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Thema: Wie wirkt Ritalin? |
Kannst du dies bitte etwas allgewmein verständlich erläutern? Ich bin keine Fachfrau und versteht da nur die Hälfte. Danke!
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Eine 2003 am Friedrich Baur Institut der Universität München von LaFougere durchgeführte SPECT-Studie mit TRODAT 1 erbrachte folgende Ergebnisse:
1. Bei ADHS liegen erhöhte Werte des Dopamintransporters DAT vor, vor allem im Dopamin-produzierenden Mittelhirn (Striatum). Diese Werte vermindern sich altersabhängig bis zum 35. Lebensjahr etwas stärker, ab dem 35. Lebensjahr in einer flacheren Kurve. Das weist darauf hin, dass bei der Medikation von ADHS das Patientenalter von Bedeutung ist.
2. Die DAT-Werte können mit einer Medikation von täglich nur 3x5mg Methylphendat um etwa 30% gesenkt werden. Eine geringe Dosis von jeweils 5mg kann also in vielen Fällen schon genügen. Das ist neu, denn bisher ist man von einer Standard-Medikation von ca. 3x20mg (und in den USA von noch weit höheren Werten) ausgegangen.
3. Schizophrenie scheint mit ADHS insofern verwandt zu sein, als hier auch das Dopamin-System überaktiv ist. Bei Schizophrenie liegt der pathologische Schwerpunkt jedoch vor allem im Dopamin-Rezeptor-Bereich (D2).
4. Eine Down-Regulierung der D2-Dopamin-Rezeptoren konnte mit dem atypischen Neuroleptikum Amisulprid erreicht werden.
Die entscheidende Frage wurde jedoch nach wie vor nicht beantwortet, ja nicht einmal untersucht:
Welche Langzeitauswirkungen haben diese Medikationen, die massiv in die Funktionsweise des Zentralen Nervensystems eingreifen?
Das Gehirn ist ja kein Automotor, den man durch Gasgeben oder Gas-Wegnehmen beliebig steuern kann, sondern das Gehirn ist ein lebender Organismus, der die Fähigkeit hat, auf bestimmte Reize oder Medikationen selbständig zu reagieren – und dies auch tut.
Hier spielen die sogenannten präsynaptischen Autorezeptoren eine Rolle. Sie sind eine Art Wachhund - sie beobachten genau, ob zuviel oder zuwenig an Dopamin ausgeschüttet wird. Wenn nämlich durch Einnahme von Ritalin der Dopaminfluss ansteigt, bemerken die Wachhunde das und schließen sofort den eigenen Dopamin-Anstieg, der ja normalerweise auf Grund von äußeren oder inneren Reizen erfolgt. Sie sagen sich: "Wenn die Pille das macht, dann brauchen wir auf Reize nicht mehr mit Dopamin-Ausschüttung zu reagieren".
Der Ritalin-Konsument registriet nun zwar die Umweltreize noch - er bemerkt z. B. die Unruhe im Klassenzimmer - aber er reagiert nicht mehr darauf und kann sich somit seiner Arbeit widmen.
Die offene Frage ist nun: Wie reagiert das Gehirn langfristig, wenn die Pille jahrelang eingeworfen wird und ihm sozusagen die Arbeit abnimmt?
Volkow und Hüther haben schon einmal das böse Wort "Parkinson" in den Mund genommen und damit große Empörung geerntet.
Wie ich aber der oben genannten Doktorarbeit entnehme, treten Parkinson-Symptome erst auf, wenn die körpereigene Dopamin-Produktion um mehr als 50% zerstört ist - und das kann wohl lange Zeit dauern.
Das ist wohl wie mit dem Rauchen und dem Alkohol-Genuss: Du kannst das jahrzehntelang betreiben, dich "gut" dabei fühlen, ohne gravierende gesundheitliche Auswirkungen zu spüren. Aber gesund ist es dennoch nicht.
Kassandra
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Interessant ist auch, inwieweit sich - bei langjähriger MPH-Einnahme - die Wirkung verändert. Man hört immer wieder: "Am Anfang war die Wirkung gut, dann aber...".
Weiß jemand da etwas Näheres? Normalerweise würde ich hier Dosiserhöhungen vermuten...
Gruss
Bertram
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Dieser Effekt könnte mit der Medikamenten-Toleranz zusammenhängen - aber auch mit anderen Faktoren.
Unter Medikamententoleranz versteht man das Nachlassen der Wirkung eines Medikaments bei wiederholter Einnahme.
Man unterscheidet nun zwischen Akut-Toleranz und Langzeit-Toleranz.
Zur Akut-Toleranz bei der Einnahme von Methylphenidat liegen Untersuchungen von Volkow vor. Sie hat festgestellt, dass bei Einnahme einer zweiten Tablette Ritalin am selben Tag - wenn die Wirkung der ersten Tablette vollständig abgeklungen ist - die zweite Tablette nur einen Wirkungsgrad von etwa 60% hat.
Deshalb soll man ja die zweite Tablette bereits nach ca. 3 Stunden einnehmen, wenn die Wirkung der ersten Tablette noch nicht ganz abgeklungen ist.
Die Erkenntnisse über die Akut-Toleranz bei MPH waren auch einer der Gründe für die Entwicklung von Methylphenidat-Präparaten, deren Wirkung den ganzen Tag über anhält (z.B. Ritalin XR).
Die Frage, die du stellst, ist aber diejenige nach der Long-Term-Tolerance. Und darüber liegen meines Wissens keine Forschungen vor. (Wie üblich bei ADS...). Bei Kokain weiß mans hingegen genau: Die Abhängigkeit wird immer schlimmer.
Von den ADS-Schulmedizinern wird eine Langzeit-Toleranz von MPH bei der Behandlung von ADS jedenfalls abgestritten.
Vielleicht weiß noch jemand etwas dazu.
Viele Grüße
K.
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Noch eine Ergänzung zu deiner Vermutung über eine zu hohe Dosis von MPH:
Am Friedrich Baur Institut München hat man durch SPECT-Messungen am Gehirn festgestellt, dass bei Erwachsenen oftmals schon die geringe Dosis von 3 x 5 mg genügt.
Oftmals wird die einmal verordnete Dosis von z. B.3 x 20 mg über Jahre hinweg nicht mehr überprüft und somit beibehalten. Dass der Erwachsene dann Probleme kriegt, liegt auf der Hand.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass man auf eine Medikation verzichten kann, wenn man seine speziellen Schwierigkeiten klar erkennt (oft nur mit Hilfe anderer möglich) und im Privatleben wie im Beruf Bewältigungsstrategien entwickelt, mit seiner Problematik fertig zu werden.
Dabei ist man aber auf das Verständnis und den Beistand seiner näheren Umwelt auch sehr angewiesen.
Leider sind viele Menschen aber nicht in der Lage, sich in die Problematik eines von "ADS" Betroffenen einzufühlen. Mangelnde Einfühlung und auf der anderen Seite Besserwisserei, Überheblichkeit und Ignoranz sind wohl eine spezifisch deutsche Krankheit.
K.
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