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Thema: Stimmungslage Ost - Woher kommt das Unbehagen?


Unter dieser Überschrift findet am 23. Januar 2018 in der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße eine Informations- und Diskussionsveranstaltung statt.
Mir persönlich erscheint der Begriff "Unbehagen" zu mild gewählt. Auch ist das angebliche "Unbehagen" nicht nur auf Deutschland Ost beschränkt.

Folgendes kommt mir dabei in Erinnerung:
Vor etwa 5 Jahren hatte ich zur Eröffnung dieser Gedenkstätte in der ehemaligen MfS-Untersuchungshaftanstalt die Gelegenheit stellvertretend für ehemalige politische Häftlinge dieser Anstalt eine kleine Eröffnungsrede zu halten.

Meine Kurzformel über die Ursachen des schmählichen Untergangs der DDR lautete: „Die DDR ist an ihren vielen Lügen erstickt“.

Wenn ich an das heutige Deutschland denke, bekomme ich nun leider auch beängstigende Assoziationen.

Die zusammenbrechende DDR ist damals von der Bundesrepublik aufgefangen worden. Nur wer hilft im Ernstfall der Bundesrepublik Deutschland?

Ich bin gespannt, was die Veranstalter des oben angesprochenen Diskussionsabend für Vorstellungen haben.

gpl



Die Veranstaltung am 23.01. hätte mich interessiert und ich wäre von Frankfurt am Main angereist. Ein Name in
der Liste derer, die oben sitzen, macht mir das aber un-
möglich: Sergej Ljochthofen, einst Journalist für die Seiten 1 und 2 bem SED-Blatt "Das Volk" und nach dem Zu-
sammenbruch seines von ihm als Agitator, Propagandist und
kollektiver Organisator (so die Aufgabe des sozialisti-
schen Journalisten) hochgelobten Arbeiter-und-Bauerpara-
dieses Dauergast beim vom roten WDR veranstalteten "Pres-
seclubs", nun ebenfalls Agitator, Propagandist und kollek-
tiver Organisator, das allerdings nach einer gekonnten
Wende um 180 Grad. Über Ljochthofen gäbe es noch mehr zu
erzählen, aber das Maas ist schon voll.
Und: Schaue ich mir die "Prominentenliste" weiter an,
dann müssen ja in der Erfurter Andreasstraße massenhaft
Sozialistische Intelligenzler eingekerkert gewesen sein.
Wo sind die, die gelitten haben?



Das ist schon eine wahrscheinlich zutreffende Antwort zu der Frage:

"Woher kommt das Unbehagen?"

gpl



Schaumburg:
... ein Name in
der Liste derer, die oben sitzen, ...


Na ja, die anderen Namen sind nicht besser:

Sie stehen (derzeit) dort ... QUELLE

Es sind:

-----------------

Prof. Dr. Heinrich Best,

der
Stellvertretende Direktor des
KomRex - Zentrum für Rechtsextremismusforschung,
Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration.

-------------------

Dr. Juliane Stückrad

(Forschungsschwerpunkt: Ethnologische Perspektiven Interkultureller Kommunikation
)

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Frau Prof. Dr. oec. Gabriele Beibst

Sie hat 1982 eine tolle Doktorarbeit an der sozialistischen Uni Jena geschrieben: Die Vorbereitung und Durchführung von Anlagenexportvorhaben

unter besonderer Berücksichtigung der Gestaltung von Komplettierungsimporten.


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Moderiert wird das alles vom Chef der Landeszentrale für politische Bildung, dem

Theologen Franz Josef Schlichting (oben links im Bild).


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Es ist von keinem der Podiumsgäste zu erwarten, dass er das Unbehagen im Osten auch nur IRGENDWIE in IRGENDEINER Beziehung zum Gefühl sieht, derzeit in einer DDR 4.0 zu erwachen.




Danke für den Nachschlag. Wieder eine Seite mehr im Buch:
"Gut alimentierte aber unnütze Geschwätzeswissenschaft-
ler."



Meine Rezension über:

Schwarzes Eis: Der Lebensroman meines Vaters
von Sergej Lochthofen 2012

"Als Lorenz Lochthofen 1958 nach ca. 27 teilweise schrecklichen Jahren in der Sowjetunion wieder zurück in Deutschland ankommt, wollen die DDR-Grenzer ihn zurück in seinen Geburtsort Dortmund schicken.Er wehrt sich, will er doch in der DDR einen richtigen Sozialismus mit aufbauen helfen.

Dank Ostberliner Genossen darf er doch in der DDR bleiben, wird aber nach Thüringen geschickt, denn so richtig traut man ihm trotzdem nicht.

Im Waggonbauwerk Gotha kann er dann als Werkleiter erste Erfolge an der Produktionsfront erwerben und bekommt die größere Aufgabe, das Sömmerdaer Büromaschinenwerk auf Weltniveau zu bringen.
Mit Einfallsreichtum, auch mit Sto-Gramm-Methode sowie skurilen Transistor-Importen gelingt es ihm.
Aber nur kurzzeitig, denn sein Herz streikt wegen diverser anderer Schwierigkeiten im Jahre 1965. Da ist Lorenz Lochthofen 58 Jahre alt.
Im Dezember 1965 erschießt sich dann Erich Apel, der Wirtschaftsexperte der DDR und ebenso wie Lorenz Lochthofen Mitglied des Zentralkomitees der SED aus Protest gegen die sowjetisch dominierte DDR-Wirtschaftspolitik.
Lorenz Lochthofen lebte danach noch 24 Jahre und stirbt erst im November 1989.
Wenn er bei einigermaßen wachem Verstand geblieben war,
müssen für den überzeugten Kommunisten diese 24 Jahre des Niedergangs der DDR auch eine grausame Zeit gewesen sein.
Darüber schweigt der Sohn aber - schade!"

2014 erscheint vom Sohn der Roman "Grau: Eine Lebensgeschichte aus einem untergegangenen Land"

In ihr steht am Lebensende die Antwort des Vaters: "Die Arbeitsproduktivität entscheidet, hat schon Lenin gesagt. Danach haben wir verloren."

Mein Nachtrag:
Über die verheerenden Wirkungen Jahrzehnte langer Lügen kein Wort.
Leider wieder nur - schade!

Gerd-Peter Leube

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