Forum des Haras de la Nied
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Thema: Adventskalender


Ich auch... kann mich sogar noch daran erinnern als ich die Geschichte vorgelesen bekam! Denn damals fand ich vor allem die Bilder toll!



Hab ich ja auch für dich geschrieben und gemalt

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"Es ist egal, nach welcher Reitlehre man nicht reiten kann" (Bent Branderup)

Schulterherein ist das Aspirin der Reiterei - es heilt alles. N. Oliveiro

Be still heart, hold peace (SRD)




7. Dezember
Gestern dachte ich darüber nach, wie gut es wäre, wenn alle Menschen die Reitsprache kennen würden. Ich weiss, wie schwer das ist, habe ich mich doch selbst durch eine schwere Schulzeit plagen müssen. Es muss ja nicht jeder perfekt sein: Mir würde es schon langen, wenn die Reiter alle die Grundbegriffe kennen würden und guten Willen zeigten. Meine Menschen haben sich ganz schön anstrengen müssen mir die Reitsprache beizubringen, sie hatten aber viel Geduld.
Zuerst lernte ich auf Kommando stehen und verschieden schnell zu laufen. Dann bekam ich eine leichte Trense ins Maul uns sollte im Kreis laufen, was ich blödsinnig fand. Als ich dann auch noch einen Sattel auf den rücken bekam, verlor ich die Lust am Lernen und warf mich hin. Leider nutzte das nichts, das Ding ging nicht ab. Nach etlichen Bocksprüngen gab ich als die Klügere nach und wehrte mich auch nicht mehr, wenn der Bauchgurt fest gezogen wurde.

Mit dieser Ausrüstung versehen durfte ich häufiger die Ausritte der Menschen mit Perla und Snorri begleiten. Ich lernte überall hin zu gehen, selbst wenn das ein tiefer Bach war.
Perla und Snorri liefen nicht nur dorthin, wo die Menschen hin wollten, sondern auch so schnell wie sie sollten. Zudem gingen sie auf Kommando verschiedene Gangarten.
Zuerst latschte ich nur einfach so im Trab mit, aber wenn die Beiden auf festem Boden lostölteten, riss mich der Rhythmus einfach mit. Ich wurde dafür sehr gelobt und achtete in Zukunft besser auf die Zurufe der Reiter und den Takt der acht Hufe neben mir.
Nur im Galopp war es schwierig, da ich immer schneller wollte, als Snorri laufen konnte,
Einmal sauste ich so schnell los, dass Herrchen, der mich als Handpferd neben seinem Snorri führte, vom Pferd fiel. Als de beiden Menschen Snorri und mich wieder eingefangen hatten, wurde ich dafür mal wieder sehr ausgeschimpft.


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"Es ist egal, nach welcher Reitlehre man nicht reiten kann" (Bent Branderup)

Schulterherein ist das Aspirin der Reiterei - es heilt alles. N. Oliveiro

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Ich weiß!



8. Dezember

Als ich die Kommandos schon ganz gut kannte und alt genug war, setzte sich Frauchen das erstemal auf mich. Ich war ganz verdattert und wusste nicht, was ich tun sollte. Also blieb ich einfach stehen. Doch als Herrchen mit Snorri und Perla wegritt und ich das vertraute Kommando zum Vorwärtsgehen hörte, beeilte ich mich nachzukommen.
Es war ziemlich anstrengend für mich. Weniger, weil mir das Gewicht zu schwer gewesen wäre, aber ich hatte richtige Probleme mit meinem Gleichgewicht. Bergab wurde ich geführt, sonst wäre ich wohl doch noch umgefallen. Nach dem Ritt gab es eine Extraportion Möhren, weil ich so brav gewesen war.
Nachdem ich dann aber mich und meine Reiterin mit der Zeit immer besser ausbalancieren konnte, wurde ich manchmal übermütig und buckelte auch schon mal. Zudem versuchte ich immer Snorri im Galopp zu überholen.

Nach einiger Zeit hatte ich durch das Laufen so viele Muskeln bekommen, dass ich mich auch hangabwärts auf mein Hinterteil setzen und so das ganze Gewicht besser tragen konnte. Ich probierte es auch beim Laufen auf der geraden Strecke und es klappte wirklich. Frauchen wirkte viel leichter und ich konnte so auch besser tölten.
Wenn ich mich ganz viel anstrengte und mein Hinterteil ganz weit unter den Bauch zog, konnte ich sogar auf den Hinterbeinen stehen und mit den Vorderbeinen in der Luft herum fuchteln. Ich fand es toll, aber die Menschen nicht. Also liess ich es wieder sein.
Wir übten ganz viel Reiten und als die kalte Jahreszeit kam, war ich so gut wie Snorri – na ja, fast so gut zumindest.



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"Es ist egal, nach welcher Reitlehre man nicht reiten kann" (Bent Branderup)

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9.Dezember

Heute Nacht fing es an zu schneien. Jetzt ist der Boden schon so hoch bedeckt, dass ich bis zu den Fesseln im Schnee stehe. Blesi scharrt sich immer wieder einen schneefreien Platz, um ans Gras zu kommen. Doch innerhalb kurzer Zeit ist alles wieder zu. Dabei verbraucht Blesi mehr Energie, als er bei dem alten Gras fressen kann. Drottning und Hetja haben einen Temperamentsausbruch, sie toben über die Koppel, dass der Schnee nur so stiebt.
Ich würde auch gerne, aber ich habe noch meine normalen Hufeisen an und da klumpt der Schnee so dran fest.
Im Winter tragen wir extra Hufeisen wegen dem Schnee und Eis. Aber wenn es sehr glatt ist, bleiben wir alle zuhause.
Perla und Valur haben sowieso keine Hufeisen mehr an, sie gehen auf den Ausritten ja auch kaum mit. Auch Blesi begleitet uns nur an den Wochenenden, wenn sein Besitzer kommt.
Herrchens erster Isländer war Valur, der damals schon seine Sturm- und Drangzeit hinter sich hatte und damals schon so faul war wie jetzt. Dann kam Perla als Reitpferd für Frauchen, und das für eine lange Zeit. Herrchen nahm, in der Hoffnung, auf einen schnellen Tölter, Snorri zu sich. Na ja, tölten kann Snorri ja, aber schnell? Und Frauchen wollte einen Isländer mit fünf Gängen (das bin ich), ansonsten wäre Perla noch fit genug gewesen.
Die beiden Teenies sind der Nachwuchs für später. Vielleicht wird Hetja uns auch wieder verlassen, da sie bloss als Spielkamerad für Drottning herkam. Und die Aufgabe hat sie erfüllt – was ja auch nicht schwierig.
Ich persönlich würde Hetja keine Träne nachweinen, mein Geschmack ist sie nicht. Viel zu verfressen und hochnäsig auf ihren Papa, der aus Island kommt. Als ob nicht alle Isländer letztendlich von Original-Isländern abstammen würden. Ausserdem, wer sagt denn, dass die was Besseres sind als wir?



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"Es ist egal, nach welcher Reitlehre man nicht reiten kann" (Bent Branderup)

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10. Dezember

Gestern bekamen wir unsere Winterhufeisen und dann sind unsere Menschen noch mit uns fortgeritten Meist haben sie im Winter abends keine Lust, vielleicht sehen Menschen nichts im Dunkeln.
Wir ritten in der Dämmerung los. Nicht links in den Wald hinein, wo hinten die tolle Galoppstrecke kommt, sondern über den Feldweg. Da geht es häufig am Wochenende lang, wenn sich unsere Menschen mit anderen Reitern aus dem Nachbardorf treffen.
Es war ganz hell durch de Schnee und auch ziemlich kalt. Bei jedem Schritt knirschte es. Wir ritten langsam, viel Schritt und nur ein bisschen Tölt.
Die Menschen waren ganz still.
Am Waldrand sahen wir Rehe, die sich an der Futterstelle zum Abendessen eingefunden hatten. Wir konnten ganz dicht daran vorbei reiten, ohne dass die Rehe wegliefen. Überall im Schnee waren Spuren von anderen Waldtieren. Für die ist der Winter bestimmt nicht schön, wenn das ganze Futter gefroren ist. Da haben wir es doch gut.
Oberhalb der Stadt hielten wir auf einem Hügel an- Herrchen sagt zwar, dass wäre nur ein kleines Städtchen, aber mir gefällt es da nicht. Da wo jetzt ein grosser Baum mit vielen Lichtern dran steht, stand ich mal mit Snorri einen ganzen Nachmittag. Wir warteten auf unsere Menschen, die in einem grossen Haus verschwunden waren. Als sie endlich kamen, waren sie furchtbar albern. Seitdem waren wir nicht mehr in der Stadt.
Die Menschen waren abgesessen, während sie zur Stadt schauten. Jetzt stiegen sie wieder auf und wir ritten zurück. Snorri trat in eine Schneewehe und fiel auf die Nase. Er hatte sich nicht weh getan, aber so dämlich geguckt, dass ich grinsen musste. Frauchen lachte auch, nur Herrchen nicht. Der sass Snorri nämlich auf dem Hals und bemühte sich, wieder in den Sattel zu kommen.


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11. Dezember

Ich habe nicht nur die Sprache des Reitens von den Menschen gelernt, sondern auch die des Fahrens. Dies war nicht so schwierig, da sich viele Ausdrücke gleichen. Nur die Technik unterscheidet sich. So muss ich zwar kein Gewicht tragen, aber manchmal ganz schön ziehen, bis sich der Wagen in Bewegung setzt. Dann geht´s leichter.
Die Menschen sind auch weiter weg von mir, so kann ich ihre Gedanken nicht mehr so gut lesen.
Am liebsten trabe ich gemütlich vor der Kutsche, einem kleinen Viersitzer mit Gummireifen. Die Kurven haben mir anfangs etwas Schwierigkeiten gemacht, da ich mich gegen die Deichsel stemmen und diese wegdrücken musste.

Einmal bin ich auch in den Graben gefallen. Das war, als ein riesengrosser LKW ganz dicht an mir vorbei donnerte. Ich vergass vor Schreck meine ganze Erziehung und machte einen Satz zur Seite. Dabei geriet ich in den Graben, der Wagen auch. Wir wackelten ein bisschen und dann fiel ich samt der Kutsche um. Herrchen war ganz bleich.
Zuerst dachte ich, er würde mit mir so furchtbar schimpfen, aber anscheinend hatte er sich über den LKW-Fahrer ausgelassen. Ich wurde aus dem Gestrüpp rausgepellt. Herrchen atmete erleichtert auf, als ich wieder auf vier Beinen stand.
Die Kutsche hatte einige Schönheitsfehler abbekommen. Dann kam die Polizei und wollte alles wissen, vor allem die Kennzeichen des LKWs. Als ob wir dafür Zeit gehabt hätten. Natürlich wurde der Fahrer nicht gefunden, vielleicht hatte er nicht einmal gemerkt, was er da mit seiner Raserei angestellt hatte.
Am nächsten Tag waren Herrchen und ich mit der ramponierten Kutsche in der Zeitung. Ich sah allerdings auch nicht viel besser als die Kutsche aus.


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12. Dezember

Frauchen und ich trainierten ganz schön viel mit der Reiterei. Sie meinte, sie wolle mich auf einer Prüfung vorstellen. Darauf hätte ich auch verzichten können, aber da Frauchen so viel daran lag, strengte ich mich auch an. Wir ritten seltener die üblichen Wege, dafür viel mehr bergauf und bergab, so dass ich Mordsmuskeln bekam. Dann ging es über längere Strecken immer in einer Gangart und das ganz schön flott.

Damit ich das alles auch gut packte, bekam ich jeden Tag eine Extraration Hafer. Ich wurde schlank, stark und flink wie ein Wiesel. Damit ich auch noch eine wohlerzogenere Haltung beim Reiten bekam, musste ich regelmässig in die Reithalle, Gymnastik machen.

Beim ersten Mal wurde ich von manchen Reitern ganz schön ausgelacht, was so ein Zwerg denn mit Dressur wolle. Und ob Frauchen nicht schämen würde, ein so kleines Pferd zu reiten: Als ich dann den Kopf warf und im vollen Tölt losstob, guckten sie völlig verdutzt und überlegten, was das denn für eine Unart sei. Frauchen hielt an und erklärte denen die Gangarten der Isländer. Dann kam der Reitlehrer dazu und fragte, ob er mich mal probieren dürfe. Frauchen schoss mir einen warnenden Blick zu, damit ich mich auch benehmen würde. Natürlich tat ich das, ich weis doch was sich gehört- Ausserdem war der Reitlehrer auch zu gut um von mir ausgetrickst zu werden. Wir tölteten ein bisschen und ich merkte, dass er Spass an der Sache hatte. Dann ging ich noch einen flotten Pass, keinen Rennpass, aber schnell genug um den Reiter und die erstaunten Zuschauer Respekt zu lehren Von da an wurden Frauchen und ich auch nicht mehr ausgelacht.


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"Es ist egal, nach welcher Reitlehre man nicht reiten kann" (Bent Branderup)

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13. Dezember

Dann war der grosse Tag da, für den ich so lange trainiert hatte. Ich wurde wieder in den rollenden Stall gebracht und schaukelte lange vor mich hin. Schliesslich durfte ich raus auf eine grosse Wiese, auf der viele Isländer standen. Ich wurde noch einmal ordentlich geputzt und musste mich einer Gruppe ganz schön streng blickender Menschen vorstellen.
Sie gingen kritisch um mich herum, massen mich überall (gottlob war mein Heubauch weg) und schrieben immerzu in ihr Buch.
Dann sollte mich Frauchen vorreiten. Ich war so aufgeregt, dass ich erst einmal alle Gänge durcheinander warf. Aber dann ging es gut. Frauchen sass aufatmend ab, sie war ganz geschwitzt vor Aufregung.
Einer der Männer sass auf und ritt ebenfalls mit mir los. Er fühlte sich ungewohnt an, so dass ich ganz aufmerksam sein musste, um ihn richtig zu verstehen. Als er endlich wieder abstieg, lobte er mich.
Frauchen brachte mich zurück zur Wiese, wo ich erst einmal ordentlich verschnaufte. Nach einem kleinen Imbiss legte ich mich hin und schlief ein bisschen. Später wurde ich erneut gesattelt und musste wieder auf die Bahn. Diesmal sollte ich wohl zeigen wie schnell ich bin,. Das war kein Problem. Ich sauste in allen fünf Gängen die Strecke lang, die Frauchen mir zeigte.

Danach war ich ganz schön ausser Puste-

Anscheinend hatte ich auch diesmal alles richtig gemacht, denn ich wurde von allen Seiten her gelobt. Herrchen spendierte zur Feier des Tages eine Flasche Sekt und ich bekam auch etwas ab. Es prickelte ganz komisch auf der Zunge, so dass ich überrascht meine Schnute hochzog. Als mich deswegen aber alle auslachten, schluckte ich das Zeug tapfer runter.


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