FLUCHT und AUSREISE Diskussionsforum
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Thema: Über das Ausgegrenztsein durch Politik ...


Über das Ausgegrenztsein durch Politik aus der Gesellschaft der DDR-Diktatur und die der vereinigten Bundesrepublik Deutschland

Ob in dem von mir wie folgt geschilderten Leben von der Einhaltung des Grundrechts, Artikel 1 Grundgesetz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" gesprochen werden kann, können nur Verantwortliche von Politik und Gerichten beurteilen.

Dieses Leben, mein Leben, wurde vor genau 43 Jahren, also vom 28. August 1974 an zu einem Spielball von Politik und Gerichtsbeschlüssen bis zum heutigen Tag.

Inhaftiert am 28. August 1974 durch das MfS auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld nach einem Urlaubsaufenthalt in der Sowjetunion. Eingeliefert, "zugeführt", in die Keibelstraße Berlin-Mitte, Weitertransport in die UHA Kissingenstraße in Berlin-Pankow, im Juni 1975 Verlegung in die Strafvollzugseinrichtung Hoheneck in Stollberg wegen "Vorbereitung zur Flucht" aus dem Ostteil des geteilten Landes in den Westteil desselben. Ergangenes Urteil: 3 Jahre Haft in der StVE Hoheneck im strengen Vollzug. Vollständiges Verbüßen des Strafmaßes von 3 Jahren bis zum letzten Tag. Im Februar 1975 in der UHA Pankow Antragstellung zur Übersiedlung/Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland und Aberkennung der Staatsbürgerschaft der DDR.

Entlassung gegen meinen Willen in die DDR. Zwangsaufenthalt von 4 Jahren 8 Monaten, fristlose Entlassung als Lehrerin aus dem Schuldienst – Berufsverbot – und Angebot einer Tätigkeit als Reinigungskraft durch das Arbeitsamt in der Schneeglöckchenstraße in Berlin. Im April 1982 Genehmigung der Ausreise/Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland durch die Abteilung Inneres des Stadtbezirks Berlin-Köpenick.

Eingliederung als freie Bürgerin in das Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland mit allen Rechten und Pflichten, auch des Rentensystems. Für Flüchtlinge, Übergesiedelte und Ausgereiste aus der DDR galt bis zum Mauerfall im Oktober 1989 als Rentengesetz das Fremdrentengesetz (FRG). Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde das FRG 1992 eliminiert und die vor Mauerfall übergesiedelten ehemaligen DDR-Bürger, also nun Bundesbürger, mutierten wieder zu DDR-Bürgern, eingegliedert in das für die neuen Bundesbürger geschaffene Rentenüberleitungsgesetz, das RÜG.

Nicht nur ich, viele andere Betroffene ebenso, wurden von der Politik dazu verdammt, ein von ihr verordnetes Leben zu leben. Ich hatte das volle Strafmaß von 3 Jahren verbüßt, war also nicht vorbestraft. Deshalb stelle ich fest:
Allein die Politik in der DDR-Diktatur und die Politik in der Demokratie des wiedervereinigten Deutschland hat mich zu einer lebenslänglich bestraften Person gemacht, indem sie mir die ehemals zugestandene Rente nach den Tabellenwerten des FRG wegnahm und dafür die "Werte" einer DDR-Bürgerin nach dem Sozialversicherungsausweis (SVA) einsetzte, der gar keine Werte (?) enthielt, da ich nicht als Reinigungskraft gearbeitet habe.

Ich habe somit weder "Würde noch Recht" im vereinten Deutschland erfahren. Diese Tatsache wird allein in einer gewissen Form eines "Verursacherprinzips" durch eine "verantwortungslose Politik" verursacht.

Diese Erweiterung meines Lebenslaufes ist gedacht zur Verdeutlichung des "Plusminus"-Beitrages vom 18.1.2017, gesendet von der ARD.

Eva Aust



Liebe Eva Aust
ich danke Ihnen für Ihren Beitrag im Forum, ich danke Ihnen auch, dass Sie die Leser ein Stück weit an Ihrem persönlichen Leben teilhaben lassen.
Auch ich habe ein schlimmes Schicksal erleiden müssen, zwar nur ein Jahr in den Psychofolterknast der Stasi aber es ist egal wie lang man drin war, die Methoden haben alle ihren Zweck erfüllt, natürlich im negativen Sinn.
Ich war die Ehefrau eines Mannes, der eine Flucht plante, von der ich nichts wusste und welche schief ging. Die Folgen waren Sippenhaft und das Schlimmste waren die Erpressungen, das geliebte Kind nie wieder sehen zu dürfen.
Heute ist es schwer zu ertragen, dass man, nachdem man dem Rechtsstaat BRD soviel Vertrauen schenkte, so sehr enttäuscht wird. Ich empfinde den seelischen Schmerz noch extremer, als bei den dumpfen, oft dummen Gehilfen der Stasidiktatur. Vor diesem Hintergrund und mit einer Politik, die sich immer mehr der Diktatur einer DDR nähert, hat man eine lebenslängliche Strafe bekommen und das nur, weil man in einem Rechtsstaat leben wollte. Man wurde schwer enttäuscht.
Ich frage mich, warum sind soviel Frauen, die die Stasiknäste bevölkerten, so still? Wir sollten alle viel mehr auf uns aufmerksam machen, weil wir sind die jenigen, die für mein Dafürhalten doppelt durch die Hölle gegangen sind, weil wir Mütter waren. Wir sind die Ehefrauen, Omas, Mütter, Töchter, Geliebten, die das alles ertragen haben und die jetzt wieder den Kopf hinhalten müssen und zwar politisch gewollt von den Männern und Frauen aus dem derzeitigen Politbüro. Haben die Frauen keine Kraft mehr, weil sie körperlich fertig sind? Haben sie sich damit abgefunden? Wissen sie vielleicht gar nichts über dieses undenkbare,rechtsstaatliche Versagen?
Damit ich nicht verkehrt verstanden werde, Männer und zwar richtige Männer sind unverzichtbar und das auch in jeder Hinsicht und ihnen ist bzgl. Stasihaft nichts geschenkt worden. Was können wir tun? Ich weiß es nicht, alles ist versucht worden. Meine Briefe und Mails an Abgeordnete werden grundsätzlich nicht mehr beantwortet, wahrscheinlich bin ich schon gekennzeichnet oder markiert als Querulantin.
Ich habe mir vorgenommen, dass ich nicht mehr still bin und meine Umgebung aufkläre über die nicht vorhandene heilige Monstranz der sogenannten Rechtsstaatlichkeit. Die ist nicht nur beschädigt durch den Umgang mit uns Betroffenen, nein sie ist durch eine Kanzlerin beschädigt worden, die diese politische Verwahrlosung zu ließ.
Mit herzlichem Gruß an alle Forenleser
K. Bußler



Eva_Aust:


Dieses Leben, mein Leben, wurde vor genau 43 Jahren, also vom 28. August 1974 an zu einem Spielball von Politik und Gerichtsbeschlüssen bis zum heutigen Tag.

Eva Aust


Nicht dass Sie mich falsch verstehen, Frau Aust:

Ich gehe regelmäßig



als Zeitzeuge
an Schulen.

Wenn allerdings nicht Sie das Erlebte darlegen, sondern das Erlebte Sie DARNIEDERLEGT, dann ist das leider so, wie geschildert im Buch בְּרֵאשִׁית (Bereschit) der Thora, welches wir auch das 1. Buch Mose nennen.

Dort steht die Geschichte im 19. Kapitel, dort ab der Verse 15 ff:



Das Bild oben wird tatsächlich heute von der Katholischen Kirche als die Original Frau Lot angepriesen, die da heute noch in Jordanien als Salzsäule rumstünde.



Zuletzt bearbeitet: 30.08.2017 00:16 von BoWa