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Thema: Frauen in stalinistischen Gefängnissen und Lagern |
Lesungen, Vorträge, Tagungen
„FRAUEN IN STALINISTISCHEN GEFÄNGNISSEN UND LAGERN“
Vom 19.6.2012 bis 24.6.2012
Veranstaltungsort:
Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße
Ehemaliges KGB-Gefängnis
Leistikowstraße 1
14469 Potsdam
Kontakt: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Telefon: (0331) 2011540
Eine Filmvorführung, Zeitzeugengespräche, Begegnungen und eine Führung stehen auf dem Programm der Themenwoche „Frauen in stalinistischen Gefängnissen und Lagern“, die in der Zeit vom 19. bis 24. Juni 2012 in der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße in Potsdam stattfindet.
Im Zentrum steht vom 22. bis 24. Juni eine dreitägige Begegnung von Müttern und Kindern, die in Gefängnissen und Lagern der SBZ/DDR inhaftiert waren.
Diese jährlichen Begegnungen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, werden seit 1999 von Alexander LATOTZKY organisiert, der selber 1948 im sowjetischen Speziallager Bautzen geboren wurde.
Den Auftakt der Themenwoche bildet am Dienstag, 19. Juni 2012, um 18 Uhr die Vorführung des Dokumentarfilms „Kindheit hinter Stacheldraht“, der das Schicksal von Alexander LATOTZKY schildert. Seine Mutter Ursula wurde 1946 wegen „Agententätigkeit für eine ausländische Macht“ zu 15 Jahren Strafarbeitslager verurteilt. Sie hatte gegen zwei sowjetische Soldaten, die ihre Mutter getötet hatten, eine Strafanzeige gestellt. Im Speziallager Nr. 10 in Torgau lernte sie den Wächter Wladimir BRJUTSCHKOWSKI kennen. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Alexander wurden Mutter und Kind zunächst nach Bautzen, später in das sowjetische Speziallager Sachsenhausen und schließlich in den DDR-Strafvollzug in Hoheneck verlegt. Die Behörden trennten beide, LATOTZKY verbrachte die nächsten sieben Jahre in verschiedenen Kinderheimen. 1956 wurde die Mutter begnadigt, LATOTZKY durfte 1957 auch nach West-Berlin ausreisen. Ursula HOFFMANN starb mit 41 Jahren an den Folgen der Haft. In der Bundesrepublik studierte LATOTZKY Kunst und Sport. Nach der Wiedervereinigung begann er mit der Aufarbeitung seiner eigenen Biografie und entdeckte dabei zahlreiche ähnliche Schicksale, die er in einem Buch dokumentiert. Im Zuge dieses Prozesses lernte er im Jahr 2000 seinen leiblichen Vater kennen. Im Anschluss an die Filmvorführung spricht Gedenkstättenleiterin Dr. Ines REICH mit dem Regisseur Hans-Dieter Rutsch und mit Alexander LATOTZKY.
Am Mittwoch, 20. Juni 2012, ist um 18 Uhr die Zeitzeugin Helga GÄBEL, die rund acht Monate lang im sowjetischen Untersuchungsgefängnis in der Leistikowstraße inhaftiert war, zu Gast in der Gedenkstätte und berichtete im Gespräch mit Martin VOGEL, dem Vorsitzenden des Beirats der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße, über ihr Schicksal. Helga GÄBEL, geb. KÜHN (Jahrgang 1929) war schwanger, als sie im April 1951 in das Untersuchungsgefängnis in der Leistikowstraße eingeliefert wurde. Die Westberlinerin hatte nach Kriegsende Russisch gelernt. Begeistert von der fremden Sprache und Kultur suchte sie Kontakte zu sowjetischen Militärangehörigen in der SBZ/DDR. Das erregte Misstrauen. Seit Juni 1950 wurde sie mehrfach durch den sowjetischen Geheimdienst festgenommen, bevor sie in das Gefängnis Leistikowstraße eingeliefert wurde. Die Spionageabwehr warf Helga KÜHN vor, für den amerikanischen Geheimdienst Rotarmisten zum Vaterlandsverrat angestiftet und sicherheitsrelevante Dokumente gestohlen zu haben. Nach acht Monaten Untersuchungshaft wurde sie in Potsdam wegen Spionage zu 25 Jahren verurteilt. Wenige Tage nach der Verurteilung entband Helga KÜHN eine Tochter im Haftkrankenhaus Hoheneck. Nach wenigen Monaten wurde Angelika in ein Heim nach Leipzig gebracht, später wuchs sie bei den Großeltern in Berlin-Haselhorst auf, während ihre Mutter noch bis März 1957 im Gefängnis war.
Am Donnerstag, 21. Juni 2012, lädt die Gedenkstätte Leistikowstraße zu einer Sonderführung mit dem Titel „Frauenschicksale im Gefängnis Leistikowstraße“ durch die kürzlich eröffnete Dauerausstellung ein (Beginn 18 Uhr). Den Abschluss der Themenwoche bildet am Sonntag, 24. Juni 2012, um 11 Uhr ein Zeitzeugengespräch mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des „Mutter-Kind-Treffens“, das von Alexander LATOTZKY organisiert wird.
Quelle
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