung hat niemand gesprochen
Wegen Staus kam ich zu spät zu Plazecks Rede. Ich weiß also nicht, was er gesagt hat.
Der Bundeskongreß wurde von den ostdeutschen Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen veranstaltet, nicht aber von der UOKG. Rainer Wagner hat also nichts mit dem Kongreß zu tun. Auch nichts mit der Gedenkveranstaltung für die Opfer der DDR in Rüdersdorf Sonntag Nachmittag in Rüdersdorf.
Von Versöhnung hat kein Mensch gesprochen. Das wäre auch völlig verfehlt gewesen. Bewegend waren die Berichte der Zeitzeugen, von Workutahäftlingen bis zu Zöglingen aus dem „Jugendwerkhof Torgau“. Die Auseinandersetzung mit den Verbesserungsvorschlägen zum Opferschutz waren intensiv. Insgesamt war es ein sehr gelungener Bundeskongreß.
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Dr_Dietrich_Koch:
Der Bundeskongreß wurde von den ostdeutschen Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen veranstaltet, nicht aber von der UOKG. Rainer Wagner hat also nichts mit dem Kongreß zu tun. Auch nichts mit der Gedenkveranstaltung für die Opfer der DDR in Rüdersdorf Sonntag Nachmittag in Rüdersdorf.
Lieber Dr. Koch,
der Kongress war ein Kongress der Landesbeauftragten mit der Aufarbeitungs - Stiftung und "mit den Opferverbänden".
Ich halte ihn für die Sache der ehemaligen politischen Gefangenen für kontraproduktiv, weil er in die Sache der ehemaligen politischen Gefangenen Dinge hineinnimmt, die nicht dort hinein gehören. Das sind:
1. Die Forderung nach Entschädigungen für ALLE DDR- Zwangsabeiter
Es bestimmt der
Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte vom 19.Dezember 1966 (BGBl. 1973 II 1553, dem auch die DDR beitrat:
Artikel 8
(1)
(2)
(3)
a) Niemand darf gezwungen werden, Zwangs- oder Pflichtarbeit zu verrichten;
b) Buchstabe a ist nicht so auszulegen, dass er in Staaten, in denen bestimmte Straftaten mit
einem mit Zwangsarbeit verbundenen Freiheitsentzug geahndet werden können, die Leistung von Zwangsarbeit auf Grund einer Verurteilung durch ein zuständiges Gericht ausschließt;
Dabei kommt es auf Artikel 8, Abs. 3 b) des Paktes an: Es war generell gar kein Verstoß der DDR gegen den Menschenrechts-Pakt 1966, inhaftierte Gefangene zur Zwangsarbeit heranzuziehen.
Es kommt darauf an, ob die Haft selbst ein Unrecht darstellt.
Rainer Wagner fordert Entschädigungen für alle 1,8 Millionen Menschen, die je in der DDR, aus welchen Gründen auch immer, in Haft waren.
Lieber Dr. Koch,
wie soll ich erklären, was mich ärgert ? Stellen Sie sich vor, der Herr Dr. Weinberger würde mit Recht beanstanden, dass in der DDR (und auch in Westdeutschland) psychisch Kranke mit Elektroschocks behandelt wurden.
Stellen Sie sich vor, sie würden dort ständig als Beispiel eines fehlbehandelten psychisch Kranken auftauchen. Würde Sie doch auch ärgern, oder ?
Denn Sie ärgert doch nicht in erster Linie, wie die DDR psychisch Kranke behandelte, Sie ärgert doch in erster Linie, dass Sie als psychisch krank eingestuft wurden, oder ?
Ich halte den Kongress für kontraproduktiv, weil er in die Sache der ehemaligen politischen Gefangenen als weiters hineinnimmt, was nicht dort hinein gehört. Das ist weiter
2. die wiederholte Forderung nach Geldleistungen für "von der Stasi Zersetzte":
Dahingehend wollen Stasi-Landesbeauftragte und UOKG die sogenannte "Oferrente" ja schon seit Jahren ausdehnen.
Dazu hatte ich ja schon hier geschrieben.
Frage: Wann wird es eine angemessene Entschädigung für DDR-Opfer geben ?
Antwort: Etwa 12 Jahre nachdem in Ostdeutschland die Auffassung mehrheitsfähig wurde, dass die Zahl der DDR-Opfer nicht 17 Millionen beträgt.
Weiß
der
BoWa
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Bruni:
RATHENOW WILL UNTERSUCHUNGSKOMMISSION ZU DDR-ZWANGSARBEIT
Dresden/Erkner (epd). Der sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Lutz Rathenow: ... Auch wenn bei der Höhe der Entschädigung zwischen politischen und nicht politischen Gefangenen unterschieden werden müsse, so seien alle gleichermaßen von Zwangsarbeit betroffen gewesen.
Ja, der Lutz Rathenow ..,

Opferente und Entschädigung für Frank Schmökel.
Denn immerhin seien ja Du, Wolfgang Mayer und auch ich und auch alle anderen ehemaligen Politischen Gefangenen sozusagen Kumpels vom Schmökel.
Und "gleichermaßen von Zwangsarbeit betroffen gewesen".
Auch Lutz Rathenow kennt nicht wirklich den Wortlaut des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte vom 19.Dezember 1966 (BGBl. 1973 II 1553):
Artikel 8
(1)
(2)
(3)
a) Niemand darf gezwungen werden, Zwangs- oder Pflichtarbeit zu verrichten;
b) Buchstabe a ist nicht so auszulegen, dass er in Staaten, in denen bestimmte Straftaten mit
einem mit Zwangsarbeit verbundenen Freiheitsentzug geahndet werden können, die Leistung von Zwangsarbeit auf Grund einer Verurteilung durch ein zuständiges Gericht ausschließt ...
Dabei kommt es auf Artikel 8, Abs. 3 b) des Paktes an: Es war nicht per se ein Verstoß der DDR gegen den Menschenrechts-Pakt 1966, inhaftierte Gefangene zur Zwangsarbeit heranzuziehen.
Es kommt darauf an, ob die Haft selbst ein Unrecht darstellt.
An Rainer Wagner stößt mich ab, dass er den Kakau auch noch trinkt, durch den er da von unseren Bürgerrechtlern, in ihrem "Campus für Demokratie" gezogen wird.
Zuletzt bearbeitet: 15.05.2012 21:59 von BoWa
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Hier mal der Zusammenhang in der Rede des ehemaligen Direktors des Hannah-Ahrendt-Instituts für Totalitarismusforschung in der 56. Sitzung des 5. Sächsischen Landtages, gehalten am 10.05.2012:
Herr Präsident,
meine Damen und Herrn!

Die Behörde des Landesbeauftragten hat ihren 19. Tätigkeitsbericht vorgelegt und – bei allem demonstrierten Fleiß – erneut deutlich gemacht, dass sie ihren eigenen Standort noch nicht gefunden hat. ... Ähnlich wie Roland Jahn in Berlin, sucht auch Lutz Rathenow, nach Möglichkeiten seine Einrichtung auf Dauer zu stellen. Das ist das generelle Problem mit zeitlich begrenzten Sonderbehörden: Sie wollen sich verstetigen und finden im politischen Raum immer wieder Verbündete. Rathenow treibt die Verteidigung seiner Institution so weit, dass er das Außergewöhnliche gerne zur Regel machen und auch den westlichen Bundesländern am liebsten Landesbeauftragte verordnen möchte. Doch die denken gar nicht daran.
...
Auf Bundesebene kämpfen mindestens drei pädagogisch-politische Bewältigungs-Einrichtungen um Marktanteile. Die Bundeszentrale für Politische Bildung und die Stiftung Aufarbeitung warten sehnlichst auf die Auflösung der Stasi-Unterlagen-Behörde, deren Aufgaben sie – zusammen mit dem Bundesarchiv – leicht übernehmen könnten. Um sich nicht überflüssig zu machen, möchte Jahn aus der Behörde gerne einen „Campus für Demokratie“ machen.
Wer ... den Bericht aufmerksam liest, dem können Erosionserscheinungen und auch ein gewisses Maß an Dilettantismus – jenseits der Rechtschreibfehler – nicht verborgen bleiben. So heißte es S. 9: „Verallgemeinernd kann man feststellen, dass die Anzahl der Ratsuchenden zwar einerseits tendenziell eher abnimmt, dafür aber die Kompliziertheit der Fälle zunimmt.“ (S. 9).
Insgesamt scheint sich die Beratung immer mehr auf das Feld der Psychothera
pie zu verlagern; immerhin ist von posttraumatischen Belastungsstörungen di
e Rede. Ob hier „psychologisches Einfühlungsvermögen“ (S. 8) reicht, schein
t eher fraglich. Vielmehr müsste den Betroffenen professionelle Hilfe gegeb
en werden .
Die oben genannte Rede findet sich ja nicht in der "Sächsischen Zeitung", dem bis 1989 gewesen Organ der SED-Bezirksleitung Dresden, welche nach 1990 von der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr aufgekauft wurde.
Aufgekauft mit allen Mitarbeitern.
Alle übernommen.
Und auch sonst findet sich nur Entrüstungs-Ritual:
Zu Letzterem, der "besseren Personalausstattung der Behörde" ist möglicherweise das Einrichten einer Planstelle für einen ausgebildeten Psychotherapeuthen gemeint. Der soll dann natürlich nicht anstelle des verhinderten Schriftstellers Utz Rachowski und dessen heutiger "psychosozialer Beratung" fungieren.
Sondern eben zusätzlich.
vermutet
der
BoWa
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Gerhard BESIER in seiner Rede am 10.5.2012
„Die rechte Balance zwischen Erinnerung und Vergessen muss noch gefunden werden. Gelangweilte Schüler, die angesichts immer neuer Erinnerungsanstrengungen ‚abschalten’, führen uns solche Zusammenhänge vor Augen.“
Wie oft der seit gut drei Jahren der Linken zugehörende Kirchenmann vor Schulklassen gestanden hat, ist nicht bekannt. Daß er selbst bisher kaum einen Schüler hat „anschalten“ können, vermutet
Wolfgang Mayer.
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Meine liebe Bruni,
wir hatten schon das gespräch am Telefon wo Du mir was von einem KI menschen erzählt hast und ich Dir über das Jugendarbeitserziehungslager in Rüdersdorf berichtete.
Warum wird hier schon wieder alles zerpflügt,ich war im Kinderheim, durch die Staatssicherhei 1967 in einem Jugendarbeits -und Erziehungslager in Rüdersdor, danach in einem Jugendwerkhof wegen Staatserleumdung, dann wegen asozialen Verhalten und Staatsverleumdung in Ückermünde und habe dann habe ich wegen einer Meuterei im Strafvollzug Neustrelitz 15 Monat wegen Republikflucht dazu bekommen.
Ich bin nun zufrieden das dieses Thema endlich raus ist und da wird dann noch gefragt ob ich die Opferrente bekomme. Da kann ich nur sagen eine Reicht mir, damit die anderen auch noch was bekommen.
Mit Kameradschaftlichen Grüßen
R.Buchwald
Ps. Wenn wir alle zusammenhalten und uns nicht so leicht von anderen ins Boxhorn jagen lassen haben bessere Chancen. Wir waren bei der Meuterei 178 Kameraden.
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20.6.2009
SO GROß WAR DER HASS
Mitte der 60er Jahre sorgt der Name eines Ortes für Unruhe und Angst unter den meist langhaarigen Jugendlichen am Alexanderplatz, in Lichtenberg und anderswo im Osten: Rüdersdorf. Die dort waren, kommen mit Glatze wieder und erzählen von harter Zwangsarbeit, Drill und Drangsalierungen.
Von Grit POPPE
Rainer BUCHWALD, genannt Buchi, lebt in Berlin (Ost) und ist 1967 gerade mal 16. An einem Samstag im Februar sagt er seiner Mutter Bescheid, dass er noch zu einem Kumpel wolle, um weiter an der Modelleisenbahn zu bauen. Es könne spät werden und er wolle bei seinem Freund übernachten. Die Mutter ist wenig begeistert, lässt den Sohn aber ziehen. Sie ahnt noch nicht, dass sie lange nichts mehr von ihm hören wird.
Das Familienleben ist alles andere als entspannt. Der Stiefvater ist Alkoholiker; mit dem Stiefsohn, den er immer abgelehnt hat, liegt er im Streit. Ist der Stiefvater in jener Nacht zur Polizei gegangen, um den Stiefsohn loszuwerden?
Fakt ist, dass Rainer am nächsten Morgen um 5.30 Uhr von Uniformierten aus dem Bett geholt wird. Er solle sich sofort anziehen. Mit einer Knebelkette gefesselt, wird er in die Polizeiwache in Berlin-Friedrichshain gebracht. Von dort aus mit dem Streifenwagen in das Durchgangsheim Alt-Stralau. Da muss er eine Nacht bleiben. Was hat er verbrochen?
Erst kurz zuvor wurde das Lehrlingskollektiv, in dem Rainer BUCHWALD für den VEB Hochbau ausgebildet wird, von einem neuen Lehrfacharbeiter übernommen. In einem Gespräch mit dem Jungen hat der Ausbilder versucht, ihn für die Staatssicherheit anzuwerben.
Rainer jedoch lehnte die Spitzeltätigkeit ab. Nicht nur das. Er erzählt den anderen von dem Anwerbeversuch der Lehrkraft. Folgt nun die Strafe? Im Durchgangsheim hofft er immer noch auf eine kurze Episode, hofft darauf, nach Hause entlassen zu werden. Stattdessen wird er morgens auf einen LKW des Typs S 4000 verfrachtet. Zusammen mit anderen Jugendlichen wird er in das „Erziehungs- und Arbeitslager“ Rüdersdorf verschleppt.
Die Ankunft dort hat er nie vergessen. Bewaffnete Polizisten empfangen die Jungen, die einer nach dem anderen vom LKW springen. Befehle werden gebrüllt. „Im Laufschritt!“, heißt es.
Rainer blickt sich verwirrt um. Wo ist er hier? Und wohin soll er laufen? Da spürt er eine Berührung auf seinem Rücken, hört, wie das Gewehr durchgeladen und entsichert wird. Das Klicken kennt er. Vor der Lehre musste er eine vormilitärische Ausbildung absolvieren. Da haben sie gelernt, die Kalaschnikow zu entsichern.
Rainer steht da wie erstarrt. Spürt das Drücken der Maschinenpistole auf seiner Wirbelsäule. Er hat höllische Angst. Angst, sich zu bewegen. Angst, sich nicht zu bewegen.
Der Polizist wird schließlich von einem anderen Mann entwaffnet. Der bedrohte Junge bekommt einen Schubs, läuft automatisch wie die anderen zu den Baracken.
In einem Waschraum werden die Ankömmlinge desinfiziert, ihnen werden die Haare abgeschnitten und Glatzen geschoren. Viele der Jungen tragen lange Haare, wie es gerade Mode ist und von der Staatsmacht verpönt. Nackt und kahlköpfig stehen sie nun da. Was sie hier erwartet, wissen sie noch nicht.
Clemens LINDENAU, den alle nur Cleo nennen, ist 17, trägt die Haare lang, ist in der achten Klasse von der Schule geflogen und auch aus der Lehre zum „Tiefbaufacharbeiter“ warf man ihn. Er ist „politisch nicht tragbar“, heißt es, die DDR und ihre Politik lehnt er offen ab. Bis 1961 war die Welt noch in Ordnung, aber mit dem Mauerbau kommt die Empörung. „Wir kannten den Westen, uns konnten die nichts vormachen.“
Auch er wird eines Morgens aus dem Bett gezerrt. „Anziehen, mitkommen!“ In einem Barkas der Polizei, eingesperrt in einer Zelle, fährt er quer durch Berlin. Wo man ihn hinbringt, weiß auch er nicht. Als er aus dem Wagen gelassen wird, läuft er los, wie befohlen, aber auch das ist nicht richtig. „Zurück! Marsch, Marsch! Zum Tor!“
„Zögling Lindenau meldet sich zur Stelle!“, soll er rufen. Er sagt: „Ich bin nicht freiwillig hier.“
Zur Kleiderkammer lässt man ihn auf dem Boden kriechend robben, dann nackt zum Waschraum. Polizisten in Uniform richten Schläuche auf ihn, duschen ihn mit kaltem Wasser ab. Er darf sich nicht abtrocknen, steigt nass in die Anstaltskleidung. Der Kopf wird ihm geschoren; anschließend muss er seine Haare zusammenfegen und in den Ofen schmeißen.
Haare sind nicht einfach Haare in dieser Zeit, sie sind ein Statussymbol, ein Teil des Ich. Die Glatze ist die Rache des Staates an der Rebellion der langhaarigen Jugend. Aber das ist erst der Anfang der Strafaktion. SED-Bezirksleitung, Staatsanwalt, Volksbildung, Staatssicherheit und Volkspolizei sind sich einig: Es sollen Exempel statuiert werden zur Abschreckung.
Diese „Gammler, Schmarotzer, Parasiten“ der sozialistischen Gesellschaft, die an den Ecken herumstehen und ihre Kofferradios zu laut aufdrehen, müssen eben zu ihrem Glück gezwungen werden. Dieses „Glück“ bedeutet für Cleo erstmal: Arbeit im Steinbruch.
Vor ein paar Tagen noch hat er seinen ersten Kuss erlebt, den ersten Sex, das „erste Mal“.
Jetzt muss er mit einem 20 Pfund schweren Hammer „Steine kloppen“. Auch Buchi schuftet da schon. So muss er mit anderen die Schienen einer Kleinbahn demontieren und abtransportieren. Es ist körperliche Schwerstarbeit für unerfahrene junge Menschen.
Erst als einer der Jugendlichen abstürzt im Steinbruch, wird das Experiment mit den Minderjährigen abgebrochen. Nun müssen sie im Zementwerk Rüdersdorf malochen und die Drehöfen entschlacken. Das bedeutet, dass sie in die Öfen hineinkriechen und sie reinigen, auch dann wenn sie noch heiß sind. Aber nicht nur die Arbeit ist unerträglich.
Um fünf Uhr werden sie per Trillerpfeife aus dem Schlaf gerissen. Der „Verwahrraum“ ist wie eine Zelle eingerichtet. Die Doppelstockbetten stehen dicht an dicht. Für die Notdurft gibt es einen Eimer. Nach dem Durchzählen und Waschen folgt der Bettenbau nach militärischer Vorschrift, das karierte Bettzeug muss nach Muster zusammengelegt werden, zeigt sich noch eine Falte, wird es wieder heruntergerissen. Es folgen Stubenreinigung, Morgenappell und Frühsport ...
Weiter ... hier !
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Die Recherche über Jugendwerkhöfe in der DDR diente der Potsdamer Schriftstellerin Grit POPPE als Vorarbeit für den Roman „Weggesperrt“.
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BESIER:
Bedauerlich scheint mir insgesamt die rituelle Bekräftigung des ewigen Mantras, man dürfe nicht vergessen. Inzwischen gibt es längst gewichtige Einwände gegen den in Deutschland geradezu „obsessiven Erinnerungsboom“.
...
Aber es gehört auch zu unseren anthropologischen Fähigkeiten zu vergessen und für die Zukunft offen zu sein.
Erstaunlich für einen Historiker, sich auf die "anthropologischen Fähigkeiten" des Menschen zu berufen und dem Vergessen das Wort zu reden.
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Anbei die komplette "Rede" des Prof. Besier in der 56. Sitzung des Sächsischen Landtages. Offizielles Tagungsprotokoll:
3. Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Schmalfuß:Mir liegen noch weitere Wortmeldungen vor. Für die Fraktion DIE LINKE Herr Prof. Besier.
Prof. Dr. Dr. Gerhard Besier, DIE LINKE: Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Behörde des Landesbeauftragten hat ihren 19.Tätigkeitsbericht vorgelegt und bei allem demonstrierten Fleiß erneut deutlich gemacht, dass sie ihren eigenen Standort noch nicht gefunden hat. Auf Seite4 heißt es, zwei Themen hätten die Diskussion bestimmt: die zukünftige Anbindung und inhaltliche Ausrichtung der Behörde und die finanzielle Förderung der Verfolgtenverbände.
Ähnlich wie Roland Jahn in Berlin sucht auch Lutz Rathenow nach Möglichkeiten, seine Einrichtung auf Dauer zu erhalten. Das ist jenseits des Gebietes, im Grunde das generelle Problem von zeitlich begrenzten Sonderbehörden. Sie wollen sich verstetigen und finden im politischen Raum immer auch wieder Verbündete. Rathenow treibt die Verteidigung seiner Institution so weit, dass er das Außergewöhnliche gern zur Regel machen und auch den westlichen Bundesländern am liebsten Landesbeauftragte verordnen möchte. Doch die im Westen denken gar nicht daran. Ihnen genügt ihre Landeszentrale für politische Bildung.
Auf Bundesebene –davon war schon die Rede –kämpfen mindestens drei pädagogisch-politische Bewältigungseinrichtungen um Marktanteile. Die Bundeszentrale für politische Bildung und die Stiftung Aufarbeitung warten sehnlichst auf die Auflösung der Stasi-Unterlagenbehörde, deren Aufgaben sie zusammen mit dem Bundesarchiv leicht übernehmen könnten. Um sich nicht überflüssig zu machen, möchte Jahn aus der Behörde einen „Campus für Demokratie“ machen und würde damit in fremden Gewässern fischen. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat sich ganz empört geäußert.
In Sachsen kann freilich eine solche Diskussion nicht aufkommen, weil eine große Mehrheit in diesem Hause an der Sonderbehörde festhalten will und die eigentlich zuständige Landeszentrale für politische Bildung stillhält. Wer allerdings den Bericht aufmerksam liest, dem können Erosionserscheinungen und ein gewisses Maß an Dilettantismus –ich meine jetzt jenseits der zahlreichen Rechtschreibfehler –nicht verborgen bleiben. So heißt es auf Seite9: „Verallgemeinernd kann man feststellen, dass die Anzahl der Rat Suchenden zwar einerseits tendenziell zunimmt.“ Insgesamt scheint sich die Beratung immer mehr auf das Feld der Psychotherapie zu verlagern. Immerhin ist von posttraumatischen Belastungsstörungen die Rede. Ob hier „psychologisches Einfühlungsvermögen“, wie es heißt, reicht, scheint eher fraglich. Viel mehr müsste den Betroffenen professionelle Hilfe gegeben werden. Andernfalls könnte eintreten, was wir aus anderen Bereichen sehr gut kennen: eine Fixierung auf die Opferrolle, eine Flucht ins Leid, die einen Neuanfang eher erschwert.
Ein anderes Feld ist auf Seite11 die Arbeit mit Zeitzeugen: „Unsere Versuche, mehr Zeitzeugen in den Geschichtsunterricht einzubinden, wurden von den Lehrern nicht aufgegriffen.“ Es wäre interessant, die Vorbehalte der Lehrer gegen diese Art von Unterricht in Erfahrung zu bringen. Davon ist nicht die Rede. Was bewegt Lehrer, nicht ewig Zeitzeugen einladen zu wollen?
Bedauerlich scheint mir insgesamt die rituelle Bekräftigung des ewigen Mantras, man dürfe nicht vergessen. Es ist uns schon so eingegraben im Gehirn ––
(Widerspruch des Abg. Martin Modschiedler, CDU)
–Sie waren auch nicht dabei. Sie gehören auch zu den Migranten, um mit Herrn Bandmann zu sprechen.
Inzwischen gibt es längst gewichtige Einwände gegen den in Deutschland geradezu obsessiven Erinnerungsboom. Es geht nicht darum, das Leid von Opfern herunterzuspielen.
Ihnen muss Recht widerfahren. Ihre Würde muss wiederhergestellt werden. Aber es gehört eben auch zu unseren anthropologischen Fähigkeiten, zu vergessen und für die Zukunft offen zu sein. Die richtige Balance zwischen Erinnerung und Vergessen muss noch gefunden werden.
(Zurufe von den GRÜNEN)
Gelangweilte Schüler, die angesichts immer neuerer Erinnerungsanstrengungen „abschalten“, führen uns solche Zusammenhänge vor Augen.
(Zuruf von der CDU: Unerhört! Unerhört!)
3. Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Schmalfuß: Herr Prof. Besier, gestatten Sie eine Zwischenfrage?
Prof. Dr. Dr. Gerhard Besier, DIE LINKE: Ja. Herr Kollege aus dem Westen.
Martin Modschiedler, CDU: Herr Besier, gehe ich recht in der Annahme, dass Sie––
Prof. Dr. Dr. Gerhard Besier, DIE LINKE: Aus Hessen auch noch.
Martin Modschiedler, CDU: Ja.
Prof. Dr. Dr. Gerhard Besier, DIE LINKE: Hessen ganz vorn.
Martin Modschiedler, CDU: Es geht aber um diese––3. Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Schmalfuß: Herr Prof. Besier, die Fragen dürfen Sie nicht stellen. So sieht das die Zwischenfrage vor. Das können Sie vielleicht nachher machen.
Prof. Dr. Dr. Gerhard Besier, DIE LINKE: Entschuldigung, Herr Präsident, ich habe nicht gefragt, ich habe nur eine freche Bemerkung gemacht.
3. Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Schmalfuß: Dann ist das ein Weg in die Selbsterkenntnis. Ich würde aber jetzt gern Herrn Modschiedler die Gelegenheit geben, seine Frage zu stellen.
Martin Modschiedler, CDU: Ich würde nur gern wissen, ob Sie an diesem Ausschuss teilgenommen haben und genau diese Diskussion, die Sie gerade führen, mit den Diskutanten und dem Unterlagenbeauftragten geführt haben, oder ob das jetzt erstmalig hier von Ihnen diskutiert wird bzw. ob es –weitergeführt –nicht besser wäre, solche Diskussionen im Ausschuss zu führen, wo sie hingehören.
(Vereinzelt Beifall bei der CDU)
Prof. Dr. Dr. Gerhard Besier, DIE LINKE: Im Ausschuss können wir die Diskussionen gern weiterführen. Ich bin ohnehin am Ende.
Ich meine Betroffenen-Erinnerung als Beruf. Das läuft nicht –nicht einmal in Sachsen.
Vielen Dank.
(Vereinzelt Beifall bei den LINKEN)
Anmerkung: Jedes mal, wenn ich mit Schülern durch die Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden ging, habe ich in aufmerksame, fragende Gesichter geschaut. Gelangweilte Gesichter habe ich nie angetroffen. Wo hat Herr Prof. Besier denn seine Erfahrung von gelangweilten Schülergesichtern her? Wenn es Langeweile gibt, dann an den skandalösen Darstellung der "DDR" in sächsischen Schulbüchern (Fach Geschichte)!
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