eLeW, ein Land eine Welt - Forum 1 und FAQ
Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Freiheit durch Vollbeschäftigung


hallo schreibt vorgestern zur Diskussion der Vollbeschäftigung:
hallo huscholz, mir wurde die elew als BGE-Partei genannt. Was du hier über Vollbeschäftigung sagst, haut mit dem BGE nicht hin. Prüfe dich mal anhand der Thesen von Freiheit statt Vollbeschäftigung: http://freiheitstattvollbeschaeftigung.de/


Hier mal eine private Meinung zu den Thesen auf der angegebenen Seite.

Vorab: Freiheit statt Vollbeschäftigung spielt als Überschrift mit einem konstruierten Gegensatz: Entweder Freiheit oder Arbeit. Das könnte eine Manipulation oder eine Freudsche Fehlleistung sein. Unterschwellig steckt in dieser Konstruktion, dass Arbeit versklavt und Befreiung von Arbeit entsklavt. Dann wäre Freiheit von (Voll)Beschäftigung gemeint. Nun gibt es nicht nur Freiheit von sondern auch Freiheit für, und im Zusammenhang mit Arbeit ist dann Freiheit per Definition von Arbeit auch die Freiheit für Arbeit. Zu finden beim Schwarzarbeiter, der Hartz IV mitnimmt. Weil mir Freiheit und Vollbeschäftigung zwei unabhängige Werte sind, stelle ich sie nebeneinander mit "Freiheit durch Vollbeschäftigung". Hier die Thesen:

1. Arbeitsleistung zur Grundlage der Teilhabe am Wohlstand zu machen, ist gerecht, solange Wohlstand überwiegend durch menschliche Arbeitskraft erzeugt wird. Heute aber wird menschliche Arbeitskraft mehr und mehr durch "Maschinen" (Automaten, Computersoftware) ersetzt.
Halten wir dennoch an der ausschließlichen Verteilung von Einkommen über Arbeitsleistung fest, führt das entweder zu steigender Arbeitslosigkeit oder zu sinkenden Einkommen.
Zu 1. Wieder eine konstruierte Verknüpfung. Die gewaltige Produktionssteigerung durch Rationalisierung hat nicht zur Steigerung des Wohlstandes beigetragen. Ein US-Amerikaner mit mittlerem Einkommen in 1965 hat seinen Standard mit 45 Stunden in der Woche erzielt. in 2005 benötigt er für den relativ gleichen Stand theoretisch 130 Stunden pro Woche in bis zu 3 Jobs. Niemand hält an der Verteilung von Einkommen über Arbeitsleistung fest.

2. Der Wohlstand unseres Landes ist der Wohlstand aller Bürger. Er geht auf die Leistungen aller Bürger zurück, auch auf die Leistungen vorangehender Generationen.
Deshalb gebietet es die Gerechtigkeit, alle Bürger an diesem Wohlstand zu beteiligen.
Zu 2. Wunderschön, aber nichts zum Thema Vollbeschäftigung.

3. Unser Wohlstand ist das Ergebnis erfolgreicher Innovationen. Innovationen steigern die Produktivität und befördern die Wertschöpfung: Sie ermöglichen es, Arbeitsabläufe zu automatisieren und menschliche Arbeitskraft einzusparen.
Arbeitslosigkeit ist kein Zeichen von Armut, sondern ein Ausdruck der Produktivität und des Vermögens unseres Landes.
Zu 3. Rationalisierung ist prima und sei es nur, dass Arbeiter gesund in Rente gehen können, ohne verbogenen Rücken. Sie ist aber auch gut, um menschliche Arbeitskraft einzusparen - für bessere Arbeit. Genie ist Fleiß und ohne Fleiß kein Preis. Bessere Arbeit macht uns genialer und wo das mit dem Genie hoffnungslos ist, gibt es immer noch Arbeit, die zu tun ist. Mein selbst gemachter Spruch lautet: Nichts ist perfekt und solange nichts perfekt ist, haben wir alle genug zu tun.
Arbeitslosigkeit ist nicht Ausdruck von Produktivität und Vermögen sondern von Unfähigkeit, notwendige Arbeit bezahlbar zu machen.

4. Verzicht auf Innovationen ist Verzicht auf Wohlstand und damit auf Freiheit von unnötiger Arbeit.
Freiheit der Bürger ist auch Freiheit von unnötiger Arbeit, die durch programmierbare Automaten verrichtet werden kann.
Zu 4. Verzicht auf Maschinen, wer will das denn? Wer will denn den Zustand von 1850, dass 80 Arbeiter auf dem Land 1 Städter ernähren, wo heute 1 Bauer das für 80 Städter schafft. Welch ein Unsinn. Gibt es aus irgendeinem Grund keine Landmaschinen, gibt es auch keine Freiheit, die Städter müssen zum Kartoffelklauben. Freiheit von unnötiger Arbeit gibt es, wenn es Freiheit für nötige Arbeit gibt.

5. Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger zur Arbeit zu zwingen, mißtraut ihrer Gemeinwohlbindung und schränkt die bürgerlichen Freiheiten ein.
Zu 5. Vollbeschäftigung schafft Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger ab. Übrig bleiben Rentenempfänger. Bürgerliche Freiheiten sind heutzutage aufgegangen in den Menschenrechten. Nichts sollte diese einschränken. Dort steht auch etwas zum Recht auf Arbeit. Arbeitslosigkeit ist nicht durch die Menschenrechte gedeckt.

6. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung hat zur Folge, daß Arbeitslose und Arbeitnehmer für die wirtschaftliche Produktivität unseres Landes bestraft werden.
Sie werden gezwungen, ihre Arbeitskraft zu sinkenden Löhnen und Gehältern bei reduzierter sozialer Absicherung zu verkaufen, obwohl ihre Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird.
zu 6. Das baut auf den wackligen Thesen zuvor auf und kracht jetzt zusammen. Die Trümmer lauten: Vollbeschäftigung ist das Festhalten an unnötiger Arbeit. Unnötige Arbeit erzeugt sinkende Löhne und reduzierte Absicherung. Kehren wir zusammen: Dank Deregulierung und Abhängigkeit der Politik von Banken und Investoren wurden die Löhne der selbst allernötigsten Arbeit gesenkt und diese gleichzeitig immer weniger Schultern aufgebürdet. Z.B. Die Wartezeit um Recht zu erhalten, wurde durch Streichung der Richterstellen unzulässig verlängert, um Lehrer zu sparen wurden deren Wochenstunden und die Klassenfrequenzen erhöht.

7. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung hat zur Folge, daß Bürger - ohne Not - dauerhaft zu Tätigkeiten gezwungen werden, die automatisierbar sind. Automatisierbare Arbeit ist ersetzbare Arbeit; ersetzbare Arbeit kann nicht sinnstiftend sein.
Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung geht somit für eine steigende Anzahl von Bürgern mit dem Verlust beruflicher Sinnstiftung einher.
Zu 7. Das Festhalten am Unsinn ist übel. Ich verzichte aufs Wiederholen.

8. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung zieht eine Verschwendung von Lebenszeit der Bürger nach sich, weil sie an geisttötende, unwürdige Arbeiten gebunden werden. Die Zeit wird sinnlos "abgesessen" und kann nicht für sinnvolle Tätigkeiten genutzt werden; die Würde des Menschen wird mißachtet.
Zu 8. Das Festhalten am Kartoffelklauben zeigt, dass seit These 4 nichts mehr eingefallen ist.

(Wegen Erreichens der max. Länge folgt Fortsetzung)


Zuletzt bearbeitet: 26.02.09 17:45 von Administrator


Fortsetzung und Schluß, Danke fürs Weiterlesen.

9. Wenn Würde und Integrität von Menschen nicht mehr die oberste Richtschnur politischer Entscheidung sind, wird das politische Gemeinwesen in seinen Grundfesten erschüttert.
Zu 9. Wollen wir hoffen, dass Würde und Integrität von Menschen irgendwann wenigstens eine mittlere Richtschnur politischer Entscheidungen wird.

Zum Schluss. Mir wird von mir selber übel. Dieses Besserwissen und Angreifen, Runterzerren ist sowas von verbreitet in deutschen Foren, dass ich da eigentlich nicht mitmachen will. Sollten meine Einlassungen dazu führen, dass die Thesen verbessert werden, dann geschieht, was ich immer erreichen möchte, etwas wird besser.

Vollbeschäftigung erlaubt genauso wie das BGE, dass jemand freiwillig eine Beschäftigung aufgibt, um einen neuen oder auch besseren Arbeitsplatz zu finden. Anders als das BGE verhindert aber Vollbeschäftigung, dass nötige Arbeit außer bei fehlenden Arbeitskräften unerledigt liegen bleibt.

Freiheit von jeder Arbeit heißt für mich Rente. Freiheit durch Vollbeschäftigung nenne ich die Überschrift, weil Wohlstand einhergeht mit dem Erledigen aller notwendigen Arbeit. Wieviel notwendige Arbeit vorhanden ist, ist exemplarisch am Ausufern des Ehrenamtes zu sehen, wo inzwischen freiwillig der Trend wie beim Zweit- und Drittjob auch schon zum Dritt-Ehrenamt geht. Wovon 1. bis 9. und meine Zu 1. bis 9. gemeinsam handeln, ist verkehrte Politik.


Zuletzt bearbeitet: 26.02.09 15:08 von Administrator


Freiheit durch Wohlstand, Wohlstand durch Vollbeschäftigung

Bei 1. schrieb ich: "Die gewaltige Produktionssteigerung durch Rationalisierung hat nicht zur Steigerung des Wohlstandes beigetragen." Hat sie aber im Allgemeinen doch. Nur wurde dieser Wohlstand nicht gerecht verteilt. Hätte auch kommentieren können, Arbeitsleistung war nie Grundlage zur Teilhabe am Wohlstand. (15-jährige auf die Frage nach dem Berufswunsch: Zuhälter mit Ferrari).

Freiheit durch Vollbeschäftigung habe ich auch nicht genug untermauert. Hier ein Nachtrag:
  • Bei der Jagd nach Wachstum wurde längst eine Grenze erreicht. Wenn alle alles haben, braucht keiner mehr was.
Zur Zeit wird auffällig, dass die Autobauer Absatzprobleme haben. Das muss aber so sein, weil alle, die sich Autos leisten können, im Schnitt pro Familie schon mehr als ein Auto haben. Alle Autoproduktion könnte für lange Zeit sofort eingestellt werden und der Bedarf an Autos per Erhaltungsreparatur, Lagerabbau und Aufbrauchen der Halden von Gebrauchten gedeckt werden. Konsequent, wenn ein Kaufanreiz für Autos gegeben wird, den mit der Verschrottung eines anderen zu verknüpfen. Sinnlos jedoch, weil ohnehin fälliger Ersatz nur subventioniert wird und kein Wachstum angeschoben. Geht bei Autos ja auch nicht, außer vielleicht bösartig mit mehr Rost oder Einbau von MS Windows und auch das wäre wiederum begrenzt.
  • Sinnvoll ist, bei gesättigten Märkten wie bei der Autoproduktion sich auf Ersatz und Weiterentwicklung einzustellen und gleichzeitig neue Arbeitsplätze in neuen oder erweiterten Märkten einzurichten.
Bei Farbfernsehern gab es auch die Sättigung und nur noch Ersatzverkauf. Jetzt ist deren Zeit ganz vorbei, außer beim Discounter für 120 Euro und Flachbildschirme decken den Ersatzbedarf. Das wird demnächst auf den Ersatz des Ersatzes zurückgehen. Flachbildschirme werden importiert, da hat nur der Handel einen Gewinn. Handel bricht aber durch Diektverkauf auch weg. Auch hier sind neue Jobs in neuen oder erweiterten Märkten notwendig.
  • Neue Märkte sind nur der Forschung zu verdanken, vielleicht noch der Mode.
Dass die Konzerne da zu wenig unternehmen, ist der Hoffnungslosigkeit geschuldet. Geld, dass Anlage sucht oder zusätzliches ist vorhanden, sonst könnte den Banken nicht mit Milliarden geholfen und neue Staatsanleihen verkauft werden. Aber was nutzt es, mit einem Null-Prozent-Kredit für 10 Millionen eine Fabrik zu bauen, wenn es kein zu verkaufendes Produkt gibt und die leere Fabrik nach Fertigstellung nur für 5 Millionen verkauft werden kann?
  • Erweiterte Märkte gibt es, wenn neue Kunden mit zusätzlichem Bedarf gewonnen werden.
Das Gegenteil geschieht, wenn ein Volk zu Couch-Potatoes wird. Es geschieht, wenn z.B. durch gehobene Bildung Ansprüche geweckt würden. Das Gegenteil geschieht, wenn z.B. Krankenhausbetten abgebaut werden. Es geschieht, wenn Klassenstärken in Schulen auf 30% von jetzt verringert werden.
  • Findet der Markt keine Kraft neue und erweiterte Märkte zu schaffen, ist das Volk gefordert (Volksvertreter), da müssen Subventionen hingehen und nicht in überholte Märkte.
Forschung und Bildung sind die Schlüssel für Marktentwicklung. Prima, dass jetzt der Beweis erbracht ist, dass Milliarden aus dem Nichts zur Verfügung stehen. Märkte sind aber sinnlos, wenn es keine Abnehmer gibt.
  • Abnehmerförderung ist Kaufkraftsteigerung durch Lohnerhöhung, Lohnerhöhung jedoch ist Leistung und erfordert Gegenleistung.
Um den Markt so groß wie möglich zu halten, ist Vollbeschäftigung ein Ziel, Bedarf und Kaufkraft sind damit verknüpft. Schon teilweises Abweichen von Vollbeschäftigung ist Verlust an Markt und weniger an Wohlstand. Weniger an Wohlstand ist weniger Fähigkeit, tun und lassen zu können, was angebracht ist oder besonders gefällt. Das bedeutet weniger Freiheit.
  • Freiheit erhöht sich mit dem Wohlstand, Wohlstand ergibt sich bei Vollbeschäftigung.




WebMart Homepage Tools: Eigenes Forum kostenlos starten