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Thema: Antidepressiva und Selbstmordrisiko bei Kindern


Man hat die Rolle des Dopamins im sogenannten "reward cycle" des Gehirns wohl falsch gesehen:

Dopamin verschafft nicht Belohnung im Sinne von Befriedigung, sondern es geht um Motivation, Interesse, Arbeitsfreude.

Der Song des ADS-lers ist also nicht
"I can get no satisfaction"
sondern
"I can get no motivation!"

Die betroffenen Eltern, Lehrer und Psychiater sollten jetzt schnell ihre Motivations-Ratgeberliteratur herausholen und darüber nachdenken, wie man Kinder ohne Psychopharmaka motivieren kann.

Da gibt es einige Möglichkeiten, denke ich...

Kassandra



Richtig, aber nicht nur, denn: Man möge darüber sinnieren, wie Dopamin entsteht, nämlich primär durch Stoffwechselsynthese aus der Aminosäure Tyrosin. Was ist, wenn die Ernährung so mies ist, dass zu wenig Tyrosin zur Snytheseleistung im Körper ist (z.B. bei Fast-Food-Ernährung)??
Da ist dann wohl Ritalin & Co. die falsche Therapie, genau so wie das übermäßige Psychologisieren.

Was das u.U. therapeutisch heißt liest - sehr interessant - in dieser Studie:
http://www.diagnostisches-centrum.de/Texte/PDF-Artikel/ART_ADHS1.pdf
Auszug und Fazit aus diesem Text:
Im August 2003 wurde in der Fachzeitung „Alternative Medicine Review“ eine Studie des Mc Lean Hospital in Belmont/ Massachusetts veröffentlicht. In einer Vergleichsuntersuchung erhielten 10 ADHS-Kinder Methylphenidat, weitere 10 Kinder erhielten ein Nahrungsergänzungsmittel, das aus Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren, essentellen Fettsäuren, Phospholipiden und Probiotika bestand. Nach Auswertung der neurophysiologischen und psychologischen Tests erwies sich das Nahrungsergänzungsmittel als genauso effektiv in der Behandlung der ADHS-Symptome
wie Methylphenidat.



Die beunruhigende Frage ist doch:
Weshalb untersucht man die Wirkung von Ritalin auf die Gehirnvorgänge nur bei Gesunden, aber nicht bei sogenannten ADS-Patienten?
Weshalb sieht man davon ab, die beiden Gruppen zu vergleichen?
An Dr. Volkow liegt es nicht - sie wollte die Untersuchung durchführen und hat sie seinerzeit auch angekündigt.

Wer also hat die Untersuchung verhindert?

Ich gebe mal einige Denkmöglichkeiten vor:
- Die Wissenschaftler (Neurobiologen, Pharmakologen...)selber, die Psychopharmaka bei ADS empfohlen haben?
- die Psychiater, die Psychostimulantien millionenfach verschrieben haben und noch verschreiben?
- die Regierung (Schulbehörden), die ADHD anerkannt haben, an Schulen für jeden ADHD-Schüler Geld zahlen und die in den öffentlichen Kindergärten und Schulen massenhaft Psychopharmaka ausgeben?
- die Eltern, die sich wegen ihres Erziehungsversagens schämen?

Fürchtet man bei ungünstigen Forschungsergebnissen einen öffentlichen Skandal - oder noch schlimmer: massenhafte Klagen?

Für evidenzbasierte Hinweise bin ich immer dankbar.

Kassandra





Hallo Kassandra,
unabhängig von Volkow gibt es eine Studie von Dresel u.a., in der die Wirkung von Methylphenidat auf die Dopamintransporter bei "ADHS"lern untersucht wurde. Die bereits aus Tierversuchen bekannte Rückbildung der Transporterdichte zeigte sich auch hier, allerdings nicht nur bei den "ADS"lern, sondern auch bei den Normalpersonen der Kontrollgruppe.
Diese Ergebnisse im Zusammenhang mit der andernorts bereits gut gesicherten Erkenntnis, dass bei "ADS"lern die Transporterdichte "von Hause" aus erhöht ist, nimmt ja Hüther als Ausgangspunkt für seine Theorie, dass diese Rückbildung der Transporterdichte bei Normalpersonen langfristig schädlich sein könnte.

Man erhoffte sich aus der Beobachtung dieser erhöhten Transporterdichte bei "ADS"lern ja schon einen objektiven diagnostischen Marker für "ADHS". Aber daraus scheint auch nichts geworden zu sein.

Dresel, S., K.H. Krause, J. Krause,H.F. Kung, K. Hahn, K. Tatsch: Hyperkinetisches Syndrom: [Tc-99m]TRODAT-1-SPECT des Dopamintransporters vor und unter Therapie mit Methylphenidat. Nuklearmedizin (Abstr.) 39 (2000)




Hallo Herr Schmidt,
ich habe die von Ihnen zitierten Forschungsergebnisse von Krause, Dresel et al. nachgelesen. Hier der Link:
http://www.hyperaktiv.de/forschung/neurobiologie.pdf

Was haben die Forschungen ergeben?
1. Bei ADS-Patienten liegen erhöhte Werte von Dopamin-Transportern (DAT 1) im Vergleich zu Normalpersonen vor.
2. Diese erhöhten Werte von Dopamin-Transportern lassen sich durch Methylphenidat (Ritalin, Medikinet) verringern.

Die Untersuchung zeigt aber nicht, welche MENGEN von DOPAMINin vorliegen
a) bei Normalpersonen
b) bei ADS-Patienten

Sie zeigt auch nicht den unterschiedlichen ANSTIEG (absolut, prozentual) der in den synaptischen Spalt fließenden Menge von DOPAMIN
a) bei Normalpersonen
b) bei ADS-Patienten.

Genau diese Untersuchungen wollte Prof. Volkow durchführen. Diese Forschungen fanden aber wie gesagt nie statt.

Insofern ist die Untersuchung von Krause, Dresel et al. im besten Falle als "indirekt" zu bezeichnen, was die Forscher selber einräumen. Ich würde sagen: Sie gibt Anlass zu einer begründeten Vermutung über die Ursachen von ADS, mehr nicht.

Kassandra



Die Frage der Wirkung von Methylphenidat auf das Gehirn von Kindern mit und ohne ADHS wird gerade in den USA untersucht. Es gab einen ziemlichen Rummel um die Frage, ob diese Studie von der FDA zugelassen wird. Es war aus Sicht der Ethikkomission umstritten, ob man Kindern ohne ADHS Methylphenidat (10 mg) verabreichen dürfte. Es wurde den Familien eine "Aufwandsentschädigung" versprochen (ca 600 Dollar). Jetzt ist man auf 110 Dollar runter, um nicht wirtschaftliche Gründe als Ausschlag zu haben und so eine negative Vorselektion der Probanden zu haben.

Jedenfalls wird jetzt untersucht, ob die Wirkung von MPH bei Kindern mit und ohne ADHS unterschiedlich ist.

Verhindert haben diese Untersuchungen also langwierige Ethikauseinandersetzungen, um das Für und Wider von Pharmakoversuchen bei Kindern. Einerseits ja durchaus berechtigt und verständlich. Andererseits eben problematisch, da sonst in den meisten Bereichen der Medizin halt Arzneimittel für Kinder ungeprüft eingesetzt werden. (Dies ist allerdings eben bei MPH nicht der Fall, hier gibt es halt schon recht viele Studien).



Hallo Othello,
vielen Dank für die Information.
Allerdings bemerke ich in den Ausführungen eine "kognitive Dissonanz", die ich nicht auflösen kann.
Im letzten Satz wird ausgesagt, dass man Methylphenidat bei Kindern unbesorgt einsetzen könne, da schon genügend Studien verfügbar seien.
Andererseits führt man in den USA jetzt endlich die längst überfälligen Studien über die unterschiedliche Wirkung von Methylphenidat auf ADS-Betroffene und Normalpersonen durch, um endlich Klarheit zu erhalten.

Vielleicht hilft in solchen Fällen von kognitiver Dissonanz der Heilige Patrick?

Kassandra



Ich würde sagen: Sie gibt Anlass zu einer begründeten Vermutung über die Ursachen von ADS, mehr nicht.


Nicht einmal das! Denn man kann nicht einfach zwischen Hirnbesonderheiten und "ADS"-Verhalten (was immer das sein mag) eine Kausalbeziehung herstellen. Die Hirnbesonderheiten können sowohl Folge als auch Ursache sein als auch in gar keiner spezifischen Beziehung zum Verhalten stehen.



Und damit können wir wieder an das Ausgangsthema dieses Threads anknüpfen. Es ging ja um die Verschreibung von Antidepressiva bei Kindern.

Wenn wir in den letzten Tagen hören, dass bei Opel 10 000 Stellen abgebaut werden sollen, bei Karstadt-Quelle 5000, bei Spar 1000 - dann wird so manchen die Angst vor der Zukunft unseres Landes beschleichen.

Der Schüler wird denken: "Und wenn ich mich noch so sehr plage, vielleicht bekommen ich später dennoch keine Stelle, weil ich nicht bei den besten 10% sein werde."

Der Angestellte wird denken: "Wann werden sie auch mich entlassen?"

Und die Oma wird denken: "Hoffentlich muss ich nicht ins Krankenhaus, denn man weiß ja nie, ob man mir nicht aus Kostengründen die Zuleitungen abdreht."

Unser deutsches Volk, das immer schon zur Schwermut geneigt hat, wird zunehmend in Depression verfallen - und das mit gutem Grund!

Und doch wage ich die Behauptung, dass auch hier wieder Psychiater auftreten werden, die von einem überwiegend genetisch bedingten Serotoninmangel sprechen werden, und von der Notwendigkeit, dieses chemische Ungleichgewicht mit Prozac bereits im Kindesalter zu normalisieren.

Die pharmakologische Behandlung von ADS (Abitur dank Stimulanzien) wird durch eine pharmakologische Behandlung von Depressionen ergänzt oder ersetzt werden - ein weiterer Schritt in die "schöne neue Welt", meint

Kassandra



Wenn wir eines Tages hören, in den Erziehungsberatungsstellen werden 10000 Stellen abgebaut und bei den Schulen 5000, bei den Suchtberatungen nach 1000 - dann wird die Angst der Zukunft unserer Elite beschleichen. Der Schüler muss verdummen, weil Verdummung die Eliten verblödet. Wenn ich mich noch so plage, bekomme ich doch nur Beratung und Gelaber. Egal, ob ich nun Ritalin schlucke oder nicht. Das ist der Beweis, das sie Erziehungsberatungsstellen so viel wertvolle Arbeit machen. Weil sie wegrationalisiert werden müssen. Karstadt ist ein Weltkonzern, Opel doch auch. Die Oma wird denken, warum das Ganze. Der Hahn auf dem Mist kräht, oder er lässt es sein. Wenn stört es denn? Werden sie mich kurieren, wenn ich die Suppen-Nany in RTL zur Hauptwerbezeit einschalte. Ersetzt sie den Erziehungsberater. Wer weiss es schon, wenn man so ein wirres Zeug liest.

Eure Herta Wurst



Die echte Herta ist viel besser, othello!



Liebe Herta Othello (da sitzt einer am Wochenende im Krankenhaus und langweilt sich),
Jetzt ist man auf 110 Dollar runter, um nicht wirtschaftliche Gründe als Ausschlag zu haben und so eine negative Vorselektion der Probanden zu haben.


Angesichts des Umstands, dass "ADHS" sowieso schon eine Arme-Leute-Krankheit ist, natürlich eine einseitige Versuchspersonenauswahl, die das Ergebnis sicher verfälschen wird. Auch 110 Dollar sind für manche Leute eine Menge Zaster, vor allem, wenn´s dann gleich mehrere ADSler in der Familie hat (ist ja vererbt!!).

(Dies ist allerdings eben bei MPH nicht der Fall, hier gibt es halt schon recht viele Studien).


Ja, aber überwiegend schlechte. Und echte Langzeituntersuchungen bzw. spezifische, wie von Kassandra beschrieben, fehlen völlig.



Und hier findet man das ganze System wieder versammelt: chronische Vertuschung von gefährlichen Nebenwirkungen, ärztliche "Mietmäuler", "dodge", gezielte Desinformation der Öffentlichkeit... Noch dieses Frühjahr warben bezahlte Ärzte auf einem Kongress für die bedenkenlose Verschreibung von Vioxx, obwohl dem Konzern seit 10 Jahren Hinweise auf sehr ernste Nebenwirkungen bekannt waren. In USA laufen nun Schadensersatzprozesse an, die auf bis 15 Milliarden Dollar geschätzt werden.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,326522,00.html



HRSchmidt:
Langzeitstudien bei Medikamenten werden aus rein kommerziellen Gründen unterlassen. Obwohl es um Antidepressiva geht, lässt sich der Mechanismus grundsätzlich auf Ritalin übertragen. Auch hier macht keiner Langzeitkontrollen.
http://www.ads-kritik.de/ADS-Kritik25.htm


Das Präparat "Ritalin" befindet sich Jahrzehnten auf dem deutschen Markt und damit permanent in der "Phase-IV-Überwachung" durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Das weltweit einzigartige UAW-System zur Meldung unerwarteter Vorkommnisse bei Arzneimitteln belegt eindrucksvoll, daß es bei Ritalin im Laufe seiner nun schon außergewöhnlich langen Anwendungszeit zu keinen nennenswerten Nebenwirkungen in der Langzeitanwendung gekommen ist.

Ritalin ist damit keineswegs auf neuere Psychopharmaka zu übertragen. Diese werden in der Tat manchmal ungenügend erforscht. Glücklicherweise besitzen wir mit dem therapeutischen Standard Methylphenidat über eine in besonderem Maße erprobte und sichere Substanz.

Ihr Engagement in allen Ehren, Herr Schidt, aber bezüglich der pharmazeutischen Tatsachen polemisieren Sie und schnitzen mit Verlaub recht grob.

Bernhard W. Dossner



Lieber Herr Dossner,
bitte schreiben Sie meinen Namen doch korrekt, was ja nicht schwer sein dürfte. Aber wer hier polemisiert sind Sie. Denn wenn es um Langzeitfolgen von Methylphenidat geht, geht es um Zeiträume vom Kindesalter bis zum Senior. Und hier gibt es natürlich noch keine einzige aussagefähige Studie, obwohl im Tierversuch immer mehr besorgniserregende Befunde gesammelt werden (hierüber bald ausführlicher auf der website).

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