FLUCHT und AUSREISE Diskussionsforum
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Thema: Worte und Wirkung


Worte können trösten, freundlich sein, aber auch verharmlosen, beleidigen und sogar tödlich werden. Betrachten wir die gegenwärtige Wahl der Wörter in Berichten, Zeitungsartikeln und beim eigenen Sprachgebrauch, da fällt auf, dass es oft schwer fällt, die richtige und die den Tatsachen gerechte Bezeichnung zu finden.

Am Anfang war das Wort, schreibt die Bibel, aber mit jedem Wort verbindet sich eine bestimmte Vorstellung. Welches Bild hat jemand vor Augen, wenn von einem "DDR-Übersiedler" die Rede ist? Oder "von Wohnsitz genommen", wie in den Gesetzen formuliert? Was oder wer ist ein Flüchtling?

Ich erinnere mich an eine Abgeordnete, die, als es um das FRG-Rentenproblem ging, mehr oder weniger genervt sagte: "Ach ja, die Flüchtlinge." Es handelte sich also um etwas Lästiges, das man lieber loswerden würde. Merkels Aussage "Wir schaffen das" gab es seinerzeit noch nicht. Obwohl, man hätte das vermeintliche Problemfeld, betreffend die DDR-Flüchtlinge, ebenso bis in die Gegenwart hinein positiv besetzen können, doch das Gegenteil war und ist der Fall. Das Wort "Flüchtlinge" hat, schaut man auf die Politik, demnach zwei gegensätzliche Bedeutungen.

Da wir ganz offensichtlich in den politisch gewollten Negativbereich fallen, wird es notwendig, bestimmte Worte abzulehnen und andere zu finden, die der Wahrheit näher stehen. Das Bild vom Flüchtling, beziehungsweise das Wort selbst, ist für uns unbrauchbar geworden. Ich persönlich werde es nicht mehr benutzen.

Klarheit in der Ausdrucksweise und differenzierter Umgang mit der Sache an sich verlangen, dass Begriffe wie "DDR-Übersiedler" oder "DDR-Altübersiedler" neu zu durchdenken und auszutauschen sind. Abgesehen davon, dass sich mit diesen ein DDR-Sprech etabliert hat, indem man den Antragsteller auf Entlassung aus der DDR-Staatsbürgerschaft als Übersiedlungsersuchenden bezeichnete, geben die Worte ein völlig falsches Bild ab.

Da ist also jemand, der seine Koffer packt, übersiedelt und irgendwo seinen Wohnsitz nimmt. Harmlos, ganz einfach, eben mal so und ohne jegliches Problem. Grad so, wie es die DDR-Diktatur dargestellt haben wollte. Und das hat sich bis heute gehalten, diese Vorstellung vom Übersiedler ist in den Köpfen verankert und das Drumherum wird vergessen.

Wer meine Beiträge hier in diesem Forum gelesen hat, der/die wird wissen, dass ich in den letzten Jahren immer ein "sogen." vor das "Übersiedler" gesetzt habe. Heute nun lehne ich gänzlich ab, als Übersiedler benannt zu werden, weil das abseits der Wahrheit ist. Denn für Übersiedler, solche die "nur" umgezogen sind, gibt es keine staatsbürgerschaftsrechtlichen Verwaltungsverfahren. Bei der Entlassung aus der DDR-Staatsbürgerschaft und dem bundesrepublikanischen Aufnahmeverfahren jedoch sehr wohl.

Betreffs Rente wurden und werden die Bundestagsprotokolle von Anfang der 90er Jahre nach dem Wort "Übersiedler" durchsucht. Wer ist damit gemeint? Wir? Zum Fremdrentengesetz bzw. konkret zu Entgeltpunkten nach Werten 1-16 gemäß dem FRG, dem wir aufgrund anderer Gesetze unterfielen, findet man mehr. Ist es dann nicht so, dass man aufgrund des "falschen" Begriffes an der falschen Stelle sucht?

Ein Problem ist nach meiner Überzeugung ebenfalls das Wort "Opfer". Die Betroffenen werden herabgewürdigt und klein gemacht, womit sie etwas Schwaches darstellen. Zumeist handelt es sich allerdings um ziemlich starke Charaktere, die den Begriff "Opfer" nicht verdienen und auch nicht annehmen sollten. Es sind, mich eingeschlossen, definitiv Verfolgte des DDR-Regimes, welchem sie sich entzogen haben und das wiederum ist eher Stärke denn Schwäche.

Wir, Eure Erlaubnis zu solcher Einbeziehung vorausgesetzt, können und sollten nunmehr dazu beitragen, dass die Begriffe den Tatsachen entsprechen!





Liebe Christa,
ich muss Dir bzgl. Deines Kommentars absolut recht geben, denn die Begriffe können positiv, wie auch negativ besetzt sein. Bei den Menschen, die die DDR verließen mit Inkaufnahme der Vernichtung ihrer Existenz, auch ihrer leiblichen, wird mit verharmlosenden oder negativ besetzten Begriffen gearbeitet, so als wäre dieser Entschluss ein Spaziergang gewesen.

Was die Bibel und die beiden Kirchen Deutschlands und deren Wort betrifft, bin ich als ehemaliger Christ, der ich im Herzen immer noch bin, erschüttert und die massenhaften Kirchenaustritte sprechen eine eigene Sprache.

Als ich nach ein paar Jahren erkannt habe, dass nach der Wiedervereinigung die linken Kräfte der DDR die Bundesrepublik unterwandert und sie die Deutungshoheit der Begriffe übernommen haben, spreche ich nicht mehr von Opfern, sondern von Betroffenen des DDR- Unrechtsregimes.
Ich lasse mich von denen auch nicht als Opfer bezeichnen, denn das wäre ja eine mutwillige Verzwergung meiner Persönlichkeit. Ich bin ein politischer Häftling und das gefällt denen da oben überhaupt nicht, weil es solche Menschen in einem hypermoralischen und ideologisierten Staat nicht geben darf.
Die Verharmlosung des erlittenen Unrechts und das Negieren unserer sozialen und juristischen Forderungen, die gesetzlich verankert sind, zwar ungenügend aber doch vorhanden, haben Methode.
Würde dieses an uns begangene Unrecht ehrlich und wahrhaftig anerkannt und auch aufgearbeitet, müsste man sich auch zum Unrecht an uns bekennen. Floskeln werden zu bestimmten Anlässen abgesondert aber sonst ist in dieser Bundesrepublik kaum ein Wille erkennbar, dass an uns begangene Unrecht zu beseitigen. Diese rechtsstaatliche Bundesrepublik hat sich in einer Metamorphose wieder zu einem sozialistischen Staat (Diktatur) entwickelt und die Menschen, die das schon lange sehen, werden als Dunkeldeutsche, Nazis und Pack usw. verunglimpft.
Gerade jetzt im Alter müssen viele von uns jeden Cent umdrehen. Statt für Ihre Courage und Widerständigkeit Anerkennung zu erhalten, müssen wir uns wie Bettler behandeln lassen.
Das Verstümmeln der Begriffe und die Phrasenhaftigkeit der Reden im Politikbetrieb ist unter anderem ein Markenkern einer Diktatur.
Die Linke Denke kennt kein Unrecht, denn die Partei hat immer recht und steht über allen Dingen und dient immer einer „guten“ Sache, egal wieviel Menschen auf der Strecke.





Liebe Christa , wenn wir ehrlich sind dann müssen viele von uns ( leider auch ich )bedauerlicher Weise zugeben , dass wir selbst oft aus purer Gedankenlosigkeit dieses irreführende Vokabular gebrauchen .Wir sollten hier schnellstens umdenken und uns nicht selbst herabwürdigen .