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Thema: Epigenetik: Erfahrungen verändern Gene


Hallo zusammen!

Wir haben uns im Café ja schon seit längerer Zeit mit der Epigenetik, besonders im Hinblick auf die Genforschung zu "ADHS", beschäftigt (Stichwort u.a.: "Warum ist der Giraffenhals so lang?"). Es geht dabei, vereinfacht gesagt, um die Wirkung von Erfahrung und Umwelt auf unser Genom, eine Wirkung, die man bislang ausgeschlossen hatte.

In der ADHS-Forschung wird ja fast ausschließlich monokausal in der Weise gedacht und geforscht, dass die Gene die (feststehende) Ursache für alles andere, z.B. Verhalten und Krankheit, sind. Man sucht deshalb mit großem Aufwand und unter Ausblendung aller möglichen Umwelteinflüsse völlig einseitig nach "ADHS"-Genen, die diese angebliche Störung genetisch bedingen und vererben.
Dass Erziehung, Erfahrung und andere Umwelteinflüsse (auch Ernährung z.B.) die Gene beeinflussen sollen, galt bislang als undenkbar. Wenn daran etwas wäre, dann wäre z.B. "ADHS" eben doch umweltbedingt denkbar, auch wenn man bei der diesbezüglichen Gensuche doch noch einmal erfolgreicher sein sollte als bislang.
Dies alles erzählt uns der uns gut bekannte Wissenschaftsjournalist Jörg Blech im SPIEGEL dieser Woche auf spannende Weise (Jörg Blech ist der Autor des nach wie vor sehr lesenswerten Buches "Die Krankheitserfinder", in dem er auch über "ADHS" als erfundener Krankheit berichtet).

Es werden immer mehr wissenschaftliche Befunde zusammengetragen, die den Einfluss von Umwelteinflüssen, seien sie psychologischer, psychosozialer oder materieller Art, auf die Funktion unseres Genoms belegen. Das alte Rätsel von Umwelt versus Vererbung stellt sich ganz neu dar.

Für mich sind das weitere Schritte in die Richtung eines naturwissenschaftlichen Beleges für "ADHS" als umwelterzeugte Verhaltensstruktur.



Ich finde das auch total spannend. Im Grunde geht alles in die Richtung einer Bestätigung alter psychoanalytischer Erkenntnisse. Das Leben prägt. Auch transgenerational und genetisch.
Dass auch Ernährung eine Rolle spielen kann, beschreibt Blech ja sehr schön am berühmten Beispiel der Bienen: mit normalem Honig- plus-Pollenbrei ernährt werden aus den kleinen Bienen schlichte Arbeitsbienen. Mit Gelee Royale ernährt werden daraus Königinnen.
Hätten meine Eltern das schon gewusst, hätten sie mich sicher nicht mit dem schnöden Aletebrei gepäppelt...



Hi

na hier muss ich als gelerrnter Biologe doch mal zwischenrufen:

Dass Hormone Aussehen und Funktion von Organen beeinflussen ist ein alter Hut und hat mit Epigenetik nichts zu tun. Arbeitsbienen und Königinnen unterscheiden sich eben nicht genetisch.
Von einer gesunden Königin wird fortlaufend eine Botenstoffmischung, die sogenannte Königinnensubstanz (englisch: Queen Mandibular Pheromone – QMP), aus ihren Mandibeldrüsen in den Stock abgegeben. Das in dieser Mischung enthaltenen Pheromon namens 9-Oxo-trans-2-Decensäure unterdrückt bei den Arbeiterinnen die Funktion ihrer Ovarien und damit eine mögliche Eiablage.
WIKIPedia. Wenn die Königin stirbt fällt die chemische Unterdrückung der Geschlechtsorgane weg und die Arbeiterinnen können Eier legen.

Durch genügend Hormone kann auch beim Mann das Brustwachstum stattfinden und bei Frauen Behaarung und Stimmbruch, womit wir wieder bei Olympia wären.

Gruss
vom globulus



Dass Hormone Aussehen und Funktion von Organen beeinflussen ist ein alter Hut und hat mit Epigenetik nichts zu tun.


Soweit man bisher weiß...
Hat man Bienen schon daraufin untersucht, ob die Erfahrung als Arbeitsbiene bzw. Königin nicht doch auch genetische An- und Ausschaltungen bewirkt?



Und wie bitte willst du "die Erfahrung einer Biene" untersuchen?





Durch Verhaltensbeobachtung. Unterschiedliches Verhalten zwischen Arbeitsbiene und Königin ist ja beobachtbar und offenkundig. Deshalb machen beide wahrscheinlich auch unterschiedliche "Erfahrungen" bzw. Lernprozesse. Die Frage der Epigenetik ist dann, ob sich die auch genetisch niederschlagen.



Ja und wie willst Du das von der Chemie = andere Ernährung und "Hormonbehandlung" trennen?
und :

Die Epigenetik beschäftigt sich mit der epigenetischen Vererbung, d. h. der Weitergabe von Eigenschaften auf die Nachkommen, die nicht auf Abweichungen in der DNA-Sequenz zurück gehen, sondern auf eine vererbbare Änderung der Genregulation und Genexpression.

Da sich die Arbeiterin nicht fortpflanzt, gibt es keine Epigenetik.

Dass da bei beiden Gene reguliert werden, ist ja klar. aber eben nicht vererbt.





Du hast sicher recht, globulus, Arbeitsbienen können nix vererben, wie ein menschlicher kinderloser single-Arbeitssklave wie ich halt... Ich denke aber allgemein doch, dass es interessant wäre, ob sich auch Erfahrungen infolge von durch Hormone ausgelösten Verhaltensänderungen in der Genexpression wiederfinden lassen.



Die Epigenetik ist der Schlüssel zu Lösungen, was das AD(H)S und weiterführende Problematiken betrifft!

Der Behindertenausweis ist die schlechteste Lösung, die angestrebt werden kann!

Viele Jahre habe ich mich ausführlich und eingehend mit dem Thema beschäftigt und kann aus familiärer Erkenntnis die Thesen von Gerald Hüther nur unterstützen.

Lest einfach mal das Buch von Sabine Bode "Die vergessene Generation" - vielleicht fällt Euch auch etwas auf?

Viele Grüsse

sunny - http://sunnysideoops.wordpress.com





hallo!
übrigens - in einem der letzten SPIEGEL ist ein guter artikel zum thema epigenetik. da geht es sogar darum, dass die ernährung der mutter sich in den genen es kindes wiederfindet! des weiteren um ausschaltung von "krebsgenen" durch ernährung etc. etc.

leider finde ich den artikel nicht online.

gruss
bertram

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