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Thema: Epigenetik: Erfahrungen verändern Gene


Hallo zusammen,

zu diesem spannenden Thema sollte man unbedingt Joachim Bauer "Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern" lesen. Aber allein die Tatsache der Neuroplastizität des Nervensystems, welches quasi ein "Relief" der subjektiv gedeuteten Umwelterfahrungen bildet, reicht schon aus, um "Genetik" kausal in die hinteren Reihen zu verweisen. Sie bleibt eine voreingenommene Ideologie und ein Wunschdenken eines überholten biologistischen Paradigmas. Auch der immer wieder als "ADHS-Papst" zitierte Russel Barkley glaubt z.B. ernsthaft, dass sogar die Fettleibigkeit vieler Amerikaner genetisch begründet sei. Aber auf die Idee, die Ernährungsgewohnheiten mit anderen psychosozialen Parametern in Verbindung zu bringen kommt so jemand gar nicht, weil der Mensch in dessen ungeprüftem Denkschema ein Resultat irgendeines fiktiven "genetischen Bauplans" sein soll, aber kein aktiv mit der Welt in Beziehung tretendes Subjekt, welches sein mitgegebenes "Material" flexibel und kreativ den vorgefundenen Situationen anpasst. Das ist ein so alter Hut (Psychoanalyse, Individualpsychologie), dass man sich wundert wie immer wieder Wissenschaftler die noch ältere mechanistische Theorie der Persönlichkeit (Descartes, Wundt) ernsthaft wiederbeleben wollen.

Viele Grüße

Matthias





hi,
paßt irgendwie auch hier in den thread:

Nachrichten · Medizin - ÄRZTEBLATT
Junkfood während der Schwangerschaft prädisponiert Nachwuchs für Krankheiten
Dienstag, 19. August 2008

London – Schwangere Frauen sollten während der Schangerschaft und Stillzeit keine ungesunde Nahrung zu sich nehmen. Davor warnen Wissenschaftler des Royal Veterinary College in London im Journal or Physiology (2008; 586: 3219-3230).


GRUSS
BERTRAM



hallo!
klasse artikel zum thema epigenetik:

http://www.abendblatt.de/daten/2008/08/20/924322.html
auszug:

Epigenetik: Auch der Lebensstil wirkt sich auf die Nachfahren aus
Wie Opa die Gene der Enkel verändert

Es ist nicht nur wichtig, welche Merkmale wir geerbt haben, sondern welche an- oder abgeschaltet sind.

Von Peter Spork

Seit einiger Zeit finden Forscher verblüffende Hinweise, dass sich der Lebensstil von Menschen auf ihre Nachfahren auswirkt: Haben Väter zum Beispiel in der Zeit, in der ihre Spermien reiften, geraucht, neigen ihre Kinder zu Übergewicht. Haben Großeltern vor der Pubertät zu viel und zu ungesund gegessen, bekommen ihre Enkel eher einen Herzinfarkt. Und Menschen, die lange Zeit hungerten, haben zu kleine Nachfahren mit einer verringerten Lebenserwartung.

Kann es sein, dass wir Eigenschaften vererben, die nicht in unseren Genen fixiert sind? Oder gibt es einen zweiten Informationscode, mit dem Zellen ihre Reaktion auf Umweltreize festhalten? Epigenetiker sagen "ja". Sie vertreten einen neuen Forschungszweig, die "Über-" oder "Nebengenetik".


wenn wir in der schule (vor einigen jahren) das gesagt hätten, wäre ein 6er in bio die folge gewesen. denn der "lamarckismus" sei ja schon längst widerlegt worden...
gruss
bertram



bertram:

Kann es sein, dass wir Eigenschaften vererben, die nicht in unseren Genen fixiert sind? Oder gibt es einen zweiten Informationscode, mit dem Zellen ihre Reaktion auf Umweltreize festhalten? Epigenetiker sagen "ja". Sie vertreten einen neuen Forschungszweig, die "Über-" oder "Nebengenetik".

wenn wir in der schule (vor einigen jahren) das gesagt hätten, wäre ein 6er in bio die folge gewesen. denn der "lamarckismus" sei ja schon längst widerlegt worden...
gruss bertram

Hallo bertram,
Ja, der gute, alte Lamarckismus! Ist vielleicht kein Zufall, dass Schülern die Theorie von der "Vererbung erworbener Eigenschaften" immer viel mehr eingeleuchtet hat...
Die neuen epigenetischen Erkenntnisse stellen die absolute Dominanz der Gene erfreulich in Frage. Obwohl nach wie vor unverdrossen weiter Rauchen oder Alkoholismus als genetisch vorprogrammiert dargesgtellt werden.



hallo,
und wieder ein deutlicher hinweis, dass die UMWELT die genaktivität steuert (hier: bei depressionen u. suicid):

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=34181
gruss
bertram



Die Studie zeigt nach Einschätzung von John Krystal vom Connecticut Mental Health Center, dem Chefredakteur von Biological Psychiatry, dass langfristige Umwelteinflüsse bis tief in die Gene einwirken können. Dass diese Erkenntnis dereinst neue therapeutische Konsequenzen haben könnte, dürfte derzeit jedoch noch die ferne Wunschvorstellung eines Grundlagenforschers sein. © rme/aerzteblatt.de


Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah: da lobe ich mir inzwischen ganz einfach eine gute Psychotherapie! Auch bei ADHS!



Hier ein weiterer interessanter Beleg dafür, dass die genetische ADHS-Forschung am Schluss "nur" Umwelteinflüsse findet:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/877813/



Ich denke, das bezieht sich auf diese Studie:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18923034?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_
DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum




hallo,
übrigens, im heft PSYCHOLOGIE HEUTE sept.08 ist ein sehr guter artikel zum thema AD(H)S zu finden. durchaus pharmakritisch, mit hinweisen auf neuere (be)funde (epigentik) und fundiert.
fazit: die psychologische fraktion geht in die gegenoffensive! zeit wirds...

have a look
gruss
bertram



hallo,
neuere studien zeigen: kinder "erben", was die eltern ERFAHREN haben(umwelteinfluß):

http://www.netdoktor.de/News/Epigenetik-Kinder-erben-Erf-1130104.html

gruss
bertram

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