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Thema: Schilddrüsenprobleme durch Methylphenidat


Na hoppla, das ist noch unbekannt:

Zappelkinder mit Autoimmunthyreoiditis
Kann Methylphenidat die Schilddrüse stören?

Frage von
Dr. Christian Kalb,
Arzt für Allgemeinmedizin,
Aying:
Ein elf- und ein zehnjähriger Junge, die seit mehr als einem Jahr Methylphenidat einnehmen, fielen mir durch Adynamie und Gewichtszunahme auf. Der Befund einer laborchemisch und sonographisch auffälligen Schilddrüse mit erhöhtem TPO und TSH gibt mir zu denken. Kann Ritalin® zur Autoimmunthyreoiditis führen?

Antwort von
Christine Goepfert,
Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Ekkehard Haen,
Klinische Pharmakologie, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität im Bezirksklinikum Regensburg:
Methylphenidat ist ein dem Betäubungsmittelgesetz unterliegendes Psychostimulans mit amphetaminähnlicher Wirkung. Im Rahmen der Indikation hyperkinetische Störungen im Kindes- und Jugendalter hat es weite Verbreitung erlangt. Auch bei Narkolepsie wird es eingesetzt. Zum Nebenwirkungsspektrum gehören normalerweise weder Adynamie noch Gewichtszunahme, sondern Schlafstörungen, Reizbarkeit und Ängstlichkeit sowie Gewichtsverlust bis Anorexie. Methylphenidat ist eine Substanz mit Abhängigkeits- und Missbrauchspotenzial, Todesfälle sind bekannt.

Weder bei Methylphenidat noch bei anderen Psychostimulanzien und Appetitzüglern sind in der aktuellen Literatur und den medizinischen Standardwerken Veränderungen der Schilddrüsenfunktion beschrieben. Die Autoimmunthyreoiditis stellt jedoch die häufigste Ursache für eine nichtendemische Struma und erworbene Hypothyreose bei Kindern und Erwachsenen dar, auch ohne dass Medikamente als Ursache hierfür angeschuldigt werden könnten. Dies macht einen Kausalzusammenhang zwischen den geschilderten Fällen einer Autoimmunthyreoiditis und der Anwendung von Methylphenidat zwar unwahrscheinlich, schließt ihn jedoch keineswegs aus.

Eine Recherche in der Phönix-Datenbank der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) ergab, dass bis zum 25.05.2004 sechs Fälle von Schilddrüsenfunktionsstörungen unter einer Therapie mit Methylphenidat registriert waren: zwei Fälle von Hyper- und vier Fälle von Hypothyreose (zwei davon mit Thyreoiditis).

Dass die Frage einer Autoimmunthyreoiditis unter Methylphenidat in der Literatur bislang nicht diskutiert ist, bedeutet nur, dass sie bislang noch keiner gestellt hat. Wir wissen derzeit schlicht und ergreifend nicht, was Methylphenidat im Besonderen oder Psychostimulanzien allgemein im noch wachsenden Organismus eines Kindes alles bewirken. Alle Ärzte, die Methylphenidat an Kinder und Jugendliche verschreiben, sollten daher auf Veränderungen der Schilddrüsenfunktion während der Therapie achten und bereits Verdachtsfälle sofort an die AkdÄ berichten. Ein entsprechender Meldebogen wird alle zwei Wochen im Deutschen Ärzteblatt abgedruckt.
Quelle: Medical Tribune
http://212.66.8.25/GMS/ic/zappelkinder



Ich finde die Stellungnahme von Frau Goepfert ausgezeichnet, vor allem ihr nachdenkenswerter Satz
Dass die Frage einer Autoimmunthyreoiditis unter Methylphenidat in der Literatur bislang nicht diskutiert ist, bedeutet nur, dass sie bislang noch keiner gestellt hat

Man kann ihn auf viele ungelöste Fragen zu Ritalin wiederholen, vor allem was die Langzeitwirkungen anbelangt.



Offenbar nicht nur Schilddrüsenprobleme, sondern auch Todesfälle. Wer weiß mehr darüber?

Link dazu:
http://www.einsatzfuerkinder.de/death_by_drugs.htm
Mit nachdenklichen Grüssen
Bertram



Wenn Frau Prof. Dr. Goepfert feststellt:

"Wir wissen derzeit schlicht und ergreifend nicht, was Methylphenidat im Besonderen oder Psychostimulanzien allgemein im noch wachsenden Organismus eines Kindes alles bewirken.",

dann fragt man sich doch, ob der Hinweis "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" nicht glatter Hohn ist.

Kindern Psychostimulanzien zu verabreichen, gleicht somit einem russischen Roulette. Man nimmt ein unkalkulierbares Risiko in Kauf.

K.



Als medizinischer Laie aber betroffener Vater eines Kindes, das R. nahm / weiter nehmen soll:
Mein Kind leidet unter Schilddruesenunterfunktion.
Im Beipackzettel des R. wird nur Schilddruesen"ueber"funktion als Risiko erwaehnt.
Ist somit nicht jegliche Schilddruesen-fehlfunktion als Risiko einzustufen und daher "im Zweifelsfalle gegen" R. zu entscheiden ?
Danke fuer eure Meinung und Gruesse,
Volker




Hallo Volker.

Genau deshalb muß vor (und auch später in regelmäßigen Abständen) der Medikation mit MPH eine komplette Blutuntersuchung (incl. T3, T4 und TSH) gemacht werden, damit dergleichen ausgeschlossen oder aufgedeckt werden kann.
Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann ähnliche bzw. die gleichen Symptome hervorrufen, wie ADS, deshalb muß zuerst die Unterfunktion behandelt werden und dann kann man weiter sehen.

Viele Grüße
Margarete



Hallo zusammen,
ich bin hier neu, möchte aber gleich besonders betonen, dass es in jedem Fall sehr wichtig ist, mögliche organische Ursachen für Hyperaktivität oder Konzentrationsstörungen sorgfältig auszuschließen. Das betrifft natürlich nicht die über 90 Prozent der verhaltensauffälligen-unkonzentrierten und hyperaktiven Kinder ohne jeden deutlichen organischen Befundsverdacht.

Die meisten der gegenwärtig so diagnostiziertenn und leider meist ausschließlich medikamentös behandelten Kinder bedürfen aus meiner Sicht einer optimierten Umwelt, besonders einer familiären.

Die Frage ist gegenwärtig deshalb nur die: Wie können wir das der Öffentlichkeit verständlich machen? ADHS als medizinische Krankheit beherrscht die öffentliche Meinung leider immer mehr!



Ich denke, der Zeitgeist ist dabei, sich zu wandeln - und das gibt wieder Hoffnung für ein besseres Miteinander der Menschen.

Das Ende der Spaßgesellschaft wurde bereits vor drei Jahren ausgerufen. Jetzt entdeckt man die Religion neu - siehe die Predigt von Thomas Gottschalk! Er weiß, woher der Wind weht, was "IN" ist oder sein wird.

Das Zeitalter des Egozentrismus, des Narzissmus und der histrionischen Selbstdarstellung gehen zu Ende. Sex und Geld werden (hoffentlich bald) nicht mehr das Wichtigste sein, wonach die Menschen streben.

Vielleicht wird sogar Kunst und Literatur wieder ein Gesprächsstoff?

Vielleicht kümmern sich Eltern wieder mehr um ihre Kinder und bemühen sich um Einfühlung in die Kinder, versuchen Kinder wieder sich in die Lage ihrer Eltern zu versetzen und nicht nur Forderungen zu stellen?

Jedenfalls hoffe ich auf diesen Wandel und wünsche ihn mir und auch den Forumsteilnehmern und -teilnehmerinnen schon fürs nächste Jahr.

Kassandra



Hallo Kassandra,
Ihre Worte in aller Ohren! Ich bin da allerdings ein wenig skeptischer als Sie, wünsche mir aber sehr, dass Sie Recht behalten.
Auch von mir allen einen sehr entspannten Rutsch ins Neue Jahr!

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