FLUCHT und AUSREISE Diskussionsforum
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Thema: War die DDR Heimat oder Unrechtsstaat?


30.09. 14
22:45 Uhr ARD
Maischberger



und

Peter-Michael Diestel (Letzter DDR-Innenminister): "Die DDR war eindeutig kein Unrechtsstaat. Es war ein sozialistisches Rechtssystem, das wir uns nicht ausgesucht haben, in dem aber Mörder verurteilt, Ehen geschlossen und geschieden sowie Erbschaften abgewickelt worden sind", sagt der letzte Innenminister der DDR. Der CDU-Politiker arbeitet heute als Rechtsanwalt und gilt als erste Adresse für Menschen mit DDR-Vergangenheit. Den heutigen Rechtsstaat habe er mit Gleichgesinnten erkämpft und erstritten und sei stolz darauf: "Ich hätte mein Vaterland nie verlassen und den Kommunisten überlassen!"



"Ich hätte mein Vaterland nie verlassen und den Kommunisten überlassen!" ruft der DIESTEL aus.

Hätten alle so getickt wie er, gäbe es "sein" kommunistisches Vaterland noch ...



Das wird sicher eine aufregende Runde, habe mir den Termin notiert. Man kann sich aber jetzt schon ausmalen, wie das Streitgespräch ablaufen wird, kennen wir doch die Phrasen, diesmal auch mit Unterstützung der Frederic.

Der Spiegel berichtete im Heft 18 /1990:
abgekürztes Zitat " DDR-Innenminister und Scharfmacher der DSU, zeigte sich erstaunlich milde gegenüber Angehörigen des ehem. Stasi. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stoiber, bei der es um die künftige Zusammenarbeit von Polizei-Organisationen der DDR und der des Bundes ging, übernahm Diestel für sich und den Rest der Bevölkerung die Verantwortung: An Verbrechen der Vergangenheit trage jeder in der DDR Schuld-auch ich als Konservativer und Christ-. Unschuldig seien nur "Neugeborenen und die Alkoholiker, die den ganzen Tag bis oben hin zu waren." Zitatende

interessant auch der Beitrag über Diestel - siehe Link
http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/68785419

Er nimmt für sich in Anspruch für den heutigen Rechtsstaat gekämpft und gestritten zu haben ? Könnte es sein, dass er meinte für seine eigenen und die Rechte der SED-Kader und Stasi gekämpft und gestritten zu haben....?

Wer sind die anderen? Ausser Frau Thiemann kenne ich keinen von den hier Genannten. Hoffentlich bekommt Fr. Thiemann Schützenhilfe gegen Frederic und Diestel.

Bruni Grabow
http://www.sed-opfer-hilfe.de



Liebe Frau Grabow,

der Herr war niemals ein "Scharfmacher" der Deutschen Sozialen Union (DSU) - die als erste der neu gegründeten Parteien die Deutsche Einheit in ihrem Programm verankert hatte -, sondern eher ein Bremser und Zersetzer derselben. Vor allem aber ein Verklärer.

Sind nicht gerade die vom kommunistischen Unrechtsregime DDR Geschädigten angetreten, den Verklärungen der Zeit nach dessem schmachvollen Zusammenbruch entschieden entgegenzuwirken?

Hoffen wir, daß es Ellen THIEMANN morgen abend gelingen wird, dem Verklärer DIESTEL die Stirn zu bieten.

Herzliche Grüße aus Thüringen -

Ihr
Wolfgang Mayer.



Geographisch war mir Mitteldeutschland Heimat , politisch jedoch nie .



Hallo Herr Mayer,

Ich meine doch auch dasselbe, deshalb auch der zusätzliche Link. Der Begriff "Scharfmacher" bezieht sich auf ein "Gegen die DSU" von Diestel.

Herr Mayer schrieb:
Hoffen wir, daß es Ellen THIEMANN morgen abend gelingen wird, dem Verklärer DIESTEL die Stirn zu bieten.

genau das hoffe ich auch, so zu lesen in meinem Schlußsatz.

Ich werde auch dieses Gespräch aufnehmen. 2009/10 gab es auch im TV schon einmal ein Streitgespräch zwischen Bischöfin Junkermann, einem Stasioffizier, Hubertus Knabe und den damaligen Lstu-Chef von Sachsen-Anhalt Gerhard Ruden, als seine Stasi-Mitarbeit noch nicht bekannt war. Interessant auch deshalb, weil Ruden log ohne Rot zu werden.

Bruni Grabow



Nachtrag bezogen auf den Titel: " Heimat oder Unrechtsstaat ?"

Ich glaube das die Frage so nicht beantwortet werden kann und verführt ganz schnell zu Verklärungen. Heimat ist Heimat und Unrechtstaat ist Unrecht an den Menschen. Die beiden Wörter als Definition passen meiner Meinung nach nicht zusammen. Es hätte heißen müssen: "war die DDR ein Unrechtstaat ?" Die Heimat haben wir nicht verflucht und bekämpft, sondern das SED-System mit allen seinen politischen Facetten und die Ohnmacht über dessen Willkür.

Heimat bedeutet für mich hauptsächlich Erinnerungen an meine Familie, die ich von 1977 bis 1989 nicht mehr sehen konnte. Oder: als Berlin ummauert wurde, wurde doch auch sehr deutlich, was das SED-System den Menschen böswillig wegnehmen konnte, nämlich die Heimat. Als wir 1989 wieder in die Heimat fahren konnten, war der erste Augenblick sehr schön, die Familie und Freunde wieder zu sehen. Es dauerte nicht lange, hatten wir begriffen, dass unsere Heimat uns fremd war, wir fühlten uns nicht mehr wohl. Zum Teil kamen wir uns vor wie Zigeuner, zogen von einem Ort zum anderen. Erst jetzt merken wir doch, dass NRW unsere neue Heimat sein könnte, war es doch das nächste Bundesland, wo wir tatsächlich neun Jahre es aushielten. Und jetzt sind wir schon wieder seit 2009 hier in NRW - 10 km weg vom ersten Wohnort im Kreis Steinfurt/NRW. Ich glaube schon, dass wir endlich NRW als unsere neue Heimat akzeptieren können. Vielleicht habe ich mich ein wenig umständlich ausgedrückt, besser geht es nicht. Jedenfalls ist Heimat nicht über den Begriff " Unrechtsstaat" zu definieren.



In dem künstlichen Gebilde "DDR" herrschte die "Diktatur des Proletariats". Eine Diktatur stabilisiert sich durch Unrecht, die Menschenrechte werden nicht gewährt. Die DDR war ein verlogener Unrechtsstaat und für mich niemals Heimat. Ich empfinde keinen Stolz Deutscher zu sein, aber meine Heimat war und ist Deutschland.

Rolf Günther



In dem künstlichen Gebilde "DDR" herrschte die "Diktatur des Proletariats". Eine Diktatur stabilisiert sich durch Unrecht, die Menschenrechte werden nicht gewährt. Die DDR war ein verlogener Unrechtsstaat und für mich niemals Heimat. Ich empfinde keinen Stolz Deutscher zu sein, aber meine Heimat war und ist Deutschland.

Rolf Günther


Natürlich unterstreiche ich auch die "DDR-Diktatur", das ist gar keine Frage, Herr Günther

Unter "Heimat" versteht jeder wohl was anderes, der eine ideologisch und der andere moralisch.

Die Frage, ob ich stolz auf meine Heimat war, hat sich nie gestellt. Im Nachhinein natürlich nicht, wer ist denn schon stolz darauf, in einer Diktatur gelebt zu haben. Aber wer kann was dafür wenn er dort geboren wurde ? Deshalb verbinde ich auch den Begriff "Heimat" nicht mit Nationalstolz, sondern schlichtweg mit meiner Persönlichkeit zu meiner damaligen sozialen Umgebung (Familie, Freunde, Verwandte, auch liebgewonnene Kollegen, die ehrlich waren).

Solange wie man Kind war, und das Kindsein in normaler Bahn verlief, hatte man keine politische Berührung. (natürlich kein Vergleich zu Heimkindern)

Das kam bei mir erst im jugendlichen Alter von ca. 14 Jahren. Als Kind hatte ich mich auch nicht gewundert, nicht alles haben zu können,es war wie es war. Für mich stand im Fokus meine Mutter, die drei Kinder in den 50er und 60er Jahren alleine aufziehen musste, dass hatten wir als Kinder begriffen. Trotzdem hatte sie alles gegeben, uns wenigstens zu den Feiertagen und Geburtstag eine Freude zu machen. Natürlich nicht zu vergleichen mit den heutigen Ansprüchen der Kinder. Aber mir hat das gereicht, und von diesem minimalen Anspruchsdenken profitiere ich heute noch. Diese kindlichen Erinnerungen bedeuten auch für mich "Heimat". Ob Ost oder West spielte erstmal keine Rolle, weil man das auch garnicht kannte. In der Schule hatte ich dies und jenes nicht mitgemacht, das reichte aus. Erst 1968/9 als dér Rias die Rolling Stones auf dem Dach des Verlages Springer als sogen. ENTE ankündigte, und ich auch dort war und sah wie sie massenhaft Jugendliche verhafteten, erst da bin ich aufgewacht und habe (politisch) aufgepasst. Das prägte dann mein weiteres Leben. Aber meine "Heimat" wird immer dort sein, wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Ich verbinde Heimat auch mit einem Klassentreffen, das ich jetzt 2 x erleben durfte und 2015 in Hohen Neuendorf wieder stattfindet. Darauf freue ich mich ganz besonders, weil (gottseindank) alle so einfach gestrickt geblieben sind, wie ich sie in Erinnerung hatte.

Deshalb bin ich gespannt, wie heute Abend die Gäste bei Maischberger den Titel "Heimat oder Unrechtsstaat" definieren.




Was für eine unsinnige Frage!
Soll sie etwa suggerieren, daß ein Unrechtsstaat keine Heimat sein kann?



Dr_W_Mayer:

Was für eine unsinnige Frage!


Als ich am 13.08.1989 über drei Stunden auf dem berüch- tigten "weißen Strich" am Checkpoint Charlie lag,
wiesen meine Füße nach Westen, der Oberkörper mit Herz und Kopf waren im Osten. Warum?

Natürlich war für die Menschen, die ihre Füße frei in alle Richtungen bewegen wollten, ihre Herkunft HEIMAT. Ein Mensch, der sein Menschenrecht auf freie Bewegung (Ausreise)ausüben wollte, verleugnete doch damit nicht seine Heimat. Sein Herz, sein Kopf blieben immer da, wo seine Wiege stand.

Die Frage, Heimat oder Unrechtsstaat, ist also falsch gestellt. Deutschland war für Millionen Menschen trotz
des sogen. Dritten Reiches und der verübten Verbrechen Heimat. Es geht also nicht darum, ob auch in der DDR geheiratet, geliebt und geboren wurde. Es geht darum, dass neben dem "normalen" und alltäglichen Leben Verbrechen von einem Staat und im Namen eines Staates verübt wurden, der vorgab, der erste Friedensstaat auf deutschem Boden gewesen zu sein, der das Recht "gegen den Faschismus und Krieg" auf seine Fahnen schrieb und selbst roten Faschismus praktizierte und gegen das eigene Volk Krieg führte.

Das gewisse LINKE - die nicht nur auf die Partei gleichen Namens beschränkt sind - dieses Unrecht gerne mit der Frage nach der Heimat und den damit verbundenen
Gefühlen verbinden, hat eher etwas mit Agitprop als mit einer klaren Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu tun. Hier soll HEIMAT missbraucht werden, um das verübte Unrecht zu vernebeln.



WAR DIE DDR HEIMAT ODER UNRECHTSSTAAT?

Thema verfehlt in der ARD-Sendung vom 30. September

Das Thema „War die DDR Heimat oder Unrechtsstaat?“ hätte viel gründlicher diskutiert werden können, wenn die Moderatorin Sandra Maischberger (1966) nicht zehn Minuten verschenkt hätte mit der unsinnigen Diskussion über Dagmar Frederic (1944), die neben der Wachspuppe Erich Honeckers salutiert hatte. Die ehemalige DDR-Unterhaltungsdame führte ein privilegiertes Leben mit Westreisen und sonstigen Zuwendungen, derer der normale DDR-Bürger nicht teilhaftig wurde. Während sie wortreich bestritt, Anhängerin Erich Honeckers gewesen zu sein, klingelte Peter-Michael Diestels (1952) Mobiltelefon, in das die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ eingespeichert war, die unter Honecker wegen der drei Worte „Deutschland, einig Vaterland“ nicht mehr gesungen werden durfte. Das war nun ein besonderer Gag, dass das Telefon mit dieser Melodie klingelte, und das war ganz sicher mit Sandra Maischberger abgesprochen. Erstaunlich war nur, dass Diestel, der immerhin der letzte DDR-Innenminister war, nicht wusste, wann diese Hymne verboten worden war, was kein gutes Licht auf seine DDR-Kenntnisse warf.

Ernst Elitz (1941), der erfahrene TV-Moderator, studierte 1961 in Westberlin, als die Mauer gebaut wurde und durfte seine Mutter in Ostberlin jahrelang nicht mehr besuchen. Er hatte den überzeugenden Durchblick und gute DDR-Kenntnisse und nannte die DDR ohne Hemmungen „Diktatur“ und „Unrechtsstaat“, was Peter-Michael Diestel vehement bestritt. Er bezeichnete sich als „Bürgerrechtler“, der nicht ausgereist, sondern in der DDR geblieben und die Mauer gestürzt hätte. Das müsste man überprüfen! Seine Argumente, warum die DDR kein Unrechtsstaat gewesen sein sollte, waren keine. Was er von sich gab, war wirres Zeug, zur Analyse politischer Zustände war er nicht fähig.

Schon der Titel der Sendung „Heimat“ oder „Unrechtsstaat“ war falsch, denn auch eine Diktatur kann Heimat sein, wenn auch eine verfremdete und feindliche. Dass Dagmar Frederic mit ihren Privilegien gerne dort gelebt hat, ist verständlich.

Die drei Brüder Ingo, Holger und Egbert Bethke, die auf verschiedenen Wegen aus der DDR geflohen waren, brauchten keine Auseinandersetzung darüber, welcher Art Staat die DDR war: Sie wollten dort nicht leben, durften aber den ungeliebten Staat „legal“ nicht verlassen, weil „Republikflucht“ unter Strafe stand. Auch gegen Ellen Thiemanns (1937) Erlebnisse, die über zwei Jahre wegen „Republikflucht“ im Zuchthaus Hoheneck gesessen hatte und 1975 ausreisen durfte, konnte man nicht argumentieren. Peter-Michael Diestel tat es dennoch und machte sich lächerlich, als er konstatierte: „Die Stasi ist keine verbrecherische Organisation!“ Ja, was ist sie dann? Was Ellen Thiemann erlebt hat, wäre kein „typischer Fall“, sondern ein „Einzelfall“. Dann hätte die menschenverachtende Praxis der „Staatssicherheit“ aus Zehntausenden von „Einzelfällen“ bestanden!

Nicht diskutiert wurde, wie sich ein Rechtsstaat von einem Unrechtsstaat, der keine Gewaltenteilung kennt, unterscheidet: Der Bürger ist der Staatsmacht hilflos ausgeliefert. In der DDR waren durch Gesetz alle Freiheiten (Redefreiheit, Informationsfreiheit, Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit, Streikrecht), die Bürgertum und Arbeiterbewegung im 19./20. Jahrhundert erkämpft hatten, abgeschafft. Insofern war die DDR ein reaktionärer Staat!

Dr. Jörg Bernhard Bilke
Coburg, 1. Oktober 2014

©ARD
Egbert, Holger & Ingo Bethke, Dagmar Frederic, Sandra Maischberger (v.l.n.r.)




Dr_W_Mayer

„War die DDR HEIMAT oder UNRECHTSSTAAT?“

Was für eine unsinnige Frage!
Soll sie etwa suggerieren, daß ein Unrechtsstaat keine Heimat sein kann?


Ich finde diese Frage gar nicht schlecht gestellt. Man kann darüber diskutieren. Für mich persönlich, als denkender und fühlender Mensch, konnte und kann die DDR keine Heimat sein.

Ein Staat, der mich zum Hass auf meinen Onkel Hardy Günther, meine Cousins Thomas und Christian Günther aus Stuttgart, meinen Bruder Klaus Günther aus Hamburg, die netten "Kinder" unserer befreundeten Nachbarin aus Aachen, die beste Freundin meiner Mutter aus Heidelberg und auf weitere Verwandte und Bekannte aus dem Westen Deutschlands erziehen wollte. Der meine persönlichen Briefe an interessante Menschen in der Schweiz, den USA und Kanada raubte. Der mir verbot, meine geliebten Bücher zu lesen. Für diesen Staat konnte und kann ich keine heimatlichen Gefühle entwickeln, denn wenn ich Heimat umschreiben soll, dann fallen mir Worte ein wie Geborgenheit, Vertrautheit, Wärme, Sicherheit.

Ich denke, ja - die DDR war ein Unrechtsstaat und nein - die DDR war nicht meine Heimat. Bis heute kann ich immer noch nicht verstehen, dass so viele Menschen - der größte Teil der DDR-Bevölkerung, auch eine Frau Merkel und ein Herr Gauck - in der Diktatur reibungslos funktioniert haben. Vielleicht weil sie ihre "Heimat" nicht verlieren wollten?

Rolf Günther




INHALTLICH ÜBERFORDERT!


Lieber Herr Günther,

vielen Dank für Ihre Wortmeldung.

Ich glaube, daß es in erster Linie um Definitionen geht; insbesondere darum, was ohne jede Befangenheit(!) unter dem Begriff Heimat zu verstehen ist.

Beispielsweise steht bei WIKIPEDIA geschrieben:
„Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen.“

Dieser Definition folgend, kann ich - zumindest auf meine Person bezogen - die genannten Indikatoren klar wiederfinden; selbst dann, wenn sich Mentalität, Charakter und letzten Endes auch die „Weltauffassung“ während der Zeit bzw. des Lebens in der Heimat „DDR“ geändert haben (sollten).
So wie die Eltern ihr geliebtes Sudetenland, aus dem sie nach dem zweiten Weltkrieg bei Nacht und Nebel vertrieben wurden, mögen oder mochten, denke ich, daß auch die untergegangene DDR eine Heimat gewesen ist – nicht bloß geografisch.

Daß die Frage „War die DDR Heimat oder Unrechtsstaat?“ unsinnig ist, weil die Hierarchieebenen der beiden zentralen Begriffe miteinander nicht harmonieren, dürfte die ARD-Redaktion noch vor Ausstrahlung der Sendung kapiert haben. Deshalb formulierte die Moderatorin gleich zu Beginn plötzlich „War die DDR Heimat und Unrechtsstaat?“

Will heißen, man kann Heimat und Fremde miteinander vergleichen oder Rechtsstaat und Unrechtsstaat etc.

Wie auch immer, der Begriff Heimat spielte während der gesamten Sendung de facto keine Rolle. Ähnlich wie unlängst Günther JAUCH mit dem Imam aus der Berliner Al Nur-Moschee erschien auch Sandra MAISCHBERGER während ihrer eigenen Sendung schlecht vorbereitet und inhaltlich völlig überfordert.

Aus der



grüßt sie herzlich

Ihr
Wolfgang Mayer.



Lieber Wolfgang,

folgenden Leserbrief habe ich in Vorbereitung der Podiumsdiskussion geschrieben, an der ich am 27. Oktober in Coburg teilnehme.

LESERBRIEF zu:

Michael Thumser „Macht vor Recht
(FRANKENPOST, 13. Oktober)

In Michael Thumsers bedenkenswertem Kommentar zur Diskussion über den Unrechtsstaat hat mich nur eine Passage gestört. Er schreibt: „Was ist das überhaupt. Ein Unrechtsstaat? Eine befriedigende Definition fehlt. Hingegen liegt fest, was Rechtsstaat, bedeutet.“

Hier wurde einfach nicht weiter gedacht. Selbstverständlich lässt sich der Begriff „Unrechtsstaat“ definieren: Er ist zunächst einmal die Negation des Rechtsstaats. Dessen wichtigstes Kriterium aber ist die Gewaltenteilung, das heißt: Die Staatsgewalt ist auf mehrere Staatsorgane aufgeteilt, auf die legislative (gesetzgebende), auf die judikative (rechtsprechende) und auf die exekutive (ausführende) Gewalt. Dadurch wird der Staatsbürger geschützt und kann sich gegen den Staat zur Wehr setzen.

In einem Unrechtsstaat, wie die DDR einer war, gab es das alles nicht. Dort waren auch alle staatsbürgerlichen Freiheiten, die in der Demokratiebewegung des 19. Jahrhunderts von Bürgertum und Arbeiterklasse erstritten worden waren, abgeschafft: Redefreiheit, Informationsfreiheit, Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit und Streikrecht. Insofern ist die DDR in die Staatsstruktur des 18. Jahrhunderts zurückgefallen, behauptete aber, gegenüber dem „kapitalistischen“ Westdeutschland eine ganze Geschichtsepoche voraus zu sein. Nicht das Parlament, die „Volkskammer“, war die machtausübende Instanz im SED-Staat, sondern das SED-Politbüro, das aus nur wenigen Spitzenfunktionären bestand. Hier wurde der „Schießbefehl“ an der innerdeutschen Grenze beschlossen, der Hunderten fluchtwilliger DDR-Bürger den Tod brachte.

Dr. Jörg Bilke
​Coburg, 14. Oktober 2014


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